MusikMir wird geschlecht
Iden­ti­fi­ka­ti­ons­pe­nis­se

Lesens­wert, übri­gens: Offen­bar gibt es eine lau­ter wer­den­de Min­der­heit, die auch in der Musik das Vor­han­den­sein der rich­ti­gen Geschlechts­merk­ma­le über das Talent stel­len möch­te.

Als wür­de das Geschlecht dar­über ent­schei­den, ob jemand ein guter, span­nen­der oder lang­wei­li­ger Künst­ler ist. (…) Als wür­den Kon­zert­be­su­cher – männ­lich oder weib­lich – das Kon­zert­er­leb­nis danach bewer­ten, ob die gespiel­ten Kom­po­ni­sten oder gar die Per­son am Pult Geschlechts­ge­nos­sen sind oder nicht.

Ich für mei­nen Teil wäre nicht völ­lig unzu­frie­den damit, spiel­ten Radi­os mal was ande­res als 90er-Pop mit Ohren betäu­ben­dem Frau­en­ge­sang; aber ich bin natür­lich auch ein biss­chen eigen, was Musik betrifft.

In den NachrichtenPolitik
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Baut­zens ande­res Level

Zu irgend­wel­chen Aus­schrei­tun­gen in Baut­zen (Sach­sen, natür­lich) berich­tet „ZEIT ONLINE“:

Nach Anga­ben der Poli­zei stan­den am Mitt­woch­abend auf einem Platz rund 80 gewalt­be­rei­te Män­ner und Frau­en über­wie­gend aus dem rech­ten Spek­trum 20 jun­gen Asyl­be­wer­bern gegen­über. (…) Nach Ein­bruch der Dun­kel­heit sei­en die Asyl­be­wer­ber von der Poli­zei auf­ge­for­dert wor­den, den Platz zu ver­las­sen. Sie hät­ten sich aber gewei­gert, eini­ge sei­en dann gewalt­sam gegen die Beam­ten vor­ge­gan­gen. Die Rech­ten sol­len dar­auf­hin (…) auf die Asyl­be­wer­ber zuge­stürzt sein. (…) Aus der Rei­he der Asyl­su­chen­den wur­den die Beam­ten den Anga­ben zufol­ge unter ande­rem mit Fla­schen und Holz­lat­ten bewor­fen. (…) Zwar gebe es seit etwa zwei Wochen auf dem Korn­markt ein Pro­blem mit jugend­li­chen Flücht­lin­gen. Auch sei es gele­gent­lich zu Pöbe­lei­en und Belei­di­gun­gen gekom­men. „Nun aber geht es um ande­res Level“, sag­te [Ober­bür­ger­mei­ster] Ahrens.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Der „Tages­spie­gel“ erklärt, wor­in die­ses „ande­re Level“ wohl besteht (Her­vor­he­bung eben­falls von mir):

Der rech­te Mob jag­te die jun­gen Flücht­lin­ge unter „Wir sind das Volk“-Rufen bis zu ihrer Unter­kunft in der Dresd­ner Stra­ße.

Damit auch ja nie­mand anneh­me, da sei beid­sei­tig irgend­was unnö­tig eska­liert, wird hier durch die Wort­wahl noch mal sicher­ge­stellt, dass das Welt­bild nicht schief hän­gen möge.

Deutsch­land hat, wie es scheint, vor allem ein Jour­na­lis­mus­pro­blem.

In den NachrichtenComputer
Inhalts­kon­su­men­ten­pflicht: Eigen­tor gegen Links

Apro­pos „das Inter­net nicht ver­stan­den“.

Das Rück­grat des Inter­nets sind bekannt­lich Ver­lin­kun­gen. ob im Web oder sonst­wo. Inhal­te, die nie­mand ver­linkt, sind weit­ge­hend unauf­find­bar, denn was nie­mand kennt, kann nie­mand – allen­falls aus Ver­se­hen – besu­chen. Um so amü­san­ter sind die Plä­ne für ein EU-wei­tes „Lei­stungs­schutz­recht“ zu lesen:

Draft Artic­le 11 intro­du­ces in fact a right for publishers of news publi­ca­ti­ons to aut­ho­ri­se the online use [repro­duc­tion and mar­king available] of their news publi­ca­ti­ons.

This new sui gene­ris right is due to last for 20 years from the date of publi­ca­ti­on or the rele­vant news publi­ca­ti­on.

Mit ande­ren Wor­ten: Ver­la­ge – als hät­te sie jemand gezwun­gen, irgend­was ins Netz zu stel­len – kön­nen sich womög­lich künf­tig 20 Jah­re lang aus­su­chen, wer eine ihrer Publi­ka­tio­nen (natür­lich nicht unbe­dingt, ohne dafür noch Geld zah­len zu müs­sen) bewer­ben darf und wer nicht. Erst sen­den die Öffent­li­chen unge­fragt ins Netz und wir müs­sen Rund­funk­ge­büh­ren zah­len, jetzt Ver­la­ge und wir sol­len für Links zah­len. Wenn es den Ver­la­gen im Inter­net nicht gefällt: wir sind eigent­lich auch ohne sie ziem­lich zufrie­den hier. Wir sind hier zu Hau­se, wir kau­fen hier nicht ein. Jaja, mit „frei­en Links“ kön­ne ein „Jour­na­list“ sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht bestrei­ten, rabu­liert Gabor Stein­gart vom „Han­dels­blatt“, aber das erwar­tet doch auch nie­mand. Wenn ich mit mei­ner Arbeit Geld ver­die­nen möch­te, dann stel­le ich sie nicht kosten­los zur Ver­fü­gung.

