Der „rbb“ – nur echt in Kleinstbuchstaben – gibt bekannt:
Alle 8.000 Mitgliederinnen und Mitglieder der „Linken“ sollen ein Exemplar des Koalitionsvertrages bekommen[.]
Dz, dz – das heißt doch „Mitglieder:innen“!
Der „rbb“ – nur echt in Kleinstbuchstaben – gibt bekannt:
Alle 8.000 Mitgliederinnen und Mitglieder der „Linken“ sollen ein Exemplar des Koalitionsvertrages bekommen[.]
Dz, dz – das heißt doch „Mitglieder:innen“!
Es ist Montag. Mit etwas Glück stirbt zum Jahreswechsel eine Scheißbranche. Jump, you fuckers, und nehmt die Bitcoinpfeifen mit. Oder schult um. Pandabärenzüchter werden zum Beispiel dringend gesucht, zum Beispiel von mir.
Sterbehilfe gibt es künftig nur noch für Geimpfte und Genesene. Nicht, dass man stirbt und dann fällt plötzlich das Atmen schwer. Sarah Bosetti – finanziert von meinen Gebühren!!11! – befand, das ZDF-Logo stolz tragend, Ungeimpfte seien rechts unten und letztendlich einem Blinddarm gleich. Zu der neuerdings vorherrschenden Sprache in der „Comedy“, wie dumme Menschen das Kabarett nennen, könnte ich sicherlich mancherlei sagen und schreiben, aber Brandrede lässt sich mit einem Gegenfeuer selten löschen. Stattdessen scheint mir der Hinweis geboten, dass Privatisierung und damit verbundene Überführung in den freien Markt, der sich qualitativ beweisen muss, nicht immer schlecht sein muss. In Berlin darf man noch in Tanzclubs gehen, aber nur sitzend. Das kommt meiner Art zu tanzen durchaus entgegen.
Ein Blick in den Maschinenraum: Dieses WordPress, das weiterhin einzusetzen ich Gründe habe, kann seit gestern Abend auch Emojis in den Kommentaren anzeigen. Das ist wahrscheinlich schade, weil es den Ausdruckswillen meiner geschätzten Kommentatoren möglicherweise mindert, aber tatsächlich auch in meinem Sinne. Trotzdem habe ich gegen ein wenig Prosa nichts einzuwenden. Dass WordPress zwar häufiger mal in der Datenbank herumfuhrwerkt, keinesfalls jedoch utf8mb4 als korrekten Zeichensatz versteht und dann nicht mal eine Warnung anzeigt, wenn man einen anderen Zeichensatz einsetzt, gleichzeitig aber darauf beharrt, dass man gefälligst den bekloppten Scheiß-„Gutenberg“-„Editor“ einsetzen möge, der zum Gestalten gut geeignet sein mag, zum einfachen Insinternetreinschreiben jedoch nicht, spricht im Übrigen für sich.
Apropos: Hacker hacken Bondrucker. Ein schönes Gegengewicht zum fürchterlichen rC3, also der jährlichen Sozialarbeiterkonferenz, die eine CCC-nahe Firma dieses Jahr schon wieder online ausrichtet. Die haben ja Zeit, die müssen ja nichts arbeiten. Anderswo wird sich über andere Hacker empört: Die Hardware von Staatsbedienstete der USA wird zurückgehackt. Hihi. Ich hatte schon fast an der Existenz des Karmas gezweifelt. Irgendwelche Reklamekasper propagieren derweil ein „Web3“, also den Nachfolger von Webzweinull. Warum dieser Terminus als falsche Dichotomie so Quatsch ist wie sein vermeintlicher Inhalt, möge ein Klügerer (zum Beispiel Stephen Diehl) erläutern. Man muss ihn sich nicht merken und schon gar nicht reproduzieren.
Medial scheint ansonsten Ebbe zu herrschen: Es wird schon wieder eine Meldung herumgereicht, die über ein Jahr alt ist. Zum Glück ist’s mit den Medien ohnehin bald vorbei: Deutschland – viel besser als China – setzt die Schaffung eines eigenen Internets, in dem nicht mehr alles jederzeit verfügbar ist, konsequent fort. Da muss man sich ja beeilen, wenn man noch lizenzbehaftete Musik streamen möchte.
