PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt: Zum, zum, zum.

Zum Brül­len:
Mut­ter ruft die Poli­zei, weil Toch­ter nicht duschen will, und Poli­zei setzt Elek­tro­schock­waf­fe gegen Toch­ter ein, weil Mut­ter das will.
Ist es eigent­lich Vor­aus­set­zung für die US-ame­ri­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft, eine Voll­mei­se zu haben?

Zum Jubeln:
Die ehe­ma­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de der Grü­nen, Ange­li­ka Beer, ist jetzt Pirat und sagt schlaue Din­ge, die bei den Grü­nen kei­nen Platz fin­den.
Bei­spiels­wei­se: Denn nach mei­ner Mei­nung müs­sen Inhal­te Vor­rang vor der Macht­op­ti­on haben.

Nach­trag vom 26. Novem­ber: Kom­man­do zurück, die Gute sym­pa­thi­siert mit der radi­ka­len Lin­ken und ver­brei­tet im Namen der Pira­ten­par­tei Infor­ma­tio­nen, die zumin­dest einen bit­te­ren Bei­geschmack haben („immer mehr rechts­extrem moti­vier­te Straf­ta­ten“ trotz gegen­sätz­li­cher Sta­ti­sti­ken). Wenn das mal nicht schief­geht!

Zum Kot­zen:
Ursu­la von der Ley­en sülzt auf aus­ge­rech­net einer Wer­be­ver­an­stal­tung für die geplan­te CeBIT 2010 schon wie­der von ihrem Stopp­schild und wird dafür nicht mal mit Eiern bewor­fen.
Sie sei bereit, nach dem Jahr, um das das Gesetz nun auf­ge­scho­ben wur­de, Bilanz zu zie­hen und gege­be­nen­falls so wei­ter­zu­ma­chen wie bis­her. Immer­hin, kon­se­quent ist sie ja.

Persönliches
Ein Dia­log, zur Nach­ah­mung emp­foh­len

Als ich heu­te durch das loka­le Ein­kaufs­zen­trum lust­wan­del­te, fiel mein Blick auf die Weih­nachts­de­ko­ra­ti­on (is‘ ja schon wie­der fast Ende Novem­ber!), und mich über­kam ein Schau­er. Ich heg­te die Befürch­tung, in Kür­ze wür­de eine wei­te­re gekauf­te See­le aus der Hor­de die­ser für fal­sches Lächeln schlecht bezahl­ten Kun­den­dienst­dar­stel­ler mei­ne Auf­war­tung machen und mich mit guten Wün­schen für ein Fest über­häu­fen, dem sie augen­schein­lich selbst nur den Umstand abge­win­nen könn­te, mal ein paar Tage lang nicht falsch lächeln zu müs­sen, und berei­te­te, um nicht durch im Affekt gewähl­te Wor­te Unschul­di­ge zu krän­ken, im Gei­ste einen Dia­log vor, der etwa wie folgt ablau­fen soll­te:

Die schlecht bezahl­te Hilfs­kraft so:
„Fro­he Weih­nach­ten, grins!“

Ich dann so unge­fähr:
„Fro­he was bit­te? Sie wol­len mich wohl ver­gack­ei­ern. Hören­se mal, gute Frau, Sie haben da etwas grund­sätz­lich miss­ver­stan­den. Ich beab­sich­ti­ge durch­aus, inner­halb der näch­sten drei­ßig Tage noch­mals hier ent­lang­zu­schlen­dern, es erscheint mir daher ver­früht, mir schon jetzt in der Hoff­nung, dass ich beseelt vom Geist des Kon­sums umge­hend mein Porte­mon­naie zücke, ein fro­hes Fest zu wün­schen.

Und über­haupt Fest und Kon­sum: Sehen Sie, ich hal­te nicht viel von reli­giö­sen Bewe­gun­gen jeg­li­cher Art. Sie füh­ren in der Regel zu krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, und Krieg ist nicht unbe­dingt mei­ne favo­ri­sier­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form. Auch bei Ihnen, neh­me ich an, über­wie­gen bei dem Wort „Weih­nach­ten“ nicht die reli­giö­sen Emp­fin­dun­gen. Ich kann Sie ver­ste­hen: Sie arbei­ten in einem deutsch­land­weit agie­ren­den Kon­zern, der mit Waren jeg­li­cher Art han­delt und der des­halb natür­lich gera­de in der gewinn­träch­ti­gen Weih­nachts­zeit, in der die Unsit­te vor­herrscht, ent­fernt Bekann­ten, die man wäh­rend der ver­gan­ge­nen elf­ein­halb Mona­te erfolg­reich zu ver­drän­gen befä­higt war, noch in letz­ter Minu­te schnell irgend­wel­chen Nip­pes zu erwer­ben, um das schlech­te Gewis­sen zu beru­hi­gen, an dem man selbst die Schuld trägt, zu beson­de­rer Freund­lich­keit anlei­tet. Es ist schlimm genug, dass es für Ihres­glei­chen lei­der noch immer kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit dar­stellt, in einem kun­den­na­hen Gewer­be die Freund­lich­keit als höch­stes Gut zu dekla­rie­ren, aber mir per­sön­lich ist fal­sche Freund­lich­keit noch weni­ger lieb als ehr­li­cher Miss­mut.

