WirtschaftIn den Nachrichten
Angst essen Ver­trä­ge auf.

Die Uni­on haf­tet nicht für die Ver­bind­lich­kei­ten der Zen­tral­re­gie­run­gen, der regio­na­len oder loka­len Gebiets­kör­per­schaf­ten oder ande­ren öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten, son­sti­ger Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder öffent­li­cher Unter­neh­men von Mit­glied­staa­ten und tritt nicht für der­ar­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten ein[.]
Art. 125 I AEUV

Außer, wenn Coro­na.
Peter Bofin­ger, Dani­el Cohn-Ben­dit, Josch­ka Fischer, Rai­ner Forst, Mar­cel Fratz­scher, Ulri­ke Gué­rot, Jür­gen Haber­mas, Axel Hon­neth, Eva Men­as­se, Juli­an Nida-Rüme­lin, Vol­ker Schlön­dorff, Peter Schnei­der und Mar­ga­re­the von Trot­ta (sinng.)

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (9)

Es kramp-kar­ren­bau­ert das Ober­kom­man­do in die Pres­se rein:

Die Bun­des­wehr hat ein 15.000 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten star­kes Team zur zivi­len Hil­fe in der Virus-Kri­se auf­ge­stellt. Man berei­te sich dar­auf vor, dann zu hel­fen, wenn zivi­le Kräf­te erschöpft sei­en, sagt Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er in der ARD.

So weit, so gut; nur:

Die Kern­auf­ga­ben der Bun­des­wehr wie Ein­sät­ze im Aus­land wür­den wie gewohnt wei­ter­ge­führt.

Könn­te man die nicht statt­des­sen auf die Spar­gel­fel­der schicken?

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

NetzfundstückeNerdkrams
Tore zum Mist­mach­web (5): App­les nobler Kol­la­te­ral­scha­den

Im Juni 2017 schrieb ich:

Das Pro­blem mit dem Digi­tal­stand­ort Deutsch­land ist es nicht vor­ran­gig, dass die Inter­net­ver­bin­dun­gen immer weni­ger für effi­zi­en­tes Arbei­ten taug­lich wären, son­dern, dass für die Daten­über­tra­gung so instink­tiv wie fälsch­lich zu einem Pro­to­koll gegrif­fen wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Pro­gramm, das dafür nicht gedacht ist, eine Web­site auf­zu­ru­fen, die die Pro­ble­me, die das fal­sche Pro­gramm im fal­schen Pro­to­koll not­wen­di­ger­wei­se bei der Umset­zung berei­tet, auf eine Wei­se, die dafür unge­eig­net ist, zu umge­hen („behe­ben“) ver­sucht.

Ein Jahr zuvor, im Juni 2016, wur­de in der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia ein Arti­kel erstellt, der die wei­te­re Ent­wick­lung vor­weg­neh­men soll­te: Eine „Pro­gres­si­ve Web App“ sei „eine Web­site, die zahl­rei­che Merk­ma­le besitzt, die bis­lang nati­ven Apps vor­be­hal­ten waren.“ Sie kön­ne „wie eine Web­sei­te mit HTML5, CSS3 und Java­Script erstellt wer­den“. Weil die­se drei nun die ein­zi­gen drei Spra­chen sind, die die Ange­stell­ten von Start­ups, die nur ein Lie­fer­dienst davon trennt, sich „Code­ma­nu­fak­tur“ zu nen­nen, halb­wegs gut beherr­schen, weil 2020 jeder Schwach­sinn, ob voll „ver­netzt“ oder bloß irgend­wie digi­tal, gefäl­ligst in einem auf­ge­bla­se­nen Doku­men­ten­be­trach­ter lauf­fä­hig zu sein hat (der Markt, wis­sen­schon), ist PWA momen­tan ein Muss.

