Archiv für September 2010

In den NachrichtenPolitik
Stuttgart 21 in Kurzform

Was von Stuttgart 21 (eine Erklärung gibt es, falls benötigt, in der deutschsprachigen Wikipedia) zu halten ist, illustriert dieses Bild (via Fefe).
Vorsicht, ziemlich auffällige Wunde.

Und sowieso, siehe SPIEGEL Online:

Mappus (Ministerpräsident, CDU) selbst hatte am Donnerstag andere Pläne: Er amüsierte sich auf dem Bauerntag in Stuttgart und trank entspannt mit den Landwirten Bier.

Schlägertruppen und Gasangriffe gegen das eigene Volk; nich‘ übel.
In letzter Konsequenz bedeutet das, dass die USA Herrn Mappus eines Tages aus einem Erdloch in Stuttgart ausgraben und dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.

Aber irgendetwas sagt mir, dass auch diese Perversion nicht dazu führen wird, dass die CDU bei den nächsten Wahlen einstellige Ergebnisse davontragen wird. Höchstens Herr Mappus wird ausgetauscht.

„Same shit, different asshole“, so lautet ein geflügeltes Wort unter Angloglotten.
Die CDU scheint sich weltweite Bekanntschaft gesichert zu haben.

(Das soll dann auch reichen.)

NetzfundstückePersönlichesSonstigesSpaß mit Spam
Lecker Rosenbraten

Der Zufall wollte es, dass ich heute lauschend an einer Diskussion zweier gereifter Damen teilnahm. Sie unterhielten sich zum Zeitpunkt meiner Einkehr über esoterische Rezepte, was beinahe schon spaßig genug ist. (Ich hoffe, ich werde nie so.)

Den aktuellen Zubereitungstipp stellte hierbei so genanntes Rosenelixier dar. Eine der gereiften Damen so sprach, man solle ein Glas mit Rosenblüten eine Weile stehen lassen, die resultierende Flüssigkeit schmecke dann „ganz leicht nach Rosen“. Die andere gereifte Dame war begeistert und ich versuchte, mir den skeptischen Blick nicht anmerken zu lassen.

Sätze wie „Komm, wir trinken Kaktuswasser“ oder „Mmh, leckere Palme!“ wird man, dessen bin ich mir sicher, nie von mir hören. (Während ich dies schreibe, erhalte ich die Reaktion, Rosenwasser sei etwas ganz anderes und ich habe wohl noch nie Kuchen gebacken und sei überhaupt voll blöde. Ich danke vielmals für diese Erkenntnis und möchte zu verstehen geben, dass ich auch an Rosenkuchen keinerlei Interesse zeige.)

Nun, es gibt wunderliche Lebensmittel. Ich erinnere mich, es ist schon ein paar Jahre her, einmal ein Teegeschäft in einer von Duftkerzen umnebelten Kelleretage eines Esoterikladens aufgesucht zu haben. Der Verkäufer hielt mir diverse Tees unter die Nase, ich sog begierig den Odeur auf und wurde beim vierten oder fünften Tee beinahe ohnmächtig. „Dieser hier riecht ein wenig nach Fisch“, plapperte der Verkäufer munter drauflos, während ich wankend versuchte, höflich zu nicken. Fischtee – mjam.

Ähnliche Substanzen, wie ich vermute, sind auch in der Spammerszene nicht unbekannt. Soeben erreichte mich an eine ansonsten beinahe ungenutzte Mailadresse bei einem großen deutschen Telekommunikationsanbieter eine E-Mail mit dem Betreff „Parkvergehen 3327102“; ein Betreff, den ich sonst nur von Universitätsmails kenne, wo offenbar täglich irgendwer seine von Mama ergaunerte Karre zu Schrott fährt.

Tatsächlich aber hatte die Mail mit Parken nur wenig zu tun, eher mit Stehen im Halteverbot:

Nehmen Sie sich doch kurz Zeit fuer uns!

Leider kostet auch das Löschen dieses Unfugs Zeit; somit habe ich gar keine andere Wahl. Frechheit eigentlich.

Sie haben Erektionsschwierigkeiten? Die Hektik belastet Sie und hat auch noch negative Folgen fuer Ihr Liebesleben? Sie wollen Ihrer Frau wieder beweisen, dass sie noch immer ein ein richtiger Mann in der Erotik sind? Vorbei mit den Sorgen, und vorbei mit den erotischen Schwierigkeiten.

Juchhe.

Mit unseren blauen Wunderpillen werden Sie umgehend wieder ein guter Lover und ihre Freundin wird sie vergoettern!

Vergöttern? Möchte ich das?
Ist man ein Gott, wird man ständig von irgendwelchen faulen Schmarotzern um irgendwelche Wunder angebettelt, selbst nachts. Darauf habe ich eigentlich keine Lust; und schon gar nicht, wenn der faule Schmarotzer eine Frau ist, deren Wünsche sind schon wunderlich genug, ohne dass man ein Gott ist. Ich verzichte auf Pillen, die mich zum Götzen für Millionen leichtgläubiger Idioten werden lassen.

Absolut sichere Bestellungen im Web auf der Homepage —- (… tiny.cc-gekürzter Verweis auf eine Seite mir sicherheitshalber unbekannten Inhalts …)

Sicher ist sicher; darum verzichtet ihr auch besser darauf, die Adresse vollständig in die Mail zu schreiben. Spamfilter mögen das nicht.

— Mit besten Gruessen
Christiane Horn —–

Frau Horn, Sie sollten mal Ihre Zeilensprungtaste überprüfen lassen.

(… drei Zeilen inhaltsleerer, pseudoenglischer Spamprosa …)

Hallo!

Äh, wie, was?

Sie haben Erektionsprobleme? Die Hektik belastet Sie und hat auch noch Folgen fuer Ihr sexuelles Leben? Sie wollen Ihrer Freundin wieder demonstrieren, dass sie noch immer ein ein richtiger Mann beim Sex sind?

Ach, jetzt verstehe ich. Der zweite Teil sollte gar nicht an mich gehen. Oder der erste. Oder beide?
(Ein schlauer Mensch merkte einmal an: Wer von sich behauptet, nie unerwünschte Penispillen-Mails zu bekommen, freut sich über die günstigen Angebote.)

Vorbei mit den Noeten, und vorbei mit den Erektionsproblemen.

Und vorbei, mit der Interpunktion.

Mit unseren blauen Dingern werden Sie umgehend wieder ein leidenschaftlicher Liebhaber und ihre Partnerin wird sie bewundern!

