SonstigesNerdkrams
Medienkritik in Kürze: Die F.A.Z. und das Urvieh

In der heuti­gen Aus­gabe der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung wird mal wieder in jour­nal­is­tisch neu­tralem Duk­tus über eine Ver­steigerung eines Exem­plars des “einzi­gar­ti­gen” (F.A.Z.) Com­put­ers “Apple I” von 1976 berichtet. Dieses “Urvieh” (ebd.) stach fol­gen­der­maßen aus der Masse der Heim­com­put­er her­vor:

Apple war einzi­gar­tig, man kon­nte es sehen, fühlen, riechen. Es galt, anders zu sein als die Masse, die ein schnödes Win­dows-PC-Leben führte.

Im Jahr 1976, wir erin­nern uns, war die Fir­ma Microsoft unge­fähr ein Jahr alt. Das dom­i­nante Betrieb­ssys­tem im uni­ver­sitären Umfeld wurde allmäh­lich das noch junge Unix, pri­vat waren Com­put­er aus Preis- und vor allem Zweck­grün­den so gut wie gar nicht vertreten. Die ersten 8‑bit-Spielkon­solen, etwa der/die/das Atari 2600, began­nen an Beliebtheit zu gewin­nen, jedoch lief auf ihnen kein Win­dows. Dies hat­te unter anderem zeitliche Gründe: Microsoft Win­dows 1.0 wurde erst im Novem­ber 1983 vorgestellt.

Dass Apple-Com­put­er sich aber irgend­wann von der Masse nicht mehr tech­nisch, son­dern nur noch ideell abhoben, ist aber eine wichtige Erken­nt­nis. Selb­st heise hat es erkan­nt und testet in “Mac & i” nicht mehr, son­dern befühlt nur noch. Ich möchte übri­gens nicht, dass man die Ander­sar­tigkeit der von mir ver­wen­de­ten Geräte erriechen kann, und ich würde auch niemals ein Gerät kaufen, weil es sich bess­er anfühlt. Damit falle ich wohl nicht mehr in die Ziel­gruppe.

Aber irgend­wie muss man so eine Spalte in der F.A.Z. ja voll­bekom­men.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt CXXIV: Einfach mal runterkommen.

Das lasse ich mal weit­ge­hend unkom­men­tiert so ste­hen:

Wir Men­schen sind keine kör­per­losen Daten­sätze, son­dern begren­zte Wesen aus Fleisch und Blut. Wir wer­den müde, kriegen Hunger, haben Migräne, müssen Scheißen. Klar kann ich das Handy auch noch mit aufs Klo nehmen und dort weit­er E‑Mails lesen (ich per­sön­lich mache das übri­gens). Aber ich sollte mir doch nicht ein­bilden, dass ich dadurch mehr geschafft kriegen würde. Ob ich das Handy mit aufs Klo nehme oder den ganzen Tag in der Ecke liegen lasse, macht let­ztlich keinen Unter­schied in Bezug auf all das, was ich ver­passe oder nicht tue. Begren­zt gegen Unendlich ist eine ein­fache logis­che Gle­ichung.

Wahr, so wahr.

KaufbefehleMusikkritik
Guilty Ghosts — Trespasser EP

Mich erre­ichte heute über­raschend eine E‑Mail von “Guilty Ghosts”.

Guilty Ghosts ken­nwa, ich hat­te den Her­rn O’Donnell bere­its 2011 erwäh­nt:

Drone-Gitar­ren, Break­beats und Tape-Loops. Ambi­ent, Drone und Elec­tron­i­ca. Unbes­timmt und dif­fus. Gitar­ren­musik. Elek­tro­n­is­che Musik.

Dem Album “Veils” nun fol­gte der/die/das EP “Tres­pass­er” (“Unbefugter”) von 19 Minuten Länge, aufgeteilt auf sieben Stücke. Das Cover­bild des Albums (hier oben rechts zu sehen) stammt aus Mar­tin Scors­eses Film “Die let­zte Ver­suchung Christi”, woraus meinere­in­er inter­pretier­freudig irgend­was mit Störung durch Reli­gion ableit­et und also bess­er schweigt, bevor sich ein wüten­der Pöbel ver­sam­melt, um mich zu schän­den oder so.

