PolitikIn den Nachrichten
Mein Staats­kon­zept (2): Spa­ni­en, aber leich­ter.

Wäre es ange­sichts die­ser Mel­dung (Archiv­ver­si­on) …

Der spa­ni­sche König Feli­pe been­det heu­te sei­ne Bera­tun­gen mit den Chefs der poli­ti­schen Par­tei­en über die Bil­dung einer neu­en Regie­rung. (…) Soll­te kei­ne Regie­rungs­bil­dung gelin­gen, müss­te in Spa­ni­en zum Jah­res­en­de oder Anfang 2024 erneut gewählt wer­den.

… nicht leich­ter, man löste die Regie­rung auf und lie­ße den­je­ni­gen die Arbeit erle­di­gen, des­sen Posten anschei­nend nicht in Fra­ge steht?

In den NachrichtenMontagsmusik
Yaw­ning Man – The Last Sum­mer Eye (live) // Otto gegen das Estab­lish­ment

Schon wieder Montag!

Es ist Mon­tag. Poin­te des Monats: Haha­ha! Män­ner sind häss­lich! Das ist so lustig, es fängt mor­gen beim WDR an.

Gute Nach­rich­ten: Die „christ­li­che“ Kir­che hat beschlos­sen, sich grund­le­gend zu moder­ni­sie­ren. Nein, nicht so moder­ni­siert: Es gibt jetzt digi­ta­le Klin­gel­beu­tel. Damit der in vie­ler­lei Hin­sicht gest­ri­ge Popanz auch von denen finan­zi­el­le Zuwen­dun­gen erhal­ten kann, die kei­nen Bock auf Bar­geld haben. Man muss ja sehr auf­pas­sen heut­zu­ta­ge.

Spit­zen­po­li­ti­ker der Lin­ken rufen zu Geschlos­sen­heit auf, ent­neh­me ich den Nach­rich­ten. Das ist lustig, weil sich die Lin­ke mit Schlie­ßen ja aus­kennt. Wegen DDR. Hehe. – Apro­pos Hehe: Der WDR zeigt alte Wit­ze, die Otto Waal­kes ande­ren Leu­ten ent­lie­hen und dann vor­ge­tra­gen hat, nur noch mit Warn­hin­weis, weil sich irgend­wer, der wahr­schein­lich nicht mal gefragt wor­den ist, davon dis­kri­mi­niert füh­len könn­te. Ich hät­te ja gern einen Warn­hin­weis „Ach­tung: dis­kri­mi­niert gebil­de­te Men­schen“ vor dem Warn­hin­weis, aber wenn man dem WDR das vor­schlägt, dann guckt er wie­der so.

Guter Band­na­me: Feng-Shui-Bera­te­rin Hil­trud J. Porn­schle­gel. Bes­se­re Musik: Yaw­ning Man.

YAWNING MAN – The Last Sum­mer Eye (Live at Giant Rock) // HEAVY PSYCH SOUNDS Records

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Das Einer­seits und Ande­rer­seits der Inhalts­in­du­strie

Einer­seits möch­te die Pipi­kack­drecksar­sch­mist­mu­sik­in­du­strie unter Auf­bie­tung aller Kräf­te (d.h. Penun­zen) das Gre­at 78 Pro­ject weg­kla­gen, weil es Schall­plat­ten, die zwi­schen 70 und 120 Jah­ren alt sind, archi­viert und als Biblio­thek zur Ver­fü­gung steht und es anschei­nend den Künst­lern enorm wei­ter­hilft, auch 120 Jah­re nach den Auf­nah­men noch nicht gemein­frei zu sein. Denn genau das ist ja die Auf­ga­be eines Rech­te­ver­wal­ters: Die Rech­te des Man­da­ten in des­sen Sin­ne zu ver­tre­ten. Oder?


