Politik⁠In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXXVI: Reichtum verpflichtet.

Blin­de reden über Far­ben, Tau­be hul­di­gen dem Post­rock und drei Men­schen, die sich nie mehr im Leben Sor­gen um ihr finan­zi­el­les Über­le­ben machen müs­sen, reden über Min­dest­löh­ne. Oh, Ver­zei­hung – letz­te­res ist tat­säch­lich pas­siert:

Mit schar­fen Wort­ge­fech­ten über Min­dest­lohn, Ren­te und Steu­ern haben die Spit­zen­kan­di­da­ten von Grü­nen, Lin­ken und FDP um unent­schlos­se­ne Wäh­ler gekämpft.

Der auf­merk­sa­me Wäh­ler weiß, dass die Grü­nen zusam­men mit der SPD die gegen­wär­ti­ge Alters­ar­mut maß­geb­lich for­ciert und die seit eini­gen Jah­ren wie­der mit­re­gie­ren­de F.D.P. bis­lang nichts dage­gen getan hat. Zwei der drei Teil­neh­mer haben also zumin­dest Wis­sen aus erster Hand vor­zu­wei­sen, von dem sie auch reich­lich Gebrauch machen. Jür­gen „Dosen­pfand“ Trit­tin etwa gab zu ver­ste­hen, den grü­nen Wan­del gebe es nur mit star­ken Grü­nen; gut, dass er das erklärt, denn bis­lang dach­te ich, dafür müss­ten die Grü­nen beson­ders schwach sein.

Beim Ren­ten­the­ma war er trotz­dem nicht gut vor­be­rei­tet:

Trit­tin plä­dier­te dafür, das Ren­ten­ni­veau durch höhe­re Ein­kom­men zu sta­bi­li­sie­ren. Auch dazu die­ne unter ande­rem ein Min­dest­lohn. [Er] ver­tei­dig­te die von sei­ner Par­tei bei einem Wahl­sieg ange­kün­dig­ten Steu­er­erhö­hun­gen. Bei dem Kon­zept wür­den durch eine Anhe­bung des Grund­frei­be­trags 90 Pro­zent der Ein­kom­mens­be­zie­her mehr Net­to vom Brut­to haben.

Es soll also mehr Ren­te geben, indem es mehr Ein­kom­men gibt, das dazu führt, dass es höhe­re Steu­ern gibt, die dazu füh­ren, dass die Leu­te mehr Geld haben. Kommt ihr noch mit? Ich nicht. Wahr­schein­lich habe ich aber auch nichts ver­passt.

Selt­sa­mer­wei­se hat kei­ner der drei Poli­ti­ker vor­ge­schla­gen, denen, die kein Brot haben, statt­des­sen zum Kuchen zu raten. Sie haben wider Erwar­ten ja doch etwas gelernt.

Nerdkrams
Sublime Text: Na ja, ich hab’s versucht.

Über Sub­li­me Text habe ich ja schon so man­ches berich­tet, mich auch in Form von Todo.txt-Unterstützung am reich­hal­ti­gen Erwei­te­rungs­fun­dus betei­ligt. Nun macht sich aber die Kehr­sei­te von clo­sed source bemerk­bar: Der Ent­wick­ler hät­te gern noch mehr Geld von mir.

Die Ent­wick­lung von Sub­li­me Text 2 ist seit lan­gem been­det, obwohl es durch­aus noch eini­ge Unzu­läng­lich­kei­ten zu behe­ben gäbe. Sämt­li­che Ent­wick­lungs­ar­beit kommt momen­tan Sub­li­me Text 3 zugu­te, das in der Beta­pha­se steckt und momen­tan noch mit einer Sub­li­me-Text-2-Lizenz funk­tio­niert, das soll sich aber mit der fina­len Ver­si­on ändern. Die wesent­li­che Neue­rung? Python 2 wur­de durch Python 3 ersetzt. Für mich als Nicht-Python-Nut­zer ist das natür­lich über­flüs­si­ger Quatsch. Bei Sub­li­me Text 2 zu blei­ben hal­te ich für kei­ne gute Lösung, die bekann­ten Pro­ble­me einer nicht mehr gepfleg­ten Soft­ware wer­den mit der Zeit ja nicht von selbst ver­schwin­den, son­dern sich eher noch ver­meh­ren. Sub­li­me Text 3 lie­ße sich wahr­schein­lich wie schon Sub­li­me Text 2 ohne Lizenz (mit gele­gent­li­chen Nerv-Popups) nut­zen, aber das hal­te ich für fal­sches Vor­ge­hen. Ich ver­ste­he ja auch Leu­te nicht, die jah­re­lang Win­RARs Nerv­po­pups ertra­gen, statt auf freie Alter­na­ti­ven wie Pea­Zip oder 7‑Zip umzu­stei­gen.

Die Lösung? Ver­mut­lich bleibt mir, wenn ich nicht plötz­lich im Lot­to (das ich nicht spie­le) gewin­nen soll­te, nichts ande­res übrig als das Öko­sy­stem Sub­li­me Text mit all sei­nen Annehm­lich­kei­ten (in mei­nem Fall wären dies der her­aus­ra­gen­de Paket­ver­wal­ter Packa­ge Con­trol und das kil­ler­fea­ture Goto Anything, ins­be­son­de­re die Sym­bolliste) wie­der durch etwas aus der Welt der frei­en Soft­ware zu erset­zen. Wer weiß, wie lan­ge es dau­ert, bis Sub­li­me Text 4 wie­der­um das Ende der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen ein­läu­tet? Nur wodurch?

