Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Magnetic Fields – Andrew in Drag

Europäische Staaten tun endlich mal was gegen diese verdammten Ausländer:

Spanien setzt wegen des Treffens der Europäischen Zentralbank (EZB) in Barcelona das Schengen-Abkommen zur Reisefreiheit in Europa vorübergehend aus. Die Maßnahme gilt von Samstag bis zum kommenden Freitag. (…) Bereits in der vergangenen Woche hatten Frankreich und Deutschland erklärt, zumindest zeitweise das Schengen-Abkommen außer Kraft und Grenzkontrollen einführen zu wollen.

Demonstranten kommen also nur mit Reisepass nach Spanien: Kein Reisepass, kein Auspfeifen, so einfach ist das. Wer reisebefugt ist, der kann kein schlechter Mensch sein!

Und weil wir jetzt, statt wie geplant schwer bewaffnet – daher die Grenzkontrollen – zum Demonstrieren nach Spanien fahren zu können, zur Untätigkeit verurteilt sind, haben wir viel Zeit, das Album „Love at the Bottom of the Sea“ von The Magnetic Fields zu hören:

The Magnetic Fields – Andrew in Drag (official music video)

Magnetic Fields – Your Girlfriend's Face – live, Vogue Theatre, Vancouver March 2012

Schräg? Ja, ein wenig. Aber sympathisch schräg.
Und das passt ja dann auch ganz gut zu der Sache mit den Grenzkontrollen.

Montagsmusik
Graham Coxon – City Hall

Zu den eigenartigsten Musikalben dieses Jahres, die ich bisher gehört habe, zählt „A+E“, ein Noiserock-Soloalbum des Blur-Gitarristen Graham Coxon und trotzdem nicht übel.

„Noiserock“ ist beinahe untertrieben:

Zwar steht der rauhe Opener „Advice“ noch in der Tradition ordentlicher Coxon-Granaten, doch schon hier fiepst und rumpelt es ordentlich im Hintergrund.

Dennoch bereitet es einen kaum auf das darauffolgende „City Hall“ vor, ein monoton waberndes, mit stur programmiertem Drumcomputer nach vorne peitschendes Experiment, gegen das jeder Neu!-Song als lupenreine Popnummer durchgeht.

Eigenartig – aber grandios.

Guten Morgen.

MusikNerdkramsNetzfundstücke
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nachdem die GEMA YouTube mal wieder erfolgreich dazu bringen konnte, noch mehr Inhalte als bislang zu filtern („rechtsfreier Raum“?), stehen Musikfreunde, die sich nicht dazu durchringen können, sich einen guten Proxy einzurichten, schon wieder vor der Frage: Wohin jetzt?

Wo man Musikalben streamen kann, ist kein Geheimnis mehr: Grooveshark, simfy, Rdio und – wahrscheinlich noch 2012 – WiMP sind nur vier der Dienste, bei denen man mehr Musik hören kann als man überhaupt Zeit dafür findet. (Dass all dies kein Ersatz für einen womöglich hübschen Tonträger ist, bedarf, nehme ich an, keiner gesonderten Erläuterung.)

Was diesen Diensten jedoch meist fehlt, ist eine brauchbare Wiedergabelistenverwaltung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst musicplayr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor einer Weile auf schallgrenzen.de gefunden habe und der Lieder von zahlreichen Quellen – zurzeit YouTube, Vimeo, Dailymotion, Soundcloud und diverse Musikblogs – in beliebig vielen Wiedergabelisten organisieren kann. Was an Liedern nirgends im Internet gefunden werden kann, kann auch einfach – wie bei Grooveshark – hochgeladen werden, ist allerdings dann zwar in der eigenen Wiedergabeliste für jeden sicht-, jedoch aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Lieder, die man selbst hochlädt, kann man auch nur selbst hören.

