Archiv für die Kategorie ‘Persönliches’.

Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

PersönlichesSonstiges
Besser machen!

Man kennt ihn, den Spruch: „Mach’s besser!“.

Wann immer ein Fußballer meterweit danebenschießt und man sich über den peinlichen Anblick beömmelt, wann immer Microsoft wieder einmal Schrott fabriziert, wann immer die Politik fatale Fehlentscheidungen trifft: „Mach’s besser!“.

Nun bin ich aber kein Fußballer, Microsoft-Entwickler oder Politiker und kann daher nicht ihre Aufgaben versuchen besser zu machen, ohne einen anderen Lebensweg einzuschlagen. (Microsoft-Entwickler wäre eventuell machbar, widerstrebt mir aber aus ähnlichen Gründen wie eine Bewerbung bei Google Deutschland oder der BILD-Redaktion, wenngleich Microsoft sicher noch die am wenigsten scheußliche Wahl wäre, würde ich vor sie gestellt.)

Wenn ich einen Handwerker ins Haus kommen ließe, der mir, statt das Klo zu reparieren, den Keller unter Wasser setzte, dann würde ich ihn ebenso wie schlechte Fußballer, Microsoft-Entwickler und Politiker einen Trottel nennen. Würde er mir „Machen Sie es halt besser!“ entgegenschleudern, so würde ich dies mit einem „Pfff!“ quittieren und seinem Vorgesetzten einen wortreichen, doch sichtlich erbost verfassten Brief schicken, in dem ich ihm mitteilen würde, was ich von derlei Gestalten halte, nämlich nicht viel. Vermutlich würde mir aber auch niemand in solch einem Fall sagen, ich solle es halt besser machen, denn man weiß: Ich bin handwerklich nicht sonderlich geschickt.

Hingegen traut man seinen Mitmenschen dieser Tage anscheinend zumindest zu, bessere Fußballer als die Nationalspieler, bessere Programmierer als die Mitarbeiter der Windows-Entwicklerabteilung, bessere Politiker als Guido Westerwelle zu sein. Letzteres ist, zugegeben, nicht der Rede wert; noch immer bleiben die übrigen Punkte in der Aufzählung. Der Einfachheit und Übersichtlichkeit wegen beschränke ich mich im Folgenden auf ersteren Punkt:

Hätte ich ein besserer Fußballer werden wollen, hätte ich meine Jugend daran ausgerichtet. Jedoch hatte ich nie sonderlich viel Interesse an aktivem Sport, und so überlasse ich ihn denen, die man „Profis“, Professionelle also, nennt. Wenn diese Professionellen nun im Namen „meines“ Landes oder auch nur von meinem Geld amateurhaft zu Werke gehen und so das Ansehen „meines“ Landes nachhaltig schädigen oder alternativ beziehungsweise außerdem mein Geld sinnlos verprassen, dann betrachte ich es als meine verdammte Bürgerpflicht, diese Professionellen für diese Chuzpe gebührend zu beschimpfen, hege jedoch nicht zugleich den Anspruch, es weniger schlecht hinzubekommen, denn ich verdiene meine paar Kröten nicht damit, weniger schlecht Fußball zu spielen. Das fände ich auch beschämend.

Ich klage an, ich klage an, ich klage an.
– Tocotronic: Harmonie ist eine Strategie

Persönliches
Studiengebühren bei der Arbeit

Das, was ich an niedersächsischen Hochschulen so sehr mag, ist ja unter anderem auch ihre technische Ausstattung.
An der Hochschule, die ich trotz allem nach wie vor besuche (und tatsächlich bin ich eher ein Besucher als ein Student, auf Latein also ein sich Mühender), ist es beispielsweise nicht leicht, dauerhaft, also ohne ständige Internetausfälle, Freude an dem (nicht unbedingt flinken) WLAN zu haben. Tatsächlich erfreuen kann man sich an der Unileitung nur, wenn man das Glück hat, in der Nähe einer LAN-Buchse zu sein. Und davon gibt es nicht viele.

Zwar steht schon seit einiger Zeit neue Ausstattung bereit, aber um diese ins Netz einzubinden, müsste ein Verantwortlicher seinen Hintern von seinem Sitzmöbel trennen und ein Kabel einstecken. (Nein, viel mehr wäre das nicht.) Und wie das so läuft in einer öffentlichen Einrichtung, kann das noch eine Weile dauern.

Dafür traf heute eine E-Mail ein:

Der Radiusserver der Hochschule übernimmt die Überprüfung von Benutzernamen und Kennwörtern für das WLAN. Er ist inzwischen ca. 10 Jahre alt und wird daher am Mittwoch, den 24.11.2010 ausgetauscht. Im Zuge der Umstellung wird nicht nur eine neue Hardware zum Einsatz kommen, sondern auch der Name des Servers wird (…) geändert.
Die Arbeiten werden am Mittwoch in der Zeit von 11:30 Uhr bis 13:30 Uhr erfolgen. Aus diesem Grund ist an allen Hochschulstandorten im genannten Zeitraum kein WLAN-Zugriff möglich.

’s ist ja schön, dass endlich etwas passiert. Nicht, dass ich bisher Probleme damit gehabt hätte, mich im Uni-WLAN anzumelden, sondern nur damit, dauerhaft drin zu bleiben, aber immerhin: Neue Hardware! Neuer Name! Und das Ganze direkt vor der Mittagspause, die etwa um 13:30 beginnt!

Gut, letzteres ist nun kein positives Argument und lässt mich beim Gedanken daran, dass sich am 24.11. gegen „halb zwei“, wie der Volksmund auch sagt, mal eben Studenten vierer Campus gleichzeitig versuchen ins Hochschulnetz einzuwählen (sagt man das noch so?), erschaudern. Warum man so etwas nicht vor Beginn oder nach Ende der Vorlesungen macht? Klar: Im öffentlichen Dienst arbeitet man ungern zu derart unmenschlichen Zeiten.

Ich habe mich das bisher nicht gefragt, aber jetzt gerade kann ich der Frage nicht mehr ausweichen:
Was genau passiert eigentlich mit unseren Semestergebühren?

(Das könnte ich wahrscheinlich irgendwo nachgucken, aber ich fand die Frage in rhetorischer Gestalt viel besser.)

FotografieMusikPersönliches
Ein psychedelischer Genuss: Dear John Letter in Braunschweig

Da freut man sich seit drei Jahren darauf, Dear John Letter endlich mal live zu sehen, und dann fällt’s fast ins Wasser. Mit meiner Begleitung (dieselbe wie einst auf dem Nihiling-/Hermelin-Konzert vor – beinahe – exakt einem Jahr) an der Haltestelle angelangt stellte ich fest, dass in den nächsten drei Stunden kein Bus mehr fahren und der nächste Zug uns auch nicht rechtzeitig an den Zielort bringen würde. Ungern bestiegen wir also im strömenden Regen eine (immerhin preiswerte) anderweitige Mitfahrgelegenheit.

Das Konzert fand im Café Riptide, einem übrigens sehr gemütlichen Plattenladen in Braunschweig, statt. Die Kulturfabrik in Hildesheim, so erfuhr ich später von Peter (reimt sich), leidet derzeit unter finanziellen Schwierigkeiten; ich wünsche den Betreibern alles Gute. Das Café Riptide befindet sich in Braunschweig in einer obskuren Seitengasse, auf die man als Ortsexterner nur zufällig stößt, entsprechend irrten wir etwa zwanzig Minuten im weiterhin strömenden Regen umher. Es war bereits kurz nach 21 Uhr, als wir eintrafen. Juliane, ebenfalls bereits auf o.g. Konzert in Hildesheim anwesend, war auch da; ein durchaus angenehmer Zufall.

