In den NachrichtenMontagsmusik
My Slee­ping Kar­ma – Maya Shak­ti // Umstrit­ten siegt

Was fehltEs ist Mon­tag. Der umstrit­te­ne Ober­bür­ger­mei­ster von Tübin­gen wur­de klar im Amt bestä­tigt, was das Wort „umstrit­ten“ wun­der­voll illu­striert. Ich bin selbst umstrit­ten, ich füh­le da mit.

Es soll ja nie­mand behaup­ten, die Welt der EDV sei von feh­len­der Bestän­dig­keit geprägt: Der kom­men­de COBOL-Stan­dard nimmt For­men an. Ich mag COBOL, weil es so gut les­bar ist. Scha­de, dass die Men­schen statt­des­sen so viel in Java­Script und Python pro­gram­mie­ren. Das ist doch nicht schön! – Schon schön: Wenn die Bahn freu­dig bekannt­gibt, dass ein Zug nicht aus­fällt.

Gute Nach­rich­ten aus den USA: Luft­ver­schmut­zung mache dick, ent­neh­me ich der Bericht­erstat­tung über irgend­ei­ne Stu­die. Pri­ma. Jetzt habe ich eine Aus­re­de.

Mit Koch­kraft durch KMA begeg­ne­te mir (vor der Büh­ne) am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de eine Musik­grup­pe (auf der Büh­ne), deren Exi­stenz ich trotz ihrer frü­he­ren Zusam­men­ar­beit mit Leit­ke­gel ganz ver­ges­sen hat­te. Zu viel Zeug, zu wenig Zeit, inso­fern schön, das nach­ge­holt zu haben. Die­se Woche beginnt trotz­dem mit ande­rer Musik. Auf ande­re Musik habe ich heu­te mal Lust.

Groo­ve gefäl­lig?

MY SLEEPING KARMA – Maya Shak­ti (Visua­li­zer) | Napalm Records

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Der hei­ße Herbst der Ande­ren

Die Lin­ke, ent­neh­me ich den Nach­rich­ten vom Wochen­en­de, „strei­te“ sich um den rich­ti­gen Umgang mit Sahra Wagen­knecht, eine „selbst­zer­stö­re­ri­sche Streit­kul­tur“ wird beklagt. Da hat sich der Zuwachs um alt­ge­dien­te Pira­ten­po­li­ti­ker sei­ner­zeit ja rich­tig gelohnt. Der jüng­ste Ein­wand gegen Sahra Wagen­knecht, der aus der Par­tei her­aus­schallt, ist ein merk­wür­di­ger Wett­be­werb: Wer wohl die gefähr­lich­ste Par­tei im Bun­des­tag sei – die Grü­nen (sagt Sahra Wagen­knecht) oder die AfD (sagt Diet­mar Bartsch). Nie­mand soll behaup­ten, die ver­meint­lich poli­ti­sche Lin­ke küm­me­re sich gar nicht mehr um die wirk­lich wich­ti­gen Fra­gen der Gesell­schaft.

Der „hei­ße Herbst“, der in einer Zeit rasen­der Infla­ti­on Demon­stra­tio­nen gegen die Regie­rung mit sich brin­gen soll, wird von den Demo­kra­tie­ab­ge­ge­be­nen vom WDR sicher­heits­hal­ber bereits ein­ge­ord­net (Archiv­ver­si­on): Wer die wirt­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen aus der bemer­kens­wert treff­si­cher nichts außer dem eige­nen Fuß tref­fen­den Sank­ti­ons­pi­sto­le „gegen“ den Rus­sen anpran­gert, der muss zwei­fel­los rechts­po­pu­li­stisch sein. Frü­her hat­ten Jour­na­li­sten ja mal eine inter­es­san­te­re Auf­ga­be als die poli­ti­sche Ein­ord­nung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Pro­te­ste, aber die Wahl­er­fol­ge der AfD schei­nen eini­ges im Wer­te­sy­stem ver­scho­ben zu haben.