musicplayr ist also bezüglich seiner Ausrichtung irgendwo zwischen lokaler Wiedergabeliste und Grooveshark anzusiedeln. Videofunktion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. (Nachtrag: Videofunktion ist doch, mein Fehler.) Alles dreht sich um die Listen. Ich zitiere dreist:

Es können öffentliche Listen geaddet und Songs kommentiert und bewertet werden. Das Zusammenstellen von Listen ist kinderleicht, die Reihenfolge der Songs kann jederzeit geändert werden. Alle Songs können direkt über den integrierten Player inklusive Video abgespielt werden. Seine Playlisten kann man mit einigen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennzeichnen. Nutzer folgen so einander und entdecken neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der „geschlossenen“ Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Einladung kommstu nisch rein. Einladungen kann jedoch jeder angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selbst momentan 18.

Bei Interesse also einfach einen Senf hinterlassen.


Nachtrag vom 22. Oktober 2012: musicplayr.com ist nun nicht mehr nur nach Einladung zugänglich. Also hereinspaziert!

Montagsmusik
Extra Life – Voluptuous Life

Nicht unbedingt begeistert bin ich von dem neuesten Album von Extra Life namens „Dream Seeds“, gegenüber dem Vorgänger „Made Flesh“ weiß es mich nicht so recht zu überzeugen; wohl auch, weil auf letzterem das als Studio- …

Extra Life – Voluptuous Life

… wie als Liveversion …

Extra Life – Voluptuous Life (live)

… hervorragende „Voluptuous Life“ enthalten ist.

Und überhaupt: Die Texte.

Too much life, too much life,
so much life that we die

Ach.

Guten Morgen.

Montagsmusik
Urlaub in Polen – Inkin Ark

Die Osterfeiertage sind nun fast vorüber, die Osterferien, sofern zutreffend, neigen sich auch dem Ende. Nun konnte man diese Zeit nutzen, um Musik zu hören, oder man verbrachte sie anders, etwa mit einem Urlaub in Polen.

Oder beides. Den Abschluss der österlichen Musikserie bildet mit der heutigen Montagsmusik die leider vor einigen Monaten aufgelöste deutsche Musikgruppe Urlaub in Polen, die trotz englischsprachiger Texte ein positiv beeindruckendes Beispiel dafür ist, dass Kraftwerk noch bis heute ihre Spuren hinterlassen und elektronische Musik auch unscheiße sein kann, wenn man sich nur Mühe gibt.

Urlaub in Polen // Inkin Ark (Live)

(Auf so einen Namen muss man natürlich auch erst mal kommen.)

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Talk Talk – Spirit of Eden

Und schon ist wieder Ostern, die Zeit der Supersonderspezialaktionen im Internet. Vor lauter Eiern findet man zurzeit nur wenig verwertbare Informationen. Das finde ich gut und richtig, denn immer nur Politik ist auf Dauer doch ein wenig eintönig.

Wie Weihnachten ist Ostern im westlich-christlichen Kulturkreis vor allem eine „besinnliche“ Zeit. Zeit, um in sich zu gehen; und dazu passt Musik. Aber was für Musik sollte man wählen? Ein „Last Easter“ haben Wham! ja leider nie aufgenommen, und so muss man sich anders behelfen. Da trifft es sich gut, dass, wie ausnahms- und lobenswerterweise SPIEGEL Online berichtet, das 24 Jahre alte Album „Spirit of Eden“ – „der Geist des Paradieses“, ein geradezu biblischer und somit für die österliche Beschallung geeigneter Titel – der New-Wave-Formation Talk Talk jüngst sich einer Neuauflage erfreuen durfte, sofern ein Musikalbum das überhaupt zu tun vermag.

Talk Talk war eine britische Musikgruppe, die Anfang der 1980er Jahre grässlichen Kaugummipop („It’s My Life“, „Such a Shame“) für schaffenswert hielt und auf dem letzten Album („Laughing Stock“, 1991), etwa zur gleichen Zeit wie Slint („Spiderland“), das miterfand, was heute von etikettierwütigen Rezensenten „Postrock“ genannt wird. Dazwischen liegt das einmalige „Spirit of Eden“.

