In den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt CLXXIX: „Aber wir lie­ben doch alle Men­schen!“

Tja, hm:

In Deutsch­land sol­len öffent­li­che Kan­ti­nen in Zukunft an einem Tag der Woche auf Fleisch ver­zich­ten. So for­dern es zumin­dest die Grü­nen in ihrem Pro­gramm zur Bun­des­tags­wahl. (…) [Micha­el Fuchs] ver­weist auch dar­auf, dass die Grü­nen oder eini­ge ihrer Reprä­sen­tan­ten schon Zir­kus­tie­re, Heiz­pil­ze, Ziga­ret­ten­au­to­ma­ten, Wer­bung für Gelän­de­wa­gen oder che­mi­sche Weich­ma­cher in Sex­spiel­zeug ver­bie­ten woll­ten. (…) Die Par­tei­che­fin der Grü­nen, Clau­dia Roth, hält den Vor­wurf einer „Ver­bots-Par­tei“ für völ­lig unbe­grün­det.

Weil näm­lich:

„Man muss nicht jeden Tag zwei Bur­ger essen“, sag­te Göring-Eckardt. Auch für den Tier- und den Kli­ma­schutz sei eine Redu­zie­rung des Fleisch­kon­sums för­der­lich.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Natür­lich könn­te man den Kan­ti­nen ein­fach wei­ter­hin frei­stel­len, was sie ver­kau­fen, und davon aus­ge­hen, dass ein durch­schnitt­li­cher Mensch durch­aus zum Sel­ber­den­ken fähig ist, aber so’n Staat weiß eben bes­ser, was gut für den Bür­ger ist. Ener­gie­spar­lam­pen, Vit­amin-B12-freie Ernäh­rung und Krieg im Koso­vo zum Bei­spiel. Näch­ster Schritt: Fleisch­freie Tage in Super­märk­ten, Schlach­te­rei­en und Fast-Food-Filia­len.

„Du erklärst mir immer wie­der, was erlaubt ist und was nicht,
lenkst mein Leben jeden Tag und bist durch­t­bar für­sorg­lich;
ach, was wär‘ ich ohne dich?“
– Farin Urlaub: Lie­ber Staat

In den NachrichtenWirtschaft
„Wie vie­le Mil­li­ar­den brau­chen Sie?“

(Aus aktu­el­lem Anlass mal wie­der ein wenig Lai­en­wirt­schaft. Ergän­zun­gen sind will­kom­men – tat­säch­lich ist dies nicht mein Fach­ge­biet.)

Den Nach­rich­ten – Ver­lin­kung lei­der uner­wünscht – ist gegen­wär­tig zu ent­neh­men, dass wie jedes Jahr dar­über nach­ge­dacht wird, die höchst­ver­schul­de­ten deut­schen Bun­des­län­der, dar­un­ter das Saar­land, ein­fach weg­zu­fu­sio­nie­ren. Was aus den Schul­den des jewei­li­gen Lan­des wer­den soll, ist dabei lei­der nicht klar gere­gelt; wahr­schein­lich gehen die­se dann in das Port­fo­lio des über­neh­men­den Lan­des über. Viel­leicht möch­te Frank­reich uns das Saar­land ja immer noch abneh­men.

Dabei ist das mit den Schul­den doch eigent­lich seit 2009 so gut wie erle­digt:: Ber­lin, Bre­men, das Saar­land, Sach­sen-Anhalt und Schles­wig-Hol­stein dür­fen nur noch bis Ende 2019 Schul­den machen, danach ist Schluss; in ande­ren Wor­ten: Dem immensen Schul­den­berg darf danach nichts mehr hin­zu­ge­fügt wer­den. Zum Ver­gleich: Wenn ich ein paar hun­dert Mil­lio­nen Euro Schul­den hät­te und sechs­ein­halb Jah­re Auf­schub für die Rück­zah­lung erbä­te, mei­ne Bank wäre nicht mehr all­zu freund­lich zu mir – aber ich bin ja kein Land.

Inter­es­sant ist das Kon­so­li­die­rungs­hil­fen­ge­setz (Kon­sul, hi, ähm, KonsHilfG) aber auch für die­je­ni­gen zu lesen, die bis­her noch nicht ver­stan­den haben, wie­so es im Volks­mund heißt, der Staat zie­he sei­nen Bür­gern das Geld aus der Tasche, denn der geplan­te Schul­den­ab­bau (es heißt, wohl­ge­merkt, Schul­den­brem­se, nicht Schul­den­prell­bock – es wird also nichts abrupt ange­hal­ten, es dau­ert künf­tig nur etwas län­ger) geht natür­lich nicht ein­fach so. Die Län­der bekom­men jedes Jahr ins­ge­samt 800 Mil­lio­nen Euro für die Por­to­kas­se spen­diert, die sie dann bis 2020 spa­ren sol­len. Woher die­se 800 Mil­lio­nen kom­men, ist natür­lich eben­falls gesetz­lich gere­gelt (§ 3 KonsHilfG):

Die sich aus der Gewäh­rung der Kon­so­li­die­rungs­hil­fen erge­ben­de Finan­zie­rungs­last wird hälf­tig von Bund und Län­dern getra­gen. Der Anteil des Bun­des an den Zah­lun­gen nach § 1 Absatz 2 beträgt jähr­lich 400 Mil­lio­nen Euro.

