Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 10 von 18 der Serie Jahresrückblick

Leck mich fett, is‘ schon wieder Ende Juni? Dann wird’s Zeit für die allsemestrige Liste der schmackhaftesten Studioalben der ersten sechs Monate, die mir bis dato untergekommen sind. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie einigermaßen regelmäßig zu sichern, und kann diese Vorgehensweise ebenso empfehlen wie folgende Musikalben. Weiterlesen ‘Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse’ »

KaufbefehleMusikkritik
The Ex: Jazzexperimente aus den Niederlanden

Ein ausnahmsweise nur kurzer musikalischer Einwand für meine Musik hörenden Leser:

Der Zufall ließ mich in dieser Woche auf die niederländische Formation The Ex stoßen. Das Quartett wurde 1979 gegründet, ist auf namhaften Jazzfestivals wie dem Roskilde Festival und, wieso auch immer, auf dem italienischen Anti Fascist Festival 1981 in Bologna aufgetreten und hat bis dato 25 Musikalben veröffentlicht.

Von den ursprünglich drei Gründungsmitgliedern ist nur noch Gitarrist Terrie Hessels an Bord. Trotz fortschreitenden Alters aber spielen sie noch immer einen druckvollen Jazzrock mit Free-Jazz-, Punk- und anderen Versatzstücken. Eine absolute musikalische Einordnung ist schwierig, die Musikpresse behilft sich meist mit eigens erdachten Genres von „Afro-Punk“ bis hin zu „improvisiertem Jazz“.

Dass Jazz und Punk zusammenpassen, mag erstaunlich scheinen, aber The Ex beherrschen die Kombination. Ihr Spiel mit den Genres ist bereits so legendär geworden, dass der britische „Guardian“ im Januar 2010 schrieb, es sei höchst unwahrscheinlich, dass es irgendeinen Musikstil der letzten 50 Jahre gäbe, den The Ex noch nicht ausprobiert und in ihre Musik eingebunden – oder direkt wieder verworfen – haben.

Auf der Internetseite der Band sind einige Stücke in der Original- oder einer überarbeiteten Version im MP3-Format frei herunterzuladen, auch zwei bislang unveröffentlichte Lieder aus dem Jahr 2009 sind dabei. „Double Order“, eines der letztgenannten beiden Stücke, hat mich besonders beeindruckt; sozusagen unüberhörbar sind hier die Ähnlichkeiten mit den frühen Can ebenso wie die Wurzeln der Band im Jazz.

Ja, The Ex machen herausragende, vielseitige, prima Musik, und man sollte jedes ihrer 25 Alben kaufen und rühmen. Diese Musiker sind zu gut, um nicht beachtet zu werden.

Montagsmusik
Maybebop – Mein kleiner grüner Kaktus

(@L2K) was zum…

Ist ja auch mal ganz schön.

Maybebop in Steinau: Der kleine grüne Kaktus

Holleri.

Guten Morgen.

Montagsmusik
Led Zeppelin – Achilles Last Stand

Da wollte mir doch neulich einer erzählen, Tom Morello (u.a. Rage Against The Machine) und „Slash“ (Guns’n’Roses) seien Meister an der Gitarre. Nun mag ich Rage Against The Machine, aber was ich noch besser finde, ist diese Liveversion von Led Zeppelins „Achilles Last Stand“, die das mit dem Meister noch mal ganz anders definiert. Das finde ich ganz persönlich.

Led Zeppelin – Achilles Last Stand (Live Knebworth 1979)

Großartig, dieser Herr Page.

Guten Morgen!

Montagsmusik
Aphex Twin – Come to Daddy

Apropos Schreien.

Guten Morgen.

Musik
Bestest of…

Zu den alltäglichen Erscheinungen, die ich nicht zu begreifen imstande bin, gehört außer der unverminderten Präsenz von Zigarettenrauchern auch die musikalische Darreichungsform der „Best-of“-Zusammenstellungen.

