Archiv für Oktober 2010

Lyrik
Lamento

In Gedanken am Leben
doch in Gedanken allein,
träumend nur glücklich
bin ich armes Schwein!

Zu viel schon verloren,
ein Gewinn? Stets nur Schau!
Nur Regen, nie Sonne,
seh ich arme Sau!

Im Sommer zu heiß,
im Winter zu kühl;
selbst das Wetter treibt mit mir
ein hinterhältig‘ Spiel!

Keine Perspektive,
kein Sinn mehr gegeben,
ich bin wirklich arm dran
mit meinem Leben.

Die Leute sind fröhlich,
sie sind meist gut drauf,
nur ich bin schlecht drunter;
ich hör ja gleich auf!

Was mir liegt: Versagen!
Was sonst: Einsamkeit!
Nur eins liegt mir gar nicht
und zwar: Selbstmitleid.

NerdkramsNetzfundstücke
Dell: Antimatt.

(Ich wollte vorerst keinen Text mehr über so Computersachen schreiben. Keine Sorge; dies ist eigentlich keiner.)

Wer sich dieser Tage einen neuen Laptop zulegen möchte, hat nur wenig Auswahl, wenn es darum geht, einen entspiegelten Bildschirm zu erhalten. Innerhalb der letzten Jahre hat sich herumgesprochen, dass die Glare-Type-Bildschirme, also die, auf denen man bei Hintergrundbeleuchtung seine eigene Visage mitunter besser sieht als den Bildschirminhalt, deutlich preiswerter zu produzieren sind als die mit entspiegelter („matter“) Anzeige. Wenngleich die deutschen Richtlinien zumindest festlegen, dass nicht entspiegelte Bildschirme wegen der Schädlichkeit für die eigene Sehkraft nicht am Arbeitsplatz gestattet sind, so scheinen viele Laptophersteller doch ihr Angebot eher am Heimanwender auszurichten. Selbst ehemals geschäftsfreundliche Hersteller wie Dell verlegten ihr Hauptaugenmerk mittlerweile auf spielende Heimanwender; so kann zum Beispiel die ansonsten hochklassige neue XPS-Serie, nach der sich die europäische Gemeinschaft der Laptopnutzer derzeit sämtliche Finger lecken dürfte, nur mit einem „True-Life-Display“, also einem nicht nur spiegelnden, sondern wirklich sehr spiegelnden Bildschirm aufwarten.

Ich möchte auch gar nicht weiter ins Detail gehen, sondern euch, liebe ungeduldige Leserschar, direkt zur Pointe führen:
Heute Mittag blätterte ich wieder einmal in den aktuellen Dell-Angeboten und wurde von Belustigung befallen, als ich die Übersichtsseite über Precision-Modelle sah:

Bitte was? Regie, kann ich das noch mal haben?

„Anti-Entblendung“? Freundlicherweise wird dieser Terminus nicht einmal im Kleingedruckten erläutert.
Unter „Entblendung“ verstehe jedenfalls ich die Entspiegelung eines Bildschirms, einen matten ebensolchen eben.

Was also ist „Anti-Entblendung“? Eine spezielle Schicht, die das Entspiegeln verhindert?
(Das ist beinahe so blöd wie die geplante integrierte SIM-Karte von Apple.)

Meine Güte!

Nerdkrams
Warum Windows 7 Murks ist

(Es folgt ein weiterer Text über „Computer und so“, angeregt durch ein heutiges Erlebnis. Man möge mir bei Unwillen die Einseitigkeit der Themenwahl nachsehen und sich auf folgende Beiträge freuen.)

Man sollte meinen, das Thema Windows 7 sei längst ausreichend besprochen worden; nachdem ich allerdings gestern frühmorgens einen Dialog mit einem Linuxnutzer führte, der darauf bestand, Windows 7 sei das allerbesteste Windows (mindestens) aller Zeiten, sehe ich mich gezwungen, zur späteren Referenz hier einige Gegenargumente zu sammeln.

Windows 7 ist gegenüber den Vorgängerversionen, inklusive Windows Vista, technisch gesehen ein klarer Rückschritt.

Die Aufgabe eines Betriebssystems ist es nicht, dem Benutzer eine vollständige Arbeitsumgebung bereitzustellen; das Betriebssystem GNU/Linux tut dies ebenfalls nicht (und genau darum gibt es Distributionen wie Debian, Fedora und andere). Was es hingegen tun soll, ist es, die Arbeit mit den selbst gewählten Anwendungen und den eigenen Dateien bestmöglich zu erleichtern.

Der „Windows Explorer“, der Dateimanager, den Microsoft seit Windows 95 kontinuierlich in die falsche Richtung entwickelt, läuft dem zweiten Ziel zuwider. Hatte der Dateimanager von Windows 3.x (winfile.exe) noch einige wirklich nützliche Funktionen wie etwa den Dualpanel-Modus, den man als Anwender heutzutage umständlich nachrüsten muss, indem man alternative Dateimanager wie den sicher nicht unbegründet beliebten Total Commander installiert, so besitzt der Explorer in Windows 7 nicht einmal mehr eine Schaltfläche, um in das übergeordnete Verzeichnis zu wechseln. Die wenigen verbliebenen Schaltflächen wurden dafür größer und bunter gestaltet. Function follows form. (Hier hilft zum Beispiel die quelloffene Zusatzanwendung Classic Shell, die einige in Windows 7 entfernte Funktionen wieder bereitstellt.)

Und auch das Arbeiten mit laufenden Anwendungen hat Microsoft in Windows 7 deutlich erschwert. Nachdem zu Beginn der Windows-95-Entwicklung noch mit einer universellen Verknüpfungsleiste experimentiert wurde (unter anderem auf winhistory.de zu sehen), hielt schon nach kurzer Zeit die bis einschließlich Windows Vista konstante Taskleiste in das System Einzug, mit deren Hilfe zwischen offenen und minimierten Fenstern gewechselt werden konnte. Der Internet Explorer 4 rüstete später die „Schnellstartleiste“ nach, also die Möglichkeit, beliebige Verzeichnisse direkt in die immer sichtbare Taskleiste zu legen. Mit Windows 7 wurde dieses bewährte, sinnvolle Konzept zugunsten der „Superbar“ über Bord geworfen.