Legen­de: Der Bund, das sind die Steu­er­zah­ler, und die Län­der, das sind eben­falls die Steu­er­zah­ler; nur eben die­je­ni­gen, die blö­der­wei­se in den Län­dern woh­nen, die mit ihrem Geld bes­ser umge­hen kön­nen. Wer vor 2020 inner­halb Deutsch­lands umzie­hen möch­te, soll­te sich also eines der Bun­des­län­der aus­su­chen, die nicht im KonsHilfG auf­ge­führt sind. Man weiß ja nie.

Die 800 Mil­lio­nen Euro sind übri­gens offen­bar nicht dafür gedacht, damit Schul­den abzu­bau­en; § 2 Abs. 1 KonsHilfG stellt die­se Finanz­sprit­ze viel­mehr als net­tes Geschenk dar:

Gewähr­te Kon­so­li­die­rungs­hil­fen blei­ben bei der Ermitt­lung des Finan­zie­rungs­sal­dos unbe­rück­sich­tigt.

Selbst, wenn also bis 2020 besag­te Län­der ein aus­ge­gli­che­nes Sal­do vor­wei­sen kön­nen, wer­den die ins­ge­samt 800 Mil­lio­nen Euro sozu­sa­gen schlicht aus den Büchern gestri­chen. Man möch­te ja kein Bun­des­land unnö­tig bestra­fen. Und wenn sie das nicht schaf­fen? Tja, dann gibt’s halt im ent­spre­chen­den Jahr kein Extra­bon­bon aus dem Topf und einen mah­nen­den Blick (§ 2 Abs. 3 KonsHilfG):

Wird die Ein­hal­tung der Ober­gren­zen des Finan­zie­rungs­sal­dos nach Absatz 2 nicht fest­ge­stellt, ver­warnt der Sta­bi­li­täts­rat das betrof­fe­ne Land. Der Anspruch des betrof­fe­nen Lan­des auf Kon­so­li­die­rungs­hil­fe für die­ses Jahr ent­fällt.

Zum Ver­gleich: Die Bun­des­län­der haben 2012 ins­ge­samt einen Schul­den­berg von fast 649 Mil­li­ar­den Euro auf­ge­häuft, Ten­denz stei­gend. Dass der Euro Deutsch­land von den lästi­gen Pflich­ten aus dem Ver­trag von Maas­tricht befreit hat (für den es 2003 immer­hin noch eine Jubi­lä­ums­brief­mar­ke gab), ist da viel­leicht zumin­dest ein inter­es­sier­tes „Oho!“ wert.

Noch­mals zum Ver­gleich: Die Schweiz, größ­ter Ein­zel­gläu­bi­ger Deutsch­lands und außer­halb der Euro­zo­ne lie­gend, hat zur­zeit (mit Stand von jetzt gera­de) eine täg­li­che Neu­ver­schul­dung von minus 3,463 Mil­lio­nen Euro.

Peter Bofin­ger – das war der „Wirt­schafts­wei­se“, der sta­bi­le Wäh­run­gen für Teu­fels­zeug hält – hat gesagt, es sei falsch, Schul­den mit Metho­den zu bekämp­fen, die Ver­lu­ste für Gläu­bi­ger bedeu­ten könn­ten. Viel­leicht soll­ten wir Deutsch­land ein­fach an die Schweiz anglie­dern.

Mit Aus­nah­me des Saar­lands, ver­steht sich.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückeNerdkrams
Das Inter­net vor „Lei­stung“ schüt­zen: ✓

Es mag in all dem Pres­se­tau­mel um PRISM, Tem­po­ra und die Play­Sta­ti­on 4 unter­ge­gan­gen sein: Seit gestern ist das Lei­stungs­schmutz­recht gel­ten­des Recht in Deutsch­land.

Dass aus­ge­rech­net der ekli­ge Axel-Sprin­ger-Ver­lag, einer der Vor­kämp­fer für einen „Schutz“ der eige­nen „Lei­stung“ im Inter­net, dann doch nix dage­gen hat, wenn Goog­le vor­erst wei­ter­hin sein „gei­sti­ges Eigen­tum“ raub­mord­ko­piert, lässt mich, zuge­ge­ben, nicht ein­mal mehr müde lächeln.

Seit gestern also haben die gro­ßen und vie­le klei­ne­re Ver­la­ge kein all­zu gro­ßes Inter­es­se mehr dar­an, am Inter­net teil­zu­neh­men, was ins­be­son­de­re uns, die wir gele­gent­lich Din­ge ins Inter­net rein­schrei­ben, gege­be­nen­falls in unan­ge­neh­me Situa­tio­nen brin­gen könn­te. Eine ver­se­hent­li­che kosten­lo­se Wer­bung in Form eines Hyper­links kann teu­er wer­den. Nun, der Erfül­lung des ver­lags­sei­ti­gen Wun­sches nach Erleuch­tung durch Kastei­ung mag ich als Mit­glied des gro­ßen sozia­len Net­zes doch nur all­zu gern Vor­schub lei­sten.