„Best-of“-Zusammenstellungen sind eine lose Sammlung von irgendwie aneinandergereihten Titeln eines Künstlers, „die man kennt“ oder auch nicht. Und weil so ein Künstler in der Regel ziemlich viel Musik aufnimmt, kommen am Ende auch ziemlich viele „Best-of“-Zusammenstellungen heraus. Allein von der Musikgruppe Yes, die ja nun seit über 40 Jahren mehr oder weniger aktiv ist, existieren längst mehr „Best-of“- als tatsächliche Studioalben. In einem Elektronikmarkt stieß ich heute gar auf eine „Best of Dr. Hook“ namens „Essential“ („essenziell“), was bei einer Musikgruppe, die exakt einen mir auf Anhieb bekannten „Hit“ namens „Sexy Eyes“ hatte, ein ziemlich anspruchsvolles Unternehmen gewesen sein dürfte.

Dabei sind die Überschneidungen anscheinend unvermeidlich, aber eben auch einigermaßen egal. Um bei Yes zu bleiben: Sollte man, wenn man unbedingt das Bedürfnis hat, das grottige „Owner of a Lonely Heart“ im Plattenschrank zu haben, nun „In a Word: Yes (1969- )“, The ultimate Yes“, „The Best of Yes“ oder gar „The Very Best of Yes“ („Highlights“) kaufen? Ein bisschen besser geht eben immer. Ähnliche Fragen tun sich auch bei allen anderen einigermaßen bekannten Yes-Stücken auf, schon „And You And I“ wurde so oft verwurstet, dass ich mich frage, ob die Rechteinhaber überhaupt noch selbst wissen, was wann wo erschienen ist; und wenn ja, warum sie dann nicht endlich mit dem Unfug aufhören.

Überhaupt: Die Titel! Eine unlängst erschienene „Best-of“-CD der Toten Hosen trägt, benannt nach einem ihrer früheren Erfolge, den Titel „All die ganzen Jahre“. Am Ende des Refrains besagten Liedes, in dem es um Verlust der Freundschaft und nicht etwa um die Großartigkeit der Toten Hosen geht, ertönen die Zeilen:

Nichts ist mehr geblieben, alles ausgelöscht.
All die ganzen Jahre…!

Wer auch immer für die Benennung von „All die ganzen Jahre“ (der CD, nicht des Liedes) zuständig war, würde ein „Das Beste der Ärzte“ auch nach ihrem Lied „Vorbei ist vorbei“ benennen.

Nun könnte man diese Zusammenstellungen als eine Art „Querschnitt“ des musikalischen Schaffens eines Musikers – oder einer Musikgruppe – verstehen, der dazu dienen soll, seine – oder ihre – Musik zu entdecken. Aber kann dieser Zweck erfüllt werden?

Eine solche Zusammenstellung entsteht meist, indem man bestehende Musikstücke aus dem zeitlichen, inhaltlichen und womöglich persönlichen Kontext reißt. Natürlich schrieb Bob Dylan in den 1980-er Jahren andere Lieder als in den Anfangsjahren seiner Karriere, als er gegen den Krieg mobilisierte und selbst mobilisiert wurde, dennoch wäre es falsch, ihn auf „der mit den Protestliedern, der später was anderes machte“ zu reduzieren, was jeder, der „Blonde on Blonde“ gehört und verstanden hat, wahrscheinlich sofort erkennt. Ähnlich verhält es sich mit den Beatles: Würde ich unter Androhung körperlicher und/oder seelischer Gewalt („tu es oder wir kaufen dir ein iPhone, das du dann nutzen musst“) dazu gezwungen, eine CD namens „The definitely very ultimate and essential best of The Beatles“ oder so ähnlich zusammenzustellen, ich würde die Laufzeit mit „A Day in the Life“, „Lady Madonna“, „Tomorrow Never Knows“ und dergleichen wohl problemlos zu füllen wissen. Es stellte sich mir lediglich die Frage, inwiefern eine solche willkürliche Ansammlung an halbwegs guten Klangbeispielen dazu beitragen kann, das Interesse an den Beatles seitens eher unbewanderter Zeitgenossen zu wecken oder womöglich zu erhöhen.

