Geile Idee der Deutschen Bahn des Monats: Digitalisierung finden wir so gut, wir lassen Menschen ohne Smartphone bald einfach keine Bonuspunkte mehr sammeln. Nehmt dies, ihr Omas!
Die USA sind aufgeschreckt: China (350 Nuklearsprengköpfe, erklärter Verzicht auf den Ersteinsatz) bedrohe ihre (3.750 Nuklearsprengköpfe, kein Verzicht auf den Ersteinsatz) „Sicherheit“. Da muss mal einer, muss mal wer. – Dieselben USA haben einen Teil ihrer Sanktionen gegen Russland im Übrigen zurückgenommen. Kann man da nicht mal irgendwen canceln oder ist das schon in Ordnung so?
Auch die „taz“ hat Angst und reproduziert daher das Narrativ der „Besonderheit der Mutter-Kind-Beziehung“. Väter sind überbewertet. Direkt verbieten, sag‘ ich.
Hadmut Danisch (Allergikerwarnung: Hadmut Danisch)fragt zu Recht: Warum schreiben Menschen eine E‑Mail, um darum zu bitten, dass man WhatsApp installiert, damit sie eine Botschaft übermitteln können?
Hihi: „Bei den aktuellen Heizölpreisen ist es vermutlich billiger, den Winter auf Teneriffa zu verbringen.“
Es ist Montag. Die Online-„FAZ“ schwafelte gestern etwas von „Blutdiamanten aus Russland“. Es ist ja immer alles Blut neuerdings. Blutmond ist aber erst im Mai wieder. So lange muss der Russe noch warten.
Die Berliner DKP beklagt, dass jemand ein Sowjetdenkmal mit einer ukrainischen Flagge zugedeckt habe. Dabei war die Ukraine doch eine Sowjetrepublik; passt also. Unterdessen boykottiert man deutsche Schokolade, weil die auch in Russland verkauft wird. So lange das Leid syrischer, ukrainischer und afghanischer Menschen daran gemessen wird, unter welcher Flagge sie zerfetzt werden, sehe ich ja noch Verbesserungspotenzial in ganz anderen Strukturen, aber dafür kriegt man nun mal weniger Herzchen auf Twitter. Wir leiden an Zuvielisation, fürchte ich.
Corona ist rum, Wahlkampf geht weiter. Der Kadaver der ehemaligen Piratenpartei möchte in Nordrhein-Westfalen gewählt werden und fasst seine Inhalte daher auf einem Bild auf Twitter zusammen: Kondome mit progress flag und Piratenlogo drauf. Es geht nur noch ums Bumsen. Erstaunlich, dass Pornowebsites trotzdem gesperrt werden, obwohl eine Partei sich so auf dieses Thema konzentriert. Die vier „Piraten“ im Europäischen Parlament freuen sich unterdessen: Die dortigen Parlamentarier finden die Idee von Messenger-Interoperabilität überwiegend gut. Wie ein Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messenger allerdings seine Chatinhalte über das Protokoll eines anderen Messengers freigeben soll, ohne seine Verschlüsselung faktisch aufzugeben, steht da nicht. Ich ahne, warum es für diesen Vorschlag eine Mehrheit zu geben scheint. Jemand sollte mal eine Partei gründen, die sich mit dem Internet und seinen Freiheiten beschäftigt. Vielleicht ja jemand aus der CSU?
Apropos: In München hat ein „E‑Scooter“ wieder jemanden fast umgebracht, beteiligt war Alkohol. Da ich noch nie jemanden auf einem dieser Gefährte gesehen habe, der nüchtern gewesen wäre, halte ich es inzwischen für der Allgemeinheit dienlich, wenn Fahrer eines solchen „Scooters“ sicherheitshalber ihren Führerschein abgeben müssen, bevor sie ihn überhaupt bewegen. Dann stehen die (die Geräte, nicht die Fahrer; obwohl, hihi) vielleicht auch nicht mehr ganz so oft blöde im Weg rum.
Als der Allgemeinheit dienlich erachte ich auch Musik. Im Juni 2018 schrieb ich diesbezüglich, ich könne der Liedermacherin Sarah Lesch „etwas abgewinnen“, aber bisher blieb diese Feststellung – entgegen meinen Gewohnheiten – ohne Nennung eines Beispiels. Weil ich jedoch am vergangenen Wochenende das mich selbst überraschende Vergnügen hatte, mir ihre Kunst mal live und in (zu viel) Farbe anzugucken, und aufgrund weltpolitischer Entwicklungen bietet es sich tatsächlich musikalisch und textlich an, das jetzt nachzuholen. Nicht, dass es wieder heißt, ich höre immer nur so unangenehmen Kram.
