NetzfundstückeIn den NachrichtenComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 13. Janu­ar 2021

2020: Das Spiel.


Trot­tel im Wahl­kampf (1): Nor­bert Rött­gen will CDU-Groß­we­sir wer­den, um „die Schöp­fung“ zu bewah­ren. Völ­lig kon­se­quent steht er hier­für vor einer Fich­ten­plan­ta­ge her­um.


Trot­tel im Wahl­kampf (2): Mar­kus Söder cyber­flos­kelt.

Warp-Antrieb in eine neue Com­pu­ter-Welt: Mün­chen wird zum Quan­tum Val­ley. Ein Quan­ten-Com­pu­ter ist wie ein Orche­ster an Super-Com­pu­tern. Das ermög­licht For­schung in völ­lig neu­er Dimen­si­on.

Wenn irgend­je­mand ver­steht, was der Herr phy­si­ka­lisch aus­drücken möch­te, bit­te ich um zeit­na­he Über­set­zung.


Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten: Um Coro­na-Regeln zu umge­hen: Frau führt Mann an Lei­ne Gas­si.


Über­ra­schung: Der Arbeit­ge­ber­prä­si­dent will nicht, dass Arbeits­lo­se zu viel Geld bekom­men. Sonst wol­len die gar nicht mehr arbei­ten müs­sen. Das wäre nicht nett.


Man ist zwar Ras­sist, fin­det aber das Ange­bot der NPD nicht über­zeu­gend und kann die CSU in sei­nem Bun­des­land nicht wäh­len? Kein Pro­blem: Die PARTEI exi­stiert. Haha. Sati­re. Haha­ha.

Nach­trag: Nico Sems­rott reicht’s.

In den NachrichtenMontagsmusik
Moni­ka Roscher Big­band – Carib­be­an Deli­ri­um (live) // Zen­tra­le Struk­tu­ren gegen Böse­wich­te!

„Bist du wach?“ - „Teils-teils...“Es ist Mon­tag. Die Kom­mu­ni­sten, berich­ten die Kom­mu­ni­sten, sei­en unzu­frie­den damit, dass die Ber­li­ner Stadt­re­gie­rung („rot-rot-grün“) gar nicht viel von lin­kem Akti­vis­mus hält. Ich wür­de mir ja erhof­fen, dass die Ein­woh­ner Ber­lins die­se Fest­stel­lung wenig­stens bis zur kom­men­den Bun­des­tags­wahl nicht ver­ges­sen, aber laut Twit­ter haben sie’s heu­te schon. Scha­de, dass wie­der kei­ne Pan­da­bä­ren als Kanz­ler­kan­di­da­ten auf­ge­stellt wor­den sind. Das wäre eine gemüt­li­che Legis­la­tur­pe­ri­ode.

Kind zu sein ist 2021 nicht mehr attrak­tiv. Man erlebt ja nichts mehr. Ande­rer­seits ist die Defi­ni­ti­on von Kind­sein auch eine etwas ande­re gewor­den, denn bereits der noch amtie­ren­de US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent wird oft als ein Klein­kind bezeich­net, als wäre ein Erwach­se­ner auto­ma­tisch ein ver­nünf­ti­ger Mensch.

Fol­ge­rich­tig freut man sich nun land­auf, land­ab dar­über, dass Donald Trump end­lich nicht mehr auf Twit­ter gedul­det wird, was von der For­de­rung nach einem frei­en, unzen­sier­ten Netz, das ohne zen­tral orga­ni­sier­te Kon­zer­ne aus­kommt, nicht mehr viel übrig lässt. Wie ange­nehm es doch manch­mal sein kann, wenn ein gesichts­lo­ses Unter­neh­men dem eige­nen Wunsch danach, ein ande­rer möge end­lich schwei­gen, ent­spricht! Hät­te Donald Trump doch nur – wie sein ira­ni­scher Amts­kol­le­ge – die Aus­lö­schung Isra­els befür­wor­tet, wäre ihm nichts pas­siert. Hof­fent­lich lernt er etwas dar­aus. Inwie­fern es eine gute Nach­richt sein soll, dass US-ame­ri­ka­ni­sche Kon­zer­ne auch Mes­sen­ger ein­fach fremd­ab­schal­ten, weil sich dort auch die­je­ni­gen aus­tau­schen dür­fen, die Übles im Sinn füh­ren, fra­ge ich inso­fern lie­ber nicht.