So hat man als von den „Sank­tio­nen“ tat­säch­lich nega­tiv Betrof­fe­ner (es sind nie Rus­sen, es sind nie­mals Rus­sen) letzt­end­lich zwei denk­ba­re Mög­lich­kei­ten, sei­nem Unmut Aus­druck zu ver­lei­hen: Sie schwei­gend hin­neh­men – oder eben doch demon­strie­ren, dann gern im Rah­men grö­ße­rer Demon­stra­tio­nen, denn ein Kas­per mit einem Schild hat kaum eine Macht, bis er sich mit vie­len ande­ren Kas­pern mit jeweils einem Schild zusam­men­schließt. Sicher: Dies ist, allen Unken­ru­fen zum Trotz, noch immer nicht die Wei­ma­rer Repu­blik, in der die Arbei­ter­klas­se schlag­kräf­tig und oft nicht sehr fried­fer­tig für Frie­den und Gerech­tig­keit ein­trat. Stra­ßen­schlach­ten wür­den nie­man­des Pro­ble­me lösen. Neu ist aber die Äqui­di­stanz der öffent­li­chen Mei­nung zu den Lin­ken und den Rech­ten. Sie bekla­gen das Wie­der­auf­tau­chen des Huf­ei­sens und sind es selbst, die es im Mun­de füh­ren, wenn sie sozia­le Pro­te­ste ein­ord­nen. Ihnen hät­te kaum Bes­se­res als die AfD pas­sie­ren kön­nen, denn allein ihre Zustim­mung zu einem Anlie­gen genügt, um das Anlie­gen als falsch miss­zu­ver­ste­hen.

In der Wei­ma­rer Repu­blik waren die Unzu­frie­de­nen weni­ger zöger­lich, denn das gemein­sa­me Anlie­gen von „Links“ und „Rechts“, die Über­win­dung der bestehen­den Poli­tik auf die eine oder die ande­re Wei­se, sorg­te nicht dafür, dass ihre dar­über hin­aus­ge­hen­den Unter­schie­de in der Betrach­tung negiert wur­den. Ein schlich­tes „aber die sind rechts!“ ist nur begrenzt lan­ge ein gewich­ti­ge­res Argu­ment als die Heiz­ko­sten­ab­rech­nung und soll­te aus­ge­rech­net die spä­te Nach­fol­ge­rin der USPD, die Lin­ke, nicht dazu bewe­gen, die­je­ni­gen abzu­wei­sen, die sich gera­de jetzt auf ihre poli­ti­sche Schüt­zen­hil­fe ver­las­sen kön­nen müss­ten.

Nichts von dem, was zu pas­sie­ren droht, löst in mir ein zufrie­de­nes Schmun­zeln aus.

Persönliches
Fah­ren­heit: Weil das metri­sche System nicht immer das beste ist.

Ein Selbst­ex­pe­ri­ment: Ich habe mei­ne Tem­pe­ra­tur­an­zei­gen – ganz ohne sie kommt ja kaum ein mobi­ler Com­pu­ter heut­zu­ta­ge noch aus – heu­te von Cel­si­us auf Fah­ren­heit umge­stellt. Der Aus­lö­ser dafür waren eine Import­do­se Dr Pep­per mit zwölf Flüs­si­gun­zen Inhalt und eine lose damit ver­bun­de­ne Dis­kus­si­on über das metri­sche System im IRC.

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Netzfundstücke
Tja.

Akt I:
Einen Labor­kit­tel anzie­hen, damit man als „Wis­sen­schaft­ler“ erkannt wird und nicht ein­fach für einen ver­wirr­ten Voll­pfo­sten gehal­ten wird.

Akt II:
Sich im Por­sche­pa­vil­lon in der Auto­stadt fest­kle­ben, um für das Kli­ma zu demon­strie­ren.

Akt III:
Volks­wa­gen erhöht das Fle­hen und spart im Por­sche­pa­vil­lon für die Dau­er der Beset­zung Ener­gie (Licht und Wär­me) ein.

