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Weniger Mehr dank der SPD
SPD.de, 18. September 2021:
In jedem Jahr sollen bundesweit mindestens 400.000 Wohnungen neu gebaut werden. Darunter sollten mindestens 100.000 öffentlich geförderte Wohnung [sic! A.d.V.] sein. (…) Mehr bezahlbare Wohnungen gibt es nur mit der SPD.
Bundesministerium für Wohnen, seit Ende 2021:
Seit dem 8. Dezember 2021 ist Klara Geywitz (SPD) Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz.
tagesschau.de, 20. Februar 2024 (Archivversion):
„Vor allem wegen der stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten ist der Wohnungsneubau in Deutschland oftmals nicht mehr möglich. Die Politik hat die Rahmenbedingungen bislang nicht entscheidend verbessert“, kritisierte ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. (…) 2024 dürften den Studienautoren zufolge nur etwa 265.000 neue Wohnungen gebaut werden.
In diesem Jahr finden mehrere Wahlen statt. Das hat alles nichts miteinander zu tun.
Kompliziertes Makroblogging
Auf Mastodon entwickelte sich unlängst eine kurze Diskussion darüber, ob der Unterschied zwischen Microblogging (Twitter, Mastodon, so was halt) und richtigen Blogs sich wirklich an der Zeichenzahl festmachen ließe oder ob man nicht auch ein zwölfseitiges Essay in ein Microblog schreiben können sollte, ohne dabei das Medium ad absurdum zu führen.
Meiner etwas verwunderten Frage, ob denn nicht die Existenzberechtigung von „Microblogging“ darin begründet liege, dass man sich kurz fassen müsse, wurde entgegnet, dass der große Unterschied mitnichten in der Länge (klar: ich habe auch schon Dinge „gebloggt“, die problemlos in eine SMS-Nachricht gepasst hätten), sondern im Medienbruch zu finden sei. Beim Microblogging habe man das Eingabefeld jederzeit zur Hand, bei normalen Blogs seien mit einer Publikation weitere Sperenzchen verbunden. Nun mag ich ja Sperenzchen beim Schreiben, aber das Argument war dennoch überzeugend: Wenn man in den ständigen Strom von Gedanken einfach reinbrüllen kann, statt ihn unterbrechen zu müssen, um sich an ihm zu beteiligen, ist die Mitmachschwelle vermutlich deutlich niedriger.
Im guten alten Mitmachinternet, also in Newsgroups (für die Jüngeren: das ist was anderes als Facebook) und Mailinglisten, war und ist ein solcher niedrigschwelliger Sprung zwischen Lesen und Schreiben bis heute Usus. In einem Fenster liest man, im anderen Fenster (gern auf demselben Bildschirm irgendwo unter, über oder neben dem Lesetext) schreibt man. Natürlich könnte man das auch mit einem handelsüblichen Blog nachbilden, wenn man einen großen (oder einen zweiten) Bildschirm hat, aber der Fluss geht durch den Fensterwechsel dennoch verloren. Stimmt schon.
Dass Blogs und Publikationen wie diese hier immer noch die bessere (weil: im Bestfall längerlebige) Form des Insinternetschreibens sind als Microblogs, möchte ich auf keinen Fall als im Zweifel stehend formuliert wissen. Richtig ist trotzdem, dass in der schnelllebigen Zeit, in der zu leben wir das Missvergnügen haben, das kluge Ausformulieren von Texten auf Sender- und Empfängerseite zusehends schwerer wird, weil der häppchenweise Konsum, das Informations-Fastfood, längst das nahrhafte, aber eben auch ausgiebige Mahl verdrängt hat. Die sich auflösenden Strukturen auf Diskussionsplattformen tun hier ihr Übriges: Inspiriert von Quatschportalen wie eben Facebook haben die meisten Diskussionsforen ihre Baumstrukturen aufgegeben, was die gleichzeitige Besprechung mehrerer Themen wie ungeordnetes Geschnatter wirken lässt. Zusammenhänge sind so 90er.
