In den NachrichtenMir wird geschlecht
Nöti­ges zum #Pri­de­Month

Dass es voll­kom­men behäm­mert ist, stolz dar­auf zu sein, wel­che Pro­no­men die­je­ni­gen, die für bun­ga-bun­ga, snu-snu oder son­sti­ges Bum­sen in Fra­ge kom­men, sich bevor­zugt geben (neben­bei: die Pro­no­men eines Men­schen haben mich noch nie inter­es­siert, wäh­rend ich eine Hose trug), fällt vie­len erst auf, wenn man das, was sie für den „Nor­mal­fall“ hal­ten, eben­so in den Schein­wer­fer­strahl reckt.

Hal­lo, ich bin ein Mann und oute mich hier­mit: Ich vög­le gern eine oder meh­re­re Frau­en – Pro­blem damit?

Trotz­dem ist auch die­ser Juni schon wie­der ein pri­de month, ein „Monat des Stol­zes“ also, und auch wenn das nach eher düste­ren Zei­ten klingt und auch dies­mal wie­der vor allem Far­ben und Flag­gen eine wesent­li­che Rol­le spie­len, ist das eine ziem­lich lin­ke Sache; kei­ne frei­lich, die dem Groß­ka­pi­tal nicht gele­gen käme: Dass pein­li­che Unter­neh­men wie BMW sich in Deutsch­land den Gra­tis­mut lei­sten, bun­te Bil­der in ihre Logos und/oder Signets zu kle­ben („Die Welt ist bereit, jeden zu lie­ben und zu fei­ern #pri­de­month“, @bmwdeutschland auf Insta­gram, 2021), in Katar und ande­ren Staa­ten, in denen es tat­säch­li­chen Mut erfor­dern wür­de, gleich­ge­schlecht­li­che Zärt­lich­keit (bezie­hungs­wei­se gleich­ge­schlecht­li­ches Ram­meln, das geht ja auch unz­ärt­lich) für eigent­lich ganz in Ord­nung zu fin­den, aber nichts davon wis­sen wol­len, ist auch 2022 noch wahr. Herz­chen! Däum­chen hoch!

Die „WELT“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR) titelt im Namen von Rie­ke Hüm­pel, Uwe Stein­hoff, Ant­je Galusch­ka, Alex­an­der Kor­te und Marie Voll­brecht zur Fei­er des Tages: „Öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk: Wie ARD und ZDF Kin­der sexua­li­sie­ren und umer­zie­hen“. Ich per­sön­lich sor­ge mich ja mehr dar­um, dass irgend­wel­che Pfar­rer Kin­der sexua­li­sie­ren, als dar­um, dass das Grei­sen­me­di­um Fern­se­hen das tut, weil Kin­der kaum noch line­ar fern­se­hen (war­um soll­ten sie auch?), aber noch immer früh in irgend­wel­che christ­li­chen Ver­ei­ne rein­ge­steckt wer­den, aus denen sie sich dann spä­ter teu­er frei­kau­fen müs­sen, doch empör­te Arti­kel dar­über las ich heu­te auch in der „WELT“ nicht.

Empör­te Zei­ge­fin­ger­schwin­ger, mit­un­ter haupt­be­ruf­lich, tei­len stets unge­fragt mit, der „Monat des Stol­zes“ habe erst dann sei­nen Zweck erfüllt, wenn kei­ner mehr fra­gen wol­le, wel­chen Zweck er denn habe. Mich beschleicht der Ein­druck, dass der Groß­teil derer, deret­we­gen er noch ritu­ell statt­fin­det, die Teil­neh­mer selbst sind. Sicher: Gesell­schafts­po­li­ti­sche Refor­men in Lie­bes­din­gen sind noch immer not­wen­dig, aber LSBTQ hat damit erst mal nichts zu tun und will damit auch nichts zu tun haben. Die tat­säch­li­che gesell­schaft­li­che Ungleich­be­hand­lung zwi­schen – zum Bei­spiel – Hete­ro- und Pan­se­xu­el­len ist, sach­lich betrach­tet, doch deut­lich gerin­ger als die zwi­schen Mono- und Poly­amo­ren. Letz­te­re haben ja noch nicht mal die Mög­lich­keit der frei­en Ehe­schlie­ßung, son­dern müs­sen sich zwi­schen den Part­nern ent­schei­den.

Immer­hin: Eine Flag­ge haben sie schon.