Soll­te ich mich in Ihnen irren und Sie sind tat­säch­lich vom Geist der Weih­nacht beseelt, so möch­te ich den­noch davon abra­ten, irgend­wel­chen Pas­san­ten unge­wis­sen Glau­bens einen ange­neh­men christ­li­chen Fest­tag zu wün­schen. Ich neh­me nicht an, dass jemand sich hier­von ernst­haft belei­digt fühl­te, jedoch teilt auch nicht jeder die Auf­fas­sung, bei Weih­nach­ten han­de­le es sich um einen Tag, der die Men­schen näher zusam­men­brin­ge oder an dem gar der Begrün­der einer der Welt­re­li­gio­nen gebo­ren wor­den sei. Letz­te­res ist, wie Sie viel­leicht wis­sen, längst wider­legt, es wäre daher ange­bracht, mir „fro­he Weih­nach­ten“ im Früh­jahr zu wün­schen, aber ich habe ohne­hin, da in Ihrem Geschäft schon im Okto­ber die ersten Papp­weih­nachts­män­ner zu erah­nen waren, die Befürch­tung, dass dies nur noch eine Fra­ge der Zeit ist; erste­res indes mag ver­ständ­lich schei­nen, ver­bringt man Weih­nach­ten doch nur sel­ten allein, aber es ist doch oft eine lästi­ge Pflicht, all die Leu­te, die man sich ein­zu­la­den ver­pflich­tet fühlt, anstän­dig zu ver­sor­gen und ihnen einen schö­nen Tag zu berei­ten.

Ich hof­fe, Sie sind nun nicht all­zu sehr gekränkt, dass ich Sie der­ge­stalt zurück­wei­se, aber wenn Ihnen der Sinn danach steht, so kön­nen wir gern aus­führ­lich über Ihre Moti­ve dis­ku­tie­ren, nach­dem ich mei­nen Stand­punkt nun dar­ge­legt habe. Ich habe noch unge­fähr eine Drei­vier­tel­stun­de Zeit.“

Nach Abschluss die­ses Wort­schwal­les, so mal­te ich mir aus, wür­de ich ein inter­es­sier­tes Mie­nen­spiel vor­füh­ren und mich auf die fol­gen­de Dis­kus­si­on über unser Ver­ständ­nis von Weih­nach­ten und Chri­sten­tum ein­las­sen, und ich hät­te Kun­de von vie­len neu­en Gedan­ken, die mein Leben berei­chern wür­den.

Lei­der kam es nicht dazu, und des­halb schrei­be ich den fik­ti­ven Dia­log nun­mehr hier her­nie­der; viel­leicht kann ich ihn doch noch mal brau­chen.

In den Nachrichten
„Ist dir kalt, oder hast du was gegen Juden?“

Heu­te im Tages­spie­gel:

Das Ham­bur­ger Kino­kol­lek­tiv B‑Movie woll­te gemein­sam mit der Grup­pe „Kri­tik­ma­xi­mie­rung“ Clau­de Lanz­manns Debüt­film „War­um Isra­el“ von 1972 zei­gen, eine Repor­ta­ge über das Lebens­ge­fühl der Israe­lis und die Geschich­te der Staats­grün­dung. Die Auf­füh­rung am 25. Okto­ber wur­de jedoch mit Gewalt ver­hin­dert, nicht von Alt- oder Neo­na­zis, son­dern von selbst erklär­ten Anti­fa­schi­sten. Das benach­bar­te anti­im­pe­ria­li­sti­sche Zen­trum B 5 ver­sperr­te das Kino, simu­lier­te einen „Check­point“ und wehr­te Kino­be­trei­ber wie ‑besu­cher mit Holz­ge­weh­ren und Schlag­hand­schu­hen ab. Eine Akti­on, mit der man die angeb­lich „pro­zio­ni­sti­sche Ver­an­stal­tung“ ver­hin­dern und auf das „Apartheids“-Schicksal der Palä­sti­nen­ser auf­merk­sam machen woll­te.

(via)

Das mit der Auf­merk­sam­keit hat dann ja auch ganz gut geklappt. Die „anti­im­pe­ria­li­sti­sche“ Sze­ne, die sich bevor­zugt mit Ché-Gue­va­ra-Shirts und ‑Postern wie auch mit dem aus Natio­na­lis­mus und Mili­tär bekann­ten „Pali­tuch“ schmückt, geht also mit den Metho­den der ver­pön­ten Natio­nal­so­zia­li­sten gegen unlieb­sa­me Fil­me und ihre poten­zi­el­len Betrach­ter vor und scheut auch vor Gewalt gegen Unbe­tei­lig­te nicht zurück; und da soll man sich noch über irgend­was wun­dern?

Scha­de, dass poli­ti­scher Dis­kurs offen­bar nur noch mit Fäu­sten aus­ge­tra­gen wird.


Apro­pos auch nicht schlecht:
„Die Stu­die­ren­den hiel­ten … den größ­ten Hör­saal … besetzt“ (RTL Nacht­jour­nal vom 21.11.09); was man eben heu­te so unter „stu­die­rend“ ver­steht. Die Abwe­gig­keit der Wort­wahl „Stu­die­ren­den“ wird, so schrieb Max Goldt vor eini­ger Zeit, erst deut­lich, wenn man sie mit ande­ren Par­ti­zi­pi­en ver­eint.