Der Nacht­wäch­ter hat dafür letz­tes Jahr eine ziem­lich voll­stän­di­ge Liste aller lei­stungs­schmutz­rechts­lei­den­den Ver­la­ge in eine HOSTS-Erwei­te­rung zusam­men­ko­piert. Die­se Liste gilt es in die Text­da­tei /etc/hosts (UNIX, Linux) oder C:\Windows\system32\drivers\etc\hosts zu kopie­ren, her­nach sind alle Ange­bo­te, die aus­drück­lich dar­um bit­ten, nicht im deut­schen Inter­net (gegrün­det von Michae­la Merz) gefun­den zu wer­den, aus dem eige­nen Inter­net ver­schwun­den.

Wir sind ja nicht so.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXVIII: „Alter­na­ti­ve reli­giö­se Ideen“

Weil’s so schön war – einen noch:

Die katho­li­sche Kir­che müs­se sich damit aus­ein­an­der­set­zen, dass Men­schen sie ver­lie­ßen, da sie „unter der Illu­si­on alter­na­ti­ver reli­giö­ser Ideen glau­ben“, dass die Kir­che ihnen nichts Bedeu­ten­des und Wich­ti­ges mehr bie­ten kön­ne, sag­te der Papst am Sams­tag in Rio de Janei­ro.

Does­n’t mat­ter, had sex bezie­hungs­wei­se, Papst Fran­z­erl (herr­je, ihr Medi­en, den Johan­nes Paul II. habt ihr doch auch nicht „Ioan­nes Pau­lus“ genannt), nein, dass Men­schen mit euch nichts mehr zu tun haben wol­len, hat nichts damit zu tun, dass sie alter­na­ti­ven reli­giö­sen Ideen ver­fal­len sind – ab einem gewis­sen Alter hät­te man halt nur gern mal Sex mit Frau­en und nicht mehr mit dem Pfar­rer, und euer geist­li­ches Rah­men­pro­gramm, die­ses gan­ze hei­li­ge Brim­bo­ri­um, erzeugt in mir so einen unan­ge­neh­men Brech­reiz, je älter ich wer­de, desto stär­ker.

Göt­ter wur­den irgend­wann mal erdacht, um den Men­schen eine Erklä­rung für Din­ge zu geben, die sie nicht ver­ste­hen. So weit ich weiß, hel­fen eure Elo­him aber nicht bei der Steu­er­erklä­rung und sind auch nicht beson­ders gut dar­in, der Mensch­heit zu erläu­tern, wie Krieg und Elend mit dem Bild von einem güti­gen Gott zusam­men­pas­sen sol­len, und woher Blitz und Don­ner kom­men, weiß inzwi­schen sicher­lich sogar Aiman Abdal­lah.

Gei­sti­ge Auf­klä­rung als alter­na­ti­ve reli­giö­se Idee zu bezeich­nen ist aber schon sehr erhel­lend. Die Tem­pel von Ba’al und Asche­ra haben eure Elo­him damals wohl­weis­lich zu zer­stö­ren befoh­len, den Tem­pel des mensch­li­chen Gei­stes aber kriegt nicht ein­mal ihr kaputt. (Rand­no­tiz: Glau­be kann Gehirn­schwund ver­ur­sa­chen.)

Das Pro­blem hat­tet ihr im Mit­tel­al­ter nicht, das war herr­lich, stimmt’s?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXVII: Bestes Gewis­sen

Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster und Dok­tor, inzwi­schen bei­des a.D., von und zu Gut­ten­berg (CSU), Febru­ar 2011:

Ich habe die Arbeit nach bestem Wis­sen und Gewis­sen ange­fer­tigt.

Bil­dungs­mi­ni­ste­rin und Dok­to­rin, inzwi­schen bei­des a.D., Scha­van (CDU), Dezem­ber 2012 in fast glei­chem Wort­laut und kon­se­quent ohne Quel­len­an­ga­be:

Ich habe mei­ne Arbeit nach bestem Wis­sen und Gewis­sen erstellt.

Bun­des­tags­prä­si­dent Prof. Dr. Nor­bert Lam­mert (CDU), Juli 2013:

Ich habe mei­ne Dok­tor­ar­beit nach bestem Wis­sen und Gewis­sen ange­fer­tigt.

Aktu­el­ler Beschluss der CDU zum The­ma Bil­dung:

Unser Ziel ist die Bil­dungs­re­pu­blik Deutsch­land:
(…)

  • Ein Land, in dem der Auf­stieg durch Bil­dung jedem Men­schen offen­steht.
  • Eine Bil­dungs­po­li­tik in einer föde­ra­len Ord­nung, in der jede poli­ti­sche Ebe­ne zur Lei­stungs­fä­hig­keit des Bil­dungs­sy­stems ihren Bei­trag lei­stet und ihre Ver­ant­wor­tung wahr­nimmt.

