PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 7. Sep­tem­ber 2019: Bru­tal frau­en­feind­li­cher Kon­to­stand

Immer weni­ger Frau­en hei­ra­ten und die Män­ner sind schuld: „Die mei­sten [US-] ame­ri­ka­ni­schen Frau­en hof­fen zu hei­ra­ten, aber der der­zei­ti­ge Man­gel an hei­ratba­ren Män­nern – sol­che mit einem festen Arbeits­platz und einem guten Ein­kom­men – machen das zuse­hends schwie­ri­ger.“ Sel­ten hat mich Roman­tik so sehr begei­stert.


Die­ser Blog­post ist bru­tal frau­en­feind­lich.


In Tei­len Sach­sens gab es eine Wahl­be­tei­li­gung von über 100 Pro­zent. Mich wun­dert nicht, dass die CDU dort stärk­ste Par­tei gewor­den ist.


„[Olaf Scholz] kann nicht mal vor­ge­ben, ein füh­len­der Mensch zu sein. Als Arsch aller­dings macht er bel­la figu­ra.“


Abschlie­ßen­de Nach­richt von der „Grund­ver­sor­gung“: „Erst­mals liegt bei den 14- bis 29-Jäh­ri­gen der Bewegt­bild-Kon­sum im Inter­net klar vor dem im Fern­se­hen.“ Da hel­fen nur noch höhe­re Rund­funk­ge­büh­ren!

In den NachrichtenPolitik
Hoff­nung Dexit (2): Ter­ro­ri­sten! Kri­mi­nel­le! Wer­ber!

Im Juni 2017 schrieb ich:

Ein Poli­ti­ker, der sich als libe­ral und als Men­schen­freund ver­steht, soll­te aus genau die­sen Grün­den und in Erfül­lung sei­ner Ver­ant­wor­tung gegen­über denen, deren Inter­es­sen er zu ver­tre­ten ver­pflich­tet ist, alles dar­an set­zen, ein bal­di­ges Ende der Euro­päi­schen Uni­on her­bei­zu­füh­ren.

Soll­te die­ser Text plötz­lich eben­so ver­schwin­den wie ich, dann könn­te es an den Plä­nen der Euro­päi­schen Uni­on lie­gen, die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit gera­de­zu­zie­hen:

Die EU-Kom­mis­si­on will Online-Platt­for­men künf­tig auch in ande­ren Fäl­len als Urhe­ber­rechts­ver­stö­ßen all­ge­mein zum Ein­satz von Upload-Fil­tern zwin­gen. Mit sol­chen „pro­ak­ti­ven Maß­nah­men“ soll die Ver­brei­tung ille­ga­ler und auch lega­ler, angeb­lich „schäd­li­cher Inhal­te“ ver­hin­dert wer­den. Außer­dem könn­ten uner­wünsch­te Ver­öf­fent­li­chun­gen mit der Sper­rung von Online-Kon­ten bestraft wer­den.

Wört­lich ist auf Sei­te 94 des Doku­ments (loka­le Kopie hier), die sich unter ande­rem damit befasst, dass auch „Ter­ro­ri­sten und Kri­mi­nel­le“ ein­fach so ohne Auf­sicht ins Inter­net dür­fen, als sei das bereits eine unzu­mut­ba­re Gefahr, außer vom Fei­gen­blatt der „child por­no­gra­phy“ von fake news und dis­in­for­ma­ti­on die Rede, was ich einer­seits gut fin­de, weil es wohl jede Wahl- und son­sti­ge Wer­bung unter Stra­fe stellt, ande­rer­seits aber auf­grund sei­ner sehr frei­en For­mu­lie­rung gewis­se Fall­stricke birgt. Ab wann ist ein Aus­druck des Miss­fal­lens eine „hat­red speech“ (ebd.)? Wie weit lässt sich „harmful con­tent“ (aber­mals ebd.) fas­sen? Ich hal­te zum Bei­spiel „SPIEGEL ONLINE“ für einen sol­chen. Dreht die EU dem „SPIEGEL“ nach Beschluss das Inter­net ab oder gibt es da einen gewis­sen Ermes­sens­spiel­raum?

