NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik extern: Die Wie­der­ent­deckung der Stu­dio­ani­ma­tio­nen

Das ZDF hat ein neu­es Nach­rich­ten­stu­dio bekom­men, in dem alles noch moder­ner und mul­ti­me­dia­ler wir­ken soll; aber wie bei dem meh­re­re Schü­ler­ge­nera­tio­nen pla­gen­den Pro­blem „Power­point-Ani­ma­tio­nen oder lie­ber brauch­ba­re Inhal­te?“ wird auch hier wie­der sinn­los irgend­was ani­miert, ohne dadurch einen ech­ten Mehr­wert zu erhal­ten; Nach­rich­ten sol­len nicht auf Kosten der Gebüh­ren­zah­ler span­nend sein und unter­hal­ten, sie sol­len infor­mie­ren. Wann ler­nen die Ver­ant­wort­li­chen das end­lich?

Pein­lich vor allem, wenn man’s mit der Medi­en­nut­zung über­treibt:

Man braucht kein vir­tu­el­les Stu­dio, um zu zei­gen, wo es bei einem Atom­kraft­werk gebrannt hat. Im Gegen­teil: Man wür­de es bes­ser ver­ste­hen, wenn nicht ein Mode­ra­tor unge­lenk neben den Ani­ma­tio­nen her­um­stün­de und mit der Hand vage in einen lee­ren Raum zeig­te.

Ich weiß schon, war­um ich nur noch sel­ten fern­se­he. Es ist ein­fach zu albern.


Auch nicht schlecht übri­gens:

Bla­ke Fiel­der-Civil bean­sprucht einen Teil des Ver­mö­gens sei­ner geschie­de­nen Frau Amy Wine­hou­se, weil er sie erst durch sein Ver­hal­ten zu ihrem Album inspi­riert habe – indem er fremd­ging.

Selbst, wenn dies erfolg­los bleibt: Gran­di­os!

NetzfundstückeMusikkritik
Das „Web 2.0“ macht albern.

Oha: Bei Ama­zon gibt es seit eini­ger Zeit auch die Mög­lich­keit, Video­re­zen­sio­nen zu erstel­len. Für jene gibt es natür­lich auch Vor­schlä­ge, wie man vor­ge­hen soll­te, zum Bei­spiel den fol­gen­den:

Amazon-Rezensionen

Und ich, hihi, hät­te da auch gleich einen Vor­schlag zu machen…

Mein­ja­nur.

Apro­pos „mein­ja­nur“; sehr gute Musik­grup­pe, die man unbe­dingt im Auge behal­ten soll­te, übri­gens:
Die fran­zö­si­sche Grup­pe Lazu­li spielt erbau­li­chen, lyri­schen Pro­gres­si­ve Rock.
Ein sehr hüb­sches Stück Musik ist zum Bei­spiel Cas­sio­pée vom Album „En avant dou­té…“. Fein.

PolitikIn den Nachrichten
SPON: „Kader Loth wird Frau­en­be­auf­trag­te in Pau­li-Par­tei“

Dan­ke wie­der ein­mal, Welt­geist:

Die ehe­ma­li­ge „Miss Pent­house“ Kader Loth ist ab sofort die Frau­en­be­auf­trag­te der Frei­en Uni­on.

Welch weit­sich­ti­ge Ent­schei­dung, das ehe­mals im Fern­seh­bou­le­vard behei­ma­te­te Läster­maul Kader Loth, die so man­che Frau­en­kli­schees erfüllt, zur Frau­en­be­auf­trag­ten zu machen. Ich spre­che ihr nun man­gels Infor­ma­tio­nen nicht unbe­dingt die Kom­pe­tenz für die­ses Amt ab; aber die Schlag­zei­le las sich doch recht amü­sant.

Zumal der Arti­kel dazu:

Es dau­er­te nicht lan­ge, bis auch das Maga­zin „Pent­house“ an Kaders Tür klopf­te. Kader, die sich ihrer Aus­strah­lung und Cha­ris­ma bewusst war, wil­lig­te zu einer Zusam­men­ar­beit ein.