KaufbefehleMusikkritik
Kür­zest­kri­tik: Mole­so­me – Dial

Molesome - DialLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Wollt ihr eine 32 Minu­ten lan­ge, avant­gar­di­stisch-elek­tro­ni­sche Klang­col­la­ge hören?

Natür­lich wollt ihr eine 32 Minu­ten lan­ge, avant­gar­di­stisch-elek­tro­ni­sche Klang­col­la­ge hören, sonst wärt ihr nicht hier.

Hier, eine 32 Minu­ten lan­ge, avant­gar­di­stisch-elek­tro­ni­sche Klang­col­la­ge! :)

Mole­so­me – Dial

Ver­tont wer­den sol­le „eine Klang­rei­se durch Radio­ka­nä­le“, lässt das Inter­net wis­sen. Passt.

(Künst­ler: Mat­ti­as Ols­son [ehem. Schlag­zeu­ger von Äng­la­gård], Jahr: 2016, TIDAL: hier, Ama­zon Music: hier, Band­camp: hier.)

In den NachrichtenNerdkrams
Es gibt kei­ne Pflicht zur eige­nen Web­site.

Pid: Kurz­form von „stu­pid“ (dumm). Wird als Sub­stan­tiv oder Adjek­tiv ver­wen­det.
Urban Dic­tion­a­ry

Eine ganz tol­le Idee haben Voda­fone und die Tele­kom, die zu fast einem Drit­tel „dem Staat“ (also uns allen) gehört, da: Unter der Bezeich­nung „Trust­Pid“ soll sozu­sa­gen eine Steu­er­num­mer für Taschen­te­le­fo­ne ein­ge­führt wer­den, die über die IMEI hin­aus­geht und irgend­wel­chen daher­ge­lau­fe­nen Web­sites eine ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­ka­ti­on der Besu­cher ermög­li­chen soll. Das soll das Pro­blem lösen, dass es gera­de nicht mehr ganz so leicht wie noch vor ein paar Jah­ren ist, pseud­ony­mi­sier­te Besu­cher­pro­fi­le anzu­le­gen und die Besu­cher so über meh­re­re Web­sites hin­weg zu ver­fol­gen, um zu wis­sen, was sie sonst so tun.

Der wesent­li­che Zweck dahin­ter, lügen Voda­fone und die Tele­kom, die zu fast einem Drit­tel „dem Staat“ (also uns allen) gehört, her­bei, sei es, dass nur mit ein­deu­tig besu­cher­be­zo­ge­ner Rekla­me genug Geld ergau­nert wer­den kön­ne, um die „kosten­frei­en bzw. wer­be­fi­nan­zier­ten Ange­bo­te“ (also wohl doch nicht so „kosten­frei“ und „finan­ziert“) wei­ter­hin bezah­len zu kön­nen. Das muss man sich ja auch mal vor­stel­len: Ganz oder größ­ten­teils pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men kam­pa­gnie­ren dafür, dass jeder, der im fal­schen Land ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rät kauft oder wenig­stens mie­tet, von ihnen auto­ma­ti­siert durch­leuch­tet wer­den kann, damit er die „Ange­bo­te“, deren Exi­stenz vor allem der Anzei­ge von Rekla­me von Nut­zen ist, mit sei­nen Daten bezah­len kann.

Als gäbe es ein Super­grund­recht dar­auf, „kosten­freie“ Rekla­me­schleu­dern betrei­ben zu kön­nen, hin­ter dem das Daten­schutz­be­dürf­nis der­je­ni­gen, die die­se dann genie­ßen dür­fen (denn „kosten­los“ wird von zu vie­len Men­schen als „gut genug“ miss­ver­stan­den), gefäl­ligst zurück­zu­ste­hen hat! Mein Ansatz ist es ja, dass jemand, der sei­ne „Ange­bo­te“ nicht selbst bezah­len oder des­sen Abneh­mer bezah­len las­sen kann, die­se „Ange­bo­te“ schlicht zurück­neh­men soll­te. Ich wür­de auch gern vie­les tun, das ich mir aber schlicht nicht lei­sten kann. Kei­nes­wegs aber käme mir jemals in den Sinn, Spy- und damit Schad­soft­ware in jeder­manns Mobil­ver­bin­dung ein­zu­schleu­sen, nur damit ich es mir lei­sten kann, die Akti­en­mehr­heit von Ama­zon zu über­neh­men und Jeff Bezos raus­zu­schmei­ßen.