‘Sub­li­me Text: Na ja, ich hab’s ver­sucht.’ wei­ter­le­sen »

Kaufbefehle⁠Musikkritik⁠Montagsmusik
Fehlfarben – Herbstwind

Wäh­rend die deut­sche Medi­en­land­schaft ein wei­te­res Mal unter Beweis stellt, dass sie zu blö­de ist, das sub­stanz­lo­se Gebrüll einer femi­ni­sti­schen Min­der­heit in der Pira­ten­par­tei von der an sich lobens­wer­ten Poli­tik zu unter­schei­den, für die die­se Par­tei steht, dreht die Welt sich wei­ter – schwupps! ist schon wie­der Mon­tag.

Für die dies­wö­chi­ge Mon­tags­mu­sik muss ich ver­mut­lich erst ein­mal etwas erklä­ren, näm­lich, war­um ich, anders als sonst, kei­nen You­Tube-Link set­ze. Die Ant­wort ist banal: Das heu­te anzu­prei­sen­de Stück Musik ist dort zur­zeit nicht ver­füg­bar (oder ich suche nur falsch). Ich habe tat­säch­lich lan­ge mit mir gerun­gen, ob ich statt­des­sen musicmp3, ein offi­zi­ell rus­si­sches Strea­ming­por­tal (hier auf­grund unkla­rer recht­li­cher Situa­ti­on nicht ver­linkt), als Quel­le ange­ben soll­te, wo das dies­wö­chi­ge Mon­tags­stück natür­lich zu fin­den ist, aber in die­sen Tagen weiß man ja nie so genau, wel­che Bran­chen die flo­rie­ren­de Abmahn­wirt­schaft gera­de beackert.

Statt­des­sen: Spo­ti­fy oder Groo­veshark. Eines die­ser Ent­eig­nungs­por­ta­le. Bei­de haben das gesuch­te Stück. War­um es gera­de die­ses sein muss? Muss es wahr­schein­lich nicht – aber, und da bin ich als jemand, dem Tex­te bekannt­lich nicht ganz unwich­tig sind, ich hal­te die­ses Stück für eines der text­lich groß­ar­tig­sten, die eine deutsch­spra­chig musi­zie­ren­de Musik­grup­pe in die­sem Jahr­tau­send bis­lang zustan­de gebracht hat. Peter Hein sei zu prei­sen für die­se Zei­len.

Die Fehl­far­ben, vor über drei­ßig Jah­ren mit „Mon­ar­chie und All­tag“ und ins­be­son­de­re Lie­dern wie „Ein Jahr (es geht vor­an)“ („Kei­ne Atem­pau­se / Geschich­te wird gemacht / es geht vor­an“, kenn­ta) Vor­rei­ter des deutsch­spra­chi­gen Post­punk, der Neu­en Deut­schen Wel­le und sicher noch so aller­lei Musik, waren trotz gele­gent­li­chen Tief­gangs nur sel­ten so bril­lant wie auf „Xeno­pho­nie“. Noch so ein Album, das ich 2012 recht­zei­tig zu hören ver­ges­sen habe. „Herbst­wind“, ein schwer­mü­ti­ger und syn­the­siz­erla­sti­ger Fast­zehn­mi­nü­ter, ist der krö­nen­de Abschluss und ein, min­de­stens, ver­damm­tes Mei­ster­werk.

Labt euch dar­an. Auf Spo­ti­fy oder auf Groo­veshark oder auf einem die­ser Por­ta­le, die man in eurer Lieb­lings­such­ma­schi­ne halt so fin­det. Ver­gesst das gest­ri­ge unsäg­li­che TV-„Duell“. Gera­tet trotz­dem in Schwer­mut. Hört den Text. Ver­steht den Text. Macht das Beste dar­aus.

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Ich bin sehr einsam!

Oh, eine „rose“ – mit Anfüh­rungs­zei­chen im Absen­der – nahm Kon­takt mit mir auf. Den Grund ihrer Kon­takt­auf­nah­me gab sie in der Betreff­zei­le an, was lobens­wert ist. Seht ihr, so leicht ist es, mir sym­pa­thisch zu sein.

Und Frl. „rose“ gab mir Fol­gen­des zu ver­ste­hen:

Hal­lo… Ich hof­fe, dass ich fur dich viel zu schnell nicht wer­de, aber Sie gefal­len mir, und ich woll­te mit Ihnen reden.

Merk­wür­dig. Wenn Frau­en mir sonst sagen, es gäbe Grund zu reden, bedeu­tet dies meist das Ende des Kon­takts in bis­he­ri­ger Form. Frl. „rose“ ist spar­sam, selbst die Zeit davor spart sie. Gut, das mag auch mir eini­ges erspa­ren.

Ware befrie­di­gend, wenn wir uns mit Ihnen gro­sser umge­hen konn­ten, mir hat Ihr Pro­fil gefal­len. Ich ware sehr froh, gro­sser uber Sie zu erken­nen.

Mein Pro­fil? Mei­ne Nase oder wie?

Mich hof­fe, wirst Sie mich nicht igno­rie­ren. Ich war­te mit der Unge­duld von Ihnen auf die Ant­wort.

Sie war­tet mit mei­ner Unge­duld? Hat sie denn kei­ne eige­ne? – Dies außer Acht gelas­sen: Ich gebe zu, ich bin ein wenig rat­los, wel­che Fra­ge einer Ant­wort bedarf. Eine Frau, die reden will, braucht dazu nor­ma­ler­wei­se doch auch kei­ne geson­der­te Ein­la­dung. Sie braucht ja nicht ein­mal jeman­den, der etwas ent­geg­net.

Aber wie könn­te ich jeman­dem, der mir von vorn­her­ein sym­pa­thisch ist, einen so ein­fa­chen Wunsch abschla­gen?

Die Umar­mun­gen und die Kusse

Der Pin­ky und der Brain.

pls rep­ly to
31.08.201315:37:14

Klar, wohin auch sonst?