Eine per­sön­li­che Anek­do­te: Ein Mit­glied mei­ner Fami­lie besaß vor des­sen Abkün­di­gung ein Smart­phone mit Win­dows drauf. Für die­ses Mit­glied war es genau das rich­ti­ge Gerät, die ver­füg­ba­ren Apps – etwa Drop­box – wuss­ten mich aber nicht so recht zu über­zeu­gen; im Wesent­li­chen han­del­te es sich um die Drop­box­web­site in einem Brow­ser­fen­ster ohne Adress­lei­ste, aber mit einem zusätz­li­chen Wer­be­ban­ner. Mir scheint, der Ent­wick­ler­nach­wuchs hat­te nie­mals ein ver­gleich­ba­res Gerät, denn statt kor­rekt zu erken­nen, dass die Inter­ak­ti­on zwi­schen einem Web­brow­ser und dem zugrun­de lie­gen­den System eine von gro­ßer Res­sour­cen­last bei gleich­zei­ti­ger Funk­ti­ons­min­de­rung beschwer­te ohne merk­ba­ren usa­bi­li­ty-Mehr­wert, der über „man braucht nix zu instal­lie­ren“ hin­aus­geht, ist, wur­de all das seit­dem zum wün­schens­wer­ten Trei­ben erklärt, geän­dert allein dadurch, dass der schlecht getarn­te Web­brow­ser jetzt ein­fach direkt als Web­brow­ser gestar­tet wird. (Anmer­kung aus ande­rem Grund: Auf „ZEIT ONLINE“ und bei der „FAZ“ kann man die­ser Tage mit akti­vier­ter Rekla­me­blocka­de auch nicht mehr unge­stört lesen. Wie­der Lebens­zeit gewon­nen!) Anek­do­te vor­über, wei­ter im Text.

Nun leben wir in einer Zeit, in der das anson­sten poli­tisch scheuß­li­che Kon­strukt der Euro­päi­schen Uni­on aus­nahms­wei­se mal etwas Vor­teil­haf­tes erreicht hat, näm­lich eine all­ge­mei­ne Vor­sicht in Daten­schutz­din­gen. Aus­ge­rech­net Apple, als ein­zi­ger der gro­ßen Brow­ser­her­stel­ler nicht auf Wer­be­gro­schen ange­wie­sen, führ­te vor weni­gen Tagen zusätz­li­che Schutz­me­cha­nis­men in Form der begrenz­ten Halt­bar­keit theo­re­tisch zur Benut­zer­ver­fol­gung taug­li­cher Dritt­an­bie­ter­coo­kies und nur sie­ben­tä­gi­gen Spei­cher­frist für Daten im Web Sto­rage, was fak­tisch dazu führt, dass PWAs, die nicht all ihre Daten mit einem Ser­ver syn­chro­ni­sie­ren, nach einer Woche der Nicht­nut­zung wie­der wie neu sind. Aus Daten­schutz­sicht ist das sehr begrü­ßens­wert, blö­der­wei­se macht es aber das Geschäfts­mo­dell von Pro­gram­mier­fau­len (war­um machen die dann über­haupt was mit Pro­gram­mie­ren?) kaputt.

Bereits am Fol­ge­tag wag­te es daher ein Code­ma­nu­fak­tu­rist, die­se Ände­rung als fak­ti­sches Ver­un­mög­li­chen sei­nes selbst­lo­sen Tuns zu bezeich­nen:

Ich lie­be RSS und Blogs, des­halb ent­wick­le ich mei­nen eige­nen Feed­le­ser. Ich woll­te, dass er eine PWA ist, so dass ande­re davon pro­fi­tie­ren kön­nen, aber ich woll­te ihn ohne einen Ser­ver im Hin­ter­grund ent­wickeln.

(Übel­set­zung, wie auch die fol­gen­de, von mir.)

Nun könn­te man ihm ent­ge­gen­schleu­dern: Dann pro­gram­mier doch eine ganz nor­ma­le App, du Depp! :motz: Das hat man auch gemacht, wie er spä­ter ergänz­te:

Zu sagen, dass man dann halt ein­fach eine nati­ve Anwen­dung bau­en sol­le, ist kei­ne Ant­wort. Nati­ve Anwen­dung müs­sen an Tor­wäch­tern vor­bei, das Web nicht.