Schließ­lich sind Aus­strah­lung und Cha­ris­ma ja auch die bei­den wich­tig­sten Eigen­schaf­ten einer Frau, die als Kan­di­da­tin für jenes Maga­zin in Fra­ge kommt, und nicht etwa ande­re, eher weni­ger sub­ti­le Eigen­schaf­ten; mit­hin prä­de­sti­niert ein Erfolg hier­bei für eine Kar­rie­re in der Poli­tik. Laut sein, schrill sein ist gefragt. Wer braucht schon Inhal­te?

Wie erwähnt: Dan­ke, Welt­geist!

MusikNetzfundstücke
Die­ter Gor­ny erklärt die Welt

Amü­sant: Der Grün­der von Viva ver­sucht im Inter­view die Kri­se der Musik­in­du­strie zu ergrün­den und for­dert „nach fran­zö­si­schem Vor­bild“ Inter­net­sper­ren für Urhe­ber­rechts­ver­stö­ße, über­sieht aber, dass das ent­spre­chen­de Gesetz dort gar nicht so recht zustan­de kom­men woll­te.

Mein der­zei­ti­ges per­sön­li­ches Lieb­lings­zi­tat aus dem Inter­view:

Man muss bei der Debat­te über die Musik­in­du­strie immer beden­ken, dass ihr Pro­dukt ja gewollt ist.

Gut erkannt, es ist gewollt. Lei­der ist der Musik­in­du­strie größ­ten­teils schnurz, was der poten­zi­el­le Kun­de will; die immer­glei­chen Retor­ten­hupf­doh­len sind eben schnel­ler und kosten­gün­sti­ger zu pro­du­zie­ren.

„Was der Bau­er nicht kennt, das frisst er nicht“ – die­ses Mot­to wür­de ich per­sön­lich in Bezug auf Musik nicht gel­ten las­sen.
Aber ich bin ja auch nicht die Indu­strie.

Eine aus­führ­li­che Ana­ly­se des Gesprächs hat übri­gens der Nig­ge­mei­er im Ange­bot. Bril­lant!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik extern: Nicht noch eine „Casting“-Sendung!

Das wird ein Spaß, wenn Pro Sie­ben am 27. Sep­tem­ber über die Bun­des­tags­wahl 2009 berich­tet. Wahr­schein­lich sitzt da dann eine Jury in einem Stu­dio, die vir­tu­ell die Spit­zen­kan­di­da­ten der Par­tei­en anfeu­ert: “Gib Power! Gib Gas! Gib alles!” Aus dem Off dröhnt der Spre­cher: “Wer schafft es in die näch­ste Run­de?” Die State­ments von Gui­do Wester­wel­le wer­den mit lusti­gen Comic­ge­räu­schen unter­legt. Koal­ti­ons­ver­hand­lun­gen hei­ßen nicht mehr Koal­ti­ons­ver­hand­lun­gen, son­dern Recall. Und wenn die Ent­schei­dung gefal­len ist, läuft zu den Slow­mo­ti­on-Bil­dern der strah­len­den Sie­ger “Sin­fo­nie” von Sil­ber­mond. Am Ende zie­hen die Aus­er­wähl­ten in eine “Vil­la” ein (weil “Kanz­ler­amt” so schwer aus­zu­spre­chen ist), und der Off-Spre­cher kün­digt an: “Das wird das größ­te Aben­teu­er Ihres Lebens!”

Aber eigent­lich ging es ja um den x‑ten Ver­such von Pro7/Sat.1, eine neue „Casting“-Sendung zu ent­wer­fen; wobei das mit dem „neu“ dann auch nicht so genau genom­men wer­den soll­te.
Mehr dar­über gibt es bei den Medi­en­pi­ra­ten zu lesen.

Und apro­pos „Pira­ten“: Jörg Tauss kämpft für sei­ne Zie­le; hof­fent­lich mit wenig­stens teil­wei­sem Erfolg. Auch wenn’s im Som­mer­loch bei­na­he unter­zu­ge­hen droht.

(Teu­fel, ist das heiß hier.)