Wer­tes Frl. „rose“, Ihnen ist da ein bedau­er­li­cher Feh­ler unter­lau­fen. Wenn Sie dies lesen, kor­ri­gie­ren Sie ihn doch bit­te. An gestern kann ich nicht ant­wor­ten. Haben Sie viel­leicht ein ande­res Datum in pet­to?

Herz­li­chen Dank!

pls rep­ly to
vogel in gro­ßes hirn

Projekte⁠Nerdkrams⁠Politik
Wahl-Schwach-o-Mat

Da der Wahl-O-Mat nun für die Öffent­lich­keit, die sich noch nicht ent­schei­den kann, was sie bei näch­ster Gele­gen­heit wäh­len soll, frei­ge­ge­ben ist, wit­tern vie­le bereits eine Ret­tung aus dem Schla­mas­sel, womög­lich gänz­lich unvor­be­rei­tet zur Wahl gehen zu müs­sen. Die­ser Wahl-O-Mat besteht im Wesent­li­chen aus einem Fra­ge-Ant­wort-Spiel: Jeder Teil­neh­mer wird zu sei­ner Mei­nung bezüg­lich eini­ger aus­ge­wähl­ter The­men befragt, die Ant­wort wird danach mit denen der ein­zel­nen aus­ge­wähl­ten Par­tei­en ver­gli­chen.

Dabei weicht das, was Par­tei­en im Wahl­kampf for­dern, gele­gent­lich deut­lich von ihrer Poli­tik ab. (Hat der F.D.P. eigent­lich schon jemand gesagt, dass sie gera­de Teil der Bun­des­re­gie­rung ist?) Eini­ge Bei­spie­le habe ich ja bereits ange­führt. Was für die F.D.P. gilt, gilt aber auch für ihre Mit­be­wer­ber. Soll’s kon­kre­ter wer­den? Gern: Auf der Web­site des Wahl-O-Maten steht unter ande­rem eine PDF-Datei zur Ver­fü­gung, die die Ant­wor­ten von ins­ge­samt 28 Par­tei­en mit­ein­an­der ver­gleicht. Dass auch die­se PDF-Datei kei­nen ande­ren Schluss zulässt als dass nie­mand, aber auch nie­mand die F.D.P. wäh­len soll­te, wenn ihm Glaub­wür­dig­keit wich­tig ist, ist wahr­schein­lich nicht ein­mal erwäh­nens­wert. Mei­ne Lieb­lings­zei­le bis­her, von der ich immer wie­der feuch­te Augen vom Lachen bekom­me, ist jedoch Num­mer 22 auf der ersten Sei­te:

Das gesetz­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter soll wie­der gesenkt wer­den.

Sei­tens der SPD gibt es vol­le Zustim­mung, so gibt die PDF-Datei zu ver­ste­hen. Dies deckt sich mit ihrem Wahl­kampf gegen Alters­ar­mut. Woher die­se Alters­ar­mut eigent­lich stammt? Der Ver­dacht, dass das mit der Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters zu tun hat, die 2007 von einer Gro­ßen Koali­ti­on (unter Mit­wir­kung der SPD, damals hieß das noch „groß“) beschlos­sen wur­de, ist sicher­lich ein all­zu absur­der. Auch die von der SPD und den grü­nen Kriegs­trei­bern durch­ge­setz­te Agen­da 2010, die den Kün­di­gungs­schutz locker­te und den Nied­rig­lohn­sek­tor maß­geb­lich ver­grö­ßer­te, hat sicher­lich nichts damit zu tun, denn war­um soll­te die SPD die eige­nen Geset­ze rück­gän­gig machen wol­len? – Ach so, es ist Wahl­kampf; das habe ich kurz ver­ges­sen.

Ein Wahl-O-Mat, der Par­tei­en anhand ihres Abstim­mungs­ver­hal­tens und nicht anhand gedruck­ten Papiers bewer­ten lässt, wür­de sich womög­lich tat­säch­lich dazu eig­nen, wil­li­gen Wäh­lern die rich­ti­ge Ent­schei­dung vor­zu­schla­gen. Ein Wahl-O-Mat aber, des­sen Emp­feh­lun­gen auf Lügen fußen, ist den Auf­wand, der in ihm steckt, wohl kaum wert. Eine kla­re Wahl­ent­schei­dung ist der­zeit wohl nur den Kon­ser­va­ti­ven gege­ben, die sich zumin­dest dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die unsäg­li­che CDU ihrem Kurs – rück­wärts immer, vor­wärts och nö – auch wei­ter­hin treu blei­ben wird.

Ärger­lich ist, dass es gera­de die­je­ni­gen sind, die man nicht über das eige­ne Leben bestim­men las­sen möch­te, die vom Nicht­wäh­len pro­fi­tie­ren. Die groß ange­leg­te Wer­be­kam­pa­gne „Geh wäh­len!“ („Geh Wäh­len!“) der Frau­en­sen­der­grup­pe Pro Sie­ben / Sat.1 ist inso­fern eine der­ma­ßen gute Idee, dass ich da mal mit­ma­che:

Ich habe ein Word­Press-Plug­in ent­wickelt, das an einem ein­stell­ba­ren Tag von 9 bis 18 Uhr die kom­plet­te Web­site durch eine Auf­for­de­rung zum Wäh­len ersetzt. Auch der Grund hier­für (im Bei­spiel PRISM) ist ein­stell­bar, natür­lich könnt ihr auch eine kom­plett eige­ne blackout.php ver­wen­den. Auch ein wid­get für die Sei­ten­lei­ste steht bereit.

wp-wahlblackout

Wem’s gefällt, der kann’s benut­zen, wer einen Feh­ler fin­det (das mit den wid­gets ist Neu­land für mich), der möge ihn mel­den. Dan­ke, bit­te, gern.