Das Quintett ließ sich indes Zeit, saß noch gemütlich in einer Ecke herum und unterhielt sich. Der Konzertbeginn wurde auf etwa 21:45 Uhr verlegt, „21 Uhr“ war also eher ein grober Richtwert. Das war nicht vorauszusehen, gewährte mir aber die Gelegenheit, mich ein wenig aufs Sofa zu lümmeln, ein wenig Bier zu trinken und mich mit den Fünf bekannt zu machen. Man gab sich erfreut über meine Anwesenheit, lästerte noch ein wenig über die Rezensionen der VISIONS und begab sich alsbald in Richtung Bühne.

Den Schlagzeuger hatten sie baubedingt hinter Möbeln versteckt, aber wenn man eine Gelegenheit fand, vorn zu stehen, konnte man ihn sehen, worauf im Laufe des Konzerts explizit hingewiesen wurde. Nun – ich stand vorn.

Hinter den Musikern wurden psychedelische Videosequenzen an eine Leinwand geworfen, was die grundsätzlich ohnehin psychedelische Musik (siehe Rezension zum aktuellen Album) zusammen mit der spärlichen Beleuchtung erst so richtig zur Geltung brachte. So gesehen ist es nur konsequent, dass mir während des Konzerts nur verschwommene Bilder gelangen, denn sie illustrieren die Atmosphäre besser als jedes Pressefoto:

Dargeboten wurde neben Stücken von „Part & Fragment“ auch „Towers | Trees“ vom Vorgängeralbum sowie zwei Stücke des Debüt-EPs. Live ist all das noch kraftvoller, mitreißender als auf den Tonträgern, auch, wenn der Bass mitunter etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt wurde.

Nach Abschluss des Konzerts gesellten wir uns noch Bier und Cola trinkend zu der illustren Diskussionsrunde (Peter, Dear John Letter), was eine gute Idee war, denn man forderte mich auf, sie zur Theke zu begleiten, wo man Jägermeister verteilte. (Beneidet mich!)

(Links im Bild: Herr Schallgrenzen.)

Bis kurz nach Mitternacht blieben wir noch dort und amüsierten uns prächtig.
Es ist schade, dass es drei Jahre gedauert hat, bis ich die Band endlich erleben durfte, und ich hoffe, es war nicht das letzte Mal.

Bis Anfang Dezember sind Dear John Letter noch auf Tour, und ich empfehle jedem, der gerade in der Nähe ist, sich dem akustischen Trip, auf den ihre Musik den Hörer schickt, einmal auszusetzen.

Ihr werdet es nicht bereuen.

FotografieNerdkramsPersönlichesProjekte
Wellness-Tipps, Teil II: Kaltes, klares Wasser.

Ich wünschte, ich könnte etwas Befriedigendes über die aktuelle Entwicklung von TinyTodo berichten. Es verhält sich jedoch gerade folgendermaßen:

Als ich gerade dabei war, einen halbwegs akzeptablen Code für das Ein- und Ausklappen von Kategorien zusammenzustricken, fiel mir auf: Mein AIR ist offenbar defekt.

(Im Bild „gut“ zu sehen: Das Ausklappsymbol links neben dem Kategoriennamen.)

Hat einer von euch, um mich mal eines für mich eher unüblichen Kosewortes zu bedienen, Schnuffis einen Tipp parat, wie ich diese Unschönheit möglichst schmerzlos reparieren kann?

Bis dahin habe ich nach Jahren endlich Teil 2 der bislang wegen nachhaltiger Infantilie meines damaligen Selbst zu Recht unbeachteten Reihe „Wellness-Tipps“ parat, nicht nur geistig, sondern auch an Erfahrungen gereift, und präsentiere dies:

Gerade in einer hektischen, sich quasi pausenlos ändernden Welt wie der unsrigen ist es mitunter nicht unwichtig, auch einmal zur Ruhe zu kommen. Vor vielen Jahren hat mich mein Großvater auf die Methode hingewiesen, von der ich in solchen Momenten auch heute noch Gebrauch mache:

An einem beliebigen, gemächlich daherplätschernden Fluss, wie er in beinahe allen größeren und kleineren Siedlungen zu finden ist, bleibt man stehen, schließt die Augen, atmet langsam ein und aus, öffnet die Augen wieder und verfolgt das Spiel des Windes im Wasser. Das sanfte Geräusch des Wassers legt sich wie ein warmes Fell um die harten, kalten Gedanken. Man lässt sich treiben und vergisst Ort und Zeit…

…, bis ein eilender Mitmensch geräuschvoll die Realität zurückbringt.
Für einen Moment hört man den eigenen Puls, zählt langsam bis 10 und geht seiner Wege, den unliebsamen Störenfried stumm verfluchend.

Die Hektik dieser Tage ist, ich erwähnte es bereits, zum Verrücktwerden.

FotografieNetzfundstückePersönliches
Partäy.

Hin und wieder treibt es einen alten Studenten auch mal auf die Piste, wie man heutzutage für Betrinkungen und Tanzungen im nicht allzu kleinen Kreis sagt. Während der vergangenen Nacht fand die traditionelle Erstsemesterpartäy, wie man heutzutage für Trink- und Tanzveranstaltungen sagt, des AStAs der Hochschule Ostfalia statt, und man zwang mich unter Androhung energischen Schulterzuckens zur Anwesenheit.

Fotografische Eindrücke:

Ich habe drei Dinge gelernt:

Erstens: Man wird auch (und gerade) von weiblichen Bardamen eher wahrgenommen, wenn man selbst Brüste vorweisen kann.

Zweitens: Es ist eine etablierte Form des Flirtens, lüstern an einer Säule (was, übrigens, in einigen Regionen Deutschlands der Diminutiv zu „Sau“ ist; wieder was gelernt) zu lehnen, dem Objekt der Begierde von hinten auf die Schulter zu tippen und die Augenbrauen entsprechend zu heben und zu senken. Die angemessene und mich überaus belustigende Reaktion war entsprechend ein Abwinken der so lustvoll Beflirteten; worauf sich der Flirter abwandte und begann, mit den herumstehenden Herren zu flirten. Ich verließ die Szenerie erschüttert.

Drittens: Ich müsste mal zum Frisör.

(Zitat des Tages: „Dass der Eindruck existiert, der Deutsche Comedypreis werde im Vergleich zum Fernsehpreis weniger ernst genommen, kann (…) daran liegen, dass die Juroren nicht damit aufhören können, Cindy aus Marzahn auszuzeichnen (…).“ – fernsehlexikon.de)

FotografieIn den NachrichtenNetzfundstückePersönlichesPolitik
Blühende Landschaften

... soooo klein! (gefunden auf SPON)Ich bin wieder da-ha von meinem ereignisarmen Erholungswochenende, das ich unter das anachronistische Motto „Tux erobert die Zone“ stellte. Leider gab es diesmal mitneffen mitnichten Bahnreisende zu verhöhnen, was ich durchaus für nicht ungewöhnlich befinde, denn wer, abgesehen von langweiligen Schnarchnasen und mir, fährt schon allein der Unterhaltung wegen in die deutschen Ost-Territorien?; und auch sonst erfüllte der kurze Aufenthalt meine Erwartungen voll und ganz. Ich habe mir einmal die Freiheit erlaubt, die blühenden Landschaften zu verbildlichen:

Nebenbei arbeite ich, während ich dies schreibe, erst einmal die ungelesenen Neuigkeiten ab.