Die Einmaligkeit gilt nicht nur innerhalb des Schaffens von Talk Talk, die nie zuvor und auch danach nie wieder ein derart perfektes Album aufgenommen haben, sie gilt für das ganze Genre des New Wave. Aber ist das überhaupt noch New Wave? Das Internet verneint das.

Leise beginnt es mit Streichern und Trompete, nach etwa zweieinhalb Minuten setzen Gitarre, verzerrt-verstärkte Mundharmonika, Bass und Schlagzeug ein. Die Reise nimmt ihren Anfang, schon das 23-minütige und dreiteilige „The Rainbow / Eden / Desire“ lässt den Hörer eine andere Gefühlsebene erleben. Die Stimmung ist floydig, Mark Hollis singt ein wenig undeutlich, dazu ein wenig Klavier. Nach viereinhalb Minuten ist man sich zum ersten Mal seit Langem dem emotionalen Potenzial von Musik bewusst, und während der Verstand den surrealen Rufen wie aus weiter Ferne folgt, drückt irgendetwas ganz tief drin auf Gefühle, die man längst vergessen (oder verdrängt?) hatte.

Well, how can that be fair at all?
Repented, changed,
aware where I have wronged.

Tief durchatmen, weiter geht es. Die Melancholie weicht behutsamer Hoffnung, „Eden“ beginnt. Everybody needs someone to live by, ja, und dann plötzlich, so kurz wie kaum greifbar, The Velvet Underground; krächz, jaul, nächste Strophe. Mark Hollis klagt jetzt nicht mehr, er ruft, die Stimme fast noch sehnsüchtiger als der Text, den er spricht. Die Klimax? „Desire“. Kammerklänge, spärlich instrumentiert.

Desire, whispered, spoken, in time, rivers, oceans.

Der Moment, in dem man am liebsten schreien würde, ist schon längst überschritten. Aber man kann dann doch nicht von der Stimmung lassen und lässt sich weiter treiben; und plötzlich bricht das instrumentale Inferno – gemessen immer am Gewesenen – los. Den Sänger hält es jetzt auch nicht mehr zurück: That ain’t me, babe, I’m just content to relax than drown within myself, und hätte man gerade ein Textbuch zur Hand, man würde den Refrain mitbrüllen, aber so bleibt nur das Brüllen ganz tief drin. Irgendetwas dort tief drin fleht um Gnade, und man würde es gern ohrfeigen, um den Schmerz zu spüren.

Das mit merkwürdigen elektronischen Effekten verzierte „I Believe In You“ hat es aus irgendwelchen Gründen (zwei Jahre nach „I Don’t Believe In You“, wer erkennt das Muster?) geschafft, als Einzelstück ausgekoppelt zu werden. Gegen Ende der 1980er Jahre war solcherlei durchaus beliebt. Ähnlich wie „Inheritance“ und „Wealth“ orientiert sich dieses Lied eher am Art-Pop, ersteres lässt den Rezensenten sich mitunter gar an die wenigen guten Momente der späten Genesis erinnern, ohne jemals deren Oberflächlichkeit zu erreichen.

„Wealth“ ist, wie sonst nur selten, ein passender Abschluss des Albums: Fast nur von der Orgel begleitet fleht Mark Hollis ein letztes Mal nach dem „Reichtum der Liebe“, dem wealth of love, und verspricht dafür seine Freiheit zu geben.

Create upon my flesh,
create a home within my head,
Take my freedom for giving me a sacred love.

Während die Musik langsam verklingt, sinkt der Hörer in seinen Sessel, noch immer weit entfernt von sich selbst. Das Album ist längst zu Ende, die Reise noch lange nicht vorbei.