Ande­rer­seits möch­te die Ver­lags­in­du­strie unter Auf­bie­tung aller Kräf­te (d.h. Penun­zen) ChatGPT und ange­schlos­se­ne Net­ze weg­kla­gen, weil die Pipikackdrecksarschmist-„künstliche Intel­li­genz“ eigent­lich nichts ande­res als eine Daten­bank mit den Wer­ken ande­rer Leu­te ist, ohne die­se Leu­te gefragt zu haben. Da eine Wahr­schein­lich­keit, dass sich dar­un­ter auch Wer­ke von mir befin­den, zumin­dest gege­ben ist, hal­te ich das für einen guten und rich­ti­gen Schritt, denn ich will, dass die­ser Unsinn brennt. Das Text- und Bild­gen­re „haha, guck mal, was der Com­pu­ter gemacht hat, als ich ihm gesagt habe, was er tun soll“ wäre in Maßen ganz amü­sant, mitt­ler­wei­le hilft aber nur noch Abrei­ßen und Neu­bau­en, fürch­te ich, um da wie­der etwas Augen­maß hin­ein­zu­be­kom­men.


Ich weiß nicht, ob ich mich mag.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Heiss­kalt – Vom Wis­sen und Wol­len

Heisskalt - Vom Wissen und Wollen

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Manch­mal, lang­jäh­ri­ge Leser erin­nern sich, ist der Autor die­ser Zei­len ein wenig melan­cho­lisch gestimmt. Dann schreibt er kei­ne bis­si­gen Sati­ren und auch sonst nur wenig, ver­zich­tet gar auf den übli­chen „Krach“ (Quel­le: Banau­sen), der hier manch­mal als Emp­feh­lung erscheint. Statt­des­sen sitzt er, wie man so schön sagt, mit einem anstän­di­gen Glas Whis­ky – zwei Fin­ger­breit, aber das geht ja in bei­de Rich­tun­gen – im stil­len Käm­mer­lein und hört oft (zu oft) Musik, die die­se Melan­cho­lie nicht etwa weg­macht, son­dern för­dert.

Der Autor die­ser Zei­len ist manch­mal ein biss­chen blöd.

Die­se Blöd­heit nun unter­stützt vor­treff­lich „Vom Wis­sen und Wol­len“ (TIDAL, Amazon.de) , das 2016er Stu­dio­al­bum der seit 2018 pau­sie­ren­den Musik­grup­pe Heiss­kalt, irri­tie­rend mit Doppel‑s geschrie­ben; also der Band­na­me, nicht der Titel des Albums. Der muss so. Außer mir hat das Album sowie­so jeder schon vor Jah­ren gehört, also ist es wahr­schein­lich völ­lig egal, wie ich es fin­de. (Und zwar ziem­lich gut.)

Die Tex­te – dar­ge­bo­ten oft mit for­dern­der Inbrunst, manch­mal immer noch ein biss­chen an The Hirsch Effekt (ohne Orche­ster) erin­nernd – erfül­len das Kli­schee, das man an hie­si­ge Post-irgend­was-Bands („Post-Hard­core“) übli­cher­wei­se als Maß­stab anlegt: immer ein biss­chen trau­rig, immer ein biss­chen wütend. Immer ein biss­chen wie ich. Die zugrun­de­lie­gen­de Musik lebt von über­ra­schen­den Wen­dun­gen, Elek­tro­ex­pe­ri­men­te ein­ge­schlos­sen, nach denen ich spä­te­stens seit The Notwists „This Room“ längst aktiv suche. Auf vie­le Arten mein Lieb­lings­stück auf dem Album: „Absor­ber“.

Ich will nur ein­mal ohne Zwei­fel sein.

Heiss­kalt – Absor­ber (Offi­zi­el­les Video)

Musi­ka­li­sche Ver­glei­che aus dem Inter­net: Tur­bo­staat und Fjørt. Kei­ne Ahnung, was Tur­bo­staat so machen. Die ler­ne ich wahr­schein­lich in so zehn, fünf­zehn Jah­ren auch als letz­ter Mensch des Lan­des mal ken­nen.