All das gab es schon einmal.
Sarah Lesch – Das mit dem Mond (Offizielles Video)
In bierseliger Runde erzählte ich vor zwei Wochen, die meisten Probleme der Gesellschaft ließen sich lösen, indem man das bestehende Demokratiekonzept durch eine Monarchie nach Schweizer Vorbild ersetzt. Ein zufällig anwesender Radiomoderator fand das Thema noch interessanter als ich und bat mich um genauere Ausführungen.
Zwar werden diese kommenden Dienstag irgendwo im Internet zu hören sein, aber da ich meine Stimme fast noch weniger mag als Podcasts (und meine Zuneigung zu diesen ist schon sehr, sehr gering) und manchmal – etwa jetzt – ein gutes Vorbild sein möchte, veröffentliche ich hier schon mal das Typoskript zum Gesprochenen. Es möge als Anregung, keinesfalls jedoch als Anleitung dienen.
JIRM, ein mit gruseligen Fotos im Web zu findendes Quartett aus Schweden, veröffentlichte Anfang März dieses Jahres sein fünftes Album „The Tunnel, The Well, Holy Bedlam“ (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL). Dichte Gitarren (Stoner-Freunden mag’s gefallen) werden begleitet von oft unauffälligem, mitunter auch bluesrockgeeignetem Gesang. Vergleiche? Deep Purple (viel), Pink Floyd (wenig), aber jeweils nicht so schrecklich öde.
In „You Fly“, aber auch sonstwo höre ich (mal prominenter, mal weniger prominent) Bläser. Jazz? Vielleicht. Heavy Irgendwas? Noch vielleichter. Sicher scheint nur: „The Tunnel, The Well, Holy Bedlam“ wäre ein psychedelisches Album, wenn die Musiker nicht das ideale Maß an Energie in das Bestreben stecken würden, dass es das nicht wird.
Und genau deshalb fällt es aus dem Rahmen; und deshalb mag ich es.
Mitunter, obwohl’s die Presse seit Tagen bewegt, ist eine Ohrfeige zwar ein unangebrachtes (weil gewaltgetragenes), aber noch immer mildes feedback zur zu selten gestellten Frage, was man davon hält, dass feinsinniges Kabarett und elegante Satire trotz unterschiedlichen Wesens ihr Feld für Gestalten räumen mussten, deren Karriere ich mir eigentlich nur so erklären kann, dass sie irgendwann mal ein Furzkissen gesehen haben und seitdem eigentlich nichts anderes mehr zu imitieren verstehen (weil: brauchen).
In China gibt es, wie ich zufällig herausfand, einen „smart speaker“ für Kommunisten, was den Zustand des Kommunismus im 21. Jahrhundert ganz gut zusammenfasst.
Wie ich die Überleitung von Kommunismus zum Weglöschen politischer Kommentare jetzt aber geschickt meistere, weiß ich nicht, daher springe ich einfach unübergeleitet zum nächsten Thema: Der Journalist und Autor Chris Hedges, Träger des Pulitzer-Preises, bekannt auch aus so Gesprächsrunden, wurde jedenfalls in Form seines bisherigen Schaffens ohne vorherige Kontaktaufnahme von YouTube weggelöscht. Sein Vergehen, so nimmt er selbst an, besteht zum Teil in seiner Opposition gegen die US-amerikanische Außenpolitik, zum Teil aber auch darin, dass seine für den Emmy nominierte Sendung „On Contact“ nicht nur auf YouTube, sondern auch auf RT America und RT International zu sehen war, obwohl sich keine einzige Folge mit Russland beschäftigte.
Ich war auf RT, weil ich als Kritiker des US-Imperialismus, des Militarismus, der unternehmerischen Kontrolle der beiden regierenden Parteien und vor allem, weil ich die Boykott‑, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung gegen Israel unterstütze, auf die schwarze Liste gesetzt wurde. Ich war aus dem gleichen Grund bei RT, aus dem der Dissident Václav Havel, den ich kannte, während des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei bei Voice of America war: Entweder das – oder man wurde nicht gehört.