Akt IV:
Die Fest­ge­kleb­ten im „Hun­ger­streik“ kla­gen auf Twit­ter: Es ist kalt, es ist dun­kel, es gibt an der Kle­be­stel­le kein Klo und es wird nicht mal anstän­di­ges Essen gelie­fert.

Ich wer­de die­ses ent­wür­di­gen­de Schau­spiel archi­vie­ren, falls ich im Aus­land mal gefragt wer­de, was das deut­sche Wort „tja“ eigent­lich bedeu­tet.

PolitikIn den Nachrichten
Der Antrag von links

Im deut­schen Par­la­men­ta­ris­mus fin­de ich der­zeit sol­che Nach­rich­ten am beein­druckend­sten:

Der Ver­kehrs­aus­schuss des Bun­des­tags hat einen Antrag der Ver­tre­ter der Links-Frak­ti­on für ein all­ge­mei­nes Tem­po­li­mit von 130 km/h auf deut­schen Auto­bah­nen abge­lehnt. SPD und Grü­ne stimm­ten zwar eben­so wie CDU/CSU, FDP und AfD gegen den Antrag von links, stell­ten aber klar, dass sie ihn inhalt­lich unter­stüt­zen.

Wis­sen die, dass ein Klick aufs „Like“ kei­ne juri­sti­sche Rele­vanz hat?

In den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 18. Okto­ber 2022

„ZDF heu­te“ bedau­ert (Quel­le): Die min­de­ste Art zu ste­hen („Min­dest­stand­art“) wer­de im „Fach Mathe“ ver­fehlt. Kein Pro­blem für das ZDF: Ein Min­dest­stan­dard im Deutsch­un­ter­richt (hier­zu sie­he auch: Text­ta­feln in der für acht­sa­mes Deutsch nicht unbe­dingt bekann­ten „heu­te-show“) ist für eine Kar­rie­re in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on nicht not­wen­dig.


Gute Nach­rich­ten: An der Uni­ver­si­tät von Bos­ton wur­de eine Coro­na­va­ri­an­te gezüch­tet, die für Mäu­se mit 80 Pro­zent Wahr­schein­lich­keit töd­lich ist. Ein Hoch auf die Wis­sen­schaft!


Wit­zi­ge Idee des Tages: Die Ukrai­ne kann den US-Ame­ri­ka­nern die gelie­fer­ten Waf­fen nicht mehr zah­len? Kein Pro­blem: Soll doch die EU zah­len. Haha, die­se Bri­ten. Die wis­sen ja nicht, was ihnen ent­geht. Haha­ha.


Apro­pos: Die von der schreck­li­chen EU geplan­te Voll­über­wa­chung der intim­sten Kom­mu­ni­ka­ti­on aller Bür­ger ist völ­lig über­ra­schend rechts­wid­rig, wird also ver­mut­lich erst wäh­rend der Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft ein­ge­führt. Da guckt kei­ner hin.


Das all­jähr­li­che Stell­dich­ein der Berufs­teen­ager mit dem frag­wür­di­gen Klei­dungs­stil und den bekleb­ten Mac­Books mit Ubun­tu drauf („Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress“) fällt die­ses Jahr aus. Das ist bedau­er­lich. Ich hat­te mir doch schon fest vor­ge­nom­men, absicht­lich nicht hin­zu­fah­ren!

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Yel­low Swans – Being The­re

Yellow Swans - Being ThereLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Von 2001 bis unge­fähr 2009 exi­stier­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Duo Yel­low Swans, das dazu neig­te, dem eige­nen Band­na­men ein zusätz­li­ches Wort mit „D“ (Dove Yel­low Swans, Drea­med Yel­low Swans und so wei­ter) vor­an­zu­stel­len. In die­ser Zeit haben die bei­den Her­ren, weiß das Inter­net, je nach Zähl­wei­se bis zu 70 ver­schie­de­ne Ton­trä­ger (dar­un­ter auch Live­auf­nah­men und Split-EPs) auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­licht. Respekt.

