(„Dies“, sagte der Bundesverteidigungsminister, Bezug nehmend auf irgendwelche Ölblockaden [Archivversion], sei nicht „unser Krieg“, vermied aber die Bekanntgabe derjenigen Kriege, die sehr wohl „unsere Kriege“ seien sollen; wo doch die korrekte Antwort jedes Menschen, der irgendwas aus irgendwas gelernt hat, stets war, ist und sein wird: kein Krieg ist „unser Krieg“, und wer widerspricht, der muss halt nicht selber hin.)
A Silver Mt. Zion – Microphones In The Trees // Heldenveteranen revisited
Es ist Montag. Ihr dürft euch alle noch Prinzessinnen nennen, nehme ich an. Macht davon reichlich Gebrauch, so lange euer Vater keinen Unsinn anrichtet.
Für Freunde historischer Parallelen: Vor 91 Jahren fand, so wollte es die damalige Politik, erstmals der auf den „ungefähr 16. März“ festgelegte Heldengedenktag statt. Ich halte es für ein bedauerliches Versäumnis des Weltgeistes, dass der Gedenktag („Feiertag“) unter dem Namen „Nationaler Veteranentag“ zwar immer noch denselben ekligen Scheißdreck zum Inhalt hat, aber jetzt an einem anderen Tag stattfindet. Nicht, dass das noch jemandem auffällt.
(Ist die CDU jetzt eigentlich links oder ist Cola rechts? Die Gelehrten streiten noch, und mit „Gelehrten“ meine ich die „taz“.)
Wenn doch schon, apropos „taz“, für Krieg und linke Autos immer noch Subventionen übrig sind, aber für die designierten Krieger nicht mehr: „Die Zahl der Minderjährigen ohne Wohnung in Deutschland hat sich laut Bundesregierung zwischen den Jahren 2022 und 2025 fast verdreifacht“, sollen sie halt in der Kaserne wohnen. Vorwärts immer.
Wo vorn ist, muss es ja nicht hübsch sein. Meta („Facebook“), erfahre ich gegen meinen Willen, habe das Tinder für Roboter, „Moltbook“ betitelt, nun in den eigenen Konzern übernommen. Ergibt schon Sinn: Auf WhatsApp, Instagram und Facebook trifft man ja, glaubt man dort Angemeldeten, ohnehin kaum noch echte Menschen (oder jedenfalls keine, mit denen man allzu viel Austausch pflegen möchte), da ist es ja jetzt auch egal.
Eine „Nachrichtenagentur“, las ich gestern, habe mal wieder ohne vernünftigen Grund die Identität des multimedialen Künstlers preisgegeben, der absichtlich unter dem Namen Banksy auftritt. Ich verlinke so einen Quark schon aufgrund eigener Betroffenheit nicht, wünsche den Verantwortlichen, dass eine „KI“ alsbald ihre Stelle erhält, und sende dem Delinquenten von hier aus Solidaritätsgrüße. Gedanken und Gebete, Bruder. Gedanken und Gebete.
Möge hingegen hoffentlich noch lange von „KI“-Übernahme verschont bleiben: Gute Musik.
Guten Morgen.
Reflexion (XIV)
Der eigene Wert ist manchmal eben doch in Euro zu bemessen, und sei es nur beim Berufswechsel.
Wenn jeder Autist ist, ist niemand mehr Autist.
Was zeichnet es eigentlich aus, Teil dieses gewaltigen Spektrums zu sein, in dem wir uns alle wiederfinden? Wir alle sind neurodivers; das ist leicht zu akzeptieren, da kein Gehirn dem anderen gleicht. Doch genau das entzieht einer medizinischen Diagnose jegliche Grundlage.
(Aus dem Englischen übelsetzt.)
plantoid – Dozer // Rosa verbieten für die Frau
Es ist Montag. Der gestrige „Weltfrauentag“, der wie üblich für niemanden eine Verbesserung der Situation, für viele „solidarische Alliierte“ (d.h. devote Arschkriecher) jedoch überdurchschnittlich hohe Däumchen-hoch-Zahlen im Internet zur Folge hatte, ließ den öffentlich-rechtlichen Rundfunk feststellen (Archivversion): Um doofe Frauen davor zu schützen, doofe Entscheidungen wie etwa den Kauf teurer Produkte „extra für Frauen“ zu treffen, muss der Verbraucherschutz dringend einschreiten. Denn jeder weiß, dass es einer Frau völlig zu Recht streng verboten ist, Dinge zu kaufen, die nicht rosa sind, weshalb da zweifelsohne nicht etwa ein Mindestanspruch an den menschlichen Verstand gelten darf, der den Markt das regeln lässt (indem halt niemand den Käse kauft), sondern der Gesetzgeber in der Pflicht steht. Endlich tut mal einer was.
(Gestern hat Baden-Württemberg gewählt. Gewonnen hat – wie immer – die Autoindustrie. Na, brav zur Abstimmung gegangen? Ja? Jetzt das Gefühl, irgendwas erreicht zu haben? Nein? Tja.)
