Archiv für Juli 2017

In den NachrichtenWirtschaft
Abschließend angemerkt zum Abgasskandälchen und seinen Folgen

So bescheuert, als Reaktion darauf, dass sich überraschend herausgestellt hat, dass die eigene Annahme, ein Auto mit Auspuff hinten dran gehe vergleichsweise schonend mit der Umwelt um, völlig hirnrissig war, nicht etwa über sein Verhältnis zu Autos und/oder der Umwelt, sondern darüber, wen man nun wie für diesen Hirnriss verklagen kann, nachzudenken, muss man ja auch erst mal sein.

MontagsmusikNetzfundstücke
Flash the Readies – Kris

Ist noch Sonne?Montag. Ich meine: Juhu, Montag! Der verrückte Feiersommer nimmt kein Ende, in den USA wird hierfür eigens Schlamm gekauft, damit man was hat, um sich darin vollzusauen. Wohl dem, der keine Sau ist; wohl dem, der zum Beispiel ein Pandabär ist und unerkannt in Bäumen herumsitzt.

Dann kann einen auch der Feminismus linkster Natur kalt lassen, der ansonsten gerade im Internet herumSPONt, dass der herrische Umgangston, der die Nazis bislang in die Schranken weisen sollte, womöglich überhaupt erst den Erfolg der Nazis befeuert hat; um dann, weil die Denkstrecke wieder einmal unüberwindbar lang war, doch schnell das Gespenst der feministischen Querfront in Gestalt von Alice Schwarzer als Schuldigen auszumachen. Bloß nichts ändern, man könnte ja mal aus Versehen etwas verbessern.

Ein Problem, das die kaputte Linuxwelt zweifellos nicht hat, denn dort verbessert man nichts: Der Pwnie Award für die lahmste Antwort eines Softwarevertriebs ging in diesem Jahr an Lennart Poettering, den verdienten Zerstörer des kümmerlichen Rests von Linux‘ irgendwann einmal leidlich gutem Ruf. Unter Windows ist man wenigstens nur mit Unternehmen wie EaseUS gestraft, mit denen man vermutlich auch lieber nichts zu tun haben möchte.

Mit einem jedoch etwas zu tun zu haben wird hoffentlich niemals enden, nämlich Musik.

Flash the Readies – Kris (live CRO session)

Guten Morgen.

Mir wird geschlechtSonstiges
Medienkritik CVI: Si tacuisses…

Das Magazin „Hohe Luft“ – Untertitel: „Für alle, die Lust am Denken haben“ – gehört zu den wenigen Magazinen, deren Erscheinungen ich regelmäßig zumindest inhaltlich zur Kenntnis nehme. Das wesentliche Thema des Magazins ist die Philosophie, und während Adorno und Altgriechen in der Redaktion offenbar als gesetzt gelten, hat doch jede einzelne Ausgabe ein anderes Hauptthema. Wie auch in der vor vielen Jahren noch grundsätzlich lesenswerten „c’t“, die irgendwann um 2014 herum zum Linux-Fanmagazin verkommen ist, nehme ich jedoch auch in der „Hohen Luft“ allmählich einen qualitativen Verfall wahr.

Normalerweise geht es an dieser Stelle um Frauenmagazine und ihr merkwürdiges Bild von Männern. So ähnlich ist es auch heute, denn die Redaktion der „Hohen Luft“ hat eine recht hohe Frauenquote. Selten aber war das so offensichtlich wie diesmal.

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KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Notwist – Neon Golden

Seltsame Umstände ließen ausgerechnet mich vor einigen Tagen das wundersame Album „Neon Golden“ der ehemaligen oberbayrischen Schrammelpunkband The Notwist kennenlernen. Es war gut.