Ich bemühe in diesem Zusammenhang gern eine Metapher: Es ist kein sinnvolles Tun, nur zwei oder drei zufällig ausgewählte Kapitel eines abgeschlossenen Romans zu lesen und den Roman dann nicht zu kaufen. Erst recht von fragwürdigem Nutzen ist es, wenn man diese zwei oder drei Kapitel mit anderen Kapiteln aus ganz anderen Romanen (des, immerhin, gleichen Autors) zusammenwürfelt und dann als „Das Beste“ feilbietet. Besagte Kapitel können noch so gut sein, sie bleiben doch nur Stückwerk, anhand dessen man allenfalls erahnen kann, ob der Autor fehlerfreies Deutsch spricht, nicht aber, ob er es schafft, mehr als zwei oder nur drei Kapitel mit lesenswertem Text zu füllen.

Wenn dem potenziellen Käufer einer solchen Kompilation aber Kontext und Hintergrund schnuppe sind, wenn er also nur daran interessiert ist, das bekannte Zeug des bloßen Besitzes wegen zu haben, dann könnte er eine Menge Geld sparen, kaufte er sich stattdessen einfach ein Radio. Ich behaupte: Es gibt keine größere Geldverschwendung als „Best-of“-Alben zu kaufen.

Ein Musikalbum ist übrigens in der Regel bereits selbst ein „Best of“, eine Zusammenstellung der besten Stücke, die während der dazu gehörenden Aufnahmesitzungen entstanden. Lieder, die es (wegen zu schlecht) nicht auf ein Musikalbum schaffen, erscheinen später als B-Seiten, „Outtakes“ (wörtlich übersetzt eben herausgenommene Lieder) oder auf Soloalben der beteiligten Künstler, womöglich auch Jahrzehnte später auf erweiterten Versionen der Originalalben.

Aber manche geben sich eben nur mit dem Allerbestesten zufrieden.


Nachtrag: Man wies mich darauf hin, dass Dr. Hook mehr als nur ein bis heute bekanntes Lied aufnahmen. Ich bitte diese Fehlrecherche meinerseits zu entschuldigen und habe die Formulierung angepasst.

In den NachrichtenMontagsmusik
Lou Reed – Kicks

Applausapplausapplaus:

Anlässlich des 100. Geburtstages des Verlagsgründers vergab die Jury des Axel-Springer-Preises für junge Journalisten einen Ehrenpreis an die aus Somalia stammende islamkritische Publizistin und Politikerin Ayaan Hirsi Ali. Friede Springer, die Witwe Axel Springers, spendierte der Geehrten ein Preisgeld von 25.000 Euro. (…) Die Ehrenpreisträgerin beruft sich direkt auf Breiviks politisches Manifest. Darin schreibe er, dass die Anwälte des Schweigens ihn zum Morden inspiriert haben. „Er (…) sagt, weil alle Möglichkeiten, seine Ansichten öffentlich kundzutun, zensiert worden seien, habe er keine andere Wahl gehabt als zur Gewalt zu greifen,“ trägt Hirsi Ali vor. (…) Das Publikum, darunter notorische Warner vor der islamischen Gefahr wie Henryk M. Broder, erhebt sich und klatscht der Preisträgerin anhaltend Beifall.

Das haben wir jetzt von der Frauenquote: Gemeinhin als geisteskrank geltende Massenmörder werden als Opfer der Gesellschaft plötzlich zum leuchtenden Vorbild, ihre Epigonen werden bejubelt, beklatscht und bepreist; natürlich von’en Springern, die es mit Populismus ja durchaus zu was gebracht haben.

Und dazu ein wenig Musik.

Lou Reed – Kicks – '76

When you cut that dude with just a little mania,
you did it so, … ah!
When the blood comma‘ down his neck –
don’t you know it was better than sex, now, now, now? …

Ich könnte 25.000 Euro übrigens auch gerade gebrauchen.

Guten Morgen.

MontagsmusikMusikkritik
Can – Spoon

Vor etwa 40 Jahren erschien mit Ege Bamyasi das vorerst letzte wirklich gute Album der Kölner Experimental-Krautrock-Band Can.