Nach­trag vom 1. Okto­ber 2019: Die jeweils aktu­ell­ste Ver­si­on des Plug­ins gibt es per Fos­sil und Git­Hub.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXXV: „Wir konnten Snowden nicht aufhalten, er war Sysadmin!“

Falls ihr euch übri­gens fragt, wie­so Edward Snow­den ein­fach mega­byte­wei­se gehei­me Doku­men­te aus der NSA raus­tra­gen konn­te: Er war Sys­ad­min – oben­drein ein exter­ner Mit­ar­bei­ter, der im NSA-Netz­werk wie etwa 1.000 ande­re (über­wie­gend extern beschäf­tig­te) Men­schen nach Belie­ben schal­ten und wal­ten konn­te:

Once he began coll­ec­ting docu­ments, Snow­den was sure­ly also embol­den­ed by the fact that, as a con­trac­tor working for Booz Allen Hamil­ton in Hawaii, he never once nee­ded to set foot in NSA head­quar­ters. Instead, he could access the files he wan­ted from a com­pu­ter ter­mi­nal some 5,000 miles away. (…) Like Snow­den, most of tho­se systems admins are con­trac­tors – or they were, at least.

Mei­ne Angst, von einer Behör­de wie der NSA, die ihre eige­nen gehei­men Daten in irgend­wel­chen unzu­rei­chend abge­si­cher­ten Intra­nets rum­lie­gen lässt, über­wacht zu wer­den, wird dadurch übri­gens nicht geschmä­lert. Was ist schlim­mer als Über­wa­cher? Natür­lich: Über­wa­cher, die nicht wis­sen, was sie tun. (Des­we­gen soll­ten wir uns auch alle vor dem BKA in Acht neh­men. Wenn die es irgend­wann doch noch schaf­fen, einen Staats­tro­ja­ner zusam­men­zuf­rickeln, wird der unter Garan­tie mehr Scha­den anrich­ten als beab­sich­tigt.)

„It’s 2013,“ an insi­der told NBC, „and the NSA is stuck in 2003 tech­no­lo­gy.“

Ein­mal mit Pro­fis…!

Piratenpartei⁠Mir wird geschlecht
Feministischer Einzelfail

Da wir gera­de bei den Pira­ten waren, möch­te ich auf die aktu­el­le Sau, die durch die Pira­ten­par­tei getrie­ben wird, auch nur wegen des Pop­corn­fak­tors noch kurz näher ein­ge­hen, bevor es hier wie­der um inter­es­san­te­re The­men geht:

Auf der „Open­Mind 2013“, einer Kon­fe­renz, die irgend­was mit Gesell­schafts­bil­dern zu tun hat (und auf der es eine Frau­en­quo­te für die Red­ner­li­ste gibt, was über die­se Kon­fe­renz wahr­schein­lich schon alles Nöti­ge aus­sagt) und die von Mit­glie­dern der Pira­ten­par­tei orga­ni­siert wur­de, kam es wäh­rend des Vor­trags „Hate­speech und Vic­tim Bla­ming nach dem #Auf­schrei“, der den Dis­kus­si­ons­stil eini­ger Teil­neh­mer der Debat­te um den All­tags­se­xis­mus, selbst sexi­stisch geführt, the­ma­ti­sier­te, zum Eklat, als unter ande­rem eini­ge Tweets der femi­nis­mus­kri­ti­schen Twit­ter­nut­ze­rin @ochdomino als schlech­te Bei­spie­le ange­führt wur­den.

Die femi­ni­sti­sche Meu­te, die wäh­rend die­ses Vor­trags erst­mals besag­te Tweets zur Kennt­nis nahm, war natür­lich mil­de pikiert dar­über, dass man ihr unter­stellt, aus Mode­grün­den radi­ka­len Gesell­schafts­bil­dern anzu­hän­gen, und tat ihr Bestes, dem Radi­ka­lis­mus­vor­wurf zu ent­spre­chen – @ochdomino sah sich in der Fol­ge der­art schwer­wie­gen­den Dro­hun­gen aus­ge­setzt, dass auch ihr Blog off­line genom­men und durch einen offe­nen Brief ihres Vaters ersetzt wur­de, der unter ande­rem dies schrieb:

Ich wer­de jeden, der mei­ne Toch­ter wei­ter­hin bedroht oder behel­ligt mit fai­ren und unfai­ren (den­noch recht­li­chen) Mit­teln bekämp­fen! Für die Pira­ten­par­tei und die­se Damen, die sich angeb­lich für die Rech­te von Frau­en ein­set­zen, emp­fin­de ich nichts als tie­fe Ver­ach­tung.

Wir ler­nen:

  1. Wenn Femi­ni­stin­nen, die blö­der­wei­se zum Groß­teil Pira­ten sind, einem Mann Gewalt andro­hen, wie es etwa @Faserpiratin (das ist die mit dem „Hatespeech“-Vortrag) bereits getan hat, dann ist das ein ein­ma­li­ger Aus­rut­scher, wenn nicht gar ein „Ein­zel­fall“. („Ein­zel­fall“ ist auch so ein Wort, das wohl nur von Frau­en defi­niert wer­den darf.)
  2. Wenn genau die­se gewalt­be­rei­ten Femi­ni­stin­nen, die blö­der­wei­se zum Groß­teil Pira­ten sind, sich von der Bezeich­nung als „faschi­sto­ide Hip­ster-Femi­ni­stin­nen“ ange­grif­fen füh­len und eine Kri­ti­ke­rin (offen­bar) an Leib und Leben bedro­hen, dann sind die Pira­ten alle­samt Ver­bre­cher, Mör­der und SA-taug­li­che Schlä­ger, denen man nichts als tie­fe Ver­ach­tung ent­ge­gen­brin­gen soll­te. (Nach­trag: Die ver­link­ten Tweets wur­den mitt­ler­wei­le lei­der gelöscht.)