So oder so – ich wie­der­ho­le mich: Es ist nicht alles schlecht in Groß­bri­tan­ni­en.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: gli­stening leo­tard – six but­ter­flies slight­ly moving an ele­phant in a theat­re

glistening leotard - six butterflies slightly moving an elephant in a theatreLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

gli­stening leo­tard – „glit­zern­der Gym­na­stik­an­zug“ – ist ein seit 2007 bestehen­des Quin­tett aus Duis­burg, das gele­gent­lich mal einen Ton­trä­ger in phy­si­ka­li­scher oder vir­tu­el­ler Form ver­öf­fent­licht. Album/EP/Veröffentlichung Num­mer 6, zur­zeit aktu­ell, erreich­te die Öffent­lich­keit im Novem­ber 2018 und heißt nach dem Vor­gän­ger „GL5“ erneut durch­num­me­riert, näm­lich „six but­ter­flies slight­ly moving an ele­phant in a theat­re“ (Bandcamp.com).

Die natür­lich sechs Stücke hei­ßen „but­ter­flies“, „slight­ly“, „six“, „in a theat­re“, „an ele­phant“ und „moving“ und wer­den kei­nes­wegs in der zu erwar­ten­den Rei­hen­fol­ge gespielt, denn das wäre ja lang­wei­lig. Bezüg­lich „six but­ter­flies slight­ly moving an ele­phant in a theat­re“ soll­te aller­dings jeder Anflug von Lan­ge­wei­le bereits beim Hören ver­ge­hen. Ich höre Post- („moving“) und Math­rock („but­ter­flies“) eben­so wie die­je­ni­ge Form der Pop­mu­sik, die bestimmt irgend­ei­nen blö­den Gen­re­na­men bekommt, wenn ein Jour­na­list sich an ihr ver­se­hent­lich den Hori­zont stößt. „Lounge Metal“ nennt die Band das. Was für Metal hört man in so einer Lounge?

Die Kir­sche auf dem Alben­pud­ding ist der herr­lich melo­di­sche Gesang Jes­si­ca Näsers. Gehört eine Kir­sche eigent­lich auf einen Pud­ding? Gehört irgend­was auf irgend­was?

moving

Main­stream, befand das Inter­net zu die­sem Album, „sei anders“. Mögen gli­stening leo­tard nie­mals den Weg des Anders­seins gehen. Wir haben doch sonst nichts.

Netzfundstücke
Soy­lent Green for Future

Am 21. August 2019 ver­mel­de­te „Deutsch­land­funk Nova“:

In unse­ren Flüs­sen schwim­men ein­ge­wan­der­te Krab­ben und Fische, die hei­mi­sche Arten bedro­hen. Bis­her wer­den sie ver­nich­tet. Wir könn­ten sie aber essen. Soll­ten wir sogar. Es sind näm­lich rich­ti­ge Deli­ka­tes­sen.

Einen Scherz­bold – näm­lich mich – ver­lei­te­te das dazu, aus­ge­rech­net auf Twit­ter zu fra­gen, war­um der Mensch bei Tie­ren auf die ein­fach­ste Lösung kom­me, wäh­rend ihm der rich­ti­ge Umgang mit von ande­ren Men­schen ver­ur­sach­te Pro­ble­me viel schwe­rer fällt. Nach den Flücht­lin­gen kam das Kli­ma, und da kommt man mit „ein­fach alle auf­es­sen“ nicht wei­ter.

Oder doch?

Ein schwe­di­scher Ver­hal­tens­for­scher hat vor­ge­schla­gen, dass es not­wen­dig sein könn­te, sich dem Kan­ni­ba­lis­mus zuzu­wen­den und anzu­fan­gen, Men­schen zu essen, um den Pla­ne­ten zu ret­ten.

(Blö­de Über­set­zung von mir.)

Alber­nes Land da oben. So dick sind Schwe­den doch oft gar nicht.

Wohl bekomm’s.

Netzfundstücke
Ket­zer!

Auf der Web­site „schoenerlieben.de“ fin­den sich aller­hand Sex­spiel­zeu­ge sowie Dro­ge­rie­ar­ti­kel und Lite­ra­tur­tipps rund um das The­ma Ero­tik. (…) Bei einer Dis­kus­si­on über mög­li­che Geschäfts­ideen habe der Vor­schlag zu dem Shop plötz­lich im Raum gestan­den, erin­nern sich die Mit­glie­der evan­ge­li­scher Frei­kir­chen. (…) Zwei von ihnen sind ver­hei­ra­tet, einer hat eine Freun­din, der vier­te im Bun­de ist Sin­gle.

(evangelisch.de)

Nie­mand erwar­tet die spa­ni­sche Inqui­si­ti­on!

NetzfundstückeMontagsmusik
The Quiet Temp­le – Shades of Gemi­ni // Mon­tags­über­ra­schun­gen

#montagslächelnEs ist Mon­tag. Die im Inter­net sind heu­te komisch, das schließt mich ein. Gestern Wahl, näch­sten Monat wie­der Wahl. Anstren­gend, dau­ernd zu sehen, dass irgend­wo irgend­wer schon wie­der dar­um gebe­ten wird, aus dem Haus zu schlur­fen, um nichts zu ändern. Jemand soll­te das mal abschaf­fen. Statt­des­sen viel­leicht Hauspan­da­bä­ren ein­füh­ren.

