Archiv für März 2016

MusikNetzfundstücke
Musikalischer Jahresrückblick 2010 (mal anders)

Die beiden Zeitgenossen, die die bedeutendsten Geschehnisse 2009 schon musikalisch und amüsant, vor genau einem Jahr von mir gerühmt, Revue passieren ließen, haben auch 2010 auf die Melodie eines Gassenhauers von Michael Jackson eine Rückschau gedichtet und vielstimmig intonieren lassen.

Erneut durchaus humorig:

Wer als erster das richtige Lied errät, darf sich einer brauchbaren musikalischen Bildung rühmen. Ich selbst habe tatsächlich erst im Refrain die Quelle erkannt und schäme mich jetzt ein bisschen.

(… ungefähr so war dieses 2010 dann ja auch insgesamt. scheißegut und unterschätzt.)

Bis 2011!

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt XXXII: Vom Singen, Sprechen und Kotzen

Viel Getöse veranstalten die guten und weniger guten Medien seit einigen Monaten, als die GEMA im Auftrag der VG Musikedition – dies wird selten bemerkt – Kindertagesstätten angeschrieben hatte, sie, die Kindertagesstätten, sollten doch bitte eine Pauschale für das Kopieren von Notenblättern zahlen. Gehirnakrobaten wie die Schreiberlinge von BILD, aber leider auch die seriöser Magazine, haben es seitdem versäumt, die Kindertagesstätten mal zu fragen, was denn eigentlich genau in den Anschreiben steht, und beschränken sich darauf, von einem „Singverbot“ zu schwadronieren und davon, dass Kinder, die noch nicht mal lesen können, jetzt nicht mehr von Notenblättern ablesen dürften, ohne horrende Gebühren zu bezahlen; allein: das durften sie nie.

Das entsprechende Gesetz ist schon einige Jahrzehnte alt: Das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Partituren erfüllt den Straftatbestand der unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke, auch „Privatkopien“ sind ausnahmsweise nicht gestattet. Der Verein Musikpiraten e.V. stellt zwar unter freier Creative-Commons-Lizenz stehende Alternativen zur Verfügung, nichtsdestotrotz sollten die Politiker gerade auch der F.D.P., die sich jetzt dem Volk am nächsten zeigen möchten, weniger populistischen Unfug in Totholzmedien rülpsen, sondern ihren Vertrag mit der Musikmafia, der einst das strittige Gesetz entstehen ließ, einseitig kündigen; selbst dann, wenn dadurch regelmäßige Spenden entfallen. Mehr weiß Stefan Niggemeier.

Apropos Gerülps:

Verkehrsminister Peter Ramsauer hat eine Mission: Der CSU-Politiker ruft zum Kampf gegen englische Begriffe auf.

Das (Quelle) ist prima und ein Grund, Herrn Minister Ramsauer wertzuschätzen, und darum möchte ich hier auch keinen Einwand erheben gegen den Inhalt der Meldung, sondern gegen die Publikumsreaktion in Form von Kommentaren untendrunter:

„Lasst euch von nem Unnötigen wie Ramschi nix erzählen“, bittet Anonymus „LouChypher“, der sich in keiner Sprache zurechtzufinden scheint. „Elric“ stört es, dass man versuche, ihm sein geliebtes schlechtes Englisch zu nehmen, denn es sei „Bullshit“, schließlich solle „[d]er Typ … vernuenftig reigeren und nicht populistische Scheingefechte schueren“; er, Ramsauer, sei „der reinste circle-jerk“. Der passend benamte „Deutschtrottel“ postuliert, er könne „ja nichts dafuer, dass mache Politiker zu bloed sind um Englisch zu reden“, erklärt jedoch auch nicht, wer etwas dafür kann, dass er ein Deutschtrottel ist.

Zuspruch ist in der Masse von inzwischen über 1.400 Kommentaren nur wenig zu finden, einige gewitzte Leser stimmen zwar „im Prinzip zu“, weisen dann aber auf das „Aber“ hin, so etwa Kommentator „Harka“, der da schreibt: „Gespannt bin ich auch auf seinen Alternativvorschlag zum „Handy“, einen englischen Begriff, den es im Englischem gar nicht gibt“, kein Problem: Im Englischen, wie auch im Deutschen, nennt sich das Gerät nämlich schlicht Mobiltelefon, gern geschehen. Andere, etwa „ccc“, missverstehen Herrn Ramsauer, denn „mit aller Gewalt aus dem Laptop einen Klapprechner zu machen [sei] einfach nur lächerlich“, ja, nur versucht Herr Ramsauer es nicht mit Gewalt; anders etwa hier nicht näher benannte Institutionen, die „Jobcenter“ und „Servicepoints“, gern auch „Service Points“, betreiben, angesichts derer ich meinerseits übrigens auch nicht immer ohne Gedanken an Gewalt meiner Wege gehe. Es ist ungemindert erstaunlich, wie bereitwillig sich manche Menschen ins Abseits stellen. (Danke an M.)

Eine schließlich dann noch eine etwas weniger erheiternde Meldung ist diese:

Sie war magersüchtig und stellte ihren gepeinigten Körper zur Schau, um andere vor der Krankheit zu warnen. Wie jetzt bekannt wurde, ist das französische Model Isabelle Caro in einem Krankenhaus in Japan gestorben – vermutlich an einer Lungenentzündung. (…) Sie war 1,64 Meter groß und wog gerade einmal 31 Kilo, als sie sich von Starfotograf Oliviero Toscani [im Jahr 2007] nackt für eine Kampagne gegen Anorexie fotografieren ließ.