PersönlichesMusik
Som­mer­freu­den

Was ich mich nach einem über­aus som­mer­li­chen Tag natür­lich auch fra­ge: Wie­so ist das Wort „Groß­kat­zen“ eigent­lich so bekannt, aber über „Groß­in­sek­ten“ spricht kaum jemand?

Ist ja nicht so, dass sich schon mal ein Tiger auf mei­ne Ein­käu­fe gestürzt hät­te.


Fri­scher Musik­tipp für die hei­ßen Tage:
Der Mul­ti­in­stru­men­ta­list JT Bruce macht pro­gres­si­ven, instru­men­ta­len Art­rock für Anspruchs­vol­le im Stil bspw. der neue­ren King Crims­on. Auf den Baby­blau­en Sei­ten klingt das so:

JT Bruce ist eine Art All­round­künst­ler, der Musik und Kunst­fil­me macht, Bil­der malt und auch klei­ne­re Tex­te ver­fasst. Musi­ka­lisch ist er seit 2005 mit instru­men­ta­lem Prog unter­wegs. Die Musik des Ame­ri­ka­ners kann viel­leicht als Mischung aus Prog­me­tal und Art­rock a la moder­ne King Crims­on mit einem guten Schuss moder­ner Elec­tro­nic beschrie­ben wer­den. Der Elec­tro­nic-Ein­fluss ist gera­de auf die­sem Album beson­ders stark aus­ge­prägt. Der Fluss der Musik, die häu­fig rockig trei­bend aus­ge­rich­tet ist, erzeugt dabei ein cinea­sti­sches Gefühl im Kopf.

Fei­ne Sache, auf jeden Fall zu emp­feh­len.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XII: Respekt für die Pri­vat­sphä­re der Ange­hö­ri­gen? Ja, steht da. Guck.

Gru­se­lig: Man öff­net das Nach­rich­ten­kon­su­mier­pro­gramm sei­ner Wahl und liest sei­ten­wei­se „Micha­el Jack­son, Micha­el Jack­son, viel­leicht, ja, nein, doch, tot, Absicht, Ver­se­hen, gut, schlecht, erwar­tet, uner­war­tet“, und das in allen nur erdenk­li­chen Facet­ten. Eine sach­li­che Bericht­erstat­tung ohne Wer­be­ein­nah­men erzie­len­de Klick­strecken mit den immer glei­chen „exklu­si­ven“ Bil­dern von Sär­gen und wei­nen­den Anhän­gern hat, so weit ich sehe, bis­lang nur das Kran­ken­haus hin­be­kom­men:

Jackson’s fami­ly requests that the media respect their pri­va­cy during this tra­gic peri­od of time.

Scha­de, dass die­ser Satz zwar von zahl­rei­chen – auch deutsch­spra­chi­gen – Medi­en erwähnt wird, aller­dings zwi­schen all den Foto­strecken, vir­tu­el­len Kon­do­lenz­bü­chern (ach du mei­ne Güte!) und den ande­ren geschätz­ten zwei­und­dr­ölf­zig Arti­keln zu die­sem The­ma nicht wei­ter auf­fällt.

„Die Ange­hö­ri­gen baten die Medi­en öffent­lich dar­um, ihre Pri­vat­sphä­re zu respek­tie­ren. Exklu­si­ve Bilder/Videos von der wei­nen­den Mutter/Schwester und/oder dem Abtrans­port des im Koma liegenden/sterbenden/toten Sän­gers gibt es übri­gens hier: …“

Nur schwer zu schät­zen, wie viel Ener­gie für die­se Mel­dung welt­weit ver­bra­ten wur­de. Dem Inter­net sei Dank erfah­ren wir heu­te alles sofort, schnell und exklu­siv und mit vie­len bun­ten Bil­dern gar­niert. Auf Kosten diver­ser Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, ver­steht sich.

(So herr­lich däm­lich die übli­chen Foto­strecken auch sein mögen, sie bie­ten amü­san­te Momen­te. We rip Micha­el!)

Scream“ ist ein sehr gutes Lied. Ehr­lich jetzt.

PersönlichesLyrikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Uner­wünsch­te Wer­be­kun­den (inkl. Ver­such einer Asso­zia­ti­ons­ket­te, lei­der fehl­ge­schla­gen)

Das haben sie nun davon:
Da kauft Dyna­mo Dres­den bei einem exter­nen Dienst­lei­ster – daten­schutz­recht­lich ohne­hin ein recht heik­les The­ma – eine recht lan­ge Liste an Adres­sen, unter denen sie Geschäfts­kun­den wer­ben kön­nen, und dann ist unter die­sen Adres­sen aus­ge­rech­net auch ein NPD-naher Ver­lag. Eine gran­dio­se Fehl­lei­stung für einen Ver­ein, der sei­ne Mit­glie­der ver­trag­lich zum Links­sein ver­pflich­tet:

[…] alle dama­li­gen Spie­ler muss­ten eine Liste unter­schrei­ben, in der sie sich gegen ‚rechts‘ posi­tio­nie­ren.

Allein schon die Exi­stenz eines sol­chen Ver­tra­ges lässt mich, der grund­sätz­lich poli­ti­sche Ent­schei­dungs­frei­heit gut­heißt, schmun­zeln; und die NPD bekam den öffent­lich­keits­wirk­sa­men Skan­dal, den man offen­bar drin­gend ver­mei­den will, dies­mal frei Haus.


Aber ich rege mich schon wie­der auf. Über Poli­tik. Das ärgert mich selbst.
Bre­chen wir das The­ma also kur­zer­hand ab und asso­zi­ie­ren ange­sichts des Wet­ters ein­fach mal mun­ter drauf­los:

„Wann wird’s mal wie­der rich­tig Som­mer?“ (Rudi Car­rell)
„The fire in our throats will beck­on the thaw.“ (Peli­can)

Für dich bren­nen – dich wär­men – du lässt mich nicht kalt.
Für dich leben – mit dir leben – du bist Leben.
Dich lie­ben – du bist Lie­be.
Lebens­wert – lie­bens­wert.

(Zu mehr Lyrik hat’s dies­mal nicht gereicht. Viel­leicht näch­ste Woche. Nach den Prü­fun­gen.
Der­weil kann sich der geneig­te Leser beim Nig­ge­mei­er über die tref­fen­de Kari­ka­tur des Jour­na­lis­mus‘ im Zei­chen des „Web 2.0“ amü­sie­ren.
Bis dahin gilt wie­der ein­mal: Seufz!)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Medi­en­kri­tik XI: Ruhr­ba­ro­ne gegen die Pira­ten

Media­le Auf­merk­sam­keit hat der wegen Besit­zes von kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al unter Beschuss ste­hen­de Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jörg Tauss durch sei­nen Wech­sel zur Pira­ten­par­tei erhal­ten; eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit für man­cher­lei Per­so­nen, die Par­tei unter Gene­ral­ver­dacht zu stel­len.

Und welch gro­ber Unfug dabei ent­ste­hen kann! Das eher kon­ser­va­ti­ve Web­log Ruhrbarone.de macht es jeden­falls genau falsch:

Wenn er ver­ur­teilt wird, habt Ihr Euch dem erste über­führ­ten Kin­der­schän­der im deut­schen Par­la­ment an den Hals geschmis­sen – nur um auch mal im Bun­des­tag zu sein.

Zu einem „über­führ­ten Kin­der­schän­der“ wird man mit Sicher­heit nicht dadurch, dass man der­ar­ti­ges Mate­ri­al besitzt. Wer Video­auf­nah­men von Krie­gen, auf denen Mor­de zu sehen sind, besitzt, ist ja auch noch lan­ge selbst kein Mör­der.

Neben­bei bemerkt: Erst vor weni­gen Wochen wur­de Ursu­la von der Ley­en aus ähn­li­chen Grün­den ange­zeigt, den­noch schrieb am Fol­ge­tag mei­nes Wis­sens kei­ne Tages­zei­tung, die CDU habe „über­führ­te Kin­der­schän­der“ in ihren Rei­hen, und der Ruf nach Aus­schluss der Poli­ti­ke­rin aus der Par­tei wur­de auch nicht laut.

