Wo musste denn unbedingt mehr Internet rein?
Richtig: In euren Fernseher.
(Tja nun.)
Während ganz Deutschland in einer für Außenstehende vermutlich noch komischer anmutenden Mischung aus Schadenfreude und Psychose Bedenken die neuesten Kommata aus Sachsen-Anhalt debattiert, als wäre es neuerdings für irgendjemanden von Interesse, was vor Punkt 18:00 am Wahlabend (das ist normalerweise der Beginn aufrichtiger politischer Kommunikation, denn dann ist der Wähler erst mal wieder leise und es geht an die gemeinsame Posten- und damit Geldverteilung) aus so einer Partei herausplätschert, sind 128 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen schon einen Kriegsschauplatz weitergezogen und arbeiten an einer gemeinsamen Leitlinie (englischsprachig) zum Umgang mit tödlichen autonomen Waffen (d.h. Mörderrobotern), die eher nicht „wir werden keine nicht von einem Menschen gesteuerten Maschinen damit beauftragen, Menschen zu töten, weil das unfassbar bescheuert wäre“ lauten wird; und das ist die eigentliche Meldung daran.
Es ist Montag. Sind eigentlich diejenigen Sachsen-Anhaltiner, die ganz sicher und nicht nur wegen der Herzchen in den (gestern auch wieder wirklich nur mit gut geölten Wortfiltern erträglichen) sozialen Medien das Land verlassen werden, wenn die AfD dort etwas mehr Einfluss im Parlament bekommen sollte, noch da? Wenn ja: warum? Es ist nämlich architektonisch nicht sehr schön in Sachsen-Anhalt.
(In der gestrigen Wahlberichterstattung, soweit von mir zur Kenntnis genommen, amüsierte mich am meisten die Zwischenüberschrift „Das sind die Gründe für die SPD-Stimmen“ im „tagesschau“-Liveticker; denn anscheinend muss die echt mal jemand erklären.)
Lustig: Dirk Kurbjuweit erzählt beim „SPIEGEL“, dass es bestimmt irgendeinen Beweis für die dankbar kolportierte und darum mehrfach wiederholte Behauptung gäbe, dass Russland in Deutschland irgendwelche Drohnen zu verantworten habe, benennt daher Russland als „den Feind“, versäumt es aber zu erwähnen, wie man gegen Russland so ins Feld ziehen kann, dass es außerhalb von Berlin auch irgendjemanden interessiert. Selbstverständlich liegt es mir als Freund der freien Presse fern, Journalisten im Kriegsmodus als satt und daher feige zu betiteln, deshalb kann ich nur ratlos darüber nachdenken, warum sie aus ihren klimatisierten Büros heraus, fernab tatsächlicher Fronten, so zahnlos für mehr Geschichtsvergessenheit und also für mehr deutsche Waffen gegen die Bolschewiken trommeln, ohne diese Möglichkeit zumindest zu nennen.
Sicher nicht aus einem so nichtigen Grund.
Oder?
2026 bisher kurz zusammengefasst: In den Niederlanden gibt es immer noch einen Teletext. Die Nachrichten-Website des öffentlich-rechtlichen Rundfunks konnte aus irgendeinem Grund nicht mehr aktualisiert werden, und sie haben Teletekst dazu genutzt, darüber zu informieren. Alles hat seinen Zweck.
Unter anderem auch: Musik.
Guten Morgen.
Mindestens eine sensible Datei ist sogar verschlüsselt. Offenbar genau für den Fall, der nun eingetreten ist. Allerdings wurde das zugehörige Passwort ebenfalls geleakt, weil eine Mitarbeiterin es per Mail herumgeschickt hatte, die wiederum abgefischt wurde.
Zweierlei Bemerkung dazu:
Es ist allzu leicht, mit dem Finger auf tatsächliche oder vermeintliche Schuldige (der Russe!!11!) zu zeigen, wenn das eigentliche Sicherheitsrisiko bei Benutzern liegt, die Passwörter im Klartext verteilen, und bei Administratoren, die auf so etwas wie eine saubere Rechtetrennung lieber verzichten. Müsste ich für das in Berlin Geschehene nun aber die Verantwortung übernehmen, wäre mein erster Vorschlag ein größerer Einschnitt ins Personal. Offenbar arbeiten in der Berliner Verwaltung Menschen, die lieber irgendwas mit Menschen machen sollten. Oder was mit Kunst.