„Die mei­sten Leu­te haben ihre Bil­dung aus der BILD.“
– Die Ärz­te: Las­se redn

NetzfundstückeMir wird geschlechtPersönliches
Breit­bei­ni­ge Macht

Der Femi­nis­mus hat neben eini­gen akzep­ta­blen Ansät­zen zur Welt­ver­bes­se­rung (etwa der Abschaf­fung der Unter­schie­de zwi­schen den Geschlech­tern) auch eini­ge spin­ner­te Ideen her­vor­ge­bracht, etwa die Frau­en­quo­te (denn eine moder­ne Frau möch­te offen­sicht­lich die Vagi­n­a­quo­te von Man­nes Gna­den – von wegen selbst­be­stimmt – erfül­len und nicht mit so etwas Lästi­gem wie Kom­pe­tenz über­zeu­gen müs­sen) und die kaum noch aus­zu­mer­zen­de Über­zeu­gung, dass alles, was ein Mann nicht gebückt tut, auto­ma­tisch ein Zei­chen von Macht sei.

Sexis­mus sei ein rein männ­li­ches Phä­no­men, denn ein Mann, so ließ mich ein über­zeug­ter Femi­nist (männ­lich) unlängst wis­sen, habe Macht, die eine Frau nicht habe, und daher kön­ne eine Frau nicht sexi­stisch sein. Nun, die­ser Femi­nist soll­te ein­mal mit offe­nen Augen durch die Welt gehen. Män­ner­feind­li­cher Sexis­mus in der Wer­bung? Aber natür­lich! Oder darf’s etwas sub­ti­ler sein? Dann stellt euch mal die­se Satz­an­fän­ge vor: „Män­ner sind …“ und „Jun­gen sol­len nicht …“. Euch fällt sofort min­de­stens eine Ergän­zung ein? Glück­wunsch: Ihr seid Sexi­sten.

Ach, die männ­li­che Macht spie­gelt sich auch in der Gewalt gegen Frau­en?

[E]twa 30% der Frau­en und der Män­ner sind gewalt­ak­tiv -, jedoch in jeweils unter­schied­li­chen For­men: Män­ner ten­die­ren stär­ker zu (sicht­ba­rer) phy­si­scher Gewalt, Frau­en stär­ker zu (unsicht­ba­rer) Kon­troll­ge­walt und ver­ba­ler Gewalt. (…) Dabei erlei­den Män­ner stär­ker als Frau­en phy­si­sche Gewalt, aber in etwa zu glei­chen Antei­len wie Frau­en sexua­li­sier­te Gewalt.

Bezie­hungs­wei­se eben: Drei Vier­tel aller Opfer sind Män­ner. Sol­che Pro­zent­an­ga­ben stüt­zen sich wohl­ge­merkt meist auf die Zah­len, die öffent­lich ver­füg­bar sind. Ein Mann, dem von einer Frau Gewalt ange­tan wird, geht damit jedoch nicht all­zu gern an die Öffent­lich­keit, er wür­de ver­mut­lich meist aus­ge­lacht oder zum Ein­zel­fall gemacht. In der Gesell­schaft ist das Bild des star­ken Man­nes fest ver­wur­zelt. Das wird schon im Kin­des­al­ter gelehrt: „Jun­gen wei­nen nicht.“ Ob das die Jun­gen auch so sehen?

Ich per­sön­lich, fried­fer­tig, wie ich bin, habe in mei­nem Leben jeden­falls schon mehr (unter ande­rem ver­ba­le) Gewalt durch Frau­en erfah­ren als ich jemals aus­üben wür­de. Es wäre ein­fach nicht ziel­füh­rend, mein Gegen­über wüst zu beschimp­fen – einen Dis­put löse ich bevor­zugt mit den bes­se­ren Argu­men­ten. Als Mann aber habe ich Macht, da muss ich mir so etwas natür­lich gefal­len las­sen. Als ich mich kürz­lich (blö­der­wei­se) in eine Femi­nis­mus­dis­kus­si­on ein­schal­te­te und mein Leid beschrieb, hieß es jeden­falls, es sei sicher­lich blöd, dass mir das pas­siert ist, aber ich sei immer noch die Min­der­heit und habe gefäl­ligst zu akzep­tie­ren, dass ich ein struk­tu­rell mäch­ti­ger Mann sei.

Zuge­ge­ben, Mäd­chen müs­sen im Sport­un­ter­richt für die glei­che Bewer­tung weni­ger gute Lei­stun­gen voll­brin­gen, wer­den (dank Frau­en­quo­ten) oft bevor­zugt ein­ge­stellt, sind damit sel­te­ner arbeits­los, bekom­men spä­ter mehr Ren­te und in einem Sor­ge­rechts­streit in der Regel auch die gemein­sa­men Kin­der zuge­spro­chen. Viel Macht bleibt mir da nicht mehr übrig. Ich habe nicht mal mehr die Macht, vor Wut zum Hulk zu wer­den, denn dabei wür­de mei­ne Klei­dung plat­zen, und gemäß § 183,1 StGB ist öffent­li­che Nackt­heit straf­bar – sofern man ein Mann ist.