Hierzu zwei Anmerkungen:

  1. „Blaue Dinger“? Blaue Dinger?! Schlumpfversand oder wie?
    Frl. Horn, Sie machen mich lachen. (Reimt sich und ist wahr.)
  2. „… und ihre Partnerin wird sie bewundern“; anders als in dem Teil vor dem „und“ ist das Personalpronomen hier konsequent klein geschrieben, also ist’s keine Anrede. Es werden also die versendeten Schlümpfe von ihrer Partnerin (Schlumpfine?) bewundert, wenn ich sie kaufe? Warum sollte ich das wollen? Das Liebesleben von Schlümpfen ist mir suspekt. (Es waren 101 Schlümpfe inklusive Schlumpfine, wenn ich mich richtig entsinne. Soll das eine zum Kauf anregende Vorstellung sein?)

Uah.

Sichere Bestellungen im Web auf der Seite

(… tiny.cc-gekürzter Verweis auf eine Seite mir sicherheitshalber unbekannten Inhalts …)

Ah, diesmal klappt’s mit den Zeilenumbrüchen.

Wir wuenschen Ihnen viel Erfolg
Christiane Horn

Ich fürchte, dieser Beitrag wird mir tatsächlich einigen Erfolg bescheren; nicht selten, dies verrät meine Seitenstatistik, suchen verirrte Internetnutzer nach Schlumpfsex. Eigentlich beunruhigend.

Jetzt

Echt?

—-
(… sieben Zeilen inhaltsleerer, pseudoenglischer Spamprosa …)

(Ich habe einmal darauf verzichtet, mich mit dem Inhalt der Prosa zu befassen. Dass „Smurfs that do it“ darin stand, kann ich also nicht mit Sicherheit ausschließen. Es waren aber, Hank sei Dank, keinerlei Bilder angefügt.)

FotografieMusikPersönlichesSonstiges
Umschwung (lustiges Wort eigentlich)

Ich wusste, dass heute etwas passieren würde, als ich heute früh aufstand und es noch immer regnete. Beim Versuch, meinen Rucksack mit den benötigten Utensilien zu befüllen, gab der Reißverschluss nach, was dazu führte, dass ich heute, wäre da nicht mein mobiler Kleincomputer, im Studium auf jegliche Notizhilfe – immerhin war mein Laptop-Rucksack zugleich mein übliches Utensilienbehältnis – hätte verzichten müssen. (Danke, lieber Android!)

Beschwingt verließ ich also, minimal mit Accessoires (Android, Schirm, portables Audiofixbesteck) ausgestattet, das Haus, ließ mich gemächlich durch die Landschaft chauffieren, und mitten in den schönsten Schauer platzte

Schnee.

So weit nichts ungewöhnliches, ist doch die Weihnachtszeit schon wieder gefühlt fast vorbei, aber erwähnenswert; da es, immerhin, der erste Schnee des nahenden Winters ist, an dem ich teilhatte. (Diese Klimaerwärmung, bibber, bringt uns alle, schlotter, noch um.)

Ein Einschub: Ich hatte Herrn haekelschwein unlängst die Qualität von Schirmen für zwei fuffzich bildlich zu erläutern versucht. Nun ergab sich die Ironie, dass der Schirm, der heute mein welkes Haupt vor Ungemach bewahren sollte, ebenfalls ein Schirm für etwa zwei fuffzich war; und sich beim ersten Windstoß, zack!, verabschiedete.

Apropos zwei fuffzich: Ich stieß heute in einer Filiale einer großen deutschen Elektronikfachhandelskette auf ein Regal mit Tonträgern und nahm erfreut zur Kenntnis, dass das Konzept, neuen Musikalben aussagekräftige Titel zu geben, wieder in Mode kommt.

Der geneigte Musikfreund erinnert sich: Die Beatles veröffentlichten 1967 das Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, eines der Pionierwerke in der Geschichte der Konzeptalben, wenn auch am Ende auf eine „Rahmenhandlung“ geschrumpft. 1969 folgte „In The Court Of The Crimson King“ von King Crimson, wie vorgenanntes Album prinzipiell ein Konzeptalbum, auf dem die Band sich selbst als Beobachter einer Szene darstellt. 1973 folgte Yes‘ monumentales „Tales From Topographic Oceans“, das zwar stellenweise arg langweilig ist, aber sich in die Reihe der Konzeptalben, deren Titel ihren (textlichen) Inhalt vorwegnehmen, nahtlos einfügen lässt. (Beinahe unauffällig reiht sich hier neben „Le Frisur“ von den Ärzten auch PeterLichts „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ ein.)

So gesehen ist es nur konsequent, dass Silbermond, die in oben erwähntem CD-Regal Platz fanden, ihrem aktuellen „Werk“ gleichfalls einen Titel gegeben haben, der bereits andeutet, was von den enthaltenen Klängen zu halten ist:

„Nichts passiert“.

Eben.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt XXVII: „Lalala!“ und Androides.

Was meinen gestrigen Nachrichtenkonsum jedenfalls erhellte, war diese hübsche Murmeltier-Reinkarnation, unter anderem auch in den üblichen Nachrichtensendungen zu sehen:

Der iranische Präsident Ahmadenidschad hielt eine Rede, in der er die USA scharf kritisierte und die Hintergründe der Anschläge auf das World Trade Center im September 2001 hinterfragte. Das hinterließ anscheinend Eindruck, denn die Vertreter zahlreicher Staaten, unter anderem, na, so was!, der USA, verließen den Saal umgehend. Rausrennen und „lalala“ brüllen.

Die deutschen Medien werteten dies als legitime demokratische Meinungsäußerung, dass man sich eben weigert, sich auch mal andere Meinungen anzuhören (hierzu cf. auch die Demonstrationen gegen Lesungen des Herrn Sarrazin), ich meinerseits werte es als kindischen Hirnriss.

Ach, vor einer Weile erwähnte ich ja, dass ich mir einen Android-basierten Kleincomputer zugelegt habe; offenbar habe ich das in einer Zeit getan, in der die Frage „Eifon oder Android?“ die Gemüter mehr denn je bewegt. Die Inhaber der von mir gelesenen Blogs jedenfalls scheinen großteils, ungeachtet der bekannten Kundengängelung seitens Apple und der perversen Preisgestaltung, EifonNutzer zu sein. Da möchte ich als nerviger Android-Fan – nach meinem bisherigen Eindruck ist es tatsächlich ein prima Betriebssystem, auch wenn ich mich nicht als „Fan“ (als Umluftventilator?) des genannten Systems bezeichnen würde – folgenden, kürzlich entdeckten Bildwitz mit meiner Leserschaft teilen:

(Die Langfassung gibt es nach dem Klick; sollte sie zu klein dargestellt werden, empfehle ich einen Rechtsklick und die Auswahl „In neuem Tab/Fenster öffnen“.)

Hihi.

PersönlichesSonstiges
Buuuuuuuuuuumm!