Zum Beispiel diese.
Guten Morgen.
Weihnachten ist, wenn ich die sozialen Medien, in denen unter anderem darüber diskutiert wird, ob es moralisch richtig sei, das langweilige Fest mit möglicherweise ungeimpften Kindern und älteren Verwandten zusammen zu verbringen, wobei überwiegend Trotzreaktionen die Meinung bestimmen, derzeit richtig verstehe, die eine Zeit im Jahr, in der Eltern ihre Kinder hinsichtlich der Bestimmung des für die Geschenke Zuständigen intensiver belügen als die SPD ihre Wähler hinsichtlich nahezu jeder politischen Forderung, als wäre ein Kind, das von vornherein mit dem Wissen aufwächst, dass seine Verwandten ihm jährlich teuren Kram kaufen und nicht etwa ein toter Bischof („Nikolaus“), ein Kleinkind („Christkind“) oder eine Coca-Cola-Werbefigur („Weihnachtsmann“) in merkwürdigen Klamotten, der, die oder das anscheinend zu viel Geld und ungezählte Zwillingsbrüder hat, in seiner Seele unheilbar verletzt, wenn man es nicht anlügt, und als lernte dasselbe Kind nicht erst durch solcherlei, dass Lügen mit wirklichem Vorteil für weder Lügner noch Belogenen das ist, was Erwachsene eben so machen, und als würde es daraus nicht mit für mich als zu hoch erscheinender Wahrscheinlichkeit dieses Gelernte später selbst anwenden.
Jana Hensel („ZEIT ONLINE“ sowie „DIE ZEIT“; Hauptsache, Großbuchstaben) ist empört: Über 30 Jahre nach dem Ende Ostdeutschlands als eigenständiges politisches Gebilde „sind die Namen von 20 Parlamentarischen [Staatssekretären] (…) bekannt: eine Frau mit Migrationsgeschichte ist darunter, ein Ossi“. „Dieses Signal“ sei „ernüchternd“. (Zitate, sofern nicht anders gekennzeichnet, wurden unverändert übernommen.)
Keinesfalls erwähnt Jana Hensel jedoch, wie viele dieser Staatssekretäre eine preußische Geschichte haben, obwohl Preußen auch erst vor fünf soziologischen Generationen zu existieren aufgehört hat, was nicht deutlich vor den drei Generationen, die die DDR demnächst nicht mehr erlebt haben werden, liegt. Ab wie vielen Generationen ist eines ehemaligen Staates Volk nicht mehr als relevante gesellschaftliche Gruppe zu verstehen?
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Kim Gordon (Sonic Youth, Body/Head usw.) hat eine neue „Single“ (Quellen: Stereogum, Guitar World, Apple Music, FLOOD u.v.m.) rausgebracht, die aber gar keine Single ist, weil es keinen entsprechenden Tonträger gibt, sondern nur ein Lied.
Und es gefällt mir.
Wenn man das Lied kauft, wird das Geld dem Vernehmen nach insgesamt an die Initiative Fund Texas Choice gespendet, die zum Ziel hat, dass Frauen in Texas ihren Nachwuchs abtreiben dürfen. Weil ich als Vinyl- und Musikmöger aber keinesfalls dazu rate, vergänglichen Tand wie irgendwelche Dateien zu kaufen, empfehle ich stattdessen den vorübergehenden Konsum über einen der offiziellen Vertriebskanäle – etwa YouTube -, bis das Lied eines Tages auf einem richtigen Tonträger zu finden ist, den ich dann aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit der Musik Kim Gordons bereits jetzt zu kaufen wärmstens empfehle. Man spare auf diese Weise ein bisschen Geld und spende diese Ersparnis für einen wohltätigen Zweck seiner Wahl.
Notfalls eben auch an die Initiative Fund Texas Choice.
Über Sozialismus kenne ich ein paar Volksweisheiten, eine davon geht so: Die glücklichsten Sozialisten leben allesamt in kapitalistischen Ländern. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es erscheint mir nicht ganz weltfern, hat doch zum Beispiel das nicht besonders sozialistische Deutschland immerhin ein halbwegs funktionierendes Sozialsystem.
