Man eile: Bei Bandcamp.com ist heute vielleicht der letzte „Bandcamp Friday“, also derjenige Freitag in manchen Monaten, an dem das Unternehmen beim Verkauf von Musikkopien auf seinen eigenen Anteil zugunsten der Künstler verzichtet.
Mit dem genossenschaftlich geführten jam.coop steht eine Alternative in den sog. „Startlöchern“. 2024 wird interessant.
Ich solle das „Wallpaper“ „installieren“, fordert mich ein Beitrag im Veranstaltungsblog zum künftigen 37C3, dem wohl einzigen Hackertreffen der Welt, auf dem mehr Journalisten und Sozialarbeiter als Hacker zu finden sind, auf. Das „Wallpaper“ – früher nannten wir das noch „Hintergrundbild“ – steht nur im smartphonefreundlichen Hochkantformat zum „Installieren“ bereit. Zur Zielgruppe – jenseits derer, die sowieso immer dabei sind und darum anderen Leuten bevorzugt den Platz wegnehmen können wie so ein Bahn-Bonus-Kunde – habe ich vorerst keine weiteren Fragen.
Menschen posten heute stolz ihre bekloppten Jahresrückblicke, die Spotify ihnen bereits zusammengestellt hat, denn es ist ja schon Ende November und im Dezember erscheint bekanntlich nie gute Musik. (Doch, aber dazu komme ich später noch – meine hiesige musikalische Jahresrückschau erfolgt wie immer Anfang Januar.)
Mein musikalisches 2023 besteht gewohnt aus jeder Menge 70er-Musik und ein paar Ausnahmen, das Schönste aber schafft es nicht in irgendwelche automatischen Listen, weil ich sowohl immer noch nicht willens bin, mir ein Spotifykonto zuzulegen, als auch mein Plattenspieler nicht streamt. Die Freude der Deutschen daran, völlig Fremde an ihrem Jahr teilnehmen zu lassen, so dass es jetzt absehbar tagelang in sozialen Medien kein wichtigeres Thema geben wird, erschließt sich mir indes nur bedingt.
Wo doch „Fuck!“ – oder, so’s genehm ist, „So eine verdammte Scheiße!“ – als Jahresrückblick oft völlig reicht.
Es ist Montag. Weihnachtsmarkt schön und gut, aber wenn ich Bock hätte, in peinlichen Klamotten absurde Getränke zu scheußlicher Musik zu trinken, würde ich aufs Oktoberfest fahren.
In Deutschland wird niemals das Geld für Krieg fehlen. Daran sich zu erinnern sei denen gegönnt, die sich im Rentenalter kein Mittagessen mehr leisten können, weil sie ihr ganzes Leben lang denen gefolgt sind, die behauptet haben, ihr wichtigstes Anliegen sei ein „gutes Leben“ für „alle“. So weit links muss man ja auch erst mal sein.
Der Kapitalismus wirft viele Fragen auf, aber zumindest diese hier ist beantwortet: Warum ihr eure Nieren verkaufen dürfen solltet. Vielen Dank, James Mackintosh vom „Wall Street Journal“. – Qualitätsjournalistische Überschrift des Wochenendes: „Schussabgabe von Polizist: Mann an Verletzungen gestorben“ („ZEIT ONLINE“, Archivversion), also früher hieß das ja noch anders.
Von MEINEN Gebühren!!11! speit Andreas Meyer-Feist, dreistes Bürschchen im Auftrag der ARD Brüssel, für die „tagesschau“ (Archivversion) anlässlich der neuesten Wahl in den Niederlanden, infolge derer das bis dahin nicht mehrheitlich „links“ regierte Land auch weiterhin nicht mehrheitlich „links“ regiert wird, folgenden Scheißdreck ins Internet rein:
Unwürdig war das Schauspiel, das ein Christdemokrat geboten hatte. Seine alte Partei hatte er Hals über Kopf verlassen, um eine eigene aufzumachen, deren anmaßender Name „Neuer Gesellschaftsvertrag“ jenen politischen Autismus versinnbildlicht, von dem viele Niederländer die Nase voll haben.
Unwürdig ist das Schauspiel, das Andreas Meyer-Feist geboten hatte. Nase voll usw. usf. – Als politischem Autisten ist mir indes nicht ganz klar, inwiefern der Parteiname „Neuer Gesellschaftsvertrag“ „politischen Autismus“ versinnbildlichen soll. Hat er auch Probleme, wenn das Telefon klingelt?