Die „Superbar“ ist eine Art universelle und in der Standardeinstellung etwas breit geratene – man bedenke, dass der Trend zum Breit-, nicht zum Hochbildschirm geht – Leiste am unteren Bildschirmrand, die laufende Anwendungen, geschlossene Anwendungen, minimierte Anwendungen, Ordnerfenster und Verknüpfungen in Form von via Menüeintrag „angehefteten“ Programmen, mit lustigen Animationen versehen, wild durcheinandergewürfelt und standardmäßig unbeschriftet anzuzeigen vermag. Zwar ist es mit ein wenig Aufwand möglich, der Leiste weitgehend die alte Gestalt zu geben und auch eine separate „Schnellstartleiste“ einzurichten, die „Anheften“-Funktion jedoch lässt sich ohne krude Umwege ebensowenig deaktivieren wie die allgegenwärtigen neuen Vorschau- und sonstigen Popups. Selbst die ausgeblendeten Symbole im Benachrichtigungsfeld, fälschlicherweise oft „Tray“ genannt, werden nicht mehr ausgefahren, sondern in einem langweiligen weiß-grauen Popupfenster angezeigt, das obendrein nicht einmal selbstständig verschwindet, wenn eine andere Anwendung im Vordergrund aktiv ist; eine sehr nützliche Neuerung!

Nicht vergessen sollte man auch, dass das gleichfalls seit Windows 95 existente und seit Windows XP immerhin noch optional verfügbare „klassische Startmenü“, das einspaltige also, in Windows 7 abgeschafft wurde, so dass man nicht umhin kommt, das große, zweispaltige Startmenü zu nutzen und sich durch das „Alle-Programme“-Menü zu klicken, wenn man aber lediglich eine selten benutzte Anwendung aufrufen möchte, deren Verknüpfungsnamen man gerade nicht mehr parat hat, so dass die integrierte Suchfunktion nicht hilft. (Classic Shell beseitigt übrigens auch diesen Missstand.)

Zwar wurde so der Ansatz, Altlasten über Bord zu werfen, konsequent verfolgt, aber nicht alle Altlasten waren wirklich als „Lasten“ anzusehen. Wer einmal, noch nicht in die Tiefen des Windows-7-Startmenüs vorgedrungen, sehen möchte, was Microsoft unter „Altlasten“ versteht, dem empfehle ich, einen Blick auf das erstmals seit mindestens Windows 3.0 umgestaltete Programm „Paint“, ehemals „Paintbrush“, zu werfen, das, ebenso wie WordPad, mit den aus Microsoft Office 2007 und 2010 bekannten Multifunktionsleisten ausgestattet wurde:

Ich nehme an, die für die Gestaltung verantwortlichen Microsoft-Mitarbeiter hatten einen guten Grund dafür, die wenigen für dieses Programm benötigten Schaltflächen auf eine absurde Größe aufzublasen, in irgendwelchen obskuren Paneelen zu verstecken und an den oberen Fensterrand zu kleben (wir erinnern uns: Breitbildschirme!). Allerdings kann es durchaus sein, dass ich in diesem Punkt irre.

Weiters wird ins Feld geführt, Windows 7 sei das bisher schnellste und stabilste Windows-Betriebssystem. Nun, das mit der Schnelligkeit lässt sich flugs widerlegen, man installiere nur einmal Windows XP auf demselben Computer und messe die Zeit, die es für dieselben Aufgaben benötigt. Auch, dass Windows 7 schneller als der unmittelbare Vorgänger Windows Vista sei, ist zumindest eine Pauschalisierung. Sehr unterscheiden sich Windows 7 und Windows Vista nämlich nicht, der Betriebssystemkern ist nahezu identisch. Was Windows Vista vorrangig „langsamer“ machte, waren unachtsame Standardeinstellungen für Systemdienste wie etwa den Indizierungsdienst, die in Windows 7 noch immer ihren Dienst verrichten, lediglich mit geänderten Startparametern. (Ein Windows-Vista-Nutzer, der dies hier liest, sei nunmehr dazu angeregt, sich einmal in der Computerverwaltung unter „Dienste“ umzusehen.)

Auch die Stabilität scheint Glückssache zu sein, denn Windows 7 hat sich auf meinem Laptop schon häufiger verabschiedet als jedes Windows vor ihm auf jedem meiner anderen Rechner; und ich nutzte zeitweise selbst Windows Me, mit dem ich allerdings ebenfalls nie Probleme jedwelcher Art hatte. Letztlich steht und fällt die Systemstabilität mit Treibern, und wer unter Windows Vista jedes Gerät einwandfrei nutzen könnte, für den bringt die etwas größere Treiberauswahl unter Windows 7 keinen Mehrwert.

Insgesamt ist Windows 7 meines Erachtens ein Griff ins Klo. Essenzielle Systemfunktionen, etwa eine Übersicht über laufende Programme, sind nur noch nach umständlicher händischer Anpassung des Systems oder der Nachinstallation von Drittanbierersoftware zugänglich. Dass Microsoft bereits an Windows „8“ arbeitet, aber noch keine Informationen über die Bedienoberfläche verfügbar sind, gibt mir konsequent manchen Grund zur Sorge.

(Dürfte ich jemals einen einzigen Wunsch an die Windows-Entwicklerabteilung äußern, so lautete er jedenfalls wie folgt: „Bitte, liebe Windows-Entwicklerabteilung, gib uns nach 17 Jahren endlich wieder einen Dateimanager, der diesen Namen verdient! Tabs würden genügen, es müssen nicht einmal mehrere Paneele sein.“ – Aber das wird wohl ein Traum bleiben.)

FotografieNetzfundstücke
GeTränke

In klein und schlecht fotografiert:

In groß auf berentzen.de, ausgewählte Motive (1):

In groß auf berentzen.de, ausgewählte Motive (2):

Schlimm, das.

