PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Wolf­gang Bos­bach, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Nicht per Twit­ter (neu­mo­di­sches Teu­fels­zeug!), son­dern ganz klas­sisch in die Tot­holz­me­di­en hin­ein son­der­te Wolf­gang Bos­bach, Innen­po­li­ti­ker (aber ganz tief drin) und gegen­wär­ti­ge Ober­quatsch­na­se der CDU, anläss­lich der jüngst statt­ge­fun­den haben­den Gegen-ACTA-Pro­te­ste fol­gen­den Quark ab:

Was im rea­len Leben ver­bo­ten ist – das Kopie­ren frem­den gei­sti­gen Eigen­tums –, muss auch im vir­tu­el­len Leben ver­bo­ten sein“, sag­te er der „Rhei­ni­schen Post“ (Mon­tag). (…) „Die ACTA-Kri­ti­ker müss­ten sagen, wie sie das sicher­stel­len wol­len“, for­der­te der Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-Innen­aus­schus­ses vor allem in Rich­tung von Pira­ten­par­tei und Grü­nen, die die Anti-ACTA-Pro­te­ste unter­stüt­zen.

Dass Wolf­gang Bos­bach nicht so recht ver­stan­den hat, wo eigent­lich das Pro­blem mit ACTA und der­glei­chen liegt, ist wohl jedem klar, der in den letz­ten Tagen ab und zu mal die Inlands­nach­rich­ten jen­seits der Klatsch­spal­ten begut­ach­tet hat und nun mit obi­ger For­de­rung kon­fron­tiert wird; den etwas Lang­sa­me­ren (CDU) hilft es viel­leicht, greift man Herrn Bos­bachs höchst­ei­ge­ne Par­al­le­le auf: Wenn ich Tan­te Erna eine Zei­tungs­ar­ti­kel­ko­pie und ein Volks­mu­sik-Mix­tape schicke, schraubt mir nie­mand dafür den Brief­ka­sten ab.

Lie­ber eine schlech­te als gar kei­ne Lösung; wer etwas zu meckern hat, der soll’s halt bes­ser machen – was auch immer er damit meint: Kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge, das Urhe­ber­recht zu refor­mie­ren statt es zu zemen­tie­ren, gab und gibt es in viel­fa­cher Aus­füh­rung, sie schei­tern jedoch stets am Wider­stand der herr­schen­den Par­tei­en, etwa der CDU (Wolf­gang Bos­bach).

Natür­lich weiß Herr Bos­bach das, es hält ihn den­noch nicht davon ab, unkun­di­gen Bür­gern weis­ma­chen zu wol­len, die Pro­te­stan­ten sei­en ein­zig an der Lega­li­sie­rung unge­setz­li­chen Tuns inter­es­siert. Die Kri­mi­na­li­sie­rung unbe­schol­te­ner Bür­ger ist bei ihm und sei­nen Freun­den aus der Medi­en­in­du­strie ja längst das Mit­tel zum Zweck.

Da wächst zusam­men, was zusam­men gehört.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Tal­king Heads – Bur­ning Down the Hou­se

Das haben wir jetzt davon:

Bei gewalt­sa­men Pro­te­sten gegen den radi­ka­len Spar­kurs sind in Athen mehr als 80 Men­schen ver­letzt wor­den. (…) Cafés, Geschäf­te und histo­ri­sche Kinos stan­den am Sonn­tag in Flam­men, als ver­mumm­te Ran­da­lie­rer im Zen­trum der Haupt­stadt mit Brand­sät­zen und Stei­nen war­fen.

Da höre ich doch lie­ber noch ein wenig Musik:

Tal­king Heads „Bur­ning Down the Hou­se“ ‌‌ – Bohe­mia After­d­ark

Peo­p­le on their way to work -
and, baby, what did you expect -
gon­na burst into fla­mes;
ah, bur­ning down the hou­se …

Einen ange­neh­men Mon­tag wün­sche ich.

Netzfundstücke
Ganz neu: Schwarz­ko­pien schä­di­gen die Gesell­schaft

Dass die Vor­sit­zen­den der Plat­ten­fir­men sich das Ben­zin für ihren May­bach nicht mehr lei­sten kön­nen, wenn wir nicht alle auf­hö­ren, Kopien zu rau­ben (ob nun per Audio­kas­set­te oder via Inter­net), ist eine alt­be­kann­te Mär; dass Raub gemäß § 249 StGB man­gels Gewalt­an­wen­dung beim Anfer­ti­gen der Kopien in der Regel nicht vor­liegt, soll­te sich auch noch mal her­um­spre­chen. Ange­sichts der immer glei­chen Lei­er von den armen Rech­te­ver­wer­tern ist es ziem­lich erfri­schend, wenn man auch mal etwas ande­res zu lesen bekommt.

Zum Bei­spiel ver­folgt Peter Sin­ger, selbst Autor und somit vom bösen Inter­net geschä­dig­ter Krea­ti­ver, einen sel­te­nen Ansatz, indem er schreibt:

Urhe­ber­rech­te müs­sen auch im Inter­net ver­wert­bar sein. Sonst wer­den sich vie­le Krea­ti­ve ihr Geld auf ande­re Wei­se ver­die­nen – und die Gesell­schaft ist der Ver­lie­rer.

Der Umstand, dass Urhe­ber­rech­te weder ver­äu­ßer­lich noch ver­wert­bar sind, fällt Buch­au­to­ren wahr­schein­lich weni­ger auf als Musi­kern, denen ihre Urhe­ber­schaft nur sel­ten viel Geld ein­bringt, da alles bei den Ver­wer­tern hän­gen bleibt. Die Argu­men­ta­ti­on ist aber mal inter­es­sant: Wenn die Inter­net­nut­zer nicht auf­hö­ren, sei­ne Inhal­te mit­ein­an­der zu tau­schen, wer­den die Erzeu­ger die­ser Inhal­te eines Tages alle­samt auf­hö­ren, Nach­schub zu pro­du­zie­ren, und lie­ber etwas ande­res tun. Bei man­chen (Pla­ce­bo, Muse, Tim Bendz­ko) wäre das aller­dings kein gro­ßer Ver­lust für die Gesell­schaft.

Dabei beginnt Peter Sin­gers Kom­men­tar eigent­lich ganz gut, indem er die Anek­do­te erzählt, dass er selbst bereits ein raub­ko­pier­tes Buch zuge­sandt bekom­men und auch gele­sen hat­te. Lei­der folgt der Wen­de­punkt umge­hend:

Wenn Leu­te raub­ko­pier­te Bücher nut­zen, erlei­den häu­fig der Ver­lag und der Autor einen Nach­teil – sie ver­lie­ren ihre Ein­nah­men aus dem Ver­kauf des Buches.