In eine ähn­li­che Ker­be schlägt die Logik hin­ter der Ent­schei­dung der Adblock-Plus-Macher, künf­tig selbst „akzep­ta­ble Wer­bung“ (lei­der aber nicht: gar kei­ne) zu ver­mark­ten. Rekla­me im Web – zum Glück kön­nen die Wirt­schafts­fuz­zis Web und Inter­net nicht von­ein­an­der unter­schei­den, was uns wenig­stens in Use­net und IRC unse­re Ruhe lässt – wird offen­bar als für bei­de Sei­ten, Ver­lag und Leser, not­wen­di­ges Übel ange­se­hen, denn die Pfle­ge einer Web­site kostet ja auch Geld und das hät­te man natür­lich gern zurück. Nur: Wenn ich mich mit der Gitar­re in eine Fuß­gän­ger­zo­ne stell­te und Lie­der sän­ge, hät­te ich auch kei­nen Anspruch auf irgend­was. Möch­te ein Benut­zer kei­ne Wer­bung sehen, dann blen­det er sie aus. Das ist ein durch­aus kal­ku­lier­ba­res Risi­ko. Auf eini­gen mei­ner eige­nen Pro­jekt­sei­ten set­ze ich selbst Wer­be­ban­ner ein, rech­ne aller­dings fest damit, dass sie kaum jemand jemals zu sehen bekommt. Und das ist mir egal, denn ich habe dar­über vor­her nach­ge­dacht. Ich wäre ein schlech­ter Ver­lag.

Wer irgend­wel­che Inhal­te publi­ziert, der soll­te sich das lei­sten kön­nen. Es ist nicht mei­ne Auf­ga­be als Kon­su­ment, sicher­zu­stel­len, dass der Anbie­ter mit sei­nem undurch­dach­ten Geschäfts­mo­dell genug Ein­nah­men gene­riert. Nie­mand ist gezwun­gen, irgend­was kosten­los anzu­bie­ten, um dann unter Schma­rot­zern (also: für kosten­lo­se Inhal­te nicht zah­len­den Kun­den) zu lei­den. Wenn ein Ver­lag es als gro­ße finan­zi­el­le Bür­de begreift, dass sei­ne kosten­los ange­bo­te­nen Inhal­te kaum Ein­nah­men gene­rie­ren, dann hat er im Wesent­li­chen drei Mög­lich­kei­ten: Er kann zur Kon­su­men­ten­gän­ge­lung grei­fen und mit aller­lei tech­ni­schen Vor­keh­run­gen dazu auf­ru­fen, die essen­zi­el­le Sicher­heits­soft­ware (Wer­be- und Script­blockie­rer) abzu­schal­ten, damit der arg­lo­se Besu­cher sich beim Lesen wert­vol­ler jour­na­li­sti­scher Arti­kel („Justin Bie­ber hat sei­nen Insta­gram-Account gelöscht (…). Was bedeu­tet das für die Zukunft des Pop?“, FAZ.net) womög­lich Schäd­lin­ge ein­fängt; er kann sei­ne Inhal­te, wie es etwa die „WELT“ ver­sucht, hin­ter einer Bezahl­schran­ke ver­stecken, was zwar in der Regel auch Java­script vor­aus­setzt, aber wenig­stens für eine ange­mes­se­ne Bezah­lung sor­gen dürf­te; er kann auch ein­fach auf­hö­ren, irgend­was ins Netz zu stel­len, wenn er doch über­haupt kein Inter­es­se dar­an hat, dass es dort Ver­brei­tung fin­det. Bedau­er­li­cher­wei­se ent­schei­den sich die mei­sten Publi­zi­sten für die erste der drei Mög­lich­kei­ten.

Wenn euch, Ver­la­ge, die­se wider­li­che Kosten­los­kul­tur miss­fällt, dann gibt es eine offen­sicht­li­che Lösung: Bleibt ihr doch ein­fach fern.

Und nehmt eure Rekla­me mit.

MusikIn den Nachrichten
Musik­in­du­strie beklagt erfolg­rei­che Wer­bung durch sich selbst und ist empört.

Wie man eine Stu­die gründ­lich miss­ver­steht, erklärt heu­te mal wie­der die Musik­in­du­strie (nur echt mit typi­schen hei­se-Sät­zen wie „In Schwel­len­län­dern wie Mexi­ko oder Bra­si­li­en sowie in Süd­ko­rea und Ita­li­en lau­schen über zwei Drit­tel der Onli­ner zu Songs auf dem Han­dy“, was auch immer der letz­te Teil des Sat­zes gram­ma­ti­ka­lisch über­haupt hei­ßen soll):

82 Pro­zent der Besu­cher des Video­por­tals (You­Tube, A.d.V) nut­zen die Platt­form, um sich Musik-Clips anzu­schau­en und Songs zu hören. (…) 58 Pro­zent [von ihnen] sto­ßen dort auf musi­ka­li­sche Neu­ent­deckun­gen. (…) Für die Labels wird damit deut­lich, dass die Gra­tis-Ser­vices zuneh­mend als Alter­na­ti­ve genutzt wer­den, um nicht für Musik bezah­len zu müs­sen.