Mitunter nutze ich dasselbe Verkehrsmittel wie einige Grundschüler, deren Unterricht gerade endete. Auch heute saßen direkt vor mir drei dieser Gestalten. Zwei von ihnen trugen den umgangssprachlichen Ruf eines „ABC-Schützen“ nicht zu Unrecht.

Während der dritte damit beschäftigt war, seltsame Figuren zu zeichnen, ließen sich die anderen beiden Kinder zu immer neuen Spielen inspirieren. Obgleich die Lo-Fi Resistance mein Ohr ummantelte, ließ es sich aufgrund lauten Krakeels und auch sonst nicht unauffälligen Verhaltens nicht vermeiden, dass ich einige davon mitbekam. Der in der Ecke sitzende Junge mit dem auffallenden Milchgebiss suchte wiederholt körperliche Nähe, indem er sich an den zeichnenden Nebensitze kuschelte oder seinem Gegenüber um den Hals fiel. Das gipfelte darin, dass sich die beiden Gegenüber gegenseitig ans Gemächt (die, Zitat, „Eier“, Zitat Ende) fassten. Die bis dahin noch mitfahrende Betreuerin schaute verwundert, gab sich aber mit der Antwort, der jeweils andere habe angefangen, zufrieden.

Etwas weniger wunderlich immerhin war das minimalistische Räuber-und-Gendarm-Spiel. Die bereits erwähnten Gegenüber zeigten mit dem Finger aufeinander und machten „Buuuuuuuuuuumm!“, was wohl ein Explosionsgeräusch darstellen sollte. Seit wann man Handfeuerwaffen mit explodierenden Dingen bestückt und seit wann ein Knall, üblicherweise ein punktuelles Geräusch, mit einer Vokalverlängerung dargestellt wird, sofern man ihn nicht gerade mit dem anglophonen Wort für einen Ansturm („boom“) verwechselt, traute ich mich aus Scham davor, die Antwort nicht zu verstehen, nicht zu fragen.

Dass der kriegslüsterne Nachwuchs irgendwann das Fahrzeug verließ, gab mir zu meiner Erbauung zudem Gelegenheit, Zeuge einer anderen Subkultur zu werden. Es folgten ihm nämlich zahlreiche Realschüler großteils weiblichen Geschlechts. Von diesen nahmen vier vor mir Platz, wie üblich saßen diejenigen mit dem weniger unerfreulichen Gesicht mit dem Rücken mir zugewandt.

Über die Gesprächsthemen der vier kann ich, der Lo-Fi Resistance sei Dank, mich nur unzureichend äußern; es ging, so weit ich das mitbekommen habe, um Jungs, Feiern und welche der Mitschülerinnen man am wenigsten mag. Erquickend war auch weniger die Diskussion darüber, wessen iPod nun hübscher sei (knallrosa und bonbonblau standen zur Qual Wahl), sondern der Diskussionsstil.

Wann kam es eigentlich in Mode, beim Sprechen selbst in Bus oder Zug mit den Händen in der Luft herumzufuchteln? Das scheint auch ein rein weibliches Phänomen zu sein; bei andersgeschlechtlichen Jungmenschen habe ich das noch nicht gesehen. Indes erinnere ich mich noch an das Erlebnis, während dessen ich erstmals auf die genannte Angewohnheit aufmerksam gemacht wurde: Vor einigen Jahren saß ich im Zug nicht unweit einer Familie, deren Tochter gerade aus den USA zurückgekehrt war und beim Berichten ebenfalls wild umherfuchtelte, was die Mutter zu der Bemerkung veranlasste, diese Marotte sei wohl ein Relikt ihres Auslandsaufenthaltes. Aus den USA bringt man also (gemäß Max Goldt), wie es scheint, nicht nur ein furchtbar schlechtes Englisch, sondern auch noch ein furchtbar nervöses Verhalten mit. Ich bin der Familie für diese Warnung noch heute sehr dankbar.

Gefuchtel und Gestotter („ey, ey, äh, ne?“) schließen sich allerdings – immerhin – offenbar gegenseitig aus. Wer fuchtelt, kann sich anscheinend besser artikulieren. Vielleicht sollte ich das auch einmal ausprobieren, zum Beispiel, wenn mich ein geldgieriger Anwalt wegen meiner Haltung zu Impressen vor Gericht in die Pfanne hauen will.

(Wäre auch mal von Interesse: Kann es sein, dass man als junge Person sein Schuhwerk heutzutage nicht mehr danach auswählt, wie vorteilhaft für die Benutzung der eigenen Gehwerkzeuge sie sind, sondern danach, wie gut sie sich zur Beschriftung eignen? Zu meiner Zeit waren wir noch froh, nicht in labberigen Stofffetzen durch den Regen waten zu müssen, ach!)

Ich war nie so.


Nachtrag von 19:56 Uhr:
Erschüttert nahm ich zur Kenntnis, dass ein beträchtlicher Teil meiner Leser Ernst Jandl nie gelesen hat. Ich habe den vermeintlichen Schreibfehler dezent beseitigt und bin wirklich sehr enttäuscht.

KaufbefehleMusikkritikProjekte
Project:KOMAKINO – The Struggle for Utopia

Wer mich kennt, der weiß, dass Kaffee und Musik zwei essenzielle Bestandteile meines morgendlichen Erwachensritus‘ sind. Während mir also gestern die neuesten Werke von The Boiler und Harmful die Ohren quasi wegbliesen (mehr dazu traditionsgemäß am Jahresende), begann mein Tag heute mit einem eigentlich völlig anderen Album.

Das Album nennt sich „The Struggle for Utopia“, zu Deutsch also „Der Kampf um Utopia„, und wurde nach meinen Informationen bereits Ende 2009 von der britischen Musikgruppe Project: KOMAKINO veröffentlicht. (Jetzt wollte ich noch irgendwo einen geschickt platzierten Verweis auf die Schallgrenzen reinschmuggeln, dann ist mir aufgefallen, dass ich offenbar den Hinweis auf diese Band sogar ursprünglich dort fand. Prima, dann muss ich weniger schummeln.)

„The Struggle for Utopia“ ist ein vielschichtiges Album. Man könnte auf den Zug derer aufspringen, die es in Schubladen zu stecken versuchen, aber das wäre allzu banal. Nicht nämlich vertritt es eine Stilrichtung, sondern erschafft eine eigene Melange aus mehreren Genres, die nach etwas klingt, was man zwar schon mal gehört hat, aber noch nicht in dieser Intensität.

Es beginnt mit wabernden Synthesizer- und Gitarrenklängen, dazu ein wenig dezenter Rhythmus. Psychedelischer Spacerock, irgendwo zwischen Gong und den frühen Pink Floyd. Gemächlich drehen die Musiker die Spannung auf; blitzt da eine Prise Mogwai hervor? Ja, sie tut’s.

