Montagsmusik
Porcupine Tree – Even Less

Moti­vie­ren­der Gedan­ke: Eigent­lich gehört man ja zu den Men­schen, denen es bes­ser geht als ande­ren.
Aber war­um muss es schon wie­der Mon­tag sein?

Bezie­hungs­wei­se eben: Ande­re machen’s dann doch noch fal­scher als man selbst. (Sagt man sich und hört dann doch nicht zu.)

Even Less – Por­cupi­ne Tree

And I may just waste away from doing not­hing,
but I’m a mar­tyr to even less, to even less, to even less.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten⁠Fotografie⁠Piratenpartei
#lptnds124

Im Ver­lauf der Fort­set­zung des Lan­des­par­tei­tags in Del­men­horst gab’s die­ses Wochen­en­de was zu tun; es gab noch Anträ­ge zu bespre­chen, und mit einem unvoll­stän­di­gen Wahl­pro­gramm wol­len wir doch nicht antre­ten, nicht wahr?

Bil­der und Vide­os bit­te ich in den näch­sten Tagen der Pres­se zu ent­neh­men, ich möch­te nur aus­drück­lich auf die Rede von @kattascha hin­wei­sen, die den Zustand der Par­tei sicher­lich bes­ser reflek­tiert als so man­cher Arti­kel in CDU- oder SPD-nahen Tages- oder Wochen­zei­tun­gen.

Als Ergän­zung habe ich eini­ge von mir beim Vor­über­ge­hen für amü­sant befun­de­ne Sze­nen foto­gra­fiert, die mit dem Par­tei­tag fast bis gar nichts zu tun haben, um die ab spä­te­stens mor­gen unver­meid­li­che Red­un­danz zu min­dern.

So bit­tet zum Bei­spiel eine McDonald’s‑Filiale dar­um, sich unter Umstän­den an den Restau­rant­ma­na­ge­rin zu wen­den:

In der Kon­gress­hal­le selbst war es offen­bar unbe­dingt nötig zu erwäh­nen, dass Frau­en­toi­let­ten „ohne Steh­plät­ze“ daher­kom­men, was mich an so man­chem (inklu­si­ve mei­nes Bio­lo­gie­un­ter­richts) zwei­feln lässt:

Das obli­ga­to­ri­sche Bäl­le­bad – dem Ver­neh­men nach viel­leicht zum letz­ten Mal vor­han­den – fehl­te natür­lich auch nicht. Für die Bäl­le­bad­an­fän­ger waren hilf­rei­che Kom­men­ta­re ange­bracht:

Ach, Poli­tik war auch. Aber dazu vor­aus­sicht­lich mor­gen mehr in den Nach­rich­ten Ihrer Wahl.

Nerdkrams
Fortfahren abzubrechen

Und da wir gera­de bei reich­lich däm­li­cher Wort­wahl waren, hier eine Preis­fra­ge für alle Benut­zer des Betriebs­sy­stems Android:

Was pas­siert bei Druck auf „Yes“? Wird der Down­load oder das Abbre­chen fort­ge­setzt? Und wenn ja, war­um nicht?

In den Nachrichten⁠Montagsmusik
Ton Steine Scherben – Verboten

Die schlech­te Nach­richt:

Laut Lan­des­kri­mi­nal­amt haben die Fäl­le der Inter­net-Kri­mi­na­li­tät in Nie­der­sach­sen von 2007 bis 2011 um 300 Pro­zent zuge­nom­men.

Die gute Nach­richt: Das Inter­net kann nichts dafür.

Die Cel­ler sind seit einem Jahr nie­der­sach­sen­weit Ansprech­part­ner für Fahn­der, die gegen Betrü­ger im Inter­net, Hacker- und Pädo­phi­len-Netz­wer­ke vor­ge­hen.

