WirtschaftNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt CXXI: Vertrauen, Raserei und Julia Schramm

Das mit dem Euro ist gar nicht so schlimm, wir müssen nur Ver­trauen haben:

Der Präsi­dent des Deutschen Juris­tent­ages, Mar­tin Henssler, forderte von der Poli­tik (…) mehr Ver­lässlichkeit, vor allem mit Blick auf die Haushalts­diszi­plin der Mit­gliedsstaat­en. „Bürg­ern und Inve­storen fehlt das Ver­trauen, dass gel­tendes Recht tat­säch­lich beachtet wird.“

Dies eigentlich zu Unrecht, denn bis­lang wurde jede Rechts­dehnung zunächst leg­isla­tiv zemen­tiert, bevor sie began­gen wurde. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben.


Udo Vet­ter jubelt:

Vekehr­sex­perten von CDU und FDP wollen Radar­warn­er legal­isieren. Dabei haben sie offen­bar vor allem Blitzer-Apps im Auge, wie sie heute für jedes Smart­phone und Nav­i­ga­tion­s­gerät erhältlich sind. (…) Außer­dem ist es seit langem üblich, dass Radiosender ganz aktuell vor Radar­fall­en war­nen. Selb­st Polizei und Kom­munen geben an vie­len Orten die Mes­sorte auf den eige­nen Inter­net­seit­en bekan­nt. (…) Also Dau­men hoch für diese Idee.

Der prak­tis­che Nutzen hin­ter “Blitzer-Apps” (und Radar­fal­l­en­war­nun­gen im Radio) ist es, dass notorische Ver­let­zer der Straßen­verkehrsor­d­nung wis­sen, wo es bess­er wäre, sich aus­nahm­sweise mal an die Regeln zu hal­ten.

Mit der gle­ichen Logik sollte es erlaubt sein, “Streifen-Apps” zu entwick­eln und zu nutzen, die Ein­brech­er war­nen, wenn in der Nähe eine Polizeistreife unter­wegs ist. Das dient ja lediglich der Infor­ma­tion, damit Bürg­er sich sicher­er fühlen, nicht wahr?


Julia Schramm, ihres Zeichens schreck­lich nervige Per­son und der­maßen bek­loppt, dass es für den Beisitz im Bun­desvor­stand der Piraten­partei Deutsch­land genügt hat, hat ein schlecht­es Buch geschrieben und find­et es voll scheiße, dass es im Inter­net kur­siert. Das mit dem freien Kopieren von Werken ist eben immer eine Frage des Autors.

Bere­its im Novem­ber 2011 schrieb ich:

Texte von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.

Offen­sichtlich hat sich das auch in ihrem Buch nicht grundle­gend geän­dert. Wer einen Ein­blick bekom­men möchte, worum es in sel­bigem geht, der möge auf eigene Gefahr auf Sheng Fui diesen Ein­blick nehmen. Über­raschend ist er allerd­ings nicht.

Spaß mit Spam
Re: Smallcap-Promo-Mover

Ich habe eine Antwort auf eine Mail erhal­ten, an die ich mich nicht erin­nern kann. Nanu! Da muss ich doch gle­ich mal her­aus­find­en, was “anto­nio morales” (in Klein­buch­staben) von mir will:

Fir­ma: SecurLinx Hold­ing Corp (S8X)
Markt: Frank­furter Wert­pa­pier­borse
Aktueller Kurs: .67 Euro Cur­ren­cy
Kursziel: 1.25+ EUR
Ein­stu­fung: 5 Sterne
Bew­er­tung: 10 von 10
Ein­stu­fung: Strong Buy
Bew­er­tung: Sehr stark

Umlaute, Punkt- und Kom­maset­zung sowie auch nur ansatzweise eine Erk­lärung, was man eigentlich mit der eige­nen Mail beab­sichtigt, sind natür­lich vol­lkom­men über­be­w­ertet. Oder eine Erk­lärung, was ein “Small­cap-Pro­mo-Mover” genau ist.

Stattdessen dies:

Voller Freude geben wir heute Aus­nah­mealarm: ein kleines Unternehmen, SecurLinx Hold­ing Corp (S8X), das an der Frank­furter Borse han­delt.

Alarm gibt man nor­maler­weise nicht voller Freude, son­dern voller Panik. Ich zum Beispiel bin ger­ade panisch, weil ich Gefahr laufe, vor Lachen zu erstick­en. Aber was genau hat das kleine Unternehmen damit zu tun?

Nicht nur, weil es fur weniger als einen Euro han­delt, son­dern weil das Unternehmen selb­st imposante Regierungsver­trage hat und gegen­wartig Logis­tik- und Sicher­heitsver­trage in dem MaBe abschlieBt, wo viele Leute sagen: “Das nach­ste groBe (sic!) Ding!”