Enthalten ist neben dem merkwürdigen, damals immerhin fernsehtauglichen Stück „Vitamin C“ auch „Spoon“, das in einer Radioversion (ihrerzeit Platz 6 in der deutschen Hitparade) den Film „Das Messer“ musikalisch untermalte, später in einer Livefassung ein Teil der jüngsten Jubiläumsauflage des Vorgängeralbums Tago Mago wurde und alles vereint, was den Krautrock der 1970er Jahre ausmachte: Repetitive Rhythmen, psychedelische Melodien, merkwürdigen Gesang und fantastische Musiker.

Auch live.

Can – Spoon – full live 15 minutes

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Delusion Squared: Interessantes aus Frankreich

Durch Zufall stieß ich vor einigen Tagen auf das französische Trio Delusion Squared, zu Deutsch etwa „Täuschung zum Quadrat“. In diesem Jahr haben die drei Musiker mit einigen musikalischen Gästen ein eher durchwachsenes Album namens „II“ veröffentlicht, das namenlose – oder selbstbetitelte – Debüt von 2010 ist aber spitze.

Zu hören ist eine Melange aus Neo-Prog und New Artrock ohne Quietschkeyboards und allzu viel Elektronikquatsch, dafür mit reichlich Akustikgitarre, gespielt von Sängerin Lorraine Young und Steven Francis, der nebenbei auch Kayboards und Schlagzeug bedient, ersteres wiederum gemeinsam mit Emmanuel de Saint Meen. Zumindest ersteren Namen sollte man sich merken, denn singen – und sprechen, etwa gegen Ende des Stückes „Remembrance – In my time of dying“ – kann Frau Young ziemlich prima.

Stilistisch ist man flexibel. Während einige Stücke mit ihrem Aufbau (akustische Gitarre, Steigerung, Klimax) an „Trains“ der geschätzten Porcupine Tree erinnern, geht es in „Delusion – The Betrayal“ in Richtung Industrial Rock, zwar von Rammstein und Laibach noch weit entfernt, aber doch schon recht düster. Das abschließende „Legacy – A creation myth“ ist trotz seiner fast acht Minuten Spielzeit eine radiotaugliche Ballade, die für Frau Youngs Stimme allerdings etwas zu hoch gesetzt ist (das einzige Mal während der knappen Stunde nervt der Gesang hier ein wenig), was aber sicher nicht der Grund dafür ist, dass die Radiosender auf dieses Stück wie auch auf den Rest des Albums offenbar keinen großen Wert legen – Justin Bieber kann ja ebenfalls nicht überragend gut singen.

Überhaupt wäre es ein Fehler, einzelne Stücke dem Kontext zu entreißen. „Delusion Squared“ – das Album – hat ein geschlossenes Konzept:

Wir befinden uns in einer finsteren Zukunft, in der das natürliche Ökosystem der Erde nach verheerenden Kriegen weitgehend zerstört wurde. Als Folge musste man die sog. Arkologien bauen, um das Fortbestehen der Menschheit zu sichern. (Arkologie ist ein von der Aussenwelt weitgehend abgeschottetes Ökosystem, das durch architektonische Maßnahmen wie eine riesige Stadt gestaltet wird). In den Arkologien leben durch Gentechnologie perfektionierte, durch virtuelle Unterhaltung und medial erzeugtes Konsumverhalten glücklich gemachte und ruhig gestellte Menschen. Eine junge Frau findet ein solches Leben weniger prickelnd und beginnt dagegen zu rebellieren. Ihr Wunsch auf natürliche Weise Mutter zu werden passt nicht zu den festgelegten Abläufen in der Arkologie, also greift sie auf Hilfe eines genetischen Hackers zurück und wird daraufhin festgenommen, unfruchtbar gemacht und ausgesetzt.

Die junge Dame wird von den draussen unter ständiger Lebensbedrohung existierenden Individuen in einem Zustand gefunden, in dem sie offenbar glaubt gleich sterben zu müssen. Die Frau wird liebevoll aufgenommen und schliesst sich dem Überlebenskampf der Gemeinschaft in der feindlichen Umwelt an. Irgendwann beginnen sich die Arkologie-Bewohner mit riesigen Raumschiffen abzusetzen. Die draussen Lebenden sehen das als Ansporn ihr Schicksal weiterhin zu meistern.