Oder eben auch, dass die kosten­lo­se Wer­bung ganz gut funk­tio­niert, nicht?

Ich selbst habe auf You­Tube schon man­chen Künst­ler „ent­deckt“, der sonst mei­ner Auf­merk­sam­keit völ­lig ent­gan­gen wäre, was scha­de gewe­sen wäre. Aller­dings ist das Phä­no­men, dass es – Panik! Panik! – Musik kosten­los im Inter­net zu hören gibt, kein neu­es: Als ich noch jün­ger war, hör­te ich in neue Musikal­ben lie­ber via Nap­ster (spä­ter: Audio­ga­la­xy, KaZaA, bis heu­te: eMu­le) hin­ein als mich hin­ter­her über einen Fehl­kauf zu ärgern. Taschen­geld und Musik­ver­schwen­dung pas­sen nicht so gut zuein­an­der. Seit­dem hat sich viel geän­dert: Ich kann mir heu­te mehr Musik lei­sten als frü­her, „muss“ es aber sel­te­ner.

Was der Pio­nier Myspace einst eta­blier­te, näm­lich Platz für Musi­ker, die ihre Wer­ke kosten­los der Öffent­lich­keit zum Anhö­ren zur Ver­fü­gung stel­len woll­ten, ist heu­te vor allem dank Band­camp so beliebt und viel­ge­nutzt wie nie zuvor. Die­se Los­lö­sung von klas­si­schen Ver­triebs­we­gen – mit­hin auch: von You­Tube, denn die dor­ti­ge Ton­qua­li­tät hält sich doch meist in engen Gren­zen, was die Auf­re­gung über You­Tube noch ana­chro­ni­sti­scher schei­nen lässt als sie es ohne­hin ist – bedeu­tet auch einen Wech­sel der Para­dig­men und mehr Frei­hei­ten (sowie gering­fü­gig mehr Pflich­ten) für die Musi­ker selbst. Man­che las­sen ihre Alben im Vor­aus von ihren fans bezah­len („Crowd­fun­ding“), man­che stem­men die­se Bür­de selbst, ver­las­sen sich aber dafür hin­sicht­lich der Wer­bung auf die crowd, die über Musik­blogs wie Schall­gren­zen, Nico­ro­la und 33rpmPVC ihren Teil dazu bei­trägt, dass gei­le Musik auch gei­le Auf­merk­sam­keit erfährt. Die wesent­li­che Rol­le einer Plat­ten­fir­ma, Finan­zie­rung und Ver­mark­tung näm­lich, füllt heu­te ein Musi­ker, der tech­nisch ver­sier­te Freun­de oder selbst aus­rei­chend viel Inter­es­se am The­ma hat, dank der ver­damm­ten Digi­ta­li­sie­rung bei Bedarf gänz­lich allein aus.

Das Inter­net, die­se Tod und Unglück brin­gen­de Hydra, ist inso­fern natür­lich ein Feind der Plat­ten­fir­men; den sie indes nicht schla­gen kön­nen, so sehr sie es auch ver­su­chen. Das haben sie zum Teil bereits erkannt, immer­hin unter­hält unter ande­rem Vevo (eine Part­ner­schaft zwi­schen, Sony Music „Enter­tain­ment“ und der Uni­ver­sal Music Group) außer­halb der Ein­fluss­sphä­re der GEMA jeweils einen gut gefüll­ten You­Tube-Kanal für eine gan­ze Men­ge an rei­chen, schö­nen, berühm­ten und teil­wei­se nicht völ­lig üblen Musi­kern aus dem eige­nen Port­fo­lio und Lizenz­ver­trä­ge mit den ein­schlä­gi­gen Strea­ming­dien­sten, die sich ins­be­son­de­re dadurch aus­zeich­nen, dass die Musi­ker noch weni­ger Geld dafür bekom­men als es ohne­hin bereits der Fall ist, tun ihr Übri­ges. Die Musik­in­du­strie fand nun also über­rascht her­aus, dass dadurch, dass sie kosten­los Musik zur Ver­fü­gung stellt, vie­le Men­schen die­se kosten­lo­se Musik auch hören, ohne etwas dafür zu bezah­len. Wenn das doch nur jemand geahnt hät­te!

Ent­fie­le You­Tube, ent­fie­le also nichts als ein wei­te­rer Ver­triebs­weg. Für das Gros der fie­sen Ver­bre­cher vor dem Bild­schirm, die die­sen Ver­triebs­weg als poten­zi­el­le Kun­den gern wei­ter­hin beschrei­ten wür­den, wür­de sich allen­falls ein digi­ta­les Lese­zei­chen ändern, für die Lizenz­in­ha­ber aber wird sich die feh­len­de Mög­lich­keit der Gra­tis­pro­pa­gan­da über You­Tube mit ziem­li­cher Sicher­heit sehr unan­ge­nehm auf die Bilan­zen aus­wir­ken.

Im Ori­gi­nal­ar­ti­kel heißt es wei­ter­hin:

Nut­zer­rech­te müss­ten aber so gestal­tet sein, dass sie nicht Geschäfts­mo­del­len Vor­schub lei­ste­ten, „die letzt­lich nur schma­rot­zen und die Krea­ti­ven und ihre Part­ner nicht an den Ein­nah­men par­ti­zi­pie­ren las­sen“.