(„WaldFrucht“ mag ja aus typografischen Gründen zwar falsch, aber einleuchtend sein: „Frucht aus dem Wald“. Aber was genau ist eine „JohannisBeere“?)

In den NachrichtenProjekte
Es lebe das Maultier!

(Aus aktuellem Anlass folgt ein etwas längerer, aufgrund meiner Arbeit an eMule beba durchaus auch parteiischer Text über BitTorrent, Gnutella und eMule. Wer „mit der Scheiße“ „eh“ „aufgehört“ hat, der ist herzlich dazu eingeladen, ihn nicht weitergehend zur Kenntnis zu nehmen.)

Während der vergangenen Stunden wurde die Meldung verbreitet, mit LimeWire sei eine der dienstältesten P2P-Plattformen nun auch der RIAA zum Opfer gefallen.

„Lime-was?“

LimeWire – die jüngeren Internetnutzer aus der Generation nach Napster und Audiogalaxy kennen das vermutlich gar nicht mehr – war, ähnlich wie zur gleichen Zeit auch KaZaA, eine für das Tauschen von Musikdateien optimierte Tauschbörse, die im Gnutella-Netzwerk heimisch war, wo unter anderem auch die noch immer aktiven Programme Shareaza und FrostWire (ein werbefreier, codeoffener Nachbau von LimeWire) zu finden sind.

LimeWire sieht ungefähr so aus:

Das Ende von LimeWire bedeutet keinesfalls den Tod des Gnutella-Netzwerks, zumal unter anderem mit FrostWire und Shareaza einige vorzügliche Alternativen zur Verfügung stehen. Ist dies nun also tatsächlich ein weiterer Schritt zum Ende jeglichen Filesharings? Ich meine: Nein.

Abgesehen von Napster, Audiogalaxy und FastTrack (KaZaA, KaZaA Lite, später K-Lite) ist innerhalb des letzten Jahrzehnts kein nennenswertes Tauschnetzwerk quasi ausgestorben; und diese drei stellten sozusagen die Pioniere dar. Bis heute aktiv ist neben den recht alten Netzen Gnutella (als „Gnutella 2“ in unter anderem Shareaza nochmals verbessert) und Soulseek (verbreitet gerade für unbekanntere Musikstücke) auch und gerade die Kombination aus eD2K (ehemals eDonkey2000) und Overnet (als Kademlia) in dem noch immer aktiv weiterentwickelten Tauschprogramm eMule, letzteres auch als Teil von BitTorrent („DHT“).

Nun, BitTorrent ist ein eigentlich ziemlich wurstig konzipiertes Protokoll und sicher nicht als „Ersatz“ für eMule, Gnutella et al. geeignet.

Filesharing ist kein Filetrading!

BitTorrent ist kein Filesharing-Protokoll. Das Konzept des Filesharings, das die anderen genannten Netzwerke überhaupt bis heute am Leben hält, besagt, dass auf dem Verteilen von Dateien („sharing files“, wie der Franzose sagt) das Hauptaugenmerk des Benutzers liegt. Letztlich ist ein eventuelles Herunterladen, womöglich gar im Verhältnis 1:1 oder höher, nur eine nette Nebenerscheinung, wichtig ist es, dass man sich als Teil eines großen Netzes begreift, dessen primäres Ziel es ist, möglichst viele Dateien möglichst lange am Leben zu erhalten. Mit eMule funktioniert das bis heute wunderbar, die durchschnittliche Dateilebensdauer übertrifft die in anderen Tauschbörsen bei weitem.

Ganz anders dagegen BitTorrent. BitTorrent-Tracker werben mit der hohen Geschwindigkeit, die man auf ihnen erreichen kann. Und hier sind ein Denkfehler und ein großer Nachteil von BitTorrent versteckt, denn auch BitTorrent kann nur so schnell herunterladen wie die Netzteilnehmer hinaufladen. Wenn ich eine Datei herunterladen möchte, die nur von drei Leuten mit einfacher DSL-Geschwindigkeit angeboten wird, dann kann ich sie weder via eMule noch via BitTorrent-Client mit „voller Geschwindigkeit“ herunterladen. Schlimmer noch: Der vermeintliche Geschwindigkeitsvorteil gegenüber anderen Tauschbörsen, der in der Praxis in der Regel keiner ist, wird erkauft mit geringerer Dateilebensdauer und weniger Netzteilnehmern.

Geschwindigkeit ist nicht alles.

Verbreitet sind derzeit so genannte „Anti-Leech-Tracker“ (kurz „ALT“), die ein gewisses Upload-Download-Verhältnis auf Seiten ihrer Nutzer zu forcieren versuchen und mit vermeintlicher Sicherheit werben, weil man für die Teilnahme an ihnen „angemeldet“ sein muss; dazu weiter unten mehr. Diese aufgrund der benötigten (meist nicht offenen) Anmeldung eher nutzerarmen „Tracker“, zentrale Anlaufstellen zum Auffinden von Dateien (dazu ebenfalls weiter unten mehr), haben natürlich auch weniger Dateien im Angebot. Weniger Benutzer, die gleichzeitig weniger Dateien herunterladen möchten, verursachen natürlich auch weniger Leitungsauslastung bei den Gegenübern, das bedeutet, sie können diese wenigen Dateien auch schneller herunterladen. Ob das wirklich uneingeschränkt als Vorteil gewertet werden kann?

Mehr noch: Auf der Jagd nach immer den neuesten Dateien haben „alte“ Dateien im BitTorrent-System oft das Nachsehen. Übertrieben dargestellt: Ein Kinofilm, der bereits nicht mehr in den „Top 10“ ist, wird aus dem Netz entfernt, „will eh keiner mehr haben“, und die frei gewordene Bandbreite steht den neuesten Veröffentlichungen zur Verfügung. Der interessierte Nutzer steht dann vor 0 Quellen („Seedern“) und darf auf dem jeweiligen Tracker betteln („requesten“) gehen, damit die Datei – für eine kurze Zeit – wieder zur Verfügung steht.

