Montagsmusik
Värt­ti­nä – Mana­t­tu

Oh, mor­gen end­lich wie­der Mon­tags­mus-… wie, das war heu­te?

Ach.

Värt­ti­nä feat. Saka­ri Kuk­ko – Mana­t­tu @ Musiik­ki­talo

Mie oon noi­jan nuorim­main­en, nuo­rin nei­to
Mie kun tans­sin, tai­vas läik­kyy
Sanele­vat­kin sala­mat tai­von
Tähet tun­tu­rin taka­na taikoo

Habt einen schö­nen Wochen­be­ginn!

PersönlichesIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Mein Pro­blem mit dem Femi­nis­mus

Obwohl (oder gera­de weil?) ich die #Pira­tin­nen­Kon besucht und mich dort sowie im Anschluss mit eini­gen durch­aus dis­kus­si­ons­be­rei­ten und auch über­zeu­gen­den Femi­ni­stin­nen unter­hal­ten habe, wer­de ich gele­gent­lich gefragt, wor­in eigent­lich mein Pro­blem mit dem Femi­nis­mus bestehe. Vor­ge­wor­fen wer­den mir unter ande­rem mei­ne nicht feind­se­li­gen Kon­tak­te zu ver­meint­li­chen Tätern sowie mei­ne man­geln­de Bereit­schaft, mich an nett gemein­ten, ratio­nal aber eher kon­tra­pro­duk­ti­ven Aktio­nen wie der „In-Woche“, also einer Woche, in der aus­schließ­lich das gene­ri­sche Femi­ni­num ver­wen­det wird, zu betei­li­gen. Auch mei­ne Kri­tik dar­an, dass eigent­lich unter­stüt­zens­wer­te Aktio­nen gegen sexu­el­le Über­grif­fe häu­fig stur ein bestimm­tes Täter-Opfer-Sche­ma befol­gen, stößt nicht über­all auf Zuspruch. Offen­bar wir­ke ich in mei­nem Habi­tus wie ein Frau­en­fres­ser.

Natür­lich gibt es auch radi­kal agie­ren­de oder sich radi­kal äußern­de Ver­tre­ter der Ansicht, Frau­en sei­en auf­grund ihres Geschlechts in der Küche noch immer am Besten auf­ge­ho­ben. Dass vie­le Frau­en die­ses Spiel aktiv mit­spie­len, sei es aus reli­giö­sen, sei es aus ande­ren wir­ren Grün­den (recht beliebt ist das Bild der Frau als unter­ge­be­ne Gefähr­tin des Man­nes zum Bei­spiel auch bei Freun­den des Mit­tel­al­ters), ist zumin­dest eine Rand­be­mer­kung wert, jedoch kein Grund anzu­neh­men, nega­ti­ve Rol­len­kli­schees sei­en eine rein männ­li­che Eigen­heit.

„Wein soll flie­ßen, bren­nen soll das Weib!“
– Lost Belief: Bischofs­wein

Ver­mut­lich ist es eher wenig för­der­lich für den Femi­nis­mus, wenn Femi­ni­stin­nen in der Tra­di­ti­on von Vale­rie Sol­a­nas das Ende alles Männ­li­chen for­dern. (Einem Maga­zin gefällt das.) Dabei befin­de ich Femi­nis­mus von sei­ner blo­ßen Inten­ti­on her gar nicht für schlimm. Die Gleich­be­hand­lung aller drei Geschlech­ter, ohne ein Geschlecht (etwa, wie es oft erfolgt, das männ­li­che oder das weib­li­che) posi­tiv oder nega­tiv her­vor­zu­he­ben, ist eine durch­aus pro­gres­si­ve Idee und der „Postgender“-Idee, die die Über­win­dung von Geschlech­ter­zu­ge­hö­rig­keit zum Inhalt hat, nicht unähn­lich. Nicht schön wird es aber, wenn man sich auf dem Weg dort­hin radi­ka­ler Metho­den bedient.

Ein kon­kre­tes Bei­spiel: Vor recht kur­zer Zeit wur­de in Ber­lin das „Bar­bie Dre­am­hou­se“ eröff­net. Natür­lich waren vie­le Kin­der und Eltern dort. Nahe lie­gend ist, dass man als ratio­na­ler Mensch eine Kund­ge­bung abhält, um medi­al des­in­ter­es­sier­ten Besu­chern zu ver­ste­hen zu geben, dass das Frau­en­bild, das Bar­bie ver­mit­telt, nicht unbe­dingt opti­mal ist. (Dabei ist die Kri­tik an dem Frau­en­bild nicht immer klar ver­ständ­lich: Geht es um die unge­sun­den Pro­por­tio­nen der Pup­pe, um das Kli­schee von der kichern­den Haus­frau, die stän­dig nur mit ihren Freun­din­nen Urlaub macht und sonst nichts auf die Rei­he bekommt, oder um die heut­zu­ta­ge all­zu welt­frem­de Vor­stel­lung, die erste rich­ti­ge Bezie­hung [„Ken“] wäre die „Lie­be des Lebens“?)

Etwas weni­ger nahe lie­gend ist das:

Kla­ra Mar­tens tauch­te als Bar­bie auf, ent­blöß­te ihre per­fek­ten Brü­ste („Life in pla­stic is not fan­ta­stic!“) und hielt ein bren­nen­des Kreuz hoch.

Nun wür­de ich ja behaup­ten, die For­mu­lie­rung „per­fek­te Brü­ste“ sei hier nicht klug gewählt und wir­ke eher nei­disch als spöt­tisch, aber mich fragt natür­lich wie­der kei­ner. Inter­es­sant ist aber auch das mit dem bren­nen­den Kreuz, an das im Übri­gen – ein hier nicht ganz unwich­ti­ges Detail – eine Bar­bie-Pup­pe gebun­den wor­den war. Da hat jemand zu viel Geld.