Wie der geneigte Leser längst weiß, nahmen The Notwist einst Musik auf, die sich mit meinen hier mitunter kundgetanen Vorlieben keineswegs offensichtliche Überschneidungen aufwies, nämlich mit wenigen Ausnahmen (wie prima ich „Winter“ finde, erläutere ich vielleicht später einmal) erschreckend uninteressante Hardcoremusik. Das änderte sich mit jedem Album ein wenig mehr, besagter Hardcore wich allmählich – wohl auch Besetzungswechseln zum Dank – elektronisch orientiertem Artpop mit einem durchaus jazzähnlichen Einschlag. Mir soll es Recht sein.

The Notwist – Pick Up The Phone

Auf ihrem 2002 erschienenen sechsten Studioalbum „Neon Golden“, dem letzten mit Schlagzeuger Martin Messerschmidt, ist von der ungestümen Amateurband aus den Anfangsjahren entsprechend auch nicht mehr viel zu hören, stattdessen bietet das damalige Quartett eine Sondervorstellung in süßlichem Belle-and-Sebastian-Folkpop einer- und effektgestützter elektronischer Tanzmusik („Indietronic“, behauptet die Wikipedia, heiße das heute) andererseits, die mit gewaltiger Melancholie aus dem Kopfhörer und/oder Lautsprecher tropft.

The Notwist – This Room

Und dann hat diese Band auch noch die Chuzpe, dass das keineswegs klebrig oder bloß deprimierend, sondern insgesamt höchst angenehm klingt, wofür ich mich Sänger und Gitarrist Markus Acher ausdrücklich und daher separat zu danken geradezu verpflichtet fühle, denn müsste ich mir einmal eine am besten mit „schön“ zu beschreibende Sängerstimme aussuchen, ich wählte die seine.

Sicher: Nach dem Durchlauf von „Neon Golden“ wünscht man sich den sofortigen Beginn einer Feier, denn es bleibt schon etwas hängen vom transportierten Seufzen, jedoch ist der Weg dahin kein verregneter, sondern einer, den zu beschreiten die Lust auf eine Wiederholung (oder wenigstens den Rückweg) nicht nimmt.

Neongold scheint eine wunderbare Farbe zu sein.

Politik
Die Verteidigung Europas mit den Mitteln des Boulevards

Manches ändert sich nie.Die bisherige Sicherung der europäischen Außengrenzen zwecks Lösung der „Flüchtlingsfrage“ (Stefan Winterbauer, Meedia.de) bestand neben riesigen Zäunenniemand hat die Absicht und so weiter – unter anderem auch aus aktiver Sicherung durch die Agentur Frontex und ihrer Nachfolgeorganisation. Die amtierende deutsche Bundesregierung beschreibt deren Aufgabe so:

Die neue Agentur ist leistungsfähiger und besser ausgerüstet, um den migrations- und sicherheitspolitischen Herausforderungen an Europas Außengrenzen zu begegnen. Erweiterte Zuständigkeiten und neue Befugnisse werden es ihr erlauben, erfolgreich zu arbeiten.

Bei „migrationspolitischen Herausforderungen“ handelt es sich vermutlich um den alljährlichen Wettbewerb um neue Rekorde betreffs der erfolgreich an der unbeschadeten Ankunft in Europa gehinderten Menschen. „Herausforderungen“ nennt die Bundesregierung diese Menschen, und während ich Menschen ebenfalls für ziemlich anstrengend halte, würde ich trotzdem lieber davon Abstand nehmen wollen, sie zu meinem eigenen Schutz ertrinken zu lassen.

Politisch für das Ertrinken all dieser Menschen verantwortlich ist in Deutschland wie auch auf höherer europäischer Ebene vor allem die CDU, die zu wählen immer noch zu viele Menschen nicht ausreichend anwidert; die gleiche CDU natürlich, die auch meine Überwachung fordert, um mich vor mir selbst zu schützen, und also eine ziemlich absurde Definition von „Schutz“ durchzusetzen versucht; ich besitze immerhin ausreichend viele Kenntnisse, um mich selbst „hacken“ zu können (nämlich: die meiner Passwörter). Gleichwohl kommen nur die Wenigsten der sonstwie abgebrühten Warner und Mahner auf die Idee, den längst fälligen Aufstand gegen die CDU zu proben, Parteitagsblockaden und „Nazis!“-Gebrüll auf allen Kanälen eingeschlossen, denn die CDU ist etabliert, da macht man so etwas nicht. Stattdessen belästigt man also irgendwelche Popelparteien, die bei der Selbstdemontage nun wirklich keine Hilfe von außen brauchen und deren außenpolitische Gefährlichkeit sowieso von überschaubarer Größe ist, mit seinem wichtigtuerischen Quatsch.

