PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXIX: Der Krieg als effiziente Wahlkampfmethode

In Palästi­na fliegen die Raketen. Der West­en set­zt sich natür­lich für eine Deeskala­tion auf bei­den Seit­en ein, mit dem neu­tralen Stand­punkt hat er es aber nicht so:

Merkel und Oba­ma stärken Israel den Rück­en

Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefge­hen. Immer­hin ist das alles noch nicht Besorg­nis erre­gend, es ist ja noch kein Krieg, son­dern ein Kon­flikt:

Der Kon­flikt dro­ht sich zu einem Krieg auszuweit­en.

“Mami, Kon­flikt ich ein Eis?”

Aber obwohl der West­en sich hin­ter Israel (wie hin­ter einen Raketen­ab­wehrschirm) stellt, ist nicht er es, der vom Krieg bewaffneten Kon­flikt prof­i­tiert, son­dern es sind andere:

Vor den anste­hen­den Wahlen nutzt der Krieg dem israelis­chen Pre­mier Netan­jahu. Ver­let­zun­gen des Völk­er­rechts sind für ihn kein Hin­der­nis, son­dern ein Argu­ment für seine Wieder­wahl.

Das hat ja bei George W. Bush und Adolf Hitler auch bere­its her­vor­ra­gend funk­tion­iert.

Vielle­icht sollte die Piraten­partei auch einen bewaffneten Kon­flikt her­beiführen? Die anste­hen­den Wahlen wären schon so gut wie gewon­nen!

MusikIn den Nachrichten
“Und wenn dies Lied ihre Lippen verlässt…”: “Xavas” zwischen Gangstaattitüde und Muttersöhnchentum

Eige­nar­tige Forderun­gen wer­den da an das grauen­volle “Musiker”-Duo Kool Savas und Xavier Naidoo herange­tra­gen. Für diejeni­gen unter meinen Lesern, die es geschafft haben, ihr Leben lang bei­den Kün­stlern zu ent­fliehen, fasse ich bei­der Schaf­fen ein­mal kurz zusam­men:

Bei Kool Savas han­delt es sich um einen Rap­per, der sich selb­st als “König des Rap” beze­ich­net, veg­e­tarisch lebt, Pro­jek­te zur Jugend­förderung unter­stützt und auch son­st sein anscheinend Möglich­stes tut, um bei Töchtern aus gutem Hause gut anzukom­men. Xavier Naidoo ist sozusagen sein Soulpop-Gegen­stück, bekan­nt gewor­den mit gottes­fürchtigem Zeigefin­ger­schwin­gen und schreck­lichen Liedern wie “Nicht von dieser Welt”, “Wo willst du hin?” (mit der gram­matikalisch falschen Textstelle “… denn es macht jet­zt keinen Sinn …”) und “Dieser Weg”.

Irgen­dein übler Zwis­chen­fall hat bei­de Solis­ten dazu ver­an­lasst, ein gemein­sames Album namens “Ges­pal­tene Per­sön­lichkeit” aufzunehmen; ein Name, der wirk­lich total gut passt. Noch bess­er wäre allerd­ings “Nur mit der Gabel auf dem Teller zu kratzen ist schön­er” gewe­sen; nun, eventuell wird ja das zweite Album so heißen.

Dabei sorgte doch bere­its das Debüt für eini­gen Trubel. Zwei Monate nach Veröf­fentlichung — hat ver­mut­lich so lange gedauert, sich das Geld für das Album zusam­men­zu­bet­teln — stellte die Linksju­gend (“eine unbab­hängige [sic!] Jugen­dor­gan­i­sa­tion der Partei Die Linken” [sic!], meinrap.de, so unab­hängig dann eben doch nicht) wegen “Homo­pho­bie und Gewaltver­her­rlichung” Strafanzeige gegen die bei­den “Kün­stler”. Der Grund ist das let­zte Stück auf dem Album, in dem es unter anderem in bekan­nt kul­turell anspruchsvollem Duk­tus heißt:

Ich schnei­de euch jet­zt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich euch in’n Arsch, so wie ihr’s mit den Kleinen macht. (…) Warum lieb­st du keine Möse? Weil jed­er Men­sch doch aus ein­er ist.

Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Män­ner? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jet­zt?

Der Vor­wurf der Homo­pho­bie ist insofern schon mal von vorn­here­in entkräftigt, denn die Ankündi­gung, eine Per­son unge­nan­nten Geschlechts in’n Arsch zu fick­en, zeugt vom Gegen­teil. Daran ändert auch die rhetorische Frage “Warum lieb­st du keine Möse?” nichts, die allerd­ings an dieser Stelle deplatziert wirkt: Natür­lich lieben manche Kinder­schän­der auch Mösen, son­st wür­den sie sich ja lediglich an Knaben verge­hen.

Das mit der Gewaltver­her­rlichung hat die zuständi­ge Staat­san­waltschaft jet­zt auch mal ver­wor­fen:

Die Behörde sieht jedoch wed­er den Vor­wurf der Volksver­het­zung gerecht­fer­tigt, (sic!) noch einen Aufruf zur Gewalt. „Zure­ichende tat­säch­liche Anhalt­spunk­te für die Bege­hung von Straftat­en“ lägen nicht vor, hieß es am Don­ner­stag.

Naiv, sagt ihr? Nein, naiv ist, was der drol­lige Herr Naidoo zur Causa zu sagen hat:

Auch der Satz „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Män­ner, wo sind unsere Führer, wo sind sie jet­zt?“, ruft Kri­tik her­vor. Naidoo erk­lärte, der Ruf gelte natür­lich „unseren aktuellen Führern“, also den Ver­ant­wortlichen in Poli­tik, Medi­en und bei den Ermit­tlungs­be­hör­den. „Es ist mir unver­ständlich, wie man das falsch inter­pretieren kann.“

Ich bin davon überzeugt, dass die NPD sich das auch manch­mal fragt.

Aber zurück zum Anfang, näm­lich zu den eige­nar­ti­gen Forderun­gen: Klaus Jetz, der Geschäfts­führer des Les­ben- und Schwu­len­ver­bands in Deutsch­land, gab zu Pro­tokoll, die bei­den “Musik­er” müssten den Song zurück­nehmen. So wenig ich auch von schlechter “Musik” halte, so affig finde ich das prinzip­iell doch. Ein wie auch immer geart­etes Lied kann man eben­so wenig “zurück­nehmen” wie bere­its erfol­gte Tat­en oder getätigte Aus­sagen. Wer heute etwas zurück­n­immt, kann mor­gen genau so gut die Rück­nahme zurück­nehmen. Das wäre feige.

Viele Men­schen haben viel Dummes gesagt und getan, von religiös­er Ver­fol­gung bis zu Weltkriegen. Kön­nten sie es zurück­nehmen, wäre die Welt vielle­icht eine andere, aber wahrschein­lich keine bessere. Die Nach­haltigkeit des eige­nen Tuns würde ver­puffen. Und das wäre alles andere als wün­schenswert.

Sich von sich selb­st zu dis­tanzieren ist kein Zeichen von wahrer Größe, son­dern von, nun, ges­pal­tener Per­sön­lichkeit. Vielle­icht ist diese Forderung in diesem einen Fall doch nur die logis­che Kon­se­quenz.

Die Linksju­gend hat den Her­ren Savas und Naidoo übri­gens einen großen Gefall­en getan: Ohne ihre Anzeige hät­ten viele Leute das gemein­same Schaf­fen nicht ein­mal bemerkt. Das wäre wirk­lich schön gewe­sen.

Sonstiges
Blinder: “Farben sind böse!”

Susan Saran­don so: “Das Inter­net ist für Fam­i­lien ein Fluch!”

