Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusik
Ton Steine Scherben – Verboten

Die schlechte Nachricht:

Laut Landeskriminalamt haben die Fälle der Internet-Kriminalität in Niedersachsen von 2007 bis 2011 um 300 Prozent zugenommen.

Die gute Nachricht: Das Internet kann nichts dafür.

Die Celler sind seit einem Jahr niedersachsenweit Ansprechpartner für Fahnder, die gegen Betrüger im Internet, Hacker- und Pädophilen-Netzwerke vorgehen.

Pädophilie ist nun also Internetkriminalität. Aha. Was tun wir dagegen? Klar: Mehr Vorratsdatenspeicherung! Das Internet ist eben an allem schuld. Sollte man am besten ganz verbieten.

Ton Steine Scherben – Verboten (Live 1983)

Es ist verboten,
was wir da machen, ist verboten, (…)
aber’s is‘ wunderbar.

Guten Morgen.

Musik
Quäääk!

Zu den Musikrichtungen, mit denen ich nicht viel anfangen kann, gehört der Gesang von Tenören. Die grauenvollen, aber bei betagten Frauen aus irgendwelchen Gründen recht beliebten Sänger der so genannten Musikgruppe Adoro etwa rufen in mir mit ihrem Geknödel eher unangenehme Schmerzreaktionen als Genuss hervor.

Insofern bin ich davon überzeugt, dass der für die Gestaltung der CD-Reihe namens „Zeit für…“ einen ausgezeichneten Musikgeschmack und einen exquisiten Humor beweisen wollte, als er sich an das Erstellen des Titelbildes der (ausgerechnet) Doppel-CD „Zeit für Tenöre“ machte:

Dieses eine Mal ist immerhin drin, was draufsteht.

Montagsmusik
Babyshambles – Carry on up the morning

Plötzlich: Seufzen.
Und dann aber: Montag und Pete Doherty.

Carry On Up The Morning- Babyshambles

I know where to find, where to find you my love,
at the same old place by the river; the only way in is
through the window.

Ich hol‘ dann mal die Leiter.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Guilty Ghosts – Trespasser EP

Mich erreichte heute überraschend eine E-Mail von „Guilty Ghosts“.

Guilty Ghosts kennwa, ich hatte den Herrn O’Donnell bereits 2011 erwähnt:

Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. Gitarrenmusik. Elektronische Musik.

Dem Album „Veils“ nun folgte der/die/das EP „Trespasser“ („Unbefugter“) von 19 Minuten Länge, aufgeteilt auf sieben Stücke. Das Coverbild des Albums (hier oben rechts zu sehen) stammt aus Martin Scorseses Film „Die letzte Versuchung Christi“, woraus meinereiner interpretierfreudig irgendwas mit Störung durch Religion ableitet und also besser schweigt, bevor sich ein wütender Pöbel versammelt, um mich zu schänden oder so.

Zu hören ist bekannter Stil, ambienter Postrock mit Gänsehauteffekt. Musik wie Meeresrauschen unter blauem Himmel. Gesang gibt es diesmal nicht, aber das macht eigentlich auch nichts. Der Herbst kann kommen.

Wer etwas gegen Katzen in Säcken hat, der kann „Trespasser“ auf Bandcamp.com vollständig hören und herunterladen, letzteres auch per eMule. Die CD (auf 100 Stück begrenzte Auflage) möge man anschließend kaufen und mir sehr dankbar sein. Gern geschehen.

Montagsmusik
King Crimson – Starless

Ach, nein. Nicht schon wieder Montag.

Andererseits: Zeit für die wöchentliche Dosis guter Musik. Hier kommt’se.

Old friend charity
Cruel twisted smile
And the smile signals emptiness for me
Starless and bible black

Guten Oktober!

Montagsmusik
Pixies – Tame

1989 so:

Pixies – Tame (From "Club Date – Live At The Paradise In Boston" DVD)

Montag. Es ist zum Schreien.