Beset­zen­de Stu­die­ren­de sind eben kei­ne beses­se­nen Stu­den­ten.

Projekte
eMu­le beba: Aktu­el­les zur Ent­wick­lung

Die letz­te Ver­si­on von eMu­le beba ist nun unge­fähr acht Mona­te alt, in der eMu­le-Welt ist das eine hal­be Ewig­keit, da die Ent­wick­lung neu­er Funk­tio­nen kon­ti­nu­ier­lich vor­an­schrei­tet. Da die­se Netz­prä­senz auch die Auf­ga­be hat, hin und wie­der über Neue­run­gen mei­ner Pro­jek­te zu berich­ten, und dies schon län­ger nicht pas­siert ist, gebe ich hier also bekannt:

Ich arbei­te seit März an Ver­si­on 2.51, die eini­ge Feh­ler behe­ben soll und inzwi­schen auch vie­le wei­te­re Ver­bes­se­run­gen beinhal­tet. Eine Ver­öf­fent­li­chung ist noch aus­ge­schlos­sen, da eine Kern­funk­ti­on, der Cli­ent Ana­ly­zer, noch selbst in der Beta­pha­se steckt und der Ent­wick­ler die­ser Funk­ti­on davon abrät, vor der Fer­tig­stel­lung eige­ne Mods mit dem Ana­ly­zer zu ver­öf­fent­li­chen.

Der­zeit ist die sech­ste Beta­ver­si­on von beba 2.51 für frei­wil­li­ge Tester ver­füg­bar. Falls noch jemand Inter­es­se hat, mir beim Feh­ler­su­chen zu hel­fen, bit­te ich um einen kur­zen Kom­men­tar.

Dan­ke für die Auf­merk­sam­keit.

(Nach­trag vom 21. Novem­ber: Das ita­lie­ni­sche eMu­le-Por­tal eMule-Mods.it hat mich zu eMu­le all­ge­mein und zu sei­ner, also eMu­les, Zukunft befragt. Wer Eng­lisch oder Ita­lie­nisch ver­steht, soll­te mal rein­schau­en.)

In den Nachrichten
Bil­dungs­streik, immer noch?

Der Bil­dungs­streik wird die­ser Tage fort­ge­setzt, und mei­ne Hoch­schu­le macht wie auch ande­re Hoch­schu­len, an denen eini­ge mir bekann­te Stu­den­ten zu stu­die­ren pfle­gen, schlicht­weg nicht mit. (Nach­trag: Die Fakul­tät Sozi­al­we­sen hat dem heu­te in einer E‑Mail wider­spro­chen, ab dem 20.11. wol­len sie sich „soli­da­ri­sie­ren“, was immer das bedeu­ten mag.) Nun lässt die außer­halb der von weni­gen Demon­stran­ten „besetz­ten“ Hoch­schu­len, die täg­lich durch die Medi­en gereicht wer­den, eher unschein­ba­re Betei­li­gung an den Streiks die Ver­mu­tung zu, dass die der­zei­ti­gen Akti­vi­tä­ten nicht ziel­ge­rich­tet koor­di­niert wer­den.

Auch wenn mit nun plötz­lich doch „geplan­ten“ BaFöG-Ver­bes­se­run­gen schon ein klei­ner Teil­erfolg zu ver­bu­chen ist, der sich aller­dings auch schnell als Luft­bla­se her­aus­stel­len kann („geplant“ heißt ja bekannt­lich nicht viel), so sind die ver­blei­ben­den For­de­run­gen der der­zeit Pro­te­stie­ren­den doch recht viel­schich­tig:

  • Bache­lor-Cha­os: Als klein­ster gemein­sa­mer Nen­ner taugt der Ver­druss über die Stoff­fül­le, den stän­di­gen Prü­fungs­druck in über­frach­te­ten Bache­lor-Stu­di­en­gän­gen. Die Stu­den­ten wol­len kein Pro­dukt einer Lern­fa­brik sein. Man­che leh­nen die Bolo­gna-Reform rund­weg ab, ande­re kri­ti­sie­ren eher die schwa­che Umset­zung und auch die Hür­den beim Über­gang vom Bache­lor- zum Master­stu­di­um.
  • Auch Schü­ler for­dern eine Über­prü­fung des Unter­richts­stoffs, nach Ver­kür­zung der Schul­zeit bis zum Abitur von neun auf acht Jah­re (G8). Zum Teil wen­den sie sich gegen das tra­di­tio­nell drei­glied­ri­ge Schul­sy­stem und for­dern Gemein­schafts­schu­len.
  • Stu­di­en­ge­büh­ren: Über die Ableh­nung der Cam­pus­maut kann man unter Stu­den­ten schnell Einig­keit erzie­len – durch­aus nicht aus­sichts­los: In meh­re­ren uni­ons­re­gier­ten Bun­des­län­dern sind die Stu­di­en­ge­büh­ren zwar längst ein­ge­führt, die Lan­des­re­gie­run­gen wer­den auch so leicht nicht wackeln. Aber die Bei­spie­le Hes­sen und Saar­land zei­gen, dass die Ent­schei­dun­gen spä­ter revi­diert wer­den kön­nen.