Heute hat die bisher langweiligste kommissarische Bundesregierung beschlossen, dass am kommenden Silvester so wenig Feuerwerk wie möglich stattfinden sollte. Man könnte sich ja was wegsprengen und damit die Krankenhäuser unnötig belasten. Weiterhin erlaubt bleiben leider die potenziell lebensgefährlichen Aktivitäten Autofahren, Bergsteigen und die Nutzung einer Badewanne.
Ich fand Feuerwerk schon immer dämlich und bin von dem Verbot insofern nicht betroffen. Interessant ist aber angesichts voller Fußballstadien und geöffneter Schulen (würde es insofern nicht auch reichen, beim Feuerwerkabbrennen eine Maske zu tragen?) die Konnotation, man wolle zu große Menschenansammlungen vermeiden. Völlig folgerichtig inkonsequent ist daher auch die Absicht, den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit einzuschränken, keineswegs aber das Wegqualmen von Zigaretten und ähnlichem ekeligem Kram, denn während Trinker nicht unbedingt eine Traube bilden müssen, sind Raucher gehalten, die wenigen Aschenbecher zu nutzen, denen sie unterwegs begegnen. Der fortgesetzte Einfluss der Tabaklobby auf die Entscheidungen der Legislative beunruhigt mich.
Ohnehin komme ich in ein Alter, in dem der mir innewohnende Minarchismus gemächlich einem Anarchismus weicht. Von der einigenden Fähigkeit einer Mehrheitsregierung mit wenig politischer Gewalt bin ich nicht mehr unbedingt überzeugt. In diesem Zusammenhang amüsiert mich, dass dieselben, die beim alljährlichen Schrei in den Mai („Erster-Mai-Demos“) die Abschaffung staatlicher Gewalt herbeizukrakeelen versuchen, sich dieser Tage darin gefallen, den Staat dazu bewegen zu wollen, ihnen und allen anderen möglichst viel zu verbieten. Was ist das denn für ein Verständnis von einer „Herrschaft von unten“, wenn man dann doch wieder die Verteilung der Macht nach „moralisch gut“ und „moralisch schlecht“ sortiert? Wie viel ist ein Anarchismus wert, der um seine Ablösung bittet, wenn in der Gemeinschaft (i.e.: dem Volk) vermeintlich zu viele andere Menschen anderer Meinung sind?
Kann Anarchismus ohne Gewalt von oben funktionieren?
Ich möchte ja nicht unken, aber dass man in den Bussen und Bahnen im Raum Stuttgart neuerdings anscheinend rausgeschmissen wird, wenn man seinen Impfnachweis nur auf Papier und nicht in digitaler Form mitführt, kommt vermutlich nicht gerade den Schwächsten der Gesellschaft – den Armen, Alten und Datenschützern – zugute; sondern mehr so im Gegenteil.
Die Europäische Kommission hatte dieser Tage den Vorschlag unterbreitet, in der internen Kommunikation möge man nicht mehr so tun, als ob die orientalische Religion „Christentum“, die bis vor etwa 1.000 Jahren in oft kriegerisch geführten „Missionen“ die europäisch-heidnische Kultur weitgehend vertrieben und ihre Anhänger gemeuchelt hat, die Standardreligion jedes Einwohners der Europäischen Union wäre. Man möge nicht als gesetzt annehmen, dass jeder Weihnachten feiere, und nicht einmal, dass Weihnachten von denen, die es feiern, am selben Tag gefeiert werde; sofern im Übrigen Beispielnamen (hierzulande hat man mit Max Mustermann das Problem ja gelöst) irgendwo verwendet werden, sollten diese nicht ausschließlich biblischen Ursprungs sein, sondern auch mal ein Juliko oder eine Malika Pate sein dürfen.
Das klingt erst mal einigermaßen vernünftig, aber weil in diesem Vorschlag „Weihnachten“ und „Maria“ in einem um Weltoffenheit bittenden Kontext vorkommen, hatte es das Übliche zur Folge. Neben den gewohnt kurzluntigen Versprengten, die die Trennung von Staat und Kirche bis heute nicht akzeptieren wollen – darunter natürlich wieder viel zu viele Twitternutzer aus den sowieso schon unappetitlichen Reihen der AfD und der CDU/CSU -, war auch die katholische Kirche dämlich genug, sich darüber zu empören: „Natürlich“, quatschte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in die Presse sein, sei es selbst im Vatikan bekannt, dass „Europa“ (gemeint ist wohl nicht der Kontinent) „seine Existenz und seine Identität vielen Beiträgen“ verdanke, deren vielleicht wichtigster jedoch „das Christentum selbst“ gewesen sei.