Montagsmusik
Camel – Lady Fantasy

Und dann montags nach einem Wochenende des Älterwerdens, weil’s beim Menschen eben immer schubweise und nicht per Tag gerechnet oder jedenfalls genannt wird, wird man des Umstandes gewahr, dass man ab einem gewissen Alter ja doch auch die Schönheit von Melodien würdigen sollte, so lange der Hörnerv noch mitspielt, man wird ja auch nicht jünger, nech?; und dann also: Camel.

Guten Morgen.

Musikkritik
Bob Dylan, der Sturm im Wasserglas

Zu Bob Dylan hatte ich bekanntlich 2010 meine Affinität bekundet.

Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich über die Jahre gewandelt hat, was noch nichts Schlechtes sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jahre waren es die Abkehr vom Folkrock und die Hinwendung zu christlichen Balladen und Countryscheiße, die die späteren Werke für mich uninteressant machten.

Seit 1988 befindet sich Bob Dylan auf der „niemals endenden Tournee“ und hat seinen Stil seitdem nur wenig geändert. Auffallend allerdings: Seine Stimme hat sich gewandelt, klingt jetzt, je höher er zu singen oder in seinem immer noch typischen Duktus zu erzählen versucht, rau und kratzig wie die von Joe Cocker oder einem dreißig Jahre älteren Rod Stewart, den ich übrigens gesanglich ziemlich bemerkenswert finde. Währenddessen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikalben aufzunehmen, neuerdings – fünfzig Jahre nach dem Debütalbum – also „Tempest“, zu Deutsch „Sturm“ oder „Wirbelwind“. Wer sich von diesem Titel ein energiegeladenes Feuerwerk der Rockmusik verspricht, ist doof.

Erlaubt mir, den Mythos „eines seiner besten Alben“ (Neil McCormick) zu entzaubern.

Zunächst das Offensichtliche: „Tempest“ ist kein zweites „Blonde on Blonde“. Es ist nicht mal ein zweites „Blood on the Tracks“. Im Wesentlichen ist es ein langweiliges Bluesrock-/Country-Album eines alten Mannes, der sein Geld damit verdient, sich zu wiederholen. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrieben wurde. Musikalisch dominieren aber Blues (klassisch in „Early Roman Kings“, das jeder Gitarrenschüler nach einer Woche nachspielen könnte) und der scheußliche Country, der die „niemals endende Tournee“ ja seit vielen Jahren dominiert, was vielleicht auch den bescheuerten Hut erklärt, den Bob Dylan seit einer Weile zu tragen pflegt.

Dass ausgerechnet das vierzehnminütige Titelstück trotz seiner Länge ein besonders belangloses Musikstück ist, in dem Bob Dylan zu einer Schlagermelodie (Schlager!) eine fiktive Version des Untergangs der Titanic, verwoben mit Figuren und Ereignissen aus der ebenfalls belanglosen Kinoschnulze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein bisschen schade, denn daneben wirken die wirklich guten Momente auf „Tempest“ kürzer als sie es eigentlich sind. Zu nennen wären da etwa das beinahe fetzige Bluesrockstück „Narrow Way“, das energiegeladene „Pay in Blood“, das erstaunlich kopfnickbar ist, und das rhythmische „Tin Angel“, das seinen Balladen aus den Sechzigern nahe kommt.

Wer nun gehofft hatte, dass wenigstens die Texte, seit jeher ein prägender Bestandteil seiner Musik, von Verfall verschont worden sind, der sollte „Duquesne Whistle“ besser überspringen:

I can hear a sweet voice steadily calling
Must be the mother of our lord

So ganz ohne Religiösität (und in anderen Liedern viel Liebesschmalz) geht’s eben nicht, seit Bob Dylan erweckt wurde, was besser niemals hätte passieren sollen. Eigentlich, so hat er zu Protokoll gegeben (in einem Interview für den amerikanischen „Rolling Stone“), wollte er ein religiöses Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an ausreichendem Material gefehlt, und so sei nun dieses herausgekommen. Vermutlich haben wir da noch mal Glück gehabt.