Pädo­phi­lie ist nun also Inter­net­kri­mi­na­li­tät. Aha. Was tun wir dage­gen? Klar: Mehr Vor­rats­da­ten­spei­che­rung! Das Inter­net ist eben an allem schuld. Soll­te man am besten ganz ver­bie­ten.

Ton Stei­ne Scher­ben – Ver­bo­ten (Live 1983)

Es ist ver­bo­ten,
was wir da machen, ist ver­bo­ten, (…)
aber’s is‘ wun­der­bar.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXV: Kämpfen wie ein schwuler Mann

Die schier unfass­ba­re Top­mel­dung des Tages steht natür­lich mal wie­der auf SPIEGEL ONLINE:

Als erster akti­ver Boxer bekann­te sich Orlan­do Cruz zu sei­ner Homo­se­xua­li­tät. In Flo­ri­da gewann der Puer­to­ri­ca­ner jetzt den ersten Kampf nach sei­nem Coming-Out gegen Jor­ge Pazos (…). Durch sei­nen 19. Sieg im 22. Kampf ist der Feder­ge­wicht­ler sei­nem gro­ßen Ziel, einem Kampf um den Welt­mei­ster­gür­tel, einen Schritt näher gekom­men.

Da hat ein Boxer 21 Kämp­fe hin­ter sich, bekennt sich dann zu sei­ner Homo­se­xua­li­tät, und plötz­lich ist es total über­ra­schend, dass er trotz­dem boxen kann.

„Die Leu­de woll’n, dass was pas­siert.“
– Fünf Ster­ne Delu­xe: Die Leu­de


In eige­ner Sache: Im Com­pu­ter­Ba­se-Forum ver­fass­te ich unlängst einen län­ge­ren Bei­trag, in dem ich mei­ne Beweg­grün­de dar­leg­te, aus denen her­aus ich Anfang der Woche das mehr oder weni­ger freie Mozil­la Thun­der­bird unter Win­dows gegen das kom­mer­zi­el­le The Bat! aus­ge­tauscht habe. Bei Inter­es­se am The­ma Mail­pro­gram­me emp­feh­le ich ihn zu lesen und gege­be­nen­falls zu kom­men­tie­ren.

Netzfundstücke⁠Nerdkrams
Hinweis: Sie lesen gerade einen Artikel.

Stellt euch vor, ihr wür­det mor­gens die Tages­zei­tung auf­schla­gen und in jeder Aus­ga­be wür­de euch ein grell­bun­ter Hin­weis begrü­ßen: „Hin­weis: Sie lesen gera­de eine Tages­zei­tung und kei­ne Inter­net­sei­te, obwohl eine Inter­net­sei­te meist aktu­el­le­re Nach­rich­ten bie­tet“.

Schlech­tes Bei­spiel, gebe ich zu. Es folgt ein bes­se­res: Stellt euch vor ihr beträ­tet eine Ede­ka-Filia­le, und am Ein­gang wür­de euch erst mal ein grell­bun­ter Ban­ner vor’s Gesicht gehal­ten: „Hin­weis: Sie sind jetzt bei Ede­ka“. Beim Bezah­len könn­tet ihr nicht ein­fach das Geld hin­le­gen und gehen, son­dern die Kas­sie­re­rin wür­de euch kurz mustern und dann anbrül­len: „Hin­weis: Sie ver­wen­den gera­de ein grü­nes Porte­mon­naie aus Kunst­stoff, obwohl eines aus schwar­zem Leder viel wer­ti­ger aus­sä­he! So, das macht drei fuff­zich.“

Das klingt wie eine die­ser über­aus schlech­ten Hel­ge-Schnei­der-Sze­nen? Ja, das wür­de es viel­leicht, gäbe es da nicht das Word­Press-Plug­in, das Besu­chern, die Win­dows oder Mac OS X nut­zen, eine knall­gel­be Mel­dung qua­si in die Augen rammt, dass sie Win­dows oder Mac OS X nut­zen und Linux doch viel bes­ser sei. (Wer beruf­lich auf Pho­to­shop, Ligh­t­room oder der­glei­chen ange­wie­sen ist oder mit Micro­soft-Office-For­ma­ten arbei­ten muss, ohne sie vom – zumin­dest im Umgang mit den­sel­ben – grot­ten­schlech­ten Libre­Of­fice zer­hacken zu las­sen, soll sich halt einen ande­ren Arbeits­platz suchen. Bes­ser arbeits­los als Wind00fs!!1eins – Hier­bei ver­wei­se ich noch­mals auf mei­nen Arti­kel „GNU und Linux: Fünf Miss­ver­ständ­nis­se“.)

