Der Bildungsstreik wird dieser Tage fortgesetzt, und meine Hochschule macht wie auch andere Hochschulen, an denen einige mir bekannte Studenten zu studieren pflegen, schlichtweg nicht mit. (Nachtrag: Die Fakultät Sozialwesen hat dem heute in einer E‑Mail widersprochen, ab dem 20.11. wollen sie sich “solidarisieren”, was immer das bedeuten mag.) Nun lässt die außerhalb der von wenigen Demonstranten “besetzten” Hochschulen, die täglich durch die Medien gereicht werden, eher unscheinbare Beteiligung an den Streiks die Vermutung zu, dass die derzeitigen Aktivitäten nicht zielgerichtet koordiniert werden.
Auch wenn mit nun plötzlich doch “geplanten” BaFöG-Verbesserungen schon ein kleiner Teilerfolg zu verbuchen ist, der sich allerdings auch schnell als Luftblase herausstellen kann (“geplant” heißt ja bekanntlich nicht viel), so sind die verbleibenden Forderungen der derzeit Protestierenden doch recht vielschichtig:
- Bachelor-Chaos: Als kleinster gemeinsamer Nenner taugt der Verdruss über die Stofffülle, den ständigen Prüfungsdruck in überfrachteten Bachelor-Studiengängen. Die Studenten wollen kein Produkt einer Lernfabrik sein. Manche lehnen die Bologna-Reform rundweg ab, andere kritisieren eher die schwache Umsetzung und auch die Hürden beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium.
- Auch Schüler fordern eine Überprüfung des Unterrichtsstoffs, nach Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre (G8). Zum Teil wenden sie sich gegen das traditionell dreigliedrige Schulsystem und fordern Gemeinschaftsschulen.
- Studiengebühren: Über die Ablehnung der Campusmaut kann man unter Studenten schnell Einigkeit erzielen — durchaus nicht aussichtslos: In mehreren unionsregierten Bundesländern sind die Studiengebühren zwar längst eingeführt, die Landesregierungen werden auch so leicht nicht wackeln. Aber die Beispiele Hessen und Saarland zeigen, dass die Entscheidungen später revidiert werden können.
Sicher sind das alles vernünftige und auf jeden Fall erstrebenswerte Ziele, aber es muss mehr Kommunikation zwischen den Protestgruppen der Schulen und Hochschulen geben und man sollte sich auf einen einzigen gemeinsamen Nenner einigen. Wenn der Hochschulbetrieb mit nur wenig Einschränkungen fortgeführt werden kann und viele Studenten den Demonstrationen fernbleiben, weil die Organisatoren selbst nicht mit vollem Ernst bei der Sache sind, setzt das ein Zeichen an der falschen Stelle. (Und es wird auch an der falschen Stelle protestiert. Die Hochschulen sind die falschen Ansprechpartner, sie können nur wenig dafür.)
Sicher ist 1968 längst vorbei, aber die Umstände, gegen die heute protestiert wird, sind auch nicht viel milder als jene vor 41 Jahren. Dieser Studentenprotest ist keine Spaßbewegung, er will politischen Umschwung und Modernisierung erreichen. Um eine Metapher zu bemühen: Mit Wasserpistolen setzt man auch keinen Diktator ab. Parolen lösen die Probleme nicht.
Werdet endlich konkret und macht was draus. Für uns alle und für die Zukunft.

Nun, wenn ich schon in unserem Semesterforum folgende Sätze lesen muss, und das, obwohl Etechniker eigentlich noch eher zur protestaffinen Gruppe gehören (wir sind ja immerhin keine WiWis), geht mir sprichwörtlich das Messer in der Tasche auf und mich wundert auch nicht mehr, dass wir jetzt im großen Stil besetzen müssen, weil die Studenten der vergangenen 30 Jahre ebendies verschlafen haben.
“Was könnte man denn als einzelner, normaler Studierender tun, um diese Irren davon abzuhalten andere beim Studieren zu behindern?”