Mit der Zeit eignet sich die namenlose Frau beträchtliches Wissen durch das Studium der Artefakte an und wird durch ihr Einfallsreichtum und soziale Intelligenz zu einer beliebten Autorität. Sie hilft den Überlebenden ihre Gene in der feindlichen Umwelt zu stärken und als sie 97-jährig stirbt wird sie von vielen wie eine Gottheit verehrt. …und sie nannten sie Mother-of-all-people…

Natürlich ist diese Geschichte (noch) nicht unbedingt lebensnah, aber doch ziemlich gute Fiktion und mal was anderes als das ewige „Baby, Baby, I love youuu“ aus dem Radio. Wer auf die Texte achtet, der kann sich an so mancher Zeile erfreuen, die er fortan in die Reihe seiner Lebensmottos aufnehmen sollte. „If you don’t know how to fix it, please stop breaking it.“

Kauf – ob virtuell oder auf tatsächlichem Tonträger – und vorheriges Hineinhören ermöglicht bandcamp.com, und wer noch auf der Suche nach guter mainstreamtauglicher, aber doch anspruchsvoller Musik ist, der sollte davon reichlich Gebrauch machen.

Eines jedenfalls steht fest: Dieses Album ist mit Sicherheit keine Täuschung. Wärmstens empfohlen.

In den NachrichtenMusik
Medienkritik in Kürze: Einer der „größten Stars der Welt“, Ausrufezeichen.

Eh, „SPIEGEL Online“!

Mit eurem unterirdischen „In-Ear-Kopfhörertest“ neulich, wo von dem eyecatcher-Bild oben – einen (etwa den abgebildeten) Shure habt ihr nicht mal getestet – bis zum Inhalt („Bässe […] müssen eher als Tiefmitten bezeichnet werden“, hä?) so ziemlich alles Grütze war, hättet ihr es ja fast geschafft, euch für alles außer Fußball und Politik nachhaltig zu disqualifizieren (letzteres selbst, obwohl ihr keine Prozentrechnung könnt).

Das hier hat mich aber wieder versöhnlich gestimmt:

Sie kann nicht singen, wirkt verbraucht und hat die besten Jahre hinter sich: Endlich erfüllt Britney Spears die Anforderungen an eine Castingshow-Jurorin. (…) Produzent Cowell teilte dem Blatt mit, er sei „hoch erfreut“. Spears sei immer noch einer der „größten Stars der Welt“.

Weiter so!

Montagsmusik
Laura: Postrock aus Australien

Aus – anscheinend – Melbourne stammt außer Daevid Allen, Frontmann der Spacerockband Gong, auch die Musikgruppe Laura, was nach einer dämlichen Soulimitatorin (vgl. „Duffy“, „Adele“ oder „Lena“) aussieht, aber gar nicht so klingt:

Laura "Widow's Son" Live (HD, Official) | Moshcam

Das jüngste Album „Twelve Hundred Times“ erschien bereits 2011 und schafft es somit nicht in die Halbjahresliste 06/2012, ist dennoch sehr empfehlenswert. Atmosphärischer Postrock ohne die genreübliche Beliebigkeit – das weiß wohl zu gefallen.

Guten Morgen.

Montagsmusik
Steely Dan – Reelin‘ In the Years

Pfor pfierzig Vor vierzig Jahren waren Musiker noch gut und nicht süß und Texte noch tief und nicht awww.
Das war vor MTV.

Ich habe es nicht mehr erlebt.

You wouldn’t know a diamond
if you held it in your hand,
the things you think are precious
I can’t understand.

„But after a while / you realize time flies…“
— Porcupine Tree

Ach.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Magnetic Fields – Andrew in Drag

Europäische Staaten tun endlich mal was gegen diese verdammten Ausländer:

Spanien setzt wegen des Treffens der Europäischen Zentralbank (EZB) in Barcelona das Schengen-Abkommen zur Reisefreiheit in Europa vorübergehend aus. Die Maßnahme gilt von Samstag bis zum kommenden Freitag. (…) Bereits in der vergangenen Woche hatten Frankreich und Deutschland erklärt, zumindest zeitweise das Schengen-Abkommen außer Kraft und Grenzkontrollen einführen zu wollen.