In den Nachrichten
Feh­lekom

Fra­ge:

Der Tele­kom-Chef Tim Hött­ges erklärt, dass das von ihm geführ­te Unter­neh­men Euro­pa und spe­zi­ell Deutsch­land als immer unat­trak­ti­ve­ren Stand­ort bewer­te.

Liegt es viel­leicht an der schlech­ten Inter­net­ver­bin­dung?

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
Lo! – Orca // Bay­ri­sche Klapp­stüh­le

Morgenbär

Es ist Mon­tag. Der Ver­fas­ser die­ser Zei­len hat – pas­send zum Wochen­tag – einen neu­en Erz­feind: Trep­pen. Auf Trep­pen bricht man sich goofy über­ra­schen­de Kör­per­tei­le. Ich for­de­re ein Grund­recht auf Fahr­stüh­le. Wählt mich.

Eine „Öko­no­min“, erzäh­len die Nach­rich­ten, habe vor­ge­schla­gen, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter an die Lebens­er­war­tung zu kop­peln. Inter­es­san­te Fra­ge aus dem Publi­kum: Was pas­siert dann eigent­lich, wenn man die eige­ne Lebens­er­war­tung wider Erwar­ten über­schrei­tet? Und wird man nach­träg­lich mehr Geld bekom­men haben, wenn man frü­her stirbt?

„Ein ober­kör­per­frei­er Mann“, tei­len unter­des­sen dpa-Ver­tei­ler mit, habe „in Ober­bay­ern betrun­ken einen Klapp­stuhl Rich­tung fah­ren­de (sic!) Autos gewor­fen“. Ober­bay­ern könn­te ich nicht bes­ser zusam­men­fas­sen. Unter­des­sen wird ein wei­te­rer völ­lig über­flüs­si­ger Beruf weg­au­to­ma­ti­siert: Radio­mo­de­ra­to­ren.

Auch rosa noch mensch­lich: Musik.

Lo! – Orca (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Quo vadings?

Anni­ka Ross („EMMA“) so:

Eini­ge Unis wol­len sogar die Noten abschaf­fen.

Quo vadis, Unis?

Da die Autorin stolz auf die­se hüb­sche, nur halt fal­sche latei­ni­sche Phra­se zu sein scheint, muss die­se sogar die Über­schrift zie­ren. Eine schnel­le Suche im Inter­net offen­bar­te, dass es auch ande­re falsch machen und „Quo vadis?“ – wohin gehst du? – im Plu­ral ver­wen­den; inso­fern bleibt zu fra­gen: Quo vadi­mus, klas­si­sche Bil­dung?

NetzfundstückeIn den NachrichtenComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 11. August 2023

„Was neh­men sie unse­ren Klein­sten als näch­stes unter dem Ban­ner der Tole­ranz weg? Die Ziga­ret­ten? Das Jagd­ge­wehr?“


Die von Elon Musk ein­ge­stell­te Che­fin von X (ehe­mals Twit­ter) teil­te mit (eng­lisch­spra­chi­ges Ori­gi­nal), das Ein­stamp­fen der Mar­ke Twit­ter sei ein not­wen­di­ger Schritt gewe­sen, um etwas völ­lig Neu­es auf­bau­en zu kön­nen. Kei­nes­falls Teil ihrer Aus­füh­run­gen, so weit ersicht­lich, ist jedoch, war­um Elon Musk, wenn er etwas völ­lig Neu­es haben möch­te, die­ses völ­lig Neue dann nicht auch auf­bau­en könn­te, ohne etwas ande­res dafür kaputt­zu­ma­chen.


Gedan­ke: Die Exi­stenz von Gewerk­schaf­ten zögert die Not­wen­dig­keit der Revo­lu­ti­on hin­aus.


Am 12. August 1995, mor­gen vor 28 Jah­ren also (ich kann auch nichts dafür, ich möch­te ja auch lie­ber nicht dar­über nach­den­ken), wur­de ein Mör­der vor einer Über­do­sis geret­tet, damit er bis zur Voll­streckung des Todes­ur­teils am Leben blei­ben möge. Nicht, dass der zu Töten­de noch stirbt!