Ja: Ich bin ein Mann! Natur­ge­ge­ben ist mein Macho­ver­hal­ten, und jedes Zucken mei­ner Glied­ma­ßen signa­li­siert mei­ne Gewalt­be­reit­schaft. Oi, bin ich böse! – Das sehen ver­mut­lich auch Frau­en in der U‑Bahn so:

Ich saß in der U‑Bahn und dach­te an nichts Böses, als ich die Frau flu­chen hör­te. Sie war um die 50 und hat­te ihre Ein­kaufs­tü­ten auf einen Sitz ein paar Rei­hen wei­ter vor­ne gewuch­tet. Jetzt zisch­te sie den Mann auf dem gegen­über­lie­gen­den Platz an: „Müs­sen Sie so breit­bei­nig dasit­zen? Es gibt auch noch ande­re Men­schen hier!“ Aller­dings hat­te sie noch einen Sitz­platz für sich selbst und ihre Tüten gefun­den. Der Mann, um die 40 und augen­schein­lich mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, schau­te ver­wirrt von sei­nem Han­dy auf. Die Frau beru­hig­te sich gar nicht. „Sie sit­zen da, als sei­en Sie allei­ne auf der Welt….“ Der Mann sah ent­gei­stert aus, viel­leicht ver­stand er die Frau noch nicht ein­mal. Er stand auf und set­ze (sic!) sich woan­ders hin.

Breit­bei­ni­ges Sit­zen – für Frau­en eben­so unty­pisch wie im Ste­hen zu pin­keln – ist offen­bar ein Zei­chen von männ­li­cher Macht. Ich wüss­te ja schon gern, wel­chen Vor­schlag die Frau um die 50 zur Plat­zie­rung des klei­nen Unter­schieds zwi­schen den Bei­nen gemacht hät­te und ob die ande­ren Men­schen hier nicht viel­leicht beque­mer sit­zen soll­ten als Ein­kaufs­tü­ten, aber lei­der wur­de sie nicht gefragt.

Dar­auf erst mal ein schö­nes blu­ti­ges Frust­steak.

Montagsmusik
Cara­van – Nine Feet Under­ground

Vor 40 Jah­ren stieg Dave Sin­clair, talen­tier­ter Key­boar­der, der zwi­schen­zeit­lich bei Deli­very und Hat­field and the North gespielt hat­te, zum zwei­ten Mal bei Cara­van ein, jene Musik­grup­pe, die wie Soft Machi­ne aus den vor 50 Jah­ren gegrün­de­ten Wil­de Flowers her­vor­ging. Cara­van sind bis heu­te nicht offi­zi­ell auf­ge­löst, Dave Sin­clair war zumin­dest im Jahr 2002 noch an Bord.

Die­se Musik­grup­pe hat wie ihre bri­ti­schen Lands­män­ner Camel eini­ge der schön­sten Melo­dien der Can­ter­bu­ry-Sze­ne zu ver­ant­wor­ten. Das ist zu ver­schmer­zen.

Heu­te mal ent­spannt in den Mon­tag.

Guten Mor­gen.

Persönliches
Kame­ra­wahn

Auf Twit­ter wer­den momen­tan in Viel­zahl Fotos von Demon­stra­tio­nen gegen staat­li­che Über­wa­chung ver­öf­fent­licht.

Viel­leicht bemerkt ihr die Dis­kre­panz zwi­schen „vie­len Fotos“ (aus vie­len Kame­ras) und „Demon­stra­tio­nen gegen Über­wa­chung“.

Ein Twit­ter­nut­zer frag­te mich ange­sichts die­ser Beden­ken anschei­nend fas­sungs­los, ob ich denn auch kei­ne Fotos vom Publi­kum von Fuß­ball­spie­len und Kon­zer­ten dul­den wür­de. Nun: Nein. Wenn ich Bericht­erstat­tun­gen über Kon­zer­te oder Fuß­ball­spie­le lese, dann bin ich nicht am Publi­kum inter­es­siert, son­dern ich möch­te Fuß­ball­spie­ler oder Musi­ker spie­len sehen. Belie­bi­ge Men­schen sehe ich qua­si jeden Tag um mich her­um, dafür benö­ti­ge ich kei­ne Pres­se.

Es gibt exakt kei­nen für mich akzep­ta­blen Grund, eine Demon­stra­ti­on gegen Über­wa­chung im Bild fest­zu­hal­ten. Auch die Bericht­erstat­tung über die­se Demon­stra­ti­on funk­tio­niert in Text­form her­vor­ra­gend, das Radio schafft das doch eben­falls.

Aber das ist ja im Zeit­al­ter der Smart­phones und Foto­bril­len alles so prak­tisch.