Ja, wie denn nun? Und vor allem: Was bedeu­tet das für mich als Mit­glied der Pira­ten­par­tei? Ich ste­he inhalt­lich voll hin­ter @ochdomino (obwohl ich ihren Ton­fall zwar ange­mes­sen, aber doch etwas unsach­lich fin­de), muss mich aber den­noch stän­dig vor Repres­sa­li­en sei­tens ihres (mir unbe­kann­ten) Vaters fürch­ten, weil ich als Pirat schuld dar­an bin, dass sie von Leu­ten, die sich von ihr belei­digt füh­len, bedroht wird – habe ich das jetzt rich­tig ver­stan­den?

Kann man Pirat und trotz­dem kein Mör­der sein? Ich habe ein biss­chen den Über­blick ver­lo­ren. Ich war nicht mal auf die­ser bescheu­er­ten Kon­fe­renz.

Wer kann hel­fen?

Nerdkrams⁠Piratenpartei
Gnus und das Usenet: NNTP mal anders

Das Use­net ist ein Teil des Inter­nets, der viel zu wenig Beach­tung fin­det. Tat­säch­lich gibt es dort mehr zu sehen als nur irgend­wel­che Raub­ko­pien, wie die Ver­füg­bar­keit von aller­lei Pro­gram­men zum Her­un­ter­la­den von Raub­ko­pien aus dem Use­net (dar­un­ter auch kom­mer­zi­el­le Ange­bo­te wie UseN­eXT) sug­ge­riert; zum Bei­spiel das „Sync-Forum“ der Pira­ten­par­tei, also die mei­sten ihrer Mai­ling­li­sten, ist wie auch man­che Mai­ling­li­ste für freie Soft­ware per Use­net ver­füg­bar. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: Das eige­ne Mail­post­fach bleibt sau­ber, die Fil­ter­funk­tio­nen sind effi­zi­en­ter, oben­drein ist’s auch deut­lich coo­ler.

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Musik⁠In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXXIV: Apple patentiert asynchrone Tanzveranstaltungen

Mil­des Amu­se­ment ver­ur­sacht übri­gens auch die­se Mel­dung:

Apple hat ein US-Patent für „koor­di­nier­tes, musi­ka­li­sches Grup­pen­er­leb­nis­se“ erhal­ten (…). Nach der nun paten­tier­te Idee wählt ein Grup­pen­mit­glied (der DJ der Zukunft?) einen Song sei­ner Wahl, wor­auf­hin auf den Gerä­ten aller wei­te­ren Grup­pen­mit­glie­der das dazu am besten pas­sen­de Stück gespielt wird (…).

Beim DJ der Zukunft hört jeder Teil­neh­mer zur glei­chen Zeit ein ande­res Stück. Na, die Tän­ze möch­te ich sehen!


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Justin Bie­ber ist eine „Gra­na­te im Bett“.

Granate im Bett

Explo­diert also schon bei Berüh­rung. Offen­bar wün­schen sich vie­le Frau­en heut­zu­ta­ge einen sol­chen Mann.

Das ist mei­ne Chan­ce!

Piratenpartei
Piratenleaks, 27. August 2013

Nach­dem im Wahl­jahr 2013 von eini­gen Par­tei­en schon unschö­ne Details aus der Ver­gan­gen­heit (bei der F.D.P. das mit der Abstim­mung gegen dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft und Gleich­be­rech­ti­gung bei Ehe­schlie­ßun­gen, bei den Grü­nen das mit dem Kin­der­ficken) an die Ober­flä­che gespült wur­den, kön­nen natür­lich auch die Pira­ten nicht hin­ten anste­hen.

Klar ist gera­de in einer digi­tal ver­netz­ten Par­tei die Gefahr groß, dass sich Klün­gel bil­det. Nur sel­ten wird das öffent­lich gemacht.

Aktu­ell wird auf der inter­nen Mai­ling­li­ste des nie­der­säch­si­schen Lan­des­vor­stands ein pikan­ter Sach­ver­halt dis­ku­tiert: Offen­bar exi­stier­te (Vor­sicht: Ver­weis auf NSA-Goog­le!) bis vor kur­zem eine Mai­ling­li­ste namens „Pres­se­ko­or­di­na­ti­on der Lan­des­ver­bän­de“, in die nicht alle Pres­se­spre­cher und nicht alle Lan­des­vor­stän­de, wohl aber aller­lei ehe­ma­li­ge Vor­stän­de Ein­sicht erhal­ten. Die Dis­kus­si­on auf der Mai­ling­li­ste ist recht erhel­lend:

Spie­ge­lung in Text­form (Quel­le)

Nun wur­den, wohl um Spu­ren zu ver­wi­schen, fol­gen­de drei „Tickets“, also Anträ­ge, gestellt, die wahl­wei­se die Ver­öf­fent­li­chung oder die Löschung des vor­han­de­nen Archivs besag­ter Mai­ling­li­ste zum Inhalt haben. (Lei­der ist mir das Archiv selbst nicht zugäng­lich.)

Lesens­wert ist hier­bei vor allem der Kon­trast zwi­schen Befür­wor­tern und Geg­nern der Frei­ga­be. Für Rechen­künst­ler übri­gens noch fol­gen­des Gedan­ken­spiel: Der nie­der­säch­si­sche Lan­des­vor­stand hat zur­zeit 11 Mit­glie­der, um eine Frei­ga­be des Archivs zu errei­chen, müss­te es also min­de­stens 6 Dafür-Stim­men geben. Dass es kei­ne sech­ste gibt (und nicht ein­mal der erste Vor­sit­zen­de bis­lang abge­stimmt hat), ist ver­mut­lich kein Zufall, wenn man den Chat­aus­schnitt von der Mai­ling­li­ste berück­sich­tigt.