Es ist Montag. Mir kam am Wochenende eine Reklame unter, die branchentypisch minderqualitative Grammatik aufwies, jedoch auch den Hinweis, besagte Reklame richte sich an diejenigen, die einen anstehenden Quatschfeiertag „lieben“. Ich erwäge das Fundstück künftig zu zitieren, wenn man mir – wie bereits geschehen – eine unzureichende Gefühlstiefe attestiert; denn selbst mein Gefühlsleben kennt mehr Nuancen als bloß „lieben“ und „nicht lieben“. Als Werber wäre ich offensichtlich ungeeignet.
Das Saarland – ungefähr so groß wie das Saarland – hat gestern gewählt, erstmals haben seine Einwohner es mit einem interessant reduzierten Parlament aus der rechtspopulistischen CDU, der rechtspopulistischen SPD und der rechtspopulistischen AfD zu tun. Die zuvor starke „Linke“, deren Anhänger intensiv darum gebeten haben, dass Oskar Lafontaine endlich gehen möge, ist mit 2,6 Prozent der Stimmen nur knapp vor der Tierschutzpartei (2,3 Prozent) gelandet, die in Visualisierungen im Internet teilweise jenseits der „Sonstigen“ einen eigenen Balken bekommen hat wie weiland die Piratenpartei (zzt. 0,3 Prozent). Die „taz“ findet im Einklang mit der SPD, am schlechten Abschneiden der „Linken“ sei vor allem Oskar Lafontaine schuld, und zwar nicht, weil er vorher noch in der Partei war, sondern, weil er es jetzt nicht mehr ist. So wenig politische Zugkraft muss eine Partei ja auch erst mal haben, dass eine Person für ihr Wohl und Wehe verantwortlich ist. „Die Behauptung, Lafontaine sei ein ‚Linker‘, war schon immer falsch“ (World Socialist Web Site), da wundern einen die Wahlergebnisse dann am Ende auch nicht mehr.
Die im Saarland auch weiterhin außerparlamentarischen Regierungsparteien Grüne und F.D.P. nehmen sich unterdessen endlich mal des Problems an, dass Alkohol mancherorts auch für jüngere Konsumenten leichter zu bekommen ist als Koks, und erwägen die Altersgrenze für den Bierkauf auf 18 Jahre anzuheben. Zu meiner Zeit haben wir ja einfach den Ältesten im Freundeskreis zum Einkaufen mitgenommen, aber so etwas tun Jugendliche heute ja zum Glück nicht mehr. Die fahren direkt zu ihm nach Hause und saufen dort.
Der – damit sind alle drei bestimmten Artikel als Satzanfang für diese Woche auch durch – „Guardian“ zeigt sich im Rahmen der lästigen Kriegsberichterstattung entsetzt: In der Ukraine werden Transfrauen zum Kriegsdienst gezwungen, weil sie als Männer gelten. Das sei transfeindlich, kolportiert die Berichterstattung, während es freilich nicht als männerfeindlich gilt, dass sie das Land nicht verlassen dürfen, sondern Krieg spielen müssen. Aufregen könnte ich mich, aber nicht vor’m ersten Kaffee. Sonst lohnt sich das nicht.
Als mir gestern die innere Funktionsweise des DKB – Deutscher Kanarien- und Vogelzüchter-Bund e.V. – erläutert worden ist, dem 31 „Landesverbände“, abermals eingetragene Vereine, angehören, die zum Teil aus exakt sieben Mitgliedern (so viele setzt das deutsche Vereinsrecht mindestens voraus) bestehen, weil sie einander mitunter nicht recht gewogen sind, habe ich das abwertende Wort „Kaninchenzüchter“ für deutsche Vereinsmeier aus meinem Wortschatz entfernt.
Morgen wird im Saarland gewählt. Gewinnen möge, sültst die regionale Piratenpartei, keineswegs diejenige Partei, die dem Saarland politisch den größten Nuttsen bringt, sondern diejenige, die Russland am allerdööfsten findet: „Keine Stimme für AfD und Linke, denn weite Teile dieser Parteien sind Putin-Versteher“, da doch lieber die CDU, denn die macht tswar Scheißpolitik, aber findet Putin nicht gut und das muss für’s Saarland ja auch reichen.
Politisch auch quasi in der CDU, aber tatsächlich in der „konkurrierenden“ SPD ist Boris Pistorius, politisch unappetitlicher Innenminister Niedersachsens, der unisono mit seinem bayrischen Amtskollegen ex cathedra das Kenntseichen des Landkreises Tswickau tsum Buchstaben non grato erklärte:
Niedersachsen und Bayern haben juristische Konsequentsen für das Verwenden des „Ts“-Symbols in der Öffentlichkeit angekündigt.
