Persönliches
Auto­kor­sos für alle!

Möööööp!

Uner­war­tet zer­reißt ein Röh­ren die Stil­le in mei­nem heu­ti­gen Refu­gi­um: Drau­ßen wird im Gän­se­marsch gefah­ren und gehupt. Ein Blick auf die betei­lig­ten Autos (zuge­ge­ben: das geht mit dem Fahr­rad nicht so gut) ver­si­chert: Hier hat aus­nahms­wei­se kein Pär­chen bei­der Leben zu früh weg­ge­schmis­sen und gehei­ra­tet, hier ist Fuß­ball im Spiel.

Die ört­li­che Erfolgs­mann­schaft im Her­ren­fuß­ball, in den 1960er Jah­ren ein­mal an der Tabel­len­spit­ze gewe­sen und seit­dem mit einem Selbst­be­wusst­sein wie Ger­hard Schrö­der nach der Bun­des­tags­wahl 2005 aus­ge­stat­tet, habe es wie­der in die zwei­te Bun­des­li­ga zurück­ge­schafft, erklärt ein sozia­les Medi­um das Gehu­pe hoch­er­freut, als sei das für irgend­je­man­den, der nicht gera­de finan­zi­ell von der Mann­schaft pro­fi­tiert, von Belang.

Ich hege Sym­pa­thien für Men­schen, die sich so sehr für eine Sache begei­stern kön­nen, dass sie am lieb­sten jedem unge­fragt zwei­mal davon erzäh­len wür­den. So ähn­lich geht es mir ja mit Musik, Tasta­tu­ren, Whis­ky und so. Nicht begreif­lich ist mir bis­her aber gemacht wor­den, war­um der Brauch der Auto­kor­sos (Ben­zin ist offen­sicht­lich noch zu gün­stig, da soll­te der Markt drin­gend mal regeln) mit­samt innen­städ­ti­schen Gejoh­les, in häss­li­che Schals und grel­le Tri­kots gehüllt, aus­ge­rech­net den Anhän­gern eines nicht mal beson­ders gro­ßen Fuß­ball­ver­eins exklu­siv aus­ge­übt wer­den soll­te. Mir fal­len sofort meh­re­re orts­über­grei­fen­de Inter­es­sen ein, die sich deutsch­land­weit eines grö­ße­ren Zuspruchs erfreu­en als die Spiel­ergeb­nis­se besag­ten Ver­eins.

Mein Ansatz, dem Möööööp! kon­struk­tiv ableh­nend zu begeg­nen, sieht daher vor, ein eige­nes Möööööp! zu eta­blie­ren. Ich schla­ge Auto­kor­sos mit Pyro­tech­nik auf allen grö­ße­ren Plät­zen vor, wenn eine neue Sin­gle von Ed Sheeran (der trotz sei­nes schreck­li­chen Musik­stils immer noch mehr Anhän­ger hat als jeder Fuß­ball­ver­ein) es in die Hit­pa­ra­de geschafft hat; und dann war­ten wir mal ab, wann der erste Fuß­ball­fan ent­rü­stet fragt, ob die Vor­lie­ben der Teil­neh­mer wirk­lich die­sen Krach recht­fer­ti­gen.

Wie ich übri­gens gera­de sehe, wur­de soeben eine neue Ver­si­on einer app auf mei­nem Smart­phone ver­öf­fent­licht. Das muss gefei­ert wer­den. Möööööp!