Die merkwürdige Angewohnheit zeitgenössischer Medien, die Definition einer Frau um „Menschen mit Gebärmutter“ und „Menstruierende“ zu reduzieren, lässt als zulässige Definition einer Frau immerhin noch „Mensch, der mal eine Gebärmutter hatte und/oder menstruiert hat, aber beides chirurgisch und/oder chemisch beendet hat“ zu.
„… von MEINEN Gebühren!“ (9)
Die „ARD-ZDF-Medienakademie“ bietet im kommenden Juni ein Seminar zu „investigativer Recherche“ an, das in der Kategorie „Journalistische Kernkompetenzen“ zu finden ist.
Wie ich den Bogen zu dieser Meldung (Archivversion) schlagen soll, …
Die stark gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel belasten Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders stark. Das hat eine neue Studie ergeben.
… weiß ich aber nicht. Naja, is‘ warm draußen.
Glück geschieht nicht von allein.
Kurz angemerkt zur .txt-Konferenz
Dass die Autoverbalerotiker aus dem Dunstkreis der gänzlich überflüssigen, weil nichts als die eigene Großartigkeit im hermetischen Raum bejubelnden Quasselveranstaltung „re:publica“ sich im Rahmen ihres diesjährigen Sichgutfindens zu einer Veranstaltung namens „.txt“, auf der es um das geschriebene Wort, und zwar „nicht nur um ‚Hochliteratur‘ “, gehen soll (wo bleiben eigentlich die Aktionärsveranstaltung „.csv“ und die Pornokonferenz „.jpg“?), ausgerechnet im „Glashaus“ (ebd.) treffen wollen, ist schon deshalb eine großartige Pointe, weil sie stimmt.
Flirten mit der „taz“
Kurze Durchsage von Lou Zucker für die „taz“:
Die Erwartungen von Frauen an Männern (sic! A.d.V.) beim Daten sind so gering – der geringste Respekt reicht aus, um sie zum Jubeln zu bringen.
Eine kurze Umfrage unter weiblichen Menschen in meinem Bekanntenkreis – ich schrieb mit Verweis auf den Artikel: „ich respektiere dich ein bisschen“ – ergab zu meinem Bedauern keine Welle des Jubels, sondern zahlreiche Ausdrücke der Verwirrung, ungefähr drei Fastblockaden und ein zwei explizit ironische Freudenemojis. Lügenpresse!
Medienkritik CXIX: Mit der „Rhein-Neckar-Zeitung“ das Hacken falsch lernen.
Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ („RNZ“) desinformiert in zwei Artikelserien (verlinkt werden will sie allerdings nicht – LSR) über einen „Hackerangriff“ auf das Rathaus in Schriesheim, in dessen Folge personenbezogene Daten ins fiese Darknet geraten sind:
Es ist derzeit noch nicht bekannt, welches Einfallstor die Hacker nutzten: War es möglicherweise ein mit einer Schadsoftware infizierter Anhang?
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Krautzone – Liebe // So blöd sein (in der EDV).
Es ist Montag. Ich fasse mich heute mal kurz. – So, ich habe mich kurz gefasst. War schön.
Die NSA, die schon mal einen Verschlüsselungsstandard mit Hintertür verabschieden ließ, verspricht, dass sie das diesmal ganz bestimmt nicht macht. Pfadfinderehrenwort (mit gekreuzten Fingern, weil, dann gildet’s nicht). Die Programmiersprache Rust hat derweil ihren ersten Angriff per Paketmanager überstanden, indem jemand eine schadhafte Bibliothek veröffentlicht hat und irgendjemand so blöd sein könnte, sie zu nutzen. Wir lernen es einfach nicht.