Zum gegen­wär­ti­gen Zustand der EDV noch so viel: Es ist aus Ver­se­hen mög­lich, Win­dows 11 ohne Bei­pack­soft­ware wie Can­dy Crush Saga zu instal­lie­ren. Micro­soft erkennt die­sen Umstand als üblen Feh­ler an und ver­spricht eine schnel­le Lösung. Scha­de eigent­lich.

In den Nachrichten
Schwert­kampf um 2:01

NDR.de (Archiv­ver­si­on):

Der Haupt­bahn­hof Han­no­ver soll einen Monat lang zur waf­fen­frei­en Zone wer­den. (…) Neben Mes­sern aller Art sind unter ande­rem auch Pfef­fer­sprays und Tele­skop­schlag­stöcke ver­bo­ten. Wochen­tags gilt das Ver­bot in der Zeit von 18 bis 2 Uhr nachts und an den Wochen­en­den durch­gän­gig in der Zeit von Frei­tag, 18 Uhr bis Mon­tag, 2 Uhr.

Bin in sechs Stun­den da. Cowa­bun­ga!

In den NachrichtenMontagsmusik
Uni­vers Zero – Pré­sa­ge (live) // Sync dei­ne Lip­pen mit mir.

(Seufz.)

Es ist Mon­tag. Der Nazi der Woche, so erzählt’s Reu­ters miss­ver­ständ­lich, ist Bar­geld. Ich kann das alles nicht mehr.

Schö­ne Idee für eine Soft­ware­li­zenz: Freie Soft­ware, aber man darf nie­man­dem erzäh­len, von wem sie eigent­lich stammt. Ich glau­be, die neh­me ich in Zukunft für die­je­ni­gen mei­ner Pro­gram­me, von deren Qua­li­tät ich selbst nicht über­zeugt bin. – Auch nicht über­zeu­gend: Ein Super­markt wirbt mit Kaf­fee­be­zug für „Revo­lu­ti­on! Das Kap­sel-System ohne Kap­sel.“ So was habe ich schon seit Jah­ren zu Hau­se, es heißt Fil­ter­tü­ten. Ich alter Revo­luz­zer.

Apro­pos Revo­lu­ti­on: Die F.D.P.-Fraktion im Bun­des­tag stellt fest, dass die wei­te­re Inhaf­tie­rung von Ale­xej Naval­ny nur bedeu­ten kann, dass Putin „Angst vor der Demo­kra­tie“ habe. Was ihre trans­at­lan­ti­schen Freun­de inso­fern von der Demo­kra­tie hal­ten, indem die­se Juli­an Assan­ge seit weit über 1.000 Tagen unter Fol­ter fest­hal­ten las­sen, haben hin­rei­chend vie­le Kom­men­ta­to­ren gefragt, eine Ant­wort blieb jedoch bis­lang aus. Scha­de.

Apro­pos scha­de; „n‑tv“ berich­tet über zwei mir bis dato unbe­kann­te Inter­net­stern­chen:

Inner­halb kür­ze­ster Zeit gelang es ihnen, mit soge­nann­ten Lipsync-Vide­os zu eng­lisch­spra­chi­gen Pop-Hits eine ste­tig anwach­sen­de Fan­ge­mein­de zu ver­sam­meln. Dabei bewe­gen die Influen­ce­rin­nen ihre Lip­pen syn­chron zu ange­sag­ten Songs.

Ich fin­de ja, es war ein Feh­ler, das Inter­net für die Welt­öf­fent­lich­keit all­zu ein­la­dend zu gestal­ten. Zum Aus­gleich: Musik ohne Text. Das ver­hin­dert zuver­läs­sig irgend­wel­chen lipsync. (Schö­nes Wort für Küs­sen auch.)