Ab hier wird’s Käse. Um in der Musik­welt zu blei­ben: Die mei­sten Musikal­ben, die ich gern hören wür­de, ver­su­che ich vor­her als unli­zen­zier­te Kopien zu bekom­men, um mir ein aus­rei­chen­des Bild davon machen zu kön­nen, ob es sich lohnt. Blind­käu­fe sind sel­ten eine gute Idee, denn auch, wenn man vor­her zum Bei­spiel ein Lied aus einem Album in gan­zer Län­ge gehört und für gut befun­den hat­te, sagt das noch nichts dar­über aus, ob der Rest der ent­hal­te­nen Musik­stücke den Kauf wert sein wür­de oder ob man die­sen nicht doch bereut. Bei Gefal­len bestehe ich aber dar­auf, das Gehör­te auch in phy­si­scher Form zu besit­zen, um mei­ne Wert­schät­zung ange­mes­sen aus­zu­drücken.

Ob sich die­ses Ver­hal­ten im All­ge­mei­nen auch auf Bücher über­tra­gen lässt? Ich bin zwar ein Freund digi­ta­ler Medi­en im All­ge­mei­nen, nicht jedoch digi­ta­ler Bücher, denn „E‑Books“ sind kein voll­wer­ti­ger Ersatz für sel­bi­ge. Irgend­et­was wür­de stets feh­len, und sei es nur das Umblät­tern oder die Gewiss­heit, ein Buch auch mal wochen­lang zur Sei­te legen zu kön­nen, ohne vor dem Wei­ter­le­sen die Bat­te­rien wech­seln zu müs­sen. Womög­lich soll­te Peter Sin­ger sich aber mal bei Tha­lia beschwe­ren – in deren Filia­len haben Besu­cher meist die Mög­lich­keit, jedes nicht ein­ge­schweiß­te Buch auf mehr oder weni­ger beque­men Ses­seln zu lesen, ohne es kau­fen zu müs­sen. Was da allein für Ver­lu­ste ent­ste­hen!

Wie zum Trotz hat welt.de an die­ser Stel­le eine acht­tei­li­ge Klick­strecke ein­ge­fügt (sie­ben Tei­le plus Wer­bung): „So hoch sind der Ver­lu­ste der Unter­neh­men durch Inter­net­pi­ra­te­rie…“. Dar­in ste­hen Fak­ten wie:

Alle EU-Län­der: 9,9 Mrd. Euro
Beschäf­ti­gungs­ab­bau: 186.400

Woher die­se Zah­len kom­men? Man weiß es nicht. Dass Schwarz­ko­pien die Schuld dar­an tra­gen, dass Unter­neh­men mas­sen­haft Leu­te raus­wer­fen, hal­te ich aller­dings für ein Gerücht, aber die Springer-„Presse“ war ja schon immer für ein wenig Popu­lis­mus zu haben.

Nach eini­gem frag­wür­di­gen Geschwa­fel über SOPA, PIPA, ACTA und Megau­pload („der Kampf wird wei­ter­ge­hen“, das fürch­te ich auch) stellt Herr Sin­ger dann noch mal sei­ne eige­nen Absich­ten in Fra­ge, indem er schreibt:

Ich bin nicht nur Leser, son­dern auch Autor. Eines der Wun­der des Inter­nets ist, dass eini­ge mei­ner älte­ren Wer­ke, die lan­ge nicht mehr lie­fer­bar sind, jetzt sehr viel leich­ter erhält­lich sind als frü­her – als Raub­ko­pie

Gin­ge es nach ihm selbst, wären sei­ne „älte­ren Wer­ke“ also nun ver­grif­fen, nicht mehr zugäng­lich, und wür­den ihm kei­ne neu­en Leser mehr besche­ren. Dass er mit die­sen „Wer­ken“ kein Geld mehr ein­neh­men kann, ist ihm egal, so lan­ge sie eben nur auch nie­mand mehr kau­fen kann. Ver­steh‘ ich nicht. Peter Sin­ger macht aller­dings den Feh­ler, von Ver­bre­chern betrie­be­ne Platt­for­men wie Megau­pload und sozia­le, nicht auf die blo­ße Berei­che­rung ihrer Betrei­ber fokus­sier­te Net­ze wie etwa Kadem­lia (eMule/aMule) mit­ein­an­der in einen Topf zu wer­fen. Ich gebe ihm inso­fern Recht, als es ein­fach ist, sich bes­se­re Zwecke für „(…) Ein­nah­men aus Autoren­rech­ten vor­zu­stel­len als den umwelt­schäd­li­chen Lebens­stil eines Kim Dot­com“. Den­noch hat Schwarz­ko­pie­ren nur sel­ten etwas mit der­lei Akti­vi­tä­ten zu tun.

Am Ende bekommt er doch noch die Kur­ve:

Austra­li­en, Kana­da, Isra­el, Neu­see­land und vie­le euro­päi­sche Län­der haben heu­te ein öffent­li­ches Ver­leih­recht, das dar­auf aus­ge­legt ist, Autoren und Ver­le­ger für die ihnen durch die Mög­lich­keit zur Ent­lei­he ihrer Bücher in öffent­li­chen Büche­rei­en ent­gan­ge­nen Umsät­ze zu ent­schä­di­gen. Wir brau­chen etwas Ähn­li­ches für das Inter­net.

Es könn­te über eine Nut­zungs­ge­bühr finan­ziert wer­den, und wenn die Gebühr nied­rig genug wäre, wür­de dies den Anreiz zur Nut­zung von Raub­ko­pien ver­rin­gern.

Was Peter Sin­ger hier befür­wor­tet, ist eine Kul­tur­flat­rate – also das, was aus den Rei­hen der Pira­ten­par­tei­en unge­fähr seit ihrem Bestehen gefor­dert und von Krea­ti­ven wie Peter Sin­ger meist mit Lega­li­sie­rung von Dieb­stahl gleich­ge­setzt wird. Die­se Ent­wick­lung ist zumin­dest bemer­kens­wert.

Gege­be­nen­falls soll­te Peter Sin­ger sich zunächst ein­mal ent­schei­den, ob das Kopie­ren sei­ner Tex­te nun erwünscht (wegen ver­grif­fen) oder nicht so erwünscht (wegen Kim Schmitz) sein soll, bevor er sich dar­an wagt, einen Text zu schrei­ben, der sich für und/oder gegen file­sha­ring aus­spricht. Ich fürch­te aller­dings, bevor die­se Ent­schei­dung schließ­lich gefällt wor­den sein wird, macht er längst etwas ande­res und lässt die Gesell­schaft dar­un­ter lei­den.