Identitäre Seefahrer und der Nationalismus

Zu den weiteren Gruppierungen, auf deren Ächtung sich die Bewahrer von Freiheit und Demokratie geeinigt zu haben scheinen, gehört auch die „Identitäre Bewegung“, die offenbar der aktionistische Arm der CDU ist und zum Beispiel dadurch, vom Brandenburger Tor ein Spruchband mit der Aufschrift „Sichere Grenzen – sichere Zukunft“ herabgelassen zu haben, was nicht nur der „Tagesspiegel“ anscheinend als Beleg dafür wertet, dass es sich hier um eine „völkische Bewegung“ handelt, medial auffällig geworden ist. Dass die Medien schon zuvor die von der „identitären Bewegung“ durchgeführte Demonstration gegen das „NetzDG“ (ich berichtete) als versuchte Stürmung bezeichneten, als sei wütender Protest gegen staatliche Zensurbestrebungen plötzlich gesellschaftsfeindliches Rebellentum, verwundert angesichts des sonstigen medialen Umgangs mit Gegnern dieses Gesetzes kaum: Wer was gegen Zensur hat, ist Nazi! – Wenn die Forderung nach „sicheren Grenzen“ (ob eine nicht sichere Grenze überhaupt noch eine Grenze oder bloß ein Rand ist, wäre sprachwissenschaftlich sicherlich auch nicht uninteressant, soll hier aber keine Rolle spielen) und damit einer „sicheren Zukunft“ jedoch bereits ein Zeichen für eine „völkische Bewegung“ mit „nationalistischen Botschaften“ ist, die man dringend im Auge behalten sollte, ist vielleicht das Wahlprogramm der CDU/CSU für die kommende Bundestagswahl doch noch einmal einen weiteren Blick wert, denn dort ist auf Seite 56 zu lesen:

Europa muss seine Außengrenzen wirksam gegen illegale Migration schützen, die Grenzschutzagentur Frontex stärken und das Europäische Asylsystem vollenden. Bis der Schutz der EU-Außengrenzen funktioniert, halten wir an Binnengrenzkontrollen fest.

Diese völkisch-nationalistische Bewegung sollte in der Tat dringend aus dem Bundestag ferngehalten werden. Dass Nationalismus faktisch Voraussetzung für die langfristige Existenz eines Staates und kein Synonym für Pfuipatriotismus ist, sich zum sprachlichen Verkleinern eines als gefährlich angesehenen politischen Gegners also kaum eignet, lasse ich ausnahmsweise einmal durchgehen. Während aber das Tragen von CDU-Signets als „Wahlkampf“ verharmlost wird und die Akteure gemeinhin „Konservative“ genannt werden, obwohl das mindestens passive Ertränken von Menschen in Not mit Bewahrung – so lautet der ursprüngliche Wortsinn von Konservativismus – weniger zu tun haben dürfte als mit der Reinhaltung der europäischen Rasse durch Ausschluss Externer, wird die Sympathie für eine Gruppe, die ebendiese Externen gewaltlos um ihre Heimkehr zu bitten beabsichtigt, aus genau dieser Ecke unter breitem Beifall aus dem Volk ihrerseits „Rassismus“ gescholten, wie es im Fall der jungen kanadischen YouTuberin Lauren Southern (das war die mit dem Patreon-Zwischenfall) passierte.