Konträr hierzu stellten die „Frauenärzte im Netz“ im März 2010 zum Thema Magersucht fest:

Im Vergleich zu 2000 hat sich die Zahl der Behandlungen um über acht Prozent erhöht.

Mal ganz ehrlich, ihr jungen, dummen Dinger, die ihr hier mitlest:
Ist das etwa attraktiv? (Vorsicht: Albtraumgefahr.)

Ihr missversteht da etwas:

Dass 63 Prozent der 13- bis 14-Jährigen sagen, sie würden gerne besser aussehen, sei Besorgnis erregend, (…).

Es wäre sehr angenehm, sähet ihr besser aus, reduziertet ihr etwa eure fünf bis sechs Schichten Kajal und sonstige Schminke auf höchstens eine, denn was nützt euch künstliche Schönheit, wenn das, was eure künftigen Lebensabschnittspartner abends zu sehen bekommen, mit eurem zur Schau gestellten Konsumgesicht nicht mehr viel gemeinsam hat? Eine dauerhafte Beziehung, die schon mit einer Lüge beginnt, könnt ihr euch, haha, abschminken.

Stattdessen findet ihr es total prima, euch zu bemalen wie Harlekins oder zumindest Nutten auf der Reeperbahn nachts um halb drei und glaubt, man würde euch nicht angewidert ansehen, weil ihr euch schminkt und kleidet wie jemand, dessen Beziehungen nach Stundentarif vergütet werden, sondern weil ihr zu fett wärt. Immer noch ein bisschen weniger, Kleidung nur noch bei C&A in der Kinderabteilung kaufen und so lange hungern, bis ihr hineinpasst. Idealgewicht: 40 Kilogramm. Hauptsache, nicht so fett sein wie die beste Freundin, die immerhin fast 60 Kilogramm wiegt, das speckige Walross!

Bitte verschont uns mit eurem Anblick.

(Unglücklich gewählt ist übrigens diese Formulierung: „Essstörungen nehmen unter Frauen und Mädchen zu“. Hihi!)

Sonstiges
Medienkritik XLIV: Vorsätzlich Goethe

Ein possierliches Titelbild hat der SPIEGEL sich da für seine dieswöchige Ausgabe geben lassen, in der man, passend zum anstehenden Neujahrstag, unter anderem das Thema „Gute Vorsätze“ in ermüdenden Wortschwallen plattwalzt.

Auf den „Klebezetteln“ auf dem Titelblatt des SPIEGELs steht so manches, was als Vorsatz für das kommende Jahr gutzuheißen ist, etwa „Wählen gehen“ und „Nicht mehr rauchen“, aber auch etwas, was mich verblüfft:

„Goethe statt Sarrazin“ fordert der, von oben gezählt, dritte Klebezettel auf der rechten Seite, und angesichts des Umstandes, dass Sarrazins prima Buch unverändert die Bestsellerliste des SPIEGELs anführt, macht mich das schmunzeln.

Warum aber ausgerechnet Goethe? Gemessen an heutigen Maßstäben würde man Goethe wohl gemeinhin einen „linken Gutmenschen“ nennen, stets warnend vor dem politisch Radikalen. Der SPIEGEL, so scheint es, möchte sich gern wieder links positionieren, eventuell auch deshalb, weil seine Leser aufgrund des Allerwelts-Einheitsbreis, den er mittlerweile kredenzt, lieber anderswo speisen, und dazu passt es dann auch, dass Henryk M. Broder, einer der letzten kritischen Kolumnisten des SPIEGELs, nunmehr für die konservative Konkurrenz schreibt, was den SPIEGEL der Beliebigkeit ein weiteres Stück näher rückt.

J.W.v.Goethe jedenfalls, so schlägt man in der SPIEGEL-Redaktion vor, solle man statt Thilo Sarrazin lesen, und das führt man nicht weiter aus, denn Sarrazinvergleiche sind gerade im Trend und sprechen für sich; Hitler war gestern.

Nun allerdings hat der gute Herr Goethe letzlich auch nichts anderes geschrieben als Sarrazin (oder eben Broder), etwa dieses aus seinem Nachlass stammende Zitat:

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen.

Denn das, was man dieser Tage gemeinhin als Toleranz missversteht, ist nichts anderes als eben die Duldung fremder Kulturen unter Aufgabe der eigenen, und das ist heute so wahr wie zu Goethes Lebzeiten.

„Goethe statt Sarrazin“ ist eine reichlich seltsame Anwandlung, denn im Gegensatz zu Sarrazin ist Goethe zwar allgemeingültig, aber nicht aktuell, relevant zwar für das Leben, nicht aber für das Tagesgeschehen. Ich schlage vor: „Goethe und Sarrazin statt gar nichts und Sarrazin“. Das klingt natürlich nicht so griffig.

NerdkramsProjekte
Neues Projekt: Tabbed Plaintext (TTXT) – Hilfe gesucht.