Sicher sind das alles ver­nünf­ti­ge und auf jeden Fall erstre­bens­wer­te Zie­le, aber es muss mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Pro­test­grup­pen der Schu­len und Hoch­schu­len geben und man soll­te sich auf einen ein­zi­gen gemein­sa­men Nen­ner eini­gen. Wenn der Hoch­schul­be­trieb mit nur wenig Ein­schrän­kun­gen fort­ge­führt wer­den kann und vie­le Stu­den­ten den Demon­stra­tio­nen fern­blei­ben, weil die Orga­ni­sa­to­ren selbst nicht mit vol­lem Ernst bei der Sache sind, setzt das ein Zei­chen an der fal­schen Stel­le. (Und es wird auch an der fal­schen Stel­le pro­te­stiert. Die Hoch­schu­len sind die fal­schen Ansprech­part­ner, sie kön­nen nur wenig dafür.)

Sicher ist 1968 längst vor­bei, aber die Umstän­de, gegen die heu­te pro­te­stiert wird, sind auch nicht viel mil­der als jene vor 41 Jah­ren. Die­ser Stu­den­ten­pro­test ist kei­ne Spaß­be­we­gung, er will poli­ti­schen Umschwung und Moder­ni­sie­rung errei­chen. Um eine Meta­pher zu bemü­hen: Mit Was­ser­pi­sto­len setzt man auch kei­nen Dik­ta­tor ab. Paro­len lösen die Pro­ble­me nicht.

Wer­det end­lich kon­kret und macht was draus. Für uns alle und für die Zukunft.

In den Nachrichten
Lie­be ist mensch­lich.

Pinguine in LiebeIrgend­wie dann aber auch nied­lich:

Und wie­der ist die Haupt­dar­stel­le­rin ein ver­lieb­ter Vogel: Pin­gu­in-Dame San­dy. Sie hat ihr Herz an ihren Tier­pfle­ger ver­lo­ren.

Und dabei will der Ange­be­te­te gar nicht geliebt wer­den:

„Es wäre schön, wenn San­dy sich im näch­sten Jahr dann wie­der in einen Pin­gu­in ver­lie­ben wür­de.“

„Dazu gehö­ren immer zwei“, heißt es im Volks­mund.
Ich wünsch­te, er hät­te Recht.

PolitikIn den Nachrichten
Sol­da­ten im Inland, Öster­reich macht’s vor.

Das fängt ja gut an:

(…) sol­len Assi­stenz­sol­da­ten künf­tig auch in der Lan­des­haupt­stadt und außer­dem ver­stärkt in gefähr­de­ten Wohn­ge­bie­ten und Gewer­be­zen­tren der Regi­on patrouil­lie­ren, sag­te Sicher­heits­di­rek­tor Erhard Amin­ger.

(…) man wol­le die Res­sour­cen ein­fach gezielt dort ein­set­zen, wo sie gebraucht wer­den. Amin­ger geht davon aus, dass zwi­schen 100 und 120 Sol­da­ten im Bereich Eisen­stadt – Eisen­stadt Umge­bung zum Ein­satz kom­men wer­den.

Irgend­wie habe ich gera­de ein unwoh­les Gefühl. Viel­leicht bin ich auch nur erkäl­tet.

(Ent­schul­di­gung an den unre­gel­mä­ßi­gen Leser, der sich kürz­lich beklag­te, dass es hier in letz­ter Zeit all­zu mensch­lich zugeht. Muss am Wet­ter lie­gen. Dem­nächst folgt wie­der was zum Lachen, ver­spro­chen.)


Nach­trag, da mir gera­de die eini­ger­ma­ßen unsäg­li­che Tages­zei­tung der Regi­on vor­ge­legt wur­de:

Der Mann sei vor die Frau getre­ten und habe ihr sein ent­blöß­tes Geschlechts­teil gezeigt. Anschlie­ßend sei er sofort geflüch­tet.

War­um macht ein Mensch so was? Und was mich viel eher inter­es­siert: Wovor ist er geflüch­tet?
Ich habe da so einen Ver­dacht: Die Frau hat einen Blick auf sein Geschlechts­teil gewor­fen und hat ange­fan­gen zu lachen und Sät­ze wie „Wächst der noch?“ her­vor­ge­bracht. Viel­leicht auch „Darf man den strei­cheln, oder beißt er dann?“.

Nur so eine Idee. Die Zei­tung schweigt dazu.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Heu­te ist Schwei­zer Toch­ter­tag. Der Sohn­tag fällt aus. (inkl. Nach­be­mer­kung zu Robert Enke)

Peter hat’s geschafft. Auch er schrieb über die Cau­sa Robert Enke und nutz­te den Anlass, über die Ver­gäng­lich­keit des eige­nen Lebens zu sin­nie­ren. Ich alter Starr­kopf hat­te wie­der, noch im Fluss von mei­nem eige­nen Bei­trag zum The­ma, nur die media­le Aus­ufe­rung des Fal­les im Sinn. Mea cul­pa.

Und nun, da ich einen Tag lang selbst über die Fra­ge nach­ge­dacht habe, ob es einem Unbe­tei­lig­ten über­haupt mög­lich ist, sich eine Situa­ti­on vor­zu­stel­len, in der man bereit ist, das Gewe­se­ne von einem Moment auf den näch­sten mög­lichst kurz und schmerz­los zu been­den, kommt mir dann doch auch wie­der das alte Lied der Toten Hosen in den Sinn:

Jeden Tag stirbt ein Teil von dir,
jeden Tag schwin­det dei­ne Zeit,
jeden Tag ein Tag, den du ver­lierst,
nichts bleibt für die Ewig­keit.