Mit Stand um 19:46 Uhr hat das Plug­in 626 Down­loads. Unter ande­rem Didi ver­wen­det es. Ich zitie­re aus­nahms­wei­se Mal­te:

Ich weiß ehr­lich nicht, wie man dazu kommt, so ein Plug­in ein­zu­schal­ten um sei­ne Besu­cher zu ner­ven.

Eines muss man aller­dings zuge­ben: Das Plug­in ist zwar irr­sin­nig bescheu­ert und sei­ne Benut­zer arg fehl­ge­lei­tet, aber es zeigt deut­li­cher als jede Dis­kus­si­on in einem Inter­net­fo­rum, wie das Selbst­ver­ständ­nis der Linux­ge­mein­schaft eigent­lich aus­sieht. („Die Linux­ge­mein­schaft“ klingt ja auch so ein biss­chen nach den Borg, oder?) – Und das ist ja auch schon etwas wert.

Sonstiges
Medienkritik LXXVI: „BRAVO“: Wie ich darauf reagiere.

Ich spre­che nicht gern dar­über, denn ich habe es geschafft, mich davon los­zu­sa­gen. Ich habe mein Leben seit­dem völ­lig ver­än­dert und, dies behaup­te ich dreist, zum Bes­se­ren gewen­det. Nun aber wird es, bevor es ein ande­rer tut, Zeit, die­ses dunk­le Geheim­nis auf­zu­decken.

Ich geste­he, ich habe von 1998 bis Anfang 2000 regel­mä­ßig die „BRAVO“ gekauft und gele­sen.

Damals war ich in die­sem Alter. Des­sen unge­ach­tet habe ich mich natür­lich kein biss­chen für die Nacke­dei­bil­der inter­es­siert, son­dern häng­te statt­des­sen die gele­gent­lich ent­hal­te­nen Poster von den Ärz­ten – Ver­zei­hung: den Die Ärz­te – an mei­ne Zim­mer­wän­de. (Dort hin­gen spä­ter ande­re Poster, aber dar­um soll es hier nicht gehen.) Vor allem aber kann­te (und moch­te) ich einen nicht zu unter­schät­zen­den Teil der rezen­sier­ten und sonst­wie erwähn­ten Musi­ker. CDs von Scoo­ter, Aqua und ähn­li­chen Künst­lern waren in mei­nem Plat­ten­schrank lan­ge vor der Ent­ste­hung mei­nes Musik­fa­schis­mus‘ zu fin­den.

Auf­grund mit­un­ter bedau­erns­wer­ter Fami­li­en­ver­hält­nis­se ergab es sich, dass mir heu­te die „BRAVO“ 43/2012 sozu­sa­gen in die Hän­de fiel.

Mei­ne spon­ta­ne Reak­ti­on war die Über­ra­schung dar­über, dass sich seit über einem Jahr­zehnt nicht viel geän­dert zu haben scheint: Die „BRAVO“ riecht immer noch wie frü­her, die Titel­sei­te ist immer noch so brül­lend bunt, dass man sich wünscht, beim Betrach­ten der­sel­ben unter Dro­gen zu ste­hen, und zeigt, erfreu­li­cher­wei­se fast ver­deckt von vie­len gro­ßen Buch­sta­ben, fünf dank moder­ner Bild­be­ar­bei­tung zwar eini­ger­ma­ßen naja aus­se­hen­de, aber eben doch ziem­lich aus­tausch­ba­re süße boys. N’Sync und die Back­street Boys schei­nen es nicht zu sein, die Bild­un­ter­schrift lau­tet:

Flirt-Alarm bei ONE DIREC­TiON (sic!)
Von wel­chen Hol­ly­wood-Girls sie ange­bag­gert wer­den
+ Wie die Jungs dar­auf reagie­ren

Wis­sen also, das natür­lich immens wich­tig für das täg­li­che Leben Her­an­wach­sen­der ist, wes­halb es unfein von mir wäre, mich dar­über lustig zu machen. Wer genau One Direc­tion sind und was sie machen, wird offen­bar als Vor­kennt­nis vor­aus­ge­setzt. Eine hohe Hür­de für poten­zi­el­le Käu­fer, ich selbst näm­lich habe nicht die lei­se­ste Ahnung. Das ist aber nicht schlimm, neh­me ich an.

Wei­ters ent­hält die­se Aus­ga­be „15 coo­le FUN-STiCKER“ (erneut sic!). Der­ma­ßen unfass­bar cool und lustig sind die­se sticker, dass ich ein­fach mal einen von ihnen beschrei­be, weil es mir sonst kei­ner glaubt: Zu sehen ist Spon­geB­ob Schwamm­kopf, der einen Kapi­täns­hut und ein Holz­schwert trägt. In einer Sprech­bla­se, die auf ihn zeigt, steht: „ICH BIN BEREIT!“. Ich lie­ge vor Lachen schier am Boden. Außer­dem ent­hal­ten sind 5 Poster („+ 5 POSTER“). Die unge­ra­de Zahl zeigt es bereits: Um eines von ihnen zu ent­neh­men, ist es nötig, einen Teil des übri­gen Hef­tes eben­falls her­aus­zu­rei­ßen. Dass die Zustän­di­gen der „BRAVO“ dies bil­li­gend in Kauf neh­men, zeugt immer­hin davon, dass sie noch nicht völ­lig ver­drängt haben, was für ein unglaub­lich über­flüs­si­ges Maga­zin sie da eigent­lich zu ver­ant­wor­ten haben.

Nach dem Umblät­tern wird man zunächst von einem grin­sen­den Die­ter Nuhr irri­tiert, der Wer­bung für den „Deut­schen Come­dy­preis“ auf RTL macht. Dar­über steht etwas von der „besten Come­dy“. Der Zusam­men­hang ist mir nicht klar. Rechts davon jeden­falls ist, umrahmt von aller­lei bun­ten Bil­dern, das Inhalts­ver­zeich­nis zu fin­den. Und was da außer den „mega-lusti­gen Fun-Stickern“ nicht alles für dol­le The­men drin sind!

Mega-Come­back: So rockt Micha­el Jack­son auch drei Tage nach sei­nem Tod die Welt

Als ich noch jung war, war Rock das mit den Gitar­ren und dem Bass und nicht das, womit Micha­el Jack­son bekannt gewor­den ist. Offen­bar hat „rocken“ in den letz­ten Jah­ren einen Bedeu­tungs­wan­del voll­zo­gen und bedeu­tet nun „mit­tels musi­ka­li­scher Ver­gan­gen­heit den Nach­lass­ver­wal­tern viel Geld in die Kas­sen spü­len“. Scha­de, dass man die­ses schö­ne Wort nun also bes­ser nicht mehr nut­zen soll­te.

Nur in BRAVO ver­rät Justin Bie­ber, wer wirk­lich wich­tig ist in sei­nem Leben

Natür­lich „nur“ in der „BRAVO“, denn der näch­sten Zeit­schrift erzählt er viel­leicht etwas ganz ande­res.