Das Pro­blem die­ses Herrn ist also, dass er gern eine app, von deren Gat­tung es bereits unge­zähl­te gibt, ver­öf­fent­li­chen wür­de, aber nur unter der Bedin­gung, dass kei­ner prüft, ob sein Code nicht viel­leicht irgend­wel­chen Scha­den anrich­tet, bevor er – der Code – ver­füg­bar wird. Nicht wesent­lich mehr pas­siert in dem Schritt, der hier als Tor­wäch­ter bezeich­net wird. Im glei­chen Arti­kel erwähnt der Ent­wick­ler, der es für eine gute Idee hält, jedes erdenk­li­che Pro­gramm im angreif­bar­sten Teil eines Com­pu­ters (dem Web­brow­ser) zu imple­men­tie­ren, mehr­fach direkt oder indi­rekt, dass ihm Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re sehr wich­tig sei­en, was Apple mit sei­nem Ein­bau von Schutz­me­cha­nis­men ihm lei­der ver­lei­de.

Was machen die­se Leu­te eigent­lich beruf­lich?

In den NachrichtenMontagsmusik
Lar­kin Poe – Trou­ble In Mind

Die klatschen schon wieder!Es ist Mon­tag. Dienst­wa­gen vor­han­den? Hof­fent­lich mit hei­mi­schem Kenn­zei­chen, sonst ruft man neu­er­dings die Poli­zei. Im Wider­stand wol­len sie immer alle nur hin­ter­her gewe­sen sein. Falls noch jemand Fra­gen hat­te, wie so Regimes so lan­ge funk­tio­nie­ren konn­ten: Statt Pan­da­bä­ren haben sie Kenn­zei­chen­auf­schrei­ber aus­ge­stellt. Kann ich die­ses Aus­ster­ben der Mensch­heit noch mal sehen?

Die Nach­rich­ten: Ein Arsch­loch sagt Stuss, den man in dem Land, das Muse­en für unwich­ti­ger hält als Knei­pen, ande­rer­seits nicht anders erwar­ten wür­de. Ich wür­de Achim Berg gern zu mei­nem Schutz video­über­wa­chen. Ein­fach aus Prin­zip. – Die Kla­mot­ten­bran­che ver­kauft gera­de mehr Shirts als Hosen. Ich ergän­ze: Ich wür­de Achim Berg gern zu mei­nem Schutz nur oben­rum video­über­wa­chen. Eine eini­ger­ma­ßen unblö­de Lösung für den Coro­na­kram hat ein­zig Hong­kong gefun­den: Man ver­bie­tet den Men­schen ein­fach das Sau­fen. Angeb­lich führt Alko­hol­kon­sum zu mehr Inti­mi­tät und das ist nicht so gut beim Ein­däm­men. Ver­rückt. Ande­rer­seits: Über­ra­schen­der­wei­se wur­de der Erlass wenig spä­ter revi­diert. Man muss ja Prio­ri­tä­ten set­zen.

Bob Dylan hat ein neu­es Lied. Ich blei­be bei den alten oder höre was völ­lig ande­res.

Lar­kin Poe – „Trou­ble In Mind“ (Live at WFUV)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum Mie­ter­schutz in Kri­sen­zei­ten

Anders als zahl­rei­che Medi­en, die es noch bis vor weni­gen Wochen für eine schie­re Unver­schämt­heit hiel­ten, dass die glei­chen Ver­mie­ter, nach deren Ent­eig­nung zum Woh­le der All­ge­mein­heit, die die Men­ge der Ver­mie­ter dem­zu­fol­ge wohl nicht ein­schließt, sie meist im glei­chen Arti­kel impli­zit oder expli­zit rie­fen, zur­zeit beim Errich­ten neu­er Miets­häu­ser, deren Woh­nun­gen sie nicht mehr zu einem Preis ihrer Wahl, son­dern zu einem Preis der Wahl der „Lin­ken“ zu ver­mie­ten haben, eher zurück­hal­tend sind, die­ser Tage aber das Geschwätz der Justiz­mi­ni­ste­rin (was macht die eigent­lich beruf­lich?) wie­der­käu­en, Mie­ter hät­ten zur­zeit gefäl­ligst nicht zum Bezah­len der in Anspruch genom­me­nen Dienst­lei­stung ver­pflich­tet zu wer­den, über­rascht mich die maue Woh­nungs­si­tua­ti­on in deut­schen Groß­städ­ten nicht im Gering­sten.