Mich frö­stelt es jetzt schon.

Netzfundstücke
Kurz gefragt (1): Mar­ga­ret Heckel!

Frau Heckel,

für den „The Euro­pean“ schrie­ben Sie:

Eigent­lich ist der digi­ta­le Raum die idea­le Gele­gen­heit für Frau­en. Er ist weit­ge­hend bar­rie­re­frei und erlaubt fle­xi­ble Arbeits­zei­ten. Doch nur weni­ge Vor­zei­ge­frau­en mischen ganz vor­ne mit.

Fra­ge: Na und?

So ein paar Vor­zei­ge­frau­en im Inter­net gibt es dann doch. Mari­na Weis­band von der Pira­ten-Par­tei. Die rhein­land-pfäl­zi­sche Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin Julia Klöck­ner von der CDU, die durch ihren schnel­len Tweet mit den Ergeb­nis­sen der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl bun­des­weit bekannt wur­de. Ari­an­na Huf­fing­ton, die die Inter­net-Zei­tung „Huf­fing­ton Post“ gegrün­det hat.

Fra­ge: Inter­es­siert es Sie über­haupt, dass die von Ihnen als leuch­ten­des Vor­bild hin­ge­stell­te Mari­na Weis­band von Gestal­ten wie Ihnen und Ihren rück­stän­di­gen Ansich­ten nicht viel hält?

Das ist zu wenig. Hilf­reich wären ein paar mehr Vor­zei­ge­frau­en, die ande­ren Mut machen, sich im Inter­net zu ver­wirk­li­chen.

Fra­ge: Hilf­reich wofür?

Ande­rer­seits frag­te Sie das auch bereits gestern Ihr Kom­men­ta­tor B. Eich­ler:

Ihr State­ment zeugt von einer gewis­sen Hilf­lo­sig­keit. Viel­leicht, weil Sie auch kei­nen Grund dafür wis­sen, war­um 50 % der Inter­net­ak­ti­vi­sten weib­lich sein soll­ten, außer dem, dass Frau­en 50 % der Bevöl­ke­rung stel­len.

Dür­fen wir auf eine Ant­wort hof­fen?

PolitikIn den Nachrichten
Ad ACTA gelegt

Den Witz aus der Über­schrift hat, unfreund­li­cher­wei­se, Bov Bjerg vor mir gemacht, aber bes­ser hät­te ich es nicht beschrei­ben kön­nen: Deutsch­land mag ACTA jetzt doch nicht mehr.

Deutsch­land wird vor­erst das ACTA-Abkom­men nicht unter­zeich­nen. Das Aus­wär­ti­ge Amt habe die Wei­sung zurück­ge­zo­gen, wie dpa (sic!) twit­ter­te.

Damit ist das Kapi­tel ACTA vor­erst been­det. „Vor­erst“ bedeu­tet hier, dass sich alle betei­lig­ten Län­der wohl inzwi­schen dar­über einig sind, dass ACTA in der vor­lie­gen­den Form nie­mals hät­te rati­fi­ziert wer­den sol­len. Anders gesagt: ACTA wird vor­aus­sicht­lich das Schick­sal der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung erlei­den, man wird es mehr­fach redi­gie­ren, womög­lich umbe­nen­nen und in einem unbe­ach­te­ten Moment doch noch durch­drücken. Die kom­men­de Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft bie­tet sich an.

Das ärgert natür­lich vor allem die ent­schlos­se­nen ACTA-Geg­ner, denn die für mor­gen geplan­ten Demon­stra­tio­nen haben somit ihr Ziel ver­lo­ren. Gegen ein Gesetz zu demon­strie­ren, das der Staat nicht mehr beschlie­ßen will, erscheint mir ein wenig däm­lich.

Aber weil man sich schon so lan­ge dar­auf gefreut hat, end­lich in der Käl­te her­um­ste­hen zu dür­fen, um hin­ter­her einen Grund zu haben, sich mit Glüh­wein zu besau­fen, wird natür­lich trotz­dem demon­striert. Das tote Pferd wird so lan­ge getre­ten, bis irgend­je­mand wie­hert.

Die ACTA-Demon­stra­tio­nen ver­ste­hen sich als über­par­tei­lich, NPD-nahe wie auch diver­se lin­ke Grup­pen haben eben­so wie Amne­sty Inter­na­tio­nal ihre Unter­stüt­zung zuge­si­chert. Auf der „Aktiven“-Mailingliste der nie­der­säch­si­schen Pira­ten­par­tei wur­de eben­falls vor­hin für den Tritt gewor­ben:

ich hof­fe, Ihr seid mor­gen alle auf der Stra­ße

Ich ant­wor­te­te aus­zugs­wei­se neben oben bereits geschil­der­ter Befürch­tung betreffs einer kom­men­den Neu­auf­la­ge von ACTA dies:

Inter­es­se­hal­ber: Woge­gen? Dage­gen, dass Deutsch­land vor­erst nicht unter­schreibt? Die For­de­rung lau­tet also, dass Deutsch­land noch nicht­er unter­schrei­ben soll als es das eh‘ schon nicht tut? Wat?

„Vor­erst vom Tisch“. Ja. Strengt doch bit­te mal eure ratio an: Vor­erst besteht also kein Grund zur Sor­ge, noch vom­ti­scher als „vom Tisch“ geht nicht. Wenn ihr JETZT pro­te­stiert, wird das ver­puf­fen, denn es gibt nichts mehr, was ihr for­dern könnt. Vor­erst.

Ihr könnt jetzt sagen „wir wol­len kein ACTA“, dann wird Deutsch­land sagen, ja, kriegt ihr doch eh‘ nicht, also wo ist das Pro­blem?

Dass ich für die­se eher distan­zier­te Hal­tung zu den auch wei­ter­hin sinn­frei­er­wei­se unter „Stopp ACTA“ geführ­ten Demon­stra­tio­nen diver­se Schel­te ein­stecken durf­te, soll hier gar nicht wei­ter das The­ma sein: Ich habe Ver­ständ­nis dafür, dass bei man­chen Men­schen – auch Pira­ten – der Beiß­re­flex ein­setzt, wenn die Sinn­lo­sig­keit des eige­nen, vom mensch­li­chen Her­den­trieb gelei­te­ten Tuns offen­bart wird.

Das Pro­blem ist aber gar nicht ACTA, unter wel­chem Namen auch immer es gera­de daher­kom­men mag – das Pro­blem sitzt tie­fer.