Zum Bei­spiel dem der Musik­in­du­strie, die ihren Künst­lern, wenn es ganz blöd kommt, unge­fähr 4,5 Pro­zent von den Ein­nah­men eines Albums abgibt. Für Musik bezah­len, geht es nach ihrem Wil­len, also vor allem die­je­ni­gen, die sie über­haupt erst auf­neh­men.

Der Tod der Musik­in­du­strie wird ein ret­ten­der sein. Sto­ßen wir dar­auf an!

(via Schwerdt­fe­gr)


Mei­ne dies­jäh­ri­ge Kan­di­da­tur blieb erwar­tungs­ge­mäß hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. Viel­leicht hät­te ein ande­res Wahl­kampf­mot­to gehol­fen: Wäh­len Sie mich bloß nicht!

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Pao­lo Con­te – Via con me // Total ver­sifft!

kaffeeEs ist Mon­tag, das ist sel­ten ein gutes Zei­chen. This is penis. In Nie­der­sach­sen wur­de gewählt, die CDU hat gewon­nen. Bringt ja eh‘ nix. Die da oben. Was sie wol­len. Immer.

In den letz­ten Wochen koch­te zum wie­der­hol­ten Male ein The­ma hoch, das ich für zum wie­der­hol­ten Male begra­ben hielt: Auf Twit­ter gibt es Trol­le. Doch, wirk­lich! Wie gewohnt wer­den pseud­ony­me Pran­ger­sei­ten erstellt, auf denen sich irgend­wel­che Würst­chen dar­über auf­re­gen, dass Selbst­dar­stel­ler und gewalt­be­gei­ster­te Femi­ni­stin­nen, die sich auf Twit­ter, auf You­Tube und/oder in ihren Blogs fort­wäh­rend im Glanz ihrer eige­nen Groß­ar­tig­keit zu son­nen ver­su­chen, für ihre oft dümm­li­chen Aus­sa­gen auch mal aus­ge­lacht und nicht nur aus­gie­big ver­ehrt wer­den. Da habe sich, erzählt die Gegen­sei­te, eine homo­ge­ne Grup­pe von Leu­ten zusam­men­ge­schlos­sen, um sich auf Ein­zel­ne ein­zu­schie­ßen, ohne dass die­se ihnen etwas getan haben; lei­der kam ich bei mei­nen eige­nen Recher­chen nicht beson­ders weit, denn vie­le der betei­lig­ten Accounts haben mich blockiert, ohne dass ich ihnen etwas getan habe, denn bei den Guten gibt es eige­ne Pran­ger­li­sten, erstellt von sehr merk­wür­di­gen Femi­ni­stin­nen wie Ran­di Har­per und Jas­na Strick, auf denen ich mit­un­ter selbst drauf­ste­he, weil ich mit den fal­schen Leu­ten nicht jede Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­las­se oder so ähn­lich. Und die­se Guten, die unkri­tisch frem­de Hass­li­sten abon­nie­ren, beschwe­ren sich dann, dass ihnen nicht jeder für ihr selbst­ge­rech­tes Geschwal­le den Arsch pudert, unter­stützt von den Medi­en, die sich ja immer wie­der freu­en, auf der Sei­te der Gerech­tig­keit mal mit ihrem Holz­schwert fuch­teln zu dür­fen; um dann, wenn sie ent­larvt wur­den, natür­lich von nichts mehr zu wis­sen zu mei­nen. Ist ja alles bloß Inter­net.

Wenn die­ses Inter­net und Linux auf­ein­an­der tref­fen, fal­len Spä­ne: Eine Linux-Mal­wa­re greift aktu­ell IoT-Gerä­te wie IP-Kame­ras mit ver­al­te­ter Firm­ware an. Ist ja Linux, ist ja sicher.

Chips, Chips; sie und ein Seuf­zen.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPiratenpartei
Mari­na Weis­bands Links-Rechts-Sche­ma in den Gren­zen von 1990

Wie wenig der Pira­ten­par­tei übri­gens der mitt­ler­wei­le ziem­lich voll­stän­dig der „Lin­ken“ ange­hö­ren­de „pro­gres­si­ve Flü­gel“ fehlt, macht Mari­na „wer?“ Weis­band, ehe­mals „die schö­ne Pira­tin“ (Quatsch­me­di­en) bezie­hungs­wei­se vor eini­gen Jah­ren durch Infor­ma­tio­nen wie „Unser Ziel ist es, uns selbst über­flüs­sig zu machen“ auf­ge­fal­le­ne poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, in aus­ge­rech­net dem „SPIEGEL“ deut­lich:

Laut Weis­band ist der pro­gres­si­ve Flü­gel aus der Par­tei ver­trie­ben wor­den, nun sei­en dort nur noch vie­le kon­ser­va­ti­ve Men­schen, „die das Inter­net in den Gren­zen von 1990 wol­len“.