Genau; Eltern sollen ihre Sprösslinge lieber vor den Fernse­her set­zen, damit sie mehr Susan Saran­don guck­en kön­nen. Im Inter­net kommt doch nur Blödsinn!

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt CXXVIII: Von Institutionen und Piraten

Ah, endlich passiert mal wieder was in Deutsch­land. Ich hat­te schon ange­fan­gen, mich zu lang­weilen. Es gibt mächtig Zoff in der Medi­en­land­schaft.

Die Pirat­en zum Beispiel — ich selb­st tre­ffe auf Parteita­gen eigentlich über­wiegend fried­fer­tige, har­moniewil­lige Gestal­ten — lassen Johannes Pon­ad­er endlich mal in Ruhe und schießen sich stattdessen wieder ein­mal auf die Recht­en ein. Dass sie dabei die ein­sti­gen Ide­ale (Achtung, unge­wollt nautis­che Meta­pher fol­gt!) über Bord wer­fen wie einst die ehe­mals paz­i­fistis­chen Grü­nen, inter­essiert sie dabei nur wenig:

Befind­en sich die Pirat­en auf einen weg in die total­itäre Ecke?

Das ist nur ein­er der Gründe, wieso ich trotz (oder eben wegen) mein­er Mit­glied­schaft hoffe, dass die Piraten­partei bis auf Weit­eres keinen Einzug in den Bun­destag schaf­fen wird: Wenn schon intern die größten Schrei­hälse die Mei­n­ung­shoheit an sich reißen, ist es dann wirk­lich rat­sam, deren Bühne auch noch auf Bun­de­sebene auszuweit­en? Daran ändert auch eine FlauschCon nichts:

Unflauschiges Ende der #flauschcon: Boden und Wände ruiniert, Möbel gestohlen, explodierende Kosten, Rechtsstre­it

Pirat­en sind eben auch nur Men­schen.


Mit Wat­te­bäuschchen bew­er­fen sich der­weil auch Mit­glieder der deutschsprachi­gen Wikipedia und Autoren des lib­eralen Mag­a­zins “eigen­tüm­lich frei”:

Was für ein Pro­fil muss ein Wikipedia-Autor haben? Er erzeugt kein Wis­sen, er sam­melt es. Er durch­bricht keine For­men, er füllt sie. Er stellt keine Kat­e­gorien in Frage, er ord­net sie. Er for­muliert nicht präg­nant, son­dern er zitiert präg­nante For­mulierun­gen. Er steigt in der Benutzer­hier­ar­chie nicht durch Wag­nis und Tabubruch auf, son­dern durch Fleiß und Wohlver­hal­ten. (…) Ein Wesen aus der zweit­en Dimen­sion find­et das Gerede von der „Kugel“ auch äußerst dubios.

Den Spruch werde ich beizeit­en mal klauen.


Apro­pos “Men­schen, die die Welt um sich herum nicht ver­ste­hen”: Der “Stern” — so etwas wie eine Kreuzung aus BILD und SPIEGEL — macht ger­ade das mit dem Urhe­ber­rechts­getrolle und lässt die F.D.P. verk­la­gen, weil diese im Sinne der “Trans­parenz” (das Wort haben sie ver­mut­lich von den Pirat­en gel­ernt) einen Fra­genkat­a­log über zweifel­hafte Geschäfte von parteina­hen Fir­men, den man ihr seit­ens des “Sterns” zugeschickt hat­te, mit­samt den Antworten ins Inter­net gestellt hat.

Die Begrün­dung mit dem Urhe­ber­recht greift aber zu kurz:

Nehmen wir an, Herr Tillack hat durch Recherche her­aus­ge­fun­den, dass in meinem Keller eine Leiche sein soll. Wenn er mich, jour­nal­is­tisch kor­rekt, mit diesem Vor­wurf kon­fron­tiert, habe ich natür­lich die Möglichkeit, schnell noch in die Offen­sive zu gehen und selb­st der Öffentlichkeit in meinen eige­nen Worten mitzuteilen, dass da eine Leiche in meinem Keller ist, um der Enthül­lung die Wucht zu nehmen und als erstes die Deu­tung­shoheit zu haben.