Was wir auch nicht lernen: Software, die ohne dauernden Funkkontakt mit ihrem Entwickler nicht mehr funktioniert, ist eine fundamental schlechte Idee. Technikblogs sind auch das virtuelle Papier nicht mehr wert, auf dem sie virtuell gedruckt werden; das ehemalige Qualitätsblog „Basic Thinking“ ließ schon im Januar dieses Jahres eine Marinela Potor daherquatschen, dass iPhones ja auch irgendwie „unter Linux“ laufen (tun sie nicht). Es war ein Fehler, jedem Bürger die Möglichkeit zu geben, sein mangelndes Technikverständnis öffentlich kundtun zu können. – Zitat der Woche, fast zum Thema: „Ein Internet, in dem man sich an jeder Ecke ausweisen muss, in dem Funktionen an Staatsbürgerschaften, staatliche und soziale Privilegien geknüpft werden, wäre kein Internet mehr.“
Raus aus der Technik, (endlich) rein in die Akustik: Neulich hat jemand für eine pathetische Schnulze irgendeinen Preis erhalten. Mit mir wäre das nicht passiert, denn hier beginnt eine Woche noch immer mit guter Musik.
Guten Morgen.
Lustige Berufe (7)
Günther bezeichnet sich unter anderem als «Abendbrotforscherin».
(Und das kann man beruflich machen?)
Punk zieht in den Krieg.
In Nordrhein-Westfalen wurde heute gewählt. Linke (wegen der AfD) wie Rechte (wegen der Linken) eint die Freude darüber, dass es eine Fünf-Prozent-Hürde für Landtagswahlen gibt. Ist das Punk?
Ach, die Frage kommt zu spät; was Punk ist und was nicht, ist 44 Jahre nach Sid Vicious und seinem Hakenkreuz-T-Shirt – Punk ist vor allem gegen die Norm – und damit in einer Zeit, in der es Linken gar nicht schnell genug gehen kann mit Nationalismus und Krieg (allein heute haben zwei weitere Staaten ihre Absicht zum Beitritt der NATO eilgemeldet verkündet), ja eine nur mehr akademische Diskussion. Punk schwingt heute Nationalflaggen und demonstriert für den starken Staat.
So passend wie putzig ist diese „Nachricht“:
In einem Interview erzählt Rocksänger Campino wegen des Ukraine-Kriegs viele alte Grundsätze auf den Prüfstand stellt. So würde er wohl auch heute nicht mehr den Wehrdienst verweigern, wie er es 1983 getan hatte.
Warum Kriege nur noch selten von denen ausgefochten werden müssen, die deren brutale Effizienz insbesondere für das Wirtschaftswachstum zu schätzen wissen, haben Bertolt Brecht und (später) Serj Tankian gefragt und keine Antwort bekommen. In dieser Tradition stehe auch ich, aber stolz darauf bin ich nur manchmal heimlich ein bisschen.
Campino verorte sich „politisch links und als Wähler bei den Grünen“, berichtet das „RND“ und begreift den Witz nicht. Im Überflussland sind das bürgerliche Kategorien, so viel ist klar, weil zu oft gehört. Punk ist nicht mehr gegen alles und vor allem gegen das System, Punk will das System jetzt militärisch verteidigen. Die F.D.P. „ist Punk“, wahlkämpferte es noch 2020 in Sex-Pistols-Tradition aus der F.D.P. Friedrichshain-Kreuzberg heraus. Mich überrascht nur noch wenig.
Volker Wissing hat Recht.
Das Internet ist amüsiert: Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr, hält das dauernde Hochladen von unsinnigen Essensfotos für auch für das Klima eher nicht förderlich, macht es aber selbst. Stattdessen, so wird vorgeschlagen, sollte er sich lieber für ein Tempolimit auf Autobahnen einsetzen, das sei sinnvoller.