Nerdkrams
Per­fect PRISM Pri­va­cy

Momen­tan kann man im gan­zen Land auf so genann­ten „Kryp­top­ar­tys“ erfah­ren, wie man Mails und Sofort­nach­rich­ten (ich set­ze dafür unter Win­dows auf The Bat! mit GnuPG sowie Miran­da NG mit MirOTR-Plug­in, unter ande­ren Syste­men gibt es ande­re Metho­den) eini­ger­ma­ßen abhör­si­cher aus­tau­schen kann, auch wenn man nichts zu ver­ber­gen hat.

Abge­se­hen davon, dass die­se Ver­schlüs­se­lun­gen nur die Sym­pto­me, nicht aber die Ursa­chen bekämp­fen, bleibt das haupt­säch­li­che Pro­blem unge­löst, näm­lich die Daten­sam­mel­wut der Staa­ten. Auch die SPD mit ihrem Ruf nach Vor­rats­da­ten­spei­che­rung will eigent­lich nichts ande­res als die anlass­lo­se Über­wa­chung aller Vor­gän­ge, die ihr im Inter­net durch­führt, mit anschlie­ßen­der Auf­be­wah­rung der Auf­zeich­nun­gen. Es könn­te ja sein, dass ihr mal Amok lauft oder so. (Viel mehr bleibt einem ver­zwei­fel­ten Bür­ger die­ser Tage auch kaum mehr übrig.)

Eine doo­fe Eigen­schaft von TCP/IP, die ihr auch mit Ver­schlüs­se­lung nicht weg­be­kommt, ist, dass ihr iden­ti­fi­zier­bar seid, der Dank gebührt eurer IP-Adres­se. Zwar gibt es eine Viel­zahl an frei­en Pro­xy­ser­vern über­all auf der Welt, mit­tels derer ihr „anonym“ sein könnt, aber wer garan­tiert euch, dass die­se Pro­xy­ser­ver nicht alles, was ihr tut, pro­to­kol­lie­ren? Auch das Tor-Netz­werk, also die Umlei­tung „eures Inter­nets“ über drei unab­hän­gi­ge Rou­ter, wird gele­gent­lich emp­foh­len, ist aber prin­zi­pi­ell kom­pro­mit­tier­bar (ein Angrei­fer muss nur min­de­stens auf zwei der drei Rou­ter zugrei­fen kön­nen, was einem Geheim­dienst ver­mut­lich nicht schwer fällt) und oben­drein aus ver­ständ­li­chen Grün­den wirk­lich sehr, sehr lang­sam.

Und dann gibt es da noch VPNs.

VPNs (Vir­tu­al Pri­va­te Net­works, „vir­tu­el­le pri­va­te Net­ze“) funk­tio­nie­ren ähn­lich wie Pro­xy­ser­ver, sind aber etwas kom­ple­xer (die Wiki­pe­dia weiß mehr). Auch die Hacker­grup­pe Lulz­Sec ver­wen­de­te ein VPN, um ihre Angrif­fe durch­zu­füh­ren und online zu kom­mu­ni­zie­ren, was die Iden­ti­fi­zie­rung der Mit­glie­der schwer mach­te (die­se gelang, wie man weiß, nur dank eines plau­dern­den Mit­glieds der Grup­pe). Zwar kosten VPN-Zugän­ge meist Geld (und zwar eini­ges), dafür sind die bereit­ge­stell­ten Funk­tio­nen viel­fäl­tig. Ich mache das mal am Bei­spiel von Per­fect Pri­va­cy, da ich die­sen Dienst seit Jah­ren selbst benut­ze. Es gibt neben Per­fect Pri­va­cy auch wei­te­re Anbie­ter, jedoch sind die Alter­na­ti­ven gele­gent­lich gefähr­lich: Der Dienst „Hide My Ass“ etwa zeich­net Ver­bin­dungs­da­ten auf. Im Zwei­fel gilt: Infor­miert euch vor­her über den Dienst, der euch inter­es­siert, damit ihr kei­ne böse Über­ra­schung erlebt.

Per­fect Pri­va­cy funk­tio­niert so: Im Zen­trum steht natür­lich der VPN-Zugang. Das geht mit der VPN-Soft­ware OpenVPN, die für alle nen­nens­wer­ten Betriebs­sy­ste­me ver­füg­bar ist. Die­ser Zugang funk­tio­niert fol­gen­der­ma­ßen: Der Benut­zer star­tet das Pro­gramm, gibt sei­ne Zugangs­da­ten ein (das kann übri­gens auch auto­ma­ti­siert wer­den), und schon ist er im Netz. Zur Aus­wahl ste­hen diver­se Ser­ver (bei­na­he) über­all auf der Welt, von Erfurt bis Tel Aviv. Alles, was ihr von nun an im Inter­net treibt, wird über den aus­ge­wähl­ten Ser­ver gelei­tet; alles, was euer Inter­net­an­bie­ter (sowie jemand, der dort mit­liest) sieht, ist es, dass zwi­schen euch und die­sem Ser­ver irgend­wel­cher Daten­ver­kehr statt­fin­det. Blöd: Das funk­tio­niert nicht mit E‑Mail (außer – momen­tan – auf dem „Cyber­ja­ya“- sowie dem „Cairo“-Server); das ist aber ein­leuch­tend: Ein anony­mer E‑Mail-Ver­sand wür­de die Spam­quo­te deut­lich erhö­hen. Auch mög­lich ist der Auf­bau eines loka­len SSH-Tun­nels (das ist so was hier) mit­tels „Per­fect Pri­va­cy SSH“.