Das mag für einen Jour­nal­is­ten ärg­er­lich und frus­tri­erend sein, aber das ist so.

Ob die Papierzeitungsin­dus­trie ihren Nieder­gang (jüng­stes Opfer des bösen, bösen Inter­nets ist die Frank­furter Rund­schau) aufhal­ten kann, wenn sie Aller­welts­floskeln als geistiges Eigen­tum zu ver­sil­bern ver­sucht, weiß ich nicht. Aber es ist mir auch egal — der “Stern” ist mir als Leser ein­fach zu boule­vardesk.


Vielle­icht würde einiges davon nicht geschehen, wenn die alten Insti­tu­tio­nen sich endlich der neuen gesellschaftlichen Real­ität anpassen wür­den. Stattdessen erwarten sie von der gesellschaftlichen Real­ität etwas Ent­ge­genkom­men. Das kann nicht funk­tion­ieren.

Der schnelle gesellschaftliche Wan­del hat eine Insti­tu­tio­nenkrise verur­sacht, die in der dig­i­tal­en Welt am deut­lich­sten zu beobacht­en ist.

Ich empfehle — völ­lig unab­hängig davon, dass er von Sascha Lobo geschrieben wurde — ver­link­ten Artikel in Gänze zu lesen.


Einen noch, da wir oben bei Urhe­ber­rechts­getrolle waren: Die Leute von Sam­sung holen sich dann mal die Prozesskosten von Apple zurück, indem sie die Prozes­soren — und somit einige Apple-Geräte — teur­er machen. Tja.

ProjekteMontagsmusik
Stolen Babies — Splatter

Ich witzelte: Twit­ter braucht einen “Anstupsen”-Knopf.
@c2h5oh1 reagierte prompt: Nein! N E I N!!!

Das betra­chtete ich als Her­aus­forderung.
Heißt also den Stups­bot her­zlich willkom­men in der Welt der nüt­zlichen Twit­ter-Acces­soires!


Von der­lei fröh­lichen Din­gen ein­mal abge­se­hen: Die Stolen Babies, von mir vor fünf Jahren bere­its gepriesen, haben endlich ihr zweites Album veröf­fentlicht.

Es ist ziem­lich mon­tagstauglich und klingt unge­fähr so:

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: “Quelle: Internet”

Zu den Ver­la­gen, die das Leis­tungss­chutzrecht (wer zitiert und damit Geld ver­di­enen möchte, muss zahlen) gut find­en, gehört auch der Braun­schweiger Zeitungsver­lag. Natür­lich: Eine der­maßen bedeu­tungslose und überdies meines Eracht­ens (ich berichtete hier mehrfach darüber) qual­i­ta­tiv miss­lun­gene Region­alzeitung muss ja irgend­wie ver­suchen, die paar küm­mer­lichen Leser, die sie noch hat, mit aller verbliebe­nen Kraft an sich zu binden. Dieses Inter­net macht alles kaputt, ein­self.

Die heutige Aus­gabe der Braun­schweiger Zeitung enthält kon­se­quent auch einen Artikel über shit­storms, also “Empörungswellen im Inter­net” (ebd., verk­lagt mich doch!), in dem es darum geht, dass immer mehr Promi­nente sich Häme von Inter­net­nutzern aus­ge­set­zt sehen, wenn sie wieder mal Unsinn anstellen. Als Beispiele wer­den Sascha Lobo, Eri­ka Stein­bach und ähn­liche Opfer ange­führt. Dabei hat man keine Kosten und Mühen gescheut, um diese shit­storms anhand tat­säch­lich erfol­gter Schmähun­gen zu bele­gen.

