Wenn man – wie ich jenseits dieser Publikation – „Fußball“ konsequent „Frauenfußball der Männer“ nennt (immerhin heißt es ja auch „Fußballweltmeisterschaft der Frauen“), geht’s eigentlich mit dem Ärger.
Musik 12/2024 – Favoriten und Analyse
Huch! Ein neues Jahr! Dabei war ich noch gar nicht damit fertig, das alte zu verarbeiten. Selbst in der Musikwelt war einiges los: Die von wenigstens mir gemochten 417.3 haben sich aufgelöst, die tollen Kombynat Robotron haben derweil ein neues Album veröffentlicht. Bei „Betreutes Proggen“ nörgelte Klaus Reckert, dass nach dem Veröffentlichen seiner Jahresbestenliste immer noch neue gute Musikalben rauskamen. Es bereitet mir ja immer ein bisschen mehr oder weniger heimliche Schadenfreude, dass jemand lange vor dem Ende eines Jahres eine vermeintliche „Jahresrückschau“ veröffentlicht und dann die wichtigsten Dinge gar nicht drin hat, weil das Jahr noch weitergeht und seine Liste nicht. Hihi.
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Anemoia 2025
2025 wäre erreicht und der Angriff der Riesengiraffe blieb auch aus. Es ist schon merkwürdig: Da freue ich mich an dieser Stelle vor genau einem Jahr, dass die Pluseins noch die Pluseins ist, und dann ist sie es kaum zwei Wochen später schon gar nicht mehr. Den Neujahrsvorsatz für 2024, nur noch höchstens viermal melancholisch an früher zu denken, hatte ich daher im Januar schon gebrochen. (Wie hoch ist eigentlich gerade der diesbezügliche Rekord?) Ich habe erst letzte Woche in ausgerechnet YouTube-Kommentaren von der Existenz des Wortes „anemoia“ erfahren, das ungefähr „Sehnsucht nach einer Zeit, die man nie erlebt hat“ bedeutet. Perfekt.
(Natalie Portman sei neuerdings wieder zu romantischen Treffen bereit, erfahre ich auf einer Nonsenswebsite. Jeder Mensch braucht ein Ziel im Leben, nicht wahr?)
Politisch war 2024 für mich und andere ein Jahr der Einkehr und letztlich Einsicht: Ich bin menschlich für öffentliche Auftritte einfach nicht hinterfotzig genug. Insofern ist es gar nicht so schade, dass es mit der Musikkarriere trotz zweier Anläufe (Gitarre in der Schulzeit, „Gesang“ ein bisschen später) nicht geklappt hat: Beim Einweihen von Möbelhäusern gucken einem einfach zu viele Leute zu. Plan C und D sind noch resp. schon in der Tasche. Irgendwann gehen mir die Buchstaben aus. Nur nicht den Humor verlieren. Konsequent habe ich mindestens dreieinhalb Leute damit sichtlich aus der Routine gebracht, dass ich statt „frohe Weihnachten“ lieber ein „angenehmes Jahresende“ wünsche. Das war schön, das mache ich dieses Jahr wieder.
Musikalisch habe ich 2024 zum ersten Mal The Notwist mit jemandem zusammen live gesehen, der sich hinterher genau wie ich darüber gewundert hat, dass das erst unser erster gemeinsamer Konzertbesuch war, obwohl wir uns seit hinreichend vielen Jahren über gemeinsame musikalische Interessen freuen. Als Moral daraus würde ich gern empfehlen, so oft wie möglich schöne Dinge mit guten Menschen zu unternehmen, aber ich mache es ja auch nicht besser. Es kann ja auch sehr anstrengend sein.
Kein Kuss an Silvester. Wenigstens eine Tradition bleibt mir gewiss. Prost Neujahr.
