Was sagt es eigentlich über den Zustand der Netzpolitik in Deutschland aus, dass sich unter den wachsamen Augen internationaler Presse rechtzeitig zur ersten Europawahl nach der verheerenden Durchwinkung von Uploadfiltern die wohl bekanntesten YouTube-„Influencer“ des Landes – bekannt geworden zwar nicht durch solide Kenntnisse in Physik oder Politik, jedoch unter anderem durch Schminken (Dagi Bee), Brustbesitz (Katja Krasavice) und Verschwörungstheorien (Simon Unge) – in einem Video zusammenfinden, um ihren Einfluss erstmals dazu zu nutzen, die netzfeindlichen Parteien CDU, CSU und SPD aufgrund ihrer von ihnen als falsch empfundenen Klimapolitik nicht zu wählen, und warum fühle ich mich angesichts der Wahl plötzlich bedeutend unwohler als noch gestern?
Kurzkritik: Sunn O))) – Life Metal
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Das Kutten tragende Gitarrenduo Sunn O))) schaffte es bisher nur wenige Male, mich besonders zu überraschen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass es sein Erfolgskonzept – jedes seiner Alben besteht im Wesentlichen daraus, dass zwei Gitarren wenige Töne hervorbringen – kaum nennenswert verändert, sieht man von solchen Alben ab, die eine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern (in der Vergangenheit etwa Boris und Scott Walker) sind. „Life Metal“, das achte Studioalbum der US-Amerikaner (Amazon.de, TIDAL), wurde im April 2019 veröffentlicht und stellt eine dieser wenigen Überraschungen dar.
Schon der Name – das Gegenteil von „Death Metal“ – und die vergleichsweise farbenfrohe grafische Gestaltung der Verpackung sind ungewöhnlich. Das ist doch wohl nicht etwa ein Tonträger voller fröhlich hüpfender Popmusik? Nein, keine Sorge – aber es ist trotzdem prima.
„Between Sleipnir’s Breaths“ ist ein angemessener Beginn für ein solches Album: Nach viereinhalb Minuten Gitarrendröhnen ertönt eine Strophe sanften Gesangs von Gastcellistin Hildur Guðnadóttir, später noch eine. Das waren doch nur zwei, oder? Ich vergesse ein bisschen die Zeit über diesem Stück. Es ist eines von nur vieren auf diesem Album und mit fast dreizehn Minuten Länge nur das zweitkürzeste.
Das folgende „Troubled Air“, wiederum um die bandtypisch drohenden Drones herum gestrickt, fällt dadurch auf, dass in ihm eine Pfeifenorgel zu hören ist. Gesungen wird in diesem Stück nicht, instrumental klingt es wie die Ruhe zwischen zwei Stürmen. Es endet in einer instrumentalen Klimax, die mich an ein Lied von den Beatles erinnert, aber ich verrate nicht, an welches. In „Aurora“ schlagen die Wellen auch wieder donnernd hoch, verlaufen sich aber dann an der Küste. Wieder kein Gesang. Macht ja nichts!
Das fast halbstündige „Novæ“ beschließt das Album, in ihm darf schließlich auch das Cello einmal als Droneinstrument brillieren. Der lange Mittelteil des Stücks sorgt so für eine ungewöhnlich beklemmende Stimmung, die die Band beinahe in den Postrock schöbe, wäre da nicht das fehlende Schlagzeug.
Es ist ersichtlich: Auf „Life Metal“ passiert nicht viel. Für die schnelle Bespaßung zwischen zwei Terminen ist es angesichts sinkender Aufmerksamkeitsspannen nicht geeigneter als jedes andere Album von Sunn O))) auch. Aber muss denn immer alles als leicht verdauliches fast food für die Ohren daherkommen?
Ich weigere mich, „Life Metal“ nicht zu mögen. Da müssen wir jetzt alle durch.
Die Milch macht’s.