UNIVERS ZERO – Pré­sa­ge – 20 Sep­tembre 2009

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik CXXII: Ent­spannt dank Intim­kos­me­tik

Über den Intim­be­reich von Frau­en erfährt man neu­er­dings mehr als nötig. Da kann das Maga­zin „mys­elf“ – Unter­ti­tel: „Wir machen Frau­en stark“ – frei­lich nicht zurück­ste­hen und titelt auf sei­ner noch aktu­el­len August­aus­ga­be: „Intim-Kos­me­tik: Braucht man das?“. Damit es nicht so aus­sieht, als wol­le man sei­tens der Redak­ti­on vor allem ver­un­si­chern, domi­niert aber die Anlei­tung zur Gelas­sen­heit, näm­lich sowohl „How to be cool! In jeder Lage sou­ve­rän sein“ als auch „Ent­spannt statt aus­ge­brannt: Ein-Minu­ten-Man­tras zum Run­ter­kom­men“, die Titel­sei­te.

Wie man in einer Dis­kus­si­on über „Intim-Kos­me­tik“ sou­ve­rän sein kann, wür­de mich tat­säch­lich inter­es­sie­ren, also schla­ge ich im Innen­teil (auf Sei­te 22) nach.

Stimmt schon: Nie­mand sagt heu­te noch „cool“, aber alle wären es ger­ne – ein paar Tipps

Es han­delt sich um acht Tipps, um einen pro Sei­te, und sie sind alle­samt schreck­lich. Ich zitie­re mal nur aus zwei davon, zu viel Sou­ve­rä­ni­tät ertra­ge ich nicht.

Das cool­ste Tier der Welt? Die Kat­ze, weil sie ihr Ding durch­zieht.

Ich hät­te ja statt­des­sen den Pan­da­bä­ren genannt, weil er den hal­ben Tag frisst und den hal­ben Tag schläft und inso­fern nicht nur eben­so sein Ding durch­zieht, son­dern auch gar kei­nen gro­ßen Bock auf dau­ern­de action hat, aber Kat­zen sind ja auch ganz in Ord­nung. Die Essenz die­ses Tipps lau­tet jeden­falls, man sol­le halt machen, wor­auf man Bock hat. Lei­der ist vie­les von dem, wor­auf ich Bock habe, ille­gal und ich weiß nicht, ob „miau, ich bin eine Kat­ze“ vor Gericht zum Frei­spruch reicht.

Ein wei­te­rer Tipp ist gar kei­ner:

Was sich (…) nicht auf­hal­ten lässt, ist das Altern. Man kann nicht ein Leben lang wie 30 oder 40 aus­se­hen.

Auch ich wer­de der­einst, sofern ich nicht vor­her erschla­gen wer­de (was ich immer noch für nicht unwahr­schein­lich hal­te), aus­se­hen wie ein alter Lap­pen. Das zu wis­sen ver­setzt mich nun nicht gera­de in sou­ve­rä­ne Cool­ness, aber ich bin ja auch noch kei­ne 40. Viel­leicht kommt das noch. Ein Ein-Minu­ten-Man­tra (Dop­pel­sei­te 34/35) soll’s rich­ten:

Use it or lose it.

Nein, das lie­ber nicht. Lie­ber das:

Ich kann jeder­zeit etwas ändern.

Man muss ja nicht älter wer­den, wenn man nicht will.

Es gibt in die­ser Aus­ga­be der „mys­elf“ einen wei­te­ren Text, der „F*ck, bin ich das Pro­blem?“ zur Über­schrift hat. „Fsternck“ sagt man also noch. Ich gehe grund­sätz­lich immer davon aus, dass Men­schen, die sowohl auf eng­lisch­spra­chi­ge Flü­che zurück­grei­fen als auch die­se dann sicher­heits­hal­ber (war­um?) selbst weg­pie­pen (und sei’s nur schrift­lich), das Pro­blem sind und möch­te mich hier inso­fern selbst nicht vom Inhalt des Tex­tes beein­flus­sen las­sen.


Eine August‑, nein: „August/September“-Ausgabe gibt es auch von der „Cos­mo­po­li­tan“, die sowohl mit „Feri­en-Sex, der fünf Ster­ne ver­dient“ als auch mit „Augen­rol­len ist auch ein Sport: War­um inner­lich Lästern gut­tut“ beti­telt ist. Bestimmt könn­te man das mit­ein­an­der zu einer guten Poin­te kom­bi­nie­ren, aber ich mag nicht.

