In den Nachrichten
Frü­her hat’s ja auch kei­nen gestört.

Im Jahr 2002, selbst im Jahr 2012, gehör­te ich noch zu denen, die ver­gleichs­wei­se unvor­sich­tig mit ihrem Leben umge­gan­gen sind. Nach mir die Sint­flut. Die mei­sten Risi­ken, von den Schä­den an der Gesund­heit und der Psy­che bis hin zu irgend­wel­chen Daten­lecks, wur­den zugun­sten der Befrie­di­gung der Lust am Leben in Kauf genom­men, und ich wür­de lügen, behaup­te­te ich, das sei heu­te wesent­lich anders. Nur auf mei­ne Daten pas­se ich heu­te etwas bes­ser auf als frü­her.

Want to track some­thing in pri­va­te? Don’t use an app.
John Weir

Trotz­dem hal­te ich die­se Aus­le­gung (Archiv­ver­si­on) von Peter Hor­nung, NDR, für sport­lich:

Wir leben im Jahr 2022 – und da dürf­ten (…) Ver­brau­cher etwas ande­res erwar­ten im Umgang mit ihren Daten als noch vor zehn oder zwan­zig Jah­ren. „Sie wol­len eben nicht mehr mit uner­wünsch­ter, nicht ange­for­der­ter soge­nann­ter Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on kon­fron­tiert und belä­stigt wer­den“, so Baden-Würt­tem­bergs Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ter Ste­fan Brink.

Auch vor zehn oder zwan­zig Jah­ren woll­te ich nicht unbe­dingt „mit uner­wünsch­ter, nicht ange­for­der­ter soge­nann­ter Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on kon­fron­tiert und belä­stigt wer­den“ und habe das auch nicht erwar­tet. Ich bekam mehr als genug Post, um die ich nicht gebe­ten hat­te. Dass Adress­han­del künf­tig, so sug­ge­riert es der Arti­kel zu Beginn, ver­bo­ten sein soll, ist inso­fern kei­ne Nach­richt, die mich begei­stert, denn bis­her war er es auch bzw. nicht und stim­men tut’s auch nicht:

Mit Blick auf die Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung sei es gut, wenn der Ver­kauf von Ver­brau­cher­adres­sen ein­ge­schränkt wer­de, so VZBV-Exper­te Flo­ri­an Glatz­ner.

Eine Ein­schrän­kung ist eben kein Ver­bot. Im Umgang mit Wer­bern, online wie off­line, emp­feh­le ich inso­fern auch wei­ter­hin, sie gesell­schaft­lich zu äch­ten und den per­sön­li­chen Umgang mit ihnen zu mei­den. Wer sei­nen Lebens­un­ter­halt damit ver­dient, ande­ren Men­schen Zeit zu steh­len, der ist nichts als ein gewöhn­li­cher Kri­mi­nel­ler, ein Zeit­dieb, eine Ner­ven­sä­ge oben­drein. Es wäre ver­fehlt, einen in der Wer­be­bran­che Täti­gen, des­sen Arbeits­grund­la­ge neben einer erkauf­ten Liste von Adres­sen von Men­schen, die über­wie­gend nicht von ihm belä­stigt wer­den möch­ten, der Quatsch ist, den Ver­käu­fer von sich geben, um ihren Plun­der ande­ren Leu­ten anzu­dre­hen, nicht als einen sol­chen zu betrach­ten und ent­spre­chend mit ihm zu ver­fah­ren.

Und das nicht erst völ­lig über­ra­schend und sehr plötz­lich seit 2022.

In den Nachrichten
Penis zei­gen gegen Rechts

Puh, Rot-Rot-Grün.

Dazu for­der­te die Ver­wal­tung die Leh­rer auf zu doku­men­tie­ren, an wel­chem Kör­per­teil sich die Tat­toos befin­den und wel­che Bedeu­tung sie für die jewei­li­gen Per­so­nen haben. Das galt auch für Täto­wie­run­gen an inti­men oder ande­ren nicht sicht­ba­ren Stel­len. (…) Der Fra­ge­bo­gen for­der­te von den Refe­ren­da­ren Anga­ben zur Län­ge und Brei­te der Täto­wie­run­gen, außer­dem sol­len die Tat­toos beschrie­ben und foto­gra­fiert wer­den. (…) Dabei ging es um die Fra­ge, ob bestimm­te Sym­bo­le Hin­wei­se dar­auf geben, dass eine Per­son gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Ord­nung und damit unge­eig­net für den Staats­dienst sei.