Ein­mal ganz abge­se­hen von dem recht däm­li­chen Umstand, dass man als femi­ni­sti­sche Frau gegen Geschlech­ter­kli­schees heut­zu­ta­ge offen­bar bevor­zugt halb­nackt demon­striert („Sexis­mus ist schei­ße, aber guckt mal, wie toll mei­ne Brü­ste sind!“), denn von voll beklei­de­ten Demon­stran­tin­nen bekommt man in den Medi­en nur wenig zu sehen, zie­hen sich durch die „Femen“-Proteste – „Femen“ nen­nen sich die bar­bu­si­gen Radi­kal­fe­mi­ni­stin­nen, deren ein­zi­ge Emo­ti­on anschei­nend Aggres­si­on ist – auch Stil­mit­tel ganz ande­rer Grup­pen wie ein roter Faden. Bren­nen­de Kreu­ze? Haben ande­re schon gemacht. Ver­harm­lo­sung von NSDAP-Sym­bo­len? Läuft. Die Zur­schau­stel­lung des weib­li­chen Kör­pers als Objekt erfolgt ja als Grup­pen­kon­sens ohne­hin. Eine krea­ti­ve Femen­grup­pe, die irgend­et­was Uner­freu­li­ches machen möch­te, was noch nicht jeder gemacht hat, um auf­zu­fal­len, müss­te also even­tu­ell irgend­was mit akti­ver Pädo­phi­lie machen. Oder mit Fäka­li­en. Oder bei­des.

„Bren­nen, sie soll bren­nen!“
– Sub­way to Sal­ly: Die Hexe

Bemer­kens­wert ist, dass sowohl der Ku-Klux-Klan als auch die NSDAP pri­mär Ver­ei­ne waren bezie­hungs­wei­se sind, in denen das ver­hass­te Patri­ar­chat den Ton angab bezie­hungs­wei­se angibt. Man macht also Gebrauch von den Metho­den des Fein­des, eben des ver­meint­li­chen Patri­ar­chats, um zu zei­gen, dass es falsch liegt. Ich bin unwil­lens, mich einen Patri­ar­chen zu nen­nen, aber ich bin der festen Über­zeu­gung, dass Män­ner, die gegen eine Vor­herr­schaft des Weib­li­chen, sofern die­se eines Tages ein­tritt, demon­strie­ren gehen wol­len, dafür kei­ne Nazi­sym­bo­lik benö­ti­gen. Aller­dings ist mir auch kein sol­cher Fall bekannt. Man schel­te mich einen Nar­ren, so er denn eines Tages ein­tritt und ich soeben irr­te.

Blöd am Femi­nis­mus ist auch, dass er in Behör­den und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen all­zu oft mit „Gen­dern“ ver­wech­selt wird. Dafür kann der Femi­nis­mus indes nichts. „Gen­dern“ ist – so mein bis­he­ri­ger Kennt­nis­stand – die furcht­ba­re Marot­te, geschlech­ter­ge­rech­te Spra­che zu benut­zen, also jedem gene­ri­schen Mas­ku­li­num ein gene­ri­sches Femi­ni­num zur Sei­te zu stel­len. (Trans­se­xu­el­le dür­fen natür­lich auch wei­ter­hin sprach­lich unter­drückt wer­den, sind ja nicht so vie­le.) Mir als Mann ist es ja völ­lig wurscht, ob ich nun „der Mensch“, „die Men­schin“ oder „das Mensch“ bin, und ich habe bis­her auch nur weni­ge Stu­den­tin­nen ken­nen gelernt (ich könn­te spon­tan nicht mal einen Namen nen­nen), die eine Anre­de als „lie­be Stu­den­ten“ als tie­fe Belei­di­gung emp­fun­den hät­ten, schon, weil es im Regel­fall um den Stand und nicht um das Geschlecht geht; aber bit­te, ein jeder möge sei­ne eige­nen Pro­ble­me zur Lösung ein­rei­chen. Per­sön­lich bin ich ein Freund des gene­ri­schen Neu­trums, und wenn man schon Wör­ter wie „Pira­ten“ mit irgend­wel­chen Aus­las­sungs­a­ste­ris­ken ergän­zen muss, weil es das gene­ri­sche Neu­trum für Per­so­nen­be­zeich­nun­gen in der Pra­xis gar nicht gibt, dann doch bit­te „Pirat*en“ und nicht „Pirat*innen“, da letz­te­res bereits eine geschlechts­ein­deu­ti­ge Endung impli­ziert; das „Gen­der­stern­chen“ steht ja, ent­lehnt aus der EDV-Welt, dafür, dass man an sei­ner Stel­le Belie­bi­ges ein­fü­gen kann, und sol­ches Belie­bi­ges, das aus „Pirat*innen“ männ­li­che oder trans­se­xu­el­le „Pira­ten“ – letz­te­re bevor­zu­gen sowie­so oft das Wort „Que­e­ra­ten“ – macht (offi­zi­el­ler Sprach­ge­brauch: „mit­meint“), ist jeden­falls mir nicht geläu­fig.

Man soll­te natür­lich auch wei­ter­hin geson­dert von „sehr geehr­ten Damen und Her­ren“, „sehr geehr­ten Män­nern und Frau­en“ oder ähn­li­chen Tei­lun­gen spre­chen, sofern man etwa als Red­ner ein Publi­kum, das rest­los aus Ver­tre­tern bei­der­lei Geschlechts besteht, anzu­re­den beliebt; „sehr geehr­te Men­schen“ klingt doch etwas holp­rig und „sehr geehr­te Teil­neh­mer“ passt längst nicht immer. War­um es aber unzu­mut­bar erscheint, auch in der Schrift­spra­che alle ange­spro­che­nen Per­so­nen mit­samt ihrem Geschlecht, sofern als not­wen­dig erach­tet, voll­stän­dig aus­zu­schrei­ben, erschließt sich mir nicht. (Der Autor des soeben ver­link­ten Tex­tes ver­wech­selt jedoch „zuse­hends“ und den mei­nes Erach­tens frag­wür­di­gen Angli­zis­mus „zuneh­mend“, ich emp­feh­le also, sei­ne Ergüs­se nicht ein­fach als gege­ben hin­zu­neh­men.) Die Zeit, in der ein ein­fa­cher Text noch zu Kapa­zi­täts­eng­päs­sen führ­te, soll­ten seit eini­gen Jah­ren längst über­wun­den sein. Ich per­sön­lich lege hin­ge­gen gar kei­nen Wert dar­auf, Wör­ter nach ihrem gram­ma­ti­ka­li­schen Geschlecht zu beur­tei­len. Bin ich ein Frau­en­feind, weil es mich nicht stört, wenn der Baum präch­tig gedeiht? Zuge­ge­ben, der Ver­gleich hinkt. Zie­hen wir einen ande­ren her­an: Bin ich ein Frau­en­feind, wenn ich nach der Kon­sul­ta­ti­on eines Ärz­te­paa­res, von dem ein Teil männ­lich, ein Teil weib­lich ist, sage, ich sei beim Arzt oder bei Ärz­ten und nicht beim Arzt und bei der Ärz­tin gewe­sen? Ich ver­su­che wirk­lich zu begrei­fen, war­um das not­wen­dig sei, um sich vom Patri­ar­chat zu distan­zie­ren, aber es gelingt mir ein­fach nicht. Ich sehe mich ohne­dies – ich erwähn­te es bereits – nicht als einen Patri­ar­chen. Herr­schaft qua Geschlecht ist kei­ne gute Herr­schaft, Herr­schaft qua Kom­pe­tenz gilt es zu för­dern. Mit dem Wort „Herr­schaft“ rate ich in einer Demo­kra­tie übri­gens äußerst vor­sich­tig umzu­ge­hen, mei­ne Herr­schaf­ten. (Hat eigent­lich schon jemand den Begriff der „weiblichen Herrschaft“ ange­pran­gert?)