Ich fas­se zusam­men: Ein ehe­ma­li­ges Mit­glied des Lan­des­vor­stands (Tho­mas Gaul), der momen­tan als Koor­di­na­tor für die Pira­te Par­ty Inter­na­tio­nal tätig ist, hat also mit­hil­fe einer gehei­men Mai­ling­li­ste, in die nicht jeder rein­kommt (wir erin­nern uns), und eines als Bei­sit­zer erneut gewähl­ten Mit­glieds des Lan­des­vor­stands (Mario Espen­schied) sel­bi­gen Vor­stand offen­bar voll im Griff und schreckt beim Ver­such, die­sen Griff hal­ten zu kön­nen, auch vor Erpres­sungs­ver­su­chen nicht zurück. Und wie er sich dar­über freut! Natür­lich könn­te man die­sen Herrn ein­fach unsanft vor die Tür set­zen, aber so kurz vor der Wahl ist schlech­te publi­ci­ty womög­lich nicht erstre­bens­wert. Die basis­de­mo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mung (Open­An­trag hat­te ich ja bereits als posi­ti­ve Neue­rung her­aus­ge­stellt) nimmt gele­gent­lich impo­san­te Aus­ma­ße an.

Der nie­der­säch­si­sche Lan­des­vor­stand wird zur­zeit von Kevin Pri­ce gelei­tet, der in sei­nen E‑Mails an den Lan­des­ver­band Nie­der­sach­sen nicht sel­ten das Trans­pa­renz­ge­bot erwähnt, dem er sich selbst unter­wor­fen sieht. Ich über­neh­me das jetzt mal für ihn.

(Quel­le: Inter­net.)


Nach­trag 1: Soeben wur­den zwei der drei Tickets geöff­net, Kevin hat jetzt auch abge­stimmt.

Nach­trag 2: Um 3:56 Uhr hat Kevin Pri­ce sich – laut eige­ner Aus­sa­ge zwei Wochen nach erst­ma­li­ger Kennt­nis­nah­me vom Sach­ver­halt – öffent­lich zu dem Vor­fall geäu­ßert (Spie­gel hier).

Kaufbefehle⁠Musikkritik
Kurzkritik: In the Silence – A Fair Dream Gone Mad

In The Silence - A Fair Dream Gone MadFür die Jah­res­li­ste 2012 lei­der etwas zu spät erreich­te mich das Album „A Fair Dream Gone Mad“ des kali­for­ni­schen Quar­tetts In the Silence.

Silent, also still, sind sie jedoch nicht. Als tags haben sich In The Silence die Gen­res Hard Rock, Metal, Prog, Pro­gres­si­ve Rock, Rock, Gothic Metal, Metal, Post-Metal und Pro­gres­si­ve Metal ange­hef­tet. Gen­res sind was für alte Leu­te und Musik­jour­na­li­sten. (Na gut, „Post­rock“ las­se ich gel­ten.) Gothic und Prog(-ressive Rock) erken­ne ich als Hörer hier aber auch nicht, trotz­dem weiß ich wohl zu schät­zen, was ich höre. In the Silence – wenn’s denn unbe­dingt einer die­ser kli­schee­haf­ten Ver­glei­che sein muss, klingt wie Toc.Sin ohne Layn und mit noch mehr Eiern. Von Anfang an domi­niert eine trei­ben­de Rhyth­mus­ab­tei­lung, die sich über wei­te Tei­le des Albums mit schnei­den­den Gitar­ren ver­mengt.

Zu viel Text? Nun, das vor­letz­te Stück „All the Pie­ces“ fasst all die Stücke auf „A Fair Dream Gone Mad“ gut zusam­men:

Auf Band­camp sind zumin­dest vier der acht Stücke frei hör­bar, mitt­ler­wei­le haben In the Silence jedoch die Plat­ten­fir­ma gewech­selt und ste­hen nun bei Sen­so­ry Records unter Ver­trag, die immer­hin auch per Amazon.de ver­trei­ben – Hör­pro­ben für die vier ande­ren Stücke sind also auch im Inter­net zu fin­den.

„A Fair Dream Gone Mad“ ist für die­je­ni­gen, die für Gitar­ren­mu­sik mit ange­nehm unauf­fäl­li­gem Gesang emp­fäng­lich sind, höchst emp­feh­lens­wert. Folgt die­ser Emp­feh­lung zahl­reich!

Piratenpartei⁠Montagsmusik
Hannes Wader und Die Toten Hosen – Heute hier, morgen dort

Gele­gent­lich wer­de ich gefragt, wie­so ich immer noch in die­ser Pira­ten­par­tei bin. Nun, einer der Grün­de ist der, dass sie als ein­zi­ge grö­ße­re Par­tei ihre Wahl­ver­spre­chen hält, auch, wenn es manch­mal etwas län­ger dau­ert. Das Ver­spre­chen, dass im Fall einer Wahl die Stim­me der Bür­ger mehr Gewicht erhal­ten wird, wur­de nun etwa mit­tels einer neu­en soft­ware mit dem herz­er­wei­chend däm­li­chen Namen Open­An­trag (nur echt mit Bin­nen­Ma­jus­kel) umge­setzt, über das jeder Bür­ger „sei­ner“ Frak­ti­on einen Antrag über­mit­teln kann, der dann, wenn er nicht all­zu kon­trär den Grund­pfei­lern der Pira­ten­par­tei zuwi­der­läuft, im jewei­li­gen Par­la­ment ein­ge­bracht wird. Am bescheu­er­ten Namen soll’s ja dann auch nicht mehr schei­tern. (Wenn’s wenig­stens Open­So­ur­ce wäre!) – Gele­gent­lich (ganz, ganz sel­ten) glaubt man ja dann doch noch in das Gute in die­ser Par­tei, wenn’s halt weni­ger Spin­ner in ihr gäbe.