Woran ich, außer natürlich an TinyTodo und eMule beba, gerade so arbeite, wenn es, kurz vor den Klausuren des Wintersemesters, Zeit und Lust zulassen, ist ein neues Dateiformat, das ich ersann, während ich die aktuelle Halbjahresrückschau in Form brachte, und erstmals im Forum von DonationCoder.com einem nicht unerfreuten Publikum präsentierte.

Ich nenne es „Tabbed Plaintext“, getabbten Reintext also, kurz „TTXT“, und die Idee dahinter ist so simpel, dass ich recht erstaunt bin, dass ich sie bisher noch nicht in Aktion gesehen habe:

Der Nachteil einer in Reintext (meist auf .txt endend) verfassten Notizdatei ist, dass man sie nicht in „Kapitel“ aufteilen kann. Will man etwa unterschiedliche Aspekte des gleichen Themas visuell voneinander abgrenzen, so muss man bislang darauf zurückgreifen, separate Dateien zu erstellen, was auf Dauer recht unübersichtlich werden kann, oder etwa mit einer Textverarbeitung mehrseitige Dokumente erstellen, die dann natürlich auch nur mit dieser Textverarbeitung vollständig kompatibel sind und obendrein unnötig Speicherplatz belegen, da man all die tollen Formatierungsmöglichkeiten oft schlicht nicht benötigt.

Der Ansatz von TTXT ist also, dass man in einer einzigen Datei beliebig viele „Kapitel“ platzieren und visuell voneinander abgrenzen kann, ohne die größtmögliche Kompatibilität mit gängigen Texteditoren zu verlieren. Eine Datei in diesem Format lässt sich mit einem beliebigen Texteditor bearbeiten. Jedes „Kapitel“ soll, wenn die Datei in einem noch zu entwickelnden TTXT-Editor geöffnet wird, dann als eigener Tab dargestellt werden.

Eine TTXT-formatierte Datei, „testdatei.ttxt“, sieht etwa so aus:

TTXT VERSION 1

-------------

Dieser Text steht auf Seite 1.
Und er kann auch mehrzeilig sein.

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Seite 2 und somit der letzte Teil des Beispiels
beginnt und endet hier.  :-) 

Die Darstellung erfolgt dann im Optimalfall so:

Eine einigermaßen vollständige Dokumentation des TTXT-Formats (auf Englisch) habe ich auf einer gesonderten Internetseite platziert. So weit die Theorie.

Nun allerdings benötige ich eure Hilfe, denn für die praktische Umsetzung der Idee fehlen mir die Fähigkeiten.
Wer gern etwas beisteuern möchte, ist eingeladen, sich im Forum oder im IRC – oder einfach hier per Kommentarfeld – zu melden. Auch Ideen allgemeiner Art sind willkommen.

Ich danke im Voraus. :-)

In den NachrichtenMusikNerdkramsNetzfundstückeProjekte
Grußlos.

Gemäß einer impliziten Empfehlung der Europäischen Kommission und unverändert beeindruckt von der schlichten Phrase „Wir in Europa“, die Dr. Angela Merkel im vorigen Jahr einem Kampfschrei gleich ertönen ließ, verzichte ich als europäischer Weltbürger auch in diesem Jahr auf die Unsitte digitaler Weihnachts- oder Chanukkagrüße an meine Leserschar. Stattdessen freue ich mich, auch in diesem Jahr erfolgreich von allein aus kalendarischen Zwängen gekauften und essenziell bedeutsamen Geschenken aktiv wie passiv Abstand genommen haben zu können, und verweise fürs spätere Feiern auf die hierzulande weniger bekannten Gedenktage.

Direkt nach Weihnachten nämlich, am 28. Dezember, begeht die römisch-katholische Kirche, das ist die hier, den Tag der unschuldigen Kinder. Diese Konstellation ist eigentlich überaus erheiternd.

(Apropos „unschuldige Kinder“, Kinder in den USA wachsen offenbar mit einem erschütternden Selbstverständnis auf, wie das „Lied“ Respect And Obey belegt. „Respektiert die Obrigkeit! Gehorcht der Obrigkeit!“: So eine Kindheit stelle ich mir nicht sonderlich angenehm vor. Und das „Lied“ ist auch wirklich sehr, sehr schlecht.)


Ansonsten eventuell bemerkenswert ist, dass ich neulich beim Aufräumen meines seit einigen Jahren verwaisten ehemaligen Projektarchivs ein PHP-Skript gefunden habe, das bisher unveröffentlicht blieb; der Font-Lister (herunterzuladen hier) bietet eine Vorschau für alle auf dem (Windows-)Rechner installierten Schriftarten bzw. versucht es. Man übergebe ihm eine Verzeichnisliste des Schriften-Verzeichnisses, er erledigt den Rest. Vielleicht ist das für irgendwen aus irgendwelchen Gründen noch von Interesse, für mich nicht mehr.

Netzfundstücke
Prima Bilderhosting: min.us

Mitunter möchte man gern einfach schnell ein Bild hochladen. Während das schreckliche „Web 2.0“ an Bedeutung gewann, sprossen die Bildhostingdienste quasi wie Pilze aus dem Boden. TinyPic.com, ImageShack, Photobucket und viele andere Dienste ergänzten das unüberschaubare Angebot an „sozialen Netzen“, die ihrerseits für theoretisch beliebig viele Fotografien Platz boten und teilweise bis heute bieten.