Ich weiß nicht, wie man das lösen kann. Das stört mich daran am meisten.
Miniaturen (20.02.24)
Dass Politiker, deren Aufgabe die Umsetzung der Interessen des Volkes ist, bewaffneten Personenschutz gegen dieses Volk haben, löst das falsche Problem.
Ich denke darüber nach, künftig wieder häufiger eine Armbanduhr zu tragen. Mit einem Smartphone als Armbanduhrersatz bekommt man eigentlich jedes Mal, wenn man wissen will, wie spät es ist, erschreckend schlechte Laune und bei Rendezvous und Vorstellungsgespräch überdies einen Rüffel. Stil ist nun mal eine Kunst, aber – Beuys zum Trotze – nicht jeder ist ein Künstler.
Wenn man mit einem gebrochenen Arm in der Öffentlichkeit auftritt, scheinen die gesellschaftlichen Gepflogenheiten exakt zwei mögliche Reaktionen zuzulassen: aufrichtig klingendes Bedauern oder verschämtes Weggucken. So zu tun, als wäre der Bebrochene immer noch derselbe Mensch wie sonst, scheint den Rahmen des Zulässigen zu durchbrechen und tritt daher nicht auf. Schade, dass das bei geistigem Bruch nicht auch so ist.
Morgen schmeißen die Menschen wieder Müll (hier: Reste eines Erdbeobachtungssatelliten) ins Meer. Im Namen der Wissenschaft. Vielleicht sollte jemand eine Wissenschaft erfinden, bei der man Plastiktüten und/oder ‑trinkhalme (buh!) ins Meer schmeißen muss. Und dann gucken wir mal, was passiert.
„Kriegstüchtig“ ist ein trauriges Wort für den Wunsch, in eine Schießerei zu geraten.
Caaaaaaarl.
Heute vor 15 Jahren wurde die erste Episode der YouTube-Serie „Llamas with Hats“ veröffentlicht. Ich ermutige hiermit jeden meiner Leser ausdrücklich dazu, keinesfalls darüber nachzudenken, was das für den Abgleich des eigenen Alters mit dem gefühlten Alter bedeutet. Das tötet Menschen.
Speck – Krautobahn, unbegrenzt // ChatGPT, ausdienend
Es ist Montag. Klein ist lecker. So einfach kann die Welt manchmal sein.
Neues aus dem Föjetong (Politik ist das ja nun wirklich nicht): Der „Kreml-Kritiker“ („F.A.S.“) und mutmaßliche Depp Alexej Navalny ist mitsamt seinem „einsamen Mut“ (ebd.) tot. Der „Deutschlandfunk“ hat ein Foto (Archivversion) von einer damit verbundenen Demonstration in Berlin. Ich finde das Dargebotene enorm tragikomisch anzusehen. Es erscheint mir im Übrigen zumindest bemerkenswert, wie sympathisch den Deutschen ein Herr mit fragwürdigem Moralkompass wird, sobald sich selbiger mit dem Bösen anlegt. Frage: wie geht es eigentlich Julian Assange gerade?
Dieselbe „F.A.S.“ titelt bedeutungsschwanger: „Programmierer haben ausgedient“. Das liege daran, dass es heutzutage ja ChatGPT gebe. Alexander Wulfers, der Autor des Artikels, wird hiermit von mir herausgefordert, mit ChatGPT fehlerfreien Code in weniger Zeit zu „schreiben“ als ich ohne ChatGPT, und dann gucken wir mal, wer hier ausgedient hat. (Aber, nur wenige Seiten später: „Intime Chatbots sind nicht vertrauenswürdig“; ach so.)
Wir bleiben bei der Wirtschaft: Deutschland solle ein „Wachstumschancengesetz“ bekommen, entnehme ich des Weiteren den Wirtschaftsnachrichten. Davon haben die Konsumenten („Verbraucher“) zwar immer noch nicht mehr Geld im Portemonnaie, um sich schöne Dinge leisten zu können, aber wenigstens können die Konzernchefs sich einen neuen Porsche kaufen. Der Aschenbecher im alten ist bald voll.