Denn genau das, „das Inter­net“ in „Gren­zen“, ist es nicht, was die­je­ni­gen Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei, die sich nicht gera­de durch halb­nack­te Selbst­dar­stel­lung in Bou­le­vard­me­di­en her­vor­tun, eigent­lich poli­tisch wol­len; statt­des­sen eines ohne jeg­li­che Gren­zen, nur eben auch ohne ideo­lo­gisch moti­vier­te Kom­pro­mis­se und ohne den Kampf gegen Rechts mit allen Mit­teln als poli­ti­sche Maxi­me, aber war­um soll­te der „SPIEGEL“ auch jeman­den fra­gen, der immer noch dabei ist? Das wäre ja Jour­na­lis­mus und dafür wer­den die ja eher nicht bezahlt. Beim Grund­ge­setz sind wir kon­ser­va­tiv.

Obwohl ich das Inter­net in den Gren­zen von 1990 (kei­ne Durch­kom­mer­zia­li­sie­rung, kei­ne pene­tran­ten Wer­be­flä­chen, kei­ne gewal­ti­gen Sicher­heits­pro­ble­me, kei­ne Essens­fo­to­por­ta­le und vor allem kein „SPIEGEL ONLINE“) durch­aus befür­wor­ten wür­de.

In den NachrichtenMusik
Apple klinkt sich aus.

Als ich noch jung und ein biss­chen blö­der war als heu­te, war die Welt der Steck­ver­bin­dun­gen für Ton­tech­nik eine ein­fa­che: Kopf­hö­rer und Laut­spre­cher hat­ten einen DIN-Stecker, der auf exakt eine Wei­se in die dafür vor­ge­se­he­ne Buch­se gepasst hat, und wenn man es mit „sanf­tem“ Druck auf eine ande­re Wei­se ver­sucht hat, war der Stecker und damit das Gerät in der Regel hin­über. Zudem war der DIN-Stecker ein rein deut­sches Phä­no­men, Audio­zu­be­hör zu impor­tie­ren war also nur bedingt sinn­voll. Etwas spä­ter hat­ten sich neben den Cinch- die heu­te noch immer übli­chen 3,5‑Millimeter-Klinkenstecker durch­ge­setzt, die eine will­kom­me­ne Ver­bes­se­rung, auch und gera­de bedien­tech­nisch, dar­stell­ten: Sie pas­sen in jedem Dreh­win­kel in die dafür vor­ge­se­he­ne Buch­se, haben auch im Aus­land (sofern man mal dort sein muss) eine aus­rei­chen­de Ver­brei­tung, neh­men deut­lich weni­ger Platz weg und sind prin­zi­pi­ell, not­falls in der 2,5‑Millimeter-Ausführung, auch bei gerin­gem frei­en Platz meist noch pro­blem­los ein­zu­pla­nen. Das ging jetzt jahr­zehn­te­lang gut; kauf­te man einen neu­en Kopf­hö­rer, so pass­te sein Stecker in der Regel über­all hin­ein, und war der Wider­stand nied­rig genug, klang er höchst­wahr­schein­lich auch über­all glei­cher­ma­ßen pri­ma.

Ein Sprung ins Jahr 2016. Auf dem App­le­b­log SPIEGEL ONLINE (jetzt noch häss­li­cher) freut sich Mat­thi­as Kremp der­zeit dar­über, dass Apple bei sei­nem heu­te mit gewohnt gro­ßem Getö­se, als habe man ver­se­hent­lich Krebs geheilt, vor­ge­stell­ten „neu­en“ iPho­ne – jetzt auch in Dia­mant­schwarz, wie man sich Dia­man­ten eben so vor­stellt – die Kopf­hö­rer­buch­se weg­lässt und statt­des­sen voll auf den haus­ei­ge­nen, pro­prie­tä­ren Light­ning­port sowie Blue­tooth setzt. Als Musik­freund und App­le­skep­ti­ker fin­de ich das wenig über­ra­schend, aber zumin­dest die­ses Kom­men­tars wert.

Wer brau­che schon noch Audio­ka­bel?, frag­te mich hin­sicht­lich mei­ner Irri­ta­ti­on über die Auf­ga­be des Qua­si­stan­dards ein von Musik und Apple glei­cher­ma­ßen über­zeug­ter Arbeits­kol­le­ge. Und rein theo­re­tisch impli­zier­te er das Rich­ti­ge: App­les ersatz­wei­se her­aus­ge­brach­te Funk­ohr­stöp­sel, Bat­te­rie­lauf­zeit fünf Stun­den und somit nur was für Leu­te, denen die Berie­se­lung eigent­lich auch scheiß­egal ist, kosten nur lächer­li­che 160 US-Dol­lar, Apple legt sei­nen Lebens­stil-gad­gets einen Adap­ter für die Light­ning-Schnitt­stel­le bei, die nur für Apple­ge­rä­te sinn­voll ist, und Blue­tooth wird, den Daten­ver­lust bei kabel­lo­ser Über­tra­gung betref­fend, auch immer bes­ser; man muss nur bei­de Gerä­te in Sicht­wei­te brin­gen, mit­ein­an­der kop­peln und schon, mit etwas Glück, funk­tio­niert es. Das ist viel bes­ser als ein­fach „Stecker rein und los“.

Spä­te­stens 2017 wird es, den Medi­en zufol­ge, kei­ne Kopf­hö­rer mit Klin­ken­stecker mehr geben, pro­prie­tä­re und kom­pli­zier­te, ver­lust­be­haf­te­te Daten­über­tra­gung ist die Zukunft, Kin­der. Merkt ja eh‘ kei­ner, den Unter­schied.