Selb­stver­ständlich haben die ver­ant­wortlichen Rechercheure sich dabei auf ihr gefordertes Leis­tungss­chutzrecht beson­nen und nicht ein­fach unge­fragt drau­flosz­i­tiert, son­dern sog­ar die Quelle benan­nt: “Foren, Face­book und Twit­ter”.

Ich nehme an, der Braun­schweiger Zeitungsver­lag hat “Foren, Face­book und Twit­ter” an dem Gewinn des Verkaufs der heuti­gen Aus­gabe angemessen beteiligt. Ein anderes Vorge­hen würde ja auch schäbiger­weise den Kreativ­en, den Urhe­bern schaden, nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
Belleruche — Rollerchain

Bei Belleruche han­delt es sich um eine dreiköp­fige britis­che Trip-Hop-/Elec­tron­ic-/Soul-Musik­gruppe, die 2005 gegrün­det wurde. Das diesjährige Stu­dioal­bum “Roller­chain” ist bere­its ihr viertes, und es gefällt mir.

Auf das Trio wurde ich aufmerk­sam, als ein­er Aufze­ich­nung von Poet­ry Slam auf dem merk­würdi­gen Sender zdf.kultur, den ich offen­bar im Auge behal­ten sollte, ein Musikvideo des hier enthal­te­nen Liedes “Storm­bird”, in dem die Front­frau Kathrin deBoer im Wesentlichen herum­ste­ht, singt und dabei selt­sam guckt, voraus­ging, das mich mit sein­er Kom­bi­na­tion aus Min­i­mal­is­mus, Eingängigkeit und unscheißem weib­lichem Gesang, dem “Der dig­i­tale Fla­neur” ver­ständlicher­weise eine sub­tile Erotik bescheinigt, beein­druck­te. Eine mir neue, jedoch sehr schöne englis­che Vok­a­bel (hal­cy­on) emp­fiehlt es sich aus besagtem Lied alle­mal einzuprä­gen. Man weiß nie, wofür man sie mal brauchen kön­nte. Manch­mal ist Fernse­hen eben doch lehrre­ich.

“Belleruche” heißt auf Deutsch so viel wie “Schöner­bi­enen­stock”. Gestochen wird man auf “Roller­chain” aber nicht, stattdessen läuft es gele­gentlich zäh wie Honig aus den Laut­sprech­ern. Kathrin deBoer betreibt ihr Tun weit­ge­hend von sphärischen Elek­tron­ikklän­gen unter­malt. Vom Trip-Hop stam­men vor allem die markan­ten drum loops, die auf anderen Musikalben gele­gentlich schreck­lich ner­ven, auf “Roller­chain” aber ganz gut ins Gesamt­ge­füge passen. Das Onlinemagazin “hhv.de mag” spricht von “Nu Jazz”, und das muss ein wirk­lich sehr “nuer” Jazz sein, denn so recht jazz­ig mutet das dann doch nicht an, wom­it wieder ein­mal belegt wäre, dass Gen­res eigentlich gar nicht existieren.

An Ver­gle­ichen hätte ich spon­tan The Ting Tings und Regi­na Spek­tor (von der ich allerd­ings nicht viel kenne) im Ohr, obwohl Belleruche weniger auf­dringlich sind als erst­ge­nan­nte, aber lauter als let­zt­ge­nan­nte. Als eine unge­fähre Rich­tungsangabe taugt dies jedoch meines Eracht­ens alle­mal.

89 von 100 Punk­ten vergibt das weise benan­nte Blog guteshoerenist­wichtig, und ich schließe mich ein­fach mal an. Dass Amazon.de zwar Hör­proben, aber bis­lang keine Kun­den­rezen­sio­nen für das Album vorzuweisen hat, werte ich erfahrungs­gemäß als zusät­zlich­es Qual­itätsmerk­mal.