Und kaum hat man sich also in das psychedelische Netz fallen lassen, das das Quintett gespannt hat, entreißt es es dem ahnungslosen Zuhörer, nur um gleich wieder ein neues zu flicken. New-Wave-artige Strophen (The Cure fallen mir da ein) mit gelegentlichen erneuten Spacerock-Ausflügen untermalen den Gesang, der auch den Sisters of Mercy, als sie noch gut waren (dann eben doch!), gehören könnte. Auf „In the temple of love…“ warte ich, obwohl das vorletzte Stück „Temple“ heißt, jedoch vergebens, stattdessen gibt es Resignation und Weltschmerz zu hören. Things are happening, they’re always happening to me.

Musik (auch) für laue Nächte auf der Veranda. (Als hätte ich eine Veranda.)
Komakino? Kopfkino!

(So ungefähr sieht es übrigens aus, wenn man einem unvorbelasteten Leser dieses Album beschreiben will, verehrte Schreiberlinge in den Redaktionen dieses Landes; nicht aber so, wie ihr es laut der von mir bevorzugten Suchmaschine übereinstimmend tut: „Klingt wie Joy Division. Nächstes Album bitte.“ Banausen.)

Übrigens, für die Arbeit an TinyTodo fehlt mir derzeit, studienbedingt, die rechte Inspiration. Aber ich verspreche, es wird weitergehen.

Fotografie
Warum so bieder?

Erwachsene, so schrieb ein kluger Mensch einmal (war es Max Goldt?), neigten dazu, sich an die Jugend anzubiedern. Dies sei, so schrieb der kluge Mensch weiterhin, keine gute Idee, denn wenn Erwachsene versuchen, sich an die Jugend anzubiedern, sei dies selten genügend subtil, und ein erwachsener Mensch, der versucht, sich an die Jugend anzubiedern, sei insgesamt – ich paraphrasere dies einmal, da mir der genaue Wortlaut entfallen ist – eine eher peinliche Parodie eines Jugendlichen.

Obigen Absatz, dies empfehle ich, sollte man im Studium der Vermarktung stets mit sich führen, sonst endet man eines Tages wie Sascha Lobo oder in ähnlicher Position und zeichnet verantwortlich für dämliche Schilder wie dieses:

Da möchte man sich doch tatsächlich wundern und lässt es dann aus gesundheitlichen Gründen doch lieber bleiben.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Lörracher Relationen

Ein Thema beherrscht den Abend der heutigen Nachrichtenwelt, einzelne Berichte sind wegen Überlastung zeitweise nicht abrufbar:

Da ist also „ungewöhnlicherweise“ (Schaich Immobilien GmbH) eine Frau Amok gelaufen, und zwar nicht etwa, wie es sich gehört, in einer Schule, sondern in einem Krankenhaus. Noch am späten Abend wurden familiäre Ursachen für das „Drama“ (SPIEGEL Online) vermutet, am Ende wird es aber wieder, nehme ich an, auf „Killerspiele“ hinauslaufen.

Um das Gewaltpotenzial von Frauen soll es mir diesmal nicht einmal gehen, da mir derzeit die Muße fehlt, stilvoll mit erboster Post von militanten Feministinnen umzugehen, gleichfalls überlasse ich es dem geneigten Leser, sich einen passenden Kommentar zu dem Umstand, dass die gezielte Tötung eines Menschen offenbar inzwischen eine rechtmäßige Reaktion der Staatsmacht auf unmittelbare Bedrohung darstellt, einfallen und mir bei Bedarf zukommen zu lassen; was dann aber doch irgendwie unegal ist, ist dies:

Ein Mensch betritt ein Gebäude und schießt aus Gründen Leute über den Haufen. Fünf Tote insgesamt, „ganz Deutschland“ (BILD) trauert.

Ein Verbund aus mehreren so genannten „christlichen“ Staaten überfällt inzwischen beinahe ein Jahrzehnt lang gezielt vorher als solche deklarierte „Verbrecherstaaten“ (apropos Verbrecherstaat), deportiert oder dezimiert ihre größtenteils zivilen Einwohner. Fünf Tote? Lächerlich. „Ganz Deutschland“ zuckt kurz erschüttert mit den Mundwinkeln.

Ich hoffe ja immer noch, dass ich nur sehr tief schlafe und sich der Traum bald als solcher zu erkennen gibt.

Nachtrag vom 20. September:
An diesem „Amoklauf“ einer Frau sei übrigens ein Mann schuld, heißt es. Was für ein Glück für die Presse!

Nerdkrams
Datensicherung mit rsync unter Windows

Da Didis RSS-Feed mir ständig Berichte über irgendwelche verquasten Datensicherungslösungen auf den Bildschirm schmiert, ein Bericht über das gute Programm rsync, das in nahezu allen Belangen die Konkurrenten auf die Plätze zu verweisen vermag, jedoch bis heute ausgeblieben ist, mache ich das jetzt selbst.

rsync sollte jedem Linuxnutzer bekannt sein; andernfalls sind auch sie natürlich herzlich dazu eingeladen, diesen Artikel aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen. Der Unterschied in der Bedienung liegt lediglich in den in den Beispielen genannten Pfadangaben; /cygdrive/c/ antspricht unter Linux etwa /.

Das Programm rsync ist eine Kommandozeilenanwendung für die inkrementelle oder vollständige Sicherung auf lokale oder Netzwerkdatenträger. Es beherrscht auch das Kopieren von symbolischen Verknüpfungen, ohne ihre Funktionsfähigkeit einzuschränken, und kann Daten unter anderem auch über SSH oder eine spezielle Client-Server-Konfiguration (dazu – auf Englisch – hier mehr) auf irgendwo auf der Welt herumstehende Server sichern. Das Hübsche ist zudem: Es lässt sich vollständig über Batchdateien, Windows-Konsolenskripte also, steuern und somit ohne großen Aufwand zur Zusammenarbeit mit der Windows-Aufgabenverwaltung bewegen.

Standardmäßig arbeitet rsync inkrementell, findet es also im Zielverzeichnis Dateien, die es aus dem Quellverzeichnis kopieren soll, so kopiert es nur etwaige Unterschiede zwischen diesen Dateien und überträgt nicht die vollständige Datei erneut.

Der Einfachheit dieser Anleitung wegen beschränke ich mich hier auf die für Endanwender wohl primär bedeutsame inkrementelle Sicherung auf ein anderes Laufwerk, in meinem Fall eine externe Festplatte („G:\“).

