KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: CLANN – See­lie

Clann - Seelie

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Die heu­ti­ge Berei­che­rung ist aus­nahms­wei­se mal wie­der nicht 2018, son­dern bereits 2017 erschie­nen und zählt damit zu jenen Stu­dio­al­ben, die ich letz­tes Jahr zu mei­nem Bedau­ern völ­lig über­se­hen hat­te. In der musi­ka­lisch berei­chern­den Stadt Mont­re­al hat sich Vio­li­nist Seba­sti­an McK­in­non unter dem Pro­jekt­na­men CLANN, was angeb­lich „Fami­lie“ heißt, mit eini­gen Mit­mu­si­kern, dar­un­ter Sän­ge­rin Char­lot­te Olee­na, mit der er schon zuvor Musik auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­licht hat­te, zusam­men­ge­tan, um Film­mu­sik zu machen.

„Film­mu­sik“ ist dabei nicht mal abschät­zig gemeint, denn „See­lie“, das Album, um das es hier geht (Bandcamp.com), ist ein Teil des Mul­ti­me­dia­pro­jekts „KIN Fables“, zu dem Kurz­fil­me eben­so gehö­ren wie ein illu­strier­ter Roman, ein Lang­film soll das Pro­jekt irgend­wann ver­voll­stän­di­gen. Dass „See­lie“, ver­mut­lich nicht wie ein Kose­na­me für eine See­le aus­ge­spro­chen, schon mal klingt wie der sound­track zu einem sol­chen Film, ist posi­tiv zu begrei­fen.

CLANN – The Fae­rie Court (Under Sun)

Obwohl „See­lie“ sich nicht gera­de als beson­ders fröh­li­ches Werk erweist, kom­me ich nicht umhin, eine mor­bi­de Schön­heit fest­zu­stel­len. Manch­mal gibt es die­se Momen­te, in denen Lärm nicht hilft, son­dern Kla­vier und Vio­li­ne. Für die­se Momen­te ist die­ses Album kaum die schlech­te­ste Wahl. Dass es nicht als Vinyl-LP zu haben ist, ist da bei­na­he auch egal.

CLANN – I Hold You

So soll­te es eigent­lich öfter sein.

(Dan­ke, Herr Könich!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ange­merkt zur Welt­han­dels­si­tua­ti­on

An der zumin­dest unge­wöhn­li­chen Nach­richt, dass auf Geheiß des­je­ni­gen Staa­ten­bun­des, in dem auch mal Leh­rer ent­las­sen wer­den, weil sie sich wei­gern, Erst­kläss­lern Wesen wie den Weih­nachts­mann und die Zahn­fee als real exi­stie­ren­de Gestal­ten und nicht als alber­ne Lügen­ge­schich­ten zu leh­ren, was dem unfai­ren Kli­schee vom dum­men US-Ame­ri­ka­ner nun nicht unbe­dingt end­gül­tig den Gar­aus zu machen ver­mag, der Finanz­vor­stand eines chi­ne­si­schen Mobil­funk­un­ter­neh­mens, das es (angeb­lich) wagt, mit Bewoh­nern des Irans Han­del zu trei­ben, obwohl doch besag­ter Staa­ten­bund – nicht iden­tisch oder teil­iden­tisch mit Chi­na – ein Embar­go gegen den Iran ver­hängt hat, damit es wenig­stens für Nor­mal­ge­bil­de­te so aus­sieht, dass der Iran der grö­ße­re Arsch­loch­staat ist, weil er eben­falls an Atom­ener­gie her­um­forscht, was aber bekannt­lich nur die Guten, die man vor fünf­zig Jah­ren noch dar­an erkannt hat, nicht der Iwan zu sein, dür­fen sol­len, im Süd­we­sten Kana­das fest­ge­nom­men wur­de, auf dass sich die­se fre­chen Chi­ne­sen, wenn sie schon gute Argu­men­te für nied­ri­ge Zöl­le (näm­lich preis­wer­te Fer­ti­gungs­strecken) anzu­bie­ten haben, gefäl­ligst künf­tig an die Han­dels­vor­ga­ben der wirt­schaft­li­chen Kon­kur­renz hal­ten mögen, über­rascht jeden­falls mich noch am mei­sten, dass der Rus­se mit kei­ner Sil­be erwähnt wur­de; obwohl der doch eben­falls chi­ne­si­sche Smart­phones ver­kauft und da bestimmt vor­her auch nicht um Erlaub­nis fragt.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Tittr

