Den Neologismus des Covidioten (ein Mensch, der sich aus egoistischen Gründen gegen Schutzmaßnahmen gegen Corona auflehnt) hat die Gesellschaft ja inzwischen verinnerlicht, aber wie nennt man Politiker, die – wie etwa die in der Stadt Frankfurt – den Konsum von Äppelwoi wegen Coronaunterbinden wollen?
Nach dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen reagiert die Stadt Frankfurt mit verschärften Corona-Regeln. (…) An bestimmten öffentlichen Plätzen und in Parks gilt ganztägig ein Alkoholverbot[.]
Die Intention ist mir ja klar: Wo einer trinkt, da trinken oft auch mehr, und das ist nicht gern gesehen. Aber sollte man dann nicht eher das Rauchen in Parks verbieten? Trinken kann man überall, nur als Raucher bildet man Trauben um den Aschenbecher.
Das wäre auch gesunder für die Lunge.
Hihi: Zeitungsboten können nicht besser bezahlt werden, weil, äh… na… das ist sonst schlecht für die Demokratie!
Vor einigen Jahren taten sich der Saxophonist Mats Gustafsson (Fire!, The End), der Schlagzeuger Balázs Panda Pándi (Obake) und der Sololärmerzeuger Merzbow zusammen, um gemeinsam unter dem Titel „Cuts“ (2013) „beeindruckenden Krach“ (Quelle: Internet) hervorzubringen. Später fand man sich gemeinsam mit Thurston Moore (Sonic Youth, schade drum) in einem Studio ein, um das 2015 veröffentlichte Doppelalbum „Cuts of Guilt/Cuts Deeper“ (Amazon.de, TIDAL) aufzunehmen. Es ist umwerfend.
Das meine ich nicht mal nur im üblichen Sinn als Umschreibung für irgendwelche Superlative, sondern zum Teil auch wörtlich. Die vier Herren haben den „beeindruckenden Krach“ wohl auch dank des in beeindruckendem Krach erfahrenen Gitarristen in ein vielschichtiges Durcheinander verteilt, das demjenigen, der ohne Erwartungen an das Album herantritt, einen akustischen Arschtritt verpasst. Mit Anlauf. Keine Strukturen, kein Gesang, eigentlich nicht mal Melodien; nur an Rhythmus mangelt es nicht, wenngleich Balász Pándi den freiformatigen Ausflügen seiner Kollegen nur wenig Schärfe entgegenzusetzen hat. Einzig das vergleichsweise mild beginnende, sich aber bald verdichtende „too late, too sharp – it is over“ betont die crimsonesk-perkussive Seite der Quartetts; auf die es freilich hier nicht ankommt.
Das kürzeste der vier Stücke – „divided by steel, falling gracefully“ – ist über 17 Minuten lang. Schade, als Radiosingle wird da wohl nichts mehr kommen. Diese strukturelle Parallele zum auch sonst recht ähnlichen „asia“ von Boris, einem Album, das ich gefälligst dereinst auf meiner Beerdigung zu hören erwarte (bzw. eben nicht), nehme ich zur Kenntnis.
Es ist Montag. Deutschland werde demnächst, heißt es, im Ministerrat der Europäischen Union abermals herauszufinden versuchen, wie man die „umstrittene“ (ebd.) anlasslose Überwachung aller EU-Bürger doch noch regelkonform installieren könnte. Ich könnte jetzt was zum deutschen Wesen und zur Gesundheit der Welt anfügen, aber ich lasse es. Vielleicht sollte man den Rat durch Pandabären ersetzen. Pandabären haben bessere Ideen (Essen, Schlafen) als das.
Die Auslandspresse berichtet, dass eine mögliche Nachfolgerin der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg sich in der Vergangenheit auch für faire Prozesse gegenüber der sexuellen Belästigung bezichtigten Männern ausgesprochen habe. Der „Standard“ ist empört.
Neues von der Coronafront: Die „Tagesthemen“ interpretieren das Virus per „Meinung“ sozusagen als Strafe Gottes, weil, haha, jetzt auch mal ein Bösewicht betroffen sei. Sagen, was ist. Fast zum gleichen Thema: In Frankreich wird man neuerdings weggesperrt, wenn man in einer Kneipe einen Internetzugang anbietet und sich nicht darum schert, was die Gäste damit anstellen. Könnten ja Terroristen sein.
Deutlich besser, aber auch aus Frankreich: Musik.
Camembert ► Le Meurtrier Volant [HQ Audio] Schnörgl Attahk 2011
Gerade kein Feind da? Kein Problem, es gibt ja Viren.