Anson­sten sind jede Men­ge Geschich­ten über wei­te­re „Musi­ker“, die mir über­wie­gend unbe­kannt sind, und dra­ma­ti­sche Geschich­ten von mensch­li­chen Schick­sa­len ent­hal­ten. Die Nacke­dei­bil­der schei­nen bedau­er­li­cher­wei­se ver­schwun­den zu sein, aber die „Foto-Love-Sto­ry“ ist immer noch genau so däm­lich wie frü­her. Die Ange­wohn­heit, die Prot­ago­ni­sten stets mit debi­lem Gesichts­aus­druck zu foto­gra­fie­ren, kam nicht abhan­den: Die Haupt­dar­stel­le­rin darf ihre Klap­pe nur sel­ten schlie­ßen. Denk­bla­sen ent­strö­men in der Welt der „BRAVO“-Macher offen­bar dem Mund und nicht dem Hirn. Das erklärt ver­mut­lich man­ches.

Die Hand­lung ist gewohnt albern: Ein dickes Mäd­chen ver­ab­re­det sich über das Inter­net mit einem süßen boy, der sie erst mal mit ihrer Freun­din ver­wech­selt. Als Resul­tat schickt sie eben­je­ne Freun­din los, um sich mit dem süßen boy zu tref­fen, und beob­ach­tet das Gesche­hen aus einem schlech­ten Ver­steck her­aus. Sie ent­deckt, dass auch der süße boy einen ver­steck­ten Beglei­ter mit­ge­bracht hat, und da bei­de eh‘ schon im Gebüsch sind, ist das hap­py end so total span­nend, dass ich es euch nicht vor­weg­neh­men möch­te.

Den Arti­kel über den Flirt-Alarm bei ONE DIREC­TiON habe ich übri­gens nicht gele­sen. Ich neh­me an, ich habe nichts ver­passt. Anzu­neh­men sei allen­falls, dass pro Absatz min­de­stens ein­mal wahl­wei­se „cool“ oder „süß“ vor­kommt. Ich ver­tre­te die Ansicht, dass es für alle Betei­lig­ten ein­fa­cher wäre, wenn die „BRAVO“ ein­fach mal ein Son­der­heft machen wür­de, das einen ein­zi­gen Arti­kel ent­hiel­te, des­sen Über­schrift „Die süßen boys aus dem Fern­se­hen und war­um ihr sie nie­mals haben könnt“ lau­te­te. Wie schnell fän­den die regel­mä­ßi­gen Lese­rin­nen der „BRAVO“ dann ihre vor­über­ge­hend wah­re Lie­be! Aber das wäre natür­lich schlecht für das Geschäft.

Der Unter­ti­tel der „BRAVO“ lau­tet: „Dei­ne gan­ze Welt!“. Ein biss­chen erschreckt mich das.

Musik
Quäääk!

Zu den Musik­rich­tun­gen, mit denen ich nicht viel anfan­gen kann, gehört der Gesang von Tenö­ren. Die grau­en­vol­len, aber bei betag­ten Frau­en aus irgend­wel­chen Grün­den recht belieb­ten Sän­ger der so genann­ten Musik­grup­pe Ado­ro etwa rufen in mir mit ihrem Geknö­del eher unan­ge­neh­me Schmerz­re­ak­tio­nen als Genuss her­vor.

Inso­fern bin ich davon über­zeugt, dass der für die Gestal­tung der CD-Rei­he namens „Zeit für…“ einen aus­ge­zeich­ne­ten Musik­ge­schmack und einen exqui­si­ten Humor bewei­sen woll­te, als er sich an das Erstel­len des Titel­bil­des der (aus­ge­rech­net) Dop­pel-CD „Zeit für Tenö­re“ mach­te:

Die­ses eine Mal ist immer­hin drin, was drauf­steht.

Persönliches⁠Lyrik
Sie. (Fragment 6.3, que sera)

„Ever­y­bo­dy needs someone to live by.“
– Talk Talk: Desi­re


… Eigent­lich hät­te es ganz anders kom­men sol­len.