Aha, das Unternehmen ist also an der Borse Börse, weil seine Anteile weniger als einen Euro kosten und die Leute es für ein grobes Ding hal­ten. Vielle­icht sollte ich auch an die Börse gehen, zum Beispiel an meine. Die Voraus­set­zun­gen sind offen­bar leicht zu erfüllen.

Apro­pos grobe Dinger:

San­fte Bio­me­trie ist “das nach­ste groBe Ding” bei der uberwachung

(…)

Die Soft­ware fur bio­metrische Sicher­heit von Securlinx ist sowohl fur die effek­tive Arbeit bio­metrisch­er Ger­ate als auch fur die Arbeitsverbindung zwis­chen einem bio­metrischen Ger­at und deBen PC oder Serv­er eBen­tiell (sic!).

Den Rest ers­pare ich euch mal. Der Tenor der Mail lautet: SecurLinx ist wirk­lich toll darin, Überwachungssoft- und ‑hard­ware anzu­bi­eten, und man soll doch bitte in diese Fir­ma investieren. Abge­se­hen davon, dass ich bezwei­fle, dass dies an der Frank­furter Borse Börse möglich ist, bin ich noch nicht davon überzeugt, dass es sin­nvoll ist, Inter­net­nutzer um Geld für eine Fir­ma zu bit­ten, mith­il­fe der­er Pro­duk­te noch bessere Überwachung möglich sein soll.

Insofern: Viel Glück, “anto­nio”.

Montagsmusik
Camel — Lady Fantasy

Und dann mon­tags nach einem Woch­enende des Älter­w­er­dens, weil’s beim Men­schen eben immer schub­weise und nicht per Tag gerech­net oder jeden­falls genan­nt wird, wird man des Umstandes gewahr, dass man ab einem gewis­sen Alter ja doch auch die Schön­heit von Melo­di­en würdi­gen sollte, so lange der Hörn­erv noch mit­spielt, man wird ja auch nicht jünger, nech?; und dann also: Camel.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXX: Gute Mörder, böse Mörder

Ein wenig Vor­wis­sen: Israel ist zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt kein ordentlich­es Mit­glied des Mil­itär­bünd­niss­es NATO, arbeit­et jedoch seit vie­len Jahren mit den Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka mit dem Ziel zusam­men, die Beziehun­gen zur EU und zur NATO zu fes­ti­gen. Ben­jamin Netan­jahu ist der momen­tane Min­is­ter­präsi­dent des Lan­des Israel.

Und Ben­jamin Netan­jahu kür­zlich so:

Iran könne wom­öglich in sechs bis sieben Monat­en Atom­waf­fen erlan­gen. Das Land werde von Fanatik­ern geführt — die USA müssten endlich eine “rote Lin­ie” fes­tle­gen.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Und die NATO über’s Woch­enende so:

Blutiges Woch­enende in Afghanistan: Acht Frauen sind nach Mil­itärangaben bei einem NATO-Luftan­griff getötet wor­den.

Das mit der “roten Lin­ie” hat da aber jemand sehr wörtlich genom­men.

(via @silvestah)

Musikkritik
Bob Dylan, der Sturm im Wasserglas

Zu Bob Dylan hat­te ich bekan­ntlich 2010 meine Affinität bekun­det.

Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich über die Jahre gewan­delt hat, was noch nichts Schlecht­es sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jahre waren es die Abkehr vom Folkrock und die Hin­wen­dung zu christlichen Bal­laden und Coun­tryscheiße, die die späteren Werke für mich unin­ter­es­sant macht­en.

Seit 1988 befind­et sich Bob Dylan auf der “niemals enden­den Tournee” und hat seinen Stil seit­dem nur wenig geän­dert. Auf­fal­l­end allerd­ings: Seine Stimme hat sich gewan­delt, klingt jet­zt, je höher er zu sin­gen oder in seinem immer noch typ­is­chen Duk­tus zu erzählen ver­sucht, rau und kratzig wie die von Joe Cock­er oder einem dreißig Jahre älteren Rod Stew­art, den ich übri­gens gesan­glich ziem­lich bemerkenswert finde. Während­dessen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikalben aufzunehmen, neuerd­ings — fün­fzig Jahre nach dem Debü­tal­bum — also “Tem­pest”, zu Deutsch “Sturm” oder “Wirbel­wind”. Wer sich von diesem Titel ein energiege­ladenes Feuer­w­erk der Rock­musik ver­spricht, ist doof.

Erlaubt mir, den Mythos “eines sein­er besten Alben” (Neil McCormick) zu entza­ubern.

Zunächst das Offen­sichtliche: “Tem­pest” ist kein zweites “Blonde on Blonde”. Es ist nicht mal ein zweites “Blood on the Tracks”. Im Wesentlichen ist es ein lang­weiliges Blues­rock-/Coun­try-Album eines alten Mannes, der sein Geld damit ver­di­ent, sich zu wieder­holen. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrieben wurde. Musikalisch dominieren aber Blues (klas­sisch in “Ear­ly Roman Kings”, das jed­er Gitar­ren­schüler nach ein­er Woche nach­spie­len kön­nte) und der scheußliche Coun­try, der die “niemals endende Tournee” ja seit vie­len Jahren dominiert, was vielle­icht auch den bescheuerten Hut erk­lärt, den Bob Dylan seit ein­er Weile zu tra­gen pflegt.