Zu hören ist bekan­nter Stil, ambi­en­ter Postrock mit Gänse­haut­ef­fekt. Musik wie Meeres­rauschen unter blauem Him­mel. Gesang gibt es dies­mal nicht, aber das macht eigentlich auch nichts. Der Herb­st kann kom­men.

Wer etwas gegen Katzen in Säck­en hat, der kann “Tres­pass­er” auf Bandcamp.com voll­ständig hören und herun­ter­laden, let­zteres auch per eMule. Die CD (auf 100 Stück begren­zte Auflage) möge man anschließend kaufen und mir sehr dankbar sein. Gern geschehen.

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Wolfgang Kubicki, F.D.P.

Dieser Artikel ist Teil 5 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Wolf­gang Kubic­ki gehört zu ein­er Min­der­heit in Deutsch­land, er ist zurzeit der Vor­sitzende der F.D.P.-Fraktion im schleswig-hol­steinis­chen Land­tag. Dass die F.D.P. bis­lang noch keine Son­der­be­hand­lung ver­langt hat­te (etwa eine F.D.P.-Mitgliedsquote in deutschen Vorstän­den, wie es auch die Frauen und seit ein­er Weile die Migranten mit wach­sen­dem Erfolg gefordert bekom­men), hat mich ja schon über­rascht, immer­hin gehören ihre Mit­glieder wie kaum eine andere auf die Liste der vom Ausster­ben bedro­ht­en Arten.

Die Gele­gen­heit, so befand Wolf­gang Kubic­ki anscheinend, war nun gün­stig für ein let­ztes, verzweifeltes Auf­bäu­men, und so ließ er das “Han­dels­blatt” wis­sen:

Statt mit den Weltverbesserungsplä­nen der Grü­nen zu har­monieren, sollte Peer Stein­brück die prag­ma­tis­che Lösung wählen und mit den Lib­eralen pak­tieren — denn die sind ihm näher als er zugeben möchte.

Ja, die F.D.P. ist Peer Stein­brück näher als er zugeben möchte, gemein­sam näm­lich sind sie nahe an der Bedeu­tungs- wie Pro­fil­losigkeit. Wodurch sich Peer Stein­brück her­vor­tut?

Er han­delt ergeb­nisori­en­tiert, ist ein Fre­und klar­er Worte und hat einen fast britis­chen Humor, der bis an die Belei­di­gungs­gren­ze geht — was auf einen inter­es­san­ten Wahlkampf hof­fen lässt.

Peer Stein­brück belei­digt gern fast Leute und ist damit der F.D.P. nahe. Ach so. Überdies zeichne ihn noch mehr aus, pos­tuliert Wolf­gang Kubic­ki munter weit­er:

Peer Stein­brück (…) hat (…) einen deut­lichen Kom­pe­ten­zvorteil gegenüber allen anderen aus der SPD.

Unter den Blind­en, so lautet ein Sprich­wort, ist der Einäugige der König; unter Mit­gliedern der SPD muss es eben der Stein­brück sein. Falls sich übri­gens jemand nicht an Peer Stein­brück erin­nert: Ab Novem­ber 2005 war er Bun­des­fi­nanzmin­is­ter im ersten Kabi­nett Merkel und hat während sein­er Amt­szeit nicht nur den Big Broth­er Award 2007 in der Kat­e­gorie Poli­tik für die Ein­führung der lebenslan­gen Steueri­den­ti­fika­tion­snum­mer erhal­ten, son­dern unter anderem kurz nach Beginn der Krise geäußert, das deutsche Banken­sys­tem sei “rel­a­tiv robust”, was zwar sehr beruhi­gend klang, blöder­weise den Banken aber einiger­maßen schnuppe war. Und alle anderen aus der SPD sind noch schlechter?

Was Wolf­gang Kubic­ki aber nicht nur überse­hen, son­dern schlicht vergessen zu haben scheint, ist:
Um über­haupt als Koali­tion­spart­ner für die SPD in Frage zu kom­men, sind zunächst ein­mal 5 Prozent der Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen.

Mein Tipp: Wird nix.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: “Such das Buch”: Wie eine Zeitung versucht, die Existenz von Druckwerken zu bewahren.

Wer sich anstelle der Musikin­dus­trie ja eigentlich mal über das Inter­net (wusstet ihr übri­gens schon, dass der Trend vorüber ist?) aufre­gen kön­nte, sind die Ver­lage. Die Woch­enen­daus­gabe der gedruck­ten “Frank­furter All­ge­meinen Zeitung” find­et das auch und trägt unter der Über­schrift “Such das Buch” daher mal etwas dazu bei:

In Buch­lä­den gibt es jet­zt Badekon­fet­ti, Haar­bürsten, Fig­uren aus Lego und Besteck­sets — nur Büch­er gibt es immer weniger.