The Decemberists – The Black Maria // mu4e, Emojis und Zivilgesellschaften
Es ist – zum letzten Mal in diesem Jahr – Montag. Die Böllernachfrage explodiert. Ja nun, was soll sie denn auch sonst machen, die Nachfrage?
In der aktuellen Ausgabe der „F.A.S.“ beklagt die Historikerin Ute Frevert, der „passive Opferstatus“ sei „heute mit ganz hohen Sympathiewerten belegt“. Wo bleibt eigentlich dieser „radikale“ Umbruch der Zivilgesellschaft, vor dem immer alle „warnen“? (Andererseits: Die „Zivilgesellschaft“ sei definiert als das Gegenteil von „rechten Parteien“, quatscht Johannes Drosdowski. Die Annahme, dass Sprache vor allem auf Konsens beruhte, scheint antiquiert.) – In den dort gescholtenen sozialen Medien nehmen Emojis, wie ich oft beklage, überhand. Kein Wunder, dass mich das so stört: Wer – wie ich – im Umgang mit Fremden eher mehr als nur vorsichtige Zurückhaltung übt als die extrovertierte Rampensau zu geben, der meide Emojis häufiger, informiert die Wissenschaft. Ich mag die Wissenschaft.
(Es kann und sollte übrigens den wohl allermeisten Menschen völlig egal sein, wen der „STERN“, der „SPIEGEL“ oder zum Beispiel ein gelangweilter Milliardär jeweils im Ausland zu wählen empfiehlt und wen nicht. Bei einigen dauert diese Erkenntnis länger als bei anderen.)
Zum Thema Erkenntnisse und/oder Milliarden auch: Der Entwickler von MailMate, einem der am wenigsten scheißen Mailprogramme für macOS, hat die Nase voll von seinem vor über zehn Jahren eingeführten Einmalkaufmodell mit Gratisupdates und stellt das Programm mit Version 2.0 auf eine Art freiwilliges Abonnement um. Auch gut. So hatte ich wenigstens mal eine Ausrede, mich etwas ausführlicher mit der Konfiguration von mu4e mit mehreren Mailkonten zu beschäftigen. Zu meiner eigenen Überraschung bin ich nach ein bisschen Konfiguration gar nicht mal unbeeindruckt. Ich bin schon sehr gespannt, wie konsequent ich diesmal bin.
„Jimmy“ Carter ist tot. Der Umstand, dass er aus friedenspolitischer Sicht einer der weniger schrecklichen US-Präsidenten seit Ende des Zweiten Weltkriegs war, spricht wahlweise für ihn oder gegen die übrigen US-Präsidenten. Ich persönlich habe mich für eines davon entschieden.
Und natürlich für: Musik.
Guten Morgen.
Illegale Instruktionen: Miau! (Interaktive Pointe zum #38c3)
„heise online“ so:
Der Chaos Computer Club hat das Programm für den 38. Chaos Communication Congress (38C3) fertiggestellt. Der „Hackerkongress“ findet vom 27. bis 30. Dezember wieder im angestammten Congress Center Hamburg (CCH) statt. (…) Dieses Jahr setzt der CCC einen politischen Schwerpunkt.
Der 38. Chaos Communication Congress (Archivversion) so:
13:30 – 14:15: meowing session
Wir werden zusammenkommen und für eine unbestimmte Zeit wie Katzen miauen. Sie dürfen natürlich ihren Hai mit bringen (sic! A.d.V.)!
Das ist so großartig, da kann ich mich gar nicht für eine Pointe entscheiden. Bitte selbst ankreuzen:
Wird der Hai dann Vizekanzler?
Die Wahlplakate möchte ich sehen.
Ach, deswegen die Anführungszeichen um „Hackerkongress“!
Genau so hat es bei Steve Jobs bekanntlich auch angefangen.
Genau so hat es bei Olaf Scholz bekanntlich auch angefangen.
Gehen auch Piranhas?
(Seufz.)