Inzwischen in Großbritannien:
Es wäre eine Untertreibung großen Ausmaßes, zu sagen, die Spannungen im Vereinigten Königreich seien gerade groß. (…) Während verschiedene politische Gruppen sich weiterhin über die nächsten Schritte zum Brexit oder darüber zanken, ob er überhaupt stattfinden soll, haben Demonstranten sich auf eine besonders pointierte und Anzug zerstörende Methode besonnen, ihr Missfallen auszudrücken. In den vergangenen Monaten wurden Personen wie der kontroverse UKIP-Kandidat Carl Benjamin und der Vorsitzende der Brexit Party, Nigel Farage, auf der Straße mit Milchshakes getroffen.
(Miserable Übersetzung von mir.)
Die Evolution schreitet unaufhörlich rückwärts. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich die Demonstranten in Schürzen aus Tierfell kleiden und ihren Opponenten mit Keulen auflauern.
Das muss diese Zivilisation sein.
70 Jahre selektive Menschenwürde
„ZEIT ONLINE“, 22. September 2006:
Kurnaz saß fünf Jahre lang in einem Käfig in Guantánamo. Heute weiß man, dass er unschuldig ist. (…) Schon vor vier Jahren boten die USA ja an, den Mann freizulassen. Doch die Geheimdienstexperten, allen voran (…) der damalige Geheimdienstkoordinator und heutige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (…) [schlug] das Angebot aus[.] (…) Einmal habe man ihn mit Elektroschocks gefoltert, ein anderes Mal an den Händen aufgehängt. Er solle doch zugeben, so bedeutete man ihm, Mohammed Atta und Osama bin Laden gekannt zu haben. Dann werde es ihm besser gehen. Kurnaz sei auch mit Plastikschläuchen zwangsernährt worden, als er in den Hungerstreik trat.
„SPIEGEL ONLINE“, 14. November 2016:
Steinmeier gilt als Schlüsselfigur und Architekt der Reform von Arbeitsmarkt und Sozialsystemen (2003 vom Bundestag gebilligt). Vor allem die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe („Hartz IV“) war parteiintern heftig umstritten und war wesentlicher Grund für den Aufstieg der Linkspartei.
„ZEIT ONLINE“, 22. Mai 2019:
Das Grundgesetz mache „uns zu freien und gleichberechtigten Menschen“, resümierte Steinmeier.
Außer Rentnern, Arbeitslosen, Niedriglohnbeschäftigten, Einwohnern von bösen Staaten und Murat Kurnaz, versteht sich – aber so genau nehmen wir es heute nicht.
Alles Gute, Grundgesetz. Du bist nicht gut gealtert.
Textsicher und stillos
„Mein Genital tut furchtbar weh, immer dann, wenn ich pisse.“
– Die Ärzte: Onprangering (vom Album „Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“, mit Platin ausgezeichnet)
Wie regelmäßige Leser wissen, gehöre ich zu derjenigen Minderheit der Musikhörer, deren Angehörigen außerhalb der Wirkungsmusik und insbesondere bei inländischen Gruppen Texte nicht völlig unwichtig sind. Aus Rapkonsumentenkreisen wurde mir vor einer Weile berichtet, dass der zu diesem Zeitpunkt führende, mir jedoch bis heute nur namentlich bekannte Rapper Capital Bra zwar Texte habe, die eigentlich grauenvoll seien, aber die Melodien und die beats „gingen“ nun mal „ab“. Diese Herangehensweise teile ich selten.
Nun ist es nicht so, dass ein ansonsten gut dargebotenes Gesangsstück durch Fehlleistung des jeweils zuständigen Lyrikers automatisch an Beliebtheit bei mir verlöre. Viele Lieder in der ersten Hälfte meiner persönlichen Bestenliste haben einen Text, den ich mir als Buch niemals zulegte, denn während meine Freude an der Musik von Bob Dylan eine vor allem textbasierte ist, überzeugen andere Künstler, darunter Bent Knee, mehr mit der Darbietung als mit dem, was sie als message mitbringen.