Es gibt nur wenige Musikalben, die es schaffen, gleichzeitig Herz und Hirn zu entführen, also psychedelisch und melancholisch zugleich zu sein. Dear John Letter verstehen sich auf diese Kunst, Talk Talk haben sie schon 1988 perfektioniert.

Ganz groß.

Musikkritik
Esperanza Spalding – Radio Music Society

Esperanza wer?

Nun, Esperanza Spalding ist eine von Barack Obama sehr geschätzte Musikerin und trotzdem gar nicht mal übel. Sie hatte 2009 die Ehre, anlässlich Herrn Obamas Nobelpreisempfang aufzutreten, und wurde 2010 anstelle von Justin Bieber mit dem Neulings-„Grammy“ ausgezeichnet, was verwirrend scheint, denn mit Popscheiße hat sie es nicht so.

Auf ihrem vierten Album „Radio Music Society“ ist Jazz zu hören, was nicht erstaunt, denn immerhin ist Frau Spalding „Jazz-Bassistin“ (news.ch). Dass aber mit Gästen wie Jack DeJohnette illustre Namen auf der Liste der Mitmusikanten erscheinen, bedeutet leider weniger als der Titel des Albums, denn trotz der Lounge-Atmosphäre ist vor allem das Radiopublikum als Klientel gesucht; wie’s eben auch auf news.ch steht:

Natürlich orientierte sie sich bei ihren Songs an den klassischen Radiomusikthemen. In den Liedern geht es um Liebe in sämtlichen Tonlagen.

Natürlich, selbstverständlich, es gibt noch nicht genug Schnulzen im Radio, dass da nicht noch Platz wäre für ein paar andere Schnulzen. Zum Glück kann sich Frau Spalding minutenlange Wiederholungen von „I love you, I love you, baby“ gerade noch so verkneifen und wird stattdessen gelegentlich so lyrisch, dass es einen alten, grummeligen Sack wie mich dann doch schon ein wenig rührt. Cinnamon tree, grace falling free…

Aber – und jetzt kommt das erwartete Aber – das ist nicht alles, was zählt. Zugegeben, das Dargebotene ist sehr solide, der Rhythmus einladend und der Gesang einwandfrei, aber das kann man von vielen Musikalben behaupten. Positiv hervor stechen die Lieder „Cinnamon Tree“, ein bedächtiges Stück über Freundschaft und Vergänglichkeit, und „Endangered Species“, eine betextete Neuinterpretation eines Stückes von Wayne Shorter, die leider nur etwa sechseinhalb Minuten lang ist. „Leider“ aus einem simplen Grund: Das Stück hat Groove. Der Bass durchspringt, getragen von Schlagzeug und so manchem anderen Instrument, grazil Melodiebögen, während seine Meisterin Stimmexperimente wagt, die schon wieder die Gedanken des Hörers zur „himmlischen Musik“ Zeuhl (Magma! Magma!) abschweifen lassen; war aber „Dondaï“ auf Magmas „Attahk“ noch ein Ausfall nach unten, so ist „Endangered Species“ hier ein solcher nach oben.

Dass Jazz vielfältiger Natur sein kann und ein Kenner ob obigen Vergleichs vermutlich bestenfalls mit dem Kopf zu schütteln vermag, ist mir dabei wohl bewusst. Tatsächlich fehlt mir hier eigentlich nur etwas mehr Spannung. Die beiden genannten Lieder, so unterschiedlich sie auch sein mögen, stellen die beiden Pole des Albums dar, aber die anderen enthaltenen Stücke plätschern eben etwas lustlos dahin. Mag sein, dass es für einen Grammy reicht – einen solchen hat aber Lady Gaga auch schon bekommen.

„Radio Music Society“ hätte ein richtig gutes Jazzalbum werden können, aber Frau Spalding riskiert zu wenig. So reicht es trotz „Endangered Species“ eben nur zur „Ehrenrettung der Radiomusik“ (focus.de) und leider nicht für die Bestenliste 2012.