Europa Boot für Boot verteidigen

Im Jahr 2017 nämlich mietete sich eine von besagter YouTuberin beworbene Gruppe aus dem Kreis der „Identitären Bewegung“ unter dem Motto „Defend Europe“ – „verteidigt Europa“ – auf Spendenbasis ein Schiff (Allergikerwarnung: Primärquelle) mit dem vorgeblichen Ziel, das von Menschenhändlern gemachte Geschäft mit der Einwanderung vor der italienischen Küste durch „Interventions- und Aufklärungsarbeit“ zumindest einzudämmen, also die Folgen der menschenfeindlichen Politik der CDU geringfügig zu lindern. Das gefällt nicht allen, denn Flüchtlingspolitik ist ein Thema, über das der Diskurs oft von Emotionen und nicht Gedanken bestimmt wird. Die Waffen, die also aufgefahren wurden, waren wohl gewählt, denn man griff flugs zum Schärfsten, das man gerade herumliegen hatte, nämlich zu Twitter: Unter dem Hashtag „#DefundDefendEurope“ wurde dazu aufgerufen, den finanziellen Spielraum der „Identitären Bewegung“ in sichere Grenzen zu leiten, und das vermeintliche Scheitern fortan kommentiert. Medial begleitet wurde das Getagge natürlich von der „taz“, die den Vorwurf unsauberer journalistischer Arbeit zwar nicht sehr schätzt, sich aber trotzdem dazu hinreißen ließ, Beobachtung mit Recherche zu verwechseln, indem sie beziehungsweise ihr mit „Reportage & Recherche“ untertitelter Redakteur Christian Jakob, der mit seinen Lesern auf Twitter auch schon mal Blogartikel des fragwürdig agierenden „linken“ Autors Sören Kohlhuber teilt, in einem Artikel, in dem Lauren Southern „Laura Southern“ und das Boulevardblatt „Daily Mail“ in guter journalistischer Tradition „Krawallblatt“ genannt wird, behauptete, die Besatzung des Mietschiffs bestehe, haha, selbst aus illegal Migrierenden und „Defend Europe“ sei, was nicht bloß vereinfachend, sondern schlicht unrichtig ist, eine „Anti-Flüchtlings-Mission“. Dass die auf Facebook zu findende Gegendarstellung (Vorsicht: Facebook!) der Organisatoren demselben Christian Jakob zwar ebenfalls keinen Link (denn das Nennen von Quellen ist sooo 90er und außerdem Nazi), wohl aber eine Verschärfung des Tonfalls wert war, indem er sie pauschal in einen Sack mit der Aufschrift „die Neonationalisten“ – weit ist es nicht mehr bis „die Nazis“ – steckte, ist ein durchaus auskunftsfreudiger Umstand.

Über die Existenz – wovor eigentlich? – gut geschützter europäischer Außengrenzen ließe sich sicherlich ausführlich diskutieren und bestimmt ist das auch bereits vielfach passiert; die Verharmlosung der offenbar menschenfeindlichen und, glaubt man den Verharmlosern selbst, rassistischen CDU durch einseitige negative Konnotation gemäßigter Aktivisten ist jedoch kein Zeichen von Menschlichkeit, sondern Ausdruck eines blanken Zynismus, der, sofern man sich selbst als einen Humanisten verstanden wissen möchte, nicht bloß Skepsis ernten sollte.

Verständnisfrage zum Abschluss

Weil ich mich sehr ungern unabsichtlich unbeliebt mache, sich meine Informationsquellen jedoch nicht durch besondere Heterogenität hervortun, stelle ich die Frage, deren Antwort mir dabei helfen könnte, etwaige Fettnäpfe aus diesem Themenbereich zu umgehen, zum Abschluss einmal an dieser Stelle:

Die „Identitäre Bewegung“ ist moralisch abzulehnen und man sollte ihre Aktivitäten dringend unterbinden, weil sie den Zuzug illegal transportierter Flüchtlinge verhindern möchte, vor Ministerien gegen von der Allgemeinheit für grundrechtsfeindlich gehaltene Gesetze demonstriert und auf dem Brandenburger Tor sichere Grenzen fordert. Die CDU hingegen ist ein wertvoller, zu schützender Teil der parlamentarischen Demokratie, weil sie den Zuzug illegal transportierter Flüchtlinge verhindern möchte, im Bundestag für von der Allgemeinheit für grundrechtsfeindlich gehaltene Gesetze votiert und in ihrem Wahlprogramm sichere Grenzen fordert.