Darunter ist auch ein bravouröser Eintrag von Peter, der nicht nur auf [cref 3147 mich] verweist, sondern auch noch eine andere prima Internetseite gefunden hat:

Schamlos kopiert hat FAZ.net die Idee, anhand einer Textprobe zu versuchen, herauszufinden, welcher einigermaßen bekannte Schreiber ähnlich deklamierte. Ich nahm, weil ich die Formulierung „etwas treibt jemandem die Zornesröte in die Fresse“ für so überaus gelungen befand, meinen vorigen Beitrag über [cref 3033 CD-Verpackungen] als Beispiel heran und erhielt ein unerwartetes Ergebnis:

Immanuel Kant

Es hätte, immerhin, auch Hitler sein können. (Ich habe das Ergebnis nun nicht mit anderen Texten meiner Urheberschaft verglichen.)

Eine meiner Lieblingsstatistiken aus Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ist übrigens derzeit diese:
Unter den extrembegabten (IQ von 145 oder höher) Schülern beträgt der Anteil der männlichen Heranwachsenden 8:1 im Vergleich zu dem der weiblichen Ebensolchen. Nimm dies, Frauenbewegung!

(Apropos Frauenbewegung: Die knuffige Ministerin Kristina Schröder äußerte sich, wie den gestrigen Nachrichtensendungen und unter anderem auch SPIEGEL Online zu entnehmen war, unlängst zum Thema Deutschenfeindlichkeit. Sie beklagte, dass auf Schulhöfen und in U-Bahnen deutsche Kinder aufgrund fragwürdiger Ressentiments als „deutsche Kartoffel“ und „deutsche Schlampe“ bezeichnet würden, was untragbar sei, da somit die Kinder unter ihrer Herkunft leiden müssten. Das ist in der Tat unerhört. Auch ich plädiere dafür, Schlampen grundsätzlich ohne Nennung ihrer Herkunft generell als Schlampen zu bezeichnen. So wird der Umgang miteinander doch gleich viel freundlicher gestaltet!)

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
Ein Terminkalender wäre hilfreich.

(Zur Abwechslung mal wieder ein Bericht aus dem Studium.)

Ich habe das Studentenleben augenscheinlich verinnerlicht.

Von meinem zu Semesterbeginn fast vollen Vorlesungsplan sind nur noch einige klägliche Stunden, selten mehr als eine Vorlesung pro Tag, übrig geblieben. „Mache ich später“; schön, wenn man das sagen kann. „So gut wie in der Schule wirst du es nie wieder haben.“

Das, was mir aber aufgrund des Laissez-faire-Studiums leider völlig fehlt, ist ein akzeptables Zeitgefühl.

Ein Beispiel aus der letzten Woche:
Es sollte ein Semesterprojekt beginnen. Ich hatte auch schon eine total tolle Idee, die das Leben vieler Menschen mindestens revolutioniert hätte, brauchte aber einen Projektpartner. Dieser schließlich meinte, die Abgabe des Projektvorschlags hätte noch Zeit, und als ich mich also ins Wochenende verdrückte, schrieb er mich an und meinte, er habe sich geirrt; ob ich denn auch mit einem albernen Reserveprojekt (Umgestaltung einer Internetpräsenz) zufrieden sei?

„Der Drang, zu morden, steigt wieder.“
(Homer Simpson, c/o „Die Simpsons“)

Student sein ist klasse. Hat mal jemand einen Terminkalender für mich?

(Ach, apropos Terminkalender: Heute ist „Tag der deutschen Einheit“; und nichts demonstriert die deutsche Einheit so schön wie ein Staat, der auf seine Bürger schießt, denn genau das, dachte ich, wurde hierzulande 1989 abgeschafft. Dass nun gerade die Partei, die diese Tradition wieder einführt, sich in Berlin heute als Befreier dieses Landes feiern lässt, ist bestenfalls grotesk.)

NetzfundstückePersönlichesSonstigesSpaß mit Spam
Lecker Rosenbraten

Der Zufall wollte es, dass ich heute lauschend an einer Diskussion zweier gereifter Damen teilnahm. Sie unterhielten sich zum Zeitpunkt meiner Einkehr über esoterische Rezepte, was beinahe schon spaßig genug ist. (Ich hoffe, ich werde nie so.)

Den aktuellen Zubereitungstipp stellte hierbei so genanntes Rosenelixier dar. Eine der gereiften Damen so sprach, man solle ein Glas mit Rosenblüten eine Weile stehen lassen, die resultierende Flüssigkeit schmecke dann „ganz leicht nach Rosen“. Die andere gereifte Dame war begeistert und ich versuchte, mir den skeptischen Blick nicht anmerken zu lassen.

Sätze wie „Komm, wir trinken Kaktuswasser“ oder „Mmh, leckere Palme!“ wird man, dessen bin ich mir sicher, nie von mir hören. (Während ich dies schreibe, erhalte ich die Reaktion, Rosenwasser sei etwas ganz anderes und ich habe wohl noch nie Kuchen gebacken und sei überhaupt voll blöde. Ich danke vielmals für diese Erkenntnis und möchte zu verstehen geben, dass ich auch an Rosenkuchen keinerlei Interesse zeige.)

Nun, es gibt wunderliche Lebensmittel. Ich erinnere mich, es ist schon ein paar Jahre her, einmal ein Teegeschäft in einer von Duftkerzen umnebelten Kelleretage eines Esoterikladens aufgesucht zu haben. Der Verkäufer hielt mir diverse Tees unter die Nase, ich sog begierig den Odeur auf und wurde beim vierten oder fünften Tee beinahe ohnmächtig. „Dieser hier riecht ein wenig nach Fisch“, plapperte der Verkäufer munter drauflos, während ich wankend versuchte, höflich zu nicken. Fischtee – mjam.

Ähnliche Substanzen, wie ich vermute, sind auch in der Spammerszene nicht unbekannt. Soeben erreichte mich an eine ansonsten beinahe ungenutzte Mailadresse bei einem großen deutschen Telekommunikationsanbieter eine E-Mail mit dem Betreff „Parkvergehen 3327102“; ein Betreff, den ich sonst nur von Universitätsmails kenne, wo offenbar täglich irgendwer seine von Mama ergaunerte Karre zu Schrott fährt.

Tatsächlich aber hatte die Mail mit Parken nur wenig zu tun, eher mit Stehen im Halteverbot:

Nehmen Sie sich doch kurz Zeit fuer uns!

Leider kostet auch das Löschen dieses Unfugs Zeit; somit habe ich gar keine andere Wahl. Frechheit eigentlich.

Sie haben Erektionsschwierigkeiten? Die Hektik belastet Sie und hat auch noch negative Folgen fuer Ihr Liebesleben? Sie wollen Ihrer Frau wieder beweisen, dass sie noch immer ein ein richtiger Mann in der Erotik sind? Vorbei mit den Sorgen, und vorbei mit den erotischen Schwierigkeiten.

Juchhe.

Mit unseren blauen Wunderpillen werden Sie umgehend wieder ein guter Lover und ihre Freundin wird sie vergoettern!

Vergöttern? Möchte ich das?
Ist man ein Gott, wird man ständig von irgendwelchen faulen Schmarotzern um irgendwelche Wunder angebettelt, selbst nachts. Darauf habe ich eigentlich keine Lust; und schon gar nicht, wenn der faule Schmarotzer eine Frau ist, deren Wünsche sind schon wunderlich genug, ohne dass man ein Gott ist. Ich verzichte auf Pillen, die mich zum Götzen für Millionen leichtgläubiger Idioten werden lassen.

Absolut sichere Bestellungen im Web auf der Homepage —- (… tiny.cc-gekürzter Verweis auf eine Seite mir sicherheitshalber unbekannten Inhalts …)

Sicher ist sicher; darum verzichtet ihr auch besser darauf, die Adresse vollständig in die Mail zu schreiben. Spamfilter mögen das nicht.