Wich­tig ist nicht, was vom Leben bleibt. Du fabri­zierst Tex­te, du ver­schwen­dest vie­le Byte im vir­tu­el­len Raum, und wenn du Pech hast, kann die auch in zwei­hun­dert Jah­ren noch jemand ent­zif­fern. Nichts ist so alt wie die Zei­tung von gestern.

Für den Augen­blick leben. Nie­mand weiß, was in fünf Minu­ten sein wird. Lang­fri­sti­ge Pla­nun­gen sind opti­mi­sti­sche Hoff­nun­gen und Träu­me. Wenn sie plat­zen, fällt das Kar­ten­haus zusam­men. Woh­nen wir aber nicht in einem Kar­ten­haus, son­dern zie­hen in ein Zelt, hin­dert uns nur wenig dar­an, es jeder­zeit ein­zu­rol­len und woan­ders wie­der auf­zu­bau­en.

Müs­sen wir der Nach­welt etwas hin­ter­las­sen? Will die Nach­welt das über­haupt? (Der Nach­welt nicht hin­ter­las­sen möch­te ich jeden­falls mat­schi­ge Über­re­ste, die sie von einem Ver­kehrs­mit­tel krat­zen müs­sen. Sui­zi­de mit mög­lichst vie­len unschul­dig Geschä­dig­ten sind für mich nicht erstre­bens­wert.)

Es ist wich­tig, ande­ren Men­schen etwas zu bedeu­ten. Ob sich drei Gene­ra­tio­nen spä­ter die Kin­der auf der Stra­ße über mei­ne Nase lustig machen oder in der Schu­le mei­ne Tex­te lesen, ist zweit­ran­gig. Ein­mal am Tag auf­sprin­gen und laut „Ja! Das ist das Leben!“ rufen zu kön­nen – das ist es, was Glück­lich­sein aus­macht. Dies zu errei­chen ist ein Ide­al und das Leben der Weg dort­hin.

Ent­schul­di­gung, ich schwei­fe ab. Bevor das wei­ter aus­ar­tet, nur mal eben kurz ver­linkt und zitiert:

(…) Stän­dig gibt es zusätz­li­che Umer­zie­hungs­maß­nah­men für Män­ner, nach­dem sich die bis­he­ri­gen Frau­en­för­de­rungs­in­stru­men­te als wenig hilf­reich erwie­sen haben.

Män­ner sol­len zu Frau­en umer­zo­gen wer­den. Frau­en sol­len in Män­ner­do­mä­nen vor­sto­ßen. Das Ziel ist die tota­le Gleich­heit der Geschlech­ter. Dahin­ter steckt der Plan, die Fami­lie als Fun­da­ment mensch­li­chen Zusam­men­le­bens zu ent­sor­gen, weil nur so der neue Mensch geschaf­fen wer­den kann, der sich von Geburt an in die neo­so­zia­li­sti­sche Gemein­schaft ein­fügt.

Die­sem Ziel dient der deut­sche „Girl’s Day“ eben­so wie der Toch­ter­tag, den die Schwei­zer heu­te zele­brie­ren. Bei den Eid­ge­nos­sen geht es beson­ders gleich­be­rech­tigt zu: Wäh­rend die Mäd­chen heu­te frei bekom­men, müs­sen die Jun­gen mit Sank­tio­nen rech­nen, wenn sie dem Unter­richt fern­blei­ben. Da ler­nen die klei­nen Eid­ge­nos­sen gleich von Beginn an, was „Gleich­be­rech­ti­gung“ wirk­lich bedeu­tet (…).

Immer wie­der schön zu sehen, dass nicht nur Deutsch­land nahe­zu voll­stän­dig bekloppt ist.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Robert Enke und die bes­se­ren Men­schen

Robert Enke hat beschlos­sen, sein Leben vor­zei­tig zu been­den, und über die Grün­de wird wild spe­ku­liert, weil man ihn selbst ja nicht mehr fra­gen kann und sich die Men­schen gern mal Gerüch­te aus­den­ken und sie ver­brei­ten, um auch mal jeman­den zu haben, der einem zuhört; aber dem schlie­ße ich mich hier nicht an. Viel lie­ber zitie­re und kom­men­tie­re ich zwei Bei­trä­ge aus dem Kom­men­tar­be­reich des oben blau gefärb­ten Stern.de-Artikels.

Num­mer 1:

budbundy69 (10.11.2009, 22:48 Uhr):
Und Leh­mann bricht nicht mal sei­ne Geburts­tags­fei­er ab !
Da wird gefei­ert, gesun­gen und geju­belt. geschmack­los !

Ich kann ver­ste­hen, dass Men­schen ihre Ido­le haben, denen sie einen gott­glei­chen Sta­tus zuer­ken­nen, und ich ken­ne es auch zur Genü­ge, dass bei Miss­ach­tung die­ses Sta­tus durch Drit­te in meter­gro­ßen Buch­sta­ben „geschmack­los“ in den erst­be­sten gera­de greif­ba­ren Kom­men­tar­be­reich gerotzt wird, aber ich hal­te es für nicht in Ord­nung, unbe­tei­lig­ten Men­schen den Spaß am Leben ver­der­ben zu wol­len. Sicher ist es kei­nes­falls ein Grund zu fei­ern, wenn jemand stirbt, genau so wenig, wie jemand, der einen Mord beab­sich­tigt, spä­ter als Held ver­ehrt wer­den soll­te, aber es soll­te auch kein Anlass sein, jeg­li­che Fest­ak­ti­vi­tä­ten im Land ein­zu­stel­len.