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat fassungslos darauf reagiert, dass der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Hilfe der Bundeswehr bei der Corona-Kontaktnachverfolgung trotz rasant steigender Infektionszahlen kategorisch ablehnt. (…) In elf Berliner Bezirken kommen bereits Soldaten zum Einsatz, die bei der oft telefonischen beziehungsweise IT-gestützten Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten oder in Teams für Tests eingesetzt werden.
Warum genau muss diese Aufgabe eigentlich ein Verband wahrnehmen, dessen einzig relevanter Unterschied zum Technischen Hilfswerk es ist, dass er neben dem Katastrophenschutz auch Arschlöcher dafür bezahlt, das Ausland mit Panzern und sonstigem Blödsinn in die Demokratie zu ballern, und warum beenden wir diese Farce nicht endlich, integrieren die Nichtbewaffneten ins Technische Hilfswerk und sparen eine Menge Geld?
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.
In weiteren Nachrichten: Je weniger Nutzer Firefox hat, desto besser wird der Vorstand bezahlt. Na, ist das Leistungsprinzip immer noch so eine schlechte Idee?
Das Bundesministerium für alle, die kein Mann sind, teilt mit:
Jungen und Männer sind Unterstützer von Gleichstellung und Frauenemanzipation (…)[.] Deshalb erachtet es partnerschaftliche Gleichstellungspolitik als notwendig und zumutbar, dass Jungen und Männer Frauenemanzipation unterstützen, zurückstehen, Verzicht leisten, auch „einfach mal die Klappe halten“.
Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht im Vorwort die unverantwortliche Ministerin „Dr.“ Franziska Giffey, SPD. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe: Der Wunsch wurde erfüllt.
Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), verhinderte per Weisung, dass schwere Türen sowie andere bauliche Veränderungen im Haus Rigaer Straße 94 beseitigt wurden. (…) Bereits 2016 hatte die Berliner Polizei festgestellt, dass die Bewohner des Hauses „bauliche Veränderungen“ vorgenommen haben, durch die Rettungswege und der Einsatz von Rettungskräften beeinträchtigt wurden. Außerdem sei der Brandschutz beeinträchtigt. Florian Schmidt wies seine Mitarbeiter an, nichts gegen die Missstände zu unternehmen.
Geht nicht um falsche Gleichsetzungen, nur merkt hier eigentlich jemand, wie sehr der Kampf gegen Rechtsradikalismus & für unseren Rechtsstaat geschwächt wird, wenn Gesetze & Verordnungen nicht für alle gelten?
Gute Nachrichten: Der in einem kleinen Teil Deutschlands mit mehreren Filialen ansässige Brotbeleger FreshSub verfügt inzwischen auch über eine Online-Order:
Einfach mindestens 60 Minuten vor der gewünschten Abholzeit dieses Vorbestellformular zu uns faxen und danach kurz anrufen um die Bestellung zu bestätigen.
Online? Ja: Man muss das Formular erst runterladen.
Ich vermisse die Zeit vor der Digitalisierung manchmal schon ein bisschen.
Heute streiken mal nicht die Lokführer der Bahn, sondern, wie unter anderem der ADAC nicht ganz uneigennützig angekündigt hatte, die medial ausschließlich dann, wenn die Gesellschaft mal wieder einen Nachteil davontragen soll, auffallenden Gewerkschaftler im öffentlichen Personennahverkehr. Dennoch möchte ich meinen Beitrag von Dezember 2018, in dem es um die damaligen Streiks bei der Deutschen Bahn ging, auszugsweise zitieren: Ich möchte…
(…) nochmals anregen, bei der Digitalisierung verstärkt darauf zu achten, zuerst jene Arbeitsplätze mit Robotern zu besetzen, die für die Aufrechterhaltung von Infrastruktur notwendig sind[.]
Was ich an dieser Stelle zu erwähnen vergessen hatte, ist, dass Streiks (für die Jüngeren, die das immer wieder falsch benutzen: das ist, wenn man nicht arbeitet, obwohl man eigentlich arbeiten müsste) als Druckmittel auf die Arbeitgeber vielleicht in der Theorie eine gute Idee sind, nur stört es die Arbeitgeber, üblicherweise mit einem Auto ausgestattet, nicht im Geringsten, wenn die Busse und Straßenbahnen nicht fahren. So gesehen muss den Gewerkschaften, einst für die Rechte der Arbeitnehmer einstehend, an dieser Stelle bescheinigt werden, dass sie ausgerechnet denjenigen keinen Schaden zufügen, gegen die sie zu kämpfen behaupten; mithin: die Arbeitnehmer so lange schädigen, bis es die Chefs hinreichend langweilt.