Ein­fach nur: puh.

In den Nachrichten
Lebens­mit­tel­ver­glei­che wie­der posi­tiv beset­zen

Der natio­na­li­sti­sche Aggro­pan­sen Andrij Mel­nyk hat­te aus­nahms­wei­se mal eine gute Idee:

Mel­nyk bezeich­net Scholz als „belei­dig­te Leber­wurst“

Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann, deren Name und Fri­sur ja auch irgend­wie ihr Pro­gramm sind, for­dert daher von dem ukrai­ni­schen Weiß­brot eine „Ent­schul­di­gung“ für den Quark. Ich hal­te dage­gen: Der oft ver­stockt-bemüh­te Dis­kurs gewön­ne an Treib­kraft, wären Lebens­mit­tel­ver­glei­che end­lich kein Tabu mehr. Der Ber­li­ner John F. Ken­ne­dy hat es vor­ge­macht, noch heu­te wer­den trotz allem gan­ze Plät­ze nach ihm benannt; und von der SPD mag man heut­zu­ta­ge hal­ten, was man will, aber den ver­stor­be­nen Her­bert Weh­ner, der selbst Par­la­men­ta­ri­er auch schon mal „Würst­chen“ nann­te, nicht für einen fähi­gen Rhe­to­ri­ker zu hal­ten fällt selbst mir schwer.

Wir brau­chen nicht weni­ger Leber­wurst­be­zeich­nun­gen im Par­la­ment. Wir brau­chen mehr davon. Sie stil­len den Hun­ger nach Eska­la­ti­on schnell und unbü­ro­kra­tisch, ohne nach­drück­li­chen Scha­den zu hin­ter­las­sen, und so frisch gestärkt kann man sich bald wie­der der Sach­dis­kus­si­on wid­men.

Netzfundstücke
Kei­ne Arbeits­an­ar­chie ohne BAMF

Beob­ach­tung: Wenn man als Ukrai­ner, Syrer, Afgha­ne oder sonst­wer nach Deutsch­land kommt, weil man hier weni­ger wahr­schein­lich umge­bracht wird als in sei­nem Hei­mat­land, kann man nicht ein­fach anfan­gen zu arbei­ten oder sei­ne Kin­der in die Schu­le schicken. Das wären ja fast anar­chi­sche Zustän­de. So was wol­len wir hier nicht.

Nein, zuerst ist eine Regi­strie­rung fäl­lig:

Alle Per­so­nen, die sich in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als asyl­su­chend mel­den, wer­den regi­striert. (…) Hier­bei wer­den per­sön­li­che Daten auf­ge­nom­men. Alle Antrag­stel­len­den wer­den foto­gra­fiert; von Per­so­nen ab dem 6. Lebens­jahr wer­den zusätz­lich Fin­ger­ab­drücke abge­nom­men.

Muss man ja ver­ste­hen: Die­se Aus­län­der sehen ja alle gleich aus. Da muss man etwas haben, um sie ein­deu­tig zu iden­ti­fi­zie­ren. Wenn sie spä­ter mal Straf­ta­ten bege­hen oder so. Das machen Aus­län­der ja so. Immer. Alle. Denn sonst bräuch­te man das ja nicht.

Der Nach­wuchs eines vor dem Krieg geflo­he­nen Ukrai­ners darf hier nicht in die Schu­le gehen, wenn die Poli­zei sei­nen Vater nicht in ihrer Daten­bank hat. Sicher­heit, ver­steht sich. – Die Ange­kom­me­nen, meist schon dar­auf vor­be­rei­tet, hin­ter­fra­gen das sel­ten. Das sei halt so in Deutsch­land, passt schon, hier mei­ne bio­me­tri­schen Daten, hier mei­ne Kon­to-PIN, hier mein Erst­ge­bo­re­nes. Ah, end­lich in einem frei­en Land.

Ist das eigent­lich die­ser Sozi­al­staat mit der Mensch­lich­keit, von dem immer alle reden?

In den NachrichtenNerdkramsMontagsmusik
White Dark­ness – hHi!d4Ee // Dezen­te Emo­jis für alle.