Eins jedoch haben all diese Dienste gemein: Nach und nach begannen sie, „Premiumdienste“ anzubieten und die kostenlosen Dienste nicht mehr oder nur nach Installation zusätzlicher Software für das komfortable Hochladen und Verteilen von Bilddateien tauglich zu belassen. (Konsequent ist hier immerhin Photobucket, wo ohne Anmeldung gar nichts geht.)

Eine unbedingt beachtenswerte Alternative stellt das recht neue min.us dar.

Der Name ist Programm:
Statt eines Formulars zum Hochladen von Dateien erspart min.us jeden Mehraufwand und begrüßt den Benutzer angenehm übersichtlich:

Was man tun muss, steht unten; entweder klickt man auf „select your files“ und gelangt dann zu einem immerhin recht hübschen Formular, das wie gewohnt mit Dateiauswahl formuliert, oder man geht intuitiv vor und zieht die Dateien – ja, es gehen auch mehrere gleichzeitig – einfach auf die große freie Fläche:

Dann rechnet min.us ein bisschen herum und zeigt lustige Fortschrittsbalken und präsentiert danach die hochgeladenen Grafikdateien mit Vorschau und BBcode-/HTML-Links:

Sämtliche gängigen Bilddateitypen inklusive APNG (animierte .png-Dateien) und Browser werden von min.us angeblich unterstützt, ein Verlust an Komfort ist auch ohne (kostenlose) Registrierung nicht festzustellen. Ein Spendenlink ist derzeit nicht auf der Seite zu finden, und so kann ich nur hoffen, dass die beiden Betreiber dieses hübsche Experiment nicht irgendwann als ein solches beenden.


Nachtrag vom Februar 2013: Zurzeit versuchen die Betreiber von min.us ein „soziales Netzwerk“ aus ihrem Dienst zu machen. Die Android-app ist zurzeit zum Hochladen von Bildern nicht mehr geeignet. Ich empfehle Beschwerdemails – bisher war man seitens min.us sehr offen für Beschwerden.

KaufbefehleMusikkritik
Eatliz – Teasing Nature

Wie angedroht schreibe ich jetzt eine kleine Rezension von Eatliz‘ Zweitling „Teasing Nature“ und bin da wohl der Erste, zumindest finde ich gerade keine Gegenbelege. Schade, zu viele Texte gibt es schon über wirklich schlechte Musik, aber nur wenige über solche wie die von Eatliz.

Eatliz, manchmal auch EatLiz, heißt auf Hebräisch „Schlachthaus“, sieht aber nicht ganz so blutrünstig aus, wie Bilder belegen. Das Debütalbum „Violently Delicate“ von 2007, einige Monate lang legal und ohne Mehrkosten online zu beziehen, inzwischen wohl nicht mehr, hat mich ebenso wie der/die/das folgende EP „Delicately Violent“ an den Eiern gepackt und an die exquisiten Stolen Babies, deren zweites Album irgendwann 2011 ebenfalls erscheinen soll, erinnert; insbesondere die Stimme von Sängerin Lee Triffon steht der von Dominique Persi nur wenig nach. Israel scheint ideale Bedingungen für die Geburt richtig guter Musiker zu bieten.

Und nun „Teasing Nature“, „die Natur sticheln“, was nach einem zweckfreien Unterfangen aussieht.
Der Pressetext bereitet Sorge:

Their new and exciting album, Teasing Nature, finds the band after a self reflecting and soul searching process and it marks the beginning of a new way for them in a long and uncompromising journey. The album takes the band out of its comfort zone by being experimental mainly because it has no Metal elements (that have been very dominant in the past albums), this has opened the way for the band to use keyboards and electronics.

Tatsächlich beginnt das eröffnende „Your House“ zurückhaltend und bleibt es auch über den ersten Refrain hinaus. Erst in der letzten Minute scheppert es wieder, wie der Volksmund sagt, im Karton. Apropos Refrain, der Refrain von „Your House“ ist zu meinem Bedauern ein ziemlich ohrwurmiges Stück Musik mit Chorgesang, beides nicht unbedingt Qualitäten, die ich bis dato dieser Band zugeschrieben hätte, aber: Sie können’s!

Und sonst so? Elektronica („Berlin“, „Goldie“), Indie-Pop/Rock („O.K.“, „Lose This Child“), Klavierballaden („Got It“), Funkiges („Nine“), aber eben auch weiterhin die gute alte Krachmusik („Voice Over“). Neben „Your House“ stellt aber „Tears“, ein rhythmuslastiges Indierockstück, das sich nach etwas mehr als zweieinhalb Minuten in einer wahren Geräuschorgie entlädt; es pfeift, es tutet, es dröhnt, es brummt, allmählich verhallt Frau Triffons hier recht bluesige Stimme, dann ist Schluss. Prädikat: RIO/Avant. Klingt gut und wird viel zu selten gespielt.

Ja, fort ist der Metal. Er ist einer stilistischen Neuausrichtung gewichen, die andere Bands (I Like Trains, The Raveonettes und ähnliche ehemals prima Musiker) leider vollkommen versiebt haben (Peter sieht das anders).

Womit haben wir es auf „Teasing Nature“ also zu tun?