Apropos: Henning Otte, erfahre ich in der „FAZ“ (heute ist übrigens ein guter Tag für mehr RSS in eurem Leben), fordere einen Wehrdienst bis 70 Jahre. Das finde ich inkonsequent. Warum nicht ab 70?
Stets altersgerecht: Musik.
Guten Morgen.
Türnichtschließer
Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein?
Richtig: In Türschlösser.
(Warum zum hackenden Henker?)
Miniaturen (04.03.2026)
Völkerrecht haben und Völkerrecht bekommen sind ja zwei verschiedene Dinge – alte Küchenjuristenweisheit.
Alltagswissen für Zyniker ebenso wie für Ironiekundige: In der Literaturkritik gibt es den Begriff des „Idiot Plot“, einer Handlung also, die nur deshalb zustandekommen kann, weil alle Beteiligten vor Handlungsbeginn anscheinend Lack gesoffen haben.
Seit wenigen Tagen existiert irgendwo in einer niedersächsischen Stadt eine Variante des Jahrhunderte alten britischen „Cock Ale“, deren Zusammensetzung ich mir selber ausgedacht habe. Die wesentlichen Zutaten sind gekochtes Huhn und kräftiger Sherry. Unabhängig davon, dass es gar nicht so schlecht schmeckt, wie es klingt: Vielleicht sollte man mich einfach von jedwelchem Kochtopf fernhalten. Ich mache damit nur Unsinn.
Sex ist wie Busfahren: Es ist einfacher, erst mal alle rauszulassen, die raus wollen, bevor man selber reinkommt.
Gibt es eigentlich schon Sozialstudien zum Thema Sozialstudien?
Westliche Werte des Tages (6)
Ein Kommandant einer Kampfeinheit habe Unteroffizieren bei einer Besprechung am Montag mitgeteilt, der Iran-Krieg sei Teil von Gottes Plan und Präsident Donald Trump sei „von Jesus gesalbt worden, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, Harmagedon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde zu kennzeichnen“, so eine Beschwerde eines Unteroffiziers.
Jonathan Larsen (Archivversion), aus dem Englischen übersetzt
ORT – Bodden Dub // Der digitale Werbemarkt kann mich mal
Es ist Montag. Hurra! Wir haben jemanden umgebracht! Und, ist im Iran endlich der Friede ausgebrochen?
Was auch den friedfertigsten Menschen (d.h. mich) in die Lust am Meucheln zu versetzen imstande sein könnte, ist eine Meldung wie diese: Der „digitale Werbemarkt“ (also vermehrt auch das alberne Gezappel auf den langweiligen Geräten, die ihr ständig in der Hosentasche mit euch herumtragt, weil der moderne Mensch in ständiger Angst lebt, nicht dauernd irgendwelche schlimmen Nachrichten erhalten zu können) wachse laut Prognose im Jahr 2026 um 8,7 Prozent. Habt ihr immer noch und trotz allem keinen Werbeblocker? Braucht ihr Tipps? – Aus demselben noch fruchtbaren Schoß kroch die Meldung, der Börsenwert (wohlgemerkt: nicht Firmenwert; Börsenkurse sind ein bisschen mit Bitcoins zu vergleichen, indem ihre Höhe einzig von der Naivität vieler Investoren und nicht etwa von objektiv messbaren Werten abhängt) von IBM – das Unternehmen scheint es immer noch zu geben – sei um elf Prozent eingebrochen, als irgendeine lizenzkritische „KI“-Klitsche (vulgo: Diebesbande) großspurig verkünden zu müssen meinte, demnächst werde COBOL-Code komplett von ihrem „KI“-Gedöns auf andere Sprachen portiert und niemand brauche mehr COBOL. Ich bin guter Dinge, dass COBOL auch diesen Krempel überleben wird, wünsche allen Beteiligten aber viel Glück, starke Nerven und/oder die baldige Insolvenz. Wir, die hauptberuflich Code und nicht „Prompts“ schreiben und also halbwegs wissen, wovon wir reden, wenn wir das für eine erstaunlich blöde Idee halten, sind dann da, um die Scherben zusammenzukehren. Gegen einen angemessenen Aufpreis, versteht sich.
Für Fußballstreaming zu bezahlen laufe exakt so gut wie erwartet (Archivversion), erzählten bereits vor ein paar Wochen die einschlägigen Medien. Ja, wirklich seltsam, dass die als „Piraterie“ beschimpfte uneingeschränkte Zugänglichmachung vollständiger Sportveranstaltungen „trotz“ des allgegenwärtigen Bezahlstreamings immer noch nicht ausgestorben ist. Versteh’ ich nicht. Unbegreiflich. Total.
Versteh’ ich: Musik.
Guten Morgen.
Demoparaden
Wenn man mit der Regierung demonstriere, las ich neulich, sei das keine „Demo“, sondern eine Parade. Ich finde diesen Merksatz behaltenswert und schreibe ihn daher hier auf, damit ich ihn vielleicht weniger schnell vergesse.