Gegen ACTA, SOPA, PIPA und son­sti­ge Abkür­zun­gen zu pro­te­stie­ren gleicht dem Kampf gegen die Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wach­sen sogleich neue. ACTA nach­hal­tig auf­zu­hal­ten und aus der Erin­ne­rung jedes Men­schen zu löschen, der irgend­was mit Poli­tik zu tun hat, ist ein inter­es­san­tes und sicher auch erstre­bens­wer­tes Ziel, aber es besei­tigt nur die Sym­pto­me, nicht jedoch die Ursa­che, die da heißt: Lob­by­ar­beit.

ACTA und sei­ne Geschwi­ster sind nur mög­lich, weil eine arro­gan­te Indu­strie, die sich jeden Anwalt der Welt mühe­los lei­sten kann, es schafft, jahr­zehn­te­lang ihre Kun­den gegen­über dem Staat als eine räu­be­ri­sche Ban­de dar­zu­stel­len, vor der sie unbe­dingt (finan­zi­el­len) Schut­zes bedarf.

Dabei hat das nicht mal etwas mit dem Inter­net zu tun: Schon, als bespiel­ba­re Audio­kas­set­ten erschwing­lich wur­den, sahen die Plat­ten­fir­men ihr Geschäfts­mo­dell bedroht. Das war, wir erin­nern uns, vor unge­fähr vier­zig Jah­ren. Heu­te tauscht die Jugend aber nicht mehr Kas­set­ten, son­dern USB-Sticks oder gleich per Blue­tooth. Die Emp­fän­ger der getausch­ten Ware Musik müs­sen dann natür­lich kei­ne CDs mehr kau­fen, tun es aber bei Gefal­len trotz­dem. Da ist es nur logisch (in der merk­wür­dig­sten mir bekann­ten Defi­ni­ti­on von „logisch“), dass die Umsät­ze der Musik­in­du­strie stei­gen wer­den, wenn man im Inter­net ’n biss­chen här­ter durch­greift.

Mari­na Weis­band so:

Schla­ge Expe­ri­ment vor: Wir schal­ten für eine Woche „das Inter­net“ ab und war­ten, ob bei den Künst­lern das Geld nur so in die Kas­sen strömt.

Der Markt für digi­ta­le Musik­über­tra­gung, etwa per Strea­ming­dien­sten, wächst kon­ti­nu­ier­lich, trotz GEMA auch in Deutsch­land, und dabei bekom­men die Rech­te­ver­wer­ter einen recht gro­ßen Teil des Kuchens ab. (Was die Künst­ler am Ende erhal­ten, steht ja auf einem ganz ande­ren Blatt.) Böses, böses Inter­net.

Aber ich schwei­fe ab. ACTA ist tat­säch­lich in Deutsch­land nicht nur gefähr­lich, son­dern oben­drein voll­kom­men wir­kungs­los, denn die ent­hal­te­nen For­de­run­gen sind bereits Teil deut­scher Legis­la­tur. Das ist es, woge­gen man demon­strie­ren soll­te. Es erschüt­tert mich, dass ACTA so gro­ße Wel­len schlägt, die koor­di­nier­ten Mas­sen­pro­te­ste, als die ent­hal­te­nen Rege­lun­gen in die deut­sche Gesetz­ge­bung ein­flos­sen, aber gänz­lich aus­blie­ben.

Wir kön­nen gern jedes Jahr auf die Stra­ße gehen, Schil­der in die Luft heben, wütend mit den Armen her­um­fuch­teln und sogar Peti­tio­nen unter­zeich­nen, bis uns (wegen der Käl­te) die Fin­ger abfal­len, aber alles, was wir damit errei­chen kön­nen, ist, dass die Hydra einen neu­en Kopf bekommt. Der glei­che Mist in neu­er Far­be, und alles geht von vorn los.

Woge­gen des­halb um so ener­gi­scher demon­striert wer­den muss, ist die gie­ri­ge Con­tent-Indu­strie. Zum Ver­gleich: Mie­le hat einen höhe­ren Jah­res­um­satz als die Musik­in­du­strie, erstaun­li­cher­wei­se sind Geset­ze wie etwa ein Ver­bot, sei­ne Mie­le-Wasch­ma­schi­ne zu ver­lei­hen, trotz­dem noch nicht erlas­sen wor­den; immer­hin ent­geht Mie­le so ein Gewinn, da der Belie­he­ne sich kei­ne eige­ne Wasch­ma­schi­ne kau­fen muss. (Eigent­lich soll­te die Musik­in­du­strie ja mal was gegen Mie­le unter­neh­men, deren Wasch­ma­schi­nen erzeu­gen immer­hin in Kon­kur­renz zur gegen­wär­ti­gen Pop­mu­sik ste­hen­de, oben­drein auch län­ger andau­ern­de Geräu­sche.)

Aber nie­mand geht gegen die Wur­zel auf die Stra­ße. Man hackt lie­ber Äste ab und freut sich, dass sie wie­der nach­wach­sen – so hat man wenig­stens immer etwas zu tun.

Hof­fent­lich wird es mor­gen kalt.

Spaß mit Spam
Stel­len Sie Ihr Kre­dit­Kar­ten wie­der her

Mein Kre­dit­Kar­ten wur­de gelöscht, will ich es aus dem Papier­korb wie­der­her­stel­len?

Man­che Spam­ver­sen­der geben sich ein­fach kei­ne Mühe:

Lie­be geschätz­te deut­che Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber,

„Deut­che Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber“, prompt kommt mir Dr. Hel­mut Kohl in den Sinn, der stets sei­ne „lie­ben Mit­men­chen“ grüß­te. Der Hel­mut war schon pos­sier­lich manch­mal, jaja.

Dies ist ein Betrieb der Natio­na­len Sicher­heit in Zusam­men­ar­beit mit :
Deut­che bank , Spar­kas­se , Volks­bank und Com­merz­bank

„Natio­na­le Sicher­heit“, drun­ter machen sie’s nicht. Meh­re­re Ban­ken, dar­un­ter die „Deut­che bank“, arbei­ten also wahr­schein­lich mit der NATO zusam­men, um dafür zu sor­gen, dass jeder Deut­che eine funk­tio­nie­ren­de Kre­dit­kar­te besitzt. Klar: Ret­tungs­schir­me sind eben teu­er.

Sie haben die­se E‑Mail bekom­men, weil Ihr Kre­dit­Kar­ten vor­lдu­fig gesperrt wur­de.
Öff­nen und fül­len Sie die­ses For­mu­lar aus, um die Sper­rung Ihres Kre­dit und
Debit Kar­ten zu ver­mei­den.