Es ist Glyphosat Montag. Erst mal einen gesunden Glassnack und dann kann der Tag auch schon beginnen. Menschen schimpfen über die Sittenpolizei im Iran, aber wollen, dass ich mir eine Hose anziehe, wenn der Kunde zum Meeting kommt. Verstehe ich nicht.
Am Wochenende fand ein Parteitag der „Linken“ statt. Wie bräsig diese Veranstaltung tatsächlich war, haben Redakteure der Zeitung „Unsere Zeit“ launig ins Internet geschrieben. Wer Ähnlichkeiten zu anderen Parteien zu erkennen glaubt, der hat völlig Recht.
Wir bleiben beim Thema: Kaum fliegt die F.D.P. aus dem bayrischen Landtag, will sie gar nicht mehr, dass der Landtag kleiner wird. Da geht sie schon mal irgendwo mit gutem Beispiel voran und dann so was. – Andere Klapspartei, anderer Knall: Der „Rote Morgen“, das ehemalige Zentralorgan der noch ehemaligeren KPD/ML, bietet einen Onlinezugang (Archivversion) zu einem „Live-Chat“ an, für den man eine funktionierende Kamera und ein ebensolches Mikrofon zu haben hat. Wer Datenschutzsorgen hat, der sei beruhigt: Als Avatarbild könne man auch irgendwas anderes als sein Gesicht einstellen. Ob sie es selbst merken, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen.
In Israel nehmen sie männlichen Leichen neuerdings ohne deren vorherige Zustimmung das Sperma ab. Zugunsten weiterer Zeugungsfähigkeit, weil „mein Körper gehört mir“ halt bei Männern sogar nach deren Tod keinen Pfifferling wert ist. Kann ich dieses Patriarchat noch mal sehen?
Apropos Religion: Manchmal frage ich mich, wie es um den Weltfrieden heute stünde, hätte man die gewaltvolle christliche Mission des jeweiligen Landes verwiesen. Der besinnliche Dezember im christlichen Deutschland ist ein Fest der Selbsttäuschung. Worin packt man eigentlich in einer umweltbewussten Zeit Geschenke ein, warum packt man Geschenke überhaupt in irgendwas ein, warum braucht man unbedingt Geschenke? – Die „christliche Tradition“, die von Politikern jeder Couleur allwinters bemüht wird, ist gelebtes Stockholmsyndrom. Was will man auch machen, wenn sich die Frage nach dem Glauben scheinbar verbietet?
Musik vielleicht.
Reverend Kristin Michael Hayter „All Of My Friends Are Going To Hell“ (Official Video)
Sie nennen sich weltoffen, lehnen kulturellen Hochmut vermeintlich ab und unterscheiden in ihrer Sprache trotzdem zwischen Buchstaben, den Schriftzeichen des eigenen Kulturraumes, und Schriftzeichen, wenn das Alphabet kein ABC, sondern ein Abdschad oder Gojūon ist. Niemals kämen sie auf die Idee, „deutsche Schriftzeichen“ zu sagen. Das fänden sie albern.
Im Jahr 2004 veröffentlichten die Krautrocklegende Faust und die Hip-Hop-Combo Dälek gemeinsam ein Album namens „Derbe Respect, Alder“. Zu hören gab es – nun – versierten Krautrock im rhythmusbetonten Stil von Faust mit allerlei Elektronik und Rap. Wer dachte, dass noch merkwürdigere Zusammenarbeit kaum vorstellbar ist, der hatte zwar eigentlich Recht, aber auch nicht mit Hans-Joachim Irmler gerechnet.
Dieser – federführend auf meinen Lieblingsalben von Faust, mittlerweile jedoch ausgeschieden – hat 2018 mit dem Projekt Anguish (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp) noch eine Schippe draufgelegt, wie wir geistigen Lokführer sagen. Anguish, keinesfalls mit einer der übrigen Musikgruppen gleichen Namens zu verwechseln (es ist schwer geworden, eine Musikgruppe zu gründen, die einen einprägsamen Namen erhalten soll, der noch nicht anderweitig vergeben ist), bestand – wohl nur ein Album lang, aber ich kann irren – neben Hans-Joachim Irmler aus jeweils zwei Mitgliedern von Dälek (MC dälek und Mike Mare) sowie der großartigen Free-Jazz-Gruppe Fire! Orchestra, nämlich dem Schlagzeuger Andreas Werliin und dem nicht minder großartigen Tenorsaxophonisten Mats Gustafsson, über den ich mich hier gelegentlich schon mal gefreut habe.