Die letz­te offi­zi­el­le Ver­öf­fent­li­chung war die des Albums „Going Places“ (2009; Amazon.de, Band­camp, TIDAL), das 2010 in einer deut­lich län­ge­ren Ver­si­on ver­öf­fent­licht wur­de, indem vier wei­te­re Stücke unter dem Titel „Being The­re“ (schö­nes Wort­spiel auch) ange­hängt wur­den. Zusam­men haben die­se vier Stücke eine Dau­er von einer Stun­de und acht­ein­halb Minu­ten. Nie­mand soll anneh­men, hier wür­de bloß der Auf­nah­me­rest ver­klappt.

Zumal’s eine gewis­se Strin­genz hat: „Foi­led“ (von „Going Places“) steht auf „Being The­re“ das eröff­nen­de „Foil“ ent­ge­gen und sti­li­stisch passt’s sowie­so: Noi­se („Geräusch­mu­sik“, wie es auto­ma­ti­sche Über­set­zungs­pro­gram­me auf irgend­wel­che Web­sites schrei­ben) par excel­lence.

Yel­low Swans – Foil

Passt.

PersönlichesNetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Noir Reva – Fio­wia // Der Markt regelt nur in Wolfs­burg.

Es ist zu hell.Es ist Mon­tag. Am ver­gan­ge­nen Sonn­abend sah ich ver­se­hent­lich die sanf­te Loun­ge­jazz­band ener­gi­sche Krach­grup­pe Hære­sis aus Ber­lin (… auuus Ber­lin) „live“, wie man auf Neu­deutsch sagt. Wun­der­ba­re Wut­ka­ta­ly­sa­tor­mu­sik, ich mag das. Am fol­gen­den Tag wohn­te ich einem Kon­zert der klas­si­schen Musik bei, in des­sen Rah­men auch ein moder­nes Musik­thea­ter­stück auf­ge­führt wur­de, das von einem empör­ten Herrn hin­ter mir wie­der­holt mit den Wor­ten ver­meint­lich kri­ti­siert wur­de, das sei ja „gar kei­ne Musik“, das sei ja „nur Geräusch“. Ich hat­te zuvor noch wenig von der selbst anwe­sen­den Kom­po­ni­stin Lucia Ron­chet­ti gehört, aber bereits der Umstand, dass sie auch 2022 noch ver­meint­lich kunst­in­ter­es­sier­te Mit­men­schen zur wei­te­ren Befeue­rung die­ser sehr lang­wei­li­gen, weil spä­te­stens seit „4′33″“ obso­le­ten Dis­kus­si­on bewegt, ver­schaff­te ihr dar­auf­hin zumin­dest ein aner­ken­nen­des Nicken mei­ner­seits. Zum Glück hat­te sie zu die­sem Zeit­punkt den Saal bereits ver­las­sen, sonst hät­te ich die­ses Nicken wahr­schein­lich erklä­ren wol­len und mein Ita­lie­nisch ist etwas ein­ge­ro­stet.

Apro­pos Lärm: Die ehe­ma­li­ge Trans­pa­renz­par­tei „Pira­ten­par­tei Deutsch­land“ möch­te künf­tig nicht mehr, dass Frem­de ihre öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen lesen, und ent­an­ony­mi­siert ihr Forum mit der amü­san­ten Begrün­dung, der „rüde“ Umgangs­ton dort kön­ne die Öffent­lich­keit abschrecken. Ange­sichts der pro­gram­ma­ti­schen, per­so­nel­len und struk­tu­rel­len Ent­wick­lung der Par­tei in den letz­ten paar Jah­ren – so weit ich sie mit­be­kom­men habe – ver­mu­te ich ja, das Forum kann am aller­we­nig­sten dafür, aber bestimmt wird alles bes­ser, wenn man sei­ne Schnaps­ideen nur noch für ange­mel­de­te Besu­cher sicht­bar ver­kün­det. Das muss die­ser ande­re Poli­tik­stil sein, die­ses Mit­ma­chen, von dem sie immer reden.