— Mit besten Gruessen
Christiane Horn —–

Frau Horn, Sie sollten mal Ihre Zeilensprungtaste überprüfen lassen.

(… drei Zeilen inhaltsleerer, pseudoenglischer Spamprosa …)

Hallo!

Äh, wie, was?

Sie haben Erektionsprobleme? Die Hektik belastet Sie und hat auch noch Folgen fuer Ihr sexuelles Leben? Sie wollen Ihrer Freundin wieder demonstrieren, dass sie noch immer ein ein richtiger Mann beim Sex sind?

Ach, jetzt verstehe ich. Der zweite Teil sollte gar nicht an mich gehen. Oder der erste. Oder beide?
(Ein schlauer Mensch merkte einmal an: Wer von sich behauptet, nie unerwünschte Penispillen-Mails zu bekommen, freut sich über die günstigen Angebote.)

Vorbei mit den Noeten, und vorbei mit den Erektionsproblemen.

Und vorbei, mit der Interpunktion.

Mit unseren blauen Dingern werden Sie umgehend wieder ein leidenschaftlicher Liebhaber und ihre Partnerin wird sie bewundern!

Hierzu zwei Anmerkungen:

  1. „Blaue Dinger“? Blaue Dinger?! Schlumpfversand oder wie?
    Frl. Horn, Sie machen mich lachen. (Reimt sich und ist wahr.)
  2. „… und ihre Partnerin wird sie bewundern“; anders als in dem Teil vor dem „und“ ist das Personalpronomen hier konsequent klein geschrieben, also ist’s keine Anrede. Es werden also die versendeten Schlümpfe von ihrer Partnerin (Schlumpfine?) bewundert, wenn ich sie kaufe? Warum sollte ich das wollen? Das Liebesleben von Schlümpfen ist mir suspekt. (Es waren 101 Schlümpfe inklusive Schlumpfine, wenn ich mich richtig entsinne. Soll das eine zum Kauf anregende Vorstellung sein?)

Uah.

Sichere Bestellungen im Web auf der Seite

(… tiny.cc-gekürzter Verweis auf eine Seite mir sicherheitshalber unbekannten Inhalts …)

Ah, diesmal klappt’s mit den Zeilenumbrüchen.

Wir wuenschen Ihnen viel Erfolg
Christiane Horn

Ich fürchte, dieser Beitrag wird mir tatsächlich einigen Erfolg bescheren; nicht selten, dies verrät meine Seitenstatistik, suchen verirrte Internetnutzer nach Schlumpfsex. Eigentlich beunruhigend.

Jetzt

Echt?

—-
(… sieben Zeilen inhaltsleerer, pseudoenglischer Spamprosa …)

(Ich habe einmal darauf verzichtet, mich mit dem Inhalt der Prosa zu befassen. Dass „Smurfs that do it“ darin stand, kann ich also nicht mit Sicherheit ausschließen. Es waren aber, Hank sei Dank, keinerlei Bilder angefügt.)

FotografieMusikPersönlichesSonstiges
Umschwung (lustiges Wort eigentlich)

Ich wusste, dass heute etwas passieren würde, als ich heute früh aufstand und es noch immer regnete. Beim Versuch, meinen Rucksack mit den benötigten Utensilien zu befüllen, gab der Reißverschluss nach, was dazu führte, dass ich heute, wäre da nicht mein mobiler Kleincomputer, im Studium auf jegliche Notizhilfe – immerhin war mein Laptop-Rucksack zugleich mein übliches Utensilienbehältnis – hätte verzichten müssen. (Danke, lieber Android!)

Beschwingt verließ ich also, minimal mit Accessoires (Android, Schirm, portables Audiofixbesteck) ausgestattet, das Haus, ließ mich gemächlich durch die Landschaft chauffieren, und mitten in den schönsten Schauer platzte

Schnee.

So weit nichts ungewöhnliches, ist doch die Weihnachtszeit schon wieder gefühlt fast vorbei, aber erwähnenswert; da es, immerhin, der erste Schnee des nahenden Winters ist, an dem ich teilhatte. (Diese Klimaerwärmung, bibber, bringt uns alle, schlotter, noch um.)

Ein Einschub: Ich hatte Herrn haekelschwein unlängst die Qualität von Schirmen für zwei fuffzich bildlich zu erläutern versucht. Nun ergab sich die Ironie, dass der Schirm, der heute mein welkes Haupt vor Ungemach bewahren sollte, ebenfalls ein Schirm für etwa zwei fuffzich war; und sich beim ersten Windstoß, zack!, verabschiedete.

Apropos zwei fuffzich: Ich stieß heute in einer Filiale einer großen deutschen Elektronikfachhandelskette auf ein Regal mit Tonträgern und nahm erfreut zur Kenntnis, dass das Konzept, neuen Musikalben aussagekräftige Titel zu geben, wieder in Mode kommt.

Der geneigte Musikfreund erinnert sich: Die Beatles veröffentlichten 1967 das Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, eines der Pionierwerke in der Geschichte der Konzeptalben, wenn auch am Ende auf eine „Rahmenhandlung“ geschrumpft. 1969 folgte „In The Court Of The Crimson King“ von King Crimson, wie vorgenanntes Album prinzipiell ein Konzeptalbum, auf dem die Band sich selbst als Beobachter einer Szene darstellt. 1973 folgte Yes‘ monumentales „Tales From Topographic Oceans“, das zwar stellenweise arg langweilig ist, aber sich in die Reihe der Konzeptalben, deren Titel ihren (textlichen) Inhalt vorwegnehmen, nahtlos einfügen lässt. (Beinahe unauffällig reiht sich hier neben „Le Frisur“ von den Ärzten auch PeterLichts „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ ein.)

So gesehen ist es nur konsequent, dass Silbermond, die in oben erwähntem CD-Regal Platz fanden, ihrem aktuellen „Werk“ gleichfalls einen Titel gegeben haben, der bereits andeutet, was von den enthaltenen Klängen zu halten ist:

„Nichts passiert“.

Eben.

PersönlichesSonstiges
Buuuuuuuuuuumm!

Mitunter nutze ich dasselbe Verkehrsmittel wie einige Grundschüler, deren Unterricht gerade endete. Auch heute saßen direkt vor mir drei dieser Gestalten. Zwei von ihnen trugen den umgangssprachlichen Ruf eines „ABC-Schützen“ nicht zu Unrecht.

Während der dritte damit beschäftigt war, seltsame Figuren zu zeichnen, ließen sich die anderen beiden Kinder zu immer neuen Spielen inspirieren. Obgleich die Lo-Fi Resistance mein Ohr ummantelte, ließ es sich aufgrund lauten Krakeels und auch sonst nicht unauffälligen Verhaltens nicht vermeiden, dass ich einige davon mitbekam. Der in der Ecke sitzende Junge mit dem auffallenden Milchgebiss suchte wiederholt körperliche Nähe, indem er sich an den zeichnenden Nebensitze kuschelte oder seinem Gegenüber um den Hals fiel. Das gipfelte darin, dass sich die beiden Gegenüber gegenseitig ans Gemächt (die, Zitat, „Eier“, Zitat Ende) fassten. Die bis dahin noch mitfahrende Betreuerin schaute verwundert, gab sich aber mit der Antwort, der jeweils andere habe angefangen, zufrieden.