Und bevor mir nun wie­der die ewig Empör­ten sau­re Ein­trä­ge hin­ter­las­sen oder sich schrä­ge Wit­ze über mich aus­den­ken, als Ergän­zung auch noch Kom­men­tar Num­mer 2, bevor ich selbst zu einer etwas umfas­sen­de­ren Erklä­rung aus­ho­le:

Broe­sel­bub (10.11.2009, 22:31 Uhr):
Woh­ne in Kon­stanz und muß regel­mä­ßig erle­ben wie sich Men­schen vor den Zug wer­fen. In der Nähe (Rei­chen­au) ist eine Pyscho-Kli­nik und da kommt es halt öfters vor. Aber war mal jemals ein Herr Öttin­ger dort und hat Bei­leid bekun­det? Aber viel­leicht ist es in Nie­der­sach­sen anders. Selbst­mord ist nichts ande­res wie Angst vor dem Leben.

Da haben wir es doch schon wie­der: Men­schen, die von einer aus­rei­chend gro­ßen Grup­pe an Men­schen für ihren Beruf ver­ehrt wer­den, wer­den von der All­ge­mein­heit als wich­ti­ger, mit­hin als höher­wer­tig ein­ge­stuft als Mit­glie­der der ein­fa­chen Arbei­ter­klas­se oder gar, uah!, Arbeits­lo­se. Ein Mini­ster­prä­si­dent lässt in der Regel alles ste­hen und lie­gen, wenn ein Sport­ler oder ein Poli­ti­ker aus dem eige­nen Bun­des­land aus dem Leben schei­det, aber wenn Men­schen, die nur für ihre Fami­lie und ihre Freun­de von Bedeu­tung waren, ein ähn­li­ches Ende wäh­len, reicht es gera­de mal zu einer Anzei­ge im „Ach, übrigens“-Teil des loka­len Klatsch­blat­tes – sofern die Ange­hö­ri­gen sie sich lei­sten kön­nen, ver­steht sich.

Jeder hat sei­ne Hel­den, auch ich habe sie. Aber ich habe Trau­er als etwas Per­sön­li­ches, etwas Inti­mes ken­nen gelernt und kei­nes­falls als Sta­tus­sym­bol. Damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen: Ich ver­ste­he und respek­tie­re die Trau­er von Men­schen um ande­re Men­schen, ganz gleich, um wen es sich han­delt oder wie die genau­en Umstän­de beschaf­fen sind; jedoch ist es in mei­nen Augen schlicht per­vers, mit die­ser Trau­er hau­sie­ren zu gehen oder zu ver­su­chen, sie zu einem Groß­ereig­nis zu machen.

Da fehlt ja eigent­lich nur noch das Spen­den­kon­to.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Apro­pos Netz­z­ensur

Zwi­schen­durch mal wie­der ein wenig Poli­tik, weil wir lan­ge nichts mehr von den dank der Popu­la­ri­tät der Pira­ten­par­tei zwi­schen­zeit­lich ver­scho­be­nen Inter­net­sper­ren gehört haben:

… ein Debat­ten­bei­trag von Doro­thee Bär (CSU), Spre­che­rin der CDU/CSU im Deut­schen Bun­des­tag für “Neue Medi­en”, die eine Aus­wei­tung der gera­de auf Eis geleg­ten Netz­z­ensur-Infra­struk­tur vor­schlägt:

So kön­nen bspw. durch das im Kampf gegen Kin­der­por­no­gra­phie bereits erfolg­reich ange­wen­de­te sog. „Access-Blocking“ auch Erfol­ge im Kampf gegen Isla­mi­sten erzielt wer­den.

Dass das von der CSU kommt, ist nur wenig über­ra­schend und auch kei­ner wei­te­ren Wor­te bedürf­tig, aller­dings:

Erfolg­reich ange­wen­det? Bit­te wann und wo und woge­gen?
Hat das sog. „Access-Blocking“ die Pro­duk­ti­on und/oder Exi­stenz von Kin­der­por­no­gra­fie ver­rin­gert? Wenn ja, wor­an ist das erkenn­bar?

Und nun also auch gegen Isla­mi­sten? Als wür­den fana­ti­sche Bewe­gun­gen den Antrieb ver­lie­ren, wenn man ihre Inter­net­sei­ten nur noch über Umwe­ge erreicht!

(Was genau soll mir eigent­lich der fröh­lich grin­sen­de HIV-Infi­zier­te „Gary“ auf WorldAIDSDay.org ver­mit­teln? Mit HIV hat man immer gute Lau­ne?)

’s ist doch alles nicht wahr.