Nun verbietet niemand – auch Volker Wissing nicht – es einem Autofahrer, auf der Autobahn nicht zu fahren wie ein Arschloch. Menschen, die wollen, dass man ihnen was verbietet, damit sie endlich damit aufhören können, sind mir grundsätzlich suspekt. Richtig ist hingegen die Annahme, dass dieses ständige Fotografieren- und Hochladenwollen von Belanglosigkeiten sich auf den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nicht positiv auswirkt, obwohl diejenigen, die Geld mit dem Vermieten von Computern anderer Leute („cloud“) erwirtschaften, das anders darstellen. Je mehr Byte durch die Gegend geschoben werden, desto mehr Energie muss dafür verwendet werden. Niemandem entginge etwas von bleibendem Wert, wenn die Anzahl an Fotoaufnahmen des Mittagessens anderer Leute innerhalb seines sozialen Kreises plötzlich stark reduziert würde.
Ebenso verhält es sich natürlich mit Aufnahmen der Frontkamera. (Ein Smartphone ohne Frontkamera würde ich übrigens durchaus kaufen wollen.) Das Bedürfnis danach, fortwährend sein Gesicht ins Internet zu kleben, ist zwar immerhin lebensgefährlich, aber die Umsetzung ist immer noch zu wenig unbeliebt. Das Usenet, in dem Bilder allenfalls als Link zugelassen waren, war für Werber und ähnliche gescheiterte Existenzen zwar aus genau diesem Grund ungeeignet, aber sein Charme wird vielen erst in der Zeit des Überflusses (mithin: Überdrusses) bewusst.
Volker Wissing hat also eigentlich Recht: Bloß, weil andere Dinge des Alltags noch mehr Klimaschaden anrichten können, sollte man trotzdem darüber nachdenken, ob es wirklich notwendig ist, jede Alltäglichkeit fotografisch festzuhalten. (Nicht, dass bald CO2-Steuer auf Speicherkarten erhoben wird – obwohl, lustig wär’s.)
Aber wie viel Umweltprämie bekomme ich eigentlich dafür, dass mein Auto die BahnCard 100 ist?
Verbesserungsidee zur Chatkontrolle
Laut einem Gesetzentwurf, der hier auf dem Tisch liegt, sollen Fotos und Messenger-Nachrichten auf dem Smartphone automatisiert durchsucht werden. Wenn die dafür zuständige KI den Verdacht hat, dass es sich um Darstellungen von Lobbyismus oder eine Kontaktaufnahme Krimineller zu Politikern handelt, soll der Content direkt an die Strafverfolgungsbehörden ausgeleitet werden.
(eigentliche Nachricht: WinFuture)
Deutschland, deine Allegorien! (21)
Mitzugehören
(Immer, wenn ein Journalist mit zu denen gehört, die schreiben, irgendjemand oder irgendetwas gehöre „mit zu den Besten“, gehört mein Kopf mit zu den Köpfen, die große Schmerzen erleiden.)
zeug – Garbino // My Little Doctor (neu)
Es ist Montag. Schleswig-Holstein hat interessant gewählt, die Linke ist in manchen Grafiken inzwischen eine Sonstige, die SPD hat zweistellig verloren und der Südschleswigsche Wählerverband hat die AfD (ebenfalls draußen) mit großem Abstand überholt. Aus Braunschweig meldete man mir das Bestreben, Sahra Wagenknecht jetzt aber wirklich aus der Linken rauszuwerfen. Dann würde alles gut. So schwach muss eine Partei ja erst mal sein, dass ihr gesamtes Wohl und Wehe an einem einzigen Mitglied aus einem anderen Landesverband hängt. Oder ist das vielleicht gar nicht das wesentliche Problem?
Dazu vielleicht auch interessant ist folgende Statistik: Männer, die sich als Feministen bezeichnen, kriegen tendenziell öfter mal keinen hoch. Korrelation und Kausalität bewerte ich nicht. Ich bin kein Sexualforscher. – Anderen sind Geschlecht und Hautfarbe sehr wichtig: Der Nachfolger von Jodie Whittaker – Hauptsache, eine Frau – als Darsteller des Doktors in der BBC-Serie Doctor Who wird ein BBC ruandisch-britischer Schauspieler, dessen Namen (Ncuti Gatwa) auszusprechen mir noch nicht gelingen möchte, ohne dass ich nachgucke, wie das geht. Möge er aus cineastisch besseren Gründen die Rolle erhalten haben als seine Vorgängerin. Ich mochte diese Inkarnation des Doktors gar nicht, sie hatte meiner Meinung nach mehr mit My Little Pony als mit Doctor Who gemeinsam. Ein Mindestmaß an Skepsis sei mir insofern gestattet.