„Ich bin nicht unter dir, ich bin nicht über dir, ich bin neben dir.“
– Ton Stei­ne Scher­ben: Komm schlaf bei mir

Dass eines der Zie­le des Femi­nis­mus‘ auch eine Gleich­be­hand­lung der Frau bei Beför­de­run­gen, Anstel­lun­gen und Ent­loh­nung ist, fin­de ich des Wei­te­ren gut und rich­tig. Die Ver­fech­ter die­ser Gleich­be­hand­lung scha­den ihrer eige­nen Sache jedoch all­zu oft mit inkor­rek­ter Wie­der­ga­be tat­säch­li­cher Zah­len und (bewuss­ter?) Unkennt­nis der wirt­schaft­li­chen Rea­li­tät. Natür­lich sind Per­so­nal­chefs, die bei Bewer­bun­gen einen Mann wegen sei­nes Glie­des und nicht wegen sei­ner Kom­pe­tenz bevor­zu­gen, eine Fehl­be­set­zung. Wenn aber zum Bei­spiel eine Frau in Män­ner­be­ru­fen (zum Bei­spiel in der Infor­ma­tik­bran­che) abge­lehnt wird, weil sie in ihrer Kind­heit mit Pup­pen statt wie ihre männ­li­chen Mit­be­wer­ber mit Com­pu­tern gespielt hat, dann ist das eine Kom­pe­tenz- und kei­ne Geschlech­ter­fra­ge. Ich als Per­so­nal­chef wür­de übri­gens für Pro­gram­mie­rung gene­rell lie­ber eine Frau, die C++ beherrscht, als einen Mann, der den modi­schen Null­be­griff „Web 2.0“ als Fach­kennt­nis angibt, ein­stel­len; mir sind sogar kon­kre­te Bei­spie­le für bei­de genann­ten Per­so­nen bekannt. „Frau­en kön­nen nicht pro­gram­mie­ren und Män­ner sind Nerds“ ist also aus­ge­mach­ter Schwach­sinn. Ich bin aber kein Per­so­nal­chef. – Anders­her­um bezwei­felt wahr­schein­lich auch kaum jemand (gleich wel­chen Geschlechts), dass Frau­en sich auf­grund ihrer Urinstink­te als Kin­der­gärt­ner, äh, Kin­der­gärt­ne­rin­nen gene­rell bes­ser eig­nen als Män­ner. (Eine per­sön­li­che Anek­do­te in die­sem Zusam­men­hang: Sei­tens der staat­li­chen Insti­tu­ti­on, bei der ich in Lohn, wenn auch nicht in Brot, ste­he, wird in Stel­len­aus­schrei­bun­gen gegen­wär­tig aus­drück­lich ange­ge­ben, dass Bewer­bun­gen von Män­nern auf­grund der Bestim­mun­gen des nie­der­säch­si­schen Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­set­zes (NGG) beson­ders erwünscht sei­en. Anschei­nend ist der Frau­en­an­teil stel­len­wei­se inzwi­schen so groß gewor­den, dass der Gesetz­ge­ber inter­ve­nie­ren muss­te. Das könn­te dar­an lie­gen, dass einen männ­li­chen, kin­der­lo­sen Aka­de­mi­ker mit abge­schlos­se­nem Stu­di­um die hier übli­chen 50-Pro­zent-Stel­len meist nicht son­der­lich rei­zen. – Wer jeden­falls in über­stürz­tem Aktio­nis­mus trotz guter Absich­ten pau­schal eine Frau­en­quo­te im öffent­li­chen Dienst for­dert und kei­ne Aus­nah­men vor­sieht, über­sieht dabei offen­sicht­lich etwas Grund­le­gen­des.)

Nein, ich habe kein Pro­blem mit dem Femi­nis­mus. Ich habe ein Pro­blem damit, dass die Men­schen ihn per­ver­tie­ren. Das Ende von geschlech­ter­be­zo­ge­ner Dis­kri­mi­nie­rung mit­tels der Über­win­dung der Kate­go­ri­sie­rung nach (mit­hin: der impli­zi­ten oder expli­zi­ten Bevor­zu­gung von) Mann, Frau oder unkla­rem Drit­ten (in behörd­li­chen For­mu­la­ren tau­chen die­se Drit­ten oft nicht ein­mal auf, sie haben also ein zusätz­li­ches Dis­kri­mi­nie­rungs­pro­blem), soll­te gege­be­nen­falls poli­ti­sches, pri­mär aber gesell­schaft­li­ches Ziel eines pro­gres­siv den­ken­den Men­schen sein.

Das ist eigent­lich auch schon alles.

In den NachrichtenPiratenpartei
„Mit dem Han­dy kom­me ich sogar in die Zei­tung!“

In der belieb­ten Rei­he „Pira­ten geben dum­me Ant­wor­ten auf dum­me Pres­se­fra­gen“ hat René Rott­mann im Gespräch mit den West­fä­li­schen Nach­rich­ten nach­ge­legt.

Es beginnt mit einer schwach­sin­ni­gen (und schon viel zu oft beant­wor­te­ten) Fra­ge:

„Fluch der Kari­bik“ ist ein tol­ler Pira­ten­film, die Pira­ten vor Afri­ka sind schlech­te Men­schen – Pira­ten, ein doo­fer Name?

Pri­ma wäre eine Ant­wort wie: „(Ihre dümm­li­che und vor allem abge­lutsch­te Ein­stiegs­fra­ge ver­dirbt mir bereits bei­na­he die die Lust, wei­ter mit Ihnen zu reden, aber gnä­di­ger­wei­se) möch­te ich zumin­dest dar­auf ver­wei­sen, dass unser Name nichts mit See­räu­bern zu tun hat.“

Eher ungut hin­ge­gen ist unter ande­rem die gege­be­ne Ant­wort:

Der Name ist histo­risch gewach­sen. Er kommt aus Schwe­den und hängt zusam­men mit einer ver­bo­te­nen Inter­net-Platt­form, die vie­le Men­schen genutzt haben. Und wir machen ja auch was Gutes mit dem Namen Pira­ten. Und schließ­lich ist man ja auch kein schlech­ter Mensch, wenn man im Inter­net Fil­me her­un­ter­lädt.