Wer es gern etwas gemütlicher mag und es nicht so mit Avantgarde hat, der möge dennoch einmal reinhören und mir hernach für den guten Tipp danken.

Musikkritik
Das scheußliche Cover: Magma – Attahk

(Vorbemerkung: Auf Schallgrenzen.de gibt es die lose Reihe „Das schöne Cover„, in der neu interpretierte Lieder älteren Ursprungs vorgestellt werden. Meine Replik „Das scheußliche Cover“ hingegen ist beinahe rein visuell und befasst sich mit eher wenig sehenswerten Schallplatten- und CD-Aufdrucken eigentlich ziemlich guter Musikgruppen. Dies nur als Erläuterung, damit es nicht zu Verwirrungen kommt.)

Der französischen Musikgruppe Magma, von mir an anderer Stelle bereits ausführlich gewürdigt, stand um das Jahr 1977 herum nach ziemlich großartigen, Weg weisenden Alben wie Mekanïk Destruktïw Kommandöh und Wurdah Ïtah der Sinn nach weniger schrullig-sphärischer Esoterik und mehr Pop.

So sieht das Titelbild des in der Folge erschienenen Albums „Attahk“ auch aus.

Von der eigenartigen, rätselhaften Bildsprache der Vorgängeralben ist nichts mehr geblieben, stattdessen posieren zwei Avatare, die nordkoreanischen Diktatoren einigermaßen ähnlich sehen und mit „Gorgo“ und „Ourgon“ auch ziemlich dämliche Namen tragen, vor den albernen Schriftzügen „Magma“ und „Attahk“.

So reißerisch-anbiedernd das Titelbild damals gewesen sein mag, so einfallslos ist der gebotene Zeuhl, denn was bis dahin majestätisch wirkte, ist auf „Attahk“ zu einer bloßen Parodie auf sich selbst verkommen. Der peinliche Höhepunkt – wenn man das so nennen darf, ohne von seinen Lesern der Irreführung bezichtigt zu werden – ist das Liebeslied (Liebeslied!; nicht unbedingt vorstellbar im Rahmen der von Magma erdachten mythischen Welt von Kobaïa) „Dondaï“:

Magma "Dondai (To the eternal love)"

Dass dieser Weg Magma in eine Sackgasse führen würde, war wohl bald auch den Musikern selbst bewusst. Das folgende Studioalbum „Merci“ erschien 1984 und war als Soloalbum von Schlagzeuger Christian Vander und einigen Mitmusikern etikettiert, erst 2001 folgte dann das nächste reguläre Magma-Studioalbum „K.A.“ und mit ihm eine Rückbesinnung auf einstige Stärken.

Nun könnte man argumentieren, dass so ein Titelbild eigentlich nicht viel über die Musik aussagt, von vermeintlich wenigen Ausnahmen abgesehen. Das Titelbild von „Attahk“ aber ist ebenso wie die auf dem Album enthaltene „Musik“ allenfalls eine Zerstörung erworbener Meriten. Zum Glück hat man daraus gelernt – leider aber nicht auf die Neuauflage von „Attahk“ anlässlich der Sammelbox „Studio Zünd“ verzichtet.

Aber CDs hängt man sich ja auch nicht an die Wand.

Montagsmusik
Pelican – Autumn into Summer

Oh, schon wieder Montag. Zeit für etwas entspannende Musik zum Wochenbeginn.

Diesmal von der prima Gruppe Pelican:

Pelican – Autumn into Summer

Hallo, wach.