Man verstehe mich nicht falsch: „Tempest“ ist gut dafür, was es zu sein versucht. Bob Dylan muss niemandem mehr etwas beweisen.
Andererseits erschließt sich mir der eigentliche Wert eines Albums wie „Tempest“ nicht. Die Zielgruppe: Christliche US-amerikanische Konservative? Menschen, die es schätzen, zu hören, wie Bob Dylan auf jedem neuen Musikalbum seinen hart erarbeiteten Ruf als großartiger Lyriker noch weiter zerstört?

Mir gefällt „Tempest“ als Dokument – nicht mehr, nicht weniger. Meine gelegentlich geäußerte Behauptung, alle Studioalben ab „New Morning“ müsse man weder zumindest einmal gehört haben noch besitzen, bewahrheitet sich indes erneut.

Eines seiner besten Alben ist „Tempest“ jedenfalls nicht. Dafür hängt die Messlatte zu hoch.

Aber das macht nichts.

In den NachrichtenMontagsmusik
Wise Guys – Deutsche Bahn

Und dann sitzt man nach einem Wochenende voller interessanter Begebenheiten im Zug nach Hause und die Bahn sagt, nö, guter Mann, lieber lassen wir unsere Lok brennen als Sie pünktlich nach Hause zu bringen.

Natürlich ist Bettina Wulff schuld, denn das Geld, das sie dafür bekommt, kein Flittchen zu sein, fehlt nun eben der Bahn, um ihre Züge instand zu halten.

Wise Guys – Deutsche Bahn

Guten Morgen!

Montagsmusik
666 – Alarma

Gestern Abend schwadronierten in einer Gesprächsrunde mit Günther „Bügelfalte“ Jauch angeblich diverse Blitzbirnen jenseits des Altersschnitts von 50 Jahren darüber, ob das Internet dumm mache. Zu welchem Schluss sie gekommen sind, ist mir nicht bekannt, allerdings ist mein Interesse an diesem Wissen auch überschaubar gering. (Seht ihr: Das Internet macht „dumm“ – Internetnutzer haben kein Interesse mehr an öffentlich-rechtlicher „Bildung“.)

Um keinen GEZ-Zahler zu enttäuschen, gibt es als Auftakt zum Montag von mir heute mal ein blödes Stück „Musik“, von dem man schön dumm wird, wenn man es oft genug hört.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Ghost – In Stormy Nights

Soeben lausche ich dem 2007 veröffentlichten Musikalbum „In Stormy Nights“ des japanischen Sextetts Ghost, genauer: dem 5. enthaltenen Stück „Caledonia“, das mit seiner Dudelsackbegleitung trotz der seltsamen Gitarrenklänge irischer Tanzmusik nicht unähnlich klingt, und beschließe, es hier zu würdigen. Zum Glück singt Frontmann Masaki Batoh auf Englisch – mein Japanisch ist nicht das Beste.

Der Titel des Albums taucht lediglich in der abschließenden Folkballade „Grisaille“, benannt wohl nach dem Gemäldestil, der nur aus schwarzen, weißen und grauen Farben besteht, und auch nach einer vertonten Umsetzung dieses Stils klingend. Es regiert die Tristesse.

Das ist nach dem bis dahin recht stürmischen Rest des Albums ziemlich ungewöhnlich, denn der hat es in sich.

In der englischsprachigen Wikipedia werden Ghost zurzeit in die Schubladen Acid Folk, Experimental Rock und Psychedelic Rock geschoben. Ich würde noch eine Prise Postrock/Shoegaze dazugeben wollen. Fast die Hälfte der Spielzeit nimmt das imposante, 28-Komma-nochwas-minütige Instrumentalstück „Hemicyclic Anthelion“ ein. Selbiges wird über fast die ganze Länge von einem monotonen, metallischen Grundrauschen wie von einer Maschine untermalt, das erst nach 22 Minuten verstummt. Darüber flirren allerlei Synthesizer- und ähnliche Klänge, wie sie in der elektronischen Musik der frühen 1970er Jahre üblich waren.

