SonstigesFotografie
Zar­ter Geschmack

Manch­mal, Wer­ber, seid ihr so unfass­bar krea­tiv, dass sich unser­eins nur noch vor Stau­nen auf dem Lin­ole­um wälzt und kichert. So etwa wuss­te mich auch die Wer­be­ab­tei­lung von Bur­ger King zu über­zeu­gen, die nicht etwa für zar­te Spei­sen oder guten Geschmack warb, son­dern …

… für sol­che, die zart und knusp­rig schmecken.

„Wie schmeckt denn das?“
„Zart!“
„Nein, ich mein­te: Wonach?“
„Knusp­rig!“
„Ach, na dann…“

Wie­so das Titel­bild der Zeit­schrift Blon­de („es ist ein Mode­mäd­chen“, also eine Life­style-Trul­la, ein Opfer des Kapi­ta­lis­mus‘, neh­me ich an?) übri­gens eine Brü­net­te zeigt, weiß wohl allein die Redak­ti­on allein.

PolitikSonstiges
Einen hab’ ich noch: Poly­lo­goi (B)

Aus der Bio­gra­fie einer Kom­mu­ni­stin: „Schon, als sie ihrer Mut­ter, die frag­te, wie sie sich mit ihren neu­en Klas­sen­ka­me­ra­den ver­ste­he, ent­geg­ne­te, an der Uni­ver­si­tät gebe es kei­ne Klas­sen, bemerk­te sie den revo­lu­tio­nä­ren Fun­ken, der in ihr glomm.“

Mit die­sem schlech­ten Witz möch­te ich die Rei­he der Wort­spie­le ohne Ton fort­set­zen, die ich in mühe­vol­ler Klein­ar­beit selbst erar­bei­te und die hof­fent­lich auch mei­ne geschätz­te Leser­schar zum Schmun­zeln zu brin­gen oder aber jeden­falls nicht zu ver­trei­ben ver­mag. Nicht ohne Stolz also prä­sen­tie­re ich Fol­ge B der losen Serie „Poly­lo­goi“:

Und – habt ihr es?

Der im ersten Teil gezeig­te Vogel – die Lösung für den zwei­ten Teil wer­de ich im drit­ten Teil ver­ra­ten – ist inzwi­schen, das sei aus mei­nem ima­gi­nä­ren Näh­käst­chen geplau­dert, ein toter sol­cher. Ich hof­fe, das liegt nicht an mir, denn anson­sten sehe ich schwarz für den dies­mal Gemein­ten.

Übri­gens ist in die­sem Text ein nicht gekenn­zeich­ne­tes Zitat ver­steckt.
Wer es fin­det, dem geste­he ich zu, mir eine Mit­glied­schaft in der CSU auf Leb­zeit zu ver­wei­gern.

NetzfundstückeNerdkrams
Opti­miert für Strom­ver­sor­gung

Wie lan­ge ist es her, dass die diver­sen blin­ken­den Gra­fi­ken der Bau­art „Opti­miert für Inter­net Explo­rer“ und ähn­li­cher Fir­le­fanz weit­ge­hend aus dem Inter­net ver­schwun­den sind, als die mei­sten Leu­te wohl end­lich ver­stan­den hat­ten, dass der Inter­net Explo­rer, damals noch in der Ver­si­on 4 weit ver­brei­tet, nicht unbe­dingt etwas ist, wor­auf man sei­ne Web­sei­te „opti­mie­ren“ muss und soll­te? Der Ver­lust der Par­odien war da leicht zu ver­schmer­zen, eine davon fand sich auch auf mei­ner ersten Inter­net­sei­te; denn wie kann man eine Web­sei­te am besten betrach­ten? Rich­tig: Mit offe­nen Augen.

Dar­an muss­te ich sofort den­ken, als ich mir die Spe­zi­fi­ka­tio­nen von HPs neu­er Eli­te­Book-Rei­he ansah. Nicht nur wer­den dort Funk­tio­nen wie Mul­ti­tas­king (unfass­bar, mit einem Eli­te­Book kann man tat­säch­lich alle Anwen­dun­gen benut­zen, die das jewei­li­ge Betriebs­sy­stem unter­stützt?) und ein­fa­ches Auf­la­den (man muss nur ein Netz­teil hin­ein­stecken, das ist min­de­stens ein­ma­lig!) ange­prie­sen, son­dern es fin­det sich dort auch das fea­ture „Opti­mi­zed for Genui­ne Win­dows® 7 Pro­fes­sio­nal“, und die­ses „Genui­ne“ wird in der kur­zen Erklä­rung noch­mals wie­der­holt; „opti­miert für legal erwor­be­nes bzw. lizen­zier­tes Win­dows 7 Pro­fes­sio­nal“ also.