Mein Kre­dit­Kar­ten wur­de vor­lдu­fig gesperrt, und um zu ver­hin­dern, dass außer mei­nem Kre­dit­Kar­ten (war­um lese ich immer „Kra­ken“?) auch mein Kre­dit und Debit Kar­ten vor­lдu­fig gesperrt wird, sand­te man mir ein For­mu­lar zu, das ich doch mit Ver­gnü­gen aus­fül­le. Dabei lie­gen mir jedoch Stei­ne im Weg:

Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie Java­Script oder activ­ex aus der
Pop-up-Lei­ste akti­vie­ren sol­len, um das For­mu­lar aus­zu­fül­len für jede Kre­dit­kar­ten !

Immer­hin: Habe ich dies getan, kann ich jede Kre­dit­kar­ten frei­schal­ten las­sen. Wahr­schein­lich auf mei­nen Namen! Das ist natür­lich sehr adrett.
Also …

Bit­te fül­len sie die Fel­der aus und schicken Sie uns die­ses For­mu­lar, um Ihr
Kar­ten erneut zu akti­vie­ren.

… mache ich das doch gleich mal.

Die ange­häng­te HTML-Datei sieht im Quell­text so aus:

Das sieht doch Ver­trau­en erweckend aus. Natür­lich muss so ein Kre­dit­in­sti­tut – vor allem eines im Dien­ste der natio­na­len Sicher­heit – stets dar­auf ach­ten, dass ein Min­dest­maß an Daten­si­cher­heit gewahrt bleibt. Fro­hen Mutes öff­ne ich die Datei in dem Web­brow­ser mei­ner Wahl. Es öff­net sich fol­gen­de Sei­te:

Halt, Moment!, rufe ich im Stil­len, da stimmt doch etwas nicht! Man hat mir das fal­sche For­mu­lar geschickt, statt der erhoff­ten Kre­dit­kar­ten­frei­schal­tung ist es ledig­lich ein Antrag auf einen Secu­re­Code! Den kann ich ohne Kre­dit­Kar­ten (der ist ja gesperrt) natür­lich noch nicht nut­zen.

Gut, dass ich das recht­zei­tig bemerkt habe. Ich wer­de gleich das rich­ti­ge For­mu­lar bean­tra­gen. Aber so ein Faux­pas soll­te der Deut­chen bank nicht pas­sie­ren!
Hof­fent­lich wird das mit den neu­en Vor­stands­vor­sit­zen­den ab Mai 2012 bes­ser.

Vie­len Dank.

Das Deut­che Bun­des­Bank Manage­ment.
XOHOKUSFCXTCFQIWWRHRHDUELGJHUZQUYQXKZS

Stets der Ihre.

Der deut­che Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber.
ABCDEFGWARUMTUTMEINKOPFSOWEH

SonstigesNetzfundstücke
Typisch Nie­der­sach­sen.

Das hat noch gefehlt: Auch Nie­der­sach­sen wird auf der kom­men­den CeBIT 2012, der laut „The­men­spe­zi­al“ auf niedersachsen.de „beu­dend­sten (sic!) IT-Mes­se“, wenn’s eben für die bedeu­tend­ste nicht reicht, mit einem Stand ver­tre­ten sein. Das ist ein kon­se­quen­ter Schritt, ist Nie­der­sach­sen – Mot­to: „Sie ken­nen unse­re Pfer­de. Erle­ben Sie unse­re Stär­ken.“ – doch vor allem als das Bun­des­land mit der größ­ten digi­ta­len Inno­va­ti­ons­kraft bekannt. Euch etwa nicht?

Für den Inno­va­ti­ons­stand auf der CeBIT gibt es auch eine Infor­ma­ti­ons­bro­schü­re: Die­se hier.
(Hin­weis: Die Datei ist etwas über zwei­ein­halb MiB groß.)

Das Titel­bild ist schon ziem­lich umwer­fend:

Ein gezo­ge­ner Netz­werk­stecker sym­bo­li­siert das EDV-Inno­va­ti­ons­land Nie­der­sach­sen wohl unge­fähr so gut wie der brau­ne Fleck im Kopf­be­reich, der sich wie ein roter Faden durch das cor­po­ra­te design der Ver­mark­tungs­kam­pa­gnen Nie­der­sach­sens zieht. Nach Ver­grö­ße­rung erkennt man: Es han­delt sich um Pfer­de­äp­fel. „Sie ken­nen unse­re Pfer­de, dies ist ihr Dung.“

Auf der The­men­sei­te „Inno­va­ti­ves Nie­der­sach­sen“ wird ver­deut­licht, wofür Nie­der­sach­sen sonst noch gern ste­hen wür­de: Für mehr Reli­giö­si­tät, mehr wei­ße Kit­tel („Labor­kit­tel“, natür­lich), mehr Mobi­li­tät, all das jeweils ver­edelt mit dem brau­nen Klum­pen der nie­der­säch­si­schen Pfer­de.

Typisch Nie­der­sach­sen.

In den Nachrichten
Äppel statt Büchers

Eine ganz tol­le Neu­ig­keit dringt da aus der Regi­on Braun­schweig her­über:

Apple hat ange­kün­digt, mit iPads und iBooks die Klas­sen­zim­mer erobern zu wol­len.

iBooks wür­den ide­al in heu­ti­ge Schu­len pas­sen, sechs Jah­re alte Hard­ware ist in deren „Com­pu­ter­räu­men“ ja durch­aus nicht unüb­lich, wahr­schein­lich waren aber Mac­Books gemeint. Kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man Apple ist.

Die IGS Volk­ma­ro­de ist die erste Schu­le in Nie­der­sach­sen, in der Schü­ler schon mit den klei­nen Tablet-Com­pu­tern arbei­ten.

„Arbei­ten“; na den­ne. Sind mit den „klei­nen Tablet-Com­pu­tern“ jetzt eigent­lich die iPads oder die Mac­Books gemeint? So ein Mac­Book Air ist ja auch nicht gera­de klein.
Aber die inne­ren Wer­te zäh­len:

Schul­lei­ter Chri­sti­an Düwel nennt die Vor­tei­le der hand­li­chen Com­pu­ter: „Anders als ande­re Rech­ner müs­sen Tablet-Com­pu­ter nicht erst lan­ge hoch­ge­fah­ren wer­den. Man stellt sie an und ist sofort online. Der Auf­wand ist mini­mal und die Bedie­nung sehr ein­fach.“

Ein „gesun­des“ Win­dows 7 benö­tigt zum Star­ten weni­ger als eine Minu­te. „Weni­ger als eine Minu­te“ ist aller­dings, das ver­ste­he ich, deut­lich län­ger als „sofort“, und im Unter­richt kommt es auf jede Sekun­de an, die die poten­zi­el­len App­le­kun­den im Inter­net ver­brin­gen kön­nen. Natür­lich nur zur Recher­che:

(…) „Über das Inter­net holen wir die Welt ins Klas­sen­zim­mer. Die Recher­che­mög­lich­kei­ten sind unbe­grenzt, das ist natür­lich fas­zi­nie­rend“, schwärmt der Schul­lei­ter. Zudem gebe es zahl­rei­che Anwen­dun­gen, die man nut­zen kön­ne. Im Musik­un­ter­richt könn­ten die Schü­ler bei­spiels­wei­se mit einer App sel­ber Lie­der kom­po­nie­ren: „Ob Rap-Song oder Saxo­phon-Solo – jeder nach sei­nem Geschmack und jeder in sei­nem eige­nen Lern­tem­po.“ Die Ergeb­nis­se wer­den dann per Maus­klick unter­ein­an­der aus­ge­tauscht.