MusikIn den Nachrichten
Hirn­fick 2.0 sagt Ver­an­stal­tun­gen ab und streamt sie trotz­dem

Die Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on „Water is Right“ (zu Deutsch: Was­ser hat Recht) macht die Kri­se noch schlim­mer:

Peter Maf­fay, Pur und vie­le ande­re geben am Frei­tag ein Wohn­zim­mer­kon­zert. Und unse­re Redak­ti­on bringt die Künst­ler im Stream zu Ihnen.

Nach Rück­spra­che mit mei­nem Ein­per­so­nen­team (bestehend aus mir) habe ich beschlos­sen, dass es mei­nen Lesern ohne die­se Neu­ig­keit immer noch bes­ser gin­ge als ohne sie. Die Kon­zer­te von Mousse T., Pur, Glas­per­len­spiel, Laith Al-Deen, Peter Maf­fay „und vie­len ande­ren“, die heu­te ab 18 Uhr statt­fin­den soll­ten, sind daher als abge­sagt zu begrei­fen. An ihrer Stel­le sen­det die Hirnfick‑2.0‑Redaktion als zwei­ten Teil ihrer Rei­he „bes­se­re Kon­zer­te dank Coro­na“ einen Stream der abge­sag­ten Kon­zer­te von Mousse T., Pur, Glas­per­len­spiel, Laith Al-Deen, Peter Maf­fay und vie­len ande­ren – wie immer in Full HD und in Dol­by Sur­round.

Peter Maffay geht ab

Gern gesche­hen! :ja:

Netzfundstücke
27. März für alle!

Über die hie­si­gen Rege­lun­gen zu gesetz­li­chen Fei­er­ta­gen lie­ße sich vie­les fra­gen.

War­um zum Bei­spiel schreibt der Gesetz­ge­ber vor, dass man nicht zu arbei­ten braucht, wenn ein neu­es Jahr anfängt? War­um ist der Tag der Arbeit ein arbeits­frei­er Tag? War­um fei­ert man in Tei­len Deutsch­lands das Frau­en­wahl­recht, in ande­ren statt­des­sen alle Hei­li­gen und ein fei­er­lich durch die Stra­ßen getra­ge­nes Gebäck?

Schließ­lich und end­lich:

Wenn seit 1919 gilt, die staat­li­chen Fei­er­ta­ge sei­en Tage der see­li­schen Erhe­bung, war­um steht dann aus­ge­rech­net der heu­ti­ge inter­na­tio­na­le Whis­ky­tag noch nicht in jeder­manns Kalen­der?

PolitikIn den Nachrichten
Demo­kra­tie ist unge­sund

Erin­nert ihr euch noch dar­an, als vor unge­fähr drei­ßig Jah­ren das Volk, für sei­nen Frei­heits­wil­len zuvor von der heu­ti­gen „Lin­ken“ mit uner­war­te­ten Nah­schüs­sen bedacht, sich end­lich dem ande­ren Volk anschlie­ßen konn­te, um zum Bei­spiel im zu glei­chen Tei­len von der SPD und der Auto­mo­bil­in­du­strie geführ­ten Nie­der­sach­sen wesent­li­che Grund­rech­te der Demo­kra­tie, etwa das Recht auf eine freie und unge­hin­der­te Ver­samm­lung zwecks Demon­stra­ti­on gegen die da oben, wahr­neh­men zu dür­fen?

Die mög­li­cher­wei­se gar nicht zustän­di­ge Lan­des­re­gie­rung vom zu glei­chen Tei­len von der SPD und der Auto­mo­bil­in­du­strie geführ­ten Nie­der­sach­sen näm­lich nicht:

Ver­samm­lun­gen nach Arti­kel 8 des Grund­ge­set­zes sind dem­nach pau­schal ver­bo­ten, selbst wenn sich die Demon­strie­ren­den an die in der All­ge­mein­ver­fü­gung Nie­der­sach­sens vor­ge­ge­be­nen Abstän­de unter­ein­an­der hal­ten wür­den.

Was ich von einem Staat, der im Fal­le einer gesund­heit­li­chen Kri­se zuerst Kul­tur­zen­tren und zuletzt Fri­seu­re zu schlie­ßen bereit ist, in die­ser Situa­ti­on sonst erwar­tet hät­te, wage ich aber eigent­lich gar nicht selbst zu wis­sen.

(via Schwerdt­fe­gr)

Fotografie
Ein Tritt frei.