Daraus lässt sich zum Beispiel folgern, dass unabsichtlich blöde Texte und unzureichende musikalische Fähigkeiten nur gemeinsam ein Lied zu einem insgesamt schrecklichen machen können, nicht aber müssen: Selbst die Fantastischen Vier, deren Hervorbringungen musikalisch weit von meinen persönlichen Vorlieben entfernt sind, haben wegen ihrer Texte einen sicheren Platz in meiner Sammlung. Dass Sandro Galfetti von „Energy Schweiz“ kürzlich anregte, man möge auf lyrics „scheißen“ – „Hauptsache Mitsingen“ -, halte ich dennoch für eine nicht löbliche Haltung, denn was nützt die schönste Textsicherheit, wenn sie stillos bleibt?
In der „Micky Maus“ empfahl man mir, als ich noch ein Kind war und den Kram noch kaufte, ich möge meiner Umgebung einen Streich spielen, indem ich sie dazu aufforderte, beschwörend „owi dowi spinn“ – „oh, wie doof isch bin“ – zu murmeln und abzuwarten, wie lange es wohl dauern würde, bis die Teilnehmer es bemerkten. Ich habe damals darauf verzichtet, denn ich habe schon als Kind eher ungern aufs Maul bekommen. Stetig weniger verständlich wird es für mich jedoch, warum Teile derselben Menschen, denen ein Reinfallen auf besagten Streich augenscheinlich schrecklich unangenehm wäre, nicht einmal an öffentlichen Plätzen wie etwa in Wirtshäusern davor zurückschrecken, lauthals Lieder zu intonieren, in denen es im Wesentlichen um Drogen, ums Vögeln und/oder ums Meucheln geht. Möglicherweise wäre es erfolgreich, brächte man ein stumpf stampfendes Lied heraus, dessen Text nur aus dem Refrain besteht und ungefähr „ich habe auf Koks Sex mit deiner Leiche“ lautet. Das schnelle Geld winkt in der Kneipe, wenn man nur hinreichend rufignoranter Liedschreiber ist.
Es gibt gute Argumente für Instrumentalmusik. Karaokeabende sind nur eines von ihnen.
„Auf der Reise zu den Inseln werden wir das Schiff anpinseln.“
– Subway to Sally: Auf der Reise
Medienkritik in Kürze: Die Waffel, für die es keinen Waffelschein gibt
Derweil bei der Grundversorgung:
Dass jemand für eine Europa-Spitzenkandidatur ein Ministeramt aufgibt, gab es noch nie – bis Katharina Barley kam. (…) für die meisten ist Katarina Barley das positive Gesicht der SPD: Freundlich, verbindlich, natürlich, unprätentiös. Dazu gehört, dass sie eine der wenigen Spitzenpolitikerinnen ist, die kaum Make-Up tragen.
Alter!
Sagt man das noch, „Alter!“?
Mit der Globalisierung gegen Open Source
Aus der witzigen Welt der „freien“ Software, von der Androidnutzer zu schwärmen nicht aufhören wollen, dringt diese Meldung herüber:
Die nächste Generation der Huawei-Handys soll (…) keinen Zugang zum Google-spezifischen Email-Anbieter Gmail, Google-Maps und zur App-Plattform Google Play Store erhalten. (…) Auch der deutsche Chiphersteller Infineon liefert vorerst keine in den USA hergestellten Produkte mehr an den chinesischen Mobilfunkanbieter Huawei. Compliance-Vorgaben machten diesen Schritt notwendig, nachdem die USA den chinesischen Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt hätten, teilte Infineon am Montag mit.
Worin genau lag doch gleich der riesige Vorteil von Android gegenüber der Konkurrenz mit der Frucht auf der Rückseite – in der Freiheit von wirtschaftlichen Interessen, in der Unabhängigkeit gar?
Lesehinweis zu deutschem Fernsehquatsch: Hans Hoff beschreibt die „heute-show“.
Gong – Forever Recurring
Es ist Montag. Am vergangenen Wochenende fanden zu viele Menschen Gefallen an einem in einem sehr ärgerlichen Staat stattgefunden habenden Dudelpopwettstreit, der inzwischen sogar der „ZEIT“ zu blöd ist. Madonna war auch da, was entweder schlecht („FAZ“) oder gut („WELT“) war. Dieses unbedingte Bedürfnis danach, bis dahin Unbescholtenen dabei zuzusehen, wie sie in einer Sprache, die offensichtlich nicht die ihre ist, leiernd Kinderlieder zu Stampfrhythmen intonieren, ist mir fremd.