Ich weiß nicht (ohne nach­zu­gucken), war­um es „Trust­Pid“ heißt. Von „per­sön­li­cher Iden­ti­fi­ka­ti­on“ kann es nicht kom­men, denn dann hie­ße es „PID“ oder wenig­stens „PId“. Die Trust­Pid-Web­site – so einen Schmutz ver­lin­ke ich hier nicht mal iro­nisch – bin­det jeden­falls Goo­gle­wan­zen ein und möch­te in einem siche­ren Web­brow­ser auch gar nicht betrach­tet wer­den:

We're sorry but TrustPid Privacy Portal doesn't work properly without JavaScript enabled. Please enable it to continue.

Das Pri­vat­sphä­ren­por­tal von „Trust­Pid“ möch­te, dass ich frem­den Code auf mei­nem Com­pu­ter aus­füh­re, damit es „funk­tio­niert“. Kei­ne wei­te­ren Fra­gen.

Wo bleibt eigent­lich die Revo­lu­ti­on?

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Extrem durch­schnitt­lich dank der „ZEIT“.

Puh (paywall­freie Kopie):

Ob beim Ukrai­ne-Krieg oder beim Kli­ma­wan­del: Olaf Scholz kann es nur mode­rat. Das ist so radi­kal, dass damit Putins Sieg und die Ver­wü­stung unse­rer Lebens­welt dro­hen.

Radi­kal mode­rat, extrem unex­tre­mi­stisch qua­si. So ein tota­li­tär Nor­ma­ler! Das ist außer­ge­wöhn­lich gewöhn­lich!

(Irre kichernd ab.)

In den NachrichtenMontagsmusik
Goat – Uni­on of Mind and Soul // Ham­ba­cher Fest (posi­tiv besetzt)

MontagsstimmungEs ist Mon­tag. Das ZDF hat einem Fuß­bal­ler dum­me Fra­gen gestellt und er hat sie nicht wie gewünscht beant­wor­tet. Skan­da­lös. Aber war­um fragt man Sport­ler über­haupt irgend­was?

Um das Ham­ba­cher Schloss her­um fin­den die­ser Tage Fei­er­lich­kei­ten zum 190-Jäh­ri­gen des Ham­ba­cher Festes statt. Das Ham­ba­cher Fest war eine Ver­an­stal­tung, anläss­lich derer Natio­na­li­sten und Patrio­ten aus den Gebie­ten des spä­te­ren Deut­schen Reichs eine unan­ge­mel­de­te Demon­stra­ti­on zugun­sten eines eini­gen Deutsch­lands abge­hal­ten haben. Auch heu­er (eins der weni­gen Wör­ter, um die ich die komi­schen Spre­cher der komi­schen öster­rei­chi­schen Spra­che wirk­lich uniro­nisch benei­de) gibt es dort, wie Medi­en (unter ande­rem der SWR) mit­tei­len, wie­der unan­ge­mel­de­te Demon­stra­tio­nen von Patrio­ten, aber aus irgend­ei­nem Grund wer­den die­se von ande­ren Teil­neh­mern als Fein­de der Demo­kra­tie ver­stan­den. Sie sind ganz kurz davor, es zu ver­ste­hen. Wei­te­re Tipps gebe ich aber nicht.

Jona­than Kent, der schwu­le Sohn von Super­man, hat jetzt einen eige­nen Comic. Es hand­le sich, wie ich las, um „einen alter­na­ti­ven Hel­den, der per­fekt in die aktu­el­le Zeit passt“. Das fürch­te ich auch.

Zeit­los gut: Musik.

Goat – Uni­on of Mind and Soul [OFFICIAL VIDEO]

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Jaja, ich bin 18.

Ich fin­de es in Ord­nung, dass eine Bun­des­wehr­kom­man­deu­rin ihre Sexua­li­tät nicht offen aus­le­ben darf, denn je unat­trak­ti­ver eine Kar­rie­re bei der Bun­des­wehr wird, desto weni­ger Men­schen wol­len frei­wil­lig an der Waf­fe aus­ge­bil­det wer­den und bekämp­fen anschlie­ßend den Welt­frie­den durch ihre blo­ße Exi­stenz. Am besten direkt ein Zöli­bat ver­hän­gen, sobald man „zum Bund“ geht. Kein Sex mit Fleck­ge­tarn­ten.