Ande­re Zei­ten, ande­re Sit­ten:

Ein Tritt frei

Aber wie vie­le Per­so­nen darf man ein­tre­ten, wenn alles wie­der vor­bei ist?

Netzfundstücke
Der Mas­ken­mann

Es zitiert die „ZEIT“ (vor Beginn der Bezahl­schran­ke) den amtie­ren­den Gesund­heits­mi­ni­ster:

Jens Spahn sagt, er sei durch die Coro­na-Kri­se zum „Spe­zia­li­sten für den Mas­ken­markt“ gewor­den.

Da sage noch einer, Deutsch­land hät­te kei­ne Exper­ten­re­gie­rung! Wohl dem, der jetzt trotz­dem nicht an Stroh denkt.


Was pas­siert eigent­lich, wenn man gedan­ken­los alles auf einem Com­pu­ter ande­rer Leu­te („cloud“) spei­chert? Nun, der Com­pu­ter ande­rer Leu­te („cloud“) ist dann irgend­wann voll.

MusikIn den Nachrichten
Sin­gen, Applaus und Vor­hang

Dass Pfle­ge­kräf­te sich vom täg­li­chen Applaus nichts kau­fen kön­nen, hat der „Postil­lon“ bereits gut genug dar­ge­stellt. (Weiß Kata­ri­na Bar­ley eigent­lich, in wel­cher Par­tei sie ist?) Dass man zur­zeit unbe­dingt ein Zei­chen set­zen möch­te, koste es, was es wol­le, ist ver­mut­lich ein Teil der mensch­li­chen Natur.

Eben­so ist es das Bedürf­nis des Men­schen, der Musik nicht zu ent­ge­hen, und weil das Strea­men abge­sag­ter Kon­zer­te den Deut­schen nicht lan­ge genügt, wird seit fönf Ohr fön­fondvör­zäg zurück­ge­sun­gen: All­abend­lich ver­sam­melt man sich in vie­len Gegen­den und klei­nen Grup­pen dort, wo es mög­lichst vie­le Anwoh­ner stört, und trägt schlim­me Klas­sik oder gar Pop­mu­sik vor. Für Slay­er reicht es hier­zu­lan­de sel­ten.

Nun ist unklar, wie vie­le Men­schen heu­te sin­gen wer­den, denn – ARGHHHH!!! OMG! – es gibt anschei­nend eine neue Mög­lich­keit, als Eltern die Auf­sicht über die eige­nen Kin­der wäh­rend der Iso­la­ti­on zu dele­gie­ren: Das qua­li­täts­re­du­zier­te „Dis­ney+“ ist jetzt auch in Deutsch­land ver­füg­bar. Da wird nicht mehr gesun­gen, da wird geglotzt.

Scha­de eigent­lich, denn es gibt gera­de einen guten Grund zu sin­gen: Außer Albert Uder­zo, dem letz­ten noch leben­den der bei­den Erfin­der des wie­der aktu­el­len Pas­sier­scheins A38, starb nun auch „Gabi“ Del­ga­do (DAF) im nicht ganz so hohen Alter. Man wünscht sich, die auch – „Todes­fei­er“ gehört zu den häss­lich­sten mir bekann­ten deut­schen Wör­tern – den Tod gern fei­ern­den Men­schen sän­gen statt der „Ode an die Freu­de“ end­lich mal was Schö­nes.

Der Mus­so­li­ni

Aber Rhyth­mus, Rhyth­mus haben sie lei­der alle nicht.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
„Weird Al“ Yan­ko­vic – Dare To Be Stu­pid // Netz­kom­pe­tenz­dros­se­lung

Ist Corona vorbei?Es ist Mon­tag. F.D.P., Grü­ne und „Lin­ke“ wol­len den Staat von der Kir­che frei­kau­fen. Laut irgend­wel­cher Umfra­gen stei­gen die Zustim­mungs­wer­te der „christ­li­chen“ Par­tei­en gera­de den­noch auf Kosten der ande­ren Par­tei­en. Ob sich der Begriff des „klei­ne­ren Übels“ jemals zur Dis­qua­li­fi­ka­ti­on eig­nen wird? Ich möch­te es noch erle­ben – es und eine welt­wei­te Pan­da­bä­ren­po­pu­la­ti­on.