Das mit der Geschwindigkeit ist ohnehin so eine Sache. Oft geworben wird auch mit „Seedboxen“ oder „Webseeds“, also parallelem Herunterladen von schnell angebundenen Web- und speziellen BitTorrent-Servern, die in irgendeinem Rechenzentrum stehen. Nun ist diese Technik nicht neu und schon gar kein herausragendes Kriterium von BitTorrent, denn zum Beispiel eMule beherrscht das Herunterladen von Webservern und einzugebenden IP-Adressen, etwa einem in einem Rechenzentrum herumstehenden Server mit aMule, schon lange; diese Quellen können in beliebiger Zahl Teil des ed2k-Links sein oder während der Laufzeit manuell hinzugefügt werden.

Sicher ist sicher.

Ich erwähnte im vorigen Abschnitt kurz die vermeintliche Sicherheit von „ALT“. Man sei ja unter sich, heißt es aus BitTorrent-Nutzerkreisen. „Unter sich“?
Bei der Anmeldung auf einem solchen „ALT“ wird selten die Identität des sich Anmeldenden überprüft. Dass bislang offenbar kein Rechtsanwalt von unangenehmen Konzernen wie etwa Sony von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, bedeutet nicht, dass dies auch zukünftig nicht passieren wird. Natürlich: BitTorrent war nie dafür gemacht, Schwarzkopien zu verteilen; eMule allerdings ebenso wenig.

Zumal BitTorrent zwar verteilt, aber doch zentralisiert arbeitet, denn die Tracker, die die initialen Quellenlisten oder auch nur die Magnet-Links bereithalten, sind abschaltbar. Schaltet man einen solchen Tracker also ab und hat nicht das Glück, dass auf ihm rückverfolgbare Spuren von Nutzern zu finden sind (so ein „ALT“ speichert auch die Uploadrate eines Teilnehmers, wie praktisch für potenzielle Abmahner!), so hat man doch zumindest viele Dateien vorerst entfernt, und viele Nutzer gucken erst einmal in die Röhre und müssen sich nach einer anderen Quelle umsehen. Ähnlich verhielt es sich früher mit eMule und den eDonkey2000-Servern; seit eMule jedoch mit Kademlia ein vollständig dezentrales Netz unterstützt, das ohne jegliche Unterstützung eines zentralen Servers mit anderen Benutzern kommunizieren kann, ist dieses Problem hier ebenfalls nicht von Bedeutung.

Wer jedenfalls die „Sicherheit“ eines Systems, das im Wesentlichen darauf basiert, dass man sich gegenseitig über die weltweit eindeutige Anschlusskennung, eben die IP-Adresse, identifiziert, in Relation zu einem anderen System setzt, das ebenfalls so arbeitet, der ist zumindest als naiv anzusehen. Übrigens funktioniert das Herunterladen von Webservern auch nicht anders: Sofern sie nicht, wie ich, ihre Besucher anonymisieren, haben die Betreiber von Downloadportalen wie etwa RapidShare jederzeit Zugriff auf die eindeutige Kennung, die benutzt wurde, um eine Datei mit nachvollziehbarem Namen zu einem nachvollziehbaren Zeitpunkt herunterzuladen, was meines Wissens bisher indes noch nicht vorkam (ausgenommen hiervon die Fälle, in denen Personen, die Dateien dort veröffentlicht haben, rechtlich belangt wurden, was immerhin zeigt, dass dies nicht ausgeschlossen ist). (Schwachsinn ist es vor diesem Hintergrund auch, sich unter Angabe seiner Realdaten, unter anderem der Bankverbindung, einen so genannten „Premiumaccount“ bei einem dieser Anbieter zu besorgen, um sich so einfacher die heiße Ware beschaffen zu können. Solche Leute würden wohl auch bewaffnet in eine Bank spazieren und unter Vorlage ihres Personalausweises die Herausgabe der Kasse verlangen; aber ich schweife ab.)

Möchte man an der schönen Tauschwelt teilhaben, ohne seine Identität preiszugeben, bleibt letztlich nur die Identitätsverschleierung mittels VPN (Virtual Private Network, mehr dazu in der Wikipedia). Derart anonymisiert steht einem die Welt für jegliche Schandtaten offen. Warum nicht auch für eMule? (Eine umfassende bebilderte Anleitung, wie man eMule auf absehbare Zeit selbst mit nur wenig Ahnung von der Materie abmahnsicher betreiben kann, habe ich vor nicht langer Zeit im gulli:board verfasst.)

Wer suchet, der findet.

Was übrigens haben Gnutella-Clients und eMule, was BitTorrent bis heute fehlt und wohl auch weiterhin fehlen wird?
Oben im Bild ist es zu sehen: Sie bieten die Möglichkeit an, nach Dateien direkt aus der Programmoberfläche heraus zu suchen.

Die unzulänglich dezentralisierte Struktur von BitTorrent bringt es mit sich, dass es keine zentrale Anlaufstelle gibt, die nach Dateien und Quellen befragt werden kann. Sind es bei Gnutella und eD2K die Server, so ist es bei Kademlia die verteilte Suchanfrage via Weiterleitung über die einzelnen Netzteilnehmer. BitTorrent erlaubt dies mittels DHT ebenfalls, bleibt allerdings auf den jeweiligen Tracker beschränkt. Will man via BitTorrent eine Datei herunterladen, so ist zunächst eine Suche in den einschlägigen Foren und auf verschiedenen Trackern nötig; und wird man fündig, so ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass man auf den Hinweis „0 Seeder“ stößt. Dies ist, wie ich meine, das größte Manko von BitTorrent; denn Dateien, die ich nicht finde, kann ich nicht herunterladen, völlig unabhängig davon, mit welcher Geschwindigkeit ich sie herunterladen könnte, fände ich sie denn. Die Wichtigkeit des Konzepts Filesharing wird hier wieder deutlich.

Ein wenig polemisierend schrieb ich als Kommentar zu der eingangs erwähnten Nachricht, eMule habe nunmehr ein weiteres Tauschbörsenprogramm überlebt. Ich bin mir sicher, es wird nicht das letzte bleiben.

Und das mit gutem Grund.

(Oder hat schon einmal jemand von euch, liebe Leser, ein Plüschbittorrent gesehen?)