Oder eben ein Schritt um Jah­re zurück.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 7. Sep­tem­ber 2016

Was macht eigent­lich der Ver­kehrs­mi­ni­ster?

Dob­rindt plä­dier­te daher für einen „krea­ti­ven Daten­reich­tum statt Daten­spar­sam­keit“.

Krea­ti­ven Daten­reich­tum fin­de ich wun­der­schön. Ich gehe sogar noch einen Schritt wei­ter und lege nahe, die reich­hal­ti­gen Daten um ein paar der­be Wor­te, gewis­se Mini­ster betref­fend, zu ergän­zen.


Femi­nis­mist des Tages: Koh­len­stoff­fasern sind unter­drücken­de Ele­men­te des Patri­ar­chats.


Das Open­BSD-Team erklärt, wofür „GNU“ eigent­lich steht: Giant and Nasty but Unavo­ida­ble.


Deutsch­land wird laut einer Pro­gno­se des Ifo-Insti­tuts in die­sem Jahr Chi­na als Land mit dem welt­weit größ­ten Import­de­fi­zit ablö­sen.


Ein Bon­bon aus der Welt der huma­ni­sti­schen Diplo­ma­tie: Meu­cheln heißt jetzt „Neu­tra­li­sie­ren“.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Blues Pills – Lady in Gold // Popu­lis­mus vor Pom­mern

Montag (heute mal so)Es ist Mon­tag. Kaum hat man sich, sich noch schlaf­trun­ken in ihrer Nähe wäh­nend und von die­sem Mon­tag daher zumin­dest vor­über­ge­hend posi­tiv beein­druckt, aus dem Bett geschält, tref­fen schon die ersten Schreckens­nach­rich­ten über einen her­ein: Die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD hat in Meck­len­burg-Vor­pom­mern am Sonn­tag mehr Stim­men erzielt als es zu wün­schen gewe­sen wäre, wäh­rend die dor­ti­gen Grü­nen für fort­wäh­ren­de Belei­di­gung der Intel­li­genz ihrer Wäh­ler mit dem Raus­wurf bestraft wur­den. Das Volk ist ein schlich­tes, wie es scheint, fol­ge­rich­tig hat auch die AfD an Bedeu­tung gewon­nen. Die Kin­der üben schon die ersten Anschlä­ge. Alles Nazis? Mit­nich­ten; und eine Lösung gibt es auch: Statt sich als eine der Par­tei­en her­vor­zu­tun, die sich zusam­men­tun, um ein­an­der die Fin­ger in die Ohren zu stecken, wäre es zuwei­len ver­mut­lich nicht völ­lig ver­kehrt, den Ursa­chen für eine Radi­ka­li­sie­rung des Wäh­lers eine bür­ger­na­he Poli­tik ent­ge­gen­zu­set­zen, statt die Vor­brin­ger etwa­iger Beden­ken pau­schal zu beschimp­fen und sich ihrer Wün­sche an die Poli­tik in der Fol­ge nicht wei­ter anzu­neh­men. Die AfD ver­dankt ihre Wahl­er­geb­nis­se vor allem den ande­ren Par­tei­en und am wenig­sten sich selbst. Zur Beru­hi­gung eine ange­neh­me Mel­dung aus der Tier­welt: Pan­da­bä­ren sind kei­ne gefähr­de­te Tier­art mehr. – So, jetzt geht’s wie­der.

Aus der Welt der Tech­nik: Auf­grund diver­ser Leaks ist Tor gera­de mal wie­der in aller Mun­de, aber Tor ist völ­lig unin­ter­es­sant gewor­den, seit dort offen­bar über­se­xua­li­sier­te SJWs das Ruder über­nom­men haben und die enga­gier­ten Tech­nik-nerds das nicht mehr ertra­gen. Ein Opfer­stuhl­kreis schafft wohl kaum ein ange­mes­se­nes Kli­ma zur sinn­vol­len Wei­ter­ent­wick­lung und Pfle­ge eines der­art kom­ple­xen Net­zes. Wenn doch heut­zu­ta­ge schon über­all so ein Netz drin­steckt: Pro­ble­me mit dem Auto? Ein­fach aus- und wie­der ein­schal­ten!

Jetzt aber erst ein­mal abschal­ten.

BLUES PILLS – Lady In Gold (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Mai­da­Va­le – Tales of the Wicked West

MaidaVale - Tales of the Wicked WestMai­da Vale ist eine Hal­te­stel­le der Lon­do­ner U‑Bahn sowie der Name eines Stu­dio­kom­ple­xes der BBC, in dem unter ande­rem John Peel regel­mä­ßig auf­nahm. Eine Band danach zu benen­nen ist, je nach­dem, ent­we­der zumin­dest unge­wöhn­lich oder ent­setz­lich banal. Das schwe­di­sche Frau­en­quar­tett Mai­da­Va­le, gegrün­det 2012, hat es trotz­dem gewagt und leg­te erst im kürz­lich ver­gan­ge­nen August mit sei­nem Debüt­al­bum „Tales of the Wicked West“ eines die­ser Alben vor, deren Gran­dio­si­tät eine Wür­di­gung mehr als nur ver­dient hat.