Apro­pos Din­ge, die man ein­führt: Bei Micro­soft gibt es jetzt Über­ra­schungs­spei­chern, jeden­falls im haus­ei­ge­nen „Office“. Com­pu­ter, die genau das tun, was man ihnen zu sagen meint, wenn man eine Schalt­flä­che betä­tigt, auf der etwas drauf­steht, wären ja auch viel zu lang­wei­lig. Wo blie­be denn da das Aben­teu­er?

Posi­ti­ve Neu­ig­kei­ten: Ein Blog­ger, den ich für ver­schol­len gehal­ten hat­te, ist wie­der auf­ge­taucht und fin­det Ber­li­ner Fahr­rad­fah­rer und gesamt­deut­sche Ner­ven­sä­gen wei­ter­hin ein­drucks­voll grau­en­haft. Ich wei­de mich an der­art kunst­voll ver­schrift­lich­ter Fas­sungs­lo­sig­keit, aber ich bin auch ein Fies­ling, jeden­falls mon­tags.

Als klei­ne Ent­schul­di­gung kre­den­ze ich etwas Musik.

Shades Of Gemi­ni

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu den Land­tags­wah­len in Bran­den­burg und Sach­sen

Da zu mei­nem Ent­set­zen sowohl in Bran­den­burg (SPD) als auch in Sach­sen (CDU) die Rechts­po­pu­li­sten gemäß aktu­el­len Hoch­rech­nun­gen jeweils die stärk­ste Kraft vor der AfD gewor­den sind, begin­ne ich – gewohnt spät – zu ver­ste­hen, war­um es unter Umstän­den eine gute Idee ist, sonst­wie poli­tisch ori­en­tier­ten Wäh­lern von der Wahl der AfD („hat offen­bar ein Ange­bot für Leu­te, die sich bis­lang igno­riert fühl­ten“) grund­sätz­lich abzu­ra­ten: Wer die AfD wählt, der erhöht damit offen­bar die Gefahr einer not­dürf­tig zusam­men­ge­flick­ten rot-rot-grü­nen Koali­ti­on, und eine wei­te­re sol­che hat wirk­lich nie­mand ver­dient, nicht ein­mal der Ossi, der so is.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Penis­no­bel­preis

Wer in sei­nem Leben eine so gründ­li­che Aus­bil­dung genos­sen hat, dass er anschlie­ßend die Zeit bis zum Beginn sei­ner Ver­grei­sung mit For­schung und Ent­deckung ver­bringt, dem wird viel­leicht ein Nobel­preis zuteil, hier­zu­lan­de außer­halb von Phy­sik und Lite­ra­tur lei­der kaum beach­tet. Selbst­ver­ständ­lich sehen die Hoch­schu­len, an der der Geehr­te einst stu­diert hat, einen Teil die­ses Ergeb­nis­ses auch in der eige­nen Lehr­wei­se und hän­gen ihn daher als Bei­spiel dafür, was man als Stu­dent im eige­nen Haus ein­mal errei­chen kön­ne, an eine Ehren­wand, jeden­falls als Foto, sel­ten als Per­son.

Obwohl Wis­sen­schaft­ler, deren For­schung preis- und wand­wür­dig ist, sehr vie­le inter­es­san­te Eigen­schaf­ten an sich tra­gen, etwa das Feld und das Ziel die­ser For­schung, gehört ihr Geschlechts­teil nach mei­nem Ver­ständ­nis nicht dazu. Zudem ist das Wesen der For­schung ein zutiefst meri­to­kra­ti­sches: Geehrt wird, wer Ergeb­nis­se vor­tra­gen kann. Ent­ge­gen der momen­ta­nen media­len Erzähl­wei­se, die es bevor­zugt, eine mög­lichst foto­ge­ne Frau in den Mit­tel­punkt zu stel­len, ist oft lei­der ein Mann an Ent­wick­lun­gen betei­ligt. Histo­ri­sche Grün­de bin ich aus­zu­schlie­ßen gewillt, eine Geschlech­ter­tren­nung an Hoch­schu­len ist schon län­ger nicht mehr en vogue.