Die fle­xi­bel­ste ange­bo­te­ne Metho­de ist jedoch die Nut­zung als Pro­xy (SOCKS5 und HTTP wer­den unter­stützt). Das ermög­licht es, nur ein­zel­ne Pro­gram­me über Per­fect Pri­va­cy zu rou­ten. Emp­feh­lens­wert ist es etwa, den Pro­xy in der Tausch­bör­se eurer Wahl ein­zu­tra­gen:

Perfect Privacy in eMule

Mit Fire­fox und der Erwei­te­rung Foxy­Pro­xy Stan­dard ist es sogar mög­lich, nur ein­zel­ne Web­sites über Per­fect Pri­va­cy zu rou­ten. Ihr wollt, dass You­Tube euch für einen US-Ame­ri­ka­ner oder für einen Luxem­bur­ger hält? Kein Pro­blem! – Euren Mail­cli­ent könnt ihr dann über „Cyber­ja­ya“ oder „Cai­ro“ rou­ten, dann klappt auch das mit der Ver­schlüs­se­lung wie­der.

Und die Sicher­heit? Nun ja, gera­de der Ser­ver in Erfurt wird natür­lich des Öfte­ren beschlag­nahmt. Da Per­fect Pri­va­cy aber kei­ner­lei Kun­den­da­ten spei­chert, weder also wis­sen möch­te, wer ihr seid (auch die Bezah­lung ist anonym mög­lich), noch eure Ver­bin­dungs­da­ten irgend­wie auf­zeich­net, ist dies stets ergeb­nis­los geblie­ben.

Ihr habt die Wahl. Ver­säumt sie nicht.

PolitikIn den NachrichtenNerdkramsMir wird geschlecht
Kurz ver­linkt CLXXVI: Schlag­zei­len vom 24. Juli 2013

Guter Anfang: Anträ­ge der NPD wer­den aus Prin­zip abge­lehnt, unab­hän­gig von deren Inhalt. War­um klappt das mit der CDU nicht auch?


Ach, CDU, die ande­ren sind auch nicht bes­ser, sagt ihr? Stimmt: Sig­mar Gabri­el von der Vor­rats­da­ten-SPD zeigt mal wie­der mit dem Fin­ger auf ande­re, nur nicht auf die Schul­di­gen. Klar, es ist Wahl­kampf, da sind Wort­hül­sen zum The­ma Total­über­wa­chung unver­meid­bar, nicht?


Aber die Deut­schen wol­len es ja auch nicht anders. Swift­Key (Android-Tasta­tur) syn­chro­ni­siert das Getip­pe jetzt mit der cloud. Prak­tisch, jetzt muss man nicht mehr Face­book, Goog­le, Apple und Micro­soft um Koope­ra­ti­on bit­ten, son­dern kann die getipp­ten Tex­te noch wäh­rend der Ein­ga­be aus­wer­ten. Außer­dem toll: Swift­Key kann nun „Tren­ding Phra­ses“ her­un­ter­la­den, das heißt, rele­van­te Ereig­nis­se des Tages (etwa das mit dem könig­li­chen Nach­wuchs) sind auto­ma­tisch „bekann­te Begrif­fe“. Hui.


König­li­cher Nach­wuchs? Ach so, der neue Thron­fol­ger ist wie­der nur ein Jun­ge. Frech­heit, fin­den Femi­ni­stin­nen. Muss Wil­liam wohl noch mal ran.

„Wir alle wer­den ver­rückt gebo­ren. Man­che blei­ben es.“
– Samu­el Beckett, War­ten auf Godot

PersönlichesLyrik
Pas­siv leben

Was lässt euch eigent­lich glau­ben, dass ihr wisst, was es heißt, am Leben zu sein, wenn ihr die Welt um euch her­um ein­fach gesche­hen lasst?

Schaut den Men­schen ins Gesicht, die euch jeden Tag begeg­nen. Sie sind grau. Sie sind leer. Sie sind ihre eige­nen Schat­ten.

Liebt ihr oder wer­det ihr geliebt?

Lebt ihr oder wer­det ihr gelebt?

Sonstiges
„Hil­fe, die Medi­en ver­blö­den uns!“

Na, kleb­tet ihr heu­te auch alle vor dem Fern­se­her, um zu wis­sen, ob das Kind der einen Eng­län­de­rin da alle Glied­ma­ßen an der rich­ti­gen Stel­le trägt? Ich ver­fol­ge das jetzt nicht aktiv, aber ich bin mir ziem­lich sicher, es ist ein Mensch.