Gute Fra­ge statt­des­sen: Wie vie­le Fuß­ball­fel­der pas­sen eigent­lich in den Grand Can­yon?

Eben­so gut auch: Musik.

Moni­ka Roscher Big­band – Carib­be­an Deli­ri­um – Nurem­berg 2017

Guten Mor­gen.

PolitikMir wird geschlecht
Die Hälf­te der Hit­lers

Emma Koh­ler („Grü­ne“):

Stellt euch mal vor, wie fort­schritt­lich wir wären, wenn Frau­en schon immer die Hälf­te der Macht gehabt hät­ten.

Frau­en (1933):

Bei der Reichs­tags­wahl vom 5. März 1933 gaben dann erst­mals mehr Frau­en (2.246) als Män­ner (2.103) der NSDAP ihre Stim­me. Die Wäh­ler­schaft der herr­schen­den NSDAP setz­te sich in Rosen­heim somit zu 51,6 % aus Frau­en und zu 48,1 % aus Män­nern zusam­men.

Viel­leicht war das Frau­en­wahl­recht auch ein­fach kei­ne so gute Idee?

PolitikIn den Nachrichten
Christ­lich-Digi­ta­le Uni­on

Apro­pos Netz­par­tei.

Dass aus­ge­rech­net die Tech­nik­ver­hin­de­rungs­par­tei CDU Deutsch­lands erste Par­tei sein wird, die ihren Vor­stand fak­tisch online wäh­len lässt (die anschlie­ßen­de „Brief­wahl“ ist nach den Zusi­che­run­gen der Kan­di­da­ten, eine Nie­der­la­ge im Online­vo­tum als final zu akzep­tie­ren, kaum als sol­che zu bezeich­nen), hät­te eine ganz ande­re Wir­kung, lie­fen nicht unter dem Tweet zum The­ma Wäh­ler und Mit­glie­der ande­rer Par­tei­en, die schon vor vie­len Jah­ren irgend­was über’s Inter­net beschlos­sen haben, schäu­mend Sprecha­mok, weil sie den Unter­schied zwi­schen einer Pro­gramm­kon­fe­renz (da beschließt man das Pro­gramm) und einem Par­tei­tag (da beschließt man alles) nicht ver­stan­den haben.

Ande­rer­seits hat­te ich neu­lich noch anders­wo die Fra­ge gestellt, was eigent­lich aus der schrä­gen Par­tei Volt gewor­den sei. Fra­ge beant­wor­tet: Die sind alle auf Twit­ter und belei­di­gen dort die CDU.

Was macht eigent­lich die Pira­ten­par­tei gera­de?

In den NachrichtenNerdkramsMontagsmusik
Fly­ing Moon In Space – The Obser­ver // Coles­law 2021

Panda statt Eule!Es ist Mon­tag. Wenig über­ra­schend wird die Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung von einer Dame Frau gelei­tet, die in der besten ost­deut­schen Demo­kra­tie, die es zwi­schen dem Zwei­ten Welt­krieg und der Deut­schen Ein­heit je gab, Juden denun­ziert hat. Von die­ser Stif­tung lässt man sich doch ger­ne was über Hass­re­de erzäh­len.

Der Net­scape Com­mu­ni­ca­tor ist jetzt ein Stan­dard. Es könn­te schlim­mer sein. Da kriegt man wenig­stens die­sen neu­mo­di­schen Rekla­me­mist nicht feh­ler­frei ange­zeigt.

In eige­ner Sache: Ich hat­te eigent­lich vor eini­gen Tagen nur wis­sen wol­len, ob Coles­law, eine durch­aus gute in Com­mon Lisp geschrie­be­ne Blog­soft­ware, noch aktiv ent­wickelt wür­de, denn Anfra­gen für Code­än­de­run­gen blie­ben oft län­ge­re Zeit unbe­ant­wor­tet. Das Ergeb­nis die­ser Fra­ge war aber zu mei­ner Über­ra­schung, dass ich zum Main­tai­ner ernannt wur­de, was ich eigent­lich gar nicht vor­hat­te (schon wegen Git­Hub). Na gut, dann mache ich das halt. Ich kann Coles­law (zwar auch den Salat, aber hier die Soft­ware) inso­fern wie­der guten Gewis­sens emp­feh­len.