LOVE♥️Es ist Mon­tag. Ein Gedan­ke am Wochen­en­de, wäh­rend in Ber­lin und anders­wo ein paar Ver­strahl­te gegen die Poli­tik der SPD demon­striert haben, indem sie irgend­was ange­zün­det haben, was gar nicht der SPD gehört hat: War­um hei­ßen grie­chi­sche Restau­rants Zeus, aber deut­sche Restau­rants nicht Gott?

Man liest die­ser Tage viel über zu set­zen­de Zei­chen. Ich set­ze am lieb­sten Fra­ge­zei­chen. Die wir­ken immer so schön iro­nisch und sind auf der Tasta­tur schon drauf. Defi­nie­re: Ame­ri­ka. Ande­re Zei­chen, die auf der Tasta­tur manch­mal auch schon drauf sind, wer­den noch häu­fi­ger gesetzt und sind längst auch ein Poli­ti­kum, aber selbst Goog­le wird es zu bunt mit den Emo­jis – es macht jetzt die Far­ben weg. Aus­nahms­wei­se möch­te ich, dass mög­lichst vie­le Unter­neh­men die­se Idee von Goog­le über­neh­men und sie zum De-fac­to-Stan­dard wer­den las­sen. Dann wür­de ich viel­leicht auch häu­fi­ger mal wel­che ver­wen­den. Ich mag es, wenn etwas Geschrie­be­nes optisch dezent ist und mich und mei­ne Gesprächs­part­ner nicht visu­ell anbrüllt.

Super-Selbst­re­fe­ren­zia­li­tät: Ted Unangst hat sich beklagt, wie schwer es sei, eine sich selbst ent­hal­ten­de Web­site in Go zu pro­gram­mie­ren. Des­we­gen habe ich eine in Rust pro­gram­miert. Viel­leicht kann’s wer brau­chen.

Nicht von mir, brau­che ich aber selbst: Musik.

White Dark­ness – hHi!d4Ee

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Eva Högl kann mich mal.

„t‑online.de“:

Seit Mai 2020 ist Eva Högl Wehr­be­auf­trag­te des Bun­des­tags und damit „Anwäl­tin“ für die rund 183.000 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten.

Und sie sagt:

Wir müs­sen auch die mitt­le­ren und älte­ren Jahr­gän­ge anspre­chen und um sie wer­ben. Alle bis 65 wer­den bei der Bun­des­wehr gebraucht.

Eva Högl ist Jahr­gang 1969 und ihr Genos­se Olaf Scholz ist auch noch unter 65. Was machen die eigent­lich noch hier, so in Kriegs­zei­ten? Da geht noch was:

Die Bun­des­wehr braucht mehr Frau­en. Gemisch­te Teams sind immer bes­ser. Sol­da­tin­nen wol­len kei­ne Son­der­be­hand­lung, son­dern Gleich­be­rech­ti­gung. (…) Die Bun­des­wehr ist natür­lich immer noch eine Män­ner­do­mä­ne.

Unter 65 und eine Frau; Eva Högl ist wie gemacht für eine Kar­rie­re an der Ost­flan­ke. So rekru­tie­re sie doch end­lich jemand!

Ich kom­me trotz­dem nicht mit. Die Bun­des­wehr gehört abge­schafft und ihre Res­sour­cen gehö­ren zivi­len Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Ich habe noch ein paar Jah­re Zeit, bevor ich 65 wer­de (falls ich mal 65 wer­de). Die­se Jah­re habe ich fried­lich zu leben vor. War­um for­dern eigent­lich immer nur die, die nie­mals selbst auch nur in die Nähe einer Waf­fe kom­men wol­len wür­den, von ande­ren Leu­ten, in den Krieg zu zie­hen?

Aber es stimmt schon, was man mir des Öfte­ren vor­wirft: Ich brin­ge viel zu sel­ten kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge an. Daher schla­ge ich vor: Eva Högl an die Front!

Sie wird immer­hin bei der Bun­des­wehr gebraucht.