In einem wirt­schaft­lich dum­men Moment hat Tumb­lr, eine bekann­te Platt­form für Pferd­chen­por­nos, beschlos­sen, Erwach­se­nen­in­hal­te dem­nächst aus­zu­sper­ren. Dass das ein wei­te­rer guter Anlass sein soll­te, über’s Selbst­ho­sten nach­zu­den­ken, bedarf kei­ner wei­te­ren Erläu­te­rung.

Was soll ver­bo­ten wer­den?

Ver­bann­te Inhal­te beinhal­ten Fotos, Vide­os und GIFs von mensch­li­chen Geni­ta­li­en, weib­li­che Brust­war­zen und jeg­li­che Medi­en, die mit Geschlechts­ver­kehr zu tun haben, ein­schließ­lich gra­fi­scher Dar­stel­lun­gen.

Das klingt doch sehr rigo­ros – gibt es kei­ne Aus­nah­men? Doch, natür­lich:

Unter den Aus­nah­men sind klas­si­sche Sta­tu­en und poli­ti­sche Pro­te­ste, die Nackt­heit in den Vor­der­grund stel­len.

Wenn sich eine Frau mit ent­blöß­ten Brust­war­zen heu­te als Mann fühlt und Tumb­lr den Bei­trag sperrt, dann wird es in den geschlecht­lich erhitz­ten Ver­ei­nig­ten Staa­ten sicher­lich einen erfreu­li­chen Rabatz geben. Geneh­migt wäre auf Tumb­lr also eine gra­fi­sche Dar­stel­lung gen­der­flui­der Nack­ter, die vor dem Tumb­lr-Haupt­quar­tier gegen poli­tisch moti­vier­te Prü­de­rie demon­strie­ren. Das wird schön.

Den eige­nen Blog­bei­trag über die Ände­run­gen hat Tumb­lr übri­gens als anstö­ßig gekenn­zeich­net. :evil:

In den NachrichtenMontagsmusik
Kshettra – Walk Under the Moon

Es wird kalt. - Ich weiß. - Ich seh's.

Es ist Mon­tag. Uargh! Da ist zu wenig Kaf­fee in mei­nem Kaf­fee und gestern war zu wenig Sonn­tag in mei­nem Sonn­tag. Ich kann so nicht arbei­ten. For­scher, die das hin­ge­gen ganz gut kön­nen, haben her­aus­ge­fun­den, dass eine Block­chain bis­lang genau kein Pro­zent irgend­wel­cher Pro­ble­me lösen könn­te. Das hät­te nie­mand ahnen kön­nen.

Schon irri­tiert? Auf „ZEIT ONLINE“ wird hier­zu zumin­dest ange­deu­tet, dass man irri­tie­ren­de Mei­nun­gen ja auch ein­fach ver­bie­ten könn­te. Mich zum Bei­spiel irri­tiert Sozi­al­de­mo­kra­tie. Ich bin ein­deu­tig dafür, so zu ver­fah­ren. In Kon­kur­renz­zei­tun­gen steht die gei­sti­ge Son­ne aber auch nicht höher: Für die „taz“ darf ein Typ mit Ohr­rin­gen for­dern, dass Män­ner für ihre Mit­män­ner haf­ten. Ich fin­de das erstaun­lich, weil mein in klei­nem Kreis geäu­ßer­ter Vor­schlag, dass Flücht­lin­ge für ihre Mit­flücht­lin­ge haf­ten soll­ten, nicht über­mä­ßig gut ankam. Viel­leicht hät­te ich mir ein lin­kes Publi­kum suchen sol­len.

Apro­pos Jour­na­lis­mus: Ein Redak­teur vom WDR („WDR Redak­teur“, der Rus­se hat ihm wohl die Bin­de­stri­che geklaut) fin­det es respekt­los, wenn man irgend­wo etwas zu essen ange­bo­ten bekommt, wo es auch ande­re Spei­sen gibt, die man aber nicht mag. Ich fin­de es auch respekt­los, wenn ich irgend­wo essen gehe und dann steht da Alt­bier auf der Spei­se­kar­te. Dar­über berich­tet der WDR aber nie. Frech­heit.