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Resü­mee einer Kon­zert­nacht

Unterwegs in der Supp-CulturIch bin wie­der da und habe (lei­der wegen kon­zert­ty­pisch recht unan­ge­neh­mer Licht­in­suf­fi­zi­enz mit­un­ter recht ver­pi­xel­te und nur unzu­rei­chend am Com­pu­ter nach­be­ar­bei­te­te) Bil­der mit­ge­bracht. Auf Ton­mit­schnit­te habe ich ver­zich­tet; zu mit­rei­ßend war der Gitar­ren­re­gen, der in der Kul­tur­fa­brik Löse­ke auf die Besu­cher nie­der­ging.

Kalt war’s, aber das Dop­pel­kon­zert fand erfreu­li­cher­wei­se drin­nen statt. Um 22 Uhr soll­te es los­ge­hen, das ließ uns, die wir – zum Glück – eine unge­fäh­re Stun­de zu früh ein­tra­fen, aus­rei­chend Zeit, um uns mit dem Ver­an­stal­ter zu unter­hal­ten und auch mit ande­ren Kon­zert­gän­gern ein wenig zu plau­dern. Wir wur­den gewarnt, dass es recht laut wer­den könn­te. Das ließ hof­fen.

Eini­ge Minu­ten spä­ter als ange­kün­digt betrat dann das Han­no­ve­ra­ner Quar­tett Her­me­lin die klei­ne Büh­ne.

Hermelin: Prima Einstieg für den Abend.

Mit ihrem fast instru­men­ta­len Post­rock schuf (schu­fen?) Her­me­lin Klang­wän­de und riss sie wie­der ein, das Publi­kum war ent­spre­chend beein­druckt und belohn­te die Dar­bie­tung durch wil­den Tanz und fre­ne­ti­schen Applaus. Spon­ta­ne Asso­zia­ti­on: Explo­si­ons In The Sky.

Noch mehr Foto­gra­fien:

Hermelin: Zwei Gitarren, viel Musik. Hermelin: Schüttel dein Kopfhaar!

Kaum war man ent­rückt in die sur­rea­le Traum­welt ein­ge­taucht und hat­te ver­ges­sen, wo man eigent­lich ist, ließ sich die Rea­li­tät mal wie­der blicken, und eine kur­ze Pau­se gewähr­te Zeit, die durch gedan­ken­lo­ses Schüt­teln bela­ste­ten Gelen­ke zu ent­span­nen. Nach einer kur­zen Atem­pau­se in der küh­len, ver­rauch­ten Nacht­luft Hil­des­heims stan­den die Ham­bur­ger Nihi­ling schon auf der Büh­ne, und sie tra­ten einen wei­te­ren Beleg für mei­ne vor eini­gen Mona­ten in klei­nem Kreis auf­ge­stell­te The­se, dass Bas­si­stin­nen aktu­el­ler Rock­grup­pen grund­sätz­lich ver­dammt nied­lich – man ver­zei­he mir aus­nahms­wei­se die­se Aus­drucks­wei­se – sind, an.

Nihiling: Irgendwo zwischen Oceansize und Tool

Trotz Erkäl­tung hat­ten auch die­se sechs Musi­ker offen­sicht­lich recht viel Spaß bei der Sache und spiel­ten über die Dau­er von weit über einer Stun­de neben Bekann­tem auch neu­es Mate­ri­al, das an Oce­an­si­ze und vor allem auch an die sonst im Post­rock nur all­zu sel­ten zitier­ten Tool erin­ner­te.

Visu­el­le Ein­drücke:

Nihiling: Bass in Trance. Nihiling: Come in, come out. Nihiling: Gitarrenarbeit par excellence. Nihiling: Musik wie aus einer anderen Welt.

Bei­de Musik­grup­pen haben gezeigt, dass die Luft bei ihnen noch lan­ge nicht raus ist, und Vor­freu­de auf kom­men­de Ton­trä­ger und Kon­zer­te geweckt. Zu hof­fen ist, dass sich in nicht all­zu fer­ner Zukunft noch­mals eine Gele­gen­heit ergibt, einem sol­chen Ereig­nis bei­zu­woh­nen.

Ich neh­me an, in abseh­ba­rer Zeit wird es bei Peter bes­se­re Bil­der und noch mehr Text geben. Emp­foh­len wird daher, ab und zu mal nach­zu­schau­en.
Nach­trag von 22:01 Uhr: Der aus­führ­li­che Bericht mit noch bes­se­ren Bil­dern ist nun auf Schallgrenzen.de zu fin­den.


Am glei­chen Abend wur­de vor dem Schloss-Ein­kaufs­zen­trum in Braun­schweig übri­gens für „Wet­ten, dass…?“ kol­lek­tiv getanzt:

ZDF: Bühne für 'ne Stadtwette

Scha­de; die Betei­lig­ten wis­sen nicht, was ihnen ent­gan­gen ist.

Gern und jeder­zeit mehr davon!

PolitikIn den Nachrichten
Über die Beschnei­dung von Rech­ten

Argh:

Mit einem neu­en Straf­tat­be­stand soll die Geni­tal­ver­stüm­me­lung an Mäd­chen und Frau­en künf­tig här­ter bestraft wer­den. Auf der Justiz­mi­ni­ster­kon­fe­renz in Ber­lin stell­ten die Län­der Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen am Don­ners­tag dazu eine gemein­sa­me Geset­zes­in­itia­ti­ve vor.