Die Meri­to­kra­tie anzu­er­ken­nen ist jedoch nicht jeder­manns Sache, was dazu führt, dass mit­un­ter Fach­kon­fe­ren­zen abge­sagt wer­den, weil nur Män­ner inter­es­san­te Bei­trä­ge ein­ge­reicht haben und das natür­lich nicht divers sei. Jetzt könn­te man anre­gen, dass, wenn man die Art der Fort­pflan­zung eines Wis­sen­schaft­lers für min­de­stens so inter­es­sant hält wie das, was er zu sagen hat, es emp­feh­lens­wert sei, den Anteil an For­schern ohne Penis mit­tels Wer­bung zu erhö­hen zu ver­su­chen.

Oder man macht es wie US-ame­ri­ka­ni­sche Hoch­schu­len und ent­fernt erfolg­rei­che Wis­sen­schaft­ler, die mit dem Makel eines Penis­ses gebo­ren sind, wie einst die alten Römer aus dem Gedächt­nis:

An der Yale School of Medi­ci­ne hän­gen in den Flu­ren eines Gebäu­des zum Bei­spiel 55 Por­träts: Drei Frau­en und 52 Män­ner. Sie sind alle weiß. (…) Eine Opti­on ist, sie woan­ders hin­zu­hän­gen.

(Schlech­te Über­set­zung von mir.)

Da möch­te man von den ande­ren Optio­nen lie­ber gar nichts wis­sen. Oh, Sie haben Krebs geheilt? Blöd – jetzt ist erst mal eine Frau dran. Kom­men Sie spä­ter wie­der.

Wann genau haben Hoch­schu­len ihr Ziel ver­lo­ren?

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Emis­sio­nen ein­fach weg­rol­lern!

War­um statt Brumm­krei­seln, Drei­rä­dern und Win­deln aus­ge­rech­net Tret­rol­ler es in die Welt der ver­meint­lich Erwach­se­nen geschafft haben, erklärt Ben Schwan („hei­se online“):

Die Unter­su­chung kam wei­ter­hin zu dem Schluss, dass die Scoo­ter bis zur die Hälf­te der Emis­sio­nen eines Stan­dard­au­tos ver­brau­chen, rund 200 Gramm CO2 pro Mei­le[.]

Wenn also künf­tig auf jedes Stan­dard­au­to zwei Tret­rol­ler („Scoo­ter“) kom­men, ist es nicht mehr weit, bis auch Die­sel­mo­to­ren end­lich emis­si­ons­frei fah­ren: Die ange­fal­le­nen Aus­stö­ße wer­den offen­sicht­lich gramm­wei­se ein­fach weg­ver­braucht. Es könn­te so ein­fach sein!

Wo bleibt eigent­lich das ver­damm­te Ver­lags­ster­ben?

(via Schwerdt­fe­gr)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Black Midi – bmbmbm (live)

Jetzt-schon-keine-Lust-Kauz.Es ist Mon­tag. Ich fin­de das nicht gut, möch­te es aber vor­erst auch dabei belas­sen. Dem Mon­tag schlägt man viel­leicht ein Schnipp­chen, wenn man so tut, als gäbe es ihn gar nicht.

Statt­des­sen gibt es ein wenig Poli­tik: Welt­weit wird die freie Rede bekämpft, oft gera­de von denen, die sich als Bewah­rer der ver­meint­lich ver­nünf­ti­gen Demo­kra­tie auf­spie­len. Links­flucht, nicht Rechts­ruck. Das sei alles weit weg? Nein, nein – in Deutsch­land bzw. wenig­stens in Dres­den haben Boten obsku­rer Klein­par­tei­en wie der SPD eine Demon­stra­ti­on „für das Gute“ abge­hal­ten, deren anti­deut­scher Unter­bau selbst der grü­nen „taz“ ein erstaun­tes Arti­kel­chen ent­lockt hat. Der offen­sicht­li­che Wider­spruch zwi­schen „wir müs­sen ein offe­nes Deutsch­land sein“ und „Deutsch­land ist eh schei­ße“ erreicht inzwi­schen Stel­len, da kommt man mit der Klo­bür­ste gar nicht erst hin. – Apro­pos Klo­bür­ste: Olaf Scholz fän­de es „absurd“, im Fal­le der SPD-Vor­stands­über­nah­me den Posten als Bun­des­mi­ni­ster zurück­zu­ge­ben. Ich per­sön­lich fin­de es absurd, dass jemand von der SPD ein Bun­des­mi­ni­ste­ri­um lei­tet, aber das ist ja bekannt­lich nicht mehr von lan­ger Dau­er.