Es ist zwar sach­lich kor­rekt, dass die Pira­ten­par­tei dem Dunst­kreis der Tausch­bör­se The Pira­te Bay ent­stammt, aber die­se ist nicht ver­bo­ten. (Eine Tausch­bör­se mit dem Her­un­ter­la­den von Kino­fil­men gleich­zu­set­zen ist übri­gens ein Faux­pas, den die Indu­strie gern begeht. Von einem Pira­ten hät­te ich hin­ge­gen mehr erwar­tet.) Das wäre natür­lich eine Steil­vor­la­ge gewe­sen, dem Fra­ge­stel­ler in Kür­ze nahe zu brin­gen, war­um und in wel­chem Aus­maß die Pira­ten­par­tei sich für die Refor­mie­rung des Urhe­ber­rechts stark macht. Statt­des­sen wur­de sich hier dem Duk­tus der poli­ti­schen Geg­ner ange­passt. Damit wur­den 100 Pro­zent der Chan­cen, dass das Inter­view irgend­ei­ne Rele­vanz bekommt, ver­spielt. Anson­sten: Glatt gebü­gel­tes Geschwa­fel. Das ist etwas scha­de.

Und was qua­li­fi­ziert Herrn Rott­mann dazu, aus­ge­rech­net Direkt­kan­di­dat zu sein? Nun:

(…) es sind – wenn es hoch kommt – 15 akti­ve Pira­ten. Es gibt kei­nen Kreis- oder Orts­ver­band. Aber alle Pira­ten aus dem Wahl­kreis haben ein­stim­mig mich gewählt und die ste­hen auch voll hin­ter mir.

Wie vie­le von die­sen höch­stens 15 Pira­ten wahl­be­rech­tigt und anwe­send waren, weiß ich zwar nicht, jedoch gehe ich auf­grund von Erfah­rungs­wer­ten mit ande­ren Auf­stel­lungs­ver­samm­lun­gen davon aus, dass es nicht viel mehr als 4 waren. Dass die­se 4 sich auf einen Kan­di­da­ten eini­gen konn­ten, ist wahr­lich erstaun­lich.

Eines aber hat René Rott­mann ver­stan­den:

Die Leu­ten wol­len die Land­tags- oder Bun­des­po­li­ti­ker nicht mehr hören, die schwa­feln ja nur.

Er zieht jedoch die fal­schen Kon­se­quen­zen, wenn er sei­ne Eig­nung für den Bun­des­tag beschreibt:

Durch mei­ne Aus­bil­dung bin ich sehr geübt im Umgang mit Geset­zes­tex­ten. Und ich kann nicht schwa­feln, das ist eine mei­ner Stär­ken.

Aber kennt René Rott­mann über­haupt sei­nen Wahl­kreis?

Blicken wir in die Regi­on, die­sen etwas spe­zi­el­len Wahl­kreis rund um den Groß­raum Ibben­bü­ren mit Ems­det­ten, Gre­ven und Saer­beck als Anhäng­sel – ken­nen Sie sich aus im Teck­len­bur­ger Land?

Rott­mann: Mit dem Bus kom­me ich da bestimmt hin. Ich bin digi­tal Nati­ve, ich mache alles mit dem Han­dy. Ich kann über­all alles fin­den.

In ande­ren Wor­ten: „Nie davon gehört, aber ich kann ja mal die Wiki­pe­dia fra­gen.“ – „Ich mache alles mit dem Han­dy“ ist jeden­falls ein ziem­lich inter­es­san­ter Kern­satz in die­sem Dia­log, über den jeder Leser nun für ein paar Minu­ten sin­nie­ren soll­te, bis er sei­ne kom­plet­te Gur­kig­keit erfasst zu haben glaubt.

Dann geht es wei­ter. Nach eini­gem Geplän­kel über Schul­for­men und ‑refor­men („wir brau­chen … eine ein­zi­ge Schul­form, bei der alles raus­kom­men kann“, ahja) wird es wie­der per­sön­lich. Wo wol­le er, René Rott­mann, Akzen­te set­zen?

Der Gesell­schaft die Illu­si­on der Voll­be­schäf­ti­gung zu neh­men ist ein Schwer­punkt.

Ich weiß nicht, ob „Ihr könnt übri­gens nicht alle arbei­ten!“ ein gutes Wahl­kampf­mot­to ist, aber der Ver­such kann ja nicht scha­den, nicht wahr? Wer mit einer der­ar­ti­gen poli­ti­schen Unbe­darft­heit in den Wahl­kampf zieht, hat noch nicht auto­ma­tisch ver­lo­ren, immer­hin ist die Lai­en­haf­tig­keit einer der mensch­li­chen Vor­zü­ge der Pira­ten­par­tei; ein biss­chen umsich­ti­ger könn­te man aller­dings schon sein. Der Nach­satz, man habe statt­des­sen immer­hin ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men im Pro­gramm, rela­ti­viert den Schwer­punkt nur unzu­rei­chend.

(Für die mun­te­ren Mit­le­ser emp­foh­le­ner Such­be­griff: „Demo­gra­fi­scher Wan­del“.)

Auf die Fra­ge, ob er Angst habe zu schei­tern, ant­wor­te­te René übri­gens:

Nein! Bei der Land­tags­wahl habe ich es ja auch geschafft, die Pira­ten nicht zu bla­mie­ren.

Gut, dass zumin­dest die­ser Feh­ler end­lich beho­ben wer­den konn­te.

(Offen­le­gung: René ist mir – mehr oder weni­ger – per­sön­lich bekannt und eini­ges von mir gewohnt.)

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLX: Uns geht’s doch gut!

Die (nach eige­nen Anga­ben) „Qua­li­täts­jour­na­li­sten“ von SPIEGEL ONLINE (das waren die hier) sind immer­hin gele­gent­lich doch noch im posi­ti­ven Sin­ne belu­sti­gend.

