(Vorbemerkung: Ich habe, so weit ich mich erinnere, noch niemals etwas bei Schlecker gekauft und finde gesonderte Drogeriemärkte, die mindestens Mondpreise als gemeinsame Eigenschaft teilen, auch grundsätzlich immer ein wenig einfältig, gar überflüssig.)
Ach, ihr Gutmenschen, die ihr jetzt alle, den Zeigefinger schwingend, beeindruckt von den total überraschenden Erkenntnissen zu den Interna von Schlecker zum Boykott von Lohndumping betreibenden Ladenketten aufruft (und somit vermutlich binnen weniger Tage mangels Alternativen verhungern und verdursten werdet, denn einkaufen könnt ihr ja nun nirgends mehr), um wenigstens einen geringen Teil zu einer besseren Welt beizutragen:
Bevor ihr also sterbt, lasst euch sagen, dass es auf der Welt noch größeres Unglück gibt als die soziale Marktwirtschaft mit ihren neoliberalen Idealen, die den Leuten das Leben schwer macht. Der Kakapo ist vom Aussterben bedroht. Es leben – ausschließlich auf Neuseeland, in Hannover könnte ich das Aussterben ja noch verstehen – noch etwa 130 Exemplare, Tendenz sinkend.
Der Kakapo ist ein flugunfähiger Papageienvogel und wahrscheinlich die älteste noch lebende Vogelart, obendrein die einzige, deren bloße Nennung das Kind in mir ständig albern kichern lässt („Kackapo, hihihi!“). Blöderweise riecht er angeblich zwar „angenehm“, aber ziemlich streng nach allerlei Natürlichem, was ein Grund dafür ist, dass seine Fressfeinde nicht lange suchen müssen. (Amüsante Vorstellung: Menschen, die an Kakapos riechen, um das dann zu dokumentieren.)
Wenn ihr also etwas für eine bessere Welt tun wollt, hört auf, gegen die soziale Marktwirtschaft zu demonstrieren, denn die lässt es in der Regel kalt. Vergesst all die großkapitalistischen Albrecht-Brüder und ihre Gesinnungsgenossen. Wenn euch danach ist, solche Läden zu boykottieren, dann tut das, aber erwartet nicht, dass es in anderen Läden anders ist. So lange Regierungen das tolerieren, wird es sich nicht ändern. Demonstriert also nicht gegen die Herren Schlecker, demonstriert gegen die Regierung.
Und wenn ihr zwischendurch noch etwas Freizeit habt, rettet den Kakapo. Dem Wort zuliebe.