Stimmt das so?

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Nicht mal Zukunft kann dieses Paint!

Auf ausgerechnet „ZEIT ONLINE“ lästerte Eike Kühl am vergangenen Dienstag über das untote Bildbearbeitungsprogramm Microsoft Paint:

Erst mit Windows 98 gab es überhaupt standardmäßig die Option, Bilder als JPG oder GIF zu speichern.

Während natürlich all die Konkurrenzprogramme, die schon „Mitte der neunziger Jahre“ (ebd.) so viel besser waren als dieses „für anspruchsvolle Bildbearbeitung (…) nicht zu gebrauchende“ (dto.) Paint, das Dateiformat JFIF, das im November 1996 als Trägerformat für JPEG-Daten spezifiziert wurde, schon mindestens unter Windows 95, ach was!, Windows 3.11 unterstützten und nicht erst unter Windows 98, dessen erste Vorabversion im Dezember 1996 erschien.

Was macht Eike Kühl eigentlich beruflich?

Netzfundstücke
Amazon: Kunden fragen, Leser fasst es nicht.

Dass Amazon.de seit einigen Jahren seine Kunden nicht nur Tand kaufen, sondern auch noch kostenlos Produktunterstützung für diesen Tand leisten lässt, indem sie gelegentlich darum gebeten werden, Fragen anderer Kunden zu bestimmten Produkten zu beantworten, hat sich mittlerweile sicherlich schon ebenso herumgesprochen wie der Umstand, dass diese Herangehensweise des Unternehmens offensichtlich besser erklärt werden müsste.

Nicht mehr auszuschließen ist jedoch, dass Amazon.de für die oft ziemlich blöden Kundenfragen und -antworten nicht viel kann. Die Leute sind einfach doof.

Nehmen wir als einfaches Beispiel einmal das prägnant betitelte Produkt „Handy Halterung, Lamicall iPhone Dock : Handyhalterung, Handy Halter, Phone Ständer, Handy Ständer für“, einatmen, ausatmen!, „iPhone 7, 7 Plus, 6s 6 / Plus, SE, 5 5s 5c, Samsung A3 A5 J3 J5 J7 S6 S7 S8, Huawei P8 P9 P10 / Lite, Honor 6X, 8, Tisch Zubehör, Schreibtisch, E-Reader, andere Smartphone – Schwarz“, offensichtlich eingestellt von irgendeiner mentalen Knackwurst, die im SEO-Grundkurs gelernt hat, dass mehr Wörter unabhängig von ihrer Schreibweise grundsätzlich mehr Geld einbringen. Schon aus dem Titel – wenn man in der gesellschaftsüblichen Lesefaulheit schon darauf verzichtet, die eigentliche Beschreibung näher zu betrachten – sollte schnell hervorgehen, dass hier – im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Vorrichtungen, die eine bestimmte Produktreihe voraussetzen – eine Halterung für irgendwie smartphoneförmige Geräte beinahe beliebiger Größe zum Verkauf steht.

Momentan gibt es 18 Fragen zu diesem Produkt, die ungefähr so lauten:

Für Blackberry geeignet?

Oder:

Geht die Halterung auch für samsung Galaxy s5mini und funktioniert es mit Schutzhülle

Oder:

ich kann den ständer ja auch für ein htc one m9 benutzen oder?

Oder:

Funktioniert die halterung auch für ein iphone se ?

Oder:

Geht Iphone 6s auch?