Zunächst ist es empfehlenswert, rsync herunterzuladen. Ich nutze hierbei cwrsync, eine spezielle Windows-Version von rsync, die das Cygwin-System nutzt. Aktuell ist derzeit Version 4.0.5, die Anleitung sollte aber so auch für künftige Versionen funktionieren. Die Installation ist übrigens portabel, der Installationspfad ist somit beliebig wählbar.

Nun kann es sicher nicht schaden, sich einmal mit den Optionen von rsync zu befassen. Zwar gibt es mittlerweile grafische Oberflächen für rsync, aber für die Wartung von Konfigurationsskripten und die Automatisierung der Sicherung sind Batchdateien eher zu empfehlen, siehe auch meine kleine Einführung in das ExifTool.

Im Installationsordner von cwrsync liegt bereits eine Datei namens cwrsync.cmd. Diese beinhaltet bereits alle notwendigen Optionen und ist, für die Neugierigen unter euch, (auf Englisch) umfassend dokumentiert. Kopiert sie irgendwohin, zum Beispiel auf euren Desktop, und öffnet sie von dort (um das Original jederzeit wiederherstellen zu können) mit einem Texteditor eurer Wahl. Bei Interesse lest die Kommentare, ansonsten scrollt ganz ans Ende der Datei.

Grundsätzlich sieht ein rsync-Befehl so aus:

rsync [Optionen] [Quelle] [Ziel]

Quelle und Ziel stellen jeweils Pfadangaben dar und sollten, sofern sie Leerzeichen beinhalten, mit Anführungsstrichen umschlossen werden. Da rsync in einer simulierten Linuxumgebung läuft, muss den Laufwerken allerdings /cygdrive/ vorangestellt werden. Möchte man etwa den Ordner C:\Windows sichern, so lautet die Pfadangabe /cygdrive/c/Windows.

Die wichtigsten Optionen lauten:

  • -r: verarbeitet die Quelle rekursiv, das heißt, kopiert alle Unterverzeichnisse und enthaltenen Dateien ins Zielverzeichnis
  • -c: erstellt Prüfsummen der übertragenen Dateien, um etwaige Übertragungsfehler zu erkennen
  • -n: simuliert den Vorgang (empfehlenswert zum Feinjustieren der Einstellungen)
  • -u: überspringt Dateien, die im Zielverzeichnis in einer neueren Version vorliegen
  • -v: gibt detaillierte Informationen über den aktuellen Vorgang aus
  • --delete: löscht Dateien aus dem Zielverzeichnis, die im Quellverzeichnis nicht mehr vorhanden sind
  • --exclude=...: schließt die Dateien oder Ordner „…“ aus

Eine vollständige Liste aller möglichen Optionen ist auf der englischsprachigen manpage zu rsync zu finden.

Zum besseren Verständnis folgt eine Beispielzeile aus meinem eigenen Backup-Skript. Ich möchte meine „Eigenen Dateien“ („C:\Users\admin\Documents“) mit Ausnahme des Verzeichnisses „FH“ vollständig auf meine externe Festplatte sichern. Symbolische Verknüpfungen, wie sie ab Windows Vista fester Bestandteil des Systems geworden sind (der Ordner „Programme“ ist etwa eine symbolische Verknüpfung auf „Program Files“), sollen beibehalten bleiben. Die Zeile sieht so aus:

rsync -urzvp --delete --exclude=/FH --copy-links "/cygdrive/c/Users/admin/Documents/" "/cygdrive/g/backup/Eigene Dateien"

Alle Inhalten der von mir gewünschten Ordner werden so rekursiv in das Backupverzeichnis „Eigene Dateien“ gesichert. Was ich im Quellverzeichnis nicht mehr benötigte, wird auch im Zielverzeichnis gelöscht.

Ich empfehle meiner hoffentlich interessierten Leserschaft, einfach mal ein wenig mit rsync herumzuspielen (nicht die Option -n vergessen!). Die meisten von euch werden bald erkennen, dass es völlig überflüssig ist, hart ergaunertes Geld den Herstellern proprietärer Sicherungsprogramme in den Rachen zu werfen.

Eine letzte Anmerkung: rsync arbeitet unidirektional, das bedeutet, dass es nur Dateien von A nach B oder von B nach A kopieren, nicht aber zwei Verzeichnisse miteinander abgleichen („synchronisieren“) kann. Für diesen Zweck ist das technisch ähnliche unison einen Blick wert.

MusikNerdkramsNetzfundstückePersönliches
Android is good (for porn).

Huch, schon Freitag!
Ich wollte eigentlich erst über etwas ganz anderes schreiben, dann kam etwas anderes dazwischen und dauerte länger als erwartet, und jetzt hat Horst, der Frechdachs, mir das Thema einfach weggenommen. Sehr unhöflich.

Er schloss seinen Artikel mit der (grammatikalisch sogar mehrfach fehlerhaften) Frage:

Welche Handy habt Ihr eigentlich?

Abgesehen davon, dass ich es aus ästhetischen Gründen vermeide, meine Mobiltelefone „Hääändi“ zu nennen, nehme ich das mal zum Anlass, meine Leserschaft (also euch) mit einem weiteren Eintrag zum Thema „Was macht der Typ hier eigentlich außerhalb des Internets so?“ zu quälen.

Ich besitze neben meinem in irgendeinem Regal vor sich hinschimmelnden Einstiegsmodell Nokia 5130 zurzeit drei mehr oder weniger aktive Mobiltelefone. Das erste, ein Samsung SGH-C260, wird mit einer T-D1-prepaid-Karte betrieben, die auch schon einiges erlebt hat; aber das ist eine andere Geschichte. Für die gewünschte nahezu ständige Erreichbarkeit genügt es vollkommen.

Mein Zweitgerät, ein Nokia X3, leistete gute Dienste für meine Kommunikation nach außen; die Betonung auf „nach außen“ ist auch deshalb wichtig, weil ich mir partout die Nummer nicht merken kann. Der Bildschirm hat wegen unsachgemäßer Behandlung schon zwei unhübsche Kratzer davongetragen, die nicht allzu störend ins Auge fallen, mich dennoch dazu brachten, dem Gerät eine schützende Hülle zu spendieren, bevor noch schlimmeres geschehen konnte:

Nun bin ich aber arbeitsbedingt derzeit in der misslichen Lage, dass eine elektronische Notiz- und am besten Terminverwaltung für unterwegs ziemlich nützlich wäre, nicht einmal notwendigerweise mit Synchronisierungsfunktion, wie sie zum Beispiel von den Herstellern aktueller Taschencomputer angepriesen wird. Ein Witzbold riet mir dazu, es doch mal mit einem iPhone zu versuchen. Nun, Steve Jobs selbst hatte mir indirekt bereits vor Monaten davon abgeraten, indem er sich über die Zielgruppe seines Lifestyle-Firlefanzes wie folgt äußerte:

(…) we do believe we have a moral responsibility to keep porn off the iPhone. Folks who want porn can buy and (sic!) Android phone.

