Als ich noch jung und ein bisschen blöder war als heute, war die Welt der Steckverbindungen für Tontechnik eine einfache: Kopfhörer und Lautsprecher hatten einen DIN-Stecker, der auf exakt eine Weise in die dafür vorgesehene Buchse gepasst hat, und wenn man es mit “sanftem” Druck auf eine andere Weise versucht hat, war der Stecker und damit das Gerät in der Regel hinüber. Zudem war der DIN-Stecker ein rein deutsches Phänomen, Audiozubehör zu importieren war also nur bedingt sinnvoll. Etwas später hatten sich neben den Cinch- die heute noch immer üblichen 3,5‑Millimeter-Klinkenstecker durchgesetzt, die eine willkommene Verbesserung, auch und gerade bedientechnisch, darstellten: Sie passen in jedem Drehwinkel in die dafür vorgesehene Buchse, haben auch im Ausland (sofern man mal dort sein muss) eine ausreichende Verbreitung, nehmen deutlich weniger Platz weg und sind prinzipiell, notfalls in der 2,5‑Millimeter-Ausführung, auch bei geringem freien Platz meist noch problemlos einzuplanen. Das ging jetzt jahrzehntelang gut; kaufte man einen neuen Kopfhörer, so passte sein Stecker in der Regel überall hinein, und war der Widerstand niedrig genug, klang er höchstwahrscheinlich auch überall gleichermaßen prima.
Ein Sprung ins Jahr 2016. Auf dem Appleblog SPIEGEL ONLINE (jetzt noch hässlicher) freut sich Matthias Kremp derzeit darüber, dass Apple bei seinem heute mit gewohnt großem Getöse, als habe man versehentlich Krebs geheilt, vorgestellten “neuen” iPhone — jetzt auch in Diamantschwarz, wie man sich Diamanten eben so vorstellt — die Kopfhörerbuchse weglässt und stattdessen voll auf den hauseigenen, proprietären Lightningport sowie Bluetooth setzt. Als Musikfreund und Appleskeptiker finde ich das wenig überraschend, aber zumindest dieses Kommentars wert.
Wer brauche schon noch Audiokabel?, fragte mich hinsichtlich meiner Irritation über die Aufgabe des Quasistandards ein von Musik und Apple gleichermaßen überzeugter Arbeitskollege. Und rein theoretisch implizierte er das Richtige: Apples ersatzweise herausgebrachte Funkohrstöpsel, Batterielaufzeit fünf Stunden und somit nur was für Leute, denen die Berieselung eigentlich auch scheißegal ist, kosten nur lächerliche 160 US-Dollar, Apple legt seinen Lebensstil-gadgets einen Adapter für die Lightning-Schnittstelle bei, die nur für Applegeräte sinnvoll ist, und Bluetooth wird, den Datenverlust bei kabelloser Übertragung betreffend, auch immer besser; man muss nur beide Geräte in Sichtweite bringen, miteinander koppeln und schon, mit etwas Glück, funktioniert es. Das ist viel besser als einfach “Stecker rein und los”.
Spätestens 2017 wird es, den Medien zufolge, keine Kopfhörer mit Klinkenstecker mehr geben, proprietäre und komplizierte, verlustbehaftete Datenübertragung ist die Zukunft, Kinder. Merkt ja eh’ keiner, den Unterschied.
Oder eben ein Schritt um Jahre zurück.


Nicht zu vergessen, die Möglichkeit endlich Anti-Piraterie-DRM-Schutz einzubauen!
Jo, klingt doch geil, so’ne mp3 bei 124bps!
Diese lustigen DIN-Stecker finden heute noch Verwendung im MIDI-Bereich (Musical Instruments Digital Interface). Nur eben so zur Info – als Nichtmusiker oder Nichtkeyboarder kann/muss man so etwas nicht wissen.