Oder:

Ist der Halter für das iPhone 5s kompatibel?

Oder:

Geht sie auch für das Huwai P8 ???

Oder:

Passt das iPhone 7 Plus auch in diese Halterung?

Oder:

Kann Mann die halte rung auch für eine Samsung galaxy s7 edge nutzen

Denn – hier absichtlich ungeachtet der mitunter nicht merklich klügeren Antworten – ein „Tisch Zubehör“ (sic!) mit ausdrücklicher Eignung für anscheinend jedes Smartphone, das dem Verkäufer beim Tippen gerade eingefallen ist, ist höchstwahrscheinlich für kein anderes Smartphone geeignet. Keines. Nie. Passt nicht. Kann gar nicht, steht nämlich nicht drauf.

keine Ursache

(Mit Dank an K.)

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. Juli 2017: Der Webcomics Rettung und anderes.

Gute Neuigkeiten: Zwar wird Microsoft Paint aus Windows 10 demnächst entfernt, jedoch war der Aufruhr so groß, dass es weiterhin zumindest angeboten werden wird. Die Szene der absichtlich laienhaft gestalteten Webcomics (man verstehe dies keineswegs ausnahmslos als Qualitätskritik) und ihrer Abonnenten ist eine durchsetzungskräftige, wie es scheint. Politische Parteien wären gut beraten, ließen sie in Wahlkampfdingen häufiger einmal langjährige Paintnutzer ihre Vorschläge einbringen.


Als stolzer Linux-Desktop-Nutzer – natürlich mit einer dieser Klickibunti-systemd-Distributionen ausgerüstet – hat man sein Portemonnaie gezückt, um ein Netflix-Abonnement abzuschließen, weil man sonst nichts mit seiner Freizeit anzufangen weiß? Dann wünsche ich viel Glück beim Streamen.


Endlich nie wieder in der eigenen Wohnung verlaufen! Der „Roomba“-Staubsauger verscherbelt künftig Raumpläne seiner „Besitzer“.


Ganz ohne Politik würde hier doch etwas fehlen: Was ist eigentlich ein Populist? Wer sich an das Grundgesetz halten möchte, sei ein Populist, behaupten die Fragesteller einer populären Bertelsmannstudie.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz gefragt (3): Peter Altmaier!

Herr Altmaier,

in Ihrer Funktion als Kanzleramtschef quatschten Sie einem Boulevardblatt (im Folgenden wiedergegeben von „Epoch Times“) hiermit vermutlich eine Seite voll:

Frauen seien auch in Deutschland noch nicht komplett gleichberechtigt, beklagte er: „Im Parlament sitzen deutlich mehr Männer, in den Chefetagen der großen Firmen gibt es fast keine Frauen.“

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen der Gleichberechtigung zweier Geschlechter und der Berücksichtigung des Geschlechts bei der Beförderung?

Die Kritik, dass die CDU nicht gerade als „Frauenpartei“ bekannt ist, wies Altmaier zurück. Immerhin stelle sie die erste Bundeskanzlerin.

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einer „Frauenpartei“ und einer Partei, deren rechtlich höchste Repräsentantin eine Frau ist?

Auch als Sommerurlaubslektüre hat sich Altmaier das Thema Frauenrechte vorgenommen.

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen Frauen- und Menschenrechten?

U. A. w. g.!

In den NachrichtenMontagsmusik
Vespero – The Course of Abagaz

Wir haben dich erwartet.Es ist Montag, was sehr schade ist, denn es kennzeichnet ein weiteres vertanes Wochenende. Zum Glück sollte aufgestanden werden, denn Arbeit lässt vergessen. Arbeit macht frei und Freiheit ist alles, worauf es ankommt, nicht wahr?