Fol­ge­rich­tig hieß es übri­gens damals:

„Kei­ne Anzei­chen für ein straf­ba­res Ver­hal­ten Frau von der Ley­ens“, sagt der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft, Micha­el Grun­wald.

Frau von der Ley­en führt kin­der­por­no­gra­fi­sches Mate­ri­al öffent­lich vor, um ihre Zie­le zu ver­deut­li­chen, und kommt straf­frei davon; Herr Tauss bringt (ver­mut­lich) ähn­li­ches Mate­ri­al in sei­nen Pri­vat­be­sitz, um sich ein eige­nes Bild von der Sach­la­ge zu machen, und wird all­ge­mein geschol­ten? Was für eine Dop­pel­mo­ral wird in den Medi­en eigent­lich ver­tre­ten?

Eine sach­li­che Bericht­erstat­tung hat immer­hin hei­se online hin­be­kom­men:

Tauss hat­te zu den Vor­wür­fen wegen des Besit­zes von kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al erklärt, es sei die Pflicht eines Volks­ver­tre­ters, „sich eine eige­ne Mei­nung zu drin­gen­den gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men zu bil­den“.

Nur ein Gedan­ken­spiel: Wie vie­le Men­schen, die den Ter­mi­nus „Kin­der­por­no­gra­fie“ nur in Ver­bin­dung mit den Adjek­ti­ven „wider­lich“ oder „ekel­haft“ ken­nen und ver­wen­den, haben sich bis­lang eigent­lich selbst ein Bild davon gemacht? Ich mei­ner­seits wer­de mich hüten, über etwas zu urtei­len, bevor ich es bewer­ten kann. Ich bin kein Freund davon, frem­de Mei­nun­gen nach­zu­plap­pern.

Der Pira­ten­par­tei, der das Ver­fah­ren nun sicher­lich nicht anzu­la­sten ist, wur­den schon ganz ande­re Din­ge vor­ge­wor­fen; da freue ich mich schon bei­na­he auf die fol­gen­den Schlag­zei­len, in denen die Wäh­ler der Pira­ten­par­tei direkt für den Miss­brauch von Kin­dern ver­ant­wort­lich gemacht wer­den.
Über­ra­schend wäre sol­cher­lei kei­nes­falls.

In den NachrichtenPersönlichesNetzfundstücke
Die Jugend­kul­tur ist fix und foxi.

Noch immer dau­ert der Bil­dungs­streik an, bis­her war in den Nach­rich­ten von „ersten Zuge­ständ­nis­sen“ die Rede und davon, dass man das Bache­lor­sy­stem noch­mals „über­den­ken“ wer­de.
Das reicht nicht, ist aber schon ein gutes Zei­chen. Wei­ter so, Leu­te!

Scha­de übri­gens, apro­pos „Bil­dung“:
Das Fix-&-Foxi-Heft wird (vor­erst) ein­ge­stellt, und mit ihm sind meh­re­re Jahr­zehn­te deut­scher Jugend­kul­tur (eben­falls vor­erst) Geschich­te. War­um aber das oft geschol­te­ne Inter­net nicht an der sin­ken­den Nach­fra­ge für den Zei­ge­fin­ger all­zu häu­fig schwin­gen­de Jugend­ma­ga­zi­ne ist, steht unter ande­rem hier.

Auch Micky Maus im Papier­for­mat kann sich hier­zu­lan­de mei­nes Erach­tens nur noch des­halb behaup­ten, weil es außer den kur­zen comics mitt­ler­wei­le auch zahl­rei­che Zusatz­in­hal­te bekom­men hat, ange­fan­gen mit den immer glei­chen Agen­ten- und son­sti­gen Spiel­zeug­bei­la­gen, mit denen es die Lücke, die „Yps mit Gim­mick“ hin­ter­las­sen hat­te, aus­zu­fül­len ver­sucht, bis zu den diver­sen Wit­zen und Strei­chen, mit denen man Freun­de, Ver­wand­te und Leh­rer „ärgern“ soll; Scha­den­freu­de ist bekannt­lich oft nicht die unan­ge­nehm­ste Freu­de.