Auch guten Gewis­sens zu emp­feh­len: Musik.

Fly­ing Moon In Space – The Obser­ver (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
CSU: Digi­tal bela­stend.

Es wird berich­tet, die CSU wol­le nicht nur „flä­chen­deckend die Fächer Pro­gram­mie­ren und digi­ta­le Wirt­schaft“ ein­füh­ren las­sen, um die Schü­ler zu nütz­li­chen Arbeit­neh­mern fit für die digi­ta­le Welt zu machen (denn genau dar­an denkt man, wenn man an die CSU denkt), son­dern auch das Sur­fen im Web, die­sem schreck­li­chen Feh­ler in der Geschich­te des Inter­nets, beschleu­ni­gen.

Wie? Nein, nicht mit schnel­le­ren Lei­tun­gen auch in dörf­li­chen Regio­nen, das wäre ja teu­er:

Die Pflicht, bei jedem Besuch einer neu­en Home­page nach der Zustim­mung zu Coo­kies gefragt zu wer­den, soll­te aus Sicht der CSU ent­fal­len. Sie sei eine „Bela­stung für schnel­les Sur­fen“.

End­lich pro­te­stiert mal jemand gegen die Poli­tik der CDU/CSU. Aber muss es aus­ge­rech­net die CSU sein?

Ich habe ja die­se Pflicht auf mei­nen Gerä­ten längst ent­fal­len las­sen. Die von mir ein­ge­setz­ten Web­brow­ser ver­wer­fen Coo­kies auto­ma­tisch und blen­den auch den Nach­fra­ge­ban­ner in der Regel auto­ma­tisch aus bezie­hungs­wei­se zei­gen sie gar nicht erst an.

Viel­leicht soll­te die CSU doch mal ihren Net­scape Com­mu­ni­ca­tor aktua­li­sie­ren.

In den NachrichtenNerdkrams
Public Domain Day 2021

Wie in jedem Jahr sind auch in die­sem Jahr wie­der eini­ge Wer­ke gemein­frei gewor­den, dank der Inter­ven­ti­on skru­pel­lo­ser Groß­kon­zer­ne wie der Walt Dis­ney Com­pa­ny in eini­gen Län­dern spä­ter als in ande­ren.

Weil die EU (haha, die­se Bri­ten, so doof) zum Bei­spiel Wer­ke erst 70 Jah­re nach dem Tod des jewei­li­gen Urhe­bers in die Gemein­frei­heit ent­lässt, sind heu­te zum Bei­spiel die­je­ni­gen Bücher hier­zu­lan­de gemein­frei gewor­den, deren Autor 1950 gestor­ben ist; zum Bei­spiel die von Hein­rich Mann und Geor­ge Orwell.

Nach den Bür­gern Russ­lands, Kana­das und Austra­li­ens kön­nen also auch die Deut­schen end­lich „1984“ im eng­lisch­spra­chi­gen Ori­gi­nal­text legal aus so Quel­len her­un­ter­la­den und es wenig­stens mal über­flie­gen, bevor sie es in irgend­wel­chen selt­sa­men poli­ti­schen Krei­sen als Argu­ment benut­zen. Das ist sehr nett, denn das Her­un­ter­la­den aus so Quel­len ist eines mei­ner Spe­zi­al­ge­bie­te.

Hier, bit­te­schön.

PersönlichesIn den Nachrichten
Licht aus, Licht an: 2021 (auch bloß ein Jahr).

Die­ser Arti­kel ist Teil 10 von 15 der Serie Neu­jahr

It’s just a date, äff­te einer mei­ner Lieb­lings­me­lan­cho­li­ker in sei­nem Jah­res­rück­blick (sich und) ande­re nach, und ich wie­der­um äffe jetzt ihn nach, indem ich selbst nicht nur auf das Jahr zurück­blicke, son­dern auch viel zu spät den Satz­ab­schluss schaf­fe (2020 war ja auch eher ein Meta­jahr), aber weil uns sonst außer der Melan­cho­lie (bzw. sowie­so: dem Mensch­sein) vor allem ver­bin­det, dass ich 2020 unter ande­rem – büro­kra­tisch gespro­chen: just in die­ser Minu­te übri­gens; Kon­fet­ti! – eine Par­tei ver­las­sen habe, ohne aller­dings direkt in die näch­ste Selbst­gei­ße­lung mit­tels sofor­ti­gen Über­tritts in „da isses auch nicht bes­ser“ ver­fal­len zu sein, kom­me ich über etwas Stil­ad­ap­ti­on kaum hin­aus. Nach dem Affen­brand zu letz­tem Neu­jahr ist das sowie­so dün­nes Eis. Wenn ich die Nach­rich­ten rich­tig ver­ste­he, ging aber auch 2020 nicht gut für ein paar Affen aus. (Da: Meta! Schon wie­der!)