Musik
Musikmasochisten

Auf einer mit voranschreitender Uhrzeit zusehends anstrengenderen Reise drängte sich mir heute wieder die Frage auf, was eigentlich einen Jungmenschen dazu veranlasst, „Musik“ – und sei es nur blödes Computergestampfe – über den internen Lautsprecher eines Mobiltelefons oder eines ähnlich ungeeigneten Gerätes abzuspielen statt einen Kopf- oder wenigstens Ohrhörer zu verwenden. Ich meinerseits betrachte es als Folter und nicht als gute Unterhaltung, wenn man mir per MP3-Codec kaputtkomprimierte Dance-Klänge über einen quäkigen Audioausgang vorspielt, und käme niemals auf die Idee, dies aus eigenem Antrieb heraus selbst zu tun; ganz davon abgesehen, dass Dance meine präferierte Musikrichtung nun wahrlich nicht ist.

Das bis dahin letzte Musikalbum, das ich hörte, war wenige Stunden zuvor das Album „Plumb“ von den ziemlich guten Indie-Pop-Musikern Field Music, und von jenen ist der Schritt ein nicht geringer.

Was also gibt den Anlass für die weitflächige Verbreitung furchtbar verzerrter Tanzmusik in öffentlichen Verkehrsmitteln? Mitteilungsdrang kann es nicht sin, denn man teilt ja seinen Mitreisenden so abgesehen von dem Umstand, dass die eigene musikalische Sozialisierung erst noch stattfinden muss, nicht viel mit. Auch der Hedonismus scheidet aus, denn spaßig ist diese Ohrenfolter wohl nur für diejenigen, die, selbst mit Kopfhörern und Schadenfreude ausgestattet, das Mienenspiel der Gequälten beobachten können.

Dabei ist ausnahmsweise nicht einmal die Audiokompression der – im Wortsinne – Ausschlag gebende Aspekt, das Ausgabegerät ist es. Selbst eine hochauflösende Version von Gentle Giants „Funny Ways“ gerät, durch diesen Filter gejagt, zu quäkigem Klangbrei; und wenn dann noch der übliche Fickbeat darunter gelegt würde (was den Darunterleger zu einem meiner ärgsten Feinde machte, weshalb ich davon abrate), könnte niemand mehr mit Bestimmtheit sagen, ob er da gerade mit Gentle Giant, den Beatles, Madonna oder Skrillex (im Musiklexikon unter „S“ wie „scheußlich“ zu finden) belästigt wird. Es mag Konsum sein, Genuss aber keineswegs; zumindest bin ich möglicherweise willens, nicht aber fähig dazu, gegenteilige Behauptungen als uneingeschränkt zutreffend zu begreifen.

Als Kontrast zu uns Musikfaschisten bin ich geneigt, die Protagonisten solchen Tuns als Musikmasochisten zu bezeichnen; die eben „Musik“ auch und gerade dann und dergestalt hören, wenn und dass es das größtmögliche Missfallen erzeugt. (In US-amerikanischen Foltergefängnissen wendet man bekanntlich eine ähnliche Strategie an.)

Ich empfehle Herstellern minderwertiger Klangausgabegeräte, jegliche Musikwiedergabe allein über die Klinkenbuchse auszuführen, um weiteres Leid zu reduzieren, und bedanke mich herzlichst im Voraus.

Montagsmusik
Hawkwind – Needle Gun

Apropos Rock’n’Roll, kennt natürlich auch mal wieder keiner:

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
„Rock and Roll can never die.“

Lustig: Sven Regener, der in seiner Freizeit zusammen mit der „Musik“gruppe „Element of Crime“ – dass ihm der Name nicht merkwürdig vorkommt, ist anzunehmen – so genannte „Musik“ am Computer zusammenklickt und damit anscheinend immer noch zu viel Geld „verdient“, hat was zum Thema Urheberrechte dummgesülzt. Mein Lieblingszitat:

Das einzig Coole am Rock’n’Roll ist es, dass wir jede Mark (sic!), die wir bekommen, selber verdienen.