Etwas weniger wunderlich immerhin war das minimalistische Räuber-und-Gendarm-Spiel. Die bereits erwähnten Gegenüber zeigten mit dem Finger aufeinander und machten „Buuuuuuuuuuumm!“, was wohl ein Explosionsgeräusch darstellen sollte. Seit wann man Handfeuerwaffen mit explodierenden Dingen bestückt und seit wann ein Knall, üblicherweise ein punktuelles Geräusch, mit einer Vokalverlängerung dargestellt wird, sofern man ihn nicht gerade mit dem anglophonen Wort für einen Ansturm („boom“) verwechselt, traute ich mich aus Scham davor, die Antwort nicht zu verstehen, nicht zu fragen.

Dass der kriegslüsterne Nachwuchs irgendwann das Fahrzeug verließ, gab mir zu meiner Erbauung zudem Gelegenheit, Zeuge einer anderen Subkultur zu werden. Es folgten ihm nämlich zahlreiche Realschüler großteils weiblichen Geschlechts. Von diesen nahmen vier vor mir Platz, wie üblich saßen diejenigen mit dem weniger unerfreulichen Gesicht mit dem Rücken mir zugewandt.

Über die Gesprächsthemen der vier kann ich, der Lo-Fi Resistance sei Dank, mich nur unzureichend äußern; es ging, so weit ich das mitbekommen habe, um Jungs, Feiern und welche der Mitschülerinnen man am wenigsten mag. Erquickend war auch weniger die Diskussion darüber, wessen iPod nun hübscher sei (knallrosa und bonbonblau standen zur Qual Wahl), sondern der Diskussionsstil.

Wann kam es eigentlich in Mode, beim Sprechen selbst in Bus oder Zug mit den Händen in der Luft herumzufuchteln? Das scheint auch ein rein weibliches Phänomen zu sein; bei andersgeschlechtlichen Jungmenschen habe ich das noch nicht gesehen. Indes erinnere ich mich noch an das Erlebnis, während dessen ich erstmals auf die genannte Angewohnheit aufmerksam gemacht wurde: Vor einigen Jahren saß ich im Zug nicht unweit einer Familie, deren Tochter gerade aus den USA zurückgekehrt war und beim Berichten ebenfalls wild umherfuchtelte, was die Mutter zu der Bemerkung veranlasste, diese Marotte sei wohl ein Relikt ihres Auslandsaufenthaltes. Aus den USA bringt man also (gemäß Max Goldt), wie es scheint, nicht nur ein furchtbar schlechtes Englisch, sondern auch noch ein furchtbar nervöses Verhalten mit. Ich bin der Familie für diese Warnung noch heute sehr dankbar.

Gefuchtel und Gestotter („ey, ey, äh, ne?“) schließen sich allerdings – immerhin – offenbar gegenseitig aus. Wer fuchtelt, kann sich anscheinend besser artikulieren. Vielleicht sollte ich das auch einmal ausprobieren, zum Beispiel, wenn mich ein geldgieriger Anwalt wegen meiner Haltung zu Impressen vor Gericht in die Pfanne hauen will.

(Wäre auch mal von Interesse: Kann es sein, dass man als junge Person sein Schuhwerk heutzutage nicht mehr danach auswählt, wie vorteilhaft für die Benutzung der eigenen Gehwerkzeuge sie sind, sondern danach, wie gut sie sich zur Beschriftung eignen? Zu meiner Zeit waren wir noch froh, nicht in labberigen Stofffetzen durch den Regen waten zu müssen, ach!)

Ich war nie so.


Nachtrag von 19:56 Uhr:
Erschüttert nahm ich zur Kenntnis, dass ein beträchtlicher Teil meiner Leser Ernst Jandl nie gelesen hat. Ich habe den vermeintlichen Schreibfehler dezent beseitigt und bin wirklich sehr enttäuscht.

MusikNerdkramsNetzfundstückePersönliches
Android is good (for porn).

Huch, schon Freitag!
Ich wollte eigentlich erst über etwas ganz anderes schreiben, dann kam etwas anderes dazwischen und dauerte länger als erwartet, und jetzt hat Horst, der Frechdachs, mir das Thema einfach weggenommen. Sehr unhöflich.

Er schloss seinen Artikel mit der (grammatikalisch sogar mehrfach fehlerhaften) Frage:

Welche Handy habt Ihr eigentlich?

Abgesehen davon, dass ich es aus ästhetischen Gründen vermeide, meine Mobiltelefone „Hääändi“ zu nennen, nehme ich das mal zum Anlass, meine Leserschaft (also euch) mit einem weiteren Eintrag zum Thema „Was macht der Typ hier eigentlich außerhalb des Internets so?“ zu quälen.

Ich besitze neben meinem in irgendeinem Regal vor sich hinschimmelnden Einstiegsmodell Nokia 5130 zurzeit drei mehr oder weniger aktive Mobiltelefone. Das erste, ein Samsung SGH-C260, wird mit einer T-D1-prepaid-Karte betrieben, die auch schon einiges erlebt hat; aber das ist eine andere Geschichte. Für die gewünschte nahezu ständige Erreichbarkeit genügt es vollkommen.

Mein Zweitgerät, ein Nokia X3, leistete gute Dienste für meine Kommunikation nach außen; die Betonung auf „nach außen“ ist auch deshalb wichtig, weil ich mir partout die Nummer nicht merken kann. Der Bildschirm hat wegen unsachgemäßer Behandlung schon zwei unhübsche Kratzer davongetragen, die nicht allzu störend ins Auge fallen, mich dennoch dazu brachten, dem Gerät eine schützende Hülle zu spendieren, bevor noch schlimmeres geschehen konnte:

Nun bin ich aber arbeitsbedingt derzeit in der misslichen Lage, dass eine elektronische Notiz- und am besten Terminverwaltung für unterwegs ziemlich nützlich wäre, nicht einmal notwendigerweise mit Synchronisierungsfunktion, wie sie zum Beispiel von den Herstellern aktueller Taschencomputer angepriesen wird. Ein Witzbold riet mir dazu, es doch mal mit einem iPhone zu versuchen. Nun, Steve Jobs selbst hatte mir indirekt bereits vor Monaten davon abgeraten, indem er sich über die Zielgruppe seines Lifestyle-Firlefanzes wie folgt äußerte:

(…) we do believe we have a moral responsibility to keep porn off the iPhone. Folks who want porn can buy and (sic!) Android phone.

Das ist gut; denn I want porn. Horst, der auch mal so ein tolles elektronisches Spielzeug haben wollte, entschied sich, wie er in o.g. Artikel erwähnt, für das HTC Tattoo, ebenfalls ein Gerät, das mit dem Betriebssystem Android läuft. (Über die Motive für diese Wahl mag ein jeder, obiges vorausgesetzt, selbst räsonieren.)

Gemäß Steve Jobs sollte das elektronische Notizbuch meiner Wahl also ebenfalls ein Android-Gerät sein. Android, oft inkorrekt und zu meinem persönlichen Missfallen als „Google Android“ bezeichnet, ist ein auf dem Linux-Kernel basiertes Betriebssystem für mobile Endgeräte wie etwa Netbooks und Mobiltelefone. Kannte ich noch nicht, klang verlockend und endete damit, dass ich das Nokia X3 vorerst in den (unbezahlten) Urlaub schickte:

Auch, wenn es schon ein wenig schmerzt, spontan Ausgaben in derartiger Höhe zu tätigen: Männer seien wie Kinder, befand Jürgen von der Lippe einmal, und man kann es als unumstößliche Wahrheit deklarieren. Ich erfülle tatsächlich nur beschränkt irgendwelche typischen Klischeevorstellungen von Angehörigen des männlichen Geprimas (Geschlecht ist schon anderweitig belegt), aber in diesem einen Fall gestehe ich, dass mich technisches Spielzeug jedwelcher Art von Kindesalter an zu faszinieren vermochte und noch immer vermag, und gerade das Samsung Galaxy S i9000 ist dafür bekannt, für Spielereien geradezu prädestiniert zu sein.