Ich wün­sche angenehmes Hören.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurzanalyse der Präsidentschaftswahl 2012 in den Vereinigten Staaten von Amerika

“Verse­hentlich” eige­nar­tig funk­tion­ierende Wahlcom­put­er hin oder her, Präsi­dent Plan­los ist’s doch wieder gewor­den. Wie viele Stim­men die Kan­di­dat­en der kleineren Parteien erhal­ten haben, geht aus der Berichter­stat­tung der objek­tiv­en Presse natür­lich nicht her­vor.

Bedenkt man jedoch, dass jede ver­schissene Tageszeitung hierzu­lande, von der Braun­schweiger Zeitung bis zur Frank­furter Rund­schau, die Wieder­wahl des Kriegstreibers Barack Oba­ma — inklu­sive livet­ick­er auf den jew­eili­gen Web­seit­en und Klick­streck­en mit Fotos begeis­tert­er Wäh­ler — eupho­risch­er bejubelt als jede von mir miter­lebte Bun­de­spräsi­den­ten­wahl, sollte es nie­man­den mehr erstaunen, dass mein Ver­hält­nis zur Presse mit “kühl-dis­tanziert” noch viel zu fre­undlich beschrieben wird.

Deutsche Oba­ma-Fans im Sieges­taumel. Wech­sel­geld, an das wir glauben kön­nen.

“Einen guten Jour­nal­is­ten erken­nt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit ein­er Sache, auch nicht mit ein­er guten Sache; dass er über­all dabei ist, aber nir­gend­wo dazu gehört.”
– Hanns Joachim Friedrichs

An guten Jour­nal­is­ten fehlt’s dann eben doch.

In den NachrichtenWirtschaftMusikNetzfundstücke
Kurz verlinkt CXXVII: Unabhängig / Männlich / Zahnig

Spanien ist inzwis­chen der­art pleite, dass selb­st die spanis­chen Nation­al­is­ten die Nase voll haben:

Kat­alonien fordert die Unab­hängigkeit. Es will nicht mehr Zahlmeis­ter Spaniens sein. (…) So sehr die Kata­la­nen „Nation­al­is­ten“ sind, so sehr beto­nen sie zugle­ich ihre Europa-Ori­en­tierung. Ihr neuer Staat kann nur in der EU funk­tion­ieren. „Die Haupt­sache ist, wir bleiben in der EU und im Bin­nen­markt“, sagt Region­al­präsi­dent Mas.

Spanis­che Nation­al­is­ten: EU-ori­en­tiert und bin­nen­mark­t­fre­undlich. The times they are a‑changin’.


Jemand tippte einen älteren, sehr guten Text des älteren, sehr guten Autors Max Goldt ins Inter­net hinein, näm­lich diesen hier, und ich bin dem Unbekan­nten sehr dankbar, denn es gibt Momente in des Her­rn Goldt Schaf­fen, die unbe­d­ingt einem bre­it­eren Pub­likum als nur den Lesern sein­er Büch­er bekan­nt wer­den soll­ten. Das ist ein­er davon.


Jemand ver­mut­lich anderes, näm­lich die großar­tige Musik­gruppe Wive, stellte, wie ich heute her­aus­fand, das großar­tige Stück “teethy” vom großar­ti­gen Album “PVLL” aus dem großar­ti­gen Jahr 2010 wiederum ins Inter­net hinein und ret­tete mir damit den an sich recht trüben Tag, denn es ist sehr schön. Let’s calm the tem­pest. Guter Plan.

Spaß mit Spam
Offline-Spam: Ist ja upgefahren!

Dum­mer­weise ließ es sich heute nicht ver­mei­den, fol­gen­des viral verteiltes Flug­blatt ein­er Inter­essens­ge­mein­schaft von vier Jugendlichen zur Ken­nt­nis zu nehmen:

Wofür genau da gewor­ben wird, ist nicht sofort ersichtlich; sofern ich den Text richtig ver­ste­he, geht es schlicht um Aufmerk­samkeit. Die kann man allerd­ings auch leichter haben, zum Beispiel, indem man eine hüb­sche nack­te Fre­undin hat.