NetzfundstückeSonstiges
Halloween mit den Zeithexen

Und dann waren da noch die Harzhexen. Die Harzhexen, so trompetete mir heute ein Plakat entgegen, zelebrierten in Bälde ein Fest anlässtlich des bevorstehenden Bettelfestes:

Auch auf dem Plakat zu sehen waren einige in eigenartige Kleidung gewandte Frauen sichtlich gereiften Alters, von denen ich mangels Beschriftung nur annehmen kann, es handle sich um die Harzhexen.

Die Abbildungen befand ich indes für weniger schaurig als die gruselige Zeitangabe, die mich zweimal hinsehen ließen, damit ich sicher gehen konnte, dass es tatsächlich kein Karnevalsplakat war:

Seit ich dies („19:91 Uhr (20:31 Uhr)“) gelesen habe, versuche ich herauszufinden, wie sich diese Angabe logisch erklären lässt.

Ist 20:31 Uhr nämlich tatsächlich gleichbedeutend mit 19:91 Uhr („19 Uhr und 91 Minuten“, was ja so immerhin stimmt), rechnet man also nicht in 60er-, sondern in 91er- oder zumindest in 100er-Einheiten, so ist 20:31 Uhr zwar „das Gleiche“ wie 19:91 Uhr, aber keinesfalls gleichbedeutend mit 20:31 Uhr MEZ.

Gehen wir einmal der Einfachheit davon aus, dass in 100er-Schritten gerechnet wird, so entspricht die Zeitangabe „20:31 Uhr“ dem Tagesbeginn + (20 * 100) + 31 Minuten, also 2031 Minuten; nach Adam Riese und selbstverständlich auch Eva Zwerg ergibt das, zurückgerechnet auf nichtbehexte Zeiteinheiten, 33 Stunden und 51 Minuten. „Heute um 19:91 Uhr“ wäre also morgen früh um kurz vor 10. Und das ist nur das Hundertersystem; vielleicht rechnen Hexen ja in noch krummeren Zeiteinheiten?

Wer kann helfen?

KaufbefehleMusikkritik
Dear John Letter – Part & Fragment

Lange genug hat’s gedauert, jetzt halte ich es ehrfürchtig in meinen flugs desinfizierten Händen, lausche der in Ton gegossenen Kunst, getragen von Rhythmus, wabernden Melodien und der immer ein wenig bekifft wirkenden Stimme von Martin Fischer und bekomme wg. Trance nur wenig mehr als drei Wörter am Stück heraus, was das Schreiben nicht einfacher macht.

Es stand zu befürchten, dass der Plattenvertrag, den das Quintett nach der Veröffentlichung des Debüts Between Leaves | Forestal unterzeichnet hat, negative Konsequenzen für die folgenden Veröffentlichungen haben würde, zumal via YouTube eine ausdrücklich als „radio edit“, also „Radioversion“, betitelte Version des eröffnenden „You Remain Unshakeably Calm“ verbreitet wurde, wenngleich mir die Band nach Bekanntwerden des Vertragsabschlusses höchstselbst versicherte, dass sie sich weiterhin auf ihre ureigenen Qualitäten konzentrieren würde; aber man weiß es ja nie so genau. (Für die übermäßige und vermutlich nicht immer allzu präzise Verwendung des Wortes „würde“ bitte ich den zeitgleichen Konsum psychedelischen Lauschgifts verantwortlich zu machen.)

Zu meiner persönlichen Erbauung sollte sie Recht behalten:
Das Album „Part & Fragment“ meiner trotz Nihiling noch immer nicht vom Thron gestoßenen Lieblings-Postrocker Dear John Letter ist, bandtypisch und zur Musik passend für den Herbst des Jahres angekündigt, seit vergangenem Freitag zu bekommen und lag bis heute aus Zeitmangel noch in meinem Postfach herum.

Und es ist klasse.

Filigran wie gewohnt beginnt es mit dem artwork, das eine eigenständige Würdigung verdient. Auf bedruckter Pappe oder jedenfalls etwas, was sich anfühlt wie bedruckte Pappe, ist außen- und innenseitig die Fassade einer bayerischen Altstadt gemalt, und wer jemals in Augsburg war, der weiß, dass es jedenfalls nicht Augsburg ist. Dass die Szenerie indes in Bayern anzusiedeln ist, folgere ich daraus, dass eines der Schaufenster mit „Brezen“ beschriftet ist. Wie überhaupt recht viel zu entdecken ist, etwa zwei Personen, die einen Flügel an einem Seilzug eine Häuserfassade entlang bewegen, an deren unterem Ende eine weitere Person steht und interessiert nach oben blickt. Ich bescheinige dieser Szene Amusement-Qualität. Zu bemängeln ist allenfalls: Obwohl die jeweils dreiteilige Szene in Dreiecksform gefaltet werden kann, so schließen rechtes und linkes Ende doch nicht aneinander an, vermutlich ist es allerdings auch nicht so gedacht. In dem papiernen Streifen, der das Album umfasst, ist ein Gedicht zu lesen. Ob es sich um einen Textausschnitt handelt, bleibt mir verschlossen. Ihr wisst ja: Die Trance. (Nachtrag vom 6.11.: Es handelt sich tatsächlich um den Anfang von „You remain unshakeably calm“.)

In der hübschen Verpackung stecken ein Poster mit den üblichen Informationen, unter anderem den beteiligten Musikern, aber ohne Liedtexte, sowie natürlich der Tonträger selbst, bedruckt mit einem stilisierten Zodiak, der anstelle der Tierkreiszeichen jedoch Dreiecke, Vierecke und Sterne aufweist, und einer Liste der enthaltenen Stücke.