Politische Freiheit hat es dieser Tage noch ein wenig schwerer als die persönliche. Vom Erfolg der Spätpiraten zu lernen heißt siegen zu lernen: Es gibt nun einen feministischen Flügel in der F.D.P., womit ein Ende ihrer viel beleuchteten Rückkehr absehbar ist. Das bewährte Auffangbecken für Karrieristen, die auf naivem Weg einen Fuß in die Tür der Politik bekommen haben, hat keinen Boden. Bis dahin sollte aber geklärt sein, was alle bewegt: Wie knuffig ist eigentlich Christian Lindner?

Gute Nachrichten gibt es derweil aus Budapest: Nachdem ein Achtzehnjähriger, der herausgefunden hatte, dass die zuständige Niederlassung des für sicherheitstechnischen Flächenbrand bekannten Unternehmens T-Systems auf der von ihr betreuten Website eines Verkehrsunternehmens einen geradezu peinlichen Programmierfehler übersehen hatte, als Strafe für das Melden dieses Fehlers vom Verkehrsunternehmen stolz angezeigt worden war, prasseln auf die Facebookseite besagten Unternehmens zahlreiche Negativbewertungen nieder, weil sehr wenige Menschen mit diesem Verständnis von Computersicherheit einverstanden sind. Es ist ja nicht alles schlecht in Budapest. Im deutschsprachigen Raum wird währenddessen ein Projekt herumgereicht, mittels dessen Twitternutzer sich selbst auf einer Landkarte eintragen können. Das ist nett, denn diese Daten machen das Erstellen von Personenprofilen viel einfacher.

Eigentlich wäre das zum Kotzen, aber zum Glück gibt es Musik. Musik macht vieles viel besser.

Vespero – The Course of Abagaz (Live 15.05.2015, STD ,Astrakhan, Russia)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum parteilichen Engagement anlässlich der Paraden zum „CSD“ in Berlin

Die diesjährigen Paraden zum „Christopher Street Day“ in Berlin, traditionell Ausdrucksform von sexueller und damit maximal persönlicher Freiheit, wurden flankiert von der wie gewohnt langweiligen Berliner SPD und der örtlichen „Linken“, die sogleich befand, man sollte irgendeine Liebe „gleichstellen“, sowie Vertretern des ethisch abtrünnigen Berliner Landesverbandes der Piratenpartei, der sich davon überzeugt gab, die sexuelle Ausrichtung ihrer „Doppelspitze“ – allein das Wort schon – sei ein Wahlanreiz für irgendwen außer ihm selbst, womit parteiübergreifend der Wunsch nach Politisierung der Liebe festzustellen ist, als handele es sich bei der Tiefe der Zuneigung zu einem oder beliebig vielen Menschen oder Gegenständen um ein Thema, das sich in einem Satz mit Bundeswehreinsätzen, Rentenkassen oder Importbeschränkungen semantisch wohl fühlte, denn was gerade in jedem dieser unsäglichen Wahljahre gern missachtet wird, ist, dass nicht jeder Lebensbereich einer ist, in dem ein starker Staat etwas zu suchen hat, und jede Partei, die sich zwecks bloßer Werbung für den Fluss von mehr bundesgeförderten Wahlkampfmittel (d.h. Kohle) in die eigene Kasse dazu herablässt, die Entscheidung darüber, wer („alle“) mit wem („allen“) eine Beziehung führen darf, zu einer politischen und damit auch eigenen zu erklären, sollte jede einzige Stimme derer, um die sie so lautstark werben, moralisch auf Jahre hinweg verspielt haben und nie wieder auch nur in der finanziellen Lage sein können, sich noch einmal mit lautem Getöse zum Entscheider über sexuelle Freiheit zu erklären.

In den NachrichtenWirtschaft
Das auch mit Spielgeld nicht gelöste Problem: Ein Nachtrag.

In meinem Exkurs über den Bitcoin- und Ethereumwahnsinn habe ich versehentlich einen Teilaspekt zu beleuchten vergessen, der etwa zur gleichen Zeit wieder tagesaktuell wurde. Mir sei gestattet, dies an dieser Stelle nachzuholen.