Einige hüb­sche For­mulierun­gen seien am Beispiel des ersten Satzes doch nicht uner­wäh­nt gelassen:

Auf Face­book (nur vom Com­put­er) kön­nen Sie/kannst du bis zum 11.11. jeden Tag 1x für uns voten.

Hüb­sche For­mulierung 1: “nur vom Com­put­er”.
Anders gesagt: Per Fax, E‑Mail, Anruf und Flaschen­post ist lei­der keine Stim­ma­b­gabe bei Face­book möglich. Wie ärg­er­lich.

Hüb­sche For­mulierung 2: “kön­nen Sie/kannst du”.
Diese Unsicher­heit in der formellen und informellen Anrede haben sich die Mach­er des Flug­blattes offen­bar aus E‑Mail-Spam abgeschaut, wo ja auch gern bei­des nach dem Zufall­sprinzip wild durcheinan­der ver­wen­det wird (etwa so). Wenn’s schon nicht für anständi­ges Gen­dern reicht, weil kein “er/sie” ver­wen­det wird, muss man eben ander­weit­ig auf eine kor­rek­te Anrede acht­en, bevor noch jemand meck­ert. Noch schön­er wäre freilich “vot/-innen” gewe­sen, aber das wird vielle­icht in der näch­sten Auflage berück­sichtigt.

Bemerkenswert sind übri­gens auch die Ver­weise auf den VW up!. Das endet dum­mer­weise nicht bei dem total witzi­gen Spruch “Up zu Fre­un­den”, über den die Mach­er sicher­lich total lange grü­beln mussten. Im Zen­trum des Flug­blattes ist eben­jenes Auto­mo­bil zu sehen (passt auch her­vor­ra­gend zur Über­schrift “Mehr Freiraum für Jugendliche und Kinder!”, denn in einem kleinen Auto kön­nen sicher­lich sehr viele Jugendliche und Kinder mit­fahren). Beschriftet ist es mit “Lit­tle thing — big fun — get up!”. Für Frauen ist dieses Auto also ver­mut­lich eher nicht gedacht.

Ob es das wert war, weiß ich nicht. Vielle­icht liest ja ein­er der Ver­ant­wortlichen hier mit und kann dazu Erken­nt­nisse beis­teuern.
Für das Flug­blatt der­weil gilt, was für jede uner­wün­schte Wer­bung gilt:

Up in den Upfall!

MusikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXVI: Schutz frisst.

Wie reagiert man als pro­gres­sive Regierung eigentlich so auf die Mel­dung, dass fiese Raub­mord­kopier­er län­derüber­greifend die besten Kun­den der Musikin­dus­trie sind? Wom­öglich, indem sie file­shar­ing urhe­ber­rechtlich geschützten Mate­ri­als legal­isiert oder schnelles Inter­net sub­ven­tion­iert.

Blöder­weise lebe ich in Deutsch­land und habe also keine pro­gres­sive Regierung am Ende mein­er poli­tis­chen Nahrungs­kette ste­hen, son­dern die rück­ständi­gen Grützköpfe von der CDU. Und was macht so eine CDU, wenn sie was von Dateitausch per Inter­net hört? Kor­rekt: Kurz Ver­wün­schun­gen murmeln, dann Gegen­maß­nah­men ergreifen.

Das Bun­desk­abi­nett hat am Mittwoch einen Geset­zen­twurf beschlossen, der die soge­nan­nte Schutz­dauer für die Rechte an Musikauf­nah­men von 50 auf 70 Jahre ver­längern soll.

Das ist sich­er nur Zufall, nach­dem zum Beispiel die ersten Veröf­fentlichun­gen der Bea­t­les (bekan­ntlich vor eini­gen Jahren mit großem Tamm­tamm neu aufgelegt) ger­ade 50 Jahre alt gewor­den sind. Eine Schutzfrist von 70 Jahren hätte da einen inter­es­san­ten Neben­ef­fekt: Man kön­nte sich beina­he sich­er sein, dass auch der let­zte der beteiligten Musik­er nicht mehr lange lebt, wenn diese zusät­zliche Zeitspanne eben­falls abge­laufen ist.