„Oooh, was es da alles zu sehen gibt!“
– Dago­bert Duck bei sei­nem ersten Auf­ent­halt im Inter­net

Natür­lich wür­de kein Schü­ler auf die Idee kom­men, ein­mal nach­zu­se­hen, ob im Inter­net auch unter­richts­fer­ne Inhal­te zu fin­den sind. Flash kann das iPad zum Glück ohne­hin nicht, Por­no­strea­ming fällt also aus. Mich beschleicht anhand sei­ner Schil­de­rung aller­dings eine lei­se Ahnung, dass Herr Düwel, ver­gli­chen mit sei­nen Schü­lern, ein Inter­net­no­vi­ze ist und vor allem davon aus­geht, dass das, was die Lehr­kraft im Unter­richt vor­führt, auch von allen ande­ren Anwe­sen­den ohne Umschwei­fe wie­der­holt wird.

Aus ähn­li­chem Grund waren in mei­ner Schul­zeit die Com­pu­ter­räu­me meist besetzt; oft auch dann, wenn dort gar kein Unter­richt statt­fand. Die­se wiss­be­gie­ri­ge Jugend – nicht ein­mal Frei­stun­den vom Ler­nen gönnt sie sich!

Ins­be­son­de­re wer­de dis­ku­tiert, wel­chen päd­ago­gi­schen und didak­ti­schen Vor­teil iPads im Unter­richt hät­ten.

Ein Vor­teil liegt klar auf der Hand: Die Stö­rer, die nur ihre Pflicht­zeit in der Schu­le absit­zen wol­len, hal­ten im Unter­richt end­lich mal die Fres­se und wid­men sich sogar dem Lehr­ma­te­ri­al. (Apro­pos, auch recht lesens­wert: „Am besten ver­zich­ten [um ihre Pri­vat­sphä­re besorg­te Men­schen] dar­auf, ein Mobil­te­le­fon mit sich her­um­zu­tra­gen – ins­be­son­de­re ein Smart­phone. Denn die Gesetz­ge­bung hat noch nicht mit der Tat­sa­che Schritt gehal­ten, dass wir Peil­sen­der kau­fen, mit denen wir auch tele­fo­nie­ren kön­nen.“)

Anders als in den USA, wo Her­stel­ler Apple neu­er­dings mit gro­ßen Schul­buch­ver­la­gen zusam­men­ar­bei­tet, wol­len die deut­schen Ver­la­ge nicht mit­zie­hen. Sie haben eine eige­ne Platt­form ent­wickelt, auf der sie digi­ta­le Schul­bü­cher anbie­ten wol­len. (…) Beim Braun­schwei­ger Schul­buch­ver­lag Wester­mann war am Diens­tag zu die­sem The­ma nie­mand zu errei­chen.

„Wat? Inder­nett? Machen­wa nicht. *klick*“

Düwel ist inzwi­schen rest­los über­zeugt vom iPad. Ihm wäre es am lieb­sten, wenn jeder Schü­ler sein eige­nes Gerät hät­te.

iPads für alle! Schü­ler zu mün­di­gen Men­schen erzie­hen und sie mit Medi­en­kom­pe­tenz aus­stat­ten ist halt Sache der Eltern, nicht der Schu­len. „Sape­re aude“, das gehört in den Geschichts­un­ter­richt, aber doch nicht in eine moder­ne, unab­hän­gi­ge, auf­ge­klär­te Schu­le! iPads sind gut, iPads sind die Zukunft, da können’se jeden Com­pu­ter­fach­mann fra­gen. Android? Ach was, Frickel­kram. Außer­dem sind die Schü­ler ganz ver­rückt nach dem ange­bis­se­nen Apfel – die wer­den schon wis­sen, was gut ist. „Nicht für die Schu­le, son­dern für das Leben ler­nen wir“, und im Leben zählt nun ein­mal oft die Brief­ta­sche.

Aber wer soll das bezah­len?

Aber wer soll das bezah­len? Die 20000 Euro für den ersten Klas­sen­satz hat die Stadt über­nom­men – die Schu­le ver­zich­te­te dafür auf neue Lap­tops für den EDV-Raum.

Hof­fent­lich müs­sen die Nach­wuchs­ta­len­te nicht irgend­wann mal Brie­fe schrei­ben ler­nen, denn ohne eine ange­mes­se­ne Tasta­tur macht das kei­nen Spaß, auch nicht mit mei­nem lei­der noch nicht paten­tier­ten Vier­fin­ger­sy­stem. (Einer der Grün­de, wie­so ich oft etwas län­ger an neu­en Arti­keln fei­le, statt sie gleich zu ver­öf­fent­li­chen: Auf mei­nem smart­phone möch­te ich nichts schrei­ben müs­sen, was kom­ple­xer ist als ein Tweet.)

Die iPad-Freun­de hof­fen nun, dass das Bud­get ent­spre­chend erhöht wird und kei­ner der Ent­schei­der mal auf die Idee kommt, Prei­se zu ver­glei­chen und womög­lich fest­zu­stel­len, dass iPads nicht nur tech­nisch, son­dern auch preis­lich mit gleich- oder höher­wer­ti­gen Android-Tablets nicht mit­hal­ten kön­nen.

Andern­falls müss­ten die Eltern die Kosten tra­gen – meh­re­re hun­dert Euro pro Gerät. „Das kön­nen nicht alle Eltern lei­sten, und wir wol­len auch nie­man­den aus­schlie­ßen“, betont Düwel. Der­zeit wer­de nach einer Lösung gesucht. (…)

Dabei liegt die­se Lösung doch auf der Hand: Eltern, die sich den tech­ni­schen Fir­le­fanz nicht lei­sten kön­nen oder wol­len, wer­den eben dezent, aber bestimmt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Kind für die­se Schu­le viel­leicht doch nicht so gut geeig­net ist. Man könn­te aber auch ein­fach beim Steu­er­zah­ler die Hand auf­hal­ten. An finan­zi­el­len Mit­teln für die Anschaf­fung unnö­ti­gen Blöd­sinns man­gelt es der öffent­li­chen Hand ja inter­es­san­ter­wei­se nie, zu plei­te für huma­ni­tä­re Hilfs­ein­sät­ze ist Deutsch­land wohl noch lan­ge nicht. Was sind da schon ein paar iPads?

