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Jaja, ich bin 18.

Ich fin­de es in Ord­nung, dass eine Bun­des­wehr­kom­man­deu­rin ihre Sexua­li­tät nicht offen aus­le­ben darf, denn je unat­trak­ti­ver eine Kar­rie­re bei der Bun­des­wehr wird, desto weni­ger Men­schen wol­len frei­wil­lig an der Waf­fe aus­ge­bil­det wer­den und bekämp­fen anschlie­ßend den Welt­frie­den durch ihre blo­ße Exi­stenz. Am besten direkt ein Zöli­bat ver­hän­gen, sobald man „zum Bund“ geht. Kein Sex mit Fleck­ge­tarn­ten.

Da ande­rer­seits die „cha­rak­ter­li­che Inte­gri­tät“, wie es im Text heißt, anschei­nend direkt von der bevor­zug­ten Bezie­hungs­art einer Per­son abhängt, wür­de es mich tat­säch­lich inter­es­sie­ren, wel­che Bezie­hungs­for­men denn für einen guten Cha­rak­ter spre­chen. Die mei­sten mir per­sön­lich cha­rak­ter­lich unan­ge­nehm erschei­nen­den Men­schen aus Poli­tik und Wirt­schaft haben eine (erfreu­lich) ver­schlos­se­ne Sexua­li­tät, tra­gen ihr Dasein als Teil eines Paa­res mit etwa andert­halb Kin­dern aber wie eine eige­ne Lei­stung stolz vor sich her, die­se Art ist also auch schon mal raus. Das Pro­blem scheint für mich aber gar nicht in der Fra­ge zu bestehen, mit wem eine Bun­des­wehr­kom­man­deu­rin gern schnackelt, son­dern, dass die, die das skep­tisch sehen, ihren Puri­ta­nis­mus in die Recht­spre­chung gie­ßen kön­nen.

Es erscheint mir als Unver­schämt­heit, dass die vor­se­xu­al­re­vo­lu­tio­nä­ren Moral­vor­stel­lun­gen irgend­wel­cher Lang­wei­ler nicht bloß deren eige­nes Pro­blem, son­dern das Pro­blem ande­rer Leu­te sein soll­ten. Ich wür­de auch vie­les anders machen als die Kom­man­deu­rin (zum Bei­spiel wür­de ich nicht zur Bun­des­wehr gehen), auch hal­te ich das Nötig­ste vom Kon­zept der Ehe, schon, weil sie auch wei­ter­hin eine Reduk­ti­on auf einen ein­zi­gen Part­ner vor­aus­setzt, aber nie­mals käme ich auf die Idee, die Sexua­li­tät ande­rer Leu­te als mora­li­sche Ver­derbt­heit zu brand­mar­ken; schon, weil sie mich nichts angeht. Vor etwas mehr als 50 Jah­ren wur­de freie Lie­be zur Selbst­ver­ständ­lich­keit, im „moder­nen“, „pro­gres­si­ven“ 21. Jahr­hun­dert hin­ge­gen darf puri­ta­nisch abge­mahnt wer­den, wer Bum­sen nicht an Ver­trä­ge bin­den möch­te. Die Gesell­schaft ist nicht weit gekom­men.

Ich hal­te die Prä­mis­se, der Bei­schlaf der Kom­man­deu­rin wir­ke sich nega­tiv auf den „guten Ruf der Bun­des­wehr“ aus, im Übri­gen auch für falsch. Die Bun­des­wehr hat gar kei­nen guten Ruf. Und ist der Ruf erst rui­niert, darf man auch Por­nos gucken, aber nur mit Aus­weis:

Die Medi­en­auf­se­her wol­len die Betrei­ber der Por­ta­le (also Por­no­stream­por­ta­le wie xHam­ster, A.d.V.) dazu ver­pflich­ten, ihren Ange­bo­ten eine wirk­sa­me Alters­ve­ri­fi­ka­ti­on vor­zu­schal­ten.

Wie eine „wirk­sa­me Alters­ve­ri­fi­ka­ti­on“ in einem Land, das – was auch gut ist – eine voll­stän­dig pseud­ony­me Nut­zung der mei­sten Inter­net­dien­ste zulässt und kei­ne Kopp­lung zwi­schen Web­site und Per­so­nal­aus­weis erzwingt, aus­se­hen kann, geht aus der Bericht­erstat­tung nicht her­vor, und mir fällt, obwohl vom Fach, just auch kei­ne ein, die auch Armen, Obdach­lo­sen und Blin­den zugäng­lich wäre. Gut, zuge­ge­ben: Blin­de brau­chen nicht unbe­dingt einen Por­no­film­stream.

Da xHam­ster – ich habe das gera­de aus wis­sen­schaft­li­chen Erwä­gun­gen her­aus ein­mal über­prüft – der­zeit, anders als ande­re Por­ta­le, kein Popup anzeigt, in dem man bestä­ti­gen soll, dass man wirk­lich min­de­stens 18 Jah­re alt ist, und man von recht­li­chen Schrit­ten gegen Kon­kur­renz­an­ge­bo­te momen­tan wenig hört und liest, kann ich aber zumin­dest begrün­det anneh­men, dass das schon rei­chen wür­de; dass xHam­ster also beim erst­ma­li­gen Auf­ruf der Sei­te eine Schalt­flä­che mit der Bedeu­tung „jaja, ich bin 18“ anzeigt.

Eine wirk­sa­me Alters­ve­ri­fi­ka­ti­on wäre das jeden­falls unter der Vor­aus­set­zung, dass nie­mand im Inter­net die Unwahr­heit behaup­ten wür­de. Und wer wür­de so etwas tun?

Senfecke:

  1. Ich fin­de es höchst befremd­lich, wenn der Arbeit­ge­ber über die Sexua­li­tät bestim­men darf. Das kennt man sonst nur noch von der katho­li­schen Kir­che und wozu das führt, erfah­ren wir jeden Tag – nicht nur über die Medi­en.https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_shocked.gif

    Wie hand­ha­ben das eigent­lich Mus­li­me? Wenn die alle wegen des Quer­bum­s­ens hin­rich­ten wür­den, dürf­te es ziem­lich ein­sam in der Gemein­de wer­den. https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_confusednew.gif

    Das Urteil ist aller­dings pas­send für den Feu­da­lis­mus. Da gab es Fick­re­geln für jeden Haus­stand, es sei denn Du warst Land­vogt. Dann „durf­ten“ Dir die Eltern in der Gemein­de ihre Toch­ter bei Errei­chen der Geschlechts­rei­fe zum Bei­schlaf kre­den­zen. Ver­mut­lich soll es da wie­der hin­ge­hen. Die mei­sten Deut­schen dürf­ten das gut fin­den.
    Euryth­mics hat­ten da mal ein Lied: Sex Crime 1984. Pri­ma Maxi übri­gens.

    Jeden Tag ’ne schlech­te Tat – heu­te fick‘ ich gegen den Staat!

    Gene­ral­streik war gestern! Es hilft nur noch Bum­sen gegen Bos­se.

  2. Für eine pazi­fi­sti­sche Armee ist ein öffent­li­cher Rudelb0ms auf dem Trup­pen­übungs­platz eigent­lich Pflicht.

    Gut daß wir schon alle funk­ti­ons­fä­hi­gen Waf­fen der Koka­i­ne geschenkt haben, sonst kämen unse­re Poli­ticker noch auf ganz dum­me Ideen.

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