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Lesetipp: Das bürgerliche Manifest — Aufruf für eine Zeitenwende

Peter Slo­ter­dijk, ein­er der weni­gen noch halb­wegs ernst zu nehmenden zeit­genös­sis­chen Philosophen, äußert sich in der aktuellen Aus­gabe des Politquatschblatts (© S. Gärt­ner) Cicero wie fol­gt:

Wir haben uns – unter dem Deck­man­tel der Rede­frei­heit und der unbe­hin­derten Mei­n­ungsäußerung – in einem Sys­tem der Unter­wür­figkeit, bess­er gesagt: der organ­isierten sprach­lichen und gedanklichen Feigheit ein­gerichtet, das prak­tisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.

Nicht so ganz ver­standen hat das immer­hin rp online, wo man grund­sät­zlich alles auf Thi­lo Sar­razin zurück­führt, der inhaltlich sich­er viel richtiges gesagt hat, aber nun auch so langsam nervt.

Nein, Slo­ter­dijk set­zt tiefer an, direkt an der Wurzel und somit, das wis­sen wir vom Zah­narzt, dort, wo es weh tut. Dass man von der Norm abwe­ichende Mei­n­un­gen bess­er nur ver­hal­ten äußern sollte, ist nur ein Symp­tom der Krankheit, an der das Sys­tem Deutsch­land labori­ert.

Die Deutschen sind bin­nen eines hal­ben Jahrhun­derts, das sie in Wohl­stand, Frieden und Harm­losigkeit ver­bracht­en, ein Savoir-vivre-Kollek­tiv gewor­den, das sich so leicht von nie­man­dem um den Ver­stand brin­gen lässt.

Das Prob­lem der Poli­tik für dieses Kollek­tiv ist, schreibt Slo­ter­dijk, die Selb­stver­ständlichkeit der Parteien. Eine Partei, die ihrer Nach­fol­gerin in der Regierung nichts als Prob­leme hin­ter­lässt, kann sich sich­er sein, dass diese straucheln und erfol­g­los bleiben wird; erfol­gre­ich gezeigt an der SPD ab 1998, der die CDU einen Flick­en­tep­pich hin­ter­lassen hat­te.

Den voll­ständi­gen Elf­seit­er (Wer­bung abge­zo­gen und teil­weise befüllte Seit­en großzügig aufgerun­det) gibt es in “Cicero”, Aus­gabe Novem­ber 2009, zu lesen. Ver­dammt gut investierte sieben Euro.

(Den Rest kann man, wie üblich, ignori­eren.)


Nach­trag:
Einen etwas anderen, auf die ständi­gen Schreie nach “mehr Wach­s­tum” gerichteten Blick auf die Phrasendrescherei hat Chris im Dok­tors­blog hin­ter­lassen. Vor­sicht, Flüche!