Aber warum macht man das dann über­haupt? Klar: Damit die Hunger lei­den­den Kün­stler nicht von der küm­mer­lichen Altersver­sorgung ihres Heimat­landes leben müssen.

“Mit der Ver­längerung der Schutz­dauer leis­ten wir einen wichti­gen Beitrag zur finanziellen Absicherung ausüben­der Kün­st­lerin­nen und Kün­stler im Alter. Kün­ftig ste­hen ihnen die Ein­nah­men aus ihrer Arbeit während des gesamten Lebens zur Ver­fü­gung.”

Ein Kün­stler, dessen Werke noch nach einem hal­ben Jahrhun­dert von Schwarzkopier­ern für inter­es­sant befun­den wer­den, sollte eigentlich kein finanzielles Prob­lem im Alter haben, sollte man meinen. (Soll heißen: Was man zu erre­ichen ver­sucht, ist tat­säch­lich eine Schutzfrist bis zum Abnip­peln des Musik­ers. Das wäre eben eher kon­trapro­duk­tiv, manche schaffen’s eben nur bis 27.)

Und wer nun sagt, das Geld kassierten sowieso die Plat­ten­fir­men: Stimmt. Aber das wird abgeschafft!!1

Denn liest man den Geset­zen­twurf, ste­ht dort zwar, dass die Kün­stler nun zusät­zlich 20 Prozent der Gewinne bekom­men sollen, die Plat­ten­fir­men mit einem Song machen. Aber das erst, wenn 50 Jahre ver­gan­gen sind.

Damit dürfte der Anteil, der let­z­tendlich auf dem Kon­to der Kün­stler lan­det, immens steigen; eben auf ein Fün­f­tel der Ein­nah­men. Plat­ten­fir­men wollen ja auch von irgend­was leben. Son­st müssten ihre Vor­standsmit­glieder ja noch was Ordentlich­es ler­nen.

Kotzwürg.

In den Nachrichten
Meerjungfrau Leia. / “Shirt nicht essen”

In den Nachricht­en: Dis­ney kauft Lucas­film und plant Star Wars 7.

Die Hand­lung dürfte über­schaubar sein: Ein junges Mäd­chen (gespielt von Sele­na Gomez) aus ein­er armen Fam­i­lie, die von einem schau­ri­gen Bösewicht (selb­stver­ständlich weib­lich und kein biss­chen bedrohlich) pen­etri­ert wird, ver­liebt sich in einen reichen, schö­nen Jediprinzen, dann sin­gen alle und am Ende reit­en sie auf Jar-Jar Binks Händ­chen hal­tend in den Son­nenun­ter­gang von Tatooine.

Ich glaube, das wird ein riesiger Erfolg in der wer­berel­e­van­ten Ziel­gruppe.


Son­st so: Heute erre­ichte mich ein vor eini­gen Wochen bestelltes Kapuzen­shirt (wenn’s draußen kühlt, sehe ich von meinem präferierten Klei­dungsstil gele­gentlich ab). Ich bin sehr dankbar für die beiliegen­den Waschan­weisun­gen, fast hätte ich einen furcht­baren Fehler began­gen.

Montagsmusik
Porcupine Tree — Even Less

Motivieren­der Gedanke: Eigentlich gehört man ja zu den Men­schen, denen es bess­er geht als anderen.
Aber warum muss es schon wieder Mon­tag sein?

Beziehungsweise eben: Andere machen’s dann doch noch falsch­er als man selb­st. (Sagt man sich und hört dann doch nicht zu.)

Even Less — Por­cu­pine Tree

And I may just waste away from doing noth­ing,
but I’m a mar­tyr to even less, to even less, to even less.

Guten Mor­gen.