Der häu­fig im Inter­net zu fin­den­de Ver­gleich mit den Blues Pills, eben­falls eine schwe­di­sche Retro-Band mit Sän­ge­rin, ist ein biss­chen unfair, ABBA haben mit Mai­da­Va­le ja auch nicht viel gemein­sam. Wo Blues Pills es mit Retro-Rock ver­su­chen, gibt es von Mai­da­Va­le sozu­sa­gen die vol­le Breit­sei­te: Psy­che­de­li­scher Blues­rock (Led Zep­pe­lin, Jimi Hen­drix) trifft auf dro­gen­schwe­ren 70-er Kraut­rock; die Gitar­re singt aus vol­lem Hals, das Schlag­zeug treibt sie vor­an, dazu spielt Linn Johan­nes­son einen knacki­gen Bass mit ordent­lich groo­ve, wäh­rend Matil­da Roth mit einer unglaub­lich pas­sen­den, in den letz­ten Jahr­zehn­ten lei­der viel zu sel­ten gewor­de­nen Stim­me von „Ras­sis­mus, Kriegs­wahn und zwi­schen­mensch­li­chen Minen­fel­dern“ (Jochen König) singt.

Mai­da­Va­le – (If You Want The Smo­ke) Be The Fire

Den musi­ka­li­schen trip hal­ten also nur die Tex­te vom Ent­ste­hen ab, so dass man immer­hin die Wahl hat, ob man ver­rei­sen oder sich über die Welt auf­re­gen möch­te. Zwei Alben in einem also – wo sonst gibt es das? Klei­ne Expe­ri­men­te wie das ein­mi­nü­ti­ge „Truth/Lies“, ein ver­zerr­tes Expe­ri­men­tal­stück in irgend­wie Talk-Talk-Tra­di­ti­on, ergän­zen das Album ganz gut, aber haupt­säch­lich bleibt kei­ne Zeit zum Aus­ru­hen. Das ist gut, denn so kann man „Tales of the Wicked West“ – die sub­ti­le Spit­ze im Titel wird erst im Zusam­men­spiel mit den The­men offen­sicht­lich – vor­be­halt­los in sich auf­neh­men und wir­ken las­sen.

MAIDAVALE – DIRTY WAR (Live in Stu­dio Under­jord)

Das abschlie­ßen­de „Hea­ven and Earth“, das es angeb­lich nicht auf alle Ver­sio­nen des Albums geschafft hat, lässt auf elf Minu­ten Län­ge erst­mals und schließ­lich Raum zum Durch­at­men. Etwa­ige Erin­ne­run­gen an das Yes-Album glei­chen Namens sind kurz­zei­tig aus­zu­blen­den. Gesun­gen wird hier nicht mehr, statt­des­sen ver­su­chen Mai­da­Va­le sich an einer Art „Post-Blues­rock“: Eine ein­fa­che Gitar­ren­me­lo­die in acht Tak­ten beginnt und zieht sich bis zum Aus­klang des Stücks und damit des Albums durch, es setzt die spa­ci­ge Gitar­re ein und soliert in einer Wei­se, dass dem geneig­ten Hörer die Sin­ne eja­ku­lie­ren. Ein musi­ka­li­scher Wochen­end­aus­flug ans Wild­was­ser mit einer Pfei­fe in der Hand. Eine sehr ange­neh­me Rei­se.

Auf Band­camp gibt es das kom­plet­te Album zum Anhö­ren und Kau­fen, Vinyl­freun­de wer­den momen­tan aller­dings nur auf Amazon.de fün­dig.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Sei ein­fach reich und berühmt.

Vic­to­ria Beck­ham (ehe­mals Adams) macht jun­gen Mäd­chen Mut:

Vic­to­ria Beck­ham [hat] für Vic­to­ria Adams – und mit ihr Mil­lio­nen jun­ger Frau­en – wei­te­re gute Rat­schlä­ge parat. „Du bist nicht die Hüb­sche­ste oder die Dünn­ste oder die Beste im Tan­zen am Lai­ne-Theat­re-Arts-Col­lege“, und „Du hast schlim­me Akne.“ All das sei aber kein Grund zu ver­zwei­feln.

Man muss als jun­ges Mäd­chen nicht gut aus­se­hen oder talen­tiert sein – es reicht, gut bezahl­tes Mit­glied einer zu Unrecht welt­be­rühm­ten Pop­grup­pe zu sein und schon kann man alles errei­chen, zum Bei­spiel einen Fuß­ball­spie­ler hei­ra­ten. Ein wert­vol­ler Tipp für Mil­lio­nen jun­ger Frau­en.

Wenn’s wei­ter nichts ist!

PolitikIn den NachrichtenComputerMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 1. Sep­tem­ber 2016

Schon jetzt mein Wort des Monats:

Wer im Sicher­heits­be­reich arbei­tet, braucht eine Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung, aus­ge­stellt vom Land Hes­sen.

„Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung“. :irre:


So eine Über­ra­schung: Es gibt inzwi­schen wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen, die bele­gen, dass das Geschlecht nicht etwa durch sozio­kul­tu­rel­len Kon­sens, son­dern allein durch „hat Penis“ oder „hat kei­nen Penis“ fest­ge­legt wird. Als hät­ten Gen­der Stu­dies gar nichts mit Wis­sen­schaft zu tun. Ver­rückt.


„Mit Linux wär‘ das nicht pas­siert“ des Tages: Es kur­siert eine Schad­soft­ware, die euren Linux­web­ser­ver löscht.