Das ist gut; denn I want porn. Horst, der auch mal so ein tolles elektronisches Spielzeug haben wollte, entschied sich, wie er in o.g. Artikel erwähnt, für das HTC Tattoo, ebenfalls ein Gerät, das mit dem Betriebssystem Android läuft. (Über die Motive für diese Wahl mag ein jeder, obiges vorausgesetzt, selbst räsonieren.)

Gemäß Steve Jobs sollte das elektronische Notizbuch meiner Wahl also ebenfalls ein Android-Gerät sein. Android, oft inkorrekt und zu meinem persönlichen Missfallen als „Google Android“ bezeichnet, ist ein auf dem Linux-Kernel basiertes Betriebssystem für mobile Endgeräte wie etwa Netbooks und Mobiltelefone. Kannte ich noch nicht, klang verlockend und endete damit, dass ich das Nokia X3 vorerst in den (unbezahlten) Urlaub schickte:

Auch, wenn es schon ein wenig schmerzt, spontan Ausgaben in derartiger Höhe zu tätigen: Männer seien wie Kinder, befand Jürgen von der Lippe einmal, und man kann es als unumstößliche Wahrheit deklarieren. Ich erfülle tatsächlich nur beschränkt irgendwelche typischen Klischeevorstellungen von Angehörigen des männlichen Geprimas (Geschlecht ist schon anderweitig belegt), aber in diesem einen Fall gestehe ich, dass mich technisches Spielzeug jedwelcher Art von Kindesalter an zu faszinieren vermochte und noch immer vermag, und gerade das Samsung Galaxy S i9000 ist dafür bekannt, für Spielereien geradezu prädestiniert zu sein.

Ich werde das Gefühl noch nicht vollends los, dass dieses Gerät (derzeit laut übereinstimmenden Berichten auch unter Berücksichtigung der vor wenigen Tagen vorgestellten neuen HTC-Modelle das technische Flaggschiff der Android-Mobiltelefone) eine Nummer zu groß für mich ist. Aber es macht einen Heidenspaß, damit herumzuspielen. Ob ich von meinem Rückgaberecht Gebrauch machen werde, weiß ich daher noch nicht.

Schade wäre es allerdings schon. :-)

(Wie wahr übrigens auch: Wer den Unterschied zwischen Musikliebhaberei und iPod-Affinität nicht kennt, sollte das mit der Musik lieber lassen.)

In den NachrichtenMusikPolitik
Dulce et decorum est.

Und dann war da noch die IG Metall, die Deutschland gern aus der Krise (Crisis? What crisis?) führen würde und schon eine total tolle Idee hat, wie man das umsetzen könnte, nämlich, indem man das mit der Reduzierung des Kriegsdienstes einfach mal sein lässt:

Die IG Metall fürchtet wegen der Bundeswehrreform um Zehntausende Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie. Die Kürzungspläne von Verteidigungsminister zu Guttenberg drohten so die militärische Luftfahrtindustrie „kaputt zu machen“. Die Gewerkschaft kündigte Widerstand an.

Klar; die Mitglieder der IG Farben Metall müssen ja auch von etwas leben, und sei’s vom Krieg.

So gesehen hilft uns das orientierungslose Metzeln gleich zweierlei beim Vermindern der Arbeitslosenzahlen:

Die in der IG Metall zusammengeschlossenen Arbeiter landen nicht auf der Straße, sondern können weiterhin neues Kriegsgerät zusammenschrauben, und die Soldaten lassen sich, statt zu Hause zu bleiben und um Hartz IV betteln zu müssen, einfach weiterhin staatskassenfreundlich und preisbewusst abknallen.

Wo wären wir nur heute ohne die mahnenden Ratschläge der deutschen Rüstungsindustrie?
Ich behaupte: Arm dran!

Und wo ich gerade bei Idioten war: Der Paul McCartney, ehem. Elefant im Porzellanladen bei den Beatles, haut in der kommenden Ausgabe 10/10 der Musikzeitschrift eclipsed auch einen echten Kracher aus der Hüfte. Das Thema lautete „Jimi Hendrix“, und so erbrach sich Sir Paul sinngemäß in folgender Weise:

„Sgt. Pepper“ wurde an einem Donnerstag veröffentlicht. Als ich am Sonntag ins Saville Theatre ging, eröffnete Jimi Hendrix die Show mit dem Titelsong. Er hatte nur diese paar Tage Zeit gehabt, um das Stück zu lernen – das war für mich das größte Lob.

Paule, alter Wemser, ich möchte jetzt gar nicht auf die umstrittene Diskussion darüber eingehen, welcher „Beatle“ eigentlich mehr zu dem Album beigetragen hat, du oder John (Lennon, du erinnerst dich?), aber setz dich doch, wenn du das „Lob“ eines Tages fertig genossen hast, mal beizeiten ein paar Minütchen in deinen Denksessel und nimm folgende Frage mit:

Wenn ich ein Lied schreibe, das auf Platte reißerischen Absatz findet, ein gleichfalls erfolgreicher, ansonsten völlig anderer Musiker aber nur drei Tage benötigt, um dieses Lied mit allen Akkorden, Harmonien und Strophen auswendig zu lernen: Spricht das tatsächlich für mich und nicht vielmehr dafür, dass das bezaubernde Liedchen ein wenig uninspiriert, um nicht zu sagen: von bestenfalls beeindruckender Schlichtheit ist?

Meinjanur.

NetzfundstückeSonstiges
Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch

Was mir übrigens heute auch nicht aus dem Kopf geht, ist einer dieser so genannten „Streiche“, die das Micky-Maus-Magazin (ehedem nur „Micky Maus“, mittlerweile aber seines Micky-Maus-Anteils größtenteils beraubt) vor über einem Jahrzehnt ihrer jungen Leserschar empfahl. Welches Ereignis diesen „Streich“ in meine unmittelbare Erinnerung zurückrief, ist leider nicht zurückverfolgbar, aber dass es gerade dieser „Streich“ ist, ist wunderlich, ist er doch nicht einmal sonderlich gut, sondern eher einigermaßen blöde.

Der „Streich“, im Internet dank unzähliger so genannter „sozialer Netze“ inzwischen sicher hundertfach repliziert, geht ungefähr wie folgt, unzureichend interpunktiert, aber unverfälscht zitiert:

Dieses Spiel geht so, lies rechte Spalte laut runter,
Linke Spalte laut runter, linke laut hoch und rechte laut hoch!