Aber jetzt habe ich viel zu lange über Äußerlichkeiten referiert, entscheidend ist bei einem Musikalbum doch meist, was auf ihm zu hören ist; also wende ich mich der Musik zu. Wie das, was zu hören ist, ungefähr klingt, demonstriert oben erwähnte Radioversion schon recht anschaulich. Und obwohl Dear John Letter sich unverkennbar wie Dear John Letter anhört, ist „Part & Fragment“ doch weit mehr als nur ein zweites „Between Leaves | Forestal“. Eine Abwendung vom Postrock wurde attestiert, und auch, wenn sich das Album nicht bloß in die Worte „klingt wie Postrock mit prima Gesang“ kleiden lässt, so ist doch keinesfalls eine Abkehr zu hören, sondern vielmehr eine Ergänzung. Zu den gewohnten Tönen (Mogwai, Oceansize, Amplifier, eine Prise Pink Floyd) stoßen neue Einflüsse, der dies für mich am beeindruckendsten demonstrierende Part ist das abschließende Gitarrensolo in „House of Leaves“, das mir auch endlich erklärt, wieso Peter Led-Zeppelin-Remineszenzen aus der Vergleichsschublade kramte, die andererseits trotz wunderbarer Momente wie etwa „Achilles‘ Last Stand“ nie so detailverliebt zu Werke gingen.

Das Ungeschliffene der Vorgängerwerke („Laika“, „Towers | Trees“) ist aus dem Repertoire der Gruppe zwar nicht gestrichen, aber doch deutlich zurückgefahren worden, und obwohl es gerade diese Lo-Fi-Attitüde war, die mich vor drei Jahren die EP2007 immer wieder hören ließ, wird sie auf „Part & Fragment“ in keinem Takt vermisst.

Nie zuvor war ein Dear-John-Letter-Werk so facettenreich, nie klang eines so ausgereift. Die zwei Jahre, die seit „Between Leaves | Forestal“ vergangen sind, haben die fünf Augsburger offenbar nicht damit verbracht, untätig herumzusitzen, und können nunmehr zum dritten Mal zeigen, dass sie jenseits von Etiketten über Genregrenzen hinweg die eigene Klangwelt am Leben erhalten können, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, und allein der Umstand, dass sie in ihrer Kreativität und aufgrund der Eigenheit, sich ständig selbst neu (und besser) zu erfinden, unnachahmlich sind, wird auch auf lange Sicht effizient verhindern, dass Magazine wie etwa VISIONS ihren CD-Kritiken das Genre „dearjohnletteresk“ beifügen.

Sofern Dear John Letter jemals auf diesen Text stoßen, rufe ich ihnen zu: Chapeau!

FotografiePolitikSpaß mit Spam
Kasperletheater

Und dann lese ich im Laufe der vergangenen Nacht diesen grandiosen Text, gehe heute gut gelaunt durch die Stadt und sehe ein Plakat, dessen Text mich grinsen lässt ob der Vorstellung, was da eigentlich für ein viel besseres Bild reinpassen würde, und dann fällt mir zu spät ein, dass ich von Fotomanipulation nur beschränkt Ahnung habe, so dass ca. dies dabei herauskommt:

Egal; die Geste macht’s.

(Und während ich dies Bildnis einfüge, ist Annemarie Warnkross in einer Werbung für eine Zahncreme zu sehen, die Zähne noch weißer als weiß machen soll, und beißt dazu, lüstern dreinschauend, in einen Apfel. Was soll das eigentlich aussagen? „Seht her: Meine Zähne sind so weiß, dass ich mit ihnen sogar einen Apfel essen kann!“?)

Auch nicht schlau werde ich, nebenbei bemerkt, aus den derzeitigen Ergüssen der Drogenindustrie, die mir unter einem Betreff wie „Ihre Knospe im Schlafgemach laenger bum-sen“ oder „Die Dame im Schlafr-aum besser pop-pen“, beide sind übrigens Originalzitate, in erstaunlich wenigen Zeilen unbekannte Produkte aufzuschwatzen versucht:

Willkommen bei uns!

Bei wem genau? Wer ist „wir“? Habe ich mich unbemerkt von daheim fortbewegt?
Nein, ich bin noch hier, und lese verwundert weiter:

Wollten sie die top Mittelchen die dem Mann beim S-ex die sehr wichtige
Ausdauer geben von nun an ohne Zollbeschraenkung und diskret be-stellen?

Vermeintlich spamfiltersichere Schreibweise und scheußliche Interpunktion einmal beiseite:

„Mittelchen“? ^_^

(Immerhin; in anderen Mails aus der gleichen Welle war nur von „interessanten Produkten“ die Rede. Da sind die „Mittelchen“ doch schon ein Fortschritt.)

kaufen Sie Ihre Mittel fuer Probleme beim Mann jeden Monat bei der teuren
Apothe-ke in Ihrer Ort-Schaft?

In meiner Ort-Schaft gibt es kein Mittel fuer meine Probleme, befürchte ich; ich wünschte, ich könnte dies tun!

Pro.bieren sie einfach die Testsieger
Apotheke:

(URL, „frohe“ bzw. „erfolgreiche Gruesse“ und die übliche pseudoenglische Unsinnsprosa folgten.)

Mmh, Apothekennaschen! Und dann noch die des Testsiegers!
Ich gebe zu, ich bin schon neugierig, denn ich weiß immer noch nicht, was man mir da verkaufen möchte, aber es scheint auf einer Internetseite verkauft zu werden, die von Testern preisgekrönt wurde.

Wer weiß, vielleicht ist es ja ein Plüschpinguin? Ich mag Plüschpinguine. :)

Aktion lebendiges Deutsch
Es ist an der Zeit, noch ein Zeichen zu setzen.

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich seit der Geschichte mit htp keinem Unternehmen mehr auf die Nerven gefallen bin; es gab einfach keinen ausreichenden Anlass hierfür.

Heute allerdings hat sich dies geändert, denn eher zufällig stieß ich auf das Schokoladenregal in einem von mir bislang gern aufgesuchten Lebensmittelfachgeschäft, in dem unter anderem Waren der Marke Milka feilgeboten wurden. Nun hat die Marke Milka neben ihrem unverändert einzigartigen Violettton einige typografische Korrekturen erhalten, und eine von ihnen sieht so aus:

Schokolade aus Alpenmilch wird nun prominent „Alpenmilch Schokolade“ benannt und dergestalt beschriftet, so zu sehen etwa hier. Das ist kein allzu schöner Anblick.