Gele­gent­lich (ganz, ganz sel­ten) glaubt man ja dann auch noch an das Gute in der Musik­in­du­strie. Den dies­jäh­ri­gen „Echo“ (so ein medi­al zele­brier­ter Musik­preis, mit­hil­fe des­sen die Pop­in­du­strie die Pop­in­du­strie dafür belohnt, eine Pop­in­du­strie zu sein) gewan­nen neben aller­lei Musi­kern, die man ver­mut­lich nicht ein­mal ken­nen soll­te, auch Led Zep­pe­lin und Han­nes Wader. Han­nes Wader, der jun­gen Gene­ra­ti­on womög­lich bis dato unbe­kannt, ist ein Volks­sän­ger (nicht zu ver­wech­seln mit Schla­ger­sän­gern), der in den 1970er Jah­ren mit aller­lei Gesell­schafts­po­li­ti­schem Bekannt­heit erlangt hat­te.

Man möge aber nur nicht glau­ben, die Musik­in­du­strie sei bereit, einem nicht mit ihrer Fixie­rung auf die musi­ka­li­schen Vor­lie­ben jun­ger Leu­te kom­pa­ti­blen Musi­ker, gleich­wie legen­där er auch sein mag, eine eige­ne Büh­ne zu bie­ten. Da fehlt’s am Punk, und Cam­pi­no kann den Text nicht. Irgend­was ist ja immer.

Und wie pas­send!

So ver­geht Jahr um Jahr,
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.

Guten Mor­gen.

Politik⁠Netzfundstücke
„She was very pleased.“

War­um sind die Ame­ri­ka­ner eigent­lich so unsag­bar naiv? Nun, viel­leicht auch des­halb, weil sie von Kin­des­bei­nen an mit der Mär von Sicher­heit auf­wach­sen, die sie beschützt und ihr Freund, nicht jedoch ihr Feind ist.

Eine belieb­te Kin­der­buch­rei­he ist etwa „Oli­via“ von Ian Fal­co­ner, in der ein Schwein namens Oli­via durch die Welt reist und blö­de Din­ge tut. Da bie­tet es sich doch an, gele­gent­lich Hin­wei­se auf die Welt zu hin­ter­las­sen, in der man als Kind heut­zu­ta­ge so auf­wächst, denn auch ein ver­mensch­lich­tes Schwein bekommt kei­ne Son­der­be­hand­lung; wenn es etwa nach Vene­dig flie­gen will, muss es erst mal an der Flug­ha­fen­si­cher­heit vor­bei:

She was very pleased

Als sie durch den Flug­ha­fen gin­gen, wur­de Oli­via nach Waf­fen durch­sucht. Sie war äußerst zufrie­den.

(Frei über­setzt – die deut­sche Fas­sung habe ich lei­der momen­tan nicht vor­lie­gen.)

Seht ihr, Kin­der, der Staat passt auf euch auf – er guckt jedes Mal nach, ob ihr nicht viel­leicht doch Ter­ro­ri­sten seid. Wenn das kein Grund zum Lächeln ist…?

„Und Pig­gel­dy ging mit Fre­de­rick nach Hau­se.“
– Gott­fried Kra­mer

(via Eli­as Schwerd­fe­ger)

In den Nachrichten⁠Nerdkrams
Lotse Ballmer geht von Bord, die Ratten sind amüsiert.

Und da wir gera­de bei so Com­pu­ter­kram waren: Ste­ve Ball­mer, seit 37 Jah­ren bei Micro­soft und einer der letz­ten cha­ris­ma­ti­schen Vor­stän­de in den klas­si­schen EDV-Unter­neh­men, hat ange­kün­digt, bin­nen eines Jah­res sei­nen Hut zu neh­men. Dass so genann­te Nach­rich­ten­por­ta­le wie SPIEGEL ONLINE, die einst dem weit weni­ger agi­len Ste­ve Jobs wie Grou­pies eines Pop­stars zit­ternd an den Lip­pen hin­gen, den Per­so­nal­wech­sel fre­ne­tisch – end­lich ist „der Irre“ (ebd.) weg – beju­beln, war eigent­lich abseh­bar. Posi­ti­ve Wor­te über App­les größ­ten Kon­kur­ren­ten ver­liert man nicht gern, wenn man selbst jah­re­lang App­les Fah­ne geschwenkt hat.

Da müs­sen sich auch die Kom­men­ta­to­ren nicht mehr zurück­hal­ten. Im SPIE­GEL-ONLINE-Forum etwa redet der pseud­ony­me anschei­nen­de App­le­an­hän­ger „blue­me­tal“ fol­gen­den Unsinn daher:

Sie brin­gen es auf den Punkt, eine Finanz­ver­wal­ter, kein Visio­när, unter des­sen Ägi­de man alles ver­schlief und nur hin­ter­her­lief: Inter­net, mobi­le Com­pu­ting, Tablets, Smart­phones, Social Net­works.

Das stimmt so nur teil­wei­se. Tat­säch­lich war Micro­soft unter Ste­ve Ball­mer nicht son­der­lich visio­när – Inter­net (in Win­dows 98 voll­stän­dig vor­ge­se­hen) sowie mobi­le com­pu­ting und Tablets waren bereits vor Herrn Ball­mers Amts­an­tritt kei­ne Unbe­kann­ten mehr im Hau­se Micro­soft. Was „social net­works“ betrifft, so ist Micro­soft mit der Kol­la­bo­ra­ti­on mit Face­book ver­mut­lich erfolg­rei­cher als App­les „Ping“ (kennt ihr nicht? – Eben!) es wohl jemals sein wird. Zuge­ge­ben: Das mit den Tele­fo­nen hat etwas län­ger gedau­ert.