Der Schluss­teil des heu­te kurz nach Mit­ter­nacht ver­öf­fent­lich­ten Arti­kels „Neue Umfra­ge: Euro­pä­er trau­en Euro­pa nicht mehr“ (regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Tex­te rufen nun viel­leicht ver­wun­dert „Ach?!“) etwa ist ein humo­res­kes Bon­mot son­der­glei­chen:

Befragt zu Ste­reo­ty­pen über ande­re EU-Län­der, hal­ten die Bür­ger in sechs der acht Umfra­ge-Staa­ten Deut­sche für am wenig­sten mit­füh­lend, in fünf von acht Natio­nen für am arro­gan­te­sten. Bun­des­bür­ger kön­nen der­lei Res­sen­ti­ments nicht ver­ste­hen: Nach ihrem Urteil ist Deutsch­land die ver­trau­ens­wür­dig­ste, mit­füh­lend­ste und am wenig­sten arro­gan­te EU-Nati­on.

Echt jetzt; die Banau­sen da unten haben nur kei­ne Ahnung!

In den NachrichtenPiratenparteiMontagsmusik
Ton Stei­ne Scher­ben – Jen­seits von Eden

Am Wochen­en­de hat der Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Deutsch­land in Neu­markt einen Teil des Bun­des­vor­stands neu gewählt. Der Posten des ersten Vor­sit­zen­den bleibt mit Bernd Schlö­mer, der die Par­tei auch schon mal öffent­lich und ent­ge­gen der Mei­nung der von ihm oft vor­ge­scho­be­nen Basis als sozi­al­li­be­ral und für einen Wahl­kampf zu demo­ti­viert bezeich­net und auch sonst eine Men­ge Stuss vor sich hin­plap­pert, wenn er nicht gera­de einen lich­ten Moment hat, besetzt. Nun, jedes Volk bekommt den Schläch­ter, den es ver­dient.

Den Mon­tagska­ter macht das alles auch nicht bes­ser; zumal man auf­wacht und die Welt immer noch die alte ist. Tem­po­ra non mutan­tur, was prak­tisch ist, weil man sich dann selbst nicht ver­än­dern muss. Man wür­de es eben nur gern kön­nen.

Ton Stei­ne Scher­ben – Jen­seits von Eden

Lie­be – was ist das? Das ist das Leben in der Stadt.
Was soll dar­an schlecht sein? Lie­be kommt von unten,
Lie­be hat schwa­che Wor­te; ach, ich bin so müde…

Manch­mal wünscht man sich, der Teu­fel blie­be im Detail stecken.

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Bun­des­li­ga­live­ticker. Allein das Wort schon!

Momen­tan läuft wie­der mal ein Bun­des­li­ga­spiel­tag. Ich habe es mir nicht neh­men las­sen, zur Abwechs­lung mal zu schau­en, was „SPIEGEL ONLINE“ da so als „Live­ticker“ bewirbt.

Aktu­el­ler Aus­zug aus dem Spiel der Borus­sia Dort­mund gegen den VfL Wolfs­burg:

14. Minu­te
Tor
1:1 – Tor­schüt­ze: Peri­sic

Der Aus­gleich! Olic wird schön in den Sech­zeh­ner geschickt und spit­zelt den Ball mit Über­sicht wei­ter Rich­tung zwei­ter Pfo­sten. Dort muss Peri­sic nur noch ein­schie­ben. Sein erstes Tor für den VfL – und das gegen sei­nen Ex-Klub.

(…)

5. Minu­te
Tor
0:1 – Tor­schüt­ze: Ben­der

Anstatt zu flan­ken, legt Reus einen Frei­stoß quer zu Sahin, der den Ball aus halb­rech­ter Posi­ti­on gefühl­voll in den Sech­zeh­ner hebt. Dort ist Ben­der zur Stel­le und schießt mit links zur Füh­rung ein. Sein erstes Sai­son­tor!

Ich hab‘ schon ero­ti­sche Geschich­ten gele­sen, die weni­ger expli­zit waren.

(Ernst­haft: War­um liest jemand einen „Live­ticker“ zu einem Fuß­ball­spiel? – Ande­rer­seits gibt es ja auch Leu­te, die bei Büchern erst mal auf den Film war­ten.)

Internes
Such­be­grif­fe, Monat Mai 2013

Der Monat hat erst ange­fan­gen, aber wie schon vor etwa einem Jahr haben bereits vie­le Leu­te mit sehr merk­wür­di­gen Vor­lie­ben hier­her gefun­den.

Suchen Mai 2013

Abge­se­hen von offen­sicht­li­chen Such­be­grif­fen zu mehr oder weni­ger aktu­el­len Tex­ten mei­ner­seits gab es auch eini­ge sehr spe­zi­el­le Anfra­gen:

tele­fon app android 4.0

Nö, für Android brauchst du kei­ne Tele­fon-App, da ist schon eine drauf. Du instal­lierst ja auch kei­nen Brow­ser für Fire­fox.

fer­der die frau­en ficken

Das heißt „Ver­der“, herr­je!

anstän­di­ge mäd­chen ficken gern

Das ist ein wenig pau­schal, oder?

fick dene mut­ter in den asch widio

„Widio“. WIDIO! Machen Inzest­vi­de­os blöd oder setzt ihre Betrach­tung Blöd­heit vor­aus? Und war­um lässt man sol­che Leu­te das Inter­net benut­zen?

In eine ähn­li­che Kate­go­rie fällt aller­dings auch:

por­nos aus­lan­der ficken vei­se frrau­en

Wei­se Frrau­en ver­zwei­feln still.

Apro­pos:

ficken beim schmalz aus­las­sen

Also ich las­se das Ficken eigent­lich immer aus – das Schmalz jedoch eben­falls.

kathe­ri­ne jenk­ins brust 14. märz 2010

Am 15. März 2010 war sie nicht mehr inter­es­sant.

pin­gu­in wit­ze

Hier ent­lang bit­te. Wobei: Warst du das?

wie ficken pin­gu­ie­ne

Dann näm­lich bes­ser nicht.

Ach, gab es denn über­haupt kei­ne inter­es­san­ten Such­an­fra­gen im bis­he­ri­gen Mai? Doch, eine:

rat zu der musik­grup­pe freiwild,ab wel­chem alter geeig­net

Belang­lo­se „Rock­mu­sik“ ist nicht ab, son­dern bis zu einem bestimm­ten Alter geeig­net. Wer mit, sagen wir mal, Beginn der Voll­jäh­rig­keit immer noch nichts Bes­se­res hört, der wird die­se Höl­le nie­mals mehr ver­las­sen kön­nen und den Rest sei­nes Lebens mit, schau­der, Musik aus dem Radio ver­brin­gen. Es liegt in unser aller Ver­ant­wor­tung, dass das nie pas­siert! Oder wollt ihr das wirk­lich einem Men­schen antun?