Ich werde das Gefühl noch nicht vollends los, dass dieses Gerät (derzeit laut übereinstimmenden Berichten auch unter Berücksichtigung der vor wenigen Tagen vorgestellten neuen HTC-Modelle das technische Flaggschiff der Android-Mobiltelefone) eine Nummer zu groß für mich ist. Aber es macht einen Heidenspaß, damit herumzuspielen. Ob ich von meinem Rückgaberecht Gebrauch machen werde, weiß ich daher noch nicht.

Schade wäre es allerdings schon. :-)

(Wie wahr übrigens auch: Wer den Unterschied zwischen Musikliebhaberei und iPod-Affinität nicht kennt, sollte das mit der Musik lieber lassen.)

PersönlichesPiratenpartei
#pptnds10 II (außerdem: Düsteres Halle)

Der leider etablierte Sender RTL berichtet über den zweiten Tag des PPTNDS10; Grund genug, noch ein paar Zeilen darob niederzuschreiben:

Es war noch recht ertragreich, alle Anträge wurden bis Sonntag kurz nach 16 Uhr umfassend behandelt. Die in der Nacht zwischen Sonnabend und Sonntag angeregte Verkürzung der Redezeit bzw., genauer gesagt, die Beschränkung der Rednerliste pro Antrag, um die traditionell ausufernden Diskussionen in einem gewissen Rahmen zu halten, mag ihren Teil dazu beigetragen haben, dass es beinahe gesittet zuging, auch, dass die für 15 Uhr angesetzte Pressekonferenz wegen aus Gründen nicht anwesender Presse entfiel. Aber was wäre die Piratenpartei ohne die ihr eigene Nonkonformität? Sie wäre überflüssig, meine ich.

Aufsehen erregte die bereits am späten Sonnabend beschlossene Forderung nach einer Reform der Drogenpolitik, die auf, hihi, breite Zustimmung stieß. Die Piratenpartei Niedersachsen ist nunmehr im Besitz nicht nur einer derzeit einzigartigen basisdemokratischen Struktur, sondern auch eines umfassenden Programms. An dieser Stelle auch nochmals ein Dank nebst Applaus (stellt ihn euch ggf. vor) und Chapeau an die Organisatoren und alle Anwesenden! (Ich hoffe, mit meiner teils minutiösen Berichterstattung via Twitter nicht allzu viele Abonnenten verschreckt zu haben.)

Heute indes trieb ich mich arbeitsbedingt in Halle, der seltsamen Stadt in einem Teil Deutschlands, über den man den Mantel des Schweigens selten schnell genug zu breiten vermag, herum. War mir in meiner Kindheit nicht bekannt, warum man jenen Teil auch „Dunkeldeutschland“ nannte, so wurde es uns, die wir uns vielsagend ansahen, heute klar; Touristen in dieser Stadt erkennt man am Lächeln. Sicher trägt eine Stadt, deren Fassaden in einem hübschen einheitlichen Grau gefärbt sind, nicht zu einem heiteren Lebensstil ihrer Bewohner bei, aber auffällig war’s dann doch.

(Auch nicht gänzlich unamüsantes Detail: Die Bedienung in der Wirtschaft, in die wir einkehrten, war nicht überzeugt davon, dass wir das obligatorische „Ja“ auf die Frage, ob es gemundet habe, ehrlich meinten. Vielleicht hätten wir nicht lächeln sollen; das macht in Halle offenbar keinen guten Eindruck.)

So blieb das Erfreulichste an der Reise dann auch, dass ich das Lied „Kids“ von MGMT mal wieder im Radio hören konnte. Eigentlich ein hübsches Stück Musik (apropos hübsch). Control yourself, take only what you need from it. Wenn das nur immer so einfach wäre!

FotografieNetzfundstückePersönliches
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags im Spätsommer (Versuch 4)

Man schlendert eines Nachmittags durch die rege belebte Einkaufsstraße der Stadt. Lemmingen gleich wuseln Menschen um einen herum. Die Sonne kann sich nicht recht entscheiden, ob sie ihrer Kraft Ausdruck verleihen möchte. Die Mäntel und die Eltern sind zu dick, die Shirts und die Mädchen sind zu dünn.

Ungewiss wie das Wetter ist auch die Szene. Menschen kommen aus dem Nichts und gehen ins Nirgendwo. Gleichsam als Kontrapunkt summt der kleine Mann im Ohr Edie Brickells „Good Times“. Spärlich beleuchtete Häuserfassaden scheinen wie im Traum im Takt dazu zu wippen. Überwältigt von den Eindrücken muss man sich erst einmal setzen und vergisst, was man eigentlich mit der freien Zeit anfangen wollte; stattdessen stiert man wortlos auf das Schauspiel der Emotionen und versäumt es tatsächlich, mitzuschreiben.

You don’t even have to try, here comes easy for you.

Draußen werden die Jacken wieder länger, drinnen indes breitet sich eine seltsame Wärme aus.
Das Leben kann so schön sein, wenn man nicht darüber nachdenkt.

(Fast vom Stuhl gekippt wäre ich übrigens auch, als ich diese Schlagzeile las: „Horror-Schock“, na, aber mindestens; drunter machen sie’s nicht mehr. Nebenbei bemerkt und weil ich noch ein wenig Platz in der Klammer habe: Willkommen auf dem neuen Server, liebe Leser!)

MusikPersönliches
Mein Musikfaschismus

„Ich würde mich als einen Musikfaschisten bezeichnen.“

Dies ist meine Antwort, wenn in geselliger Runde das eigentlich unvermeidliche Thema der musikalischen Vorlieben aufs Tapet kommt. Und obgleich niemand bislang diese Antwort zum Anlass nahm, mir einen gefährlichen Hang zu Größenwahn, Weltkriegen und Völkermord zu unterstellen, möchte ich dem doch an dieser Stelle ein wenig Erläuterung zuteil werden lassen.

Meine musikalische Sozialisierung fand über viele Umwege statt. Ich wuchs auf in einer Welt zwischen NDR 1 Radio Niedersachsen, das im Auto meines Opas lief, wenn ich dort mitfuhr, und das war recht oft der Fall, und NDR 2, das die morgendliche Frühstücksbeschallung bildete, lange, bevor es das anfangs lobenswerte Radio 21 und ähnliche Konkurrenz gab. So gern ich auch als Kind schräg mitsang („Palosoma Geier, oh oh oh oh oh„), so wenig würde ich die Akzeptanz dieser Beschallung als „Musikgeschmack“ bezeichnen. Die Titelmelodie des Sandmännchens ist ja ebenfalls selten Bestandteil irgendeines „Musikgeschmacks“.