Weil in der Euro­päi­schen Uni­on fast aus­nahms­los Poli­ti­ker an den Schalt­he­beln der Wirt­schaft sit­zen, denen das Inter­net am Arsch vor­bei­geht, hat die Euro­päi­sche Uni­on jetzt Net­flix erfolg­reich dahin­ge­hend genervt, dass es die Bild­qua­li­tät run­ter­dreht, falls der Gucker in der EU sitzt. So soll eine Über­la­stung der Kno­ten ver­mie­den wer­den, die wegen Home-Office-Rege­lun­gen gera­de mehr Ver­kehr durch- und an die Geheim­dien­ste ablei­ten müs­sen als sonst üblich. Nun könn­te man argu­men­tie­ren, dass, wenn man in einem Staat lebt, des­sen staat­lich geför­dert­ster Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zern die Digi­ta­li­sie­rung des All­tags nicht flä­chen­deckend umzu­set­zen bereit ist, viel­leicht das Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um, kei­nes­wegs aber ein Anbie­ter drin­gend etwas unter­neh­men soll­te, aber wir leben in einer Zeit, in der man wesent­li­ches Ver­sa­gen des Staa­tes nicht mehr wahr­neh­men will. Not­stands­ge­set­ze, Kri­se, Panik. Man been­de umge­hend die Kri­tik. Ist es nicht ganz erstaun­lich, was die­ser Staat mit uns Bür­gern alles machen darf, ein­fach so? Immer­hin wird das Kli­ma­ziel erreicht. Strei­ken ist so 2019, Krank­wer­den geht schnel­ler.

Noch schnel­ler funk­tio­nie­ren Mes­sen­ger (für die Älte­ren: Chat­pro­gram­me) wie ICQ, Three­ma und Whats­App. Letz­te­res ist zu Recht in Ver­ruf gera­ten, weil es aus Daten­schutz­sicht ein furcht­ba­rer Anblick ist. Fol­ge­rich­tig dient es jetzt einem ande­ren furcht­ba­ren Anblick: Bri­ti­sche Sol­da­ten müs­sen jetzt Befeh­len über Whats­App Fol­ge lei­sten. Eini­ge mei­ner Leser frag­ten mich bereits, ob ich statt­des­sen Tele­gram, das als akzep­ta­ble Alter­na­ti­ve gilt, nut­ze. Über­ra­schend stellt sich her­aus, dass es aber gar kei­ne akzep­ta­ble Alter­na­ti­ve ist.

Stellt euch vor, es ist Ter­ror­an­schlag und kei­ner geht hin (wegen Coro­na). Das schreit nach pas­sen­der Musik.

„Weird Al“ Yan­ko­vic – Dare To Be Stu­pid (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Leit­ke­gel – Wir sind für dich da

Leitkegel - Wir sind für Dich daLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Aber was kann man emp­feh­len in die­ser Zeit? In Wür­se­len, der Hei­mat einer poli­ti­schen Null, bre­chen die Men­schen inzwi­schen Autos auf, weil Klo­pa­pier dar­in ist. Das ist so ver­rückt, da müs­sen deut­sche Tex­te her, am lieb­sten mit ordent­lich Krach.

Da kommt die Post-Hard­core-Band Leit­ke­gel gera­de recht, die zwar nicht Fjørt ist (scha­de!), aber bereits im Dezem­ber 2019 mit „Wir sind für Dich da“ (Band­camp, TIDAL, Amazon.de) trotz­dem einen Recht­schreib­feh­ler und ein beacht­li­ches Album ver­öf­fent­licht hat.

Leit­ke­gel – Spie­gel­bild

In der nicht son­der­lich ansehn­li­chen Ver­packung wur­den Text­zi­ta­te aus der Pop­kul­tur eben­so ein­ge­floch­ten wie ein wenig Kri­tik an der­sel­ben: Ein Stück heißt „Toco­tro­nic darf nie­mals sie­gen“ und amü­siert mich schon des­halb. Recht haben sie. Anson­sten natür­lich: Gitar­ren und – wie gewünscht – ordent­lich Krach.

O.J. Simpson (Waf­fen töten kei­ne Men­schen)

Ein Leit­ke­gel für die Musik des Jah­res 2020, steht zu hof­fen. Wir war­ten es mal ab.