Ein kur­zer Blick in die EDV: Alle 7,8 Mikro­se­kun­den bleibt der Arbeits­spei­cher ste­hen. Ein biss­chen wie man­che Frau beim Ein­kau­fen, mag jetzt ein Teil mei­ner Leser den­ken. Das ist aber selbst­ver­ständ­lich kein ange­brach­ter Scherz, mei­ne Her­ren!

Auf jeden Fall ange­bracht ist aber Musik.

Kshettra – Walk Under the Moon

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenWirtschaft
Gebt uns Geld, hal­le­lu­ja!

Es ist schon Anfang Dezem­ber und ich wur­de noch nicht aus­rei­chend von Wege­la­ge­rern mei­ner Frei­zeit beraubt. Da aber jeder weiß, dass die­je­ni­gen, die nicht ohne­hin schon an jedem Wohl­tä­tig­keits­ding teil­neh­men, beson­ders in der hek­ti­schen, kal­ten, schril­len Vor­weih­nachts­zeit zwi­schen Orga­ni­sa­ti­on und lächer­lich teu­rem Ein­kauf von Tand und Tin­nef für die allen­falls gelo­gen ertra­ge­ne Ver­wandt- und Bekannt­schaft dazu bereit sind, dem Wer­ben von Bett­lern nach­zu­ge­ben, bege­ben sich die Teil­zeit­päd­era­sten end­lich in Gefechts­po­si­ti­on:

Das katho­li­sche Hilfs­werk „Adve­ni­at“ eröff­ne­te sei­ne Kam­pa­gne mit einem Got­tes­dienst in Wies­ba­den. (…) Das Mot­to lau­tet „Chan­cen geben – Jugend will Ver­ant­wor­tung“.

Man muss es ja auch ver­ste­hen: Bei lächer­lich nied­ri­gen staat­li­chen Zuwen­dun­gen in zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he, die über­wie­gend für die Ent­schä­di­gung von Kir­chen­op­fern benö­tigt wer­den, kann nie­mand erwar­ten, dass davon auch noch die Last des Brot­ver­schen­kens getra­gen wird. Jugend will Ver­ant­wor­tung, das muss man doch ver­ste­hen.

Nicht aus­zu­den­ken, wie viel Geld für die Ent­wick­lungs­hil­fe erst frei wür­de, ent­staat­lich­te man end­lich die Kir­chen. Wer sie noch immer mit sei­nen Steu­ern för­dert, der trägt eine Mit­schuld. Der beste Tag für einen Kir­chen­aus­tritt war schon immer der gest­ri­ge.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Alter!

Ange­nom­men, in einer anson­sten völ­lig belang­lo­sen Stadt – zum Bei­spiel Han­no­ver – pas­siert etwas, was nicht unbe­dingt all­täg­lich ist; dass näm­lich zwei Men­schen so arg mit­ein­an­der in Streit gera­ten, dass einer von ihnen Stich­ver­let­zun­gen davon­trägt, wie auch immer das zusam­men­hängt. Berich­te­te ein Bou­le­vard­me­di­um dar­über, inter­es­sier­te es ver­mut­lich vor allem die Natio­na­li­tät und viel­leicht noch das Geschlecht von Täter und Opfer. Die Anga­be des Alters ist aller­dings vor­aus­ge­setzt, denn man möch­te ja nicht über das Gesche­hen, son­dern über die Per­so­nen infor­miert wer­den. Das unter­schei­det Jour­na­lis­mus von „Jour­na­lis­mus“.

Und die Poli­zei? Nun ja:

Ein 48 Jah­re alter Mann ist am Frei­tag, 30.11.2018, im han­no­ver­schen Haupt­bahn­hof mit einem 53-Jäh­ri­gen aus bis­lang unbe­kann­ter Ursa­che in Streit gera­ten und hat dabei Stich­ver­let­zun­gen erlit­ten. Der 53-jäh­ri­ge Angrei­fer ist nach kur­zer Flucht noch auf dem Ernst-August-Platz fest­ge­nom­men wor­den. (…) Im wei­te­ren Ver­lauf füg­te der 53-Jäh­ri­ge dem 48-Jäh­ri­gen Stich­ver­let­zun­gen im Bereich des Ober­kör­pers zu.