Inwie­fern nun zum Bei­spiel apps, die auf Berüh­rung Geräu­sche von sich gibt, das Erler­nen eines Musik­in­stru­ments erüb­ri­gen sol­len, weiß Herr Düwel lei­der nicht vor­zu­brin­gen, aber wen inter­es­siert das heu­te noch? Wer nach dem War­um fragt, ist von gestern, wur­de von der Digi­ta­li­sie­rung abge­hängt und soll­te schleu­nigst in Ren­te gehen. Alle machen’s jetzt so, also ist es gut.

„Lie­be Güte, Sam­son!“
– Tri­xi, c/o „Chip & Chap“

KaufbefehleMusikkritik
Cow­boys From Hell – Big Fish

Wie ein Stück von Pan­te­ra heißt das Schwei­zer Trio Cow­boys From Hell, Kuh­trei­ber aus der Höl­le also. Es sei den drei Her­ren ver­zie­hen, dass sie trotz­dem kei­nen Brüll­me­tal oder Gähn­coun­try zu Gehör brin­gen, son­dern fein­sten instru­men­ta­len Jazz­co­re. „Big Fish“ heißt der am ver­gan­ge­nen Mitt­woch erschie­ne­ne Zweit­ling und gefällt.

War „Mon­ster Rodeo“, das Debüt von 2008, noch schräg-avant­gar­de­sk, ist man auf „Big Fish“ bei­na­he schon dis­zi­pli­niert. Von ande­ren Jazz­co­re-Bands wie den Lands­leu­ten vom Luci­en Dubuis Trio oder etwa dem Münch­ner Quin­tett Pan­zer­bal­lett unter­schei­det sich das hier Dar­ge­bo­te­ne dadurch, dass es nicht die Metal­schie­ne befährt, son­dern eher den Geist von Frank Zap­pa und sei­nen Zög­lin­gen atmet.

Geblie­ben ist das ver­frem­de­te Saxo­phon als Uni­ver­sal­in­stru­ment, Gast­sän­ger Andi Peter ist aber nicht mehr dabei. Eine Kon­zen­tra­ti­on auf das Wesent­li­che also: Bass, Saxo­phon, Schlag­zeug und reich­lich Elek­tro­nik. Die Beset­zung erin­nert viel­leicht an Van der Graaf Gene­ra­tor oder Mor­phi­ne, die Musik aber kei­nes­falls. Statt­des­sen taucht man in sei­ne ganz eige­nen Klang­wel­ten ab. Etwas über­trie­ben klingt das dann so:

Mit wag­hal­si­gen Arran­ge­ments und kräf­ti­gen Klän­gen erzeugt die Band einen wah­ren Sound-Orkan. Mal damp­fen Funk-Groo­ves, dann rau­chen die Rock-Kano­nen oder spru­zelt die Elek­tro­nik. Man mag an Frank Zap­pa und Rage Against The Machi­ne den­ken, und doch ist die Musik eigen­stän­dig und frisch, geprägt von unbän­di­gem Spiel­witz und bra­chia­ler Ener­gie.

Von selt­sa­mem RIO („Hor­ror Show“) über groo­ven­den Funk („Hymn For The Sail­or“, ein­ge­lei­tet natür­lich mit Oze­an­ge­räu­schen und mit groß­ar­ti­ger Bass­ar­beit) bis hin zu einem Jazz­co­ver von Pan­te­r­as (da sind’se ja) „Walk“ wird aller­lei gebo­ten. Was fehlt? Nun, mir per­sön­lich der Gesang – aber es muss ja ande­rer­seits auch nicht stän­dig wer dazwi­schen­grö­len.

Wer jeden­falls die von mir bereits vor eini­ger Zeit für gut befun­de­ne Band Welt­pin­guin­tag mag, dem dürf­ten die „Cow­boys“ eben­falls zusa­gen. Zur­zeit ist das Album „Big Fish“ in einer frü­hen Fas­sung – statt „Hymn For The Trai­tor“ ist „Blub­ber“ ent­hal­ten – und etwas ande­rer Rei­hen­fol­ge auf soundcloud.com zu hören. Eine ange­neh­me Hör­erfah­rung wün­sche ich.

Projekte
eMu­le beba 2.64: Beta 1 mit Snarl-Unter­stüt­zung

Lie­be eMu­le-Freun­de,

wäh­rend der letz­ten paar Tage habe ich unter ande­rem an einer neu­en Ver­si­on von eMu­le beba gear­bei­tet, einer bes­se­ren Ver­si­on von eMu­le. Da die bis­lang letz­te Ver­si­on schon ein wenig ange­staubt ist, wur­de es mal wie­der Zeit für eine neue.

In die erste Beta­ver­si­on (nicht aus­führ­lich gete­stet, aber schon voll funk­ti­ons­tüch­tig) sind bis­her zwei Ver­bes­se­run­gen ein­ge­flos­sen:

Erstens: Blockie­ren­de Cli­ents ent­fer­nen.

Es kann pas­sie­ren, dass die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Slots für’s Hoch­la­den von Cli­ents belegt wer­den, die qua­si im Leer­lauf sind und so unnö­tig die Ver­tei­lung von Datei­en blockie­ren. eMu­le beba ver­sucht jetzt, die­se auto­ma­tisch zu ent­fer­nen.

Zwei­tens: Snarl-Unter­stüt­zung.

Seit eini­gen Jah­ren ist eMu­le wie Win­dows ab „XP“ in der Lage, für bestimm­te Ereig­nis­se Bal­lon-Tipps („Sprech­bla­sen“) anzu­zei­gen. Ein Nach­teil ist, dass vie­le Pro­gram­me mitt­ler­wei­le ihre eige­nen Biblio­the­ken mit­brin­gen, um die­se umzu­set­zen, und eMu­le so zu einem heil­lo­sen Cha­os bei­trägt. Mac­nut­zer haben die­ses Pro­blem nicht, dort hat sich Growl als zen­tra­les Benach­rich­ti­gungs­sy­stem durch­ge­setzt; aber die haben auch kein eMu­le. Unter Win­dows gibt es Snarl.