Meinen Senf hierzu gab ich soeben ab:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute vergnügt durch mein bevorzugtes Lebensmittelgeschäft flanierte, fiel mein Blick auch auf die dort ausgestellten Milka-Produkte, die meine Jugend stets begleitet haben.

Mir fiel jedoch auf, dass sich seitdem etwas geändert hat; die Verpackung nämlich. Wo früher kein Grund zur Beanstandung war, fand ich heute den Schriftzug „Alpenmilch Schokolade“ vor; eine Schreibweise, die leider auch auf Ihrer Webseite Einzug gehalten hat.

Nun bedaure ich es, dass ein etabliertes Unternehmen wie das Ihre die Unsitte adaptiert, Bindestriche durch Leerzeichen zu ersetzen; immerhin ist der präsente Produktaufdruck auch ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kundschaft.

Ich möchte daher anregen, dass Sie beizeiten einmal die Muße finden, den Bindestrich in „Alpenmilch-Schokolade“ einzufügen; die deutsche Sprache und Ihre Kunden werden es Ihnen danken.

Über eventuelle Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich freuen.
Ich danke Ihnen für die Kenntnisnahme und wünsche noch einen angenehmen Abend.

Hochachtungsvoll,
Name unleserlich.

Sollten die sehr geehrten Damen und Herren von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, werde ich dies natürlich hier bekanntgeben.

(Auch sehr hübsch ist natürlich die automatisch angezeigte Meldung „Danke für Ihr Interesse an Milka“, denn, wer weiß?, vielleicht hat ein Schreiber ja gar kein Interesse an Milka, sondern möchte, im Gegenteil, derbe Kritik an dieser Marke äußern oder den Verantwortlichen nur aus seinem Leben erzählen?)

FotografieNetzfundstückeSonstiges
Einen hab‘ ich noch: Polylogoi (A)

Unter dem Namen „Polysemia“, also etwa „Mehrfachbedeutungen“, ist eine Reihe an Hirnschwund fördernden Videos bekannt geworden, in denen die beiden Protagonisten Tom und Torben, bisweilen unterstützt von der schrecklichen Internet-Berühmtheit „coldmirror“, unfassbar miese Wortspiele umsetzen. Inzwischen fand das Duo zahlreiche Nachahmer, etwa den (*tusch*) Polysemia-Abklatsch.

Nun kann kein Wortspiel so schlecht sein, dass mir nicht noch ein viel schlechteres einfiele, und so ist dieser Beitrag hier der Auftakt zu einer neuen, losen Artikelserie des Namens „Polylogoi“ (ggf. selbst nachschlagen). Hierbei greife ich auf eine ungewöhnliche Darbietungsform zurück, präsentiere die Scherze nämlich nicht, wie es all die anderen Imitatoren tun, als selbstgebastelte Filme via youtube.com, sondern, wie noch nie gesehen, als Standbild. Ohne Ton, ohne Animation und vor allem, sofern möglich, ohne einen Hinweis auf des Rätsels Lösung.

Ich beginne mit Folge A. Viel Spaß!

Na? Na?!

(„Warum ‚Folge A‘?“ wollt ihr wissen? Nun, dies gibt euch die Gewissheit, dass nach spätestens 25 weiteren Episoden keine weitere folgt, quasi als nette Dreingabe.)

Netzfundstücke
Ah, ah, ich sterbe, du Idiot!

Gestern Abend fand ich zufällig diese Sammlung von Ausschnitten aus einer der meine frühe Jugend prägenden Fernsehserien wieder und beömmelte mich aufs Herzlichste:

Die Dinos – Ah Ah ich sterbe du idiot!

(Aus: Die Dinos, Staffel 2, Episode 22.)

Sollte sich die Gelegenheit ergeben, wieder einmal einer Wiederholung dieser die amerikanische Gesellschaft beißender, als Unfug wie „American Dad“ dies je könnte, kritisierenden und, wie ich meine, viel zu früh abgesetzten Serie zu folgen, so empfehle ich, hiervon ausgiebig Gebrauch zu machen.

(Alternativ kommt mir „RTL Samstag Nacht“ in den Sinn, in deren Lauf es einmal einen Sketch mit Tanja Schumann als Aerobicvorturnerin gab, die plötzlich einen Krampf im Bein bekommt. Sieso: „Au, tut das weh!“ Alleso: „Au, tut das weh!“ Sieso: „Macht die Scheißmusik aus!“ Alleso: „Macht die Scheißmusik aus!“

Tanja Schumann macht jetzt übrigens Werbesendungen auf Onanistensendern, womit sie, Ironie!, sozial tiefer gesunken sein dürfte als Margarethe Schreinemakers, die sie einst als „Schreinemakers ihre Schwester“ auf Grandioseste parodierte.)

FotografieNerdkramsPersönlichesProjekte
Wellness-Tipps, Teil II: Kaltes, klares Wasser.

Ich wünschte, ich könnte etwas Befriedigendes über die aktuelle Entwicklung von TinyTodo berichten. Es verhält sich jedoch gerade folgendermaßen:

Als ich gerade dabei war, einen halbwegs akzeptablen Code für das Ein- und Ausklappen von Kategorien zusammenzustricken, fiel mir auf: Mein AIR ist offenbar defekt.

(Im Bild „gut“ zu sehen: Das Ausklappsymbol links neben dem Kategoriennamen.)

Hat einer von euch, um mich mal eines für mich eher unüblichen Kosewortes zu bedienen, Schnuffis einen Tipp parat, wie ich diese Unschönheit möglichst schmerzlos reparieren kann?