Frosch — sagen
Frosch — zu
Frosch — Frosch
Frosch — habe
Frosch — gebracht
Frosch — dazu
Frosch — deppen
Frosch — den
Frosch — ich
Frosch — oft
Frosch — wie
Frosch — mal
Frosch — schau

Abgesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass die Zeitschrift einst „guck“, „diesen“ und „Trottel“ verwendete, wird der „Streich“ an sich bis heute weitgehend identisch transkribiert. Als ich seiner erstmals gewahr wurde, war ich noch ein junges, naives Bürschlein, aber ich fand ihn damals schon wenig spaßig. Bis heute hat sich das nicht geändert; ich nehme indes an, die Pointe besteht darin, dass der Bestrichene als „Trottel“ respektive „Depp“ bezeichnet wird. Dieser Streich, der sich bis heute offenbar einer nicht geringen Beliebtheit erfreut, lässt sich ohne Weiteres in einen herbeifantasierten Zusammenhang mit dem Aufstieg junger so genannter Komiker bringen, die ihren größten Erfolg dann ernten, wenn sie Mitmenschen jedwelcher Couleur als „Deppen“ (Michael Mittermeier) bezeichnen, als Beispiel sei einmal die – außerhalb ihrer Kurzfilme – furchtbare Carolin Kebekus genannt. (Ich hoffe inständig, die junge Dame gerade nicht versehentlich zu verwechseln; andernfalls bitte ich, wie immer, um höfliche Nachsicht.)

Allerdings sind inzwischen die mit derlei „Streichen“ gequälten Mitbürger der Streichfreunde (zu meiner Zeit hieß das noch „Maler“ übrigens) geistig gefestigt und lassen sich von solch subtilen Späßen nicht mehr aus der Fassung bringen. Nicht untypisch also auch die Antwort von Anonyma „FantasyGirl85“: hahaha.. du meinst ja net im ernst das ich das etz mache ? ? ?; nur ein mit einem Augenroll-Emoticon versehenes „Aaaaaaalt!“ hätte diese lockere Reaktion noch übertroffen.

Na, beim nächsten Mal vielleicht.

Spaß mit Spam
Wer anderen eine Grube wünscht …

Und dann war da noch die russischrussische Russin mit angehängtem Bildnis, die mal wieder per Mail auf der Suche nach prickelnder Erotik war, sich aber irgendwie in der Adresse geirrt hat und so stattdessen mir soeben, wohl als Teil der derzeitigen Spamwelle, folgendes schrieb:

Goodnight!!!

Schlafen Sie gut!!111einself

Mochten Sie mit stabilen Beziehungen.

Mochte ich in der Tat; bevor man mir eindrucksvoll mehrfach demonstrierte, dass es sich nicht lohnt, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bin interessiert, Sie kennenzulernen. Ich sah Ihr Profil auf der Webseite der Bekanntschaft.

Ach ja; auf der Webseite. Ich hatte ganz vergessen, dass ich da angemeldet bin.
Und der Betreiber also ist eine Bekanntschaft von Ihnen? Chapeau; ein vorzüglicher und wahrlich beneidenswerter Freundeskreis, die Dame!

Ich wollte Sie kennenlernen und, Sie erkennen es ist besser.

Ein gemäß der Fotografie (mangels Genehmigung hier nicht verlinkt) durchaus nicht unattraktives weibliches Wesen mit Brüsten, auf denen man Nüsse knacken kann (c/o Jürgen von der Lippe), das mein Profil auf der Webseite der Bekanntschaft fand und sofort einen enormen Appetit auf meine offenbar selbst in Russland legendäre Potenz entwickeln konnte, würde mich gern kennenlernen? Ich erkenne, es ist besser! (Und Gott sah, dass es gut war. Lobet den Herrn.)

Wir konnten von den Fotografien wechseln. Wie Sie diesen Vorschlag sehen?

Sie können, einem Chamäleon gleich, Ihre Fotografie wechseln? Brillant! Bedeutet dies, ich bekomme noch mehr hübsche Bildchen zu sehen?
(Oder bedeutet es gar, dass die angehängte Fotografie, hoppla!, gar nicht zu Ihnen gehört?)

Und Sie konnen mir den Brief schreiben und, mir auch Ihre Fotografie schicken. Und ich werde mit dem Vergnugen Ihnen antworten und, die neuen Fotografien zu schicken.

Warum dann erst der Umstand über E-Mail?
Ich würde, liebste Unbekannte, diesem Wunsch tatsächlich nachkommen, hat mir doch die Aussicht auf weitere Fotografien wortwörtlich die Kotze das Verdauungssekret im Munde zusammenlaufen lassen! Nur gibt es ein Problem: Ich habe Ihre Adresse nie erhalten.
Wenn Sie dies also lesen, so senden Sie mir doch bitte eine weitere E-Mail über die Webseite der Bekanntschaft, aus der ich diese dringend benötigte Information entnehmen kann. Besten Dank im Voraus!

Meinen Namen Diana. Ich aus RusslandRussian!!!

Ach so – das hilft schon ein wenig.
Ich werde den Brief also wie folgt adressieren:

An Diana
Russlandrussisch!!111einself

Ich hoffe, die Schneckenpost ist zuverlässig!

Mit der Ungeduld werde ich auf Ihre Antwort warten.

Ich stecke alle Hoffnung in die Post, liebste Diana!

Hoffe wir wir konnen und, wie die guten Freunde mindestens zu werden kennenlernen. Aber ich werde auf die ernsteren Beziehungen hoffen!!!

Bedeutet das, dass Sie, schnüff, unserer Liebe keine Chance geben? Tun Sie mir das nicht an! :(
Möge die Knospe unserer jungen Beziehung zu einer stattlichen Pflanze erblühen!
(Zu einem Kaktus oder so.)

Mit den herzlichen Gruben Diana!

Ach, Grübchen sind so allerliebst!
Mein Herz gehört ganz Ihnen, Diana. Auf dass die Post mir bald eine Antwort zustellen möge.

Innigste Grube,
.tux

In den NachrichtenNetzfundstückePolitikSonstiges
Kurz verlinkt XXVI: Es lebe hoch die Toleranz!

(Als Vorwarnung für meine politallergenen Leser: Es folgt ein weiterer einschläfernder semipolitischer Beitrag für’s Wochenende.)

