Persönliches
Die Welt ist zu laut.

Es klingt – wo immer man zu welcher Tageszeit auch ist – nach Menschen. Unzählige Verkehrsschilder, einander oft bedingend, aber trotzdem sicherheitshalber explizit separat aufgestellt seiend, bitten gleichermaßen um Beachtung wie das mediale Überangebot, das das Beiwerk stellt. Im „Wahlkampf“ (als sei es für irgendwen von Belang, welche Lüge in der laufenden Saison auf wessen Plakaten steht) nur noch von Pseudopolitik übertroffene Allgegenwart von Bildern und Animiertem und Funktionsmusik lässt kaum eine Gelegenheit zum Abschalten, zur Ruhe.

Auf Bahnhöfen wird man in viel zu kurzen Abständen durchweg darüber informiert, dass man sein Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen und – offensichtlich viel wichtiger – sein albernes Gequalme auf die gekennzeichneten Raucherbereiche beschränken solle, denn Rauch macht an gelben Linien bekanntlich immer Halt, weil er weiß, er darf da nicht raus. Diese Durchsagen erfolgen oft im Kanon, weil eine zeitliche Abstimmung offenbar nicht mehr ins Budget gepasst hat. So Durchsagen sind bestimmt teuer in der Herstellung, deswegen laufen sie in einer Schleife, die, wäre sie Warteschlangengeräusch am Telefon, sicherlich längst das passende Unternehmen in die Insolvenz getrieben hätte. Dieser unbedingte Drang nach Information, er ist, was Kommunikation unnötig zum Selbstzweck werden lasst.

Sunn O))) – Black Wedding

Die unterschätzte Tugend des Fressehaltens wird zunichte gemacht von der Werbebranche, für die immer und ausnahmslos gilt, dass nur Lautsein gewinnt, und es zählt längst nicht mehr das Produkt selbst. Heute fand wieder einmal eine Demonstration zum Schutz der Grundrechte statt und auf den einschlägigen Websites werden fleißig selfies geteilt, denn aus „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut“ ist längst ein „guck mal, Mutti, ich bin hier und ich bin laut“ geworden. Der Lärm als Selbstzweck, als Rauschmittel, nicht mehr mit Transportfunktion versehen.

In der Akte-X-Episode „Drei Wünsche“ galt vor sechzehn Jahren als Lösung für den Wunsch nach Weltfrieden, die Existenz aller Menschen zu beenden. Allmählich scheint mir das gar nicht mehr so zynisch zu sein. Bei der kommenden Bundestagswahl werde ich nur Parteien wählen, von denen ich bis jetzt noch nie etwas gehört habe, denn nur sie geben mir Ruhe.

Senfecke

Bisher gibt es 5 Senfe:

  1. Man muss seine Stimme einer vorab prognostizierten Mehrheit geben. Sonst wirkt sie nicht richtig.

  2. PINGBACK: artodeto's blog about coding, politics and the world

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