„Radiokompatibel“ ist ein böses Wort, aber nachdem Radiosender nun bereits „Last Christmas“ verbannen, bin ich guter Dinge, dieses Adjektiv in absehbarer Zeit wieder in positivem Kontext nutzen zu können, ohne die falsche Klientel anzusprechen. Derweil beschränke ich mich darauf, „Teasing Nature“ jedenfalls gefällig und unerwartet eingängig zu nennen.

Wenn das die „neuen Eatliz“ sind, dürfen die alten gern bleiben, wo der Pfeffer wächst.

NetzfundstückePiratenpartei
Wählt keine Piraten!

Kaum überlässt man die Radikalfemanzen (ich berichtete unter anderem hier) mal für eine Weile sich selbst, bereut man es. Hätte ich es nicht so spät in der Nacht erst gesehen, ich hätte mir vermutlich vor Schreck irgendwas über die Hose geschüttet.

Bekanntlich finden im kommenden Jahr einige Landtagswahlen statt, für deren Resultate unter anderem die jeweiligen Landesverbände der Piratenpartei als derzeit am wenigsten unwählbare Partei zur Wahl stehen. (Bedenkt: Wer nicht wählt, wählt CDU!) Das hätte ich als nicht von jenen Wahlen Betroffener wohl noch nicht bemerkt, hätte „Isi“ nicht in ihrer bekannten Weise ein Hetzpamphlet gegen die Piratenpartei veröffentlicht, das sich selbst dermaßen persifliert, dass es eine wahre Freude ist. Ich erlaube mir einmal einige Zitate aus den „10 Gründen, die Piratenpartei und deren Direktkandidaten NICHT zu unterstützen oder zu wählen“:

1. Die Piratenpartei besteht überwiegend aus politisch Einfältigen und anderen Heuchlern.

Von Beginn an stehen die Mitglieder der Piratenpartei dazu, auf dem Feld der Politik noch unerfahren zu sein, politische Einfalt vermisse ich jedoch, denn die sammelt ihre ganze Kraft in konservativen Parteien wie der CDU und den Grünen. Konservativismus hat immer auch etwas rückständiges an sich. Nein, „Isi“, niemand heuchelt. Die Piratenpartei lässt andere Meinungen – aus jeglichem politischen Spektrum – ausdrücklich zu, so lange sie mit der Satzung und dem Kodex konform gehen, und radikalfeministisches Herumgepöbel im Forum der Piratenpartei zählt nicht dazu. Aber, „Isi“, wenn man dich („Sie“ bedingt Respekt, und Respekt ist keine Gottesgabe) maskulistisch vollpöbeln würde, du würdest binnen kürzester Zeit das Gespräch abbrechen, nicht wahr? Du intoleranter Heuchler!

3. Piratenpolitik ist sexistisch, widersprüchlich und realitätsfern.

(…) Eine strukturelle und direkte Diskriminierung von Frauen wird nicht nur verleugnet, sondern selbst praktiziert. Dennoch behaupten, Piraten Sexismus bereits überwunden zu haben, einfach weil sie ihn neu definieren und kritische Hinweise ignorieren und als „Diskriminierung der Männer“ verachten und aktiv mit einer parteiinternen AG Männer, die sich gezielt gegen die „Diskriminierung der Männer“ ausspricht, bekämpfen.

Wer Gleichberechtigung und Selbstbestimmung wichtig findet, wird keine Piraten wählen.

Wer Gleichberechtigung und Selbstbestimmung wichtig findet, für den fängt Gleichberechtigung nicht mit gezielter Frauenförderung an, sondern damit, auch die Männer mal auf ihre gesellschaftlich geduldete Unterdrückung hinweisen zu lassen. Sexismus beginnt dort, wo man Menschen nach ihrem Geschlecht sortiert. (Die diversen „AG Frauen“, zeitweise drei an der Zahl, wurden wohl versehentlich in der Argumentation vergessen.)

4. Piraten sind Postdemokraten und beschützen und verteidigen Faschisten, Soziopathen und Kriminelle!

Faschisten wie die meisten Gründungsmitglieder der CDU, Soziopathen wie das sexistische Femanzenduo „Isi“ und „Piratenweib“, Kriminelle wie die Kinderporno-Vorführtante Ursula von der Leyen – sie alle haben eins gemeinsam: Die Piratenpartei beschützt sie nicht.

Wer Antifaschismus ernst nimmt, ist kein Mitglied der Piratenpartei.

Wer Antifaschismus in Zeiten, in denen DVU und NPD sich wegen Mitgliedermangels zusammenschließen müssen, noch so ernst nimmt, dass er wiederholt zu antidemokratischen Straftaten aufruft, ist mir weder ein willkommener Mitpirat noch habe ich allgemein Interesse daran, mit ihm auf demselben Planeten zu leben oder auch nur zu sterben.

6. Piratenpolitik ist Stellvertreterpolitik.

Gratuliere, „Isi“, du hast verstanden, wie so ein Bundestag eigentlich funktioniert. Da trifft sich nicht das Volk, da treffen sich die Politiker. Das Volk darf aber, unabhängig von seiner politischen Präferenz, zusehen. Gehst du auch manchmal hin und winkst, wenn die Onkels und Tanten von der Regierung zu dir gucken?

7. Die Piratenpartei hat keine Ahnung vom Datenschutz.

(…) Die Piratenpartei hat vom Datenschutz soviel Ahnung wie eine Henne vom Klavier spielen.