Dass aus­gerech­net das vierzehn­minütige Titel­stück trotz sein­er Länge ein beson­ders belan­glos­es Musik­stück ist, in dem Bob Dylan zu ein­er Schlager­melodie (Schlager!) eine fik­tive Ver­sion des Unter­gangs der Titan­ic, ver­woben mit Fig­uren und Ereignis­sen aus der eben­falls belan­glosen Kinoschnulze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein biss­chen schade, denn daneben wirken die wirk­lich guten Momente auf “Tem­pest” kürz­er als sie es eigentlich sind. Zu nen­nen wären da etwa das beina­he fet­zige Blues­rock­stück “Nar­row Way”, das energiege­ladene “Pay in Blood”, das erstaunlich kopfnick­bar ist, und das rhyth­mis­che “Tin Angel”, das seinen Bal­laden aus den Sechzigern nahe kommt.

Wer nun gehofft hat­te, dass wenig­stens die Texte, seit jeher ein prä­gen­der Bestandteil sein­er Musik, von Ver­fall ver­schont wor­den sind, der sollte “Duquesne Whis­tle” bess­er über­sprin­gen:

I can hear a sweet voice steadi­ly call­ing
Must be the moth­er of our lord

So ganz ohne Religiösität (und in anderen Liedern viel Liebess­chmalz) geht’s eben nicht, seit Bob Dylan erweckt wurde, was bess­er niemals hätte passieren sollen. Eigentlich, so hat er zu Pro­tokoll gegeben (in einem Inter­view für den amerikanis­chen „Rolling Stone“), wollte er ein religiös­es Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an aus­re­ichen­dem Mate­r­i­al gefehlt, und so sei nun dieses her­aus­gekom­men. Ver­mut­lich haben wir da noch mal Glück gehabt.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: “Tem­pest” ist gut dafür, was es zu sein ver­sucht. Bob Dylan muss nie­man­dem mehr etwas beweisen.
Ander­er­seits erschließt sich mir der eigentliche Wert eines Albums wie “Tem­pest” nicht. Die Ziel­gruppe: Christliche US-amerikanis­che Kon­ser­v­a­tive? Men­schen, die es schätzen, zu hören, wie Bob Dylan auf jedem neuen Musikalbum seinen hart erar­beit­eten Ruf als großar­tiger Lyrik­er noch weit­er zer­stört?

Mir gefällt “Tem­pest” als Doku­ment — nicht mehr, nicht weniger. Meine gele­gentlich geäußerte Behaup­tung, alle Stu­dioal­ben ab “New Morn­ing” müsse man wed­er zumin­d­est ein­mal gehört haben noch besitzen, bewahrheit­et sich indes erneut.

Eines sein­er besten Alben ist “Tem­pest” jeden­falls nicht. Dafür hängt die Mess­lat­te zu hoch.

Aber das macht nichts.

In den NachrichtenWirtschaft
Mit Sicherheit verloren

In der heuti­gen Aus­gabe der “Braun­schweiger Zeitung” weiß Chris­t­ian Kerl nach dem Bun­desver­fas­sungs­gericht­surteil zum “ESM”, das sich etwa so zusam­men­fassen lässt, dass die deutschen Steuerzahler weit­er­hin für die Mis­s­wirtschaft ander­er Staat­en blechen dür­fen müssen, jedoch nur bis zu einem Haf­tungsrisiko von 190 Mil­liar­den Euro, fol­gende Aus­sage Angela Merkels zu ver­melden:

Die Bekräf­ti­gung der Par­la­mentsrechte gebe Bun­destag und Bürg­ern Sicher­heit.

Das ist nicht ein­mal falsch: Was die Bürg­er ehe­dem befürcht­en mussten, wis­sen sie nun mit Sicher­heit.
Auch eine Art von Fortschritt.

In der gle­ichen Aus­gabe der “Braun­schweiger Zeitung” wird Angela Merkel übri­gens mit den Worten zitiert:

Ich habe immer gesagt, wir wollen stärk­er aus der Krise her­vorge­hen, (sic!) als wir hineinge­gan­gen sind — genau das ist uns gelun­gen.

Wer “Wir” ist? Nun, ich bin es nicht.
Ist es wom­öglich ein­er von euch?

Angela Merkel jeden­falls ist es, sie sitzt fest im Sat­tel.
Schade, dass das Pferd längst gestor­ben ist.

Sonstiges
Prinz William: Jetzt zeigt er uns sein Bäuchlein

Und da wir ger­ade bei alber­nen Zeitschriften waren, noch ein Kurz­er hin­ter­her:

Kate zeigt uns qua­si ihre fron­trow; und wenn ich das mache, bekomme ich die Schuld an beina­her Erstick­ung auf­grund von Lachens zugeschoben, aber keinen Platz auf der Titel­seite ein­er Frauen­zeitschrift “für Frauen zwis­chen 30 und 59”. Ander­er­seits weiß ich auch nicht, ob mir das gefall­en würde.