Während aus Israel also Töne erschallen, die nach internationalem Recht normalerweise verboten werden müssten, hat der Westen ganz andere Sorgen: Calvin Klein sah sich zu einer Bitte um Entschuldigung genötigt, weil in einem Werbevideo für die Firma eine Frau zwar einen „weiblichen“ Roboter küsste, aber blöderweise heterosexuell ist. Viele mehrsexuelle Frauen brachte das auf die sprichwörtliche Palme, denn sie sahen sich in ihrem Recht darauf, selbst einen Roboter zu küssen, eingeschränkt. Ich weiß noch nicht, ob ich das dämlich oder lustig finden soll, komme allerdings auch nicht dazu, mich ausgiebig mit diesem Gedanken zu beschäftigen, denn schon liegt die nächste Beklopptheit auf dem Tisch: International formiert sich eine Gruppe der Freibluterinnen, die ihre Menstruation also nicht anders behandeln als jede andere Körperflüssigkeit auch. Gemäß der Viele-Welten-Theorie haben wir alle sehr viel Pech gehabt.
Mit etwas Glück werden wir aus dieser Zwangslage bald von Saudi-Arabien befreit, das sich atomar verstärken möchte. Die USA beschäftigen sich bis dahin mit den wirklich großen Sorgen: Ted Cruz warnt vor Weltraumpiraten, Weltraumpiraten warnen ihrerseits vor Ted Cruz. Währenddessen probt die Berliner Abteilung der SPD-Jugend den Ernstfall für nach der Wahl: Nach der Machtergreifung wird geknüppelt. Hach, fast wie früher!
Nach einem Musik verachtenden Wochenende wie dem, das hinter uns liegt, ist doch sicherlich jeder froh über ein bisschen gute Beschallung, nicht wahr? Alsdann!
Guten Morgen.
Kurz gefragt zum Linux Presentation Day
Wie man aus einem Werkzeug eine Religion machen kann, erklärt beispielhaft die Braunschweiger Linux User Group (allein der Name schon!):
All dies gehört zu dem Konzept des Linux-Presentation-Day, dem Besucher die Möglichkeit zu bieten Linux kennenzulernen, es ‚anzufassen‘, also zu erleben, und sich mit seinen Fragen an erfahrene Linux-Anwender zu wenden.
Haben die etwa keine Plattensammlung?
Mehr Geschlechtsidentitäre in den Bundestag!
(Apropos Feminismus:)
Dass der Kompetenzanteil in dieser Wahlperiode gestiegen ist, hatte Bundestagsabgeordnete aus den Fraktionen alarmiert. (…) Bei einem Treffen am Donnerstagnachmittag verständigten sich die Abgeordneten nach Informationen des „Tagesspiegel“ darauf, für die Einrichtung einer Kommission des Bundestags zu werben. Diese soll das Ziel haben, den Kompetenzanteil im Parlament zu senken – und noch in dieser Wahlperiode ein Ergebnis vorlegen.
Feminismus von der Stange
Gute Nachrichten, wenngleich schon etwas älter: Der Feminismus hat endgültig gewonnen und die größte Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern besiegt! Wie? Nein, nicht die unterschiedliche Lebenserwartung, die Menstruation oder die Homo- und Heterosexualität (denn wenig kann ungerechter sein als ein ganzes Geschlecht nicht für die Begattung zu berücksichtigen): Hannoveraner Herrenfahrradpiktogramme natürlich!
Es ist ein ungewöhnliches Bild: Ein Mitarbeiter einer Baumfirma, der gerade ein Fahrradpiktogramm auf einer Straße in Limmer aufgebracht hat, kratzt das Oberrohr der Fahrrad-Abbildung wieder heraus. (…) Mit der Extra-Arbeit will die Stadt verhindern, dass sich ein Geschlecht diskriminiert fühlt.
Endlich hat diese Frauen verachtende Abbilderei von stilisierten Fahrrädern mit Oberrohr ein Ende!