Im Alter von etwa 13 Jahren entdeckte ich, mehr durch Zufall, dass es noch mehr Sender gibt. Das, was man gemeinhin als „Jugendkultur“ bezeichnet, drang in Form von N-Joy Radio an mein Ohr. Dass die Moderatoren sich selbst für unglaublich lustig hielten, erschien mir damals zwar auch schon eher bizarr, aber hat kaum gestört; der Musikanteil war ausreichend groß, und es wurde nicht stündlich der gleiche Unrat gespielt. (Im Verlauf meiner späteren Jugend schaffte es nur noch BFBS 1, als Radiosender von mir für hörenswert befunden zu werden.) Von N-Joy Radio zu dummen Ideen verleitet kaufte ich mir etwa zu dieser Zeit auch meine ersten beiden Tonträger, die Single „It’s Like That“ von Run-D.M.C. „vs“ Jason Nevins – das „vs“ verstehe ich bis heute nicht – und eine der „Just The Best“-Kompilationen, gleichsam mein Einstieg in die Welt der BRAVO-Hits-CDs. Hätte man mich zu dieser Zeit nach meinem „Musikgeschmack“ befragt, ich hätte vermutlich „Radio“ geantwortet. In dem Alter war ich so schrecklich leicht zu beeindrucken. Ich wurde tatsächlich eines Tages, einige Jahre später, nach meinen Lieblingsmusikern gefragt. Meine Antwort „Otto und Jürgen von der Lippe“, über deren von der Gitarre begleitete Blödeleien ich mich noch scheckig lachen konnte, wurde mit einem Blick, der mich sichtlich als Spinner titulierte, und Kopfschütteln bedacht. Obwohl ich also durchaus schon für Musik im weiteren Sinne zu begeistern war, fehlte mir noch immer ein eigentlicher Musikgeschmack. Ich „mochte“ vieles, hatte auch schon mancherlei schreckliche Tonträger im Regal stehen, jedoch war der „Aha“-Moment bis dahin ausgeblieben.

Dieser Moment kam mit meiner ersten Lebensabschnittspartnerin, die nicht nur vergebens versuchte, mich zu einem halbwegs normalen Menschen zu machen, sondern mir auch die Welt der Musik jenseits stupider Unterhaltungsmusik erschloss. Am Telefon spielte sie mir „Venus in Furs“ oder „Heroin“ – ich weiß es nicht mehr so genau – von The Velvet Underground vor, was mich schaudern ließ, weil die, wie der versierte Musikfreund längst weiß, Weg weisenden Klänge am Telefon wahrlich nicht nach Musik klangen. Über mein Missfallen war sie recht enttäuscht. Nun war es die Zeit von KaZaA und Audiogalaxy, und so gewährte ich The Velvet Underground später eine zweite Chance, die dann auch zum gewünschten Erfolg führte; das Debütalbum der Band war der Einstieg in die Welt der wirklich guten Musik. Aber war es ein „Musikgeschmack“? Siouxsie and the Banshees finde ich nach wie vor öde, Sonic Youth nur in einigen Momenten wirklich grandios (etwa auf ihrem Album „Goo“), und auch all die anderen Gruppen, die The Velvet Underground als ihre Vorbilder bezeichnen und mitunter immerhin ähnlich klingen wollen, haben mich bislang, anders als diese, nicht in blinden Kaufrausch versetzen können.

Von The Velvet Underground führte der Weg durch das Internet mich über die späten Beatles zum Progressive Rock; The Velvet Underground waren ja auch bereits progressiv, nur eben anders, da sind die Verbindungen trotz des doch recht anderen musikalischen Prinzips erstaunlich schnell geknüpft. Erst stieß ich auf die eigentlich unvermeidlichen Yes, dann alles, was wie Yes klang (Yezda Urfa, Starcastle, …), dann Gentle Giant und Van der Graaf Generator, King Crimson folgte schließlich mit einiger Verzögerung. Nur Genesis fand ich immer schon ein wenig nervig. Ist Progressive Rock ein „Musikgeschmack“? Als Sammelbegriff nur schwerlich tauglich, zumal mir viele Protagonisten des Progressive Rock (The Flower Kings, The Mars Volta, …) bis heute schlichtweg auf die Nerven gehen. Also blieb mir auch in der Yes-Sammelphase ein eigener Musikgeschmack verwehrt. Was sich stattdessen entwickelte, war eine Aversion gegen die Helden meiner Jugend. Die neue Klangwelt, in die ich täglich eintauchte und die mich mitnahm auf eine Reise durch surreale Landschaften (immerhin habe ich so letztlich viel Geld für halluzinogene Drogen gespart), hielt mich dermaßen gefangen, dass mich der Gruselpop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf tatsächlich zu schmerzen begann. Ich hielt gewöhnliche Massenmusik nicht mehr aus. Irgendein Quatschblatt hat einmal sinngemäß gefragt: Kann Musik eine Droge sein? Nun: Sie kann.

(Da Musik mehr ist als Melodie und Kongruenz, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass ich trotz der wunderbaren Gefühlswelt, die sich mir mit den Klangwelten erschloss, auch weiterhin Nebenpfade beschritt, etwa in Gesellschaft von Damen, die nicht immer offen waren für meine skurrilen musikalischen Vorlieben. Dienten diese von Beginn an der Erkundung neuer Pfade, so blieb noch Platz für Musik zur Bewältigung eher weltlicher Gefühle. Mit dem „Soundtrack meines Lebens“ – so etwas sollte eigentlich jeder Mensch besitzen – untrennbar verbunden sind und bleiben so die Texte der Ärzte, der Toten Hosen und der Fantastischen Vier. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Der nächste und bislang letzte Schritt auf dem Weg durch progressive Traumwelten führte mich zum Postrock von Mogwai, Oceansize und Dear John Letter, quasi als Ergänzungsdroge: Sind The Velvet Undergrounds und Yes‘ Studiowerke für den schnellen Schuss auf dem Sofa geeignet, so muss es bei den Postrockern ein Konzert oder mindestens eine Liveaufnahme sein. Es ist weniger ein Trip, mehr eine intensive Trance; doch auch diese Drogenmetapher soll nicht davon ablenken, dass es letztlich auch nur Musik bleibt. Ist nun also Postrock endlich ein „Musikgeschmack“, mit dem ich mich identifizieren kann? Wiederum muss ich diese Frage verneinen; zu vielschichtig ist der Postrock, zu selten weiß mich eine bis dahin ungehörte Musikgruppe aus dem Genre zu begeistern.

Die Suche nach einem Musikgeschmack blieb somit bislang erfolglos, brachte aber einen neuen Wesenszug mit sich: Der Spaß an einem gemütlichen Beisammensein stellte sich bei mir nicht mehr ein, wenn schreckliche Musik lief. Vor ein paar Jahren nahm ich an einer Abschlussfeier teil. Es war eine herrliche Veranstaltung, bis ein Teilnehmer beschloss, es sei eine gute Idee, uns alle mit Rapmusik (keinesfalls die oben erwähnten Fantastischen Vier, vielmehr stand einer der niveaulosen Vertreter zur Diskussion) zu erfreuen. Ich hörte mich sagen: „Mach das an und ich bin weg.“ Sicher, ich war zu vorgerückter Stunde bereits nicht mehr uneingeschränkt nüchtern und somit noch weniger anständig als dies üblicherweise der Fall ist, aber diese Erinnerung wirft die Frage nach dem eigentlichen Beweggrund auf. Inzwischen meine ich eine wenig absurde Erklärung gefunden zu haben: Wer einmal die Bedeutung der Musik erkannt hat, der sieht die Lärmbelästigung durch die so genannte „Jugendkultur“ fortan mit anderen Augen bzw. hört sie mit anderen Ohren. Eine quasimilitante Ablehnung von Klängen, die nicht dem eigenen Qualitätsstandard entsprechen: Ich würde dies als Musikfaschismus bezeichnen.

„Ich übergebe dem Feuer die Klänge von Bushido, DJ Motte und Hannah Montana!“

Meine Geschwister haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem auch sie auf der Suche sind nach dem „Aha“-Moment, dem Ohrgasmus sozusagen. Derzeit irren sie zwischen BRAVO-Titelfiguren und Deutschrock herum und lassen mich mitunter daran teilhaben. Ich bin zwar darob nur selten ungehalten, stelle aber doch fest, dass eben der Musikfaschismus keine zeitweilige Erscheinung blieb. Im Grunde ist er die Konsequenz aus meinen Erlebnissen während meiner ersten Gehversuche mit The Velvet Underground, aus der von dem Gruselpop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf erlittenen Pein. So neu war der Wesenszug also nicht einmal; er hatte sich nur gefestigt.