Sonstiges
Medienkritik LXXV: Jolie: Nichts für Weicheier.

Der Zufall wollte es, dass mir beim Stöbern die (inzwis­chen trotz Sep­tem­bers bere­its ver­al­tete) diesjährige Sep­tem­ber­aus­gabe der Zeitschrift “Jolie” in die Hände fiel. Die “Jolie” ist eine Frauen­zeitschrift, die irgend­wie mit den grauen­vollen Teenager­magazi­nen “Pop­corn” und “Mäd­chen” — das ist das hier — zusam­men­hängt. Ihre Titel­seite ist überdies der­maßen bescheuert, dass ich mich genötigt sah, sie — die Zeitschrift — zu erwer­ben.

Das Mot­to der “Jolie” lautet “THE BEAUTIFUL LIFE GUIDE”, “der schöne Lebens­führer” also, und dafür, dass der Führer (also die “Jolie”) schön ist, sind die enthal­te­nen Mod­e­tipps ziem­lich scheußlich. (Im Übri­gen sei ange­merkt: Jemand, der ohne Anleitung nicht lebens­fähig ist, sollte keine Zeitschriften lesen.) Immer­hin sind die stärk­sten Augenkreb­ser­reger auf ein beiliegen­des mehr­seit­iges Falt­blatt namens “Jolie STYLING BIBEL” konzen­tri­ert, die erk­lärt, wie man “DIE NEUESTEN TRENDS TRÄGT”, lei­der aber nicht, wie man sie erträgt. Auf diesem Falt­blatt sind über­wiegend unför­mige, unge­sund ausse­hende Frauen in scheußlich­er Klei­dung zu sehen, die offen­bar bei der kle­in­sten Regung der Gesichtsmusku­latur erschossen wer­den oder jeden­falls so guck­en. “Traumhaft schön” stelle ich mir weniger beängsti­gend vor.

In der “Jolie STYLING BIBEL” — geheiligt werde ihr Name, und wer daran glaubt, ist selb­st schuld — ste­hen dann aufre­gende junge Dinge wie “Berlin intim: Die wichtig­sten NEWS und der heißeste GOSSIP aus der Fron­trow”, und mir wird auch schon ganz heiß in mein­er Fron­trow. Dabei ist es gut zu wis­sen, dass Klei­der Leute machen: “Krise? Welche Krise? Mit üppi­gen Prints und opu­len­ten STICKEREIEN gehören wir alle zur High Soci­ety”. Statt Geldes kön­nten wir also ein­fach ein paar Stick­ereien nach Griechen­land schick­en — Prob­lem gelöst.

Aber genug der bib­lis­chen Pracht, wen­den wir uns stattdessen wieder der “Jolie” zu. Eines ihrer Titelthe­men heißt “glow for it!”, also “leuchte dafür!”, und es geht ange­blich um strahlende Tängs. Was genau “it” ist, geht für mich nicht aus dem Text her­vor, vielle­icht liegt das auch an den quälen­den Kopf­schmerzen, die sich ein­stellen, wenn ich ver­suche, in dem Sprachquark der “Jolie” seine etwaige inhaltliche Bedeu­tung zu erken­nen find­en.

Wirk­lich reizvoll waren aber zwei andere The­men. Zunächst ist von einem Inter­view mit Mila Kunis die Rede, in dessen Ver­lauf sie gesagt haben soll: “Ich ste­he total auf Kind­sköpfe”. Ob Mila Kunis Deutsch spricht, weiß ich nicht, aber auch, wenn man von einem englis­chsprachi­gen Inter­view aus­ge­ht, ist die Über­set­zung mit “schlu­drig” noch nett umschrieben. Dort ste­ht eigentlich dies:

Kön­nten Sie sich in einen Kind­skopf ver­lieben?
Wenn es einen Aus­gle­ich dafür gibt, dur­chaus.

Das mit dem Textver­ständ­nis soll­ten die Autoren Anto­nia Stef­fens und Dierk Sin­der­mann noch mal üben. Das Wort “Aus­gle­ich” finde ich an dieser Stelle allerd­ings auch diskus­sion­swürdig. Wer möchte anfan­gen?

Wenig, aber immer­hin inter­es­san­ter ist das zweite der bei­den anderen The­men: “Alles Los­er? — Warum Frauen schuld sind, wenn Män­ner zu Weicheiern mutieren”. Der Artikel fängt gut an:

Wie kön­nen wir Män­nern vor­w­er­fen, dass sie alles falsch machen — wenn wir ganz offen­sichtlich selb­st nicht so genau wis­sen, was wir wollen?