Diver­se Zei­tun­gen schrie­ben die­ser Tage die dpa-Mel­dung ab, dass das Fuß­ball­gucken auf Groß­lein­wän­den in vie­len deut­schen Städ­ten heu­er aus­fal­le, weil Katar selbst von nicht son­der­lich sym­pa­thi­schen Men­schen („Fuß­ball­fans“) als unsym­pa­thi­scher Staat emp­fun­den wer­de; nur nicht in Wolfs­burg, wo die­ses Ereig­nis pas­sen­der­wei­se direkt auf dem Weih­nachts­markt statt­fin­den wer­de. Zwar sei­en die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen dol­le schlimm, lässt „City­ma­nage­ment-Bereichs­lei­ter Frank Hitzschke“ wis­sen, aber es gebe nun mal die Nach­fra­ge nach einer sol­chen Ver­an­stal­tung. Der Markt. Kennt man. Wenn Wolfs­burg (pas­sen würd’s) den Weih­nachts­fuß­ball über­dies als Auto­ki­no umsetz­te, sind die drei Din­ge, die das hie­si­ge Volk zu einem beson­ders lästi­gen machen (Weih­nach­ten, Autos, Fuß­ball), end­lich ver­eint. Da hilft dann auch kein Glüh­wein mehr.

Zwei­fel­los hilf­reich wäre es aber, wenn man an dem Quatsch auch in Wolfs­burg nicht teil­nimmt und statt­des­sen – mit min­de­stens einem Kopf­hö­rer aus­ge­stat­tet – dem Musik­ge­nuss frönt. Mein heu­ti­ger Vor­schlag: Post­rock aus Koblenz.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Camp­bel­l­ak­ti­vi­sten

Und, …

Anti-Öl-Akti­vi­stin­nen haben das berühm­te Gemäl­de „Son­nen­blu­men“ des nie­der­län­di­schen Künst­lers Vin­cent van Gogh in Lon­don mit Toma­ten­sup­pe bewor­fen. (…) „Die Lebens­hal­tungs­ko­sten­kri­se und Kli­ma­kri­se wird durch Öl und Gas getrie­ben.“

… geht es dem Kli­ma jetzt bes­ser?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zur hämi­schen Pan­zer­prä­sen­ta­ti­on

Bedenkt man den Umstand, dass unter joh­len­der Zustim­mung der Guten nun­mehr das Recht erfoch­ten wur­de, zwecks mora­li­scher Demü­ti­gung des Fein­des den Krieg Spe­zi­al­ein­satz ver­lo­ren haben­de Pan­zer­über­re­ste vor der rus­si­schen Bot­schaft in Ber­lin aus­zu­stel­len, wäh­rend deut­sche Pan­zer­wracks vor einer deut­schen Bot­schaft 77 Jah­re nach dem Sieg der Roten Armee über das Deut­sche Reich noch immer feh­len, als woll­te man aus­drücken, dass es drin­gend Zeit wur­de, dass end­lich mal jemand Sta­lin­grad räche, so dass man als Deut­scher letzt­lich doch noch tri­um­phie­ren kann, so über­rascht es kaum noch, dass ver­meint­li­che „Geschichts­ver­ges­sen­heit“ in immer mehr Bun­des­län­dern die Umfra­gen anführt.

NetzfundstückeNerdkrams
Künst­li­che Intel­li­genz für den neu­en Men­schen

Der bis­her erstaun­lich­ste Durch­bruch in der Com­pu­ter­tech­nik des 21. Jahr­hun­derts war es, dass der Mensch mit­tels inten­si­ver gemein­sa­mer Wer­be­maß­nah­men von Kon­zer­nen und Fil­me­ma­chern („der Hacker im Film hat das doch auch“) dazu kon­di­tio­niert wur­de, frei­wil­lig und ohne tech­ni­sche Not­wen­dig­keit sei­ne Com­pu­ter – Schreib­tisch und Hosen­ta­sche glei­cher­ma­ßen – mit­tels Akti­vie­rung des „dunk­len Modus“ so zu kon­fi­gu­rie­ren, dass die Akku­ge­sund­heit mög­lichst lan­ge auf­recht erhal­ten wird und die Augen­ge­sund­heit nicht.