Das liege daran, dass große Buch­han­dels­ket­ten den Plan gefasst hat­ten, bis zu dreißig Prozent ihres Sor­ti­ments mit soge­nan­nten Non-Books bestück­en zu wollen; Nicht­büch­ern also, die man so nen­nt, weil es keine Büch­er sind. “Soge­nan­nte Non-Books” finde ich aber noch ein biss­chen schön­er, weil es neben­bei den Sprachver­fall kri­tisiert, wofür ich den unbekan­nten F.A.Z.-Autor an dieser Stelle ein­mal her­zlichst virtuell drück­en möchte.

Nun lese ich öfter Zeitschriften und sog­ar Tageszeitun­gen als Büch­er, weil mir dann Zeit für wichtigere Dinge (zum Beispiel Musik) fehlen würde. Das lässt mich allerd­ings nicht die offen­sichtlichen Par­al­le­len zwis­chen Musik­dateien und elek­tro­n­is­chen “Büch­ern” überse­hen. (Siehe hierzu meine im Mai 2011 geäußerte Kri­tik an let­zteren.) Tat­säch­lich haben Büch­er viele Eigen­schaften, die kein “E‑Book” jemals haben wird. Abge­se­hen von dem Gefühl und dem Geruch beim Lesen eines papier­nen Buch­es sieht es auch im Bücher­re­gal bess­er aus als eine SD-Karte oder ein USB-Stick — ganz gle­ich, wie viel Platz diese eins­paren wür­den. Ein elek­tro­n­is­ches “Buch” fühlt sich falsch an.

Dies hätte man natür­lich erwäh­nen kön­nen. Hat man aber nicht. Stattdessen:

Mit [dem] Erfolg [von E‑Book-Autoren] kam auch der Wun­sch nach Anerken­nung im alten Sys­tem — ganz so, als hätte das Buch noch immer Eigen­schaften, auf die nie­mand verzicht­en will: als Autorität, als eine (sic!) Medi­um der Ver­tiefung, als ein rev­o­lu­tionär­er Akt.

Ja, die hat es; und ich bedau­re den unbekan­nten Autor dafür, dass er sie nicht erken­nt oder zu benen­nen ver­mag.

Ich würde übri­gens niemals mein Besteck bei Thalia kaufen. Ihr etwa?

Netzfundstücke
“Wahnsinn, diese Begierde”

Den Nachricht­e­nag­gre­ga­tor Yones nutze ich, seit netzwertig.com im August darüber berichtet hat, als eine weit­ere Quelle für die tägliche Dosis wom­öglich rel­e­van­ter Nachricht­en.

Heute scheinen die Mach­er mit der Darstel­lung von Vorschaubildern (teasern) zu exper­i­men­tieren. Lei­der ging da etwas schief, so dass einige Artikel mit dem Bild des darüber liegen­den Artikels angezeigt wer­den. Oder doch nicht?

Alp­träume, Satans­vi­sio­nen, abgeschla­gene Köpfe: Die Ausstel­lung “Schwarze Roman­tik” schickt ihre Besuch­er auf eine Zeitreise in die Zwielicht­zone.

Kön­nt’ natür­lich passen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt CXXIII: “Es ist ein Stein!”

Falls sich noch jemand fragt, ob die unge­fähr 2 Mil­liar­den US-Dol­lar, die die “Curiosity”-Marsmission bis­lang so gekostet hat, sin­nvoll investiert sind: Ja.

Der Nasa-Rover Curios­i­ty hat erst­mals einen Stein auf dem Mars unter­sucht.

Und nicht nur das:

Nach­dem der Robot­er die Unter­suchun­gen an dem Stein abgeschlossen habe, sei er noch am gle­ichen Tag rund 42 Meter gefahren, teilte die Nasa mit.

Lesen Sie mor­gen — oder bei der momen­ta­nen Entwick­lungs­geschwindigkeit früh­estens näch­ste Woche — im Han­dels­blatt:

Rev­o­lu­tionäre Ent­deck­ung: Es ist ein Stein!