Da ande­rer­seits die „cha­rak­ter­li­che Inte­gri­tät“, wie es im Text heißt, anschei­nend direkt von der bevor­zug­ten Bezie­hungs­art einer Per­son abhängt, wür­de es mich tat­säch­lich inter­es­sie­ren, wel­che Bezie­hungs­for­men denn für einen guten Cha­rak­ter spre­chen. ‘Jaja, ich bin 18.’ wei­ter­le­sen »

NetzfundstückeWirtschaft
„Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche“ Prep­per­par­tei Deutsch­lands.

(Hihi:)

Da erzäh­len sie mir seit vie­len Jah­ren, dass die­se abwe­gi­gen Prep­per, die Nah­rungs­mit­tel­vor­rä­te in Kel­lern und Erd­de­pots anle­gen, alles kom­plett ver­strahl­te Irre, Urin­trin­ker und natür­lich Nazis sind, da kommt plötz­lich die wahl­kämp­fen­de Bun­des­in­nen­mist­ma­che­rin daher und emp­fiehlt … ich mag’s kaum schrei­ben … emp­fiehlt mir prep­pern.

Ver­damm­ter Putin. Kur­belt die deut­sche Lebens­mit­tel­wirt­schaft an. Mon­ster, das.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 25. Mai 2022

War­um heißt es Bahn­Card 100 und nicht 4.144-Euro-Ticket?


Aus der Rei­he „Skur­ri­li­tä­ten unse­rer Nach­barn“: In Amstel­ve­en, Nord­hol­land, haben Rats­mit­glie­der seit Novem­ber 2019 Anspruch auf eine nor­ma­le oder eine vege­ta­ri­sche Kro­ket­te, wenn eine Sit­zung bis nach 23 Uhr dau­ert. (Der Bei­trag ist auf Nie­der­län­disch.) Ich kann das Ansin­nen ver­ste­hen, vege­ta­ri­sche Kro­ket­ten kön­nen durch­aus wohl­schmeckend sein.

War­um über­neh­men wir das nicht mal als Abge­ord­ne­ten­di­ät?


Ich soll­te mei­ne oft ver­tre­te­ne Ansicht, die US-ame­ri­ka­ni­sche Dar­rei­chungs­form der eng­li­schen Spra­che sei lächer­lich tri­vi­al, viel­leicht noch ein­mal über­den­ken: Wenn man in den USA ent­we­der nicht oder falsch „Far­bi­ger“ zu einem Far­bi­gen sagt, wird man gecan­celt.


Apro­pos: In den USA hat mal wie­der irgend­je­mand an einer Schu­le – es ist fast immer eine Schu­le; schö­ne Sati­re dazu: NRA for­dert Ver­bot von Schu­len – ein paar Men­schen umge­bracht. Der amtie­ren­de Prä­si­dent jenes Lan­des frag­te, wann, „in Got­tes Namen“, der Waf­fen­lob­by „die Stirn gebo­ten“ wür­de.

Weil das zwar erst mal eine lobens­wer­te For­de­rung ist, aber ein­an­der ja nicht aus­schließt: Könn­te man bei der Gele­gen­heit außer­dem der Got­tes­lob­by die Stirn bie­ten? Ein Gefühl von Sicher­heit ver­mit­telt die­se stän­di­ge Fröm­mig­keit in der Poli­tik mir jeden­falls auch nicht.


Mei­ne Gebüh­ren bei der Arbeit: Ein „Fran­ces­co (14)“ fra­ge, behaup­tet „Funk“, ein „Ange­bot“ des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks, war­um bei ihm „die Sup­pe“ nicht „geschos­sen“ kom­me. „Funk“ beant­wor­tet das in einem zu lan­gen Video. Ich hät­te ja ein­fach einen Schnell­koch­topf genom­men.


Duck­Duck­Go, das auf die „Pri­vat­sphä­re“ sei­ner „Kun­den“ pochen­de Unter­neh­men hin­ter der gleich­na­mi­gen Such­ma­schi­ne, stellt natür­lich auch einen eige­nen Web­brow­ser her. Auf­grund eines Wer­be­ver­trags mit Micro­soft blockiert die­ser jen­seits der Such­ergeb­nis­sei­ten kei­ne tracker von Micro­soft selbst. Die Hand, das Fut­ter, das Bei­ßen. Es ist alles wie immer.