Genres sind was für Journalisten und Schwächlinge. Free Doom Crossover Jazzrap. Was weiß denn ich. Das letzte Stück heißt „Wümme“, vermutlich benannt nach dem Gründungsort von Faust. Alles passt.
Ich habe übrigens keine geringe Kauflaune. Das wiederum sorgt jedoch dafür, dass ich einen geringen Kontostand habe, der wiederum die Händler dazu verleitet, mir gegenüber eine geringe Verkaufslaune zu zeigen.
Es ist Montag. „Vier Studierende erzählen, wie geil sie wohnen.“ ist mittlerweile ein ganz normaler Satz in der Qualitätspresse. Das Leistungsschutzrecht war eine unglaublich dumme Idee.
Wir bleiben in der EDV. Dass Teile der Europäischen Union HTTPS unbrauchbar machen wollen, haben mittlerweile hoffentlich alle, die ein grundsätzliches Interesse an Datenschutz haben, mitbekommen. Voll gut, diese Europäische Union. Nur schade, dass sie sich dauernd in Computerdinge einmischen will. – Taras Buria witzelt bei Neowin, dass, dass OneDrive neuerdings nach einem Grund fragt, wenn man es beenden will, hoffentlich nicht bedeute, dass man Windows künftig auch nur noch herunterfahren könne, wenn man ihm einen überzeugenden Grund angebe. Taras Buria scheint schon länger keinen Windowsserver mehr benutzt zu haben.
Berechtigte Frage von Rob Pike: Wenn ein „unerwarteter Fehler“ auftritt, was macht man dann eigentlich damit, außer Nicken und Weitergehen?
Überraschung der Woche: Die Deutsche Bahn hat ein „Pünktlichkeitsziel“. Merkt man ja auch nicht immer. Andererseits: Ich kenne jetzt die internen Verlautbarungen der Deutschen Bahn nicht, aber liegt das „Pünktlichkeitsziel“ ungefähr bei 0?
Wir wechseln in die Politik, also mit diesem Beitrag. Ich bin ja schon dort. (Nur noch drei Jahre. Drei. Nur noch drei. …) Zu niemandes Überraschung hat sich herausgestellt, dass an der Beschädigung der russischen Gasleitung nach Deutschland das ukrainische Militär nicht ganz unschuldig gewesen zu sein scheint. Hoffentlich spricht sich das nicht herum. Sonst sprengt nächste Woche die Hamas irgendeine deutsche Stromleitung, damit sie ebenfalls von Deutschland mit Waffen versorgt wird. Waffen sind dieser Tage ja das letzte relevante Exportprodukt von Deutschland. Zum Glück haben wir keine rechte Bundesregierung. Die würde viel zu viel Geld in irgendwelche rechten Projekte stecken und nicht in die Bundeswehr.
Gute Nachrichten aus dem Ausland: In Schweden raubt man Büchereien nicht aus. Man leiht sich was. Gibt’s derweil (wenigstens hier) geschenkt: Musik.
Bolt Gun – The Altar of Lies Will Not Be Destroyed (Official Video)
Die SPD, ihre Traditionen (Tradition sei Gruppenzwang von Toten, weiß das Internet) wahrend, arbeite „an der Etablierung eines Tages zur Ehrung von Bundeswehrveteranen“, lässt das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie wissen. Ich bin mir ziemlich sicher, das wird genau so erfolgreich wie die Schnapsidee, Soldaten in Uniform könnten fahrscheinfrei Zug fahren und dann würden alle Menschen sie mögen. (Ich mag sie nicht. Sie sollen weggehen.)
Sie wollen irgendwas mit „Anfängen“ und „Wehren“ machen, vergüten aber schwarze Stiefel und Gleichschritt statt gesellschaftlichen Engagements und Friedensaktivismus. Es kippt, da können „wir“ ein starkes Militär gebrauchen. Bundeswehrt die Anfänge.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.