Die interessante Vorstellung, „Europa“ „verdanke“ seine Jahrtausende alte „Identität“ einer vorderasiatischen Glaubensgemeinschaft, die Kultur und Werte seiner Ureinwohner, eben der indigenen Völker, binnen weniger Jahrhunderte mit psychischer und zu oft auch physischer Gewalt durch die eigenen ersetzt hat, klingt für mich jetzt eher ungesund, aber ich bin auch kein Arzt. Die Europäische Kommission hat die Verlautbarung jedenfalls vorerst zur späteren Überarbeitung zurückgezogen. Ich bin nun nicht gerade als Freund der momentanen Europäischen Union und ihrer Organe bekannt, aber ich wünschte, die Wutbürger aus dem vermeintlich traditionellen gesellschaftlichen Lager würden das auch tun.
Das Internet hat wieder eine Meinung: Eine Werbefamilie, die aus Möhren besteht, diskriminiere Schwule, weil Mama Möhre augenscheinlich eine Frau sei und kein Mohrrübenmann. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es da draußen womöglich mehrere Milliarden außerirdischer Zivilisationen gibt, die nur leider allesamt inzwischen von Gammastrahlen dahingerafft worden sind. Die Menschheit hingegen lebt noch. Schade eigentlich.
Die einschlägigen Medien berichteten dieser sowieso schon gebeutelten Menschheit (die neueste überraschend wahr gewordene „Verschwörungstheorie“ ist die absehbare Einführung einer Impfpflicht, aber der Yeti wurde immer noch nicht gefunden; schade) gestern über eine gemeinsame Stellungnahme – „Joint (hihi) CEO Statement“ – von den Vorstandsvorsitzenden mehrerer europäischer Telekommunikationskonzerne, in der sie in drei Punkten mehr Geld, mehr Geld sowie mehr Geld fordern. Das ist an sich wenig überraschend, bemerkenswert ist aber, dass zu denen, die zahlen sollen, auch „globale Technikriesen“ gehören. Damit meint die Telekom natürlich nicht sich selbst, sondern zum Beispiel Amazon und andere „Anbieter“ von so Streaming. Die Argumentation dahinter ist: Gäbe es keine verkehrsintensiven Dienste, müsste man auch das Netz nicht dauernd für viel Geld ausbauen, weshalb besagte Dienste sich gefälligst beteiligen sollen. Die halten die Netzbetreiber sonst nur unnötig vom Geldzählen ab.
Das ist eine nur konsequente Forderung, immerhin zahlt auch Volkswagen für den Ausbau der Autobahnen, Nestlé für den Ausbau von Supermärkten und Sony für den Ausbau von Plattenläden, denn sie alle sind wesentliche Nutzer dieser dann besseren Vertriebsinfrastruktur. Oder ist das womöglich gar nicht der Fall?
Ohne diese Forderungsliste der Telekom et al. hätte meine Schreibtischkante jetzt jedenfalls eine Bissspur weniger. Ich erwarte, dass sich „Timotheus Höttges, CEO, Deutsche Telekom“ (ebd.) angemessen an meinen hierdurch gestiegenen Möbelkosten beteiligt. Sonst petz‘ ich das den einschlägigen Medien.
Corona einfach abknallen:
Den angekündigten Corona-Krisenstab der zukünftigen Bundesregierung soll ein Bundeswehrgeneral leiten. (…) Der 56-Jährige ist Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, das für Einsätze der Streitkräfte im Inland zuständig ist.
Nichts an und in diesen beiden Sätzen beunruhigt mich in irgendeiner Weise nicht.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.
Es ist Montag. Der Sinn des Lebens wurde ermittelt: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Schön, dass die Wissenschaft das geklärt hat. Da möchte ich natürlich nicht den Widerstand mimen. Weniger Menschen, mehr Pandabären. Das wär’s.