(Bei Leu­ten aller­dings, die nach „fick dene mut­ter in den asch widio“ suchen, ist das wahr­schein­lich nicht mehr son­der­lich schlimm.)

Ich wen­de mich ab mit Grau­sen.

Netzfundstücke
Stups­sex

„War­um bin ich immer noch Sin­gle?“ hört man vie­ler­or­ten jun­ge und nicht mehr ganz so jun­ge Mäd­chen ver­zwei­felt rufen. Nun, viel­leicht liegt das dar­an, dass sie es poten­zi­el­len Bewer­bern nicht leicht machen, über­haupt als jemand zu erschei­nen, der das ändern möch­te.

Ein anschau­li­ches Bei­spiel wur­de mir gera­de wie­der in mei­ne Twit­ter-time­line gespült. Auf Face­book gibt es bekannt­lich die Funk­ti­on „Anstup­sen“, die wahr­schein­lich so was ist wie „Gru­scheln“ auf Stu­diVZ. Offen­bar ist die Benut­zung die­ser Funk­ti­on inzwi­schen eine Kurz­form für „hal­lo, ich bin total inter­es­siert an Sex mit dir“ oder ähn­li­ches.

Twit­ter­nut­ze­rin @_kleines__ gab näm­lich bekannt:

Mich in FB anschrei­ben und beste Freun­din anstup­sen.

Män­ner den­ken wohl, wir reden nicht.

Ohne Ken­nen­lern­chan­ce geblockt.

War­um die­se Hal­tung? Nun, das ist doch offen­sicht­lich: Wenn ein (womög­lich schüch­ter­ner und) an Frau @_kleines__ inter­es­sier­ter Mann sich näm­lich end­lich aus der Deckung traut und sel­bi­ge end­lich anschreibt (wobei unklar ist, ob mehr als nur eine Begrü­ßung im Anschrieb stand), dann ver­pflich­tet er sich damit selbst­ver­ständ­lich sofort, jed­wel­che posi­ti­ven Kon­tak­te zu ihren Geschlechts­part­ne­rin­nen zu unter­las­sen.

„Ich habe mich tie­risch in dich ver­liebt und kann nur noch an dich den­ken“ wird wir­kungs­los, sobald man eine ande­re Frau anstupst – Anstup­sen ist bereits der erste Schritt zur spä­te­ren Untreue!!1. Wie­der was gelernt.

Tja – war­um sind man­che Frau­en nur immer noch Sin­gle?

Spaß mit Spam
mm..hi)

mm…Spam) in mei­nem Post­ein­gang! Eine gewis­se „Mila“ (mit Anfüh­rungs­zei­chen) schreibt mir ohne grund­le­gen­des Ver­ständ­nis von Text­for­ma­tie­rung, näm­lich ohne Zei­len­um­brü­che, dies:

Hi how a u??My name is Her­da.

Guten Tag, Frau „Mila“-Herda. Ich bin belu­stigt.

I have a gre­at desi­re to find a mate and soul mate.

Also einen für’s Bett und einen für’s Sofa qua­si. Müs­sen die bei­den von­ein­an­der wis­sen?

I am 29 years old. I am gent­le and affec­tion­a­te girl. I want to find a per­ma­nent mate.

Also einen mate, einen soul mate und einen per­ma­nent mate. Zum Ohr­wurm fehlt nur noch der funk soul brot­her. Aber war­um soll­ten sich die­se Her­ren für Sie, Frau „Mila“-Herda, inter­es­sie­ren?

Nun, dafür gibt es Grün­de:

For this, I have all the fea­tures. I like to crea­te com­fort me nice when the hou­se is beau­tiful and clean. I think that serious rela­ti­on­ship is a respon­si­bi­li­ty. But just as they are full of romance and fee­lings.

Ich über­set­ze frei: „Hier­für (für die Part­ner­schaft jed­wel­cher Art, A.d.V.) brin­ge ich alle nöti­gen Vor­aus­set­zun­gen mit: Ich mag es, wenn das Haus sau­ber ist. Ich hal­te ernst­haf­te Bezie­hung für Ver­ant­wor­tung, sofern sie vol­ler Roman­tik und Gefüh­le ist“.

Hm.

Kurz gesagt: Frau „Mila“-Herda wür­de sich gern als Put­ze andie­nen und wäre damit über­aus glück­lich. Nun, dank der Eman­zi­pa­dings kann eine Frau heut­zu­ta­ge ihre Stel­lung in der Bezie­hung ja selbst nach Belie­ben defi­nie­ren. Wer wäre ich, dass ich ihr da rein­re­den wür­de?

Our dreams are the same?

Nee, ich mag nicht put­zen und hal­te Put­zen auch nicht für einen essen­zi­el­len Bestand­teil einer roman­ti­schen Zwei­sam­keit.

I’m from Ber­lin !!!

Zum Glück schrieb sie mir auf Eng­lisch; Ber­li­ner ver­steh‘ ich immer so schlecht.

Viel­leicht soll­te ich ihr mal schrei­ben.

PersönlichesPiratenpartei
Abrech­nung mit Fabi­an Rein­bold

(Vor­be­mer­kung: Ich bin gegen­wär­tig kein Funk­ti­ons­trä­ger der Pira­ten­par­tei, jedoch all­mäh­lich über­mä­ßig generv­tes Basis­mit­glied.)

Jeder kennt sie, die popu­li­sti­schen Schmier­fin­ken, die für eine bil­li­ge Schlag­zei­le jedes Risi­ko für Drit­te in Kauf neh­men wür­den. Bei der BILD ist die­se Hal­tung offen­bar zwin­gend vor­aus­ge­setzt, das muss nicht expli­zit erwähnt wer­den.

Man soll­te aber dar­über nicht ver­ges­sen, dass auch ande­re Maga­zi­ne Brand­stif­ter beher­ber­gen.

Bei SPIEGEL ONLINE etwa treibt seit Jah­ren Fabi­an Rein­bold sein Unwe­sen, der seit August 2011 dafür bezahlt wird, den Mythos Pira­ten­par­tei zu ent­zau­bern. (Und ich hat­te schon gedacht, das „Res­sort Poli­tik“, in dem er beschäf­tigt ist, hät­te irgend­was mit Poli­tik zu tun.) Die Wel­le an pira­ten­kri­ti­schen Arti­keln auf SPIEGEL ONLINE trägt zu einem beein­drucken­den Teil sei­ne Hand­schrift, gele­gent­lich auch zusam­men mit Kol­le­gin und (laut ZDF-Ange­stell­ter „koegler.nicole“) Pira­ten-Exper­tin Annett Mei­ritz, die es zumin­dest noch manch­mal schafft, ihre Aver­si­on gegen die Pira­ten­par­tei – mit Aus­nah­me von Mari­na Weis­band, die sie anschei­nend sehr mag – leid­lich gut zu ver­ber­gen.