Mit unglaub­li­cher Arro­ganz und ver­meint­li­chem Mono­pol wur­de z. B. ver­sucht MP3 durch das eige­ne WMA For­mat zu erset­zen. Völ­lig vom iPod Erfolg über­rascht wur­de der Flop ZUNE erfun­den.

Ja, da hat Apple Micro­soft etwas vor­aus: Bei Apple hat man nicht ver­sucht, MP3 durch WMA zu erset­zen. Apple bevor­zugt näm­lich das For­mat AAC. Die Ver­bes­se­run­gen sind mar­gi­nal, auch AAC ist kein frei­es For­mat. War­um kein gro­ßer Her­stel­ler auf das freie Ogg Vor­bis setzt, weiß ich nicht. Ich ver­mu­te, weil man damit weni­ger Geld ver­die­nen kann.

(…) Micro­soft hat­te noch nie Visio­nen, seit den 70er lie­fen sie immer dem Erfin­der des PCs, Apple, hin­ter­her, schon Win­dows mit sei­ner Maus hat Gates Anfang der 80er von App­les PC Lisa gestoh­len.

Der „Erfin­der“ des PCs in sei­ner heu­ti­gen Form war der Home­brew Com­pu­ter Club, Apple gab es damals noch gar nicht. Die ersten Com­pu­ter­sy­ste­me mit einer Maus gab es indes spä­te­stens 1973, den Apple Lisa erst zehn Jah­re spä­ter.

Die ein­zi­ge stra­te­gisch rich­ti­ge Ent­schei­dung traf Gates damals indem er eben kei­ne Hard­ware bau­te, von der Micro­soft eh nichts ver­stand, son­dern das geklau­te Betriebs­sy­stem frei ver­käuf­lich mach­te, und somit zum Markt­füh­rer auf­stieg. Danach kam 20 Jah­re lang nur Dun­kel­heit und Tri­stesse…

Apple baut ja eben­falls kei­ne Hard­ware. Das über­neh­men Nied­rig­lohn­chi­ne­sen. Anson­sten ist das mit dem Klau­en immer so eine Sache.

„We have always been shame­l­ess about ste­al­ing gre­at ide­as.“
– Ste­ve Jobs, 1996

Ohne Xerox kei­ne Apple-Maus und, was dem Gan­zen noch einen inter­es­san­ten Aspekt hin­zu­fügt, ohne Free­BSD kein Mac OS X, das auf des­sen User­land auf­baut und in jeder neu­en Ver­si­on wei­te­re „Inno­va­tio­nen“ bekommt, die für uns Win­dows­nut­zer ein alter Hut sind.

Das geht aber nicht nur Apple so – ohne „Ideen­klau“ gäbe es wohl weit­aus weni­ger Betriebs­sy­ste­me als es heu­te der Fall ist. Gera­de in der Welt der frei­en Soft­ware, die ja expli­zit dar­aus aus­ge­rich­tet ist, dass mög­lichst vie­le Leu­te mög­lichst vie­le Din­ge mit dem vor­lie­gen­den Quell­code tun, herrscht da ein mun­te­res copy & paste: Ohne Unix kein Minix, ohne Minix kein Linux, somit auch kein Android; ohne Unix eben­falls kein BSD (und damit kein Mac OS X, kein Free­BSD, kein Net­BSD, kei­nes der ande­ren unge­zähl­ten BSDs). Selbst das neue kom­men­de Ding in der Linux­welt, das Datei­sy­stem btrfs, ist ein kon­zep­tio­nel­ler Nach­bau des von Sun ent­wickel­ten Datei­sy­stems ZFS (unter ande­rem in Free­BSD zu fin­den), und von den diver­sen UNIX- und Linux­desk­tops, die sich flei­ßig an Bedien­kon­zep­ten aus der Apple- oder Micro­soft­welt bedie­nen, reden wir womög­lich bes­ser gar nicht erst.

Mit unbe­fugt kopier­ten Ideen Mil­li­ar­den zu „ver­die­nen“ ist sicher­lich nicht son­der­lich ange­nehm für den ursprüng­li­chen Erfin­der, wes­halb so man­che die­ser Ideen paten­tiert wur­de. Anders aber sieht es mit Inspi­ra­ti­on aus. Es ist nicht ver­kehrt, sich bei der Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te von Bestehen­dem lei­ten zu las­sen. Inspi­ra­ti­on ist oft Ursprung von Viel­falt. Vor wel­chem System ihr gera­de auch immer sitzt: Ohne Inspi­ra­ti­on durch ande­re, oft bereits seit Jahr­zehn­ten nicht mehr wei­ter­ent­wickel­te Syste­me wäre es höchst­wahr­schein­lich nie­mals in der vor­lie­gen­den Form ent­wickelt wor­den.

Micro­soft ist, gemes­sen dar­an, erstaun­lich inno­va­tiv: Nach­dem es sich aus dem UNIX-Markt (schon in frü­hen Jah­ren war Micro­soft mit Xenix kurz­zei­tig Markt­füh­rer) zurück­ge­zo­gen hat­te, war MS-DOS (ein gekauf­tes, nicht etwa „geklau­tes“, und dann wei­ter­ent­wickel­tes Pro­dukt) eben­so eigen­stän­dig wie die lei­der nur kurz­le­bi­ge IBM-Kol­la­bo­ra­ti­on OS/2. Dass das alles vor der Zeit von Ste­ve Ball­mer als CEO statt­fand, soll die Ver­dien­ste der Fir­ma Micro­soft kei­nes­falls schmä­lern.

Aber was weiß ein SPIE­GEL-ONLINE-Kom­men­ta­tor schon von sol­chen Zusam­men­hän­gen?