Noch ein paar lächerliche Zitate gibt es auf netzpolitik.org, und warum Sven Regener die Zusammenhänge in „seiner“ Industrie noch nicht verstanden hat, erklärt Fritz Effenberger. Zu meinem Lieblingszitat konnte ich aber nichts finden, was mich erschüttert, weshalb ich zu all den Beiträgen, die erläutern, warum Sven Regener ein langweiliger Typ ist, der scheußliche Musik macht, noch einen hinzufüge, in dem ich einfach mal was frage:

Ist das noch Rock’n’Roll?

Dass das, was Element of Crime so fabrizieren, keiner ist, ist, meine ich, unstrittig. Aber stand Rock’n’Roll nicht mal für Lebensfreude und Freiheitsdrang statt für den Stolz auf ein leidlich geregeltes Einkommen?

Herr Regener macht also (vermeintlich) Musik, die er eigentlich gar nicht mag, weil er damit Geld verdienen kann; und sagt dann weiter:

Die (Mark, A.d.V.) bekommen wir von Leuten, die sagen “Ja, das ist mir das wert. Ich geb’ 99 Cent aus für dieses Lied”. Das ist die Idee dabei. Das macht den Rock’n’Roll groß.

Richtig, denn der Rock’n’Roll basierte schon immer auf der Geldgier seiner Protagonisten und nicht etwa auf höheren, eher geistigen Idealen. Rockmusik entstand als Einnahmequelle und nicht als Akt der Rebellion, und erfunden wurde sie vom Fliewatüüt. Und deswegen macht Sven Regener nämlich „Musik“:

Aber es wird so getan, als wenn wir Kunst machen würden als exzentrisches Hobby oder so.

Ja – warum denn dann? Aus Leidenschaft wohl nicht, immerhin finden Sie Rockmusik ja auch eher doof. Auch sonst geht Ihnen das Verständnis von Musikentwicklung völlig ab:

Für die Leute zwischen 15 und 30 gibt es keine endemische Musik mehr. Die haben keine eigene Musik mehr.

Ich schon. Und Element of Crime zählt nicht dazu. Und wissen Sie, woran das liegt? Dieser radiokompatible Unfug ist zu beliebig, zu austauschbar. Da bleibt nichts hängen, womit man sich identifizieren kann – und sogar der Frontmann ist ein Unsympath.

Den Rock’n’Roll aber, Herr Regener, kriegen nicht einmal Sie kaputt.

Aber keine Sorge: Kunst würde Ihnen niemand unterstellen.

Montagsmusik
Cult of Youth – Eihwaz

Ei, was? Mit Post-Punk kann ich normalerweise nur wenig anfangen, das Genre eifert zu sehr Idolen aus den 80-er Jahren nach – und was musikalisch von jenem Jahrzehnt zu halten ist, sollte fast jeder Musikfreund ähnlich beurteilen.

Warum mir die Brooklyner Post-Punk-Gruppe Cult of Youth, deren neuestes Album von immerhin 2011 stammt, trotzdem ziemlich gut gefällt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es die bedrohlich-aggressive Stimmung, die ihre Musik verbreitet, vielleicht ist es die merkwürdige Geigenbegleitung, die andere großartige Musikgruppen wie Mutabor in klangliche Nähe rücken; in positivem Sinne bemerkenswert ist das Resultat in jedem Fall:

(Anderswo ist von „Neofolk“ die Rede, und das gefällt mir schon deutlich besser.)

Guten Morgen.

Montagsmusik
Van der Graaf Generator – The Sleepwalkers

(Und dann eben doch immer wieder vor allem: Ernüchterung.)

Van der Graaf Generator – The Sleepwalkers

If all is lost none is known,
and how could we lose what we’ve never owned?

Guten Morgen?

Montagsmusik
Disappears – Pre-Language

Dass auch 2012 noch Musik im Geist von Sonic Youth und The Fall stattfindet, ist auch ohne ein angekündigtes neues The-Fall-Album Balsam für die Seele des von Hitparadenscheiße arg gebeutelten Musikfreunds.

Zum Beispiel Disappears, deren neues Album am vorigen Freitag erschien:

Großartige Band.