(via Maschi­nist)


Nach­trag: Das Schön­ste an die­ser Debat­te ist’s, dass die Ansicht, dass Sol­da­ten Mör­der sei­en sind, offen­sicht­lich end­lich wie­der der Mehr­heits­mei­nung des Vol­kes ent­spricht; denn wären Sol­da­ten kei­ne Mör­der, so müss­te man sich nicht gegen ihre Mor­de weh­ren, und wären Sol­da­ten kei­ne Mör­der, so woll­te man sie nicht schwer bewaff­net zu ande­ren Mör­dern schicken, um jenen Ein­halt zu gebie­ten.

In den NachrichtenPolitik
Schön­wet­ter­de­mo­kra­ten

gruene.de (Archiv­ver­si­on):

Demo­kra­tie lebt von Ver­trau­en. Ver­trau­en in die­je­ni­gen, die die Bür­ger im Par­la­ment ver­tre­ten sowie Ver­trau­en in die demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen.

twitter.com/Die_Gruenen:

Wir set­zen uns für ein Export­ver­bot von Waf­fen und Rüstungs­gü­tern (…) in Kriegs­ge­bie­te ein.

Anna­le­na Baer­bock, Außen­mi­ni­ste­rin, Die Grü­nen (Archiv­ver­si­on):

Als „rich­ti­gen Schritt“ hat Mini­ste­rin Baer­bock die geplan­te Lie­fe­rung schwe­rer Waf­fen an die Ukrai­ne ver­tei­digt.

Was ist Ver­trau­en in die Demo­kra­tie in Frie­dens­zei­ten eigent­lich wert, wenn es im Krieg nicht mehr gilt?

Netzfundstücke
Twit­ter-Stiel­blüh­ten aus dem Deutsch Abi

dig­gah kein bock abi zu ver­kacken aber häng die gan­ze zeit auf twit­ter
@zer0din0_

Isa­bel Cade­mar­to­ri von der SPD wünscht kopp­lungs­arm viel Erfolg: Die Abitur­prü­fun­gen bzw. Abi-Prü­fun­gen bzw. „Abi Prü­fun­gen“ (Isa­bel Cade­mar­to­ri) begin­nen. Für das „Deutsch Abi“, schreibt eine „joli­na“, habe kei­ner gelernt, ein gutes Ergeb­nis spre­che aber dafür, dass die Teil­neh­mer „krank schlau“ sei­en.

Auch sonst sind Bin­de­stri­che der jun­gen Gene­ra­ti­on (#Letz­te­Ge­ne­ra­ti­on) ein Geg­ner: „Stan­dart­si­che­rung NRW Sei­te über­la­stet 1 Tag vor der Deutsch Prü­fung Klas­si­ker“, befand „Nico2k3_st“, anschei­nend ein nord­rhein-west­fä­li­scher Schü­ler, und brach­te in die­sem Tweet nicht nur eine Kri­tik an der Digi­ta­li­sie­rung in West­deutsch­land unter, son­dern befass­te sich auch mit der Art und Wei­se, wie die „NRW Sei­te“ so steht. Sei­ne „Deutsch Prü­fung“ möge gelun­gen sein! Der Sach­text in Nord­rhein-West­fa­len, lese ich aus Wup­per­tal, war indes zumin­dest „mega“.

Anschei­nend bestand man­cher­orts die Abitur­prü­fung im Fach Deutsch dar­in, „ein­fach 5 Stun­den übers gen­dern“ zu schrei­ben. So gese­hen ist es immer­hin schön. dass es noch falsch „Deutsch Abi“ und nicht falsch „Deutsch*Abi“ heißt. „Gefor­dert“ vom „deutsch abi“ fühl­te sich zwar ein „kri­sti­an“, wäh­rend ein „ADRIAN“ von ihm „von hin­ten genom­men“ wur­de, aber, VALLAH, Ent­war­nung dies­be­züg­lich gibt „Jan­ek⁰²“: „Deutsch Abi hat sich ein­fach wie ne nor­ma­le Klau­sur ange­fühlt. Chil­lig“. Mei­ne armen Ner­ven.

Für den Satz „Ich hat­te Deutsch Abi 15 Punk­te“ hät­te ich dir 13 Punk­te abge­zo­gen 🤨
@Propofolium

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Big’n – Disci­pli­ne Through Sound

Big'N - Discipline Through SoundLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

1995 oder 1996, die Zahl vari­iert, ver­öf­fent­lich­te die Chi­ca­go­er Noi­se-Rock-Band Big’n ihr zwei­tes Stu­dio­al­bum „Disci­pli­ne Through Sound“ (Amazon.de, Band­camp). Ange­nehm bescheu­ert ist, dass es nach 26 oder 27 Jah­ren unter dem Namen „DTS 25“ neu auf­ge­legt wird, anläss­lich des­sen auch ein paar wei­te­re Stücke ange­fügt wur­den. Sonst könn­te ja noch jemand sagen: Ach nein, das Album habe ich ja schon. Da muss ich ja nicht noch mal jeman­den bezah­len.