Aber zum Glück haben wir die anderen Parteien, deren Bestrebungen darauf abzielen, das Wort „Datenschutz“ zum Terrorverdacht umzudeklarieren. Pah, Piraten mit ihrem technischen Dilettantentum!

9. Die Piratenpartei betreibt Lobbyismus.

So ist das in der Politik: Es wird immer eine Gruppe von Menschen geben, die von einer politischen Entscheidung profitiert. Die AG Drogen beschließt, Legalisierung von Cannabis ins Programm aufnehmen zu lassen? Eindeutig Lobbyarbeit für Herausgeber von Hanfmagazinen! Die Linke will mal wieder Lichterketten gegen Rechts errichten? Klar: Lobbyarbeit für Kerzenproduzenten! CSU-Funktionäre auf dem Oktoberfest? Davon profitieren doch wieder nur die Brauereien!

10. Die Piratenpartei ist nicht basisdemokratisch.

(…) Die besondere „Basisnähe“ der Parteiführung drückt sich übrigens darin aus, die Hierarchie von oben nach unten wirken zu lassen und nicht umgekehrt.

Die besondere Basisdemokratie der Piratenpartei drückt sich übrigens darin aus, dass auch schon mal ein Parteivorsitzender von der Basis überstimmt wird, das zwar nicht so toll findet, aber sich der Mehrheit beugt. Das sollten andere Parteien auch mal machen, also das mit der Mehrheit.

Jedenfalls fasse ich zusammen:
Die Piratenpartei ist sexistisch, antifeministisch, tolerant selbst gegenüber Wirrköpfen, realitätsfern und voller Idioten.

Das sind fünf Argumente, warum man sie als Volkspartei bezeichnen sollte, denn so nah am Volk ist keine andere mir bekannte Partei.
Und genau darum sollte man sie wählen.

Tüdeldü, nicht ganz dicht.
– Leibwächter von The Who, c/o „Die Simpsons“

FotografieSpaß mit Spam
Zuverlässiges Personal ist schwer zu finden.

Ein Foto vom diesjährigen Hannoveraner Weihnachtsmarkt, für das mir bis eben kein guter Kontext eingefallen ist:

Nun aber apropos „lange Dicke“: Während ich mich hier dem neuen Album „Teasing Nature“ von Eatliz widme (bei besonderem Gefallen meinerseits folgt eine ausführlichere Rezension), trifft eine Mail von Arina Christensen, indische Mailadresse, ein, der ein Foto beigefügt ist, dessen Motiv zwar wie eine Arina, nicht aber wie eine Inderin aussieht. Und was möchte die Gute von mir? Natürlich nur mein Bestes!

Sie scheint aber an die falsche Adresse geschrieben zu haben, wozu auch das „An“-Feld der E-Mail passt, denn die dort notierte Mailadresse gehört mir nicht:

Ich interessiere mich fur einen zuverlassigen Freund

An sich scheint die augenscheinlich junge Dame andererseits mit einer interessanten Persönlichkeit ausgestattet zu sein. Wachen Blickes lese ich also:

Grettings! Wie sind Sie??

Ich musste die Anrede tatsächlich mehrmals lesen, bis ich sah, dass nach dem Wie, nicht nach dem Wer gefragt wurde. Wer sie jedenfalls ist, verschweigt sie auch nicht:

Ich bin glücklich, fröhliches Mädchen.

Ich bedanke mich für die Information, aber warum dann die E-Mail? Ach so, ja; weil da noch was fehlt:

Ich möchte wirklich meine zweite Hälfte des Lebens finden!

Mit dem Alter lag ich wohl daneben, wenn die zweite Hälfte des Lebens so dringend gesucht wird. Bei der aktuellen Lebenserwartung geht die Gute statistisch offenbar doch schon auf die 40 zu. Na, positive Eigenschaften bringt sie immerhin genug mit, man muss sie nicht bekochen oder einen Urlaub mit ihr auf Balkonien befürchten:

Ich bin satt, single…
Ich habe viele Interessen, Ich mag Sonne, Strand und Reisen.

Zudem ist Arina belesen und rezensiert quasi nebenbei ihren aktuellen Schmöker, leider verschweigt sie dabei, welcher es ist, so dass ich leider keine Kaufempfehlung aussprechen kann:

Ich mag auch unter einer warmen Decke sitzen und lesen, was ein interessantes Buch.

Und wie es sich für eine polyglotte Frau gehört, ist sie auch noch anthroposoph:

Ich mag auf unterschiedliche Menschen kennen.

Und wie könnte man diesem Ziel schneller nahe kommen als mittels massenhafter Rundpost an unbekannte Empfänger? Nicht nur talentiert und vielseitig, auch kreativ ist sie, die Frau Christensen. Ach, Freunde, ich glaube, ich bin überwältigt.

PersönlichesSonstiges
Warum Deutschland verblödet

Für den kleinen Hunger zwischendurch(Den folgenden Text werde ich einmal im Dialekt der mir nahezu täglich begegnenden Jugend zu verfassen versuchen, weil ich mal wissen will, wie das ist.)

Also ich geh so vorgestern wieder durch Hannover über’n Weihnachtsmarkt und vorher so in den Zeitschriftenladen im Bahnhof und ich seh da so ’ne Menge Zeugs.