Hat­te er den Frem­den nicht stets benei­det um den Platz in ihrem Her­zen, den er selbst, das wuss­te er, nie­mals wür­de errin­gen kön­nen? Nein, sag­te sie, dazu bestün­de kein Anlass, zwi­schen dem Frem­den und ihr wür­de nie­mals das Band bestehen, das sie bei­de ver­band. Er glaub­te ihr. Und doch schlich der Frem­de sich immer wie­der in ihr Leben und nahm sich die Zuwen­dung, die er brauch­te; und sie lieb­te die­ses Spiel.

Der blo­ße Gedan­ke, er wür­de das, was er errun­gen hat­te, eines Tages an den Frem­den ver­lie­ren, ließ ihn oft ver­zwei­feln. Sie ver­such­te ihm die Gewiss­heit zu geben, dass er mehr war als das, und den­noch – er hät­te alles dafür gege­ben, er zu sein; sie mit sei­ner blo­ßen Anwe­sen­heit betö­ren zu kön­nen. Aber er hat­te, das wuss­te er, etwas erreicht, was nur schwer zu über­bie­ten war. Ihr Herz konn­te er nicht gewin­nen, aber er hat­te mehr; mehr, als er sich jemals erhofft hät­te, als er ihr unge­lenk und ver­schämt sei­ne Zunei­gung gestand.

Aber was bedeu­te­te die­se Zunei­gung? Er hat­te nicht dar­über nach­ge­dacht. Er lieb­te sie nicht; er woll­te sie. Er woll­te sie um sich und bei sich spü­ren. Er brauch­te kei­ne Bezie­hung, er wuss­te nicht ein­mal so genau, was eine Bezie­hung eigent­lich war. Er war süch­tig nach ihr, ihrem Kör­per, ihren Küs­sen, ihren meter­tie­fen Augen. Nie­mals hät­te er ris­kie­ren wol­len, sie nicht wie­der in die Arme schlie­ßen zu dür­fen.

Er wirk­te oft kalt, und das mach­te ihm Angst, weil er nicht wuss­te, was das bedeu­tet. Men­schen wie er sei­en so, sag­te sie manch­mal, und damit war es gut. Was er aber nun emp­fand, war weit von jeder Käl­te, jeder Distan­ziert­heit ent­fernt. Er wür­de die­se Käl­te nun wahr­lich genie­ßen, wenn er sie nur umfas­sen könn­te. „Puh“, dach­te er, „doch nicht ver­rückt.“

Nun lag er wach in sei­nem Bett. War wirk­lich erst eine Woche ver­gan­gen, seit es ihr genügt hat­te? Für ihn fühl­te es sich wie Mona­te an.

Er hät­te genüg­sam blei­ben sol­len, viel­leicht wäre all das dann nicht pas­siert. In sei­ner Ver­gan­gen­heit aber war zu viel gesche­hen, das ihn hat­te vor­sich­tig wer­den las­sen. Sein Ver­stand wuss­te, dass nichts und nie­mand außer ihm selbst einen Keil zwi­schen sie trei­ben könn­te, aber genüg­te das? Wann immer er sich der Gegen­wart des Frem­den bewusst wur­de, kam ihm ihr Bekennt­nis in den Sinn, dass in ihrem Her­zen noch für lan­ge Zeit nur Platz für den Frem­den sein wür­de; zwar auf einer Ebe­ne, die kei­ne Gefahr für das dar­stell­te, was sie hat­ten, aber doch genug, um ihn zu ver­un­si­chern.

Sie hat­te ihn, viel­leicht nur zum Scherz, Schatz genannt; ein Wort, das sei­ne Welt aus den Fugen warf. Nun hat­te sie ihm mehr als nur den Kopf ver­dreht. Er wür­de sie bald wie­der­se­hen, hat­te sie gesagt. Es fiel ihm jeden Tag schwe­rer, sie zu mei­den, obwohl er ihr viel zu viel Zeit geraubt hat­te. Aber er wuss­te, dass er das schaf­fen wür­de, nein, muss­te. Alles, was ihm von all den Küs­sen, den Umar­mun­gen, der Wär­me geblie­ben war, war die Hoff­nung, dass er sie nicht auf­ge­ben müss­te. (Was sie wohl gera­de mach­te?)