Sicher: 2020 war auch bloß ein Jahr wie jedes ande­re – wie Jah­re eben so sind, in denen man alte Mumi­en aus­bud­delt: Hit­ler hat eine Wahl gewon­nen, statt des Fried­hofs der Kuschel­tie­re gab es den Fried­hof der Krebs­mutan­ten, Fahr­rä­der brau­chen jetzt einen Ser­ver, auf einem neu erforsch­ten Pla­ne­ten reg­net es Lava – und Gru­schelVZ ist auch wie­der da. Was­ser ist jetzt Bör­sen­gut, aber die SPD hat 2020 kei­ne Groß­spen­den bekom­men. Es war nicht alles schlecht. Man muss kann das Gesche­he­ne ja auch posi­tiv sehen: Die Bon­pflicht erscheint plötz­lich wie das lächer­lich klei­ne Pro­blem, das sie ist.

Ab heu­te darf man nur noch ein hal­bes Jahr lang ohne Visum im Ver­ei­nig­ten König­reich gastie­ren. Das reicht erfah­rungs­ge­mäß fast für eine hal­be Lon­don­be­sich­ti­gung. Ab dem 2. August muss man dann sei­ne Fin­ger­ab­drücke mit­brin­gen, man könn­te ja ein Ter­ro­rist sein, befin­det die Bun­des­re­gie­rung und beschwört damit eine selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­ung her­auf.

Das war’s, 2020!

It’s just a date. Es war ein Jahr der Shits­torms, den­noch: 2020 wur­de nicht nur Gutes ver­tieft, son­dern auch der Hori­zont ver­setzt. Per­sön­lich hat­te ich schon weit schlim­me­re Jah­re, viel­leicht ist 2020 sogar unter den bis­her schön­sten (gutes TODO jedes Jahr: Lau­ne nicht vom Wet­ter abhän­gig machen). Das End­jah­res­plus­eins nicht nur ins näch­ste Jahr mit­neh­men, son­dern es im über­näch­sten immer noch im Inven­tar haben (das ist ja auch ein schie­fes Bild, Super Mario gibt sei­nen Plus­ein­sen ja meist eine Kopf­nuss, aber als Klemp­ner tau­ge ich auch nicht viel): War­um gibt es für so was eigent­lich nie eine Medail­le im Inter­net?

Wir intro­ver­tier­ten Nerds haben jeden­falls weder vom Shut- oder vom Lock- noch vom Iget­knocked­down (butI­ge­tu­pa­gain) wesent­li­che Ein­bu­ßen an Lebens­qua­li­tät erfah­ren müs­sen. Kommt auf die dunk­le Sei­te, wir löschen Coo­kies!

Eigent­lich woll­te ich 2020 noch eine musi­ka­li­sche Jah­res­rück­schau ver­an­stal­ten, aber die wird noch ein paar Tage war­ten müs­sen.

Eigent­lich woll­te ich 2020 noch die­ses mir längst unan­ge­neh­me Blog­sy­stem hier durch etwas ande­res erset­zen, aber da müss­te ich noch etwas Zeit inve­stie­ren und das Jahr ist schon rum.

Eigent­lich will ich gera­de gar nicht hier sein.

Sasha – PARTY PARTY PARTY (Par­ty­er­satz­song) [Offi­zi­el­les Musik­vi­deo]

Geböl­lert wird nicht­doch­viel­leicht, außer in Mün­ster. Dort machen Men­schen schnell das Licht aus und an. Wenn die Lei­tun­gen dort ansatz­wei­se so gut funk­tio­nie­ren wie anders­wo, dann wird es doch noch ein klei­nes Feu­er­werk geben, sogar mit Tatüta­ta. Ich hin­ge­gen, weit weg von Mün­ster, sit­ze drin und trin­ke Rot­wein. Ich habe die­se Run­de gewon­nen. Die näch­ste geht auf mich.