Die besten Dinge im Leben kosten indes sowieso nichts: Luft, Liebe und Musik.
Guten Morgen.
Ich möchte nicht dauernd über Politik reden.
Ich solle doch Stellung beziehen zu einem Krieg in einem fernen Land, zu einer sozialen Ungerechtigkeit auf einem anderen Kontinent oder auch nur zu einem Wahlergebnis in einem Bundesland, in dem ich nicht wohne, sagen sie. Mache ich das nicht, dann machen sie das für mich, sagen sie. Es erscheint mir aber nicht erstrebenswert, einmal ein so langweiliges Leben zu haben wie diejenigen Menschen, die tagein, tagaus über kaum anderes reden als die Kriege anderer Leute, das Leid anderer Soziotope und die Toten anderer Länder, von dieser Publikation hier einmal abgesehen.
Es gibt kein gerechtes Leid. Dieser Satz deckt sämtliche denkbaren Fälle zwecks Stellungsbezug vollkommen ab. Die gewonnene Zeit kann genutzt werden, um, während andere Leute sich aufregen, stattdessen eine schöne Tasse Tee zu trinken. Das Leben ist zu kurz, um dauernd eine Meinung haben zu müssen.
</reddit> (2): Der frühe Vogel bleibt unverkauft.
Na, immer noch nicht das reddit-Konto gelöscht? Es fehlten noch Anreize, weil das API sowieso immer egal war? Kein Problem, reddit liefert: Demnächst werden eure Beiträge an ein „KI“-Unternehmen verscherbelt und ihr seht keinen Cent davon.
Viele von denen, die letztes Jahr „jetzt aber wirklich“ nicht mehr auf reddit sein wollten, sind seltsamerweise immer noch dort. Die Menschen sind genügsam geworden.
Endlich presserelevant.
In einer bizarren Pressemitteilung – hier aus dramaturgischen Gründen nicht verlinkt – missversteht ein Kreisverband der Grünen die Absicht hinter dieser Publikation:
Äußerungen (…) auf seinem Blog „hirnfick 2.0“ (…) lassen einen nur den Kopf schütteln.
Alles richtig gemacht.
Kurz angemerkt zum I Love Free Software Day
Einen Tag, an dem man Leuten wie mir, zu deren ungeselligen Hobbys es zählt, ab und zu mal Programmcode unter einer wirklich freien Lizenz ins Internet zu würgen, obwohl es an schlechtem Code, der keine real existierenden Probleme löst, bereits kaum mangelt, zwar keine Blumen und/oder Pralinen, wohl aber schreckliche sharepics („Teilbilder“) mit dem eigenen Konterfei „schenkt“ (also von mir aus müsste das jetzt nicht sein), ist zumindest kulturell einigermaßen vorteilhaft, aber ich hätte bitte trotzdem gern stattdessen die Pralinen.
Schmalhans des Tages: Andreas Schwarz, SPD.
Die „Soziale Politik für Dich“-Partei, deren im Europäischen Parlament endgelagertes Altpersonal neuerdings offen von einer eigenen Atombombe für die beste EU, die man mit Geld kaufen kann, feuchtträumen darf, ohne dass jemand hingeht und den angemessenen Satz Backpfeifen verteilt, ist wieder in ihrem Element:
Der SPD-Haushaltspolitiker Andreas Schwarz sagte dem Blatt [der „Süddeutschen Zeitung“, A.d.V.], die Ausgaben für Verteidigung und Zivilschutz sollten (…) dauerhaft von der Schuldenbremse im Grundgesetz ausgenommen werden.
Deutschland müsse dringend in den Zivil- und Katastrophenschutz investieren und brauche viel mehr Cyberabwehr, Bunker, mobile Operationssäle und Lazarettversorgung.