Die Artike­lau­torin Johan­na Schuh­mann spielt hier darauf an, dass die Män­ner heutzu­tage, unter­drückt beein­druckt von der als “Emanzi­pa­tion der Frau” getarn­ten Sex­is­muswelle, die seit den 1970er Jahren das Land nervt, Weicheier seien, Heul­susen und viel zu sen­si­bel. Es sei salon­fähig gewor­den, über sie herzuziehen, und irgend­wo in Deutsch­land macht sich eine (selb­stver­ständlich weib­liche) Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte beim Lesen dieser Zeilen vielle­icht ein zweites Alster auf.

Aber wer will schon den per­fek­ten Mann?

Typ­isch weib­lich: Der Hang zur Verbesserung

(…) Frauen definieren ihren Selb­st­wert viel mehr aus männlich­er Bestä­ti­gung als umgekehrt.

Das heißt: Eine Frau find­et sich vor allem dann wertvoll, wenn ein Mann ihr applaudiert, während ein Mann keinen son­der­lich großen Wert darauf legt, ob seine gegen­wär­tige Part­ner­in ihn nun für brad­pit­tig hält oder nicht. Kon­se­quenter­weise sind damit alle Schön­heits- und Mod­e­tipps für Frauen, die nicht von einem Mann ver­fasst wur­den, eigentlich irrel­e­van­ter Quatsch. Doof, dass es bei der Erken­nt­nis blieb und die “Jolie” trotz­dem wohl weit­er­hin erscheinen wird.

Män­ner haben sich in diese Welt, so behaupte der Köl­ner Sozi­ologe Rain­er Neut­zling, behauptet Johan­na Schuh­mann, notge­drun­gen einge­fügt: “Die männliche Rolle hat sich verän­dert, aber die meis­ten arrang­ieren sich gut mit ihren neuen Auf­gaben.”; die da ver­mut­lich laut­en: Ab und zu mal die Schön­heit des Weibchens beklatschen. Und weil das bere­its alles ist, was ein Mann über seine neue Rolle als bemitlei­denswertes Weichei wis­sen muss, gibt es zum Abschluss nur noch einen Ratschlag an die Frauen:

Bemühen Sie sich! Dabei kann tat­säch­lich auch die Läster­runde im Café helfen. Denn: “So kann man seine Beziehung mit denen der anderen ver­gle­ichen”, sagt der Sozi­ologe. Und fest­stellen: So schlimm ist der Typ zu Hause gar nicht.

Wenn der Sozi­ologe das sagt, gibt es natür­lich keinen ratio­nalen Grund, nachzufra­gen. Sehenswerte Szenen sind vorstell­bar: “Mein Kerl ist weniger doof als eur­er! Ätsch!”.

Frauen definieren ihren Selb­st­wert somit auch aus der Bestä­ti­gung, dass ihr Mann weniger einen an der Klatsche hat als die Män­ner ihrer Fre­undin­nen, sagt der Sozi­ologe.

Ich sollte die “Jolie” häu­figer lesen. Ich erfahre Dinge, die ich son­st niemals auch nur in Betra­cht gezo­gen hätte.
Die “BRAVO” kann ein­pack­en. Das mit der Aufk­lärung machen jet­zt die anderen Ver­lage.

Und was zu lachen gibt es auch.

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 6.2, Klimax)

“You can get addict­ed to a cer­tain kind of sad­ness,
like res­ig­na­tion to the end, always the end.”
– Gotye: Some­body I used to know


… Als er aus seinem Traum erwachte, war sie fort.

Es schien alles so aus­sicht­sre­ich. Er hat­te es nicht geschafft, sie davon zu überzeu­gen, dass er trotz seines äußeren Erschei­n­ungs­bildes jemand war, von dem sie sich fern­hal­ten sollte. Sie glaubte ihm nicht. Sie sah ihn für eine gefühlte Ewigkeit aus ihren großen, jeden noch so starken Wider­stand augen­blick­lich zer­schla­gen­den Augen an und sagte, sie würde ihm eines Tages Schmerzen bere­it­en.

Er hat­te keine Ahnung, worauf er sich ein­lassen würde.

Einen Großteil seines Lebens seit Ende sein­er Jugend, die auch alles andere als glo­r­re­ich ver­laufen war, hat­te er damit ver­bracht, sich selb­st zu ent­deck­en. Immer wieder war er gescheit­ert und let­zten Endes wieder und wieder zer­brochen an dem, was er für Halt hielt. Die falschen Frauen, die falschen Fre­unde, die falschen Gele­gen­heit­en ließen ihn kurz auf­flam­men und blieben doch nicht mehr als ein Funke. Eine Beglei­t­erin früher­er Jahre hat­te ein­mal zu ihm gesagt, es sei erschreck­end, wie ver­bit­tert er sei, und tat­säch­lich fühlte er sich ein­er Exis­tenz als grantel­nder Greis näher als der Jugend, die für ihn nur mehr wie eine verblassende Erin­nerung schien.