Indes – was hat die Jugend für Alter­na­ti­ven? Für Micky Maus ist sie irgend­wann zu alt, die eher an Jugend­li­che gerich­te­ten BRAVO- und ähn­li­chen Heft­chen sind auch nach weni­gen Jah­ren nicht mehr inter­es­sant. Umfra­gen der Art „Was lest ihr am lieb­sten?“ zei­gen, dass „gar nichts“ eine recht belieb­te Lek­tü­re ist; wenn­gleich nicht unbe­dingt eine anspruchs­vol­le.

Woher all die­se Mise­re? Wird man wäh­rend sei­ner Schul­zeit der­ma­ßen mit drö­ger Schul­li­te­ra­tur über­sät­tigt, dass jeg­li­ches poten­zi­el­les Inter­es­se an guter, absei­ti­ge­rer Lyrik und Pro­sa nach absol­vier­tem Abschluss nicht mehr besteht? Es wäre reich­lich scha­de.

PersönlichesPolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Ope­ra Unite: Kin­der­kram für Sen­sa­ti­ons­lü­ster­ne

Zwi­schen­drin wie­der ein­mal ein kur­zer Bei­trag für unse­re Com­pu­ter­freun­de:
Mit einem wie üblich rie­si­gen Brim­bo­ri­um hat Ope­ra Soft­ware das neue Ope­ra Unite zum Testen frei­ge­ge­ben, eine Art vir­tu­el­les sozia­les Netz auf dem eige­nen PC, das unter ande­rem den ein­fa­chen Aus­tausch von Datei­en ermög­licht.

Hier­zu wird ein mini­ma­ler Web­ser­ver auf dem eige­nen Rech­ner gestar­tet, der dann mit den gewünsch­ten Inhal­ten, zum Bei­spiel Bil­der­ga­le­rien, bestückt wer­den kann. Außer­dem kann man ande­ren Unite-Nut­zern Notiz­zet­tel hin­ter­las­sen, falls die­se abwe­send sind.

Nun bie­tet Ope­ra Unite trotz des Wir­bels, den man um es macht, nichts, was es nicht seit Jah­ren schon gäbe. Das platt­form­un­ab­hän­gi­ge Sock­so zum Bei­spiel dient als loka­ler Musik­ser­ver, Abwe­sen­heits­nach­rich­ten kann man über vie­le Mes­sen­ger-Pro­to­kol­le hin­ter­las­sen, und der Aus­tausch von belie­bi­gen Datei­en über einen Ser­ver ist mit lokal instal­lier­ba­ren FTP- und HTTP-Ser­vern inzwi­schen auch für Ein­stei­ger pro­blem­los durch­führ­bar.

Ins­ge­samt bie­tet Ope­ra Unite also nichts, was die Nut­zung des Inter­nets revo­lu­tio­nie­ren wür­de. Im Gegen­teil, die Nut­zung eines loka­len Web­ser­vers für der­lei teils tri­via­le Zwecke ist eine Ver­schwen­dung von Com­pu­ter­lei­stung, mit­hin elek­tri­scher Ener­gie und damit Geld.


Pri­ma hin­ge­gen: In Deutsch­land wird für die Ver­bes­se­rung von Schul- und Stu­di­en­be­din­gun­gen gestreikt. Ein ehren­haf­tes Ziel, wenn auch man­che offen­bar über die Strän­ge schla­gen:

Und als schließ­lich etwa acht­zig Pro­test­ler die Hör­sä­le stürm­ten und “Soli­da­ri­sie­ren, Mit­mar­schie­ren!” skan­dier­ten, wuss­te ich plötz­lich wie­der ganz genau, war­um mir das alles nicht gefällt: Ich mag ein­fach kein Gebrüll und kein Mar­schie­ren.

Es bleibt zu hof­fen, dass die­ser Streik zumin­dest Kom­pro­mis­se schlie­ßen lässt; ein funk­tio­nie­ren­des Bil­dungs­sy­stem ist die Grund­la­ge für einen funk­tio­nie­ren­den Staat. Aber die Strei­ken­den soll­ten es nicht ver­säu­men, wei­ter­hin fried­lich zu agie­ren. Schief gegan­gen ist es zuletzt vor etwas über 40 Jah­ren.