In den NachrichtenMontagsmusik
Zone Six – Touch Down Hei­di (live) // Sabahno­ta­ge

Moin!Es ist Mon­tag. Die Bilanz des Wochen­en­des: 1 beschä­dig­te Was­ser­zu­fuhr, 1 beschä­dig­tes Acces­soire, 1 beschä­dig­ter Arti­kel­au­tor, 1 trau­ri­ger Kon­to­stand, 2 Tage Kater. Erwach­sen­sein ist super, kann man es irgend­wo wie­der zurück­ge­ben?

Nie­der­sach­sen hat gewählt und Frank denkt nicht dar­über nach. Ich wünsch­te, das blie­be auch mir erspart, aber ich habe ja auch gewählt – natür­lich nur Gutes, wie man es von mir kennt – und bin daher künf­tig schuld. Das Leben eben. Steckt man nicht drin. Der hie­si­ge Bahn­ver­kehr war am Sonn­abend kurz aus­ge­fal­len. Nicht, dass man bei der Bahn den Unter­schied zwi­schen Sabo­ta­ge und Nor­mal­be­trieb über­haupt merk­te, aber der Schul­di­ge ist gesetzt. Ver­damm­ter Putin.

Erwach­se­ne Leu­te, die Super­hel­den­fil­me gucken, stell­ten die Vor­stu­fe zum Faschis­mus dar oder so, lässt Alan Moo­re wis­sen. So harsch wür­de ich sie jetzt nicht beschimp­fen, aber ein biss­chen beschimp­fen soll­te man sie durch­aus, sonst hört das nie auf. Im „Atlan­tic“ ist unter­des­sen zu lesen, dass rei­che Men­schen es gern ruhig haben. Ich bin nun nicht son­der­lich reich, aber auch ich mag Stil­le lie­ber als andau­ern­de Berie­se­lung. Ich bin offen­sicht­lich mit dem fal­schen Kon­to­stand gebo­ren. Den las­se ich mir mor­gen beim Amt gleich anders ein­tra­gen.

Bis dahin höre ich Musik.

ZONE SIX – Touch Down Hei­di – live in HD 2017 (Live Spring 2017)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Frau­en weg von der Macht!

„taz“, miss­mu­tig, 26. Okto­ber 1994:

Zugleich aber bleibt der Zusam­men­hang von Frau­en und Macht dop­pelt gespal­ten. Es wirkt ein modi­fi­zier­ter exten­si­ver und inten­si­ver Aus­schluß­me­cha­nis­mus. (…) Wenn Frau­en nicht neue Ungleich­heit mit­pro­du­zie­ren wol­len, müs­sen sie dar­auf eine Ant­wort fin­den. (…) Nicht nur die klas­sisch weib­li­chen The­men, son­dern gera­de alle poli­ti­schen Fel­der sind zu „beset­zen“, eben auch die Ver­tei­di­gungs­po­li­tik oder die „Inne­re Sicher­heit“.

„taz“, opti­mi­stisch, 18. Juli 2019:

Ob Ange­la Mer­kel, Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er und Ursu­la von der Ley­en Femi­ni­stin­nen sind – who cares? Es sind drei extrem erfolg­rei­che Frau­en an zen­tra­len poli­ti­schen Stel­len, die den Kin­dern die­ser Gesell­schaft zei­gen, dass eine Frau Kanz­le­rin kann, CDU-Che­fin, EU-Che­fin und, wie­der­holt, Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rin. (…) Inhalt­lich wird die­se christ­li­che Damen­uni­on – da darf man sich nichts vor­ma­chen – ent­täu­schen. (…) Und trotz­dem: Die­ses Trio lie­fert gera­de ein Lehr­stück über weib­li­che Macht.