Sicher: Es ist legitim, alles beim Alten zu lassen. Meine eigene Lebenserfahrung lehrt mich aber: Wenn es mein Ziel ist, dass jemand nachdrücklich den Eindruck behält, dass sein Verhalten vielleicht nicht das Allerschlaueste war, dann komme ich mit Zeigefingerschwingen nicht weiter. – Oder man lässt’s halt laufen. Is halt Berlin, wa.
Haftnotizen an Bildschirmen landen wenigstens nicht in Datensammlungen.
Ich mache ja nun schon seit hinreichend langer Zeit was mit Computern, aber für diese Einstellung in der Logitechsoftware musste ich dann doch das Handbuch zu Rate ziehen.

Während Deutschland noch Kulturzentren schließt, um es dem Russen mal so richtig zu zeigen, verteidigen Schokoriegelhersteller bereits unsere westlichen Werte an mir bis dato erfreulich unbekannten Fronten:
Snickers
(Entschuldigung. Ich musste kurz tief durchatmen. Sonst kriege ich diesen Absatz nicht zu Ende getippt.)
also Snickers hat
(*prust*)
es hat den ersten digitalen Schokoriegel erfunden, mit dem man „KI“s gegebenenfalls dazu bewegen kann, sich die vorherige Antwort noch mal zu überlegen.
Doch, wirklich.
Sie sind ja nicht sie selbst, wenn sie hungrig usw.
Und da hilft ein Snickers.
(Putin, den Knopf bitte.)
Lesenswert (wenn auch recht akademisch) zum selben Thema: Wie funktioniert ein LLM und warum ist es weder künstlich noch intelligent?
Karl Popper ließ 1987 über den „SPIEGEL“ (und wenig später per gutem Buch) die Wahrheit verbreiten, „alle unsere Demokratien“ seien „keine Volksregierungen, sondern Parteiregierungen“, weil die Parteioberen über Inhalte bestimmen und das Volk eben nicht.
Zur Lösung des im selben Aufsatz angeführten Problems, dass das Vieleparteiensystem einen Proporz zur Folge hat, der dafür sorgt, dass ein unzufriedenes Volk nicht so recht abrechnen kann, weil nach der Wahl die abgewählte Partei trotzdem – dann eben mit mehr Koalitionären – weiter zu regieren gedenkt, schlug er vor, das aus dem US-amerikanischen und britischen Raum bekannte Zweiparteiensystem für weniger schlecht zu halten: Gefällt dem Wähler die Politik der einen Partei nicht, wird nächstes Mal zuverlässig die andere regieren.
Ich hielt diesen Vorschlag enttäuschend lange für unüberlegt, erkenne aber mit Blick auf die politische Situation in Sachsen-Anhalt, das das Zweiparteiensystem „die AfD und die Anderen“ in der politischen Kommunikation für selbstverständlich hält, spät seine Weitsicht an. Es sollte eine Möglichkeit für den Wähler geben, auch Parteien, die too big to fail sind, wenigstens eine Legislaturperiode lang dazu zu bewegen, sich darüber Gedanken zu machen, ob es wirklich so weise ist, eine einzige Enttäuschung zu sein.
Sonst landet man eben da, wo man jetzt steht.
Es ist Montag. Die Isländer wollen allen Überzeugungsversuchen von Nichtisländern zum Trotz mehrheitlich nicht in die EU, las ich in den Nachrichten. Ein stolzes Land. Könnte man auch mal hinreisen.
Apropos Reisen. Ich war am vergangenen Sonnabend, wie Niedersachsen und andere normale Menschen den bayrischen und/oder ostdeutschen „Samstag“ nennen, mal wieder auf ein Punkfestival gereist. Auf trat unter anderem (Archivversion für späteres Schämen) der mir bis dato unbekannte Musiker Butterwegge nebst Begleitgruppe. In dessen Konzertrahmen gesungen wurde „wenn alles scheißegal ist, sind wir endlich frei“ und gesprochen unter anderem „wir wollen eure Hände sehen!“. Es wurden Hände gezeigt. Mit diesen Punks hat die AfD ein leichtes Spiel: wer auf einer Bühne steht, der bekommt seinen Willen. Antifaschismus endet am Bühnenrand.