Das folgende „Water Door Yellow Gate“ schlägt die Brücke zum Folk: Während der Rhythmus, der jenen gefallen dürfte, die auch an Colosseum (II) ihre Freude haben, vorangetrieben wird, ertönen allerlei Tasteninstrumente, (vermutlich) Kazuo Ogino erzeugt Chorgeräusche, und fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarren begleiten das bunte Treiben; überdies ruft Masaki Batoh mit akzentuiertem Gesang zu den Waffen und erzählt von verbrannter Erde in einem Niemandsland. Wäre ich Musikjournalist und würde mein erbärmliches Geld damit verdienen, solchen Momenten Etiketten anzuheften, ich entschiede mich vermutlich für Psychedelic Folk. Da haben wir es wieder. „Water Door Yellow Gate“ wird gefolgt von „Gareki No Toshi“, das nach einem ähnlichen Muster funktioniert, die (wenigen) Spracheinwürfe – verzerrt und eher gerufen als gesungen – klingen eher nach Scooter (Scooter?!) als nach Tangerine Dream. Skurril.

„In Stormy Nights“ ist sicherlich nichts, was dem Gelegenheitshörer umgehend Freude zu bereiten vermag, wenn er mit genannten Genres (oder Musikgruppen) nicht viel anzufangen weiß. Dass Ghost hierzulande aber nicht unbedingt zu den bekanntesten Musikgruppen der schrägen Folkmusik gehören, finde ich ein wenig schade. Möge dieser Beitrag seinen Teil dazu beitragen, dass sich dieser Zustand alsbald ändere!

MusikNerdkrams
muspy: Musikneuheiten per RSS und Mail

Vor ungefähr einem Jahr gab der britische Musikjournalist Simon Reynolds zu Protokoll, Musik sei die entscheidende Kunstform, weil an ihr die Zeit quasi ablesbar sei. Dabei sieht das mit der Zeit, glaubt man den Medien, nicht unbedingt rosig aus: In einer Zeit schneller Internetverbindungen kauft doch keiner mehr Musik, einself.

Dabei lassen sich die Medien von der Realität nicht blenden: Musikfreunde, die Musik nicht nur beim Bügeln und Autofahren hören, geben sich mit Dreißig-Sekunden-Schnipseln auf Amazon.de eben nur ungern zufrieden und hören lieber etwas ausführlicher, wie die Katze im Sack miaut: [Die Studie zeigt], dass mehr illegale Downloads zu mehr verkauften Alben führen.

Wie aber bemerkt man, dass die Lieblingskünstler ein neues Album veröffentlicht haben, ohne jedes Musikmagazin zu kaufen und jedes Musikblog zu lesen? Nun, das vermeintlich tote RSS könnte die Lösung sein.

Seit mehreren Jahren protokollieren viele Musikfreunde, unter anderem ich, ihre Hörgewohnheiten per Last.fm. Dessen Datenbank, befüllt unter anderem von den Benutzern des Dienstes, kennt so obskure Künstler, dass es doch wünschenswert wäre, gäbe es eine Möglichkeit, bei Neuzugängen automatisch informiert zu werden. Dies haben sich auch andere Leute gedacht, und so hat es sich ergeben, dass in den letzten paar Jahren viele Webdienste entstanden, die auf genau diese Funktion spezialisiert sind.

Der einfachste dieser Dienste ist wahrscheinlich music-alerts. Auf der Website ist eine kommagetrennte Liste der zu verfolgenden Künstler einzugeben und ein Spamschutz zu überwinden, anschließend wird ein RSS-Feed generiert, der den Abonnenten per Amazon.com-Abfrage auf dem Laufenden hält.

Etwas weiter geht der registrierungspflichtige (aber anscheinend kostenlose) Album Reminder: Die Künstler müssen nicht mehr per Hand eingegeben werden, sondern können direkt aus iTunes und dem eigenen Last.fm-Profil heraus importiert werden. Es ist auch möglich, per E-Mail statt per RSS-Feed über neue Musikalben (erneut via Amazon-Abfrage) informiert zu werden.