Inso­fern befas­se ich mich heu­te mit dem ursprüng­li­chen Album „Disci­pli­ne Through Sound“. Eines der musi­ka­li­schen Vor­bil­der des Sän­gers Wil­liam Akins sei Tom Waits, teil­te Erste­rer in einem Gespräch mit. Das glau­be ich gern.

„Disci­pli­ne Through Sound“ ist ein lär­men­des Album, aber das ist als Aner­ken­nung gemeint. Vom selt­sa­men Mit­tel­teil des Acht­zehn­mi­nü­ters „White Rus­si­an“ abge­se­hen stellt das Album eine Anti­the­se zu ent­span­nen­der Loun­ge­mu­sik dar. Hier:

Big’N – 06 – Dying Breed

Gefällt. Voll in die Fres­se. So hat­te zumin­dest die Nach­richt über die Neu­auf­la­ge für mich etwas Gutes. Fei­ne Band, nehm‘ ich.

NetzfundstückeNerdkrams
Mast­o­don im Welt­knall

Mein vori­ger Bei­trag zu die­sem The­ma war viel­leicht etwas zu knapp gehal­ten, dar­um ver­su­che ich noch mal ein wenig aus­führ­li­cher mei­ne Sicht dar­zu­le­gen.

Die Rekla­me­wel­le reißt näm­lich noch immer nicht ab: Man sei, erfah­re ich täg­lich gegen mei­nen Wil­len auf Twit­ter, jetzt auch (sel­ten: nur noch) bei Mast­o­don, weil Mast­o­don nicht von einem rei­chen Typen geführt wer­de. Sol­cher­lei schrei­ben sie in ihre Smart­phones hin­ein, deren Kauf rei­che Typen noch rei­cher mach­te. War­um es erstre­bens­wert sei, sein vir­tu­el­les Dasein von Ein­zel­per­so­nen abhän­gig zu machen, die aus Lan­ge­wei­le und ohne Bestands­ga­ran­tie pri­va­te Ser­ver betrei­ben, auf denen sie ohne jede demo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mungs­mög­lich­keit jeder­zeit die Regeln ändern und gan­ze Ser­ver mit­samt ihren Nut­zern von der Teil­nah­me aus­schlie­ßen kön­nen (und das oft auch tun), schrei­ben sie hin­ge­gen nicht.

Und wie groß­her­zig sie sich geben! Min­de­stens ein Mast­odont bie­tet gar an, auf Zuruf Neu­ma­st­odon­ten zu fol­gen; das scheint inso­fern eine Ehre zu sein, aber ich ken­ne die Per­son mei­nes Wis­sens nicht ein­mal.

‘Mast­o­don im Welt­knall’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ange­merkt zu Twit­ters Über­nah­me

Elon Musk habe, wird berich­tet, sich nun mit Twit­ter dar­auf geei­nigt, anstel­le der bis­he­ri­gen Anteils­eig­ner, mit denen Twit­ter­nut­zer mehr­heit­lich kei­ne Pro­ble­me hat­ten (dar­un­ter ein sau­di-ara­bi­scher Mil­li­ar­där), den Laden ein­fach kom­plett zu über­neh­men und da mal ein wenig feucht durch­zu­wi­schen, was die Com­mu­ni­ty mehr­heit­lich erschreckt, denn vom NetzDG hält Elon Musk dem Ver­neh­men nach nicht viel, wes­halb die gro­ße Angst umgeht, unter dem neu­en Besit­zer dürf­te Donald Trump (oh Schreck!), des­sen Twit­ter­kon­to aus Geschmacks­grün­den zwangs­ge­schlos­sen wor­den war, dort­hin zurück­keh­ren, wes­halb wie unge­fähr jedes Jahr ein gro­ßer Exodus – ich beschrieb einen sol­chen bereits 2014 – beginnt, also ganz Twit­ter für zwei bis drei Wochen zur jewei­li­gen Trend­al­ter­na­ti­ve (der­zeit: Mast­o­don) wech­selt, nur um dann fest­zu­stel­len, dass es auf Twit­ter doch gar nicht so schlimm war, weil da wenig­stens was los ist; und mich über­rascht eigent­lich nur noch, dass es dar­über noch kein Musi­cal gibt.