Je mehr Zah­len je weni­ger Wert haben, desto lie­ber lesen Men­schen den sie umschlie­ßen­den Text. Ob das Ver­lags­ster­ben wohl auch die Poli­zei erreicht?

Sonstiges
Medi­en­kri­tik CXIII: Sex-Hacks mit acht per­fek­ten Augen­brau­en

Oh, was haben wir denn hier? Eine „JOY“! Das wird doch wie­der pein­lich.

JOY Dezember 2018

Ich emp­feh­le das Gesamt­bild – mit Text – ein­fach mal auf sich wir­ken zu las­sen. Wenn das noch nicht reicht, um gewal­ti­ge Kopf­schmer­zen zu bekom­men: Auf der Ankün­di­gung der „7 Aben­teu­er“ klebt außer­dem eine Bro­schü­re namens „Let’s get cosy!“ („Lasst uns wohn­lich wer­den!“), in denen dem kon­se­quent dümm­lich-juve­nil geduz­ten Leser „33 Deko-DIYs“ vor­ge­schla­gen wer­den, dar­un­ter eine „put­zi­ge Plätz­chen-Dose“.

Let's get cosy!

Ande­rer­seits: Was möch­te man auch von einem Maga­zin erwar­ten, des­sen Auf­ma­chung bis hin zur gro­tes­ken Preis­aus­zeich­nung (NUR EIN EURO! (und 99 Cent)) bereits wie ein ein­zi­ger Hil­fe­schrei wirkt?

‘Medi­en­kri­tik CXIII: Sex-Hacks mit acht per­fek­ten Augen­brau­en’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenComputer
Net­ze sind vor allem anein­an­der­ge­reih­te Löcher.

Der Digi­tal­stand­ort Deutsch­land mit Stand vom 26. Novem­ber:

Ein flä­chen­decken­des 5G-Netz wer­de es auf lan­ge Sicht mit den Fre­quen­zen nicht geben, meint der Bit­kom.

Der Digi­tal­stand­ort Deutsch­land mit Stand vom 28. Novem­ber:

Bis Mai 2019 sol­len die Prin­zi­pi­en zu einem Ver­trag aus­ge­ar­bei­tet wer­den, hieß es wei­ter. Die Grund­la­gen dafür lege der Koali­ti­ons­ver­trag, dem­zu­fol­ge bis 2025 ein Rechts­an­spruch auf flä­chen­decken­den Zugang zu schnel­lem Inter­net geschaf­fen wer­den soll.

Da bin ich ja jetzt schon unfass­bar gespannt.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Bei Twit­ter wer­den jetzt Sati­re­kon­ten weg­ge­löscht.

In den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 28. Novem­ber 2018

Es wird ja als eher falsch wahr­ge­nom­men, jour­na­li­sti­sche Arbeit als „Mei­nungs­ma­che­rei“ zu bezeich­nen. Des­sen unge­ach­tet teil­te Anja Resch­ke (NDR) mit, die Auf­ga­be eines Jour­na­li­sten sei es, Fak­ten ein­zu­ord­nen. Im mehr oder weni­ger deutsch­spra­chi­gen Aus­land klingt das ähn­lich: „Jour­na­li­stin­nen und Jour­na­li­sten haben die Auf­ga­be, (…) das Berich­te­te auch zu inter­pre­tie­ren und zu kom­men­tie­ren.“ Bloß nicht zu viel Frei­raum las­sen.


Man soll­te sowie­so viel mehr mit­ein­an­der reden.


Linux ist sicher vor Viren!!111!


Im „Guar­di­an“ emp­fiehlt Esther Betts, mit Gen­der­kri­ti­kern zu reden statt sie zu blockie­ren. Ich fin­de es befremd­lich, wenn Men­schen ihre Sexua­li­tät zu ihrem maß­geb­li­chen Hob­by erklä­ren, aber ich schrei­be auch nicht für den „Guar­di­an“.