Und bessere Schulbildung, bessere Gesundheitsversorgung, bessere Bahn- und Internetinfrastruktur und nicht zuletzt bessere Armutsbekämpfung. Aber gut. Sollen sie halt Bunker essen.
Auch in diesem Jahr kann man die SPD übrigens wieder aus Parlamenten rauswählen. Ich sag’s ja nur.
Frustwut – Absturz // Krankenhausbeobachtungen
Es ist Montag. Meinen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche. Euch esse ich zuletzt.
Ich bin immer noch mehrfarbig und nicht völlig intakt, aber zumindest kurz nach dem Absenden dieses Beitrags wieder aus dem lästigen Krankenhaus raus. Alles war – jenseits der offensichtlichen Klassenunterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten (warum eigentlich?) – dort zwar nicht angenehm (zweifellos ein sadistischer Wichser ist, wer sich vermeintlich in einem sog. „sozialen Beruf“ engagieren möchte, nur um in den Zimmern der wegen Schmerzen oder wegen der ungewohnten Umgebung oder wegen der sonstigen äußeren Umstände oder wenigstens aus Prinzip ohnehin schlecht Schlafenden mornx um nicht-mal‑7 „GUTEN MORGEN“ brüllend das Flutlicht einzuschalten), aber wenigstens akzeptabel, bis ich einen Zimmernachbarn bekam, dem Stille zuwider zu sein schien. Es verging auch ohne meine eigene Teilnahme keine Minute ohne ein über das Atmen hinausgehendes Geräusch, vom Singen (immer nur Reinhard Mey oder Udo Jürgens und immer nur dasselbe Lied und immer nur dieselbe Textstelle, latürnich) über Pfeifen und Selbstgespräche bis hin zum Pusten und Schmatzen. Leider hätten sämtliche mir zur Verfügung stehenden Methoden der mittelfristigen Linderung dieses Treibens die Geräuschkulisse nur geändert, aber nicht beseitigt. Ich hasse Menschen. – Ich vermute, bereits vor mehreren Sätzen habe ich sämtliche Leser unter 20 Jahren verloren. Das ist in Ordnung.
Frage: Gibt es eigentlich Rabatt auf Gehirnchips, wenn man mit gelegentlichen Werbeeinblendungen einverstanden ist? – Als wäre die EDV ohne solche Fragen noch nicht deprimierend genug: Docker und ähnlichen „Container“systemen ungesehen zu vertrauen ist jetzt nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch eine nachweislich dumme Idee. Manche Probleme löst man nicht mal mit sieben Proxys und mehr Firewalls. Die „künstliche Intelligenz“ ist auch keine besondere Hilfe mehr, seit man ihr dazu rät, ab und zu mal ein Nickerchen zu machen. Ich persönlich nehme „künstliche Intelligenz“ ja erst ernst, wenn sie auch mal nach dem Saufen einen Kater hat.
Die bürgerliche Presse hat keine Ahnung von Arbeit. Dazu passt: Zur Frage „was denkt Putin?“ auch mal Putin zu fragen, sei rechtsaußen (Archivversion), kolportiert die Demokratieabgabe. Ja, wen denn sonst? Da denke ich über die Anschlussfrage, seit wann man den Präsidenten nicht mehr dekliniert („Carlson interviewt Präsident“, romanes eunt domus), ja schon gar nicht mehr nach.
Einer von 20 Menschen ist ein Soziopath, und sie alle spielen in der Öffentlichkeit Musik direkt aus dem Lautsprecher ihres Telefons. Ich empfehle hierfür insofern Kopfhörer oder ein eigenes Zuhause: Musik.
Guten Morgen.
Damo Suzuki.
Krankenhausgedanke zum Schoduvel
Das Einzige, das es wirklich schwer erträglich macht, über das Karnevalswochenende im Krankenhaus interniert zu sein, ist es, dass man nicht rechtzeitig die Stadt verlassen kann, wenn der leider finanzierte Karnevalsumzug sein teuflisches Werk beginnt.