In weit­eren Nachricht­en: Wer wie Draghi für den Euro kämpft, kämpft für deutsche Inter­essen und deutsche Arbeit­splätze. Ich nehme an, Peter Bofin­ger find­et das gut.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CXXII: “Diese Anzeige ist keine Werbung.”

Die Ubun­tu-Mach­er haben da mal wieder eine ganz, ganz tolle Idee gehabt, mit der Microsoft unter Win­dows 98 (Stich­wort Active Chan­nel) schon keinen dauer­haften Erfolg hat­te:

[Die] Shop­ping-Linse ergänzt die Home-Seite des Dash, auf der man bis­lang in einem Rutsch nach Anwen­dun­gen, Dateien, Musik und Fil­men suchen kann, um die Ergeb­nisse ein­er Suche bei Ama­zon. So liefert beispiel­sweise die Suche nach Libre­Of­fice im Dash nicht nur die Libre­Of­fice-Anwen­dun­gen, son­dern auch Links auf Libre­Of­fice-Büch­er zurück[.]

Anders gesagt: Möchte man nun die ach so tolle Such­funk­tion von Uni­ty — der scheußlich­sten Arbeit­sumge­bung für X, die mir je im wirk­lichen Leben begeg­net ist, und ich habe schon vieles gese­hen — nutzen, so wer­den nicht nur die (vielle­icht) gesucht­en Dateien angezeigt, son­dern auch diverse mehr oder weniger “passende” Ergeb­nisse von Ama­zon. Das Ziel ist es natür­lich, Ubun­tu zu mon­e­tarisieren, denn bekan­ntlich gibt’s bei Ama­zon Pro­vi­sion abzus­tauben. Bei ein paar Mil­lio­nen ent­mündigten Ubun­tu-Nutzern — Mark Shut­tle­worth weiß schon, was gut für sie ist — kom­men da schnell ein paar Euro zusam­men.

Und die Nutzer sollen sich mal nicht so anstellen:

Es wür­den wed­er per­sön­liche Dat­en des Users an Ama­zon über­mit­telt noch irgendwelche Anzeigen angezeigt – man erhalte lediglich die Ergeb­nisse ein­er Ama­zon-Suche nach dem Begriff, der im Dash eingegeben wurde.

Was da angezeigt wird, sind näm­lich keine Anzeigen, son­dern Ama­zon-Ergeb­nisse, die per Klick und/oder wahrschein­lich Auswahl zum kom­merziellen Anbi­eter Ama­zon führen, wofür Ama­zon ange­blich immer­hin bezahlt hat. Das sind also keine Anzeigen, son­dern Wer­be­flächen. Das ist ein him­mel­weit­er Unter­schied! (Ein­mal ganz davon abge­se­hen, dass das Herun­ter­laden von Ama­zon-Ergeb­nis­sen während ein­er lokalen Suche bei Mobil­be­trieb eher hin­der­lich ist.)

Immer­hin kann man die Zwangs­beglück­ung auf Wun­sch nachträglich wieder loswer­den. Man kön­nte aber auch ein­fach ein besseres Betrieb­ssys­tem nutzen.

(via Nachtwächter)

WirtschaftIn den Nachrichten
Herrn Bofinger steht die Angstschweiz auf der Stirn

WELT Online (ich weigere mich, den neuen, bek­loppten Marken­na­men “DIE WELT” anzuerken­nen) hat sich ein Buch von Peter Bofin­ger, Ökonom und Wirtschaftsweis­er und somit also Fachid­iot, aus­ge­borgt. Dieser find­et, wie für WELT Online üblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt pri­ma.

Das schreibt Herr Bofin­ger natür­lich nicht ein­fach so, son­dern er hat einen ganz konkreten Anlass, den WELT Online immer­hin zu ken­nen glaubt:

Die Deutschen zweifeln zunehmend an den Vorteilen der Europäis­chen Union. Zwei von drei Deutschen wün­schen sich sog­ar die D‑Mark zurück.