Dazu passt irgend­wie ein Text von 2016: Der Per­so­nen­kult um Ada Love­lace wächst unauf­halt­sam – was hat aber sie wirk­lich gelei­stet?


Es wird kei­ne wei­te­re CeBIT-Mes­se geben. Für die Jün­ge­ren: Eure Eltern und Groß­el­tern wer­den jetzt nicht mehr über Pro­duk­te infor­miert, die ihr seit Mona­ten kennt.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Metal­le­ne Besche­rung

Zwei Jah­re danach ist wenig­stens auf Weih­nachts­märk­ten wie­der die Nor­ma­li­tät ein­ge­kehrt:

Beton-Absper­run­gen sowie mit­ein­an­der ver­schraub­te Metall­git­ter-Kör­be gefüllt mit Sand ste­hen rings­um dem Markt, in den am 19. Dezem­ber 2016 der vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­te­te Isla­mist Anis Amri mit einem gestoh­le­nen 40-Ton­ner gezielt hin­ein­ra­ste.

Um die Stim­mung soll ja auch nie­mand gebracht wer­den. Auf „WELT ONLINE“ (möch­te wg. LSRs nicht ver­linkt wer­den) spricht daher ein Herr zu einem Bild von mit Ster­nen bekleb­ten Mau­ern:

Nun muss trotz aller Zäu­ne, Pol­ler und Poli­zi­sten aber auch noch weih­nacht­li­che Stim­mung auf­kom­men; so man­che der Absper­run­gen sind des­halb zumin­dest schon ein wenig auf­ge­hübscht wor­den.

Ich füh­le mich schon ganz fest­lich.

In den NachrichtenMontagsmusik
Art Against Ago­ny – Cof­fee for the Queen

(Pandasuchgeräusch)Es ist Mon­tag. Nur noch vier­hun­dert­zwei­und­drei­ßig Och­nös bis Neu­jahr, man hat sich ja einen gewis­sen Fata­lis­mus ange­wöhnt. Wenn schon die Sonn­ta­ge nichts mehr her­ge­ben, dann soll­te man wenig­stens den Mon­tag noch ange­mes­sen abhal­ten.

Nicht abge­hal­ten wur­de vor eini­ger Zeit ein dum­mer US-Ame­ri­ka­ner, der fest­ge­stellt hat­te, dass die Ein­woh­ner von North Sen­ti­nel Island, einer zu Indi­en gehö­ren­den Insel, immer noch nicht die good news (in den USA ist das mit den Neu­ig­kei­ten ja immer so eine Sache) vom Chri­sten­tum gehört haben, und dar­um unbe­dingt da hin­fah­ren und die Ein­woh­ner bekeh­ren woll­te. Die Ein­woh­ner wie­der­um haben das gemacht, was jeder ver­nünf­ti­ge Mensch machen wür­de, wenn man ihm unge­be­ten das Leben mit Geist­lich­keit ver­sal­zen möch­te, näm­lich den „Aben­teu­rer“ (CNN) sei­nem Gott zukom­men las­sen. Wenn das alle Völ­ker so machen wür­den, wäre die Welt eine so viel ange­neh­me­re. Dem­nächst ist wie­der „Weih­nach­ten“, da könn­te man das ja ergeb­nis­of­fen aus­pro­bie­ren. – Manch­mal ist „kei­ne Expe­ri­men­te“ aller­dings die bes­se­re Idee: „Digi­ta­li­sie­rung ist jetzt sicher nicht mein Spe­zi­al­be­reich, aber ein abso­lu­tes Zukunfts­the­ma.“ Die­ses Inter­net wird sich wohl nie so recht durch­set­zen.

Mit dem Web geht es auch immer wei­ter berg­ab: Fire­fox 64, heißt es, wer­de mit einer ein­ge­bau­ten Pro­zess­ver­wal­tung aus­ge­lie­fert, mit­hil­fe derer man noch ein­fa­cher sehen könn­te, war­um das Ding so elend lang­sam reagiert. Wenn die Ent­wick­lung in die­sem Tem­po vor­an­schrei­tet, wer­den wir noch 2019 einen klei­nen, schnel­len Web­brow­ser erle­ben, der als Pro­zess in Fire­fox gestar­tet wer­den kann. Ein eige­nes Bewusst­sein erlangt Fire­fox dann unge­fähr 2029, den Rest könn­te man spä­ter sicher sehens­wert ver­fil­men.