Für sie, das wusste er, musste er mehr sein als das; nein, er wollte es. In den weni­gen Wochen, die seit ihrem ersten Aufeinan­dertr­e­f­fen ver­gan­gen waren, hat­te sie fast jeden sein­er Fehler erkan­nt, aufgezeigt und zu sein­er Behe­bung beige­tra­gen. Sie kon­nte ihm etwas geben, was ihm seit einem Jahrzehnt gefehlt hat­te; sie kon­nte ihn auf­bauen und ihm den Weg zeigen, den er so lange gesucht hat­te. Dass auch sie nicht frei von Makeln war, war ihm egal. Wer, dachte er, wolle schon per­fekt und ohne Kan­ten sein?

Die angekündigten Schmerzen ließen auf sich warten. Ihr Lächeln begleit­ete ihn bis in seine Träume, die Tage, die zwis­chen ihnen lagen, fühlten sich zäh an wie ein gekauter Kau­gum­mi. Längst waren es mehr als nur die gemein­samen Inter­essen, die sie ver­ban­den, obwohl er nur schw­er leug­nen kon­nte, dass diese plöt­zlich einen spür­bar größeren Raum in seinem Leben ein­nah­men als es bis dahin der Fall war.

Als er sie zum ersten Mal ver­ab­schiedet hat­te und fragte, wann er sie wieder­se­hen würde, antwortete sie auswe­ichend. Dessen ungeachtet musste er nicht auf die näch­ste Ver­samm­lung der Inter­essens­ge­mein­schaft warten, die sie bei­de let­ztlich zusam­men­find­en ließ. Sie tauscht­en noch am gle­ichen Woch­enende Kon­tak­t­dat­en aus, und es ergab sich, dass er ein­er pri­vat­en Feier bei­wohnen sollte, an der auch sie teil­nahm. Der Abend ver­lief über­raschend, und obwohl kein­er von ihnen das, was mit ihnen geschah, mit Worten in Gänze zu erfassen ver­mochte, genoss er es, sich fall­en lassen zu kön­nen. So wenig sie bei­de auch zu Liebe bere­it waren, so sehr ver­sucht­en sie doch, einan­der zu hal­ten.

Aber obwohl sie sich in den Wochen danach immer wieder sahen, sei es auf größeren Ver­samm­lun­gen, sei es im kleinen Kreis, ging ihm doch ihre War­nung vor ihr nicht aus dem Kopf.

Dass der große Knall irgend­wann kom­men würde, erschien ihm immer unwahrschein­lich­er, je länger sein Weg ihn an ihrem Haus vor­bei führte. Sie hätte es längst tun kön­nen. Sie hätte ihn in den Graben stoßen und dort vergessen kön­nen, wie es all die Frauen vor ihr irgend­wann getan hat­ten. Aber sie war anders. Sie war bess­er in allem, was sie tat und wie sie war. Sie gab ihm zu ver­ste­hen, dass das, was er war, dem, was sie wollte, recht nahe kam; und obwohl es immer wieder Momente gab, in denen er den Weg ver­ließ und sich in den Brennnes­seln am Weges­rand verf­ing, störte sie sich nicht an den Quad­deln, die er davon­trug.

Er hätte ihre War­nung nicht ver­drän­gen sollen. …


“But you did­n’t have to cut me off,
make out like it nev­er hap­pened
and that we were noth­ing.”
– Gotye: Some­body I used to know

In den NachrichtenMontagsmusik
Wise Guys — Deutsche Bahn

Und dann sitzt man nach einem Woch­enende voller inter­es­san­ter Begeben­heit­en im Zug nach Hause und die Bahn sagt, nö, guter Mann, lieber lassen wir unsere Lok bren­nen als Sie pünk­tlich nach Hause zu brin­gen.

Natür­lich ist Bet­ti­na Wulff schuld, denn das Geld, das sie dafür bekommt, kein Flittchen zu sein, fehlt nun eben der Bahn, um ihre Züge instand zu hal­ten.

Wise Guys — Deutsche Bahn

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXIX: Kinderquatsch mit Barack

Lustig: Barack Oba­ma hat wieder was gesagt.

Natür­lich über­höht er seine eigene Bedeu­tung wie üblich, indem er die US-Amerikan­er als Ange­hörige der “größten Nation auf der Erde” beze­ich­nete. Hof­fentlich haben keine Chi­ne­sen zuge­hört. Als Ergänzung zu seinem Bob-der-Baumeis­ter-Duk­tus (“jau, wir schaf­fen das”) hat sich der gute Herr Präsi­dent jeden­falls offen­bar nun auch Xavier-Naidoo-“Lieder” (“Dieser Weg”) reinge­zo­gen:

Ich will nicht so tun, als ob der Weg, den ich anbi­ete, schnell oder leicht ist.

Seine Her­aus­forder­er täten gut daran, es ihm gle­ichzu­tun. Wür­den sie zum Beispiel Sponge­Bob Schwammkopf sehen und deutschen Aggro­rap hören, wäre das eine Kom­bi­na­tion, der selb­st ich als an US-amerikanis­ch­er Innen­poli­tik qua­si gän­zlich desin­ter­essiert­er Men­sch meine volle Aufmerk­samkeit wid­mete.