Ich selbst verwende momentan muspy, das (was ich für gesondert erwähnenswert halte) auf einem FreeBSD-Server läuft, auf die MusicBrainz-Datenbank zurückgreift und außer meinem Last.fm-Konto angeblich auch ein eventuell vorhandenes Facebook-Profil für den Import nutzen kann – letzteres ist dann von Bedeutung, wenn man blöd genug war, einen ebenfalls eventuell vorhandenen Spotify-Zugang mit Facebook zu verknüpfen, womit immerhin ein indirekter Import von Spotify in muspy möglich wäre.

Ich mache mal ein Beispiel.

Nach der Registrierung – gefragt sind lobenswerterweise nur E-Mail-Adresse und Passwort – und anschließender Anmeldung ist die Seite „Artists“ zugänglich. Hier können Künstler manuell eingegeben werden, ansonsten kann muspy auch auf Last.fm zugreifen. Auf der Importseite genügt es hierfür, den eigenen Last.fm-Benutzernamen sowie die gewünschte Suchtiefe (etwa: die Top-100-Künstler der letzten 12 Monate) einzugeben.

Einen Klick auf „Import“ und eine Bestätigung später befüllt muspy die eigene Künstlerliste dann nach und nach. Das Editieren ist natürlich möglich; wenn in die erzeugte Liste aus irgendeinem Grund also irgendein Scheiß (zum Beispiel Placebo) gelangt sein sollte, ist er zwei Klicks später wieder draußen. Die Künstler werden alphabetisch sortiert aufgelistet:

Standardmäßig informiert muspy per E-Mail über Neuerscheinungen der „abonnierten“ Interpreten. Dies lässt sich in den Einstellungen unterbinden, wo auch festgelegt werden kann, dass zum Beispiel nur Studioalben (keine Liveaufnahmen, Kompilationen und dergleichen) von Belang sind. In den Einstellungen und oben in der Navigationsleiste befindet sich ein RSS-Symbol, über das der RSS-Feed zur Verfügung steht:

Dieser RSS-Feed lässt sich dann mit jedem RSS-Leser (etwa RSSOwl, FeedDemon oder den Firefox-„Livemarks“) verfolgen:

Ich nehme an, die anderen genannten Dienste funktionieren ähnlich.

Zugegeben: Für den Gelegenheits-Musikhörer ist ein solches Angebot allenfalls ein störendes Hintergrundrauschen. Für diejenigen aber, die Musik so sehr schätzen, dass sie oft den Wald vor lauter Bäumen aus den Augen verlieren, ist es ein willkommenes und nützliches Werkzeug, das ich denen, die sich jetzt angesprochen fühlen, mit diesem Artikel wärmstens empfehle. Möge es funktionieren.

MontagsmusikPiratenpartei
LazyTown – You Are A Pirate

Die inhaltliche Arbeit auf im Vorfeld dieses Artikels erwähntem Landesparteitag des niedersächsischen Landesverbandes der Piratenpartei Deutschland, der letztlich erfolgreich verlief, lässt den Quark und Gegenquark der nach außen getragenen innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten dann momentan auch mal vergessen, was ja auch mal ein interessantes Gefühl ist.

Ungefähr so:

LazyTown song – Youre A Pirate

(Erleichterung und leckere Himbeeren.)

Guten Morgen.

Musik
Ein reines Gewissen für wenig Geld

Für die (Achtung, Bonuswitz) Wirtschaftswoche stellte Sebastian Matthes am dieswöchigen Montag fest, dass die Reste seiner geliebten CD-Sammlung, die er jahrelang liebevoll aufgebaut und die man ihm in Studententagen schließlich teilweise entwendet hatte, mit dem Deutschlandstart von Spotify, dem Streamingdienst, den ich bereits vor einem Jahr weitgehend ignorierte, für ihn völlig an Bedeutung verloren haben. Jahrelang investiertes Herzblut hin oder her, es ist eben so praktisch, für nur fünf bis zehn Euro im Monat kaputtkomprimierte Versionen der Musik hören zu können, die man sonst gekauft hätte. Herr Matthes muss einen ziemlich langweiligen Musikgeschmack haben, immerhin sind bekannte Musikgruppen wie die Beatles und King Crimson aus vertraglichen Gründen nicht bei Spotify vertreten.