Bis dahin habe ich nach Jahren endlich Teil 2 der bislang wegen nachhaltiger Infantilie meines damaligen Selbst zu Recht unbeachteten Reihe „Wellness-Tipps“ parat, nicht nur geistig, sondern auch an Erfahrungen gereift, und präsentiere dies:

Gerade in einer hektischen, sich quasi pausenlos ändernden Welt wie der unsrigen ist es mitunter nicht unwichtig, auch einmal zur Ruhe zu kommen. Vor vielen Jahren hat mich mein Großvater auf die Methode hingewiesen, von der ich in solchen Momenten auch heute noch Gebrauch mache:

An einem beliebigen, gemächlich daherplätschernden Fluss, wie er in beinahe allen größeren und kleineren Siedlungen zu finden ist, bleibt man stehen, schließt die Augen, atmet langsam ein und aus, öffnet die Augen wieder und verfolgt das Spiel des Windes im Wasser. Das sanfte Geräusch des Wassers legt sich wie ein warmes Fell um die harten, kalten Gedanken. Man lässt sich treiben und vergisst Ort und Zeit…

…, bis ein eilender Mitmensch geräuschvoll die Realität zurückbringt.
Für einen Moment hört man den eigenen Puls, zählt langsam bis 10 und geht seiner Wege, den unliebsamen Störenfried stumm verfluchend.

Die Hektik dieser Tage ist, ich erwähnte es bereits, zum Verrücktwerden.

MusikSonstiges
Medienkritik XXXVIII: Yeah yeah yeah

Als ich mich gerade durch die neue Ausgabe des Musikmagazins eclipsed wühlte, stieß ich auf eine Seite, die befüllt war von Zeitungsausschnitten zur Ermordung John Lennons vor bald 30 Jahren. In folgendem Ausschnitt scheint irgendetwas nicht ganz zu stimmen. Wer kann helfen?

(Die Rubrik „Medienkritik“ möchte ich einmal als eingeklammert betonen. Ich enthalte mich jeglicher Kritik.)


Nachtrag vom 17. Oktober, apropos „Stuss in Zeitschriften“:
Eine hier herumliegende Fernsehzeitung stellt „Drei Fragen an Nina Kunzendorf“. Ich habe sie (die drei Fragen, nicht Nina Kunzendorf) nun nur zum Teil gelesen, aber würde man mich beauftragen, drei Fragen an Nina Kunzendorf zu entwerfen, so entschiede ich mich spontan:

  1. Wer sind Sie?
  2. Was machen Sie hier?
  3. Möchten Sie jemanden grüßen?

(Und keiner würde es bemerken, weil die lustlos hingeschluderten drei Allerweltsfragen von lustlosen Befragten eh‘ stets mit lustlosen Standardantworten versehen werden, die so oder so ähnlich auch von einem Fußballer, einem Dachdecker oder Guido Westerwelle kommen könnten; „fällt es Ihnen schwer, vor der Kamera ein Kind zu schlagen?“, was für eine Antwort wird da erwartet? „Aber natürlich nicht, Herr Journalist! Wie war noch mal die Frage?“)

Ach herrje.

FotografieNetzfundstückePersönliches
Partäy.

Hin und wieder treibt es einen alten Studenten auch mal auf die Piste, wie man heutzutage für Betrinkungen und Tanzungen im nicht allzu kleinen Kreis sagt. Während der vergangenen Nacht fand die traditionelle Erstsemesterpartäy, wie man heutzutage für Trink- und Tanzveranstaltungen sagt, des AStAs der Hochschule Ostfalia statt, und man zwang mich unter Androhung energischen Schulterzuckens zur Anwesenheit.

Fotografische Eindrücke:

Ich habe drei Dinge gelernt:

Erstens: Man wird auch (und gerade) von weiblichen Bardamen eher wahrgenommen, wenn man selbst Brüste vorweisen kann.

Zweitens: Es ist eine etablierte Form des Flirtens, lüstern an einer Säule (was, übrigens, in einigen Regionen Deutschlands der Diminutiv zu „Sau“ ist; wieder was gelernt) zu lehnen, dem Objekt der Begierde von hinten auf die Schulter zu tippen und die Augenbrauen entsprechend zu heben und zu senken. Die angemessene und mich überaus belustigende Reaktion war entsprechend ein Abwinken der so lustvoll Beflirteten; worauf sich der Flirter abwandte und begann, mit den herumstehenden Herren zu flirten. Ich verließ die Szenerie erschüttert.

Drittens: Ich müsste mal zum Frisör.

(Zitat des Tages: „Dass der Eindruck existiert, der Deutsche Comedypreis werde im Vergleich zum Fernsehpreis weniger ernst genommen, kann (…) daran liegen, dass die Juroren nicht damit aufhören können, Cindy aus Marzahn auszuzeichnen (…).“ – fernsehlexikon.de)

In den NachrichtenPolitikSonstiges
Respekt!

Nicht nur fremde Kulturen fordern dieser Tage Respekt ein, auch Einheimische sehen ihren Status als Respektsperson missachtet:

  • „Respekt vor unserer deutschen Sprache ist Respekt vor unserer Kultur und unserem Land, den wir von allen einfordern, die bei uns leben.“ (Flensburg Online, 10.9.10)
  • „Polizisten fordern Achtung und Respekt“ (law blog, 13.6.09)
  • „Wulff fordert Respekt“ (N24.de, 15.9.10)
  • Natürlich hätte auch Stefan Mappus gern Respekt: „Zugleich erwarte er aber auch, dass ihm der Respekt nicht versagt werde.“ (FTD.de, 9.10.10)

Das Selbstverständnis dieser Personen ist erschreckend, denn ich meinte bislang, aus 139 Jahren deutscher Geschichte habe man zwar nicht vieles, aber doch zumindest eines gelernt: dass man nämlich Leute, die sich ungebeten breitbeinig hinstellen und über den ihnen zustehenden Respekt referieren („Respektiert meine Autoritä!“, Eric Cartman, c/o „South Park“), geteert und gefedert aus dem Land jagen sollte.

Respektsperson ist kein Schulabschluss und kein Beruf, es ist ein Ehrentitel, den es zu verdienen gilt. Erschnorren aber oder gar abverlangen lässt er sich nur von jenen, die ihn selbst nicht führen.

(Und die Silben „Ehren-“ sind der Grund, wieso in den deutschen Regierungen der letzten 61 Jahre außer, vielleicht, Herbert Wehner kein mir bekannter Politiker auch nur ansatzweise für diesen Titel prädestiniert gewesen wäre.)