Über Sozialismus kenne ich ein paar Volksweisheiten, eine davon geht so: Die glücklichsten Sozialisten leben allesamt in kapitalistischen Ländern. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es erscheint mir nicht ganz weltfern, hat doch zum Beispiel das nicht besonders sozialistische Deutschland immerhin ein halbwegs funktionierendes Sozialsystem.
Heute hat die bisher langweiligste kommissarische Bundesregierung beschlossen, dass am kommenden Silvester so wenig Feuerwerk wie möglich stattfinden sollte. Man könnte sich ja was wegsprengen und damit die Krankenhäuser unnötig belasten. Weiterhin erlaubt bleiben leider die potenziell lebensgefährlichen Aktivitäten Autofahren, Bergsteigen und die Nutzung einer Badewanne.
Ich fand Feuerwerk schon immer dämlich und bin von dem Verbot insofern nicht betroffen. Interessant ist aber angesichts voller Fußballstadien und geöffneter Schulen (würde es insofern nicht auch reichen, beim Feuerwerkabbrennen eine Maske zu tragen?) die Konnotation, man wolle zu große Menschenansammlungen vermeiden. Völlig folgerichtig inkonsequent ist daher auch die Absicht, den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit einzuschränken, keineswegs aber das Wegqualmen von Zigaretten und ähnlichem ekeligem Kram, denn während Trinker nicht unbedingt eine Traube bilden müssen, sind Raucher gehalten, die wenigen Aschenbecher zu nutzen, denen sie unterwegs begegnen. Der fortgesetzte Einfluss der Tabaklobby auf die Entscheidungen der Legislative beunruhigt mich.
Ohnehin komme ich in ein Alter, in dem der mir innewohnende Minarchismus gemächlich einem Anarchismus weicht. Von der einigenden Fähigkeit einer Mehrheitsregierung mit wenig politischer Gewalt bin ich nicht mehr unbedingt überzeugt. In diesem Zusammenhang amüsiert mich, dass dieselben, die beim alljährlichen Schrei in den Mai (“Erster-Mai-Demos”) die Abschaffung staatlicher Gewalt herbeizukrakeelen versuchen, sich dieser Tage darin gefallen, den Staat dazu bewegen zu wollen, ihnen und allen anderen möglichst viel zu verbieten. Was ist das denn für ein Verständnis von einer “Herrschaft von unten”, wenn man dann doch wieder die Verteilung der Macht nach “moralisch gut” und “moralisch schlecht” sortiert? Wie viel ist ein Anarchismus wert, der um seine Ablösung bittet, wenn in der Gemeinschaft (i.e.: dem Volk) vermeintlich zu viele andere Menschen anderer Meinung sind?
Kann Anarchismus ohne Gewalt von oben funktionieren?

Wenn der richtige Anarch erst am Ruder ist …
Na gut, ich mach’s.
Gibt’s dafür nen passenden Ausdruck? Stockholm Syndrom? Ich würde Ihnen gerne einiges verbieten wenn Sie so scharf drauf sind.
Über das Wort habe ich auch nachgedacht, aber das ist so diskursabwürgend.
Schon paradox gegen den Staat, aber für staatliche Verordnungen (und deren Erfüllung) aufzurufen.
Muss an der Generation Plastescheibepetting liegen.
Früher (als alles noch besser war sic) haben Anarchos Regeln noch pro forma gebrochen, statt lautstark nach Profitmaxi.merung zu rufen.
tztz.
Wo ist mein Grabstein?