Als tsur Anarchie neigender Einwohner Niedersachsens finde ich diese Entscheidung seltsam, aber selbstverständlich möchte ich in diesen aufgeladenen Tseiten nicht aufbegehren. Man könnte mich sonst einen Putinversteher nennen und das bin ich nun wirklich nicht – ich kann noch nicht so gut Russisch.
Aus der Diskussion um die mir bis dahin völlig unbekannte Ronja Maltzahn, die aufgrund ihrer Frisur – Dreadlocks, also die typischen verfilzten Haare der Rastafari, Nachkommen afrikanischer Sklaven auf Jamaika – dem Klimaschutz entronnen ist bzw. wurde, da sie mit besagter Frisur „kulturelle Aneignung“ („die Übernahme eines Bestandteils einer Kultur von Mitgliedern einer anderen Kultur oder Identität“, Wikipedia) betrieben habe, lässt sich von einem vernunftbegabten Wesen, das die Argumente der „Klimaschützer“ trotzdem für die richtigen hält, eigentlich nur folgern, dass die Übernahme von Teilen rastafarianischer Kultur seitens des Westens insgesamt und nicht bloß auszugsweise verboten sein muss; und damit halt auch diese elende Kifferei nichts ist als eine geschichtsvergessene Unverschämtheit, deren Befürworter mindestens sklavereitolerant sind und zweifellos gecancelt werden müssen.
Auf einem Bus – Buswerbung muss man sich ja auch erst mal leisten können – sah ich heute Werbung für die #kulturgesichter053. Was ich von gedruckten Hashtags halte, sollte hinlänglich bekannt sein.
In einem nicht hinreichend gut gesicherten Browser enthält die referenzierte Eigenwerbewebsite auch einen von diesen albernen Schiebetexten, die ich für endlich überwunden hielt, aber leider war der beauftragte Websitehipster zu faul, sich einen zweiten Text auszudenken:
Zu lesen war auf diesem Bus jedenfalls neben dem bescheuerten Hashtag, dass es ohne die Aktivitäten der „Kulturgesichter“, also irgendwie kulturrelevante Personen aus der Region, „still“ werde. ‘Bedroht mit entspannter Stille’ weiterlesen »
In der aktuellen Ausgabe der längst zu meiner ironischen Lieblingszeitschrift avancierten „JOLIE“ – „April 2022“ – wurde neben ein paar Vorschlägen, wie man mit „Mondritualen“ zu „mehr Energie“ kommen könnte (Mondstein, flieg!), auch eine Anleitung für „Dirty Talk“ veröffentlicht. Bereits an sechster Stelle wird der Fortgeschrittenenkurs absolviert:
Schreib dir ein Skript
(…) Beim Dirty Talk kann es helfen, dir im Vorhinein zu überlegen, was du deinem Partner bei der nächsten Begegnung mitgeben willst.
Nur ein unromantischer Zyniker wie ich hätte jetzt den Hausmüll und nicht etwa „eine Handlungsanweisung (‚Ich will, dass du deinen Mittelfinger auf meine Klitoris legst!‘)“, ebd., als Teil der Überlegungen parat, oder?
„Die Bundesregierung“ hat viele Pläne, „bekennt sich“ aber auch „erstmals zu einer feministischen Außenpolitik“ („DW“, 7. März 2022) und das sieht dann ungefähr so aus:
Ein Grünenpolitiker handelt mit Katar einen Erdgasdeal aus. Aber Robert Habeck bleibt kaum eine Wahl.
Man wolle nämlich, so heißt’s, in relevanten Dingen wie der Energieversorgung nicht mehr von einzelnen Staaten abhängig sein; weshalb man neben der Brüllball-Weltmeisterschaft ab November dieses Jahres künftig auch das Stromgeld nach Katar trägt, wo man auch mal ausgepeitscht werden darf, wenn man westübliche Dinge treibt.
„Toxische Männlichkeit und patriarchale Strukturen sind die Schlüsselwörter, um zu verstehen, worum es bei feministischer Außenpolitik geht“ (Birgit Raddatz, ARD-Studio Brüssel, vor kaum mehr als einer Woche [Archivversion]), nämlich: um’s Geld.