Apropos „weniger Menschen“: Der SPAR-Markt – liebe Grüße an die Ilse an dieser Stelle – in Esslingen treibe zweierlei erstaunliche Dinge, teilt man im Internet mit, nämlich sowohl immer noch existieren als auch eine „stille Stunde“ haben, anlässlich derer „Autist/-innen und alle“ (also sowohl alle als auch manche Individuen, die dann also doppelt) ohne blödes Gedudel, Flutlicht und Reklamedurchsagen einkaufen können. Mich stört daran zweierlei: dass diese „stille Stunde“ nämlich zwischen 90 und 120 Minuten lang ist und „Autist/-innen und alle“ außerhalb dieser „Stunde“ auch weiterhin mit Kram belästigt werden sollen, von denen der SPAR-Markt offensichtlich weiß, dass Kunden trotzdem und nicht deshalb dort sind.
Viele Menschen tummeln sich inzwischen außer beim Fußball (50.000 genehmigte Zuschauer auf engem Raum, aber eine Kneipentour in Bayern ist gerade nicht drin, verstehe) auch auf den lästigen Weihnachtsmärkten. Bisher konnte ich mich in diesem Jahr ganz gut davor schützen, zwischen genervten Familien mit kreischendem Nachwuchs neben hässlichen Bretterbuden mit unnützem Plunder billigsten Alkohol für zu viel Geld in mich reinzuschütten, manche Städte finden das gut. Gleichwohl: Eine mögliche Schließung der momentan geöffneten hässlichen Bretterbuden wäre „der finanzielle Todesstoß der Branche“, lässt der „NDR“ die Branche mitteilen. Da ist er, das ist der Moment: Ich möchte einen lockdown haben. Ein solcher wäre ein vergleichsweise kleines Opfer dafür, dass diese verdammten Weihnachtsmärkte mit ihrem kitschigen Geblinke und fürchterlichen Lärm endlich alle pleite sind. Allerdings besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass das Virus sich gerade selbst verdrängt. Die Entscheider sollten sich also ein bisschen beeilen.
Da wir gerade bei hässlichen Bretterbuden sind: Hannover ist anscheinend nur die zweitlangweiligste Hauptstadt Deutschlands. Ich bin entsetzt. Kann jemand nach den Einwohnern von Saarbrücken sehen? Geht es ihnen gut? – Der andere öde Landstrich des Tages: In Kasachstan bauen sie jetzt wieder ein Atomkraftwerk hin, damit Spielgeldirre in Ruhe spielen können. Ich wünschte, meine spontane Reaktion wäre „immerhin etwas Gutes von denen“ gewesen.
So, Musik.
Guten Morgen.
Max Goldt („Intaktes Abdomen dank coolem Verhalten“):
Gibt es noch garstigere Vorstellungen, noch garstigere Wörter als Seepockensperma und Spinnenabdomensalat? Aber ja! Leihmumien-Analsex.
Von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt – und das mit dem Schiff: In Kiel hat am Freitag die „Amadea“ angelegt, um Passagieren ein Weihnachtsmarkt-Hopping in Deutschland und Dänemark zu ermöglichen.
(Hervorhebung von mir.)
Kann ich dieses Aussterben der Menschheit infolge einer Katastrophe noch mal sehen?
Apropos Schutzgeldzahlung.
Ich muss sollte der SPD meinen Dank aussprechen. Selten ist mir ein politischer Satz schwerer gefallen.
Im August 2018 beklagte ich, dass auch die 24. Nachkriegsbundesregierung, die erst jetzt in Auflösung befindlich ist, keinen Anreiz sieht, die 1919 beschlossene und seitdem nicht aufgekündigte Ablösung der Staatsleistungen – dass also die meisten Einwohner Deutschlands als Strafe dafür, hier zu wohnen, unabhängig von ihrer Konfession oder ‑slosigkeit einen Teil ihrer Einnahmen per Steuern an die beiden relevanten christlichen Kirchen abtreten müssen – von geduldigem Papier in tatsächliche Taten zu übertragen und die mehrheitlich nicht christliche Gesellschaft so freizukaufen.