Dass der 11. September auch in diesem Jahr wieder ein schöner, sonniger Tag war, ist eigentlich schon nicht mehr erwähnenswert; seit Jahren ist dieser Tag für seine Wärme bekannt. (Böse Menschen würden sagen: Das ist der Lohn der guten Tat.) Und wie in jedem Jahr haben die Meinungsmacher, die sie das Thema nicht endlich ruhen lassen wollen, wieder irgendeine islamische Kultur herbeifantasiert, die Gewalt und Unterdrückung der Frau voll doof findet; Geschwafel des Friedens und der Versöhnung, während in Afghanistan und im Irak das unschuldig terrorisierte Volk der US-Amerikaner alles in die Steinzeit zurückballert, nichts anderes erwarten die Menschen an diesem Tag. Verständnis und Toleranz für eine vermeintliche Kultur, die so nicht existiert; bzw. ist eine „islamische Kultur“ ungefähr so prägend wie eine „christliche Kultur“, Religion ist eben keine länderübergreifende Kultursache. Was soll’s – die Menschheit mag schlichte Erklärungen, vor allem, wenn sie sie schon fertig serviert bekommt. Da wird dann auch nicht mehr nachgefragt.

Zumal doch die Zeit des obschon meist gekünstelten Miteinanders schon wieder vor der Tür steht. Mir wurde allerdings schon ein wenig mulmig, als ich durch die Filiale einer bekannten deutschen Warenhauskette schlenderte und die ersten Lebkuchen auf Käufer warteten. Nicht etwa nur, weil das kalendarisch verfrüht erschien, denn im Vorjahr begann die Vorweihnachtszeit in nämlicher Warenhauskette schon im August bei etwa 30 Grad im Schatten, somit sind sie in diesem Jahr schon beinahe spät dran; vielmehr zeigte es, wie furchtbar lieblos das Fest der Liebe (jedenfalls für solche Leute, die für den Rest des Jahres grimmig dreinschauen, denen ich aber auch an Weihnachten sicher nichts schenken würde) inzwischen abgekanzelt wird. Die Paletten mit dem Gebäck wirkten inmitten von Federweißer, Tee und Dessous zumindest deplatziert, beinahe unauffällig versteckt, und nicht nur zur Vermeidung von Sodbrennen meinerseits hätte es den Verantwortlichen sicher auch keinen unerträglichen Verlust bereitet, hätten sie den kalorienreichen Firlefanz noch für weitere zwei Monate in ihrem Lager vergammeln lassen. Vergammelter Lebkuchen schmeckt bekanntlich auch nicht ungewöhnlich anders als „frischer“. Zu meiner Freude indes hat die Filiale bislang in diesem Jahr darauf verzichtet, „Last Christmas“ als Beschallung dieser Groteske zu wählen. Aber ich befürchte, das wird sich bald ändern.

(Und dann war da noch der Reißer der Woche in der deutschsprachigen Nachrichtenwelt, ein Schild mit Hinweisen zum Umgang mit islamischen Patienten aus einer Arztpraxis, und alle so „das ist voll intolerant“; vielleicht hätten sie’s mal tatsächlich lesen sollen, dann hätten sie was zu lachen gehabt und müssten sich nicht nur unnötig ärgern: Wer nämlich Kenntnisse von deutscher Sprache „vor-raussetzt“, den sollte man auch mal irgendwohin raussetzen, wo er sich getrost an seinen Riechkolben fassen kann. Warum stellen sich die Islamskeptiker in diesem Land bloß immer so dämlich an?)

Spaß mit Spam
Nicht ich beunruhigt.

Da traf doch gerade wieder eine Spammail, ausnahmsweise ohne Betreff, ein; schade, jetzt musste ich mir selbst einen Betreff ausdenken.

Hallo! ich denke, was nicht beunruhigt dich.

Mahlzeit. Ich bin in der Tat nicht beunruhigt, eher belustigt.

Mich rufen Valya.

Dann folge dem Ruf, junger Padawan! Lauf, sie warten schon auf dich!

Mein Alter, 31 Jahr.

Dein Alter 31, dann du so 20 Jahr jünger? Würde deine Grammatik erklären.

Meine das Ziel der Anrede zu dir, die Bekanntschaft. Was Du daran denken?

„Was, du denkst daran? Ernsthaft? Doof oder was?“
Bisher, ich gestehe, habe ich nur selten daran gedacht, nähere Bekanntschaft mit Menschen zu machen, die mir, Frechheit!, nicht mal ’n Bild mitschicken. Ich kaufe/miete/lease doch nicht die Katze im Sack!

Ich Hoffe, dass Sie Sie werden gegen nicht kennenlernen Mit mir!

Ich hoffe auch, dass ich ich werde die Gegend nicht kennenlernen mit dir.
Äh, Ihnen. Warum so vertraulich; doch noch bemerkt, dass wir uns nicht kennen?

Mich interessieren Die Langen die Beziehungen.

(Ich glaube ja, die „Schreiberin“ hat mitten im Satz bemerkt, dass man das nicht so offen zugibt, und sich dann einen anderen Schluss überlegt.)

Und was muss Dich?

Ah, doch wieder beim Du. Das ist ziemlich verwirrend, wissen Sie?
Nun, um zur Frage zurückzukommen: Ich halte es da mit dem alten Swingermotto. „Alles kann, nichts muss“. Mich muss nichts, aber mich kann so mancher.

Wir kann wir erkennen es ist einander besser, wenn wir den Verkehr fortsetzen werden?

Diese Frage habe ich allerdings auch schon mal gehört. :mrgreen:

Was Sie daruber uberlegen?

Ich uberlege gerade, wo der Haken ist und wieso ich plötzlich wieder gesiezt werde.

Wenn Dich Hat intrigiert meinen Vorschlag, so ich sehr werde Dich der Antwort a…@r….com !

Der Vorschlag erscheint mir tatsächlich wie eine Intrige, weil ich partout den Haken nicht finden kann, außer, dass du ein elf- bis einunddreißigjähriger Zeitgenosse ohne brauchbare Deutschkenntnisse bist. (Warum ich die Antwortmail nicht einfach an deine/Ihre auf Hotmail.com liegende Mailadresse senden soll, verschweigst du/verschweigen Sie mir leider.)

Valentin

Ach, da ist der Haken: Du bist nicht nur ein elf- bis einunddreißigjähriger Zeitgenosse ohne brauchbare Deutschkenntnisse, sondern außerdem ein Mann; einer, der sich „Valya“ nennt, immerhin. (Ein ähnlicher Zeitgenosse kommt, wenn ich mich recht entsinne, in Lars Niedereichholz‘ Roman „unknorke“ vor; dies nur als Zusatzinformation.)

Und schon erscheint der Text in einem anderen Licht; einem eher roten, unangenehm kühlen.
Ein Gutes hat’s: Ich bedaure es nicht, dass „Valya“ branchenuntypisch auf das Versenden einer Fotografie verzichtet hat.

(Woher „Valya“ meine Mailadresse wohl bekommen hat, ist ungewiss; etwa auch von einer Tagesagentur? Ich sollte ihn vielleicht doch fragen.)