Dafür zahlt man doch gern Gebüh­ren, nicht? Natür­lich ist die­se Art der Bericht­erstat­tung jetzt kein leuch­ten­des Bei­spiel für Qua­li­täts­jour­na­lis­mus, denn zu den Pflich­ten eines Jour­na­li­sten, des­sen heh­re Auf­ga­be die Recher­che zum Schutz der Bür­ger vor Lügen sein soll­te, gehört das Schü­ren von Emo­tio­nen wahr­lich nicht. Eine klei­ne Grup­pe von Men­schen, die ver­sucht, mit­tels rhe­to­ri­scher Knif­fe die Emo­tio­nen der Bür­ger eines Lan­des in die gewünsch­te Rich­tung zu len­ken („OH-MEIN-GOTT-ES-IST-EIN-KIND-DAS-IST-SO-EIN-FREUDIGES-EREIGNIS“), unter­schei­det näm­lich genau was von einer klei­nen Grup­pe Popu­li­sten (wie damals den ollen Goeb­bels, nur ohne das mit dem Krieg)? Tja nun, nicht viel.

Dies soll­te ein Bür­ger aber eigent­lich wis­sen, so lan­ge er noch mün­dig und im Voll­be­sitz sei­ner gei­sti­gen Kräf­te ist. Zwar kann nie­mand dazu gezwun­gen wer­den, sich ein Bild dar­über zu ver­schaf­fen, was in der Welt um ihn her­um geschieht, aber einem jeden Men­schen soll­te die­se Mög­lich­keit unbe­nom­men blei­ben. Bou­le­vard­me­di­en soll­ten nie­mals die haupt­säch­li­che Infor­ma­ti­ons­quel­le für einen Men­schen sein (wohl aber mei­net­hal­ben Unter­hal­tungs­quel­le).

In einem Forum fand ich die­ser Tage die­se folg­lich erschrecken­de Hal­tung:

Wenn die Medi­en­land­schaft aber kei­ne int­e­lek­tu­el­len (sic) Meß­lat­ten mehr anbie­tet bzw. auf nachts um 2 ver­legt, weil die Wer­be­hu­ren nach Quo­te bezah­len und die Men­schen im Fern­se­hen nur noch gegen­sei­ti­ge Miss­ach­tung, „Kasti­sie­rung“ und Demü­ti­gung erle­ben und auch in ihrem Umfeld kei­ne ande­ren Maß­stä­be mehr fin­den bzw. jeg­li­cher Ver­such dann auch noch zunich­te gemacht wird (Bil­dung ist uncool, Mob­bing), dann kann es für den Ein­zel­nen extrem schwer sein, sein mög­li­ches Poten­ti­al aus­zu­schöp­fen.

Kurz gesagt: „Ich wür­de mich ja bil­den, aber im Fern­se­hen kommt gera­de nur Hirn­brei“.

Die Medi­en infor­mie­ren über das, was die mei­sten Men­schen inter­es­siert. Nach­wuchs von irgend­wel­chen Bri­ten, hin­ter einem Ball her­lau­fen­de oder im Kreis fah­ren­de Deut­sche, gele­gent­lich auch mal „zu Hülf‘, wir wer­den alle über­wacht“, dann aber ohne Lösungs­vor­schlä­ge, son­dern als Stim­mungs­an­reiz. Hier, die Welt um euch her­um ist kaputt, aber guckt euch doch mal das süße Kind an.

Gera­de in einem Wahl­jahr zeigt sich die häss­li­che Frat­ze des Jour­na­lis­mus‘: Klein­ste ver­meint­li­che Pro­ble­me der Par­tei­en – nicht natür­lich der Par­tei, die im Auf­sichts­rat des jewei­li­gen Sen­ders einen gewis­sen Ein­fluss zu neh­men ver­mag, denn so vor­aus­schau­end ist Mit­mensch Jour­na­list dann doch noch – wer­den auf­ge­bauscht, Tenor: Guckt mal, die kann man doch nie­mals wäh­len! Wahl­emp­feh­lun­gen aus­zu­spre­chen ist aber nicht die Auf­ga­be eines Jour­na­li­sten, und ein Jour­na­list, der sol­ches ver­sucht, soll­te uneh­ren­haft ent­las­sen wer­den und künf­tig zu ehr­li­cher Arbeit ver­don­nert wer­den. Jour­na­li­sten, die Edward Snow­den für sei­nen Mut prei­sen (was eben­falls nichts ist, was ein Jour­na­list tun soll­te), soll­ten die­sen Mut zumeist erst ein­mal selbst besit­zen.

Ach, wenn es doch nur unab­hän­gi­ge Medi­en gäbe! Wenn doch nur jemand eine tech­ni­sche Vor­rich­tung ersän­ne, mit­hil­fe derer jeder Mensch auf poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Miss­stän­de hin­wei­sen kann, ohne Jour­na­list zu sein! – Oh, die gibt es schon? Hm. Hier, guckt euch doch mal das süße Kind an.

„Auf RTL kommt nur Mist, dar­um kann ich mich nicht infor­mie­ren.“

Lasst euch ein­pö­keln.