Toi, toi, toi!
Sozu­sa­gen.

PersönlichesMusikLyrik
Imper­ti­nenz. Ver­elen­dung. Lecke­re Him­bee­ren. Depres­si­on.

Wet­ter heu­te: Supi.
Stim­mung heu­te: Muss.

Der Mor­gen graut, ich bin schon wach.
Ich lieg im Bett und den­ke nach.
Mein Herz ist voll, doch jemand fehlt.
Ich hätt‘ dir gern noch so viel erzählt.

Trau­rig sein hat kei­nen Sinn.
Die Son­ne scheint auch wei­ter­hin.
Das ist ja grad die Schwei­ne­rei,
die Son­ne scheint, als wäre nichts dabei…

Farin Urlaub – Son­ne


(Eich­hörn­chen sind bis­wei­len durch­aus amü­san­te Tie­re; vor­hin lag eines auf der Stra­ße her­um und stell­te sich tot. Recht unan­ge­nehm für die Auto­mo­bil­fah­rer, die auf der­sel­ben Stra­ße, dadurch bedingt, nicht vor­wärts­ka­men. Nach einer Wei­le ist das Tier dann auf­ge­sprun­gen und den nächst­be­sten Baum hin­auf­ge­rannt. Schon ein nied­li­cher Anblick.)

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik extern: „Das Inter­net“ gibt es nicht

Auf SPIEGEL ONLINE gibt es einen neu­en Bei­trag zur Dis­kus­si­on um die „Gene­ra­ti­on C64“, die ger­de die Medi­en beherrscht:

„Das Inter­net ver­kommt zum Debat­tier­club“ (Bernd Graff, „Süd­deut­sche Zei­tung“), „Das Netz ist auch ein Medi­um, das in stei­gen­dem Maße Nicht- oder Fast­nicht­mehr­le­sen ermög­licht“ (Frank Schirr­ma­cher, „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“), „Inter­net-Blogs zer­set­zen das infor­mier­te und unab­hän­gi­ge Urteil“ (Josef Schnel­le, „Ber­li­ner Zei­tung“). Bei Jens Jes­sen in der „Zeit“ wird das Inter­net sogar zur han­deln­den Per­son: „Das Inter­net, bevor es groß­mäu­lig von E‑Democracy redet, muss erst ein­mal eine angst­freie Gesell­schaft in sei­nen Räu­men erlau­ben.“

(…)

Kein Zwei­fel: Das Inter­net exi­stiert, und es wird auch nicht wie­der ver­schwin­den. „Das Inter­net“ aber, wie es Jes­sen, Soboc­zyn­ski, und all die ande­ren Autoren immer wie­der kri­ti­sie­ren und attackie­ren, exi­stiert nicht. „Das Inter­net“ als ein mehr oder min­der homo­ge­nes Gebil­de näm­lich, in dem bestimm­te Regeln gel­ten (oder eben nicht), in dem bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen angeb­lich stän­dig zu beob­ach­ten sind, in dem sich angeb­lich eine bestimm­te Spe­zi­es Mensch tum­melt, der (fast) nichts hei­lig ist. Eine Spe­zi­es, die aber irgend­wie trotz­dem eine „Netz­be­we­gung“ mit „her­me­ti­schem Voka­bu­lar“ gebil­det haben soll, die ande­re aus­schlie­ßen will, wie Susan­ne Gasch­ke vor eini­gen Wochen in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ bemän­gel­te.

Sehr rich­tig erkannt; das Inter­net besteht nicht nur aus Schlamm­gru­ben wie 4chan einer­seits und ver­schwo­re­nen Gemein­schaf­ten ande­rer­seits. Es ist ein mul­ti­kul­tu­rel­ler, vir­tu­el­ler Kos­mos, und es wird Zeit, dass die Leu­te das ver­ste­hen.


(Ver­such eines Apho­ris­mus: Mit einer schö­nen Erin­ne­rung ins Bett zu gehen und lächelnd auf­zu­wa­chen ist wie Son­nen­auf­gang für die See­le.)