„taz“, wütend, 1. Okto­ber 2022:

Ver­gan­ge­nen Sonn­tag erlang­te das Rechts-Mit­te-Bünd­nis in bei­den Par­la­ments­kam­mern die abso­lu­te Mehr­heit, (…) die rechts­ra­di­ka­le Gior­gia Melo­ni wird wohl Ita­li­ens erste Mini­ster­prä­si­den­tin. (…) Erschreckend des­halb, weil klar ist, dass (…) Ita­li­en ein noch schlech­te­rer und gefähr­li­che­rer Ort für (…) Frau­en wird.

Als Frau zu erfolg­reich für die „taz“ zu wer­den ist ja auch noch eine Lebens­lei­stung.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Swans – The Glo­wing Man

Swans - The Glowing ManLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

1982 grün­de­te Micha­el Gira, der bis dahin nicht nen­nens­wert musi­ka­lisch in Erschei­nung getre­ten war, in New York die Musik­grup­pe Swans, zu deren kaum zu über­hö­ren­den Ein­flüs­sen die damals auf­kom­men­den New-Wave-Bands wie New Order zähl­ten. Im Lau­fe ihres Bestehens gehör­ten der Grup­pe nam­haf­te Musi­ker wie Thur­s­ton Moo­re (Sonic Youth) und zuletzt auch der 2020 ver­stor­be­ne Schlag­zeu­ger Bill Rief­lin (unter ande­rem King Crims­on und R.E.M.) an, aber den Ver­käu­fen hat das kaum wesent­lich genützt. Es dau­er­te fünf­zehn Jah­re und eine zwei­stel­li­ge Zahl an auf­ge­nom­me­nen Ton­trä­gern, bis der von Anfang an nur mäßi­ge kom­mer­zi­el­le Erfolg Micha­el Gira die Moti­va­ti­on aus­ge­trie­ben hat­te und er die Band auf­lö­ste.

2010 refor­mier­te er sie, zum Teil mit frü­he­ren Mit­mu­si­kern. Unter dem Namen Swans erschie­nen seit­dem fünf Stu­dio- und vier Live­al­ben. „The Glo­wing Man“, 2016 ver­öf­fent­licht (Amazon.de, TIDAL), nimmt dabei eine Son­der­rol­le ein, denn es ist nicht nur ein Drei­fach­al­bum mit einer Lauf­zeit von fast zwei Stun­den, wobei die drei läng­sten Stücke „Cloud of Unkno­wing“, „Fran­kie M“ und das Titel­stück „The Glo­wing Man“ zusam­men bereits über eine Stun­de lang sind (nimm dies, For­mat­ra­dio!), son­dern war auch das letz­te Album vor der erneu­ten Auf­lö­sung der Swans, die erst 2019 in schon wie­der ande­rer Beset­zung zusam­men­ka­men.

Musi­ka­lisch haben wir es hier im wei­te­ren Sin­ne mit Rock­mu­sik zu tun, die ihre expe­ri­men­tel­le Natur manch­mal nicht ganz ver­ber­gen kann (die uner­war­te­ten Län­gen im Titel­stück, in denen Rhyth­mus­mu­ster minu­ten­lang sto­isch wie­der­holt wer­den, gehö­ren dazu) und deren Erschaf­fer den Noi­se­r­ock eben­so für sich ent­deckt haben wie sie ihre Wur­zeln – auch eine Cover­ver­si­on von Joy Divi­si­ons „Love Will Tear Us Apart“ wur­de als Teil einer Swans-EP ver­öf­fent­licht – nicht ver­ges­sen haben.

Swans – The World Looks Red / The World Looks Black

Wer „The Glo­wing Man“ mag, mag auch: Sitzt­an­zen, Intro­ver­si­on und Later­nen­aus­tre­ten. Lärm, Rhyth­mus und unschlim­mer Gesang. Schö­ne Kom­bi­na­ti­on.