Supi­du­pi­idee des Tages: Man könn­te doch die Pri­vat­wirt­schaft eine welt­wei­te digi­ta­le Per­so­nen­da­ten­bank mit­samt deren Impf­sta­tus auf­bau­en und pfle­gen las­sen. Was kann schon schief­ge­hen?

In den NachrichtenMontagsmusik
OU – Moun­tain // Mit abge­leb­ter Krea­tür­lich­keit kann ich nicht umge­hen.

EntspannungEs ist Mon­tag. In Bre­men darf man jetzt Schwuch­tel­ei wie­der has­sen und dabei „ich has­se die­se Ver­bre­cher mit ihrer Schwuch­tel­ei“ sagen, wenn man es christ­lich meint. Das ist ja nicht gegen Men­schen gerich­tet, die schwuch­teln, son­dern gegen ihre Schwuch­tel­ei, also alles in bester Ord­nung, sagt die Justiz. Ich für mei­nen Teil – weit davon ent­fernt, Betrof­fe­ner zu sein – ver­ab­scheue ja die­se kirch­li­chen Wider­lin­ge mit ihrer Chri­ste­rei. Ekel­haft. Oder darf ich das nur in Bre­men?

Ganz, ganz schlim­mer Satz in der Online-„FAZ“: „Mit abge­leb­ter Krea­tür­lich­keit kann Karow umge­hen“, es ging um Lei­chen in einem Fernseh-„Tatort“; das Wort „Krea­tür­lich­keit“ kann­te ich vor­her gar nicht und das war irgend­wie auch schö­ner so. In Frank­reich wird unter­des­sen der Senf knapp, hier lei­der nicht, es geben immer noch alle wel­chen dazu. Bei eini­gen ist das tat­säch­lich eine posi­ti­ve Über­ra­schung: Her­ta Däub­ler-Gme­lin (SPD) fin­det, dass die SPD zu wenig für Juli­an Assan­ge tut. Wie lan­ge muss man in der SPD eigent­lich in „Ren­te“ sein, bevor man anfängt, klu­ges Zeug zu reden?

Apro­pos: In die­sem Jahr wird auch in Nie­der­sach­sen wie­der gewählt. Ich ver­fol­ge mitt­ler­wei­le einen neu­en Ansatz: Ver­tre­ter von Par­tei­en, die wol­len, dass ich sie wäh­le, fra­ge ich im Rah­men ihrer Wer­be­ge­sprä­che, ob sie nicht selbst Mit­glied in einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft mei­ner Wahl wer­den wol­len. Zwar ist der Glau­be eine sehr per­sön­li­che Ange­le­gen­heit, aber die poli­ti­sche Hal­tung eben auch; und wer auf auf­dring­li­che Wei­se für sei­ne eige­ne poli­ti­sche Hal­tung wirbt, dem ist das Pri­va­te ohne­hin nicht hei­lig.

Schon jetzt ein hei­ßer Anwär­ter auf die Unter­ra­schung des Monats: 0,1 Pro­mil­le aller Bit­co­in­in­ve­sto­ren „besit­zen“ 27 Pro­zent aller Bit­co­ins, was von dem Ansin­nen, wirt­schaft­li­che Macht zu dezen­tra­li­sie­ren, nichts übrig lässt, was nicht zur Häme taugt.

Was aber tat­säch­lich allen gehö­ren soll­te: Musik.

OU – Moun­tain (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Euterna­se – l’A­mour

Euternase - l'AmourLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Mai 2018 erschien, selbst von der unto­ten „SPEX“ posi­tiv betrach­tet, das Debüt- und immer noch aktu­el­le Album „l’A­mour“ (Band­camp, Amazon.de) der Mün­ste­ra­ner Her­ren­grup­pe Euterna­se, die einen Namen hat, der bereits ein erstes gutes Argu­ment zugun­sten die­ses Albums ist, weil er sowohl wit­zig ist als auch als Schimpf­wort benutzt wer­den könn­te. Ich mag Schimpf­wör­ter, die ich noch nicht ken­ne. „Vor Coro­na“ kün­dig­ten die Musi­ker Neu­es für 2020 an, aber dann kam Coro­na und jetzt kom­men erst mal Affen­pocken. Alle wei­te­ren Tier­sex­fe­sti­vals in Bel­gi­en wer­den bis auf Wei­te­res abge­sagt.