Snarl ist ein glo­ba­les Benach­rich­ti­gungs­sy­stem für Win­dows. Pro­gram­me infor­mie­ren den Benut­zer mit­tels Snarl über wich­ti­ge Ereig­nis­se. Die Form der Benach­rich­ti­gung kann der Benut­zer voll­stän­dig kon­fi­gu­rie­ren.

Mit Ver­si­on 2.64 bekommt auch eMu­le beba Unter­stüt­zung für Snarl: Falls es beim Start läuft, wird es auto­ma­tisch erkannt und ver­wen­det es anstel­le sei­nes eige­nen Benach­rich­ti­gungs­sy­stems. Die­ser Auto­ma­tis­mus kann auf Wunsch über ein Kon­troll­käst­chen in den beba-Ein­stel­lun­gen abge­schal­tet wer­den (aber war­um benutzt man Snarl dann über­haupt?).

Alle wich­ti­gen Ereig­nis­se wer­den unter­stützt, wenn eines fehlt, lasst es mich bit­te wis­sen.

Eini­ge Zei­chen­ket­ten, zum Bei­spiel die Beschrei­bung der regi­strier­ten Ereig­nis­se in Snarl (etwa „Nach­richt von“), sind noch nicht opti­mal gewählt, das ände­re ich bis zur fina­len Ver­si­on noch.

Die Vor­ab­ver­si­on könnt ihr vor­erst hier her­un­ter­la­den. Etwa­ige auf­tre­ten­de Pro­ble­me bit­te ich umge­hend zu mel­den, Abstür­ze bit­te in Form der ent­stan­de­nen .dmp-Datei.

Ich bedan­ke mich im Vor­aus und wün­sche viel Spaß beim Testen. :)


Nach­trag vom 11. Febru­ar 2012: Die Test­pha­se ist vor­über, beba 2.64 „final“ wur­de ver­öf­fent­licht.

Musik
Jazz hat den Blues

Dass die Jugend von Musik kei­nen Schim­mer hat, ist nichts Neu­es. Dass aber auch die Lehr­an­stal­ten, deren Auf­trag es eigent­lich ist, das zu ändern, bei der Ver­mitt­lung der grund­le­gen­den Musik­kennt­nis­se ver­sa­gen, war mir neu, bis mir durch Zufall fol­gen­de Klau­sur in die Hän­de fiel:

Ein Musik­test zum The­ma Jazz mag mir wohl gefal­len. Wenn aber fünf von sechs Fra­gen sich mit dem Blues befas­sen und die sech­ste Spiel­ar­ten von Blues, Jazz und völ­lig ande­re Rich­tun­gen bunt durch­ein­an­der­wirft, bleibt mir nur mehr ein Kopf­schüt­teln. Und die Kin­der ler­nen nicht etwa, sich über die Hin­ter­grün­de und Unter­schie­de zu infor­mie­ren, son­dern bekom­men eine gute Note dafür, sich fal­sche Zusam­men­hän­ge rich­tig zu mer­ken. Stump­fes Pau­ken also.

Kein Wun­der, dass sie zu ihrer Unter­hal­tung nur noch die­sen scheuß­li­chen Pophip­ho­pun­fug hören, wenn ihnen die Schu­le den Jazz madig macht.

PolitikIn den Nachrichten
Lecker Mer­kollade

So’n Pech:

Die fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schafts­wahl fin­det am 22. April und am 6. Mai statt. Laut Umfra­gen liegt Hol­lan­de in der Wäh­ler­gunst der­zeit vor Sar­ko­zy.

Wo die zwei Wochen zwi­schen der Wahl her­kom­men, weiß ich nicht – von fran­zö­si­scher Poli­tik habe ich nur wenig Ahnung. Es berei­tet mir aber ein wenig Sor­ge, dass dem­nächst viel­leicht „Mer­ko­zy“ Geschich­te sein wird. Die Fra­ge hier soll doch stets lau­ten: Und dann?

Hier mein Vor­schlag:

Gibt es bes­se­re?

Montagsmusik
Grau­zo­ne – Eis­bär

(… und dann sitzt man am Fen­ster und guckt auf end­los schei­nen­de wei­ße Flä­chen hin­ab und wür­de gern schrei­en, aber dann wür­den die Leu­te komisch gucken.)

Und über­haupt: Kalt.

GRAUZONE – EISBAER (rema­ste­red) – offi­ci­al video

Ich möch­te ein Eis­bär sein im kal­ten Polar,
dann müss­te ich nicht mehr schrei’n, alles wär‘ so klar…

Die 80-er. Ein furcht­ba­res Jahr­zehnt.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXII: Was wirk­lich zählt

Dass die Begei­ste­rung jun­ger Mäd­chen für Film­be­rühmt­hei­ten seit Jahr­zehn­ten unge­hin­dert bleibt, ist ande­rer­seits ganz gut, denn so kön­nen die­se, sich ihrer Vor­bild­funk­ti­on meist bewusst, ihnen Wer­te vor­le­ben, die sie zu voll­wer­ti­gen Mit­glie­dern einer zivi­li­sier­ten Gesell­schaft machen.

Sie kön­nen, müs­sen aber nicht:

Hol­ly­wood-Schau­spie­le­rin Drew Bar­ry­mo­re freut sich sehr über den Antrag ihres Freun­des Will Kopel­man. Vor allem, weil er bei der Aus­wahl des vier­ka­rä­ti­gen Ver­lo­bungs­rings so guten Geschmack bewie­sen hat­te.

Klar, die inne­ren Wer­te zäh­len, zum Bei­spiel die des Rings:

„Er (der Ring, A.d.V.) ist ein­fach wun­der­schön. Er hat ihn (den Ring, A.d.V.) aus­ge­sucht und er hat einen groß­ar­ti­gen Geschmack. Er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extra­va­gant. Ich bin eher ein flip­pi­ges Mäd­chen, das ver­schie­de­ne Din­ge ger­ne zusam­men­mischt, des­halb habe ich das Gefühl, er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extra­va­gant und ich ver­su­che noch, mich damit (mit dem Ring, A.d.V.) wohl­zu­füh­len“, so die 36-jäh­ri­ge Bar­ry­mo­re, die bereits zwei Mal ver­hei­ra­tet war, in einem US-Fern­seh­in­ter­view.

Sich mit einem Ver­lo­bungs­ring wohl­zu­füh­len scheint anstren­gend zu sein; das mit der ewi­gen Treue aller­dings auch.
Ein neu­es hob­by rei­cher Schau­spie­le­rin­nen: Extra­va­gan­te Rin­ge sam­meln.

„The boy with the cold hard cash is always Mister Right.“
– Madon­na: Mate­ri­al Girl