Es gibt jetzt Steck­do­sen, die zuhö­ren. In die­ser schö­nen, neu­en Welt gibt es nur noch wenig Ent­la­stung. Aber dann sol­len die Steck­do­sen wenig­stens nicht lei­den – sie bekom­men gute Musik zu hören.

black midi – bmbmbm (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Föl­l­ak­zo­id – I

Föllakzoid - ILan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Zu den Län­dern, aus denen es ver­gleichs­wei­se wenig neue Musik zu geben scheint, die mir als beach­tens­wert erscheint, gehört Chi­le. In des­sen Musi­kan­ten­welt tum­meln sich auch Föl­l­ak­zo­id, eine ulkig hei­ßen­de Musik­grup­pe zur­zeit unbe­kann­ter Beset­zung, deren selbst gesteck­tes Ziel, so weit es das Inter­net zu wis­sen behaup­tet, es sei, mit jedem neu­en Album noch mehr Platz mit noch weni­ger Ele­men­ten zu fül­len. Was schrift­lich wie die (sehr gute) End­pha­se von Talk Talk klingt, hört sich aber noch ganz anders an.

Auf ihrem vier­ten Album, das nach „Föl­l­ak­zo­id“, „II“ und „III“ fol­ge­rich­tig „I“ heißt (TIDAL, Band­camp, Amazon.de), spie­len Föl­l­ak­zo­id viel­mehr eine Art „Kraut-Trance“. Man ver­zei­he mir das Erfin­den lächer­li­cher Gen­re­bezeich­nun­gen aus­nahms­wei­se. Es wird elek­tro­ni­sche Musik gespielt, die Chi­le­nen las­sen dabei von EBM über Shoe­ga­ze bis hin zur Ber­li­ner Schu­le nur wenig aus, Aus­flü­ge in den Kraut­rock von Can und Faust nicht aus­ge­schlos­sen.

Föl­l­ak­zo­id – I (Full Album)

Das Album bestehe, weiß der Pres­se­text, aus mehr als 60 ver­schie­de­nen, ein­zeln auf­ge­nom­me­nen Bestand­tei­len. Offen­sicht­lich gab es genug Zeit für aus­ge­dehn­te Expe­ri­men­te. „I“ ist fast instru­men­tal, nur eine film­ro­bo­ter­ar­tig ver­zerr­te Stim­me ertönt in „I“, „III“ und „IIII“, das eigent­lich „IV“ hei­ßen müss­te.

„I“ ist tanz­bar, aber das ist ja eigent­lich jede Art von Musik, wenn man es nur ver­sucht. Ich sitzt­an­ze und spre­che eine Emp­feh­lung aus.

Politik
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: So isser, der „SPIEGEL“.

„ZEIT ONLINE“, 23. August 2019:

In einer Medi­en­ge­sell­schaft wir­ken Medi­en an der Schaf­fung und Festi­gung kol­lek­ti­ver Iden­ti­tä­ten mit. Die über­re­gio­na­len Medi­en in Deutsch­land ver­fe­sti­gen heu­te vor allem eine posi­ti­ve Iden­ti­tät des ehe­ma­li­gen West­deutsch­lands in Abgren­zung zu den Gebie­ten der ehe­ma­li­gen DDR.

Aber kei­ne Sor­ge, die kol­lek­ti­ve Demo­kra­tie kämpft mit gro­ßem Erfolg gegen die­je­ni­gen, die den Tota­li­ta­ris­mus bedeu­ten, obwohl es immer mal wie­der Rück­schlä­ge gibt:

Mari­us Lan­ge war nicht das erste Mal als Wahl­hel­fer im Ein­satz. Doch betro­gen habe er zuvor nie.

Die im Osten bedro­hen unse­re Demo­kra­tie! Ver­damm­te Neo­na- was?

Als Motiv nennt er sei­ne poli­ti­sche Über­zeu­gung: „Mein Herz schlägt links.“ Des­halb habe er nicht hin­neh­men wol­len, dass die rechts­po­pu­li­sti­sche Par­tei so star­ken Zuspruch durch die Wäh­ler erfah­re.

Ach so. Wei­ter so, Genos­se! Das Geld gibt’s an der Kas­se:

Mari­us Lan­ge sagt, dass er vor allem wegen der Auf­wands­ent­schä­di­gung Wahl­hel­fer gewor­den sei und dass er dabei zuvor nie betro­gen habe. (…) Mari­us Lan­ge ist bewusst, dass er sich mit der Wahl­fäl­schung straf­bar gemacht hat, aber er wür­de es wie­der tun.

Das alles hat natür­lich nichts mit der Stim­mung in Ost­deutsch­land zu tun. Die ist in Ord­nung. Und wir wol­len, dass es so bleibt.

So isser, der Ossi.

So isser. Kann man nichts machen. Wie, der wählt falsch? Na, dem zei­gen wir’s!

Vor­wärts immer.