Käff­chen?

ART AGAINST AGONY – Cof­fee For The Queen (offi­ci­al video)| www.pitcam.tv

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Trä­den

Träden (2018)Im Som­mer 1967 grün­de­te der schwe­di­sche Musik­stu­dent Bo Anders Pers­son, angeb­lich beein­druckt von einem Besuch von Ter­ry Riley, die gene­ra­ti­ons­ty­pisch psy­che­de­li­sche Musik­grup­pe Pär­son Sound, die sich mehr­fach umbe­nann­te und schließ­lich jahr­zehn­te­lang Träd, Gräs och Stenar („Baum, Gras und Stei­ne“) hieß. 2009 ver­öf­fent­lich­te die­se Grup­pe ihr letz­tes regu­lä­res Album „Hem­lösa kat­ter“, von der Grün­dungs­be­set­zung waren außer Bo Anders Pers­son (Gesang, Gitar­re) noch Torb­jörn Abel­li (Bass) und Tho­mas Mera Gartz (Schlag­zeug) dabei, die 2010 (Abel­li) bezie­hungs­wei­se 2012 (Gartz) star­ben, wäh­rend der Band­grün­der sich nach die­sem letz­ten Album end­lich zur Ruhe setz­te. Übrig geblie­be­ne Auf­nah­men von 2006 bis 2012 wur­den 2017 als „Tack för kaf­fet / So long“ ver­öf­fent­licht.

Die über­le­ben­den Musi­ker, alle­samt erst nach dem Debüt­al­bum von Träd, Gräs och Stenar zur Band gesto­ßen, beschlos­sen, dass Musik ihnen trotz­dem immer noch Spaß macht, und grün­de­ten die wenig über­ra­schend benann­te Nach­fol­ge­grup­pe Trä­den („Bäu­me“), deren Debüt­al­bum (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL), lang­wei­lig nach dem Band­na­men beti­telt, nun vor­liegt.

Nun soll nie­mand anneh­men, dass sich seit 1967 in der Musik der wech­seln­den Her­ren nichts ver­än­dert habe, kon­se­quent beginnt das Album, das ich fort­an „Trä­den“ nen­nen möch­te, daher mit „När lin­go­nen mog­nar“. Die­ses Stück, sei­ner­zeit deut­lich kür­zer, spiel­te die Band, die damals gera­de Har­ve­ster hieß, bereits auf ihrem 1970 ver­öf­fent­lich­ten Album „Hemåt“ und es war wohl am ehe­sten dem heu­te von jeden­falls mir als stau­big wahr­ge­nom­me­nen Folk zuzu­ord­nen. Wie viel fri­scher doch die Ver­si­on von 2018 klingt!

När lin­go­nen mog­nar (Lin­gon­ber­ries Fore­ver)

Den elek­tri­schen Instru­men­ten sei’s gedankt, dass die­se Wei­ter­ent­wick­lung mög­lich war: Statt öder Hip­pie­mu­sik dringt psy­che­de­li­sche Rock­mu­sik, gar Post­rock aus dem Kopf­hö­rer, es wird in die Brei­te gegan­gen und gitarrt, gern auch dreckig ver­zerrt. Die Hälf­te der Stücke auf „Trä­den“, mit Aus­nah­me der Eröff­nung anschei­nend neu, ist über neun Minu­ten lang. Fein.

Gitar­rist und Sän­ger Jakob Sjöholm, seit 1970 gele­gent­lich und seit 1995 festes Band­mit­glied, lei­stet gute Arbeit, fehlt aber in Stücken wie dem effekt­ge­la­de­nen „OTO“ auch nicht unbe­dingt. Trä­den krie­gen bei­des hin und das ist min­de­stens bemer­kens­wert.

OTO

Gen­res sind und blei­ben Pipi­fax. Das Inter­net möch­te trotz­dem „Jam-Psych-Prog“ ane­ti­ket­tie­ren. Ich habe kei­ne wei­te­ren Ein­wän­de.