Das Album sei, las ich, in nur 18 Stun­den auf­ge­nom­men wor­den. Musi­ka­lisch gibt es ange­nehm wüten­den Post­punk zu hören. Ein auf­fäl­li­ges Stil­mit­tel ist die text­li­che Wie­der­ho­lung, das acht­ein­halb­mi­nü­ti­ge Stück „Ver­braucht & kaputt“ (eska­liert da am Ende eine Trom­pe­te?) treibt sie qua­si auf eine erste Spit­ze. Asso­zia­tio­nen: Fri­ends of Gas, Rio Rei­ser und ein biss­chen Fehl­far­ben.

Text­lich steht Euterna­se ohne­hin kein gutes Argu­ment ent­ge­gen: „Wasch mein Gehirn, Hồ Chí Minh!“ (aus: „Ho-Chi-Minh-Gehirn­wä­sche“); kei­ne wei­te­ren Fra­gen. Ein biss­chen durch­ge­spült fühlt sich das Hirn schon in der Mit­te des Albums an, die absicht­lich ner­vend – Quel­le: Inter­net – lang­ge­zo­ge­ne Into­na­ti­on im fünf­ten Stück „Sit­ten­strolch“ tut ihr Übri­ges. Hof­fent­lich hören Sozi­al­ak­ti­vi­sten sich den Text nicht an. Sonst wird gecan­celt.

Lobo­to­mie

„L’A­mour“ ist ganz groß­ar­ti­ger Quatsch aus einem zwar erfreu­li­chen, aber sonst kaum auf­fäl­lig aus­sche­ren­den Gen­re. Die dahin­ter­ste­hen­de Plat­ten­fir­ma This Char­ming Man Records scheint sich auf Punk und Art­ver­wand­tes spe­zia­li­siert zu haben, man­che ande­re Grup­pe in ihrem Port­fo­lio weiß ich eben­falls zu schät­zen. Es scheint sich zu loh­nen, das Unter­neh­men im Auge zu behal­ten.

Und – ver­steht sich – die­ses Album im Ohr.

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Ent­menstru­ier­te

Die merk­wür­di­ge Ange­wohn­heit zeit­ge­nös­si­scher Medi­en, die Defi­ni­ti­on einer Frau um „Men­schen mit Gebär­mut­ter“ und „Men­stru­ie­ren­de“ zu redu­zie­ren, lässt als zuläs­si­ge Defi­ni­ti­on einer Frau immer­hin noch „Mensch, der mal eine Gebär­mut­ter hat­te und/oder men­stru­iert hat, aber bei­des chir­ur­gisch und/oder che­misch been­det hat“ zu.

In den Nachrichten
„… von MEINEN Gebüh­ren!“ (9)

Die „ARD-ZDF-Medi­en­aka­de­mie“ bie­tet im kom­men­den Juni ein Semi­nar zu „inve­sti­ga­ti­ver Recher­che“ an, das in der Kate­go­rie „Jour­na­li­sti­sche Kern­kom­pe­ten­zen“ zu fin­den ist.

Wie ich den Bogen zu die­ser Mel­dung (Archiv­ver­si­on) schla­gen soll, …

Die stark gestie­ge­nen Prei­se für Ener­gie und Nah­rungs­mit­tel bela­sten Haus­hal­te mit nied­ri­gen Ein­kom­men beson­ders stark. Das hat eine neue Stu­die erge­ben.

… weiß ich aber nicht. Naja, is‘ warm drau­ßen.

Netzfundstücke
Kurz ange­merkt zur .txt-Kon­fe­renz

Dass die Auto­ver­bal­ero­ti­ker aus dem Dunst­kreis der gänz­lich über­flüs­si­gen, weil nichts als die eige­ne Groß­ar­tig­keit im her­me­ti­schen Raum beju­beln­den Quas­sel­ver­an­stal­tung „re:publica“ sich im Rah­men ihres dies­jäh­ri­gen Sich­gut­fin­dens zu einer Ver­an­stal­tung namens „.txt“, auf der es um das geschrie­be­ne Wort, und zwar „nicht nur um ‚Hoch­li­te­ra­tur‘ “, gehen soll (wo blei­ben eigent­lich die Aktio­närs­ver­an­stal­tung „.csv“ und die Por­no­kon­fe­renz „.jpg“?), aus­ge­rech­net im „Glas­haus“ (ebd.) tref­fen wol­len, ist schon des­halb eine groß­ar­ti­ge Poin­te, weil sie stimmt.