LinKIdIn
Hihi: Wenn man sich bei LinkedIn (eine Art Facebook für Menschen mit Berufskrawatte) nicht nur anmeldet, sondern auch „verifiziert“, dann können hinterher 17 US-Firmen den eigenen Ausweis in ihre „KI“-Modelle reinkippen. Das muss diese „geschäftliche Vernetzung“ sein, mit der LinkedIn immer wirbt.
Gaffer sind auch bloß dornige Videoüberwachung.
Nach Widerstand aus dem Gemeinderat und einer zähen Debatte erteilt das Regierungspräsidium der Videoüberwachung am Tübinger Bahnhof grünes Licht. (…) »Ziel ist es, Straftaten zu verhindern (…) und insbesondere in den Abend- und Nachtstunden für mehr Sicherheit und ein besseres Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu sorgen«, sagte Palmer Anfang Februar.
Jedoch Leipzig (Archivversion):
Als Hozan Roj in einer Leipziger Straßenbahn unterwegs ist, eskaliert eine Begegnung mit zwei Männern. Sie zücken Messer. (…) Roj kann sich bis zu dem Moment, als das Messer gehoben wird, die Bahn stehen bleibt und die Fahrgäste anfangen zu filmen, detailliert erinnern.
Fast könnte man meinen, es halte einen Menschen nicht davon ab, ein Verbrechen zu begehen, wenn eine beliebige Anzahl an Kameras zuguckt.
Ufomammut – Psychostasia // Obstwurftheater
Es ist Montag. Die ungefähr gleichen Quarkhirne, die anlässlich des Ukrainezwischenfalls über einen „dritten Weltkrieg“ zu schwadronieren wagten, haben jetzt sicherheitshalber einen Transatlantiker in seinem Amt (Vorsitzender einer Transatlantikerpartei) bestätigt, während man trans des Atlantiks offen darüber nachdenkt, die westlichen Werte nebst der Einwohner per Raketenexpress im Iran zu verteilen. Wenn kleinkalibrige Scharmützel jenseits der vertraglich relevanten Grenzen unserer Einflusssphäre die Vorboten eines „Weltkriegs“ sind, was ist dann eigentlich das militärische Bedrohen eines Nuklearstaates?
Witzig: Ein Teil derjenigen Menschen, die dem Weltmarktführer in Onlinereklame ein Betriebssystem abgekauft haben, weil ihnen ebendieser Weltmarktführer in seinen Werbeprospekten erzählt hat, dass sie nur mit ihm frei und unbeschwert durchs digitale Leben schwingen können, ist nun empört, entsetzt und enttäuscht, dass Konzerne, die ihr Geld mit dem Verscherbeln von Nutzerdaten verdienen, das halt auch irgendwann zu tun gedenken. Man muss übrigens gar nicht immer und überall für alles und jeden erreichbar sein. Gern geschehen.
Man solle nicht seine eigene Offenheit für gesellschaftlichen Diskurs durch bloßes „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weiter unnötig beschneiden, erklärte ausgerechnet der Trainer der Herrenmannschaft des langweiligen FC Bayern München, und zwar finden den Monolog fast alle, die ihn mitbekommen haben, gut (weil gegen Rassismus), aber die Transferleistung (also weniger „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weiter) bekommen sie dann doch wieder nicht auf die Kette. Gratismut ist halt ein Teamsport. Da ist es nur folgerichtig, dass neuerdings Schauspieler angegriffen werden, weil sie es wagen, auf der Theaterbühne als Teil eines Theaterstücks eine Theaterrolle zu spielen. Ich würde ja „die Welt ist reif, sie will gepflückt werden“ schreiben, aber irgendjemand hat den Schauspieler mit Obst beworfen und die Dramaturgin heißt auch so, da wäre ein entsprechendes Wortspiel vermutlich zu naheliegend. „Teile des Bochumer Publikums (…) sind offenbar zu doof, (…) zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden“, Theater gilt in der TikTok-Welt eben nicht mehr viel.
Ganz im Gegensatz zu: Musik.
Guten Morgen.
Was verbieten wir Friedrich Merz?
Wenn Kinder heute im Alter von 14 Jahren bis zu fünf Stunden und mehr Bildschirmzeit haben am Tag, wenn die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet, dann brauchen wir uns über Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten (…) nicht zu wundern[.]
Was sollten wir daher Friedrich Merz verbieten? Ohne Fernsehen und Essen ins Bett?
Böse gucken ist BahnCard genug
Außerdem soll Palla zufolge ab dem 1. März im Regionalverkehr die verpflichtende Ausweiskontrolle im Rahmen der Ticketkontrolle wegfallen. Künftig werde es im Ermessen des Zugpersonals liegen, ob der Ausweis kontrolliert wird. Damit könne eine Situation mit “hohem Eskalationspotential” vermieden werden, so die Bahnchefin.
Ist auch billiger als Fahrkarten dann.