Ich habe noch immer keinen „Musikgeschmack“. Es wäre mitunter angenehm und vermutlich deutlich preiswerter, hätte ich einen.
So aber bleiben mir die gesunde Aversion gegenüber mancherlei Tonaufnahmen und der ständige Durst nach Neuem. Derzeit im Zentrum meines Interesses stehen Liveaufnahmen von Bob Dylan aus der Zeit um 1966.

Fortsetzung folgt.

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
Warum nicht gleich eine Bettel-Card?

Ich könnte mich jetzt nach der CDU auch mal wieder über die SPD auslassen, aber alles, was es zu diesem lächerlichen, ehemals wenigstens noch in Ansätzen zur Partei tauglichen Haufen noch zu schreiben gibt, hat Fefe freundlicherweise schon übernommen.

Also erwähne ich doch noch mal eben die CDU. (Ich hoffe in eigenem Interesse, dass das in nächster Zeit nicht mehr so oft vorkommt.) Ihre Vordenkerin (nennt man das bei der CDU noch so, „Denken“?) U.v.d.L., vom Familien- ins Arbeitsministerium strafversetzt, kann von ihrem ehemals bevorzugten Arbeitsbereich, den Kindern, einfach nicht die Finger lassen:

Kindern aus finanziell nicht allzu gut situierten Familien solle künftig eine Bildungs-Card (als wäre nicht der Name allein schon blöd genug) zuteil werden, fantasierte sie pressewirksam, mit denen sie, die Kinder, dann künftig Zugang zu Bildungsmaßnahmen haben sollten; eine Art Essensmarke für Bildung, ein Bildungsgutschein quasi.

Außerdem solle den Kindern künftig auch die Arbeitsagentur belästigend zur Seite stehen, um darauf zu achten, dass die Kinder gefälligst nach der Grundausbildung nicht noch unnötig auf ein teures Studium hinarbeiten, wie etwa auf SPIEGEL Online dokumentiert. U.v.d.L. schwadronierte weiterhin nämlich wie folgt:

Die Jobcenter sollen diese Hilfen sicherstellen. „Dazu wird künftig ein Familienlotse im Jobcenter die Aufgabe übernehmen, das Amt mit allen Sozial-, Kultur- und Betreuungseinrichtungen vor Ort zu vernetzen“, sagte von der Leyen dem Nachrichtenmagazin.

Es ist sicher nicht verkehrt, dass sich die Regierung zur Abwechslung auch mal um die sozialen Probleme dieses Landes schert (auch, wenn mir nicht so recht einleuchten mag, was das Arbeitsministerium mit dem Bildungswesen zu tun hat); indes werfe ich dann andererseits aber auch die Frage in den Raum: Warum bedarf es für halbwegs akzeptable Lösungsansätze für einige der Probleme sozial eher schwacher Familien einer ominösen „Card“, auf der Daten unklarer Natur gespeichert werden? Warum ist es auch der inzwischen zweiten Regierung nach der Schreckensherrschaft der ehemals sozialdemokratischen SPD noch nicht möglich, den alten Krempel (aber nicht nur, haha, sich selbst) einfach per Dekret zu entsorgen und eine brauchbare soziale Struktur zu errichten? (Und warum heißt das Ding „Card“ und nicht „Karte“?)

(Apropos Karte, kennt ihr den schon? Kommt eine Mutter mit ihrer im Ersticken begriffenen Tochter – etwa neun oder zehn Jahre alt – in die Arztpraxis, guckt die Empfangsdame die Tochter an, die allmählich beginnt, im Gesicht eine unangenehme Farbe anzunehmen, und sagt zur Mutter sinngemäß dies: „Ja, nun, haben Sie die Krankenkassenkarte dabei? Andernfalls müssen Sie leider unverrichteter Dinge wieder gehen.“ Das ist so tatsächlich passiert. Angesichts solcher Erlebnisse freue ich mich immer noch, im Supermarkt auch ohne „Deutschland-Card“, „Payback-Card“ („payback“ heißt auf Deutsch übrigens „Rache“, siehe hierzu etwa auch den entsprechenden Auftritt von Hennes Bender) und sonstigen Unfug nahezu unbehelligt zur Kasse vorgelassen zu werden; auch, wenn die blöde Fragerei unnötig Zeit kostet.)

Nun, ich schweife ab. Das ist auch gut so, denn so hatte ich ein wenig Zeit, tief Luft zu holen. Tatsächlich ist mir während des Atemvorgangs noch eine weitere Frage eingefallen: Diese „Card“ wird mit Geld bestückt, das aus dem Nichts appariert oder irgendwie anders existiert, zumindest ist dem Artikel nicht mehr über die genauen Umstände zu entnehmen. Was aber soll passieren, wenn das imaginäre Geld auf der „aufgeladenen“ Karte verbraucht ist? Werden die Kinder, die sie anzuwenden versuchen, dann von den entsprechenden Automaten als Kinder „besserverdienender“ Eltern erkannt oder, andersherum, als „zu arm für Armenförderung“?

Wie auch immer die Antworten auf die Fragen lauten mögen: Die Dreistigkeit, mit der die jeweils amtierende Regierung ratenweise den Sozialstaat verhökert, ist altbekannt, aber dass das Volk das nicht nur einfach hinnimmt, sondern sich obendrein mit bloßem Plastik als Ersatz für eine tatsächliche Verbesserung der Lebensqualität abspeisen lässt, verschlägt mir dann doch die Sprache. So ungern ich mich auch vulgär ausdrücke: Ich glaube, dieses Land kann gar nicht so tief in der Scheiße stecken, dass seine Bürger nicht lächelnd den Kopfstand machten.

What in the world has happened to the world?
— King Crimson: Cage


Und da ich gerade so schön in Rage war, habe ich mich daran erinnert, dass ich einst als Neustudent an der Hochschule eines Frauen- und Gleichstellungsbüros gewahr wurde, dessen Personal aus fünf Frauen und null Männern bestand und noch immer besteht, und mir ist eingefallen, dass ich es bislang versäumt habe, die Existenzgrundlage dieses Büros dort anzuzweifeln, wo es überhaupt Notiz davon nehmen kann. Dies holte ich nun mit folgender, hier aus Datenschutzgründen teilweise zensierter E-Mail nach:

Schönen guten Abend, Frau Unleserlich,

als Student männlichen Geschlechts – somit als Angehöriger der schändlichen Männerwelt – nahm ich soeben eher zufällig zur Kenntnis, dass meine Rechte als Mann an der Hochschule O. offenbar ausschließlich von fünf Frauen vertreten werden.

Wie passt das zu Ihrem Anspruch als „Gleichstellungsbüro“, beiden Geschlechtern eine adäquate Behandlung zukommen zu lassen? Ich sehe Sie in der Pflicht, zumindest annähernd 50% Ihrer Arbeit auch der Gleichbehandlung von Männern zukommen zu lassen, was sich auch in Ihrem Personal äußern sollte; „Gleichstellung“ bedeutet nicht „systematische Bevorzugung des total unterdrückten Geschlechts und so“.

Ich hoffe, dass sich in absehbarer Zeit dieses Bild wandelt. Ich fühle mich als Mann so keinesfalls vertreten!

Sollte sich die Empfängerin von dem zu erwartenden Lachanfall erholt haben und sich zu einer Antwort-E-Mail herablassen, werde ich dies hier selbstverständlich fröhlich in die Gegend trompeten.