Times, a‑changin’ und so weiter:
Noch in dieser Legislaturperiode müsse die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen eingeleitet werden, meint SPD-Religionsexperte Lars Castellucci.
Auch im auch sonst – dafür, dass SPD und Grüne mitschreiben durften – erstaunlich wie erfreulich hoffnungsvoll stimmenden Koalitionsvertrag hat die geplante Ablösung Erwähnung gefunden, was gewiss zwar eine Absichtserklärung, jedoch nicht bindend ist. Da’s aber die CDU war, die seit ihrer Gründung vehement die Kirche als Ministerium missversteht und (wie freilich auch die SPD) wenig dazu beiträgt, dass die wirtschaftliche Trennung zwischen Staat und antikem Totenkult vorangetrieben wird, scheint das regierungsbezogene Ersetzen der CDU durch die wenigstens religionsliberale FDP trotz hochrangiger Kirchenzöglinge in der Koalition den entscheidenden Funken gezündet zu haben.
Erstaunlich scheint mir die Annahme zu sein, es gehe um eine „Ablösesumme von mehreren Milliarden Euro“, wie es im verlinkten Artikel heißt, denn seit 1919 dürften die bisher gezahlten Staatsleistungen längst ein Vielfaches von dem betragen, was damals für angemessen gehalten worden ist. Wahrscheinlich schulden uns die Kirchen sogar noch Geld. (Wie vielen Obdachlosen könnte man damit eigentlich Kost und Logis bezahlen, wie viele Familien in Armut aus der Armut heben?)
Der Gottlose borget und bezahlet nicht[.]
Psalmen 37:21
Aber es geht auf das Jahresende zu; da stehen in der Kälte die kirchlichen Vereine und sammeln Spenden für die Hungerleidenden, denn bekanntlich haben Menschen am Jahresende im Weihnachtstrubel am allermeisten Lust auf und freie Finanzen für derlei Tun. Im Sommer leidet offensichtlich niemand Hunger, nirgendwo. Wie ich jedoch von dieser Beobachtung den Bogen zurück zu meinem Dank an die SPD ziehen soll, weiß ich nicht.
Der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk, zugunsten journalistischer Qualität finanziell bis zum Zäpfchen alimentiert, berichtet:
Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per Anruf gewarnt werden. Der Bundesrat stimmte einer Regierungsverordnung zum sogenannten Cell Broadcast zu.
Ach nein, verlesen. Richtig ist natürlich:
Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per Telefax gewarnt werden. Der Bundesrat stimmte einer Regierungsverordnung zum sogenannten Cell Broadcast zu.
Quatsch:
Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per SMS gewarnt werden. Der Bundesrat stimmte einer Regierungsverordnung zum sogenannten Cell Broadcast zu.
Das steht da wirklich, ist aber falsch. Egal – ist ja alles Telefon.
Gut angelegte 86 Cent insgesamt; allerdings teile ich die Auffassung, die ich auf Twitter gelegentlich lese: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört in Grund und Boden privatisiert. Vielleicht geben sie sich dann mehr Mühe.
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Electric Orange aus Aachen oder so sind regelmäßigen Lesern meiner Rückschauen nicht unbekannt, geben sich aber auch nicht viel Mühe, unbekannt zu bleiben; seit ihrer Gründung im Jahr 1992 haben sie ungefähr zwei Dutzend Tonträger veröffentlicht, die allesamt inzwischen weitgehend stimmfreie Musik enthalten, die in bester orgeldominierter 70er-Tradition steht und die stilistisch irgendwo im Psychedelic-Krautrock-Regal zu finden ist. Bediente man sich anfangs natürlich noch bei Pink Floyd, so ist Eigenständigkeit längst gegeben.
Drogenmusik halt, dem Koalitionsvertrag sei’s angedient.
Auf ihrem diesjährigen, unter Pandemiebedingungen (also nicht ausschließlich gemeinsam im Studio) entstandenen Album „psi-hybrid“ (Bandcamp.com) bleibt’s dabei, stark verzerrte Sprache („Shingle Robe“) inklusive; neu sind Saxophon und Bassflöte (beide gespielt von Gastmusiker Harald Königs), die insbesondere in der zweiten Hälfte des Albums sanft brodelnden Jazz untermengen.
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