Dass die europäis­che Wirtschafts- und Währung­sunion (EWWU) zwar ein Teil der, aber nicht iden­tisch mit der Europäis­chen Union (EU) ist, ist ein kleines Detail, das hier nicht weit­er von Bedeu­tung sein, aber mal erwäh­nt wor­den sein soll. Auch dass die Zweifel an der Europäis­chen Union zunehmen und nicht etwa seit Jahren auf hohem Niveau stag­nieren, halte ich nicht für eine unum­stößliche Wahrheit. Herr Bofin­ger aber hat da irgend­wo “D‑Mark” gele­sen, und als seine Schnap­pat­mung nachge­lassen hat­te, hat er ein Buch geschrieben. Ärg­er­lich, erst Frau Schramm, dann Frau Wulff, jet­zt auch noch er; in ein­er Rei­he mit Klas­sik­ern wie der Auto­bi­ografie von Justin Biebers Mut­ter zu nen­nen sind zumin­d­est zwei besagter Büch­er bere­its jet­zt.

Und aber jeden­falls: Die D‑Mark. Nein: Sog­ar die D‑Mark! (Dass das Aus­rufeze­ichen im Text fehlt, ist sich­er nur ein Flüchtigkeits­fehler.) Das waren wirk­lich dun­kle Zeit­en für dieses Land: Alles kostete unge­fähr die Hälfte (dank Infla­tion inzwis­chen noch weitaus weniger). Das waren untrag­bare Zustände, und wir soll­ten alle froh sein, dass sie geän­dert wur­den von denen, die nur das Beste für uns wollen.

Natür­lich gibt es europäis­che Län­der, die auch in der Euro-Zeit eine eigene Währung besitzen und ziem­lich erfol­gre­ich mit ihr han­deln, etwa die Schweiz, die seit Jahren den Glob­al Com­pet­i­tive­ness Index, also die Ran­gliste der wet­tbe­werb­s­fähig­sten Staat­en, anführt. “Schweiz” scheint auch so ein Reiz­wort für Her­rn Bofin­ger zu sein, denn er beeilt sich zu ver­sich­ern, dass es der Schweiz mit 3,4 Prozent Arbeit­slosigkeit, dem weltweit vier­höch­sten Brut­toin­land­spro­dukt pro Kopf (Deutsch­land ist auf dem 20. Rang) sowie ein­er sta­bilen Währung, die sich nur ungern an irgendwelchen Krisen ori­en­tiert, eigentlich gar nicht gut geht:

Ohne größere Mark­te­in­griffe hielt sich der Schweiz­er Franken über Jahre hin­weg recht sta­bil bei rund 1,50 Franken je Euro.

Das hat sich mit dem Aus­bruch der Griechen­land-Krise im Früh­jahr 2010 grundle­gend geän­dert. Inner­halb von 15 Monat­en wertete sich der Schweiz­er Franken so stark auf, dass er im August 2011 die Par­ität zum Euro zu erre­ichen dro­hte.

Nach län­gerem Zögern zog die Schweiz­erische Nation­al­bank am 6. Sep­tem­ber 2011 die Not­bremse und kündigte eine Kur­sun­ter­gren­ze von 1,20 Franken pro Euro an. Sei­ther bewegt sich der Kurs knapp ober­halb dieses Ziel­w­ertes. Die Inter­ven­tion war im Prinzip erfol­gre­ich, aber der Schweiz ist damit nicht wirk­lich geholfen.

Die Währung der Schweiz ist so stark, dass sie seit­ens der Nation­al­bank zwangsweise gezähmt (und somit geschwächt) wer­den muss. Damit ist der Schweiz “nicht geholfen”? Glück­wun­sch zu dieser Erken­nt­nis dem Wirtschaftsweisen und etwas Mit­ge­fühl für die Schweiz bitte!

Was aber, wenn die War­nun­gen der “renom­mierten Ökonomen” (Peter Bofin­ger über Peter Bofin­ger) in den Wind geschla­gen wer­den? An der D‑Mark hät­ten die Deutschen sicher­lich keine Freude!

Die wiedereinge­führte D‑Mark würde (…) über Jahre hin­weg sehr kräftig aufgew­ertet. Da dies die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit unser­er Exportwirtschaft gravierend beein­trächti­gen würde, träten als­bald renom­mierte Ökonomen auf den Plan, die mas­sive Lohnkürzun­gen forderten.