Neben Computermagazinen, die voll den Mist schreiben („Rapidshare leersaugen“, sic!), hatten die auch Bücher und so.

(Herrje, das fühlt sich schäbig an. Apropos schäbig. Ich unterbreche das Experiment hier und fahre wie gewohnt fort.)

Außer dem üblichen Politikbrei („Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen“, für Teil 2 schlage ich „Die Abzocker: Wie raffgierige Autoren damit Geld verdienen“ vor) hat zu meiner Erschütterung der Anteil an Büchern über den Kulturverfall Deutschlands zugenommen. Einige Beispiele:

Einige haben daraus gar eine Serie gemacht und verdienen so gleich das Doppelte:

Einige Autoren nennen nicht nur Anekdoten, aus denen sie den Umstand herleiten, dass „wir“ „verblöden“, sondern warten auch mit Ursachen für diesen Umstand auf. Einige benennen dabei das Fernsehen als Übeltäter, andere die Politik, wieder andere kommen auf ganz andere Ideen, aber eines vergessen sie allesamt:

Ein Volk, das alle Jahre wieder sein durch Finanzkrisen und Krieg arg dezimiertes klägliches Gehalt für Bücher ausgibt, die es darüber informieren, dass es doof ist, wird die wahren Ursachen für den Kulturverfall nie gänzlich zu begreifen imstande sein.
Die Mutter der Idioten, so sagt man, gebiert täglich.

(Übrigens habe ich in der Nacht von gestern auf heute erstmals selbst erlebt, dass einige Verkehrsunternehmen jedes Mal völlig überrascht sind, wenn es im Winter schneit.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt XXXI: Bäume des Schreckens

Dass sich auch dem schrecklichen Thema Weihnachten noch etwas abgewinnen lässt, das dem gequälten Informatikstudenten ein Schmunzeln abringt, zeigt heute xkcd:

(Zu den Hintergründen für Leute, die nicht vom Fach sind: Heap, Baum.)

Ansonsten unbedingt beachtenswert ist Das Dokument des Grauens, eine bislang zweiteilige, unter der CC-BY-NC-Lizenz veröffentlichte (und somit freie) Dokumentation der Horrorfilmgeschichte von 1896 bis 1945 mit vielen Parallelen zu den gesellschaftlichen Entwicklungen; so wird etwa der Fall von Jack, dem Schlitzer, als eine der Inspirationen für derlei Amusement aufgeführt. Es handelt sich somit um ein umfassendes Kompendium, das auch die oft nur wenige Sekunden langen Filmexperimente aus der Anfangszeit der Kinematoskopen kurz erläutert und so auch für diejenigen meiner Leser, die von Horrorschinken nicht viel halten, interessant sein könnte.

(Apropos „Dokument des Grauens“, habt ihr schon das Abstimmungsverhalten der Parteien in den Landtagen zu der Novellierung des JMStVs gesehen? Albtraumhaft!)

Sonstiges
Der Supermarkt als Spiegel der Wirklichkeit

Weihnachten, die Zeit, in der die meisten Menschen nicht mehr alle beisammen haben beisammen zu sein beabsichtigen, ist eigentlich schon traurig genug, betrachtet man einmal seine Verehrer, die Familienleben vom Kalender abhängig machen und Religion mit bloßer Bereitschaft zum Konsum gleichsetzen. Die sich angesichts dieser Umstände geradezu aufdrängende Apathie wird jedoch immer wieder auf eine harte Probe gestellt, die Wirklichkeit ist im Dezember zynischer als in den anderen elf Monaten.

Auf meinem heutigen Gang durch das lokale Einkaufszentrum suchte ich aus Gründen unter anderem den dortigen Supermarkt auf. Dieser, ich berichtete, gibt sich weihnachtlich in der meistverbreiteten, aber inakzeptabelsten Definition von „weihnachtlich“, seit die Bäume sich allmählich entblätterten, und fährt nunmehr richtig schweres Geschütz auf:

Neben Regalen mit „weihnachtlichem Gebäck“ (krümeligem überzuckertem Zimtmatsch), „weihnachtlichen Spirituosen“, „weihnachtlicher Dekoration“ stand ein weiteres Regal, mittels dessen der Betreiber des Supermarktes ein Fertiggericht anpreisen ließ. Es handelt sich um dieses offenbar neue Fertiggericht, das mir bis dato tatsächlich unbekannt war:

Miracolí Avanti

1 Portion

So kontrastiert der Supermarkt das Zerrbild einer glücklichen Familie, wie es die Fernsehsender alle Jahre wieder als Ideal vorbeten, subtil mit dem nur wenig feierlichen Heiligabend gerade der Zuschauer, an die sich diese Zurschaustellung exaltierter Menschlichkeit wohl wenden soll; Einzelgänger und Junggesellen inbegriffen.

Eine Portion genügt. Frohes Fest.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Infokräääääg!

Achherrgottnocheins,

wenn man den Nachrichten glauben darf, wird die Menschheit in Bälde ausgelöscht worden sein, da der „Informationskrieg“ um WikiLeaks „tobt“.