“Ich will nicht so tun, als ob dies hier die Krosse Krabbe ist, bitch, aber ich bin bere­it!”

Wäre ich US-Amerikan­er, meine Stimme hätte er.

(teil­weise via @schlenzalot)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gerecht — bigott — grün

Das Han­dels­blatt so:

Einen ökol­o­gis­chen Umbau der Wirtschaft haben die Grü­nen-Frak­tion­schefs Renate Künast und Jür­gen Trit­tin zum Auf­takt der Klausurta­gung der Bun­destagsab­ge­ord­neten am Mittwoch in Han­nover ver­langt. Die dre­itägi­gen Beratun­gen ste­hen unter dem Mot­to „gerecht — glaub­würdig — grün“. (…) Trit­tin warf in der „Han­nover­schen All­ge­meinen Zeitung“ Umwelt­min­is­ter Peter Alt­maier (CDU) wegen seines Konzepts ein­er „green econ­o­my“ Etiket­ten­schwindel vor.

(Her­vorhe­bun­gen von mir.)

Wisst ihr übri­gens, wer son­st noch so Etiket­ten­schwindel betreibt? Kommt ihr NIE drauf!

Links präsen­tieren Künast und Trit­tin ein Energies­pa­rauto — rechts um die Ecke warten die Fahrer vor den Dienst­wa­gen.

Das sind sich­er die neuen Energies­par-Lim­ou­si­nen, von denen man so viel hört.

Netzfundstücke
Für die Katz.

Und dann war da noch “Felix Schmitt” aus Kaiser­slautern, der unter ver­schiede­nen Inter­ne­tadressen Ama­zon-Part­ner­lä­den (also Weit­er­leitun­gen auf Ama­zon mit ange­hängter Part­nerken­nung) betreibt. Das ist so weit nicht ver­w­er­flich, zumal ein aus­re­ichen­der Hin­weis hier­auf auf jed­er sein­er Inter­net­seit­en erscheint:

GEWISSE INHALTE, DIE AUF DIESER WEBSITE ERSCHEINEN, STAMMEN VON AMAZON EU SARL.

(“Gewisse Inhalte” finde ich putzig.)

Dass jed­er dieser onli­neshops einen mehr oder weniger the­men­be­zo­ge­nen Namen trägt (rasurenthaarung.com, uhren-schmuck-laden.de und der­gle­ichen), ist schön. Undurch­dacht ist allen­falls die tat­säch­liche Pro­duk­tauswahl. Ich bin zum Beispiel davon überzeugt, dass der Kopfhör­er Bey­er­dy­nam­ic DT-770 PRO kein Scherkopf ist oder eine Katze ihn tra­gen sollte.

Ander­er­seits weckt Ange­botsvielfalt ja auch so etwas wie Ver­trauen, nicht wahr?

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: Skandal: Unternehmen unterschiedlich groß!

Und da wir ger­ade bei unter­drück­ten Min­der­heit­en waren, wird auf SPIEGEL ONLINE diese Woche wieder Gen­derkäse serviert:

EU-Jus­tizkom­mis­sarin Viviane Red­ing dringt auf eine Frauen­quote von 40 Prozent in den Auf­sicht­sräten börsen­notiert­er Konz­erne. (…) Män­ner haben im Schnitt 33, Frauen nur 20 Mitar­beit­er unter sich.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Frauen- und Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragten (Män­ner sind bekan­ntlich stets selb­st schuld) eine Ver­größerung von Unternehmen fordern, in deren Vor­stand sich Frauen befind­en. Immer­hin kön­nen Frauen nichts dafür, dass die Unternehmen so klein sind. Chau­vin­is­tis­che Machoschweine: Hal­ten das Unternehmen absichtlich klein, um Frauen den Erfolg zu ver­wehren!

Dabei sind Frauen allein schon wegen ihres Geschlechts deut­lich bess­er qual­i­fiziert:

Frauen haben zwar weniger Beruf­ser­fahrung — das aber vor allem deshalb, weil sie jünger in Führungspo­si­tio­nen aufrück­en.

Da wer­den also Men­schen mit weniger Beruf­ser­fahrung schneller befördert als diejeni­gen des anderen Geschlechts mit wom­öglich mehr Beruf­ser­fahrung. Klar­er Fall von Unter­drück­ung.

Trotz­dem sind die Erfol­gs­frauen von heute sich immer noch ihrer natür­lichen Rolle in der Gesellschaft bewusst, weiß Elke Holst, “Exper­tin” im Deutschen Insti­tut für Wirtschafts­forschung:

Führungspo­si­tio­nen seien meist mit über­lan­gen Arbeit­szeit­en ver­bun­den, die mit Haus- und Fam­i­lien­ar­beit schw­er in Ein­klang zu brin­gen seien.