Demonstranten kommen also nur mit Reisepass nach Spanien: Kein Reisepass, kein Auspfeifen, so einfach ist das. Wer reisebefugt ist, der kann kein schlechter Mensch sein!

Und weil wir jetzt, statt wie geplant schwer bewaffnet – daher die Grenzkontrollen – zum Demonstrieren nach Spanien fahren zu können, zur Untätigkeit verurteilt sind, haben wir viel Zeit, das Album „Love at the Bottom of the Sea“ von The Magnetic Fields zu hören:

The Magnetic Fields – Andrew in Drag (official music video)

Magnetic Fields – Your Girlfriend's Face – live, Vogue Theatre, Vancouver March 2012

Schräg? Ja, ein wenig. Aber sympathisch schräg.
Und das passt ja dann auch ganz gut zu der Sache mit den Grenzkontrollen.

Montagsmusik
Graham Coxon – City Hall

Zu den eigenartigsten Musikalben dieses Jahres, die ich bisher gehört habe, zählt „A+E“, ein Noiserock-Soloalbum des Blur-Gitarristen Graham Coxon und trotzdem nicht übel.

„Noiserock“ ist beinahe untertrieben:

Zwar steht der rauhe Opener „Advice“ noch in der Tradition ordentlicher Coxon-Granaten, doch schon hier fiepst und rumpelt es ordentlich im Hintergrund.

Dennoch bereitet es einen kaum auf das darauffolgende „City Hall“ vor, ein monoton waberndes, mit stur programmiertem Drumcomputer nach vorne peitschendes Experiment, gegen das jeder Neu!-Song als lupenreine Popnummer durchgeht.

Eigenartig – aber grandios.

Guten Morgen.

MusikNerdkramsNetzfundstücke
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nachdem die GEMA YouTube mal wieder erfolgreich dazu bringen konnte, noch mehr Inhalte als bislang zu filtern („rechtsfreier Raum“?), stehen Musikfreunde, die sich nicht dazu durchringen können, sich einen guten Proxy einzurichten, schon wieder vor der Frage: Wohin jetzt?

Wo man Musikalben streamen kann, ist kein Geheimnis mehr: Grooveshark, simfy, Rdio und – wahrscheinlich noch 2012 – WiMP sind nur vier der Dienste, bei denen man mehr Musik hören kann als man überhaupt Zeit dafür findet. (Dass all dies kein Ersatz für einen womöglich hübschen Tonträger ist, bedarf, nehme ich an, keiner gesonderten Erläuterung.)

Was diesen Diensten jedoch meist fehlt, ist eine brauchbare Wiedergabelistenverwaltung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst musicplayr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor einer Weile auf schallgrenzen.de gefunden habe und der Lieder von zahlreichen Quellen – zurzeit YouTube, Vimeo, Dailymotion, Soundcloud und diverse Musikblogs – in beliebig vielen Wiedergabelisten organisieren kann. Was an Liedern nirgends im Internet gefunden werden kann, kann auch einfach – wie bei Grooveshark – hochgeladen werden, ist allerdings dann zwar in der eigenen Wiedergabeliste für jeden sicht-, jedoch aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Lieder, die man selbst hochlädt, kann man auch nur selbst hören.

musicplayr ist also bezüglich seiner Ausrichtung irgendwo zwischen lokaler Wiedergabeliste und Grooveshark anzusiedeln. Videofunktion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. (Nachtrag: Videofunktion ist doch, mein Fehler.) Alles dreht sich um die Listen. Ich zitiere dreist:

Es können öffentliche Listen geaddet und Songs kommentiert und bewertet werden. Das Zusammenstellen von Listen ist kinderleicht, die Reihenfolge der Songs kann jederzeit geändert werden. Alle Songs können direkt über den integrierten Player inklusive Video abgespielt werden. Seine Playlisten kann man mit einigen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennzeichnen. Nutzer folgen so einander und entdecken neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der „geschlossenen“ Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Einladung kommstu nisch rein. Einladungen kann jedoch jeder angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selbst momentan 18.

Bei Interesse also einfach einen Senf hinterlassen.


Nachtrag vom 22. Oktober 2012: musicplayr.com ist nun nicht mehr nur nach Einladung zugänglich. Also hereinspaziert!