Dabei geht Fabi­an Rein­bold so weit wie sonst nur die BILD. Einer sei­ner Arti­kel etwa koste­te auf­grund einer womög­lich bewusst miss­ver­ständ­li­chen, in die­sem Kon­text fal­schen For­mu­lie­rung eine nur neben­bei erwähn­te Ange­stell­te der Ber­li­ner Pira­ten im wei­te­ren Dis­kus­si­ons­ver­lauf ihren Arbeits­platz. (Da ich nicht Fabi­an Rein­bold bin, ver­zich­te ich auf Namens­nen­nung oder ande­re Details, die eine Iden­ti­fi­ka­ti­on der ande­ren Betei­lig­ten ver­ein­fa­chen.) Das allein ist eigent­lich Grund genug, dass es mir nicht leicht fällt, ihm gegen­über die Con­ten­an­ce zu wah­ren. Zu rück­sichts­lo­sen Popu­li­sten soll­te man nicht nett sein, denn das wer­den sie gegen dich ver­wen­den; und dass es Fabi­an Rein­bold bis­her auf Par­tei­ta­gen stets geschafft hat, mich zu mei­den, ist bedau­er­lich, denn sonst hät­te ich ver­mut­lich längst die Gele­gen­heit genutzt, ihm in mei­ner bekannt umgäng­li­chen Art sei­nen Beruf zu erklä­ren. Jour­na­li­sten näm­lich tun so etwas nicht.

Aber Fabi­an Rein­bold ist Teil die­ser Pres­se, die wir unbe­dingt brau­chen. Somit ist er auch wei­ter­hin nicht nur gedul­det, son­dern auch erwünscht. „Auch schlech­te Pres­se ist Pres­se“? Ich bezweif­le es. Nach mei­nem Dafür­hal­ten soll­ten Bou­le­vard­jour­na­li­sten, die nicht berich­ten, son­dern mit Sug­ge­stiv­fra­gen an mög­lichst pro­mi­nen­te Par­tei­mit­glie­der auf­bau­schen und Skan­da­le her­bei­schrei­ben wol­len, nach dem spä­te­stens drit­ten Ver­ge­hen (three strikes hat sich ja bewährt) lebens­lan­ges Haus­ver­bot auf offi­zi­el­len Par­tei­ver­an­stal­tun­gen erhal­ten, und ich bin nach mei­nem Kennt­nis­stand nicht der Ein­zi­ge, des­sen feh­len­de Ent­schei­dungs­ge­walt alles ist, was zwi­schen Fabi­an Rein­bold und ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen steht. So jedoch kann er auch wei­ter­hin jedes miss­ver­ständ­li­che Wort, jede Halbin­for­ma­ti­on nut­zen, um dar­aus einen wei­te­ren Unter­gang für die Par­tei zu machen. Das neue­ste Skan­däl­chen ist das Mittelfinger-„Gate“. (Von dem kin­di­schen Wort „Stin­ke­fin­ger“ neh­me ich Abstand – mei­ne Fin­ger duf­ten.)

Ach­tung, es wird selbst für Pira­ten­ver­hält­nis­se pein­lich: Auf einem Foto zei­gen meh­re­re Frei­beu­ter demon­stra­tiv Par­tei­chef Bernd Schlö­mer den Mit­tel­fin­ger. Das Bild poste­te ein Lan­des­ge­schäfts­füh­rer. Schlö­mer sieht den Beginn einer „Treib­jagd auf einen Men­schen“.

(Her­vor­he­bung von mir; bit­te bei­zei­ten mit der jour­na­li­sti­schen Ethik des SPIE­GELs ver­glei­chen.)

Dass Fabi­an Rein­bold nicht ver­stan­den hat, dass „Frei­beu­ter“ im Pira­ten­um­feld für „Sym­pa­thi­san­ten, die (noch) kei­ne Mit­glie­der sind“ steht, ist aus­nahms­wei­se nicht schlimm; die­ses Wis­sen ist auch par­tei­in­tern lei­der kaum ver­brei­tet. Doof nur, dass er auch sonst die fal­schen Schlüs­se zieht. Ein „Par­tei­chef“ (der bei den Pira­ten auch nur ein ein­fa­ches Mit­glied ist, was man gar nicht oft genug erklä­ren kann), der stell­ver­tre­tend für die Pira­ten bekannt gibt, dass der Wahl­kampf wegen feh­len­der Kraft und Moti­va­ti­on qua­si ohne­hin ver­ge­bens sein wür­de, tritt so mit Anlauf denen in den Hin­tern, die viel wert­vol­le Lebens­zeit in die Par­tei­ar­beit inve­stie­ren. Ein aus­ge­streck­ter Mit­tel­fin­ger ist ein Witz dage­gen. Das ist kei­ne Treib­jagd auf einen Men­schen, das ist mehr­heit­li­ches Eklig­fin­den des­sen, was Bernd Schlö­mer so in die Gazet­ten blub­bert. Wohl nie­mand der Treib­jä­ger wünscht Herrn Schlö­mer nach­hal­ti­gen per­sön­li­chen Scha­den. Nur als Ober­vor­stand taugt er halt nix, und die Pira­ten­par­tei ist nun ein­mal so struk­tu­riert, dass ein herz­li­ches „halt‘ end­lich mal die Klap­pe, Chef, du redest zu viel Schei­ße“ als Mei­nung der Basis und nicht als Affront gewer­tet wird. Die einst von unter ande­rem Ger­hard Schrö­der popu­lär gemach­te Ver­trau­ens­fra­ge wür­de Bernd Schlö­mer nach mei­nem Emp­fin­den auf­grund diver­ser Dis­kus­sio­nen inner­halb der Basis einen äußerst gerin­gen Zuspruch atte­stie­ren; trotz­dem neh­me ich an, dass er anders als Johan­nes Pon­ader sein Amt auf dem kom­men­den Bun­des­par­tei­tag in Neu­markt nicht ein­fach nie­der­le­gen wird. (Posi­ti­ve Über­ra­schun­gen erwar­te ich von ihm schon lan­ge nicht mehr.) Das ist etwas bedau­er­lich.