Der Text über das Lästern beginnt mit einer Bit­te um Ehr­lich­keit, aber wenn ich ehr­lich bin, bin ich gar nicht so.

End­lich Urlaub, end­lich ent­spannt … glot­zen! Sei­en wir ehr­lich zu unse­rer tole­ran­ten Grund­hal­tung, nichts macht mehr Spaß, als sich an Pool und Buf­fet über die ande­ren Urlaubs­gä­ste lustig zu machen.

Die „Cos­mo­po­li­tan“ dürf­te damit offi­zi­ell das deut­sche­ste Frau­en­ma­ga­zin sein, das am Bahn­hofs­ki­osk her­um­liegt. Der „Land­ser“ ist ein Witz dage­gen. Es wer­den fünf Arten von Urlaubs­gä­sten genannt (dar­un­ter die „Alman-Annet­te“ und die „Strand­prin­zes­sin“), über deren Eigen­hei­ten man sich sei­tens der Redak­ti­on zu beöm­meln pflegt, jedoch ist „die blö­de Nuss, die in der Cos­mo­po­li­tan gele­sen hat, dass es echt toll ist, sich über ihres­glei­chen lustig zu machen, und damit jetzt den gan­zen Urlaub zu ver­brin­gen gedenkt“ nicht dabei. Scha­de.

Auf Sei­te 106 ist eine Frau abge­bil­det, die offen­sicht­lich unter ihrem weit­ge­hend durch­sich­ti­gen Kleid kei­nen BH trägt. Der Text dane­ben weist dar­auf hin, dass sie einen total ver­füh­re­ri­schen Lip­pen­stift tra­ge, aber so weit nach oben habe ich noch nicht geguckt. Was für eine Ver­schwen­dung von Lip­pen­stift!

Einer der weni­gen Män­ner im Heft, Cor­ne­li­us Poll­mer (sonst mit dem Föje­tong der „Süd­deut­schen“ beschäf­tigt), kommt in die­ser Aus­ga­be mit einer Kolum­ne zum The­ma Som­mer zu Wort. Die Kolum­ne trägt die Über­schrift „Man wun­dert sich“, eine Zwi­schen­über­schrift heißt mehr­fach­plu­ra­li­sie­rend „In den AGBs des Som­mers lau­ern Tücken“. Man wun­dert sich. Sein Kol­le­ge Yan­nick Werani, dem die letz­te Inhalts­sei­te zur Ver­fü­gung stand, gesteht dort zwei­spal­tig, dass er sehr gern im Zug die pri­va­ten Nach­rich­ten ande­rer Leu­te mit­le­se. Er sei bis­her nur ein­mal dabei erwischt wor­den, aber er „wür­de es immer wie­der tun …“, denn die Frau, vor deren Auf­merk­sam­keit sich in Acht zu neh­men ihm nicht gelun­gen war, habe sich ledig­lich weg­ge­setzt und ihm nicht etwa nach­drück­lich auf­ge­zeigt, wel­che Kon­se­quen­zen die­ser feh­len­de Respekt vor dem Pri­vat­le­ben ande­rer Leu­te haben könn­te, wenn die­se kein zivi­li­sier­tes Mit­glied der Gesell­schaft sind.

Ich nei­ge selbst nicht dazu, mei­ne pri­va­te Kor­re­spon­denz dort zu erle­di­gen, wo Drit­te zuschau­en, jedoch stel­le ich fest, dass ein Foto von Yan­nick Werani neben sei­nem Text zu sehen ist. Er sieht genau so aus wie jemand, über den die übri­ge Redak­ti­on im Urlaub wahr­schein­lich aus­gie­big lästern wür­de, und scheint das drin­gen­de Bedürf­nis zu haben, end­lich mal ver­mö­belt zu wer­den.