Seit 1995 gilt die Geni­tal­ver­stüm­me­lung inter­na­tio­nal als Men­schen­rechts­ver­let­zung. Auch in Deutsch­land wur­den nach Anga­ben der Justiz­mi­ni­ster­kon­fe­renz schät­zungs­wei­se 20.000 Frau­en Opfer einer Geni­tal­ver­stüm­me­lung.

(Her­vor­he­bun­gen wie­der ein­mal von mir)

Zum Ver­gleich hier­zu eine Zahl vom August 2009, die auch Arne Hoff­mann schon zitier­te:

The mul­ti-par­ty com­mit­tee embark­ed on the tour to find solu­ti­ons fol­lo­wing the deaths of 53 initia­tes this sea­son.

So sieht’s aus: Beschnei­dung ist nur so lan­ge eine Ver­stüm­me­lung, wie sie nicht an Jun­gen und Män­nern durch­ge­führt wird; in ihrem Fall ist es ein auf jeden Fall zu schüt­zen­der reli­giö­ser und/oder son­sti­ger kul­tu­rel­ler Ritus. 53 Todes­fäl­le allein in die­ser Sai­son, sicher­lich scha­de, aber nicht mehr zu ändern.

(Natür­lich, immer­hin gehö­ren Jun­gen und Män­ner dem star­ken Geschlecht an, dem auch mal ein klei­ner Krieg in der Jugend sicher gut tut. Und es gibt eh recht vie­le von denen, da stört es die Sta­ti­stik nicht, wenn ein Teil von ihnen in einer Holz­ki­ste zurück­kommt.)

Außer­dem, was sind schon 53 tote Jun­gen per sea­son gegen unge­fähr 20.000 tote Frau­en und Mäd­chen ins­ge­samt? Die zwei­te Zahl ist doch viel grö­ßer! …

Könn­te bit­te end­lich mal jemand das mit der „Gleich­be­rech­ti­gung der Frau“ ganz schnell wie­der ver­ges­sen?


(Apro­pos spiegel.de: In einer US-ame­ri­ka­ni­schen Mili­tär­ba­sis haben ein paar Sol­da­ten wild um sich geschos­sen. Hat eigent­lich schon jemand nach­ge­schaut, ob sie viel­leicht vor­her mit Com­pu­ter­spie­len geübt haben?)

PolitikNetzfundstückeKaufbefehle
Lese­tipp: Das bür­ger­li­che Mani­fest – Auf­ruf für eine Zei­ten­wen­de

Peter Slo­ter­di­jk, einer der weni­gen noch halb­wegs ernst zu neh­men­den zeit­ge­nös­si­schen Phi­lo­so­phen, äußert sich in der aktu­el­len Aus­ga­be des Polit­quatsch­blatts (© S. Gärt­ner) Cice­ro wie folgt:

Wir haben uns – unter dem Deck­man­tel der Rede­frei­heit und der unbe­hin­der­ten Mei­nungs­äu­ße­rung – in einem System der Unter­wür­fig­keit, bes­ser gesagt: der orga­ni­sier­ten sprach­li­chen und gedank­li­chen Feig­heit ein­ge­rich­tet, das prak­tisch das gan­ze sozia­le Feld von oben bis unten para­ly­siert.

Nicht so ganz ver­stan­den hat das immer­hin rp online, wo man grund­sätz­lich alles auf Thi­lo Sar­ra­zin zurück­führt, der inhalt­lich sicher viel rich­ti­ges gesagt hat, aber nun auch so lang­sam nervt.

Nein, Slo­ter­di­jk setzt tie­fer an, direkt an der Wur­zel und somit, das wis­sen wir vom Zahn­arzt, dort, wo es weh tut. Dass man von der Norm abwei­chen­de Mei­nun­gen bes­ser nur ver­hal­ten äußern soll­te, ist nur ein Sym­ptom der Krank­heit, an der das System Deutsch­land labo­riert.

Die Deut­schen sind bin­nen eines hal­ben Jahr­hun­derts, das sie in Wohl­stand, Frie­den und Harm­lo­sig­keit ver­brach­ten, ein Savoir-viv­re-Kol­lek­tiv gewor­den, das sich so leicht von nie­man­dem um den Ver­stand brin­gen lässt.

Das Pro­blem der Poli­tik für die­ses Kol­lek­tiv ist, schreibt Slo­ter­di­jk, die Selbst­ver­ständ­lich­keit der Par­tei­en. Eine Par­tei, die ihrer Nach­fol­ge­rin in der Regie­rung nichts als Pro­ble­me hin­ter­lässt, kann sich sicher sein, dass die­se strau­cheln und erfolg­los blei­ben wird; erfolg­reich gezeigt an der SPD ab 1998, der die CDU einen Flicken­tep­pich hin­ter­las­sen hat­te.

Den voll­stän­di­gen Elf­sei­ter (Wer­bung abge­zo­gen und teil­wei­se befüll­te Sei­ten groß­zü­gig auf­ge­run­det) gibt es in „Cice­ro“, Aus­ga­be Novem­ber 2009, zu lesen. Ver­dammt gut inve­stier­te sie­ben Euro.

(Den Rest kann man, wie üblich, igno­rie­ren.)


Nach­trag:
Einen etwas ande­ren, auf die stän­di­gen Schreie nach „mehr Wachs­tum“ gerich­te­ten Blick auf die Phra­sen­dre­sche­rei hat Chris im Dok­tors­blog hin­ter­las­sen. Vor­sicht, Flü­che!