Reflexion (VIII)
Es ist wesentlich einfacher, besinnlich zu sein, wenn andere nicht auf den Kalender zeigen und sagen, dass man jetzt besinnlich sein solle.
Gewalt – Jemand // Letzte Menschen
Es ist Montag. Im falschen Film zu sein bedeutet ja manchmal auch, dass man Monty Python bestellt, aber einen Horrorfilm bekommt. Leider wahr: Moderne Softwareentwicklung ist scheiße. Im nächsten Leben mach‘ ich was mit Bäumen. Bäume sind in Ordnung.
Ich habe ein neues Lieblingsgerücht über mich gelesen: Ich sei sowohl Terrorbefürworter (was natürlich eine grandiose Fehleinschätzung meiner Person ist, denn Menschen, die anderen Menschen Gewalt antun und absichtlich Leid verursachen, waren, sind und bleiben schlicht das Letzte) als auch des demokratischen Spektrums unwürdig. Leider war damit kein konstruktiver Vorschlag verbunden: Muss ich jetzt im vergleichsweise hohen Alter doch noch Anarchist werden? Die sind doch immer so anstrengend, die Anarchisten.
Einer dieser Letzten, der Angreifer von Magdeburg, ist nicht nur ein noch blöderes Arschloch als ich, sondern sei, kolportieren die Medien (Archivversion), überdies auch gar kein richtiger Arzt. Passt. Das Landeskriminalamt hat unterdessen ein paar witzige Ideen zum Umgang mit anderen Terroristen:
Das LKA rief explizit auch Frauen auf, die in der Vergangenheit Beziehungen zu Garweg hatten, sich zu melden.
Ist das eigentlich schon Sexismus oder hat das einen tieferen Sinn?
Hat fraglos Sinn: Musik.
Guten Morgen.
Gerade jetzt in diesen Tagen
Dass ein Dummkopf mithilfe der von Waffenverbotszonen auch weiterhin nicht betroffenen Waffe Automobil in ausgerechnet Magdeburg vor ein paar Stunden meinen anderswo schon mal geäußerten Scherz misslungenen Unsinn, dass die Menschenfülle auf Weihnachtsmärkten mich durchaus verstehen lasse, warum manche lieber einen Lastkraftwagen verwenden als zu Fuß über den Weihnachtsmarkt zu latschen, allzu ernst genommen hat, veranlasste den sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten zu folgender Aussage (Archivversion):
«Das ist ein furchtbares Ereignis, gerade jetzt in den Tagen vor Weihnachten», sagte Haseloff der Deutschen Presse-Agentur.
Dass Menschen die Intensität ihres Bedauerns dessen, dass jemand andere Menschen mit einem Auto totfährt, davon abhängig machen, wann der nächste Feiertag einer erfreulich rasch schwindenden religiösen Minderheit stattfindet, ist ja für sich genommen bereits ein furchtbares Ereignis.
Dass das Volk andererseits solche Worthülsen erwartet, ist ebenso eines.
(Wann hätte es ihm denn besser gepasst?)
Reflexion (VII) (guckt mal, ich schreibe es jetzt dudenkonform)
Ich möchte niemals den Tag erleben, an dem ich aufwache und mit meinem Leben einverstanden bin.
Liegengebliebenes vom 17. Dezember 2024
Schwaben kurz erklärt: „Betrunkener schläft nach Sex mit Mülltonne in Bushaltestelle ein“.
(Das Traurigste an der Nachricht ist der Umstand, dass eine „Zeugin“ – für welche Straftat, steht da nicht – dem armen Herrn sein Glück offenbar neidete und die Polizei rief. Ich verstehe, dass der so rüde Gestörte sich anschließend ebenso rüde gebärdete. Wer kann es ihm verübeln?)
Doomscrolling für Zeitreisende: Beim TWASBO-Magazin („TWASBO Magazin“) wird die diesjährige Iteration des Kalten Krieges dokumentiert.