Nach­trag:

Mast­o­don sieht aus mei­ner Sicht wie ein geschei­ter­tes Expe­ri­ment aus. Die wer­den sich da jetzt alle gegen­sei­tig bekämp­fen, noch kras­ser als bis­her eh schon.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Rotor – Druck­ver­band (live) // Bei­schlaf mit Autos

Hier ist's sicher.Es ist Mon­tag. In Frank­furt kann man sich jetzt mit sei­nem Auto ein Zim­mer neh­men (Archiv­ver­si­on). Wel­che Rea­li­täts­ab­zwei­gung ist das jetzt wie­der?

Apro­pos Autos: Karl-Heinz Paqué, ehe­ma­li­ger Finanz­mi­ni­ster Sach­sen-Anhalts, zeigt sich auf der Web­site der par­tei­na­hen Stif­tung der F.D.P. bestä­tigt: „Hot­spot-Maß­nah­men“ sei­en „ohne Wir­kung“, also beson­de­re Ein­schrän­kun­gen der indi­vi­du­el­len Frei­heit in der Pan­de­mie nicht zweck­mä­ßig; das mag rich­tig (und/oder zumin­dest beacht­lich) sein, zumal aus Län­dern mit weni­ger Maß­nah­men auch nicht unbe­dingt von ent­völ­ker­ten Gebie­ten berich­tet wird. Auf Twit­ter quat­schen sie indes schon wie­der aus den ent­maß­ge­nom­me­nen Lan­des­tei­len, die #Mas­ke­bleib­tauf, als hät­te man irgend­je­man­dem das Mas­ken­tra­gen ver­bo­ten. Das ist aller­dings, so wit­zig ich das auch fän­de, kein Wett­be­werb. Macht’s doch!

Braucht man die NATO noch? Ich bin ja dage­gen, ande­re neh­men sie als Ver­hand­lungs­mas­se: „Fried­rich Merz hat damit gedroht, dem geplan­ten Son­der­ver­mö­gen von 100 Mil­li­ar­den Euro für die Bun­des­wehr nicht zuzu­stim­men“ („FAZ.net“), jetzt droht die Oppo­si­ti­on schon mit Oppo­si­ti­on! Auch der Bahn droht Übles: Das „Neun-Euro-Ticket“ dro­he die Deut­sche Bahn zu über­la­sten (Archiv­ver­si­on), erzählt die Deut­sche Bahn. Ich kann mir als lang­jäh­ri­ger Bahn­kun­de durch­aus leb­haft den Schrecken der dor­ti­gen Ange­stell­ten vor­stel­len, wenn sie dar­an den­ken, even­tu­ell noch mehr Kun­den zu bekom­men. Die wol­len dann immer irgend­wo hin­ge­fah­ren wer­den. Schreck­lich.

Auch schreck­lich: Das Euro­päi­sche Par­la­ment hält auch wei­ter­hin nicht viel von digi­ta­len Grund­rech­ten. Kei­nes­falls schreck­lich hin­ge­gen: Musik.

Rotor – Druck­ver­band | LIVE Fest­saal Kreuz­berg

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Die Göt­ter hel­fen nur vor Gericht.

Als zumin­dest inter­es­sant erach­te ich es, dass § 64 Abs. 3 StPO es einem Zeu­gen vor Gericht frei­stellt, wel­che über­na­tür­li­chen Mäch­te ihm zur Sei­te ste­hen sol­len, Art. 64 Abs. 2 GG und Art. 56 GG von Bun­des­mi­ni­stern, ‑prä­si­den­ten und ‑kanz­lern aber ver­lan­gen, ent­we­der gar kei­nen Gott oder aus­schließ­lich JHWH („Gott“) zum Bei­stand zu rufen. Eine Bun­des­re­gie­rung, deren Kanz­ler sich auf Apophis, Nep­tun oder Aphro­di­te beruft, wäre aber mal wirk­lich wit­zig.