Es ist Montag. Die Kasperpartei SPD möchte Jecken fürs Jecksein besser bezahlen. Falls noch jemand Fragen hatte, warum kein Geld für Bildung, Soziales und Anbau von Bambus zwecks Anlockens staatseigener Pandabären da ist: Tätää, tätää, tätääää!
Ein achtzehnjähriger Pakistani hat zugegeben, vor dem ehemaligen Sitz einer französischen Satirezeitschrift herumgemessert zu haben, weil diese Zeitschrift ein paar Zeichnungen veröffentlicht hatte, die ihm nicht zusagten. So wütend auf Bilder muss man ja auch erst mal sein. Macht Religion blöd oder sind Blöde religiös? – Apropos blöd: Kaum wird ein ehemaliger NSA-Oberst in den Amazonvorstand gewählt, vertreibt eine Tochterfirma des Konzerns praktischeDrohnen für zu Hause. Für die, äh, Sicherheit. Nein, natürlich gibt es da keine Nachteile für Datenschutz und Privatsphäre, Ehrenwort. Ich wiederhole: Ehrenwort. Die ebenso ehrenwerte Grüne Jugend hat derweil erfolgreich Arbeit zum Erliegen gebracht. Grün zu wählen muss man sich eben erst mal leisten können.
In den Vereinigten Staaten hat sich jemand mit Lakritz umgebracht. Das nenne ich wahre Passion und bin ein bisschen beeindruckt, werde jedoch auch meinen eigenen Konsum künftig vielleicht etwas anders strukturieren.
Was ich aber nur in hoher Dosis wirklich genießen kann: Musik.
Nahezu gleichzeitig beschweren sich beidseits des politischen Spektrums Aktivisten sowohl darüber, dass vom Verfassungsschutz beobachtete Strömungen anderer Parteien nicht zum sofortigen Parteiverbot führen, als auch darüber, dass ihre eigenen Strömungen auch überwacht werden; aber sind Parteien, deren Strömungen vom Verfassungsschutz völlig ignoriert werden, nicht Parteien, die nach der Wahl offensichtlich zu wenig an den Grundlagen ändern wollen, wenn doch ein Konsens besteht, dass die Symptome zu bekämpfen noch nie genügt hat?
Warum auch sollte man etwas anderes als die Parteien der bewahrenden Konservativen wählen, wenn man nicht möchte, dass sich an bewährter Politik jemals mehr ändert als die Auswahl der gerade unumstrittenen Wörter?
An diesem Titelbild der ehemaligen Hitlerzeitung stört mich tatsächlich der aufgedruckte hashtag – jedes Mal, wenn ein Möchtegern versucht, einen hashtag, der in sonst beschränkten Onlinemedien wie Twitter als Kategorisierung dient und anderswo nichts tut außer den Verursacher als einen Vollidioten zu identifizieren, außerhalb dafür geeigneter Medien zu verwenden, stirbt irgendwo ein niedliches Kätzchen und/oder ein niedlicher Pandabär, daher bitte ab sofort sein lassen – ausnahmsweise nicht einmal mehr als der ganze Rest. Auch mal eine schöne Erfahrung.
Rechtsradikaler Nazivordenker des Monats: Karl Marx.
Vorher würden „mögliche Zielkonflikte zum Beispiel mit zu Fuß gehenden Parknutzenden“ geklärt.
Ich wiederhole mich: Viel Vorsprung wäre aufgeholt, schenkten wir Berlin einfach den Chinesen. Einen Flughafen mögen sie noch bauen können, aber dagegen haben sie keine Chance.
Ich fand im Internet zufällig dieses ursprünglich interne Memorandum aus der inzwischen von Hewlett Packard Enterprise übernommenen Firma SGI, die damals (1993) gerade IRIX 5.1 veröffentlicht hatte. In ihm werden die Probleme mit der Geschwindigkeit und Größe des Systems unter anderem wie folgt angesprochen (übersetzt von mir):
Innerhalb einer Woche wuchs mein neu gestartetes IRIX 5.1 auf mehr als 13,8 Megabyte [Arbeitsspeicher] an – einen großen Teil eines 16-Megabyte-Systems. (…) Das Fenstersystem (Xsgi + 4Dwm) wuchs von 3,2 auf 3,6 MB an und der Rest ist auch gewachsen. (…) Die gesamte Speichernutzung beträgt 21,9 Megabyte, und das nur, weil ich IRIX gestern Abend neu gestartet habe, um die Kernelgröße zu reduzieren.
Seitdem frage ich mich: Was genau können typische Desktopcomputer im Jahr 2020, das Hochleistungsrechner 1993 nicht konnten, was nicht in 32 Megabyte RAM passen kann?