Die Rundfunkgebühren informieren (Archivversion): Große Fernseher brauchen oft mehr Strom als kleine Fernseher. Knallhart recherchiert, meine Hochachtung.
„Open Source ist sicher“ der Woche, wenn nicht gleich des Jahres: Ihr wollt Schadsoftware verteilen? Ladet sie einfach quelloffen auf Github hoch und wartet ab. Da kann ja jeder reingucken, wegen Open Source. Das muss ja sicher sein.
Gute Frage: Handelt ein Artikel mit der Überschrift „Antifeminismus: Das Trojanische Pferd des Rechtsextremismus“ wohl von Antifeminismus und/oder Rechtsextremismus?
Tauben – Kaffee // Bundeswehr wegfaesern
Es ist Montag. Gestern wurde der Netscape Navigator 30 Jahre alt. Allen, die jetzt – wie ich – „oh, den hatte ich auch“ denken, sei Folgendes mitgegeben: Haha, wir sind alt! (Mist.)
Apropos Software: Der alberne Trollversuch „Linux“ (zumindest ist das eine denkbare Erklärung) habe sich aus der Welt der freien Software verabschiedet, erfuhr ich zu meiner völlig ausbleibenden Überraschung. Hoffentlich bringt bald jemand ein drittes Betriebssystem raus.
Berechtigte Frage aus dem Internet: Warum darf die Bundeswehr in Zeiten ausufernden politischen An-die-Kinder-Denkens an Schulen für den „Dienst an der Waffe“ (das ist Beamtendeutsch und heißt „Rumballern“) werben und kriegt trotzdem keinen Ärger mit dem Jugendschutz?
Musik zum Wachwerden, quasi: Tauben.
Guten Morgen.
Por-NO-Filter
Medienkritik in Kürze: Sturm und Dring
Soso, „tagesschau.de“ (Archivversion):
Zudem drang die Linke darauf, dass die Koalition auf eine Zusammenarbeit mit der AfD verzichtet.
Dieses Anliegen war ihr wohl sehr gedrungen.
USA (2024)
Die Ermordung eines Vorstandsvorsitzenden, mit dem wir nicht einverstanden sind, ist wahrlich nicht die amerikanische Art. Der wahre amerikanische Weg ist es, von einem ausgebildeten Attentäter ermordet zu werden, der von diesem CEO angeheuert wurde, weil man ein Whistleblower ist.
illumi.meme
Weite – Roter Traum // Grundnahrungsmittel zwischen den Jahren
Es ist Montag. Anderswo las ich am Wochenende, Kaffee sei kein Grundnahrungsmittel. Dieses Internet, in das jeder alles reinschreiben kann, war eine enorm dumme Idee. Natürlich ist er das. Zumindest ist das meine Ausrede. (Andererseits: Guter Kaffee war immer schon teuer. Wer nicht weiß, was „guter Kaffee“ ist, der möge einen Kaffee bei der Deutschen Bahn probieren. Das Gegenteil davon ist guter Kaffee.)
Die aktuelle „F.A.S.“, in der andererseits auch ein Herr zu Wort kommt, der „sich“ in Cannabis „fast verloren“ hätte, was mich fast mit der Ausgabe versöhnt, unkt bereits, „das“ – womit sie vielleicht ihre Titelseite meint und vielleicht auch nicht – „war 2024“. Im Dezember passiert nach dem Odinstag ja nie etwas von Belang. Weiß ja jeder. (Ist das jetzt dieses „zwischen den Jahren“?)
Einigermaßen korrekte Aussage zum erwähnten Thema auch: Es liege „eine feine Ironie darin, dass die Cannabis-Legalisierung eben nicht von einer Jamaika-Koalition beschlossen wurde“.
Drogenfrei und/oder Drogenersatz (und, sowieso, mentales Grundnahrungsmittel) derweil: Musik.
Guten Morgen.