Aber zurück zu Fabi­an Rein­bold. Die­ser kann sich offen­bar selbst nicht ent­schei­den, wor­in nun eigent­lich sein Pro­blem mit der Pira­ten­par­tei liegt. Kurz nach sei­nem Dienst­an­tritt bei SPIEGEL ONLINE 2011 befürch­te­te er noch, die Pira­ten wür­den sich angreif­bar machen. Spä­ter war ihm das bei der Suche nach einem Schul­di­gen nur Recht: Letz­tes Jahr war es Johan­nes Pon­ader („Das Pira­ten-Pro­blem heißt Pon­ader“, Okto­ber 2012), letz­ten Sonn­abend war es Seba­sti­an Nerz, nur Bernd Schlö­mer ist es nie. Wie man es als Pirat schafft, von Fabi­an Rein­bold für jed­wel­ches Tun in Schutz genom­men zu wer­den, erschließt sich mir nur als Ver­mu­tung – die bei­den haben in ihrer Vor­ge­hens­wei­se viel gemein­sam.

Man ver­ste­he mich nicht miss: Kri­ti­sche Bericht­erstat­tung ist gut und wich­tig. Wer jedoch kei­nen Hehl dar­aus macht, dass er die Pira­ten­par­tei („pein­lich“, sie­he oben) nicht nur kri­tisch betrach­tet, son­dern in sei­ner Bericht­erstat­tung gezielt, nun, Par­tei gegen sie ergreift, mag viel­leicht ein talen­tier­ter Blog­ger sein, für einen Ver­tre­ter von SPIEGEL ONLINE, mit­hin der so genann­ten „Pres­se“ (das Wort hängt ety­mo­lo­gisch mit „pres­sen“ zusam­men, nicht?), ist das aber kein Ver­hal­ten, das man för­dern soll­te.

Ich emp­feh­le die­sen Text als eine War­nung zu betrach­ten. SPIEGEL ONLINE ist kein seriö­ses Medi­um. Sei­ne Ver­tre­ter sind oft skru­pel­lo­se und gefähr­li­che Men­schen, denen es nicht um die jour­na­li­sti­sche Wahr­heit geht und die für eine rei­ße­ri­sche Schlag­zei­le auch beruf­li­che Exi­sten­zen zu ver­nich­ten imstan­de sind. Es ist falsch, die­sen Leu­ten eine Platt­form zu geben, auf der sie sich in Sze­ne set­zen kön­nen.

Angeb­lich hat Fabi­an Rein­bold sein Hand­werk an der Deut­schen Jour­na­li­sten­schu­le in Mün­chen gelernt. Die­se Schu­le soll­te man im Auge behal­ten.

SPIEGEL ONLINE darf mich hier gern zitie­ren.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: SPIEGEL ONLINE und das sub­ti­le Vor­ur­teil

Ach, „SPIEGEL ONLINE“, eine Fra­ge hät­te ich dann schon noch.

Am dies­wö­chi­gen Diens­tag schrieb dei­ne Autorin Frau­ke Lüp­ke-Nar­ber­haus über eine geschlechts­neu­tra­le Umklei­de­ka­bi­ne an einem Gym­na­si­um in Stock­holm:

Es passt, dass die­se Idee aus Schwe­den kommt.

Auf eine Erklä­rung für die­sen Satz habe ich bis zum Ende des Arti­kels ver­geb­lich gewar­tet, statt­des­sen geht Frau­ke Lüp­ke-Nar­ber­haus mehr­fach auf Ereig­nis­se an die­sem einen Gym­na­si­um ein. Das ist ein biss­chen scha­de.

Aber es passt, dass die­ser Text auf SPIEGEL ONLINE steht.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Kurz ver­linkt CLIX: Das BKA und der Mar­ken­recht­s­tro­ja­ner

Nach­dem vor eini­gen Jah­ren ein erster „Bun­des­tro­ja­ner“, also ein mit ille­ga­len Metho­den arbei­ten­des Werk­zeug zur mehr oder weni­ger unbe­merk­ten Online­über­wa­chung ver­meint­li­cher Straf­tä­ter, eher weni­ger regel­kon­form war, hat das Bun­des­in­nen­mi­ni­ste­ri­um nun nach­ge­bes­sert:

Das Bun­des­in­nen­mi­ni­ste­ri­um hat zehn Lizen­zen des FinS­py-Tro­ja­ners für die „Quel­len-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung“ (Quel­len-TKÜ) erwor­ben. (…) Das BKA will den ein­ge­kauf­ten Tro­ja­ner über­gangs­wei­se ein­set­zen, bis die Behör­de eine Über­wa­chungs­soft­ware in Eigen­re­gie ent­wickelt hat.

Dass auch bei die­sem neu­en Tro­ja­ner nicht alles regel­kon­form abläuft, steht außer Fra­ge. Der Kon­zern hin­ter „FinS­py“ bezie­hungs­wei­se „Fin­Fi­sher“, Gam­ma Inter­na­tio­nal, sieht sich bereits mit der ersten Kla­ge kon­fron­tiert; nicht jedoch wegen der Ent­wick­lung ille­gal ver­wend­ba­rer Anwen­dungs­soft­ware, son­dern aus mar­ken­recht­li­chen Grün­den:

Mozil­la hat die Fir­ma Gam­ma Inter­na­tio­nal abge­mahnt, wel­che die Über­wa­chungs-Soft­ware Fin­Fi­sher, auch bekannt als Staats-Tro­ja­ner, her­stellt. Der Grund: Die­se Soft­ware gibt sich als Fire­fox aus und begeht damit einen Miss­brauch der Mozil­la-Mar­ke.

Dabei ist zur Erklä­rung erwäh­nens­wert, dass der Tro­ja­ner nicht so tut, als sei er ein Brow­ser:

Gam­mas Soft­ware ist kom­plett eigen­stän­dig und benutzt ledig­lich Mozil­las Mar­ken­zei­chen um sich als Fire­fox und damit als ver­trau­ens­wür­di­ges Pro­gramm zu tar­nen. Der Spio­na­ge-Tro­ja­ner gibt sich als Firefox.exe aus und beinhal­tet die dazu­ge­hö­ri­gen Her­stel­ler-Infor­ma­tio­nen wie die Ver­si­ons­num­mer von Fire­fox und Copy­right-Hin­wei­se von Mozil­la. In den Quell­code wur­de außer­dem das “Assem­bly Mani­fest” von Fire­fox wort­wört­lich ein­ge­bun­den.

Die Zustän­di­gen bei Gam­ma Inter­na­tio­nal kön­nen aller­dings froh sein, dass sie ihr Pro­dukt nicht davidbowie.exe genannt haben. Der GEMA traue ich inzwi­schen alles zu.