Liegengebliebenes vom 16. Mai 2019
Wasser predigen, Wein saufen: Die Mainzer Piratenpartei hängt mit dem Auto in der city Plakate auf, auf denen steht, man fordere eine autofreie city.
Nun ist es nicht so, dass die konkurrierende „Satire“-Partei mit den witzigen NSDAP-Anspielungen von der fehlenden politischen Weitsicht eines kleinen Piratenverbandes profitieren könnte und sollte: Die Spaßpartei „Die Partei“ zeigt sich (…) offen homophob, Spaß muss halt sein.
Noch was zu Parteien? Na gut: SPD-Abgeordnete Saskia Esken teilt mit, eine Sperre auf Twitter beeinträchtigte ihre Arbeitsfähigkeit. Mehr möchte ich über die SPD’sche Auffassung von politischer Arbeit nicht unbedingt lesen müssen.
Was passiert eigentlich, wenn es keinen verpflichtenden Computerführerschein gibt und also auch weniger begabte Menschen Software installieren dürfen? Sie mieten Programme, statt sie zu kaufen, und dann nimmt Adobe sie ihnen weg. Denjenigen, die annehmen, sie wären von solchen Vorkommnissen nicht betroffen, weil sie immer alles kaufen, nur Musik nicht: Eben.
Minderjährige, die wählen, saufen oder gar Auto fahren möchten, werden in Deutschland kaum gefördert. Dafür habe ich volles Verständnis – das ist immerhin gefährlich. Die Zeit, die sie also nicht auf dem Weg zur Wahlkabine saufend hinterm Steuer verbringen, können Sechzehnjährige sowieso viel besser da verbringen, wo sie eine wertvolle Ergänzung darstellen: An der Waffe.
„Sicherer als Windows“ des Tages (14)
Na, auch Linux statt Windows zu Hause?
Dann patcht mal schön euren Kernel!
WhatsApp: Wenigstens nur die Regierung!
Beruhigend auch:
WhatsApp leidet an einer Sicherheitslücke (CVE-2019–3568), die Unbefugten Fernzugriff auf das jeweilige Gerät erlaubt. (…) Laut New York Times steht die israelische Firma NSO unter Verdacht, die einschlägige Spyware programmiert zu haben. (…) NSO gibt an, die eigenen Produkte nur an Regierungen zu lizenzieren und selbst keine Angriffsziele auszuwählen.
Und wer hat schon Angst vor seiner Regierung?
Kurz angemerkt zu #twittersperrt
Wenn sich diejenige Partei, die mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz, dem Staatstrojaner, den Uploadfiltern und weiteren Unverschämtheiten allein in den vergangenen paar Jahren mehrfach unter Beweis gestellt hat, dass sie an einem Internet, das nicht der vernetzten Version eines Polizeistaats ähnelt, überhaupt kein Interesse hat, jetzt quermedial mit einem eigens ersonnenen, im Vergleich mit sonstigen virtuellen Auswürfen aus der eigenen Öffentlichkeitsarbeit sogar erstaunlich griffigen hashtag darüber empört, dass Algorithmen, die offensichtlich vor allem die Anzahl an und nicht etwa die Qualität der sowohl berechtigten als auch unberechtigten Petzereien auswerten, was den Anhängern dieser Partei auch heute noch ein willkommenes Mittel zu sein scheint, witzige Satire – etwa die, dass die Bösen, hihi, ihren Wahlzettel, hahaha, unterschreiben müssten – nicht von Hassrede und fake news unterscheiden können, als hätten Politiker aufgrund ihrer Rolle als überbezahlte Ignoranten ein Recht darauf, auf privat geführten „Plattformen“ Stuss zu schreiben, dann wäre das eigentlich ein Grund zur Hoffnung, denn es könnte dazu führen, dass sich ihr Interesse an einer digitalen Zukunft unter dem Eindruck eigener Schmerzen erstmals zum Liberalen verschiebt; leider ist’s aber die SPD, und sie ist im Wahlkampfmodus – weder scheint jegliche inhaltliche Hoffnung da angemessen noch wäre Mitleid angebracht.