Die näch­ste Aus­ga­be der „Cos­mo­po­li­tan“ kommt am 5. Sep­tem­ber raus und ent­hält, ver­spricht der Innen­text, unter ande­rem einen Text dar­über, was man machen kön­ne, wenn aus­nahms­wei­se mal der Mann in einer klas­si­schen Paar­be­zie­hung kei­ne Lust auf Bei­schlaf hat. Ich glau­be, die kann ich aber nicht kau­fen. Ich hab’ Migrä­ne.

Persönliches
Ent­öde­te Innen­städ­te (II): Ver­lo­re­ne Knei­pen­kul­tur

Im März 2021 schrieb ich, der Ver­ödung von Innen­städ­ten kön­ne man mit dem Bau von Ein­kaufs­zen­tren kei­nes­wegs ent­ge­gen­wir­ken. Einen nicht uner­heb­li­chen Aspekt hat­te ich dabei noch gar nicht erwähnt.

Ich kom­me all­mäh­lich in das Alter, in dem ich so etwas wie eine Knei­pen­kul­tur ent­wick­le. Ich den­ke offen dar­über nach, das Wort künf­tig mit Doppel‑P zu schrei­ben, weil das dann so schön nach Fuß­bad und nicht häss­lich nach „der alte Mann orgelt sich acht­ar­mig Fusel rein“ klingt. Was davon im Übri­gen zutrifft, über­las­se ich der Fan­ta­sie des Lesers. In einer mir bis dahin unbe­kann­ten Knei­pe in einer anson­sten nicht wei­ter inter­es­san­ten Stadt jeden­falls geriet ich vor einer Wei­le – das pas­siert mir neu­er­dings des Öfte­ren – mit dem Wirt ins Gespräch, einem rede­freu­di­gen Aus­wärts­stäm­mi­gen, der es mehr oder weni­ger geschafft hat, sein mitt­ler­wei­le eige­nes Eta­blis­se­ment durch die Kri­se zu tra­gen. Das ist nicht allen gelun­gen, was ich bedau­re.

Es war ein eher ereig­nis­ar­mer Wochen­tag, wes­halb man in die­ser Knei­pe kein ent­hemm­tes Gedrän­ge vor­fand, son­dern eine ein­stel­li­ge Zahl an Gästen, die sich im Lau­fe des Abends auf drei redu­zier­te. Es sei ja, klag­te der Wirt, nicht mehr so viel los, seit die Leu­te sich dar­an gewöhnt haben, abends blö­de zu Hau­se zu sit­zen. Schon zuvor aller­dings war ein gesell­schaft­li­cher Wan­del zu erken­nen und die da oben sind dar­an schuld.

Vor etwa zwan­zig Jah­ren boom­te (also bum­ste) die Bau­tä­tig­keit der in meh­rer­lei Hin­sicht stil­lo­sen ECE Group in Nie­der­sach­sen, meh­re­re Städ­te erhiel­ten unfass­bar häss­li­che Ein­kaufs­zen­tren anstel­le der zuvor an der­sel­ben Stel­le befind­li­chen Parks oder son­sti­gen Flä­chen. Dass kurz dar­auf der Inter­net­han­del dazu füh­ren wür­de, dass zuse­hends mehr Men­schen sich das alber­ne Geschub­se in die­sen Geschäf­ten schlicht erspa­ren wür­den, hät­te man zwar ahnen kön­nen, aber es hat ja auch offen­bar nie­mand von Belang danach gefragt. Jetzt ste­hen die Klöt­ze da und kei­ner will mehr rein. Tja.

Zu den­je­ni­gen Gebäu­den, die vor ein paar Jah­ren auf Geheiß eines ande­ren Inve­stors einem Ein­kaufs­zen­trum wei­chen muss­ten, gehör­te in min­de­stens einer Stadt auch eine seit Jahr­hun­der­ten eta­blier­te Knei­pe. Das ist zwar, für sich genom­men, zunächst ein­mal nur eine ein­zel­ne Anek­do­te, aber das Aus­dün­nen der Knei­pen­land­schaft bei gleich­zei­ti­ger rasan­ter Aus­deh­nung von Läden beob­ach­te ich mitt­ler­wei­le hin­rei­chend lan­ge, so dass ich min­de­stens eine Kor­re­la­ti­on erken­ne: je mehr Kon­sum, desto weni­ger Gesel­lig­keit.

