ComputerIn den Nachrichten
Inhalts­kon­su­men­ten­pflicht: Eigen­tor gegen Links

Apro­pos „das Inter­net nicht verstanden”.

Das Rück­grat des Inter­nets sind bekannt­lich Ver­lin­kun­gen. ob im Web oder sonst­wo. Inhal­te, die nie­mand ver­linkt, sind weit­ge­hend unauf­find­bar, denn was nie­mand kennt, kann nie­mand – allen­falls aus Ver­se­hen – besu­chen. Um so amü­san­ter sind die Plä­ne für ein EU-wei­tes „Lei­stungs­schutz­recht” zu lesen:

Draft Arti­cle 11 intro­du­ces in fact a right for publishers of news publi­ca­ti­ons to aut­ho­ri­se the online use [repro­duc­tion and mar­king avail­ab­le] of their news publications. 

This new sui gene­ris right is due to last for 20 years from the date of publi­ca­ti­on or the rele­vant news publication.

Mit ande­ren Wor­ten: Ver­la­ge – als hät­te sie jemand gezwun­gen, irgend­was ins Netz zu stel­len – kön­nen sich womög­lich künf­tig 20 Jah­re lang aus­su­chen, wer eine ihrer Publi­ka­tio­nen (natür­lich nicht unbe­dingt, ohne dafür noch Geld zah­len zu müs­sen) bewer­ben darf und wer nicht. Erst sen­den die Öffent­li­chen unge­fragt ins Netz und wir müs­sen Rund­funk­ge­büh­ren zah­len, jetzt Ver­la­ge und wir sol­len für Links zah­len. Wenn es den Ver­la­gen im Inter­net nicht gefällt: wir sind eigent­lich auch ohne sie ziem­lich zufrie­den hier. Wir sind hier zu Hau­se, wir kau­fen hier nicht ein. Jaja, mit „frei­en Links” kön­ne ein „Jour­na­list” sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht bestrei­ten, rabu­liert Gabor Stein­gart vom „Han­dels­blatt”, aber das erwar­tet doch auch nie­mand. Wenn ich mit mei­ner Arbeit Geld ver­die­nen möch­te, dann stel­le ich sie nicht kosten­los zur Verfügung.

In eine ähn­li­che Ker­be schlägt die Logik hin­ter der Ent­schei­dung der Adblock-Plus-Macher, künf­tig selbst „akzep­ta­ble Wer­bung” (lei­der aber nicht: gar kei­ne) zu ver­mark­ten. Rekla­me im Web – zum Glück kön­nen die Wirt­schafts­fuz­zis Web und Inter­net nicht von­ein­an­der unter­schei­den, was uns wenig­stens in Use­net und IRC unse­re Ruhe lässt – wird offen­bar als für bei­de Sei­ten, Ver­lag und Leser, not­wen­di­ges Übel ange­se­hen, denn die Pfle­ge einer Web­site kostet ja auch Geld und das hät­te man natür­lich gern zurück. Nur: Wenn ich mich mit der Gitar­re in eine Fuß­gän­ger­zo­ne stell­te und Lie­der sän­ge, hät­te ich auch kei­nen Anspruch auf irgend­was. Möch­te ein Benut­zer kei­ne Wer­bung sehen, dann blen­det er sie aus. Das ist ein durch­aus kal­ku­lier­ba­res Risi­ko. Auf eini­gen mei­ner eige­nen Pro­jekt­sei­ten set­ze ich selbst Wer­be­ban­ner ein, rech­ne aller­dings fest damit, dass sie kaum jemand jemals zu sehen bekommt. Und das ist mir egal, denn ich habe dar­über vor­her nach­ge­dacht. Ich wäre ein schlech­ter Verlag.

Wer irgend­wel­che Inhal­te publi­ziert, der soll­te sich das lei­sten kön­nen. Es ist nicht mei­ne Auf­ga­be als Kon­su­ment, sicher­zu­stel­len, dass der Anbie­ter mit sei­nem undurch­dach­ten Geschäfts­mo­dell genug Ein­nah­men gene­riert. Nie­mand ist gezwun­gen, irgend­was kosten­los anzu­bie­ten, um dann unter Schma­rot­zern (also: für kosten­lo­se Inhal­te nicht zah­len­den Kun­den) zu lei­den. Wenn ein Ver­lag es als gro­ße finan­zi­el­le Bür­de begreift, dass sei­ne kosten­los ange­bo­te­nen Inhal­te kaum Ein­nah­men gene­rie­ren, dann hat er im Wesent­li­chen drei Mög­lich­kei­ten: Er kann zur Kon­su­men­ten­gän­ge­lung grei­fen und mit aller­lei tech­ni­schen Vor­keh­run­gen dazu auf­ru­fen, die essen­zi­el­le Sicher­heits­soft­ware (Wer­be- und Script­blockie­rer) abzu­schal­ten, damit der arg­lo­se Besu­cher sich beim Lesen wert­vol­ler jour­na­li­sti­scher Arti­kel („Justin Bie­ber hat sei­nen Insta­gram-Account gelöscht (…). Was bedeu­tet das für die Zukunft des Pop?”, FAZ.net) womög­lich Schäd­lin­ge ein­fängt; er kann sei­ne Inhal­te, wie es etwa die „WELT” ver­sucht, hin­ter einer Bezahl­schran­ke ver­stecken, was zwar in der Regel auch Java­script vor­aus­setzt, aber wenig­stens für eine ange­mes­se­ne Bezah­lung sor­gen dürf­te; er kann auch ein­fach auf­hö­ren, irgend­was ins Netz zu stel­len, wenn er doch über­haupt kein Inter­es­se dar­an hat, dass es dort Ver­brei­tung fin­det. Bedau­er­li­cher­wei­se ent­schei­den sich die mei­sten Publi­zi­sten für die erste der drei Möglichkeiten.

Wenn euch, Ver­la­ge, die­se wider­li­che Kosten­lo­s­kul­tur miss­fällt, dann gibt es eine offen­sicht­li­che Lösung: Bleibt ihr doch ein­fach fern.

Und nehmt eure Rekla­me mit.