‘Emma Ruth Rundle & Thou – Into Being // Antifaschismus endet am Bühnenrand’ weiterlesen »
Die „Sportschau“ (Archivversion) von MEINEN Gebühren!!11!:
Heute startet der 1. FC Köln in die neue Bundesliga-Saison. Den Segen von oben holen sich die Fans im Dom.
Der 1. FC Köln hat einen erfolgreichen Saison-Auftakt gefeiert.
Zu wem beten eigentlich die Anhänger des FC Bayern München?
(Alle bekloppt.)
Aus Gründen.
Hihi, eine Kohlberaterin.
Neues vom Feminismus: „Die Männerberatung in Düsseldorf unterstützt mehr Betroffene denn je in Gewaltsituationen und Partnerschaftskrisen. Allein im ersten Halbjahr meldeten sich mehr als 120 Männer“ („Rheinische Post“, will nicht verlinkt werden, LSR). Es hat alles nichts mit irgendwas zu tun. Die mehr als 120 Männer sollen sich mal nicht so anstellen. Jeder weiß, dass die wahren Opfer und so weiter und so fort.
Aus aktuellem Anlass ein „The Onion“-Artikel von 2023:
Nachdem er die vergangenen drei Jahrzehnte seines Lebens völlig unfähig und unwillig gewesen war, sich auf irgendeine bedeutsame Weise mit der Welt um ihn herum auseinanderzusetzen, teilte James Parker, ein hiesiger Typ, der miserabel darin ist, ein Mensch zu sein, am Donnerstag Reportern mit, dass er riesiges Potenzial in KI sehe.
(Übelsetzt aus dem Englischen.)
„Stecken die pelzigen bunten knufftiere vom planeten gnorf hinter der attacke?“
Die dieswöchige Rangliste derjenigen Programmiersprachen, deren „Ökosystem“, wie Idioten die verfügbaren Bibliotheken für eine Programmiersprache nennen, sich als untauglich für sicheres Arbeiten herausgestellt hat, wird angeführt von Rust. Da müssen sich JavaScript und die Bauklötzchensprache Python (dass deren wesentliche Paketquelle „Pipi“ oder so ähnlich heißt, passt auch wieder) jetzt aber ein bisschen anstrengen, um auf den drei, äh, besten Plätzen zu bleiben.
Die neuen Umfragen aus Sachsen-Anhalt sind da (Archivversion). Zu Begründungen gebe ich ab nach Berlin.
Google, die Marketingagentur mit angeflanschter Suchverhinderungsmaschine, habe eine Usenetgruppe – de.rec.mampf – „im digitalen Nirwana versenkt“, las ich heute früh in einem Blogartikel, in dem sich die Betreiberin (zu Recht) über die fehlende Eignung von Google als Suchmaschine ausließ und dafür Belege bei der Google-„KI“ statt woanders suchte. Das ist lustig.
Kurz über die anscheinend neu gewonnene Allmacht von Google erschrocken, ging ich dieser Meldung nach und kann Entwarnung aussprechen: Die Gruppe ist noch da. Ein Auszug:

Man melde sich hierzu im Usenet an, abonniere mit einem Newsreader seiner Wahl (die meisten von ihnen können brauchbar nach Gruppen suchen) die Gruppe(n) seiner Wahl, verinnerliche die Netiquette und kann künftig auch hierfür auf Google verzichten.
Freilich lässt sich auch im Web nach dem (deutlich älteren und entspannteren) Usenet suchen. Ein verlässlicher Indikator für dessen Fortbestehen ist das allerdings nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob das zwingend eine Generationsfrage ist, ob also jeder neu Heranwachsende noch etwas weniger versteht, was Internetdienste sind und was ein „WWW“ von Usenet, Gopher, FTP und meinetwegen E‑Mail unterscheidet; ab und zu mal auf deren Existenz hinzuweisen kann aber, glaubt man dem Kommentariat unter besagtem Artikel, auch für Zeitgenossen nützlich sein, wenn schon nicht für die Nachwelt. Hiermit mal wieder erledigt.
Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt.
2024 schrieb ich, dass ich es lobenswert finde, dass es noch Menschen gibt, die für sich selbst statt für Werbeeinnahmen Texte ins Internet reintun. Inzwischen bin ich gewillt, das einzuschränken: Niemand muss eine Website haben. Wenn eure Stärke nicht im Schreiben liegt, dann schreibt nicht. Macht was Besseres mit eurer Zeit und (auch? insbesondere?) der Zeit eurer Leser. Baut Häuser. Pflanzt Bäume. Lest mal ein Buch oder so. Nützlicher und damit lobenswerter als „KI“-generierte Rüschen ist’s allemal.
Niemand besucht eure Website, weil er Bock auf Generiertes hat. Generieren könnten wir alle selbst. Ihr wollt unbedingt schreiben, könnt aber nicht gut formulieren? Schreibt es trotzdem. Wer eure Gedanken lesen will, der interessiert sich nicht für Formschönheit. Des Menschen Hirn ist nicht reich an Formschönheit. Das wollt ihr nicht? Dann lasst es. Es kann doch so einfach sein.
Es ist Montag. Heute schon eine Vulva gewatcht? (Zum Glück haben wir die Rundfunkabgabe. Sonst müssten wir ja davon verschont bleiben.)
Die Nachrichten. Die „taz“ ist empört:
Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr.
Selbstverständlich, so kennen und mögen die Leser die „taz“, kann von einer damit verbundenen Reflexion keine Rede sein. Wenn aber selbst bis dahin überzeugte Mit-Linke früher oder später zu hören und/oder lesen bekommen, sie seien mindestens ein Nazi, wenn sie manche Dogmen hinterfragen, dann verliert dieses Wort nun mal an Schärfe. Für tatsächlich Rechtsradikale mit Hitlerfimmel scheint ein neues Wort notwendig zu sein, das alte hat als Vokabel ausgedient. Hat jemand Vorschläge?
(Vorwurfsvolle Blicke auch von mir nach Israel. Früher war das übrigens ebenfalls mal links. Heute wirft man dafür mit ausgedienten Vokabeln und hält sie für ein Argument.)
Gute Nachrichten (Allergikerwarnung: „n‑tv“): im Drogeriemarkt werden womöglich bald Herz-Kreislauf-Untersuchungen angeboten. Als Kassenpatient finde ich das vorbildlich. Ich freue mich darauf, dass der freie Markt entsprechend handeln wird. Blutdruckkontrolle im Media Markt. Hautkrebsscreening bei ALDI. Blinddarm-OP bei Edeka. So was halt. Die Krankenhäuser sind ja, erzählen so Studien, für den nicht privatversicherten Pöbel ohnehin eher ungern zu haben. Da kommt ja immer so wenig Geld raus.
Gern zu haben bin wiederum ich für: Musik.
Guten Morgen.
„Scheiße Bernd (die Älteren erinnern sich), wir sind so unbeliebt wie nie, die Leute wollen einfach nicht mehr mit der Bahn fahren. Was sollen wir nur tun?“
„Vielleicht ist es einfach schwer vermittelbar, dass es die 1. und die 2. Klasse gibt, obwohl die sich gar nicht so sehr unterscheiden. Auch die ständigen Verspätungen und Zugausfälle wirken möglicherweise wie ein Hohn auf die Menschen, die noch mit ‚Alle reden vom Wetter. Wir nicht.‘ aufgewachsen sind und seit Jahrzehnten das Versprechen hören, dass nächstes Jahr alles besser werde. Wir könnten außerdem die Gehälter für unsere Vorstände kür-“
„Sicherheitsdienst! Hinaus mit diesem Mann! Nein, wir sollten die Preise erhöhen und noch mehr Züge ausfallen lassen, weil unsere Lokführer ständig erkältet sind oder so. Damit können sich die Menschen identifizieren. Dann werden sie uns wieder lieben.“
„Genial!“