Ich weiß jetzt noch nicht, welchen Sinn das Wort nun hat; besteht der „Krieg“ darin, dass man sich gegenseitig mit Informationen beschießt? Ist es ein „Krieg“ darum, wer die Informationen nun haben darf? Egal; Fakt ist, dass die Welt in kriminelle Hacker (laut Interview mit Udo Vetter wie jemand, der Holz hackt, auszusprechen, nicht also „Häcker“) und die USA zweigeteilt ist und wir alle davon betroffen sind, weil irgendwelche Wurstprojekte wie PayPal („jetzt noch sicherererererusw.“) nicht mehr funktionieren und jedenfalls längst mit virtuellen Atombomben gedroht wird; tschüss, Abendland.

Ja, im Internet ist was los, aber irgendwie bezweifle ich, dass der Normalbürger einen Verlust an Lebensqualität zu befürchten hat. WikiLeaks ist erst wegen des Riesenboheis nicht mehr abschaltbar, der Rest des Internets hat kaum etwas zu befürchten. Mit etwaigen staatlichen Zensurmaßnahmen wäre das Problem nicht zu lösen, weshalb sie nicht wahrscheinlicher sind als zuvor auch.

Aber dieser ganze Aufstand ist irritierend, weil die am lautesten krähen, die vorher nicht mal vom Gackern eine Ahnung hatten. Die bislang treffendste Pointe hierzu hat, wie so oft, xkcd im Titeltext untergebracht (einfach mit der Maus über den Bildwitz fahren); er lautet übersetzt:

Schüler rufen in Massen Präsident Johnson an, damit das Bombardement beendet wird, und es hat die Telefonvermittlung blockiert. Könnten sie unsere kritischen Telefonsysteme zum Kollaps zwingen? Hat der erste Telefonkrieg begonnen? Bleiben Sie dran für weitere Informationen zu dieser gefährlichen neuen Technik.

Ob solche Schlagzeilen wohl den Vietnamkrieg beherrscht haben?
Ich bezweifle es.

In den NachrichtenPolitikSonstiges
Von wegen DDR

Zu einem politischen Schenkelklopfer zum Wochenbeginn lädt heute die Titelseite der Süddeutschen Zeitung ein.

Wir erinnern uns: Wolfgang Kubicki, seines Zeichens schleswig-holsteinischer Fraktionschef der F.D.P., hatte im Interview mit dem SPIEGEL seine Partei mit der DDR verglichen, ein in letzter Zeit beliebter Freizeitsport, oder genau genommen eben nicht, aber genau so gebärden sich die Parteioberen und erledigen das also selbst:

Genosse Guido sitzt in seinem Gebrauchtwarenladen, das Pepitahütchen fest über die Ohren gezogen, verkündet trotzherzig, den Liberalismus in seinem Lauf hielten auch in den kommenden hundert Jahren weder Ochs noch Esel auf; aus dem Politbüro ertönt die Stimme von Volkswirtschaftsminister Brüderle, der verantwortungslose Abweichler möge gefälligst das Meckern einstellen (…).

Und so berichtet dann nun heute auch die Süddeutsche Zeitung, in der F.D.P. sei man empört – empört!!11 – über diesen Vergleich, denn die DDR sei, das steht allerdings nicht im Text, wohl eher nicht so beliebt; dies im Übrigen von der Partei, die mit Hans-Dietrich Genscher einen der wichtigsten Protagonisten der so genannten deutschen Einheit in ihren Reihen hat. (Folgerichtig hätte die Schlagzeile heißen müssen: „Ehemalige DDR-Politiker distanzieren sich empört von der F.D.P.„; hieß sie aber nicht.)

Ich persönlich halte es jedenfalls auch für abwegig, F.D.P. und DDR auch nur hypothetisch zu vergleichen. Derart schlechte Umfrageergebnisse hätte es in der DDR nie gegeben.


(Sitzt doch heute im ÖPNV in Hörweite so ein Realschüler und macht, während seine Mitschüler sich unter Zuhilfenahme der Hände gegenseitig echauffieren, Geräusche, wie man sie einst von Beavis & Butt-Head vernahm, derweil einer jener Mitschüler „Ich schlage keine Opfer“ dummschwallte, sich wohl schrecklich überlegen fühlend, aber nicht bemerkend, dass diejenigen, die er mit seinen Streichen traktierte, dadurch eben doch seine Opfer wurden; man kann eben nicht alles haben.)

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Musik 12/2010 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 7 von 17 der Serie Jahresrückblick

Kaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wieder vorbei. Regelmäßige Leser dieser Seite wissen, was sie erwartet, nämlich Teil zwei der Rückschau der unblödesten Musikalben 2010 nebst Rückblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, womöglich noch rechtzeitig für das ein oder andere Gewinnspiel.

Der Finalausscheidung – ich wollte euch keine Rückschau auf fünfzig oder mehr Alben bieten, das läse doch keiner – fielen unter anderem die Wise Guys zum Opfer, die mit „Klassenfahrt“ zwar ein im Prinzip nicht übles Album mit dem ziemlichen Kracher Hamlet veröffentlicht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau stagnieren. Wie immer habe ich es leider auch nicht immer geschafft, mich ausreichend umfassend mit einigen viel versprechenden Werken zu beschäftigen, unter anderem „Spacetrip On A Paper Plane“ von den Sahara Surfers; ich hoffe, ihr findet dennoch Gefallen an meiner Auswahl.

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