Zwei wirk­lich total schreck­liche Vorstel­lun­gen tre­f­fen hier aufeinan­der:

  1. Eine eigene Währung würde einge­führt, die auf­grund von Mark­t­ten­den­zen zunächst immer stärk­er würde. Eine schauder­hafte Vorstel­lung: Ein Land, dessen Bürg­er von ihrem Gehalt prob­lem­los leben und sich sog­ar mal etwas kaufen kön­nen! Die Folge: Der Wert von Waren würde sinken, wenn die Kaufkraft stiege. Eine Aufw­er­tung der Währung würde also automa­tisch den Han­del abw­erten; das heißt, diejeni­gen, die sich bish­er exk­lu­siv Luxu­s­lim­ou­si­nen und Villen leis­ten kon­nten, müssten ihre Man­ager­boni mit dem gemeinen Pöbel teilen. Und wer teilt schon gern?
  2. Renom­mierte Ökonomen (das sind die, die nicht gern teilen möcht­en) wür­den als­bald protestieren, dass der gemeine Pöbel doch bitte wieder weniger Geld für seine Arbeit bekom­men soll, damit sie jeman­den haben, den sie als Beispiel her­an­nehmen kön­nen, um die Auswirkun­gen der Krise zu versinnbildlichen.

Die Leute kön­nten sich im Inland also mehr kaufen, wodurch weniger für den Export übrig­bliebe. Das wäre unerträglich! — Ich habe irgend­wann ein­mal gel­ernt, die wichtig­ste Auf­gabe des Staates sei es, für das Woh­lerge­hen sein­er Bürg­er (der­er im Inland) zu sor­gen. Das war allerd­ings vor der Krise. Mir scheint, ich sollte mein Staatsver­ständ­nis an das des Her­rn Bofin­ger anpassen.

Denn wie Wirtschaft funk­tion­iert, das hat er schon ganz gut ver­standen:

Wie in Japan wäre außer­dem zu befürcht­en, dass auf jede Lohnzurück­hal­tung eine neue Aufw­er­tungswelle fol­gt.

Je weniger Geld da ist, desto mehr ist das Geld wert. Wie lange muss man studieren, bis man für solche Erken­nt­nisse einen Buchver­trag bekommt? — Ander­er­seits, mit Blick auf Julia Schramm, … — aber ich schweife ab. Wahrschein­lich sehe ich das ger­ade nur aus der eng­stirni­gen Sicht eines Mit­glieds des dum­men Pöbels, der für sein Geld mehr oder weniger hart arbeit­en muss, aber ich wäre per­sön­lich dur­chaus bere­it, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass das Geld, das ich besitze, dazu tauglich ist, mir davon Sachen zu kaufen. Es muss ja nicht gle­ich eine Vil­la sein.

Aber damit wäre der Schweiz wohl auch nicht geholfen.

(mit Dank an L.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXII: Dtn 5,17–21

Nicht nur Apple erzählt ger­ade lustige Witze (irgend­was mit Inno­va­tion oder so), über die wir Android-Nutzer nur müde lächeln kön­nen, auch Horst See­hofer versucht’s mit ein­er Satire:

Der CSU-Chef fügte hinzu, er selb­st wolle als Christ auch nicht in seinem Glauben “ver­let­zt wer­den”. Es gebe bes­timmte Bere­iche, die eine frei­heitliche Gesellschaft acht­en sollte.

Als Christ ste­hen die Zehn Gebote natür­lich ganz oben im per­sön­lichen Wertekanon. Gottes­lästerung ist in römisch-katholis­ch­er Zählweise ein Ver­stoß gegen das 2., Ehe­bruch ein­er gegen das 6. Gebot. Es gibt bes­timmte Bere­iche, die ein Christ acht­en sollte.

Oder eben ein­fach mal die Klappe hal­ten.

Nerdkrams
Windowsanwendungen abschotten mit EMET

(Vorbe­merkung: Es fol­gt ein lang­weiliger Beitrag über Sicher­heitsvorkehrun­gen von Microsoft Win­dows. Bei Desin­ter­esse an diesem The­ma ist san­ftes Ignori­eren die emp­foh­lene Vorge­hensweise.)

Das Gejam­mer ist mal wieder groß:

Das Bun­de­samt für Sicher­heit in der Infor­ma­tion­stech­nik (BSI) hat eine aktuelle Sicher­heitswar­nung für den Inter­net Explor­er von Microsoft her­aus­gege­gen. Das Amt weist Inter­net­nutzer auf eine bish­er unbekan­nte, kri­tis­che Schwach­stelle in dem Inter­net-Zugang­spro­gramm hin.

(Wie man auf etwas hin­weisen kann, was “unbekan­nt” ist, erschließt sich mir nicht.) ‘Win­dowsan­wen­dun­gen abschot­ten mit EMET’ weit­er­lesen »