Auch eine andere alte Serie kommt mal wieder zurück: Jackass (die Älteren erinnern sich). Irgendwas muss in den letzten Jahren mit der allgemeinen Kreativität von Fernsehmachern passiert sein. Die Häufung an in den Neunzigern schon mal Dagewesenem fällt selbst mir auf, und mir fällt sonst nicht viel auf.
Gute Nachrichten: Christian Lindner hat auf Twitter das Wort „Bubatz“ (das ist Idiotendeutsch für ekliges Kiffzeuch) benutzt und die Kifferia witzelt, dann sei Kiffen ja demnächst uncool. Danke, Christian Lindner. Als Nächstes bitte irgendwas über Tabak twittern.
Ich höre derweil etwas, was niemals an Coolness verlieren wird: Musik.
Guten Morgen.
Autokorsos für alle!
Möööööp!
Unerwartet zerreißt ein Röhren die Stille in meinem heutigen Refugium: Draußen wird im Gänsemarsch gefahren und gehupt. Ein Blick auf die beteiligten Autos (zugegeben: das geht mit dem Fahrrad nicht so gut) versichert: Hier hat ausnahmsweise kein Pärchen beider Leben zu früh weggeschmissen und geheiratet, hier ist Fußball im Spiel.
Die örtliche Erfolgsmannschaft im Herrenfußball, in den 1960er Jahren einmal an der Tabellenspitze gewesen und seitdem mit einem Selbstbewusstsein wie Gerhard Schröder nach der Bundestagswahl 2005 ausgestattet, habe es wieder in die zweite Bundesliga zurückgeschafft, erklärt ein soziales Medium das Gehupe hocherfreut, als sei das für irgendjemanden, der nicht gerade finanziell von der Mannschaft profitiert, von Belang.
Ich hege Sympathien für Menschen, die sich so sehr für eine Sache begeistern können, dass sie am liebsten jedem ungefragt zweimal davon erzählen würden. So ähnlich geht es mir ja mit Musik, Tastaturen, Whisky und so. Nicht begreiflich ist mir bisher aber gemacht worden, warum der Brauch der Autokorsos (Benzin ist offensichtlich noch zu günstig, da sollte der Markt dringend mal regeln) mitsamt innenstädtischen Gejohles, in hässliche Schals und grelle Trikots gehüllt, ausgerechnet den Anhängern eines nicht mal besonders großen Fußballvereins exklusiv ausgeübt werden sollte. Mir fallen sofort mehrere ortsübergreifende Interessen ein, die sich deutschlandweit eines größeren Zuspruchs erfreuen als die Spielergebnisse besagten Vereins.
Mein Ansatz, dem Möööööp! konstruktiv ablehnend zu begegnen, sieht daher vor, ein eigenes Möööööp! zu etablieren. Ich schlage Autokorsos mit Pyrotechnik auf allen größeren Plätzen vor, wenn eine neue Single von Ed Sheeran (der trotz seines schrecklichen Musikstils immer noch mehr Anhänger hat als jeder Fußballverein) es in die Hitparade geschafft hat; und dann warten wir mal ab, wann der erste Fußballfan entrüstet fragt, ob die Vorlieben der Teilnehmer wirklich diesen Krach rechtfertigen.
Wie ich übrigens gerade sehe, wurde soeben eine neue Version einer app auf meinem Smartphone veröffentlicht. Das muss gefeiert werden. Möööööp!