Eine wichtige Schwäche der vorhandenen Zahlungsmittel nämlich, da gebe ich den Ideenhabern der „Kryptowährungen“, wenn auch ungern, Recht, ist die zentralistische Struktur der damit verbundenen Konten, was bedeutet, dass es als übliche Konstellation gilt, dass das Schicksal des irgendwo gelagerten Geldes in den Händen einer einzigen Person oder wenigstens Institution liegt, der damit zumindest – von einschlägigen Gesetzen abgesehen, möglichen Übeltätern nämlich sind Gesetze oft nicht unbedingt die wichtigsten Regelwerke – die Möglichkeit gelassen wird, besagtes Geld an sich zu nehmen oder den Geldtransfer Einzelner zu unterbinden. Dies wäre mit einer verteilten Bezahlinfrastruktur lösbar, wird aber ausgerechnet von „Kryptowährungen“ beibehalten: Klaut mir jemand die virtuelle Geldbörse, kommt künftig ihm sämtlicher Geldfluss in diese virtuelle Geldbörse zugute. Ohne eine Kontrollinstanz, die mir diese virtuelle Geldbörse nach wie auch immer gearteter Autorisierung wieder zurückgeben kann, könnte ich sehr schnell sehr große wenigstens finanzielle Probleme bekommen.

Die De-facto-Alternativen zu Bargeld oder Schuldscheinen in Form einer Kreditkarte sind zumindest im Web derzeit die frühere eBay-Tochter PayPal, die dafür bekannt geworden ist, ihren Kunden das Ersparte wegzunehmen, weil ihren Entscheidern nicht gefällt, was die Kunden damit tun, und Patreon, eine Art Vermittlungsdienst zwischen Künstlern und Kunstfreunden. Dass die mediale Diskussion über die Geschäftspraktiken solcher Dienste stark von politischen Vorlieben statt von objektiver Ethik geprägt ist, dass die faktische Enteignung von Wikileaks durch PayPal und Amazon also empörte Reaktionen hervorrief, die dieswöchige faktische Enteignung einer YouTuberin aus vorgeschobenen Gründen durch Patreon jedoch Schadenfreude, ist unangenehm menschlich, lenkt aber auch von dem vermutlich einzig bedeutsamen Fakt ab: Das Internet braucht heute nötiger als bislang ein nicht an jeweils einen einzigen Anbieter gebundenes Protokoll zur Übertragung von gesetzlichen Zahlungsmitteln.

Sicher ist, dass eine Erweiterung des Zahlungsmittelbegriffs um irgendwelche „Coins“ dieses Bedürfnis nicht stillt.

In den NachrichtenPolitik
„Stasi 2.0“ (Alternativfassung)

Oder eben auch so:

Ein gemeinsames Abhörzentrum soll die Sicherheitsbehörden in Ostdeutschland effizienter machen. (…) Es gehe nicht darum, den „rechtstreuen Bürger auszuschnüffeln“, versucht Sachsens Innenminister Ulbig zu beruhigen. (…) Das Abhörzentrum – offiziell Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum (GKDZ) genannt – soll Ende 2019 in Leipzig in Betrieb gehen. Darin soll die polizeiliche Kommunikationsüberwachung der fünf Länder gebündelt werden.

Niemand hat die Absicht, den Begriff der Rechtstreue besonders weit auszulegen.

Was HeidelbergCement wohl gerade macht?

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik CV: Protestnazis im Wandel der „ZEIT“

Dass das mediale Bild von Kritik an staatlicher Zensur digitaler Medien sich seit den noch einigermaßen wohlwollenden Berichten über die „Zensursula“-Demonstrationen verändert hat, bedarf vermutlich keiner weiteren Belege. Seit der Flüchtlingssache – ob nun damit begründet oder nicht – ist den Medien jeder Vorstoß der richtigen politischen Seite gegen das Böse ein guter, denn als weltoffenes Land sollte man es mit der Toleranz nicht zu weit treiben.

Leider gibt es hierfür ein aktuelles Beispiel.

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