Man kommt im Super­markt nicht mal eben mit Frem­den ins Gespräch, sieht man von den Panik­ham­stern jeden Sonn­abend – mor­gen is’ zu, mor­gen is’ Welt­un­ter­gang – ab, die Umste­hen­de gern dar­auf hin­wei­sen, dass ihres­glei­chen zu lan­ge an der Kas­se steht, wenn ihres­glei­chen vor ihnen dran ist. Ein Her­um­ge­drücke auf dem Smart­phone ersetzt kein Bru­der­schaft­trin­ken am Alt­holz­tisch. Auf Super­markt­re­ga­len hin­ter­lässt nie­mand (war­um eigent­lich nicht?) selt­sa­me Zeich­nun­gen oder wenig­stens die Anek­do­te, er sei „hier gewe­sen“. Der Mensch ver­einsamt nicht wegen des Digi­ta­len, son­dern, weil er mit der Abschaf­fung des Ana­lo­gen ins Digi­ta­le getrie­ben wird. Bier­trin­ken vor’m Com­pu­ter ist unbe­frie­di­gend, so lan­ge der Kör­per nicht danach ver­langt. Dann aller­dings ist es für vie­les zu spät, was auch – gera­de – eine Knei­pe nicht mehr zurück­ho­len könn­te.

Mehr Ein­kaufs­zen­tren zu und mehr Knei­pen auf. Ein­ge­kauft wird online, gefei­ert wird, wo Platz ist. Was spricht eigent­lich dage­gen?

In den NachrichtenMontagsmusik
Phew – Depth of the Fore­head // Fun­ky Marie­chen

Interessant, erzähl mir mehr.

Es ist Mon­tag. Idee für einen Punk­band­na­men (wohl noch frei): 500 E‑Autos auf ’nem Frach­ter. Feu­ri­ge Büh­nen­show garan­tiert.

Beim Kapi­ta­lis­mus, stell­te ich die­ser Tage anders­wo fest, muss sich die NATO gera­de von Chi­na erklä­ren las­sen, wie er funk­tio­niert: Über­ra­schend stellt sich raus, dass der Rus­se ein pro­fi­ta­bler Han­dels­part­ner ist und, wenn man ihn gehen lässt, halt ande­re den Pro­fit abgrei­fen. Man möch­te fast Mit­leid haben. Als wit­zi­ger Bei­fang des so Her­aus­ge­stell­ten haben For­scher uner­war­tet her­aus­ge­fun­den (All­er­gi­ker­war­nung: „Golem.de“), dass, wenn man sich ohne tech­ni­sche Not­wen­dig­keit, son­dern allein aus kaum ver­brämt natio­na­li­sti­schen Erwä­gun­gen her­aus („die Chi­ne­sen!!!!“) funk­tio­nie­ren­der Infra­struk­tur ent­le­digt, plötz­lich das mobi­le Netz an Zuver­läs­sig­keit ver­liert. Ich rech­ne es den zustän­di­gen Regie­run­gen ja hoch an, dass sie plötz­lich was gegen Über­wa­chung haben, aber war­um immer nur gegen die ande­re?

Welt­geist der Woche: Bei einem Auto namens Funky Cat kann es zu Fun­ken­flug kom­men. Das ist zwar eigent­lich über­haupt nicht lustig, aber ich habe sowohl ein schlich­tes Gemüt als auch mein heu­ti­ges Kaf­fee­soll noch nicht erfüllt. Da fin­de ich immer vie­les lustig.

Wort der Woche: Waf­fen­por­no. Viel fried­li­che­rer, dafür jedoch selt­sa­mer Groo­ve zum Wochen­start: Phew.

Depth Of The Fore­head

Guten Mor­gen.