Das wird ein Spaß.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Kne­e­bo­dy – Chap­ters

Kneebody - ChaptersLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Was der Musik­welt in den letz­ten Jahr­zehn­ten ja etwas gefehlt hat, war der Can­ter­bu­ry Style, jener wider­spen­sti­ge Able­ger des Jazz­rocks, der meist ober­fläch­lich leicht­fü­ßig, aber gleich­zei­tig ver­trackt daher­kam. Die Sieb­zi­ger sind vor­bei, so viel habe selbst ich ver­stan­den, aber manch­mal gibt es im Jazz noch die­se posi­ti­ven Momen­te, die mir gute Lau­ne und ein paar Zei­len Text abrin­gen.

„Chap­ters“, ein beacht­li­ches Album des Brook­ly­ner Quar­tetts Kne­e­bo­dy (2019, Amazon.de), ist ein Werk, das voll ist mit sol­chen Momen­ten; seien’s die gesun­ge­nen Skeleton$-Erinnerungen („What’s My Name“, gesun­gen von Micha­el Mayo), sei’s der gelun­ge­ne Instru­men­tal­jazz. Selbst gefühl­vol­le Lie­der („Wounds Let in the Light“) kom­men ohne Schmalz aus dem Kopf­hö­rer. Das kann man nicht von allen zeit­ge­nös­si­schen Grup­pen behaup­ten.

Wounds Let in the Light

Schö­nes Album eigent­lich.

In den Nachrichten
Prost Neu­lärm

In der Geschich­te des Spreng­stoffs hat das Feu­er­werk zu allen Zei­ten eine beson­de­re Bedeu­tung gehabt, mal reli­gi­ös, mal reprä­sen­ta­tiv. Man wol­le böse Gei­ster mit Lärm und Licht ver­trei­ben, behaup­te­te man, aber nach­weis­lich hat das eher mäßig gut geklappt.

Die Deut­schen, ein­mal im Jahr plötz­lich gar nicht mehr so west­lich, son­dern öst­lich ori­en­tiert, emp­fan­den der­lei Folk­lo­re schon immer habens­wert, denn die eige­ne Kul­tur gibt nur wenig Histo­ri­sches her, mit dem man den Mit­men­schen mal so rich­tig auf die Nüs­se gehen könn­te. Weil die­ses Jahr aber alles anders ist, fällt das gewohn­te Abbren­nen hell leuch­ten­der und pfei­fen­der und/oder knat­tern­der Rake­ten aus­nahms­wei­se aus.

Die Stadt Mün­ster, als welt­li­che Insti­tu­ti­on erwar­tungs­ge­mäß reli­gi­ös ori­en­tiert, hat sich einen wit­zi­gen Ersatz aus­ge­dacht:

Um Mit­ter­nacht sol­len an Sil­ve­ster die Glocken der Kir­chen läu­ten. 20 Minu­ten lang wird auf die­se Wei­se statt Feu­er­werk der Jah­res­wech­sel gefei­ert. Dadurch soll den Bür­gern „ein Zei­chen der Kraft, Zuver­sicht und des Zusam­men­halts“ gesen­det wer­den, wie die Ver­ant­wort­li­chen berich­ten.

Die Kon­no­ta­ti­on, dass Bür­ger ohne minu­ten­lan­gen Krach kei­ne Kraft, kei­ne Zuver­sicht und kei­nen Zusam­men­halt erfah­ren dür­fen, ist hier­bei auch bemer­kens­wert. Hat sich nach dem Zwei­ten Welt­krieg, in dem lau­te Geräu­sche nun nicht gera­de für Kraft und Zuver­sicht (wenn auch viel­leicht für Zusam­men­halt) stan­den, schon jemals irgend­je­mand selbst als stär­ker, hoff­nungs­vol­ler und/oder zusam­men­hal­ti­ger emp­fun­den, wenn er aus Glocken­grün­den sein eige­nes Wort kaum mehr ver­stand?

Dass Glocken­läu­ten ein unzu­rei­chen­der Ersatz für Feu­er­werk ist, ver­steht sich aller­dings von selbst, denn bun­tes Licht und Pfei­fen und/oder Knat­tern blei­ben hier aus. Kon­se­quent wäre es, die Kir­chen statt­des­sen in Brand zu stecken. Die Chan­ce aber wur­de ver­tan.

Wie bedau­er­lich.