Und er hat­te nicht die lei­se­ste Ahnung, was er ihr sagen wür­de, wenn er sie jemals wie­der­se­hen wür­de. Was er aber nicht sagen wür­de, das wuss­te er genau.

Seit sie fort war, schien es, als wäre ihr Name ein­ge­brannt in jedes Detail sei­nes Lebens. Was aber soll­te er denen sagen, die ihn täg­lich frag­ten, wie es ihr ging? Er hät­te es selbst gern gewusst.

„Wir sehen uns“ hat­te sie gesagt. Dabei sah er sie fast jede Nacht im Traum; und er griff nach ihr und erwach­te allein. Eine Stern­schnup­pe erleuch­te­te sei­nen Heim­weg. In der Nacht der Stern­schnup­pen hat­te er nur einen ein­zi­gen Wunsch; so auch dies­mal. Die­ser Wunsch aber soll­te nicht ver­geu­det sein. Er schloss die Augen und spür­te, wie eine Trä­ne sie ver­ließ. Er hat­te nur die­sen einen Ver­such. …


„Oh my dear, every sal­ted tear, it wrings bit­ter-sweet applau­se.“
– Roxy Music: Bit­ter-Sweet

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Das Geile am „Yps“-Heft

Even­tu­ell ist es an eini­gen mei­ner Leser vor­bei­ge­gan­gen: „Yps“, das Kin­der­ma­ga­zin aus den 1990er Jah­ren, das vor allem dadurch Auf­merk­sam­keit erlangt hat­te, dass es in ermü­den­der Häufig‑, bei­na­he Regel­mä­ßig­keit so genann­te „Urzeit­kreb­se“ als Drein­ga­be beinhal­te­te, die mit der Urzeit unge­fähr so viel zu tun haben wie ein Com­pu­ter, aber eine Bei­ga­be namens „lecke­re Fut­ter­kreb­se zum Sel­ber­ba­steln“ wür­de sich wahr­schein­lich nicht so gut ver­kau­fen, ist wie­der da.

Als Män­ner­ma­ga­zin.

Wer beim Wort „Män­ner­ma­ga­zin“ an Tit­ten­heft­chen denkt, der irrt aller­dings. Tat­säch­lich geht’s um Alt­be­kann­tes:

Ein Fünf­tel besteht aus alten oder neu­en Comics, unter ande­rem dem Klas­si­ker „Yin­ni und Yan“, mit deren Schöp­fer, Heinz Kör­ner, es auch ein Inter­view gibt. Bei den Ori­gi­nal­co­mics han­delt es sich aus­schließ­lich um „Wie­der­ho­lun­gen“ aus alten Hef­ten, bei „Yin­ni + Yan“ ist es die Dschin­gis-Khan-Fol­ge aus dem Heft 115, die „Hombre“-Geschichte ist aus Heft 146. Neue Fol­gen wer­den laut Kal­len­berg nicht geschaf­fen.

Statt Brü­sten der Neu­zeit gibt’s dann auch wie­der ein gim­mick: Urzeit­kreb­se. Wer hät­te das gedacht?

Alles beim Alten also, Und wer braucht das? Nun, dar­über weiß der neue Chef­re­dak­teur zu berich­ten:

Nutz­wert hat „Yps“ null, kein Mensch braucht es, das ist das Gei­le.

Geil.

Gleich mal abon­nie­ren.

Fotografie
Zeitverlust

… und dann gehe ich zum Bahn­hof und wüss­te gern, wie spät es ist, und muss dann doch mein Smart­phone befra­gen, die Bahn­hofs­uh­ren näm­lich kön­nen sich nicht so recht ent­schei­den.