Und gleich noch was aus der Welt der super­si­che­ren, weil frei­en Soft­ware: Na, auch Open­Of­fice instal­liert?


Die offen­sicht­lich nicht immer völ­lig nüch­ter­nen Orga­ni­sa­to­ren der „TTIP-Demos“ tei­len mit, dass am 17. Sep­tem­ber Chri­sten gegen eine „Wirt­schafts­wei­se, die tötet“ demon­strie­ren. Flat­ter erklärt qua­si hier­zu den Zusam­men­hang zwi­schen Bock und Gärt­nern.

In den NachrichtenNerdkrams
Über Tech­nik­ver­hin­de­rungs­pro­zes­so­ren

Frü­her bedeu­te­te eine neue Pro­zes­sor­ge­ne­ra­ti­on oft einen spür­ba­ren Anstieg der gefühl­ten Lei­stung, ein qua­si expo­nen­ti­el­les Wachs­tum der Nenn­lei­stung bei gleich­zei­tig sin­ken­den Emis­sio­nen. Das ist lan­ge her, Ein­zel­kern­ge­schwin­dig­kei­ten von deut­lich über drei Giga­hertz sind phy­si­ka­lisch der­zeit nicht mit ver­tret­ba­rem Auf­wand zu errei­chen (wenn nicht gera­de Stick­stoff­küh­lung zum Stan­dard­mo­dell in einem PC oder gar Lap­top wird). Wer­be­kam­pa­gnen für neue Pro­zes­so­ren müs­sen also irgend­wie anders auf­fal­len, um einen Neu­kauf zu recht­fer­ti­gen; der Wett­be­werb um immer nied­ri­ge­re Nano­me­ter­wei­ten ver­liert all­mäh­lich sei­nen Reiz.

Wor­auf also freut sich denn heu­te der geneig­te Com­pu­ter­käu­fer? Rich­tig: Bald schon gibt es vie­le neue Hard­ware mit Intels neue­sten Pro­zes­so­ren mit dem beknack­ten Code­na­men „Kaby Lake“. Sie sol­len aus glei­chem Strom mehr von allem her­aus­ho­len: Mehr Rechen­ge­schwin­dig­keit, mehr Mög­lich­kei­ten, mehr Tech­nik­ver­hin­de­rung:

Schließ­lich gibt es noch eine Erwei­te­rung für Kaby Lake: einen neu­en Medi­en­ver­ar­bei­tungs­kern. (…) Die­ser Video­kern erzwingt auch Anti-Pira­te­rie-DRM-Schutz, wie er von den gro­ßen Stu­di­os vor­aus­ge­setzt wird. Hol­ly­wood­chefs woll­ten kei­ne ultra­hoch­auf­lö­sen­den 4K-Fil­me aus der „Cloud“ strea­men, ohne dass sicher gestellt ist, dass der gewöhn­li­che Mit­schnei­der es schwer haben wird, und daher gab Intel den Unter­hal­tungs­rie­sen, was sie woll­ten.

(Freie Über­set­zung von mir.)

Wer sich in ein paar Mona­ten einen neu­en Rech­ner kauft und nicht gera­de auf AMD-Pro­zes­so­ren zurück­grei­fen möch­te, die in geho­be­nen Preis­klas­sen durch­aus recht sel­ten gewor­den sind, der tauscht ein paar Cent Strom­ko­sten im Wesent­li­chen gegen sei­ne Frei­heit ein, weil das Gerät, das vor­der­grün­dig mit gran­dio­sen Mul­ti­me­dia­lei­stun­gen prahlt, tat­säch­lich nicht für ihn, son­dern für Rech­te­ver­wer­ter gestal­tet wur­de, deren maß­geb­li­ches Inter­es­se an neu­er Hard­ware sich auf die Fra­ge beschränkt, wie man deren Käu­fern mög­lichst vie­le Mög­lich­kei­ten neh­men kann, über die ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den digi­ta­len Medi­en frei zu ver­fü­gen.

Ohne die­se Leu­te war das Inter­net irgend­wie schö­ner.

In den NachrichtenWirtschaft
In der Steu­er geirt

„ZEIT ONLINE“, 8. Juli 2016:

Die US-Behör­den gehen juri­stisch gegen die Steu­er­prak­ti­ken von Face­book vor. Die Steu­er­be­hör­de IRS reich­te eine Kla­ge gegen den Kon­zern ein, in der es um die finan­zi­el­le Ver­bin­dung zur euro­päi­schen Face­book-Zen­tra­le in Dub­lin geht.

„ZEIT ONLINE“, 30. August 2016:

Der US-Kon­zern Apple muss in Irland die Rekord­sum­me von bis zu 13 Mil­li­ar­den Euro Steu­ern nach­zah­len. (…) Das US-Finanz­mi­ni­ste­ri­um hat­te der [EU-Wett­be­werbs-]Kom­mis­si­on Ende August vor­ge­wor­fen, sie unter­gra­be das inter­na­tio­na­le Steu­er­sy­stem und neh­me dabei „über­pro­por­tio­nal“ US-Kon­zer­ne ins Visier.

Bei Steu­ern wol­len die USA von glo­ba­li­sier­ter Wirt­schaft dann doch lie­ber nichts wis­sen.