Gle­ichzeit­ig putzen, kochen und ein Unternehmen leit­en geht halt nicht. Danke, Frau Holst, für diese Erken­nt­nis.

“Ich werde reich und berühmt, wenn ich ein Gerät erfinde, das es ermöglicht, Leute über das Inter­net ins Gesicht zu stechen.”
– Anony­mus “Hat­fulOfHol­low” im IRC

In den Nachrichten
Und jetzt alle aus Solidarität mit Einarmigen einen Arm abhacken!

(Vorbe­merkung: Dies ist nur teil­weise Medi­enkri­tik, weshalb ich es nicht drüber­schreibe. Abwech­slung muss ja auch mal sein.)

Die momen­ta­nen Geschehnisse rund um das Juden­tum machen es uns Nichtju­den nicht leicht, Posi­tion zu beziehen; wenn eben Mus­lime in Berlin einen Juden ver­prügeln, weil er Jude ist, darf man es sich sozusagen aus­suchen, ob man laten­ter Anti­semit ist, indem man sich her­aushält, oder laten­ter Ras­sist, indem man sich ein­mis­cht und so die beteiligten Mus­lime in der freien Ausübung ihrer Prügelkul­tur behin­dert.

Die Lösung, so schlägt die Autorin Melody Sucharewicz auf WELT ONLINE vor, lautet, dass for­t­an alle Nichtju­den sich sol­i­darisch als Juden tar­nen:

Anstatt, dass die Juden nach diesem Angriff ihre Kip­pa ver­steck­en, soll­ten die Nichtju­den in Berlin mit Kip­pa auf die Straße gehen und damit zeigen, was sie von Hass und Extrem­is­mus hal­ten.

Ken­ner erin­nern sich an dieser Stelle vielle­icht an die South-Park-Episode Schön­er wär ’ne Warze, deren Pointe darin beste­ht, dass alle Ein­wohn­er des fik­tiv­en Dor­fes South Park sich aus Sol­i­dar­ität mit der Kranken­schwest­er, der ihr siame­sis­ch­er, tot geboren­er Zwill­ing am Kopf fest­gewach­sen ist, einen eben­solchen Fötus dor­thin kleben und sie so unbe­ab­sichtigt stig­ma­tisieren.

Eine Reli­gion ist nor­maler­weise zwar eine ziem­lich bescheuerte Sache, aber nicht aus­re­ichend bescheuert, um als Behin­derung gew­ertet wer­den zu dür­fen, obwohl einige Gläu­bige darauf hinar­beit­en, dass sich dieser Zus­tand als­bald ändern möge. In Verbindung mit der South-Park-Analo­gie zeigt das das Prob­lem auf: Frau Sucharewicz fordert, dass ihre Reli­gion ihre Exk­lu­siv­ität frei­willig aufgibt. Heute sind wir alle Juden.

Wir zeigen unsere Sol­i­dar­ität mit diskri­m­inierungs­ge­fährde­ten Grup­pen von Min­der­heit­en, indem wir so tun, als seien wir selb­st Mit­glieder dieser Grup­pen? Ja, das wird den mus­lim­is­chen Anti­semitismus aufhal­ten, wenn er kon­fron­tiert wird mit einem Staat voller Juden, zum Beispiel Israel. (In manchen mus­lim­is­chen “Kul­turen” ist es übri­gens Brauch, Leuten, die ver­suchen, einzelne Regio­nen oder gar einen ganzen Staat nicht­mus­lim­isch zu mis­sion­ieren, die Rübe abzuhack­en. Für Mis­sion­ierung und Pro­pa­gan­da hat­te der Springer-Ver­lag ander­er­seits schon immer ein offenes Ohr.)

Vielle­icht ist diese Lösung auch auf andere Bere­iche des täglichen Lebens auszuweit­en. Um der Forderung nach ein­er Frauen­quote Nach­druck zu ver­lei­hen, soll­ten alle deutschen Nicht­frauen kün­ftig in Frauen­klei­dern im Büro oder am Fließband erscheinen — ein­fach das Shirt ausstopfen (oder, je nach Frau, auch nicht) und es kann los­ge­hen; ander­er­seits auch nach hin­ten: Wenn annäh­ernd 100 Prozent der Beschäftigten vorgeben, weib­lich zu sein, ist das mit der Quote ja sozusagen erledigt. (Vor­bildlich geht aus­nahm­sweise der NDR vor: NDR führt Män­nerquote ein.)

Ich bevorzuge eine andere Lösung: Wir denken ein­fach mal nach, bevor wir Unsinn schreiben. Ich fange an, wer macht mit?

(Und in einem anson­sten deutschsprachi­gen Satz nur der hüb­schen Allit­er­a­tion wegen “What went wrong” anstelle “Was ging schief” lesen zu müssen bere­it­et mir ern­sthafte kör­per­liche Beschw­er­den, Frau Sucharewicz. Die Arztrech­nung ist unter­wegs.)