Aber Spotify ist nun mal das neue kommende Ding, für das man auch mal seine Ansprüche an die Tonqualität herunterschraubt: Unter dem Strich steht (für 2011, A.d.V.) ein Verlust von 375 Millionen Kronen (zum damaligen Eurokurs etwa 40 Millionen Euro), 2010 belief sich das Minus auf 235 Millionen Kronen. Das bedeutet, in absehbarer Zeit dürften die Einschränkungen der kostenfreien Version von Spotify erweitert werden, um den Verlust aufzufangen – großartige Aussichten für die Nutzer alternativer Dienste wie etwa Grooveshark.

Dass Grooveshark, anders als Spotify, zurzeit keine Lizenzgebühren an Künstler zahlt, nennt netzwertig.com-Autor Martin Weigert als einen Grund, Spotify trotzdem zu bevorzugen, und sei’s nur für das Gewissen:

CDs im Regel zu haben, wenn man schon Jahre lang nix mehr kauft, halte ich für ein maximal das eigene Gewissen beruhigendes Argument.

Dass ich auf Streamingdienste als Ersatz für eine anständige Musiksammlung teilweise verzichte und stattdessen auch weiterhin Tonträger kaufe, wusste Herr Weigert hier noch nicht. Der Gedanke ist aber interessant: Um Künstler zu unterstützen, muss man nicht ihre Konzerte besuchen oder ihre Tonträger erwerben, sondern kann auch einfach für fünf Euro im Monat (oder komplett gratis, Spotify zahlt’s ja eh‘) unbegrenzt ihrem output lauschen. Ein Spotify-Abonnement – ähnlich Simfy – als Ablassbrief?

Pro Lied bekommen die Rechteinhaber 0,41 Cent (also 0,0041 Euro) von Spotify, die sie sich dann irgendwie mit den Interpreten, also den eigentlich Kreativen, teilen dürfen. Nach dem neuen Mercedes bleibt eben nicht mehr viel übrig. Wäre ich Spotify-Kunde, mein Gewissen wäre alles andere als rein, würde ich deshalb auf den Kauf von richtigen Musikalben verzichten.

Spotify ist allenfalls ein valider Ersatz für Radio, das ja in einer noch immer sehr verbreiteten Form (per Rundfunk, nicht per Internet) nicht unbedingt durch Vielfalt besticht:

Radio. Spielt einfach den ganzen Tag genau das, was sich zur Zeit eh die meisten Leute kaufen, um es sich zu Hause anzuhören. So logisch.

Je öfter ein Lied im Supermarktradio (oder in einem anderen Radio, das ich gerade versehentlich höre) gespielt wird, desto weniger habe ich persönlich Lust darauf, Geld auszugeben, um es – das Lied – in physischer Form zu besitzen. Viel interessanter und vermutlich auch für die Verkaufszahlen förderlicher wäre es doch, würden Radiosender mehr „B-Seiten“ von den eigentlichen singles der bekannten Künstler spielen oder gelegentlich auch mal Lieder von Musikern propagieren, die gerade nicht in irgendwelchen Hitparaden (inklusive Oldie-Hitparaden) die Plätze 1 bis 100 belegen.

Der englische Moderator John Peel hat gezeigt, dass es funktioniert. Ich wüsste wirklich gern, was unsere öffentlich-rechtlichen Sender (beziehungsweise ihre Verantwortlichen) daran hindert, ähnliche Größe zu beweisen. Eine Einschaltquote ist staatlich finanzierten Sendern ja zumindest in der Theorie gänzlich unwichtig.

Aber wer Vielfalt will, der kann ja auch einfach ins Internet gucken. Schönen Dank auch.

Montagsmusik
Zola Jesus – Vessel

Und dann eben doch wieder Montag und diese spontane Lust, in eine Zitrone zu beißen und dabei Zola Jesus zu hören.

Zola Jesus – Vessel (official video)

Guten Morgen.