Der Sub­text lau­tet, auf Deutsch über­setzt, wie folgt:

Mit einem lizen­zier­ten Win­dows® 7 Pro­fes­sio­nal erhal­ten Sie star­ke Pro­zes­sor­fä­hig­kei­ten, Draht­los­funk­tio­nen und einen 15,6‑Zoll-HD-Bildschirm.

Was also darf ich dar­aus fol­gern?

Erstens: Win­dows 7 Ulti­ma­te ist auf einem Eli­te­Book eben­so­we­nig lauf­fä­hig wie Linux oder gar das für näch­stes Jahr geplan­te (also eher nicht vor 2014 erschei­nen­de) näch­ste Win­dows. (Ver­mut­lich sind die Vari­an­ten mit Free­DOS des­halb preis­wer­ter zu haben.)
Zwei­tens: Eine aus nicht ganz kosche­ren Quel­len bezo­ge­ne Win­dows­ko­pie wird vom Eli­te­Book als eine sol­che erkannt und ver­sagt gleich­falls die rei­bungs­lo­se Zusam­men­ar­beit.
Drit­tens: Ver­sucht man es den­noch, so wird der Pro­zes­sor schwach, das WLAN deak­ti­viert und der Bild­schirm klei­ner. (Oder grö­ßer, das steht da lei­der nicht, eben­so übri­gens auch nicht, wie man sich das vor­zu­stel­len hat. Rollt er sich ein?)

Viel­leicht hat HP aber auch nur ver­sucht, dem Kon­kur­ren­ten Dell die Mei­ster­schaft im Bull­shit-Bin­go strei­tig zu machen.

PolitikIn den Nachrichten
Hit­ler hat wenig­stens nicht pla­gi­iert.

Ist ja schon gut, ich schrei­be ja schon etwas dazu:

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg hat heu­te Mit­tag sein „Amt“ nie­der­ge­legt. Jetzt kann man sich natür­lich bequem zurück­leh­nen und sich freu­en, man kann sei­ne Abtritts­re­de (etwa auf sueddeutsche.de zu lesen) aber auch ana­ly­sie­ren und heu­te Nacht nicht mehr ruhig schla­fen kön­nen.

Sel­bi­ge Rede näm­lich war letz­ten Endes nichts ande­res als ein auf­ge­bla­se­nes Geze­ter, wie gemein doch alle zu ihm, dem Herrn Mini­ster, sei­en, weil sie ihn nicht mehr nur nach sei­ner „Arbeit“ bewer­te­ten, son­dern auch nach sei­nen pri­va­ten Ver­feh­lun­gen. Ande­re an sei­ner Stel­le wären froh, wäre dem so, aber der Herr Mini­ster bekommt ja nicht genug:

Ich tra­ge bis zur Stun­de Ver­ant­wor­tung in einem for­dern­den Amt.

Das ist aber auch ein schreck­lich zeit­auf­wen­di­ges Amt, die­ses Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um. Deutsch­land wird von Fein­den ja gera­de­zu umzin­gelt; jeden­falls dort, wo sich sei­ne Sol­da­ten unter der Füh­rung des Herrn Ver­tei­di­gungs­mi­ni­sters auf­hal­ten. Ihren Wunsch, Ihr, Herr zu Gut­ten­berg, Tun aus­schließ­lich auf poli­ti­scher Ebe­ne zu bewer­ten, hät­ten Sie aller­dings schon viel eher äußern sol­len, zum Bei­spiel, als nach Ihrem Amts­an­tritt klar wur­de, dass sich am Ster­ben für Deutsch­lands Frei­heit am Hin­du­kusch nichts ändern wür­de.

Wohl nie­mand wird leicht, geschwei­ge denn leicht­fer­tig, das Amt auf­ge­ben wol­len, an dem das gan­ze Herz­blut hängt. Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für vie­le Men­schen und deren Leben beinhal­tet.

„Herz­blut“, Alters­pen­si­on, ist doch alles der glei­che Krem­pel. Aber dan­ke noch­mals, dass Sie, Herr zu Gut­ten­berg, das mit der Ver­ant­wor­tung noch mal erwähn­ten, denn so kann ich Sie nun fra­gen: Wo war denn Ihre Ver­ant­wor­tung, als jüngst wei­te­re Sol­da­ten, die ihr unter­stellt waren, ihre sterb­li­che Hül­le ver­lie­ßen (vul­go: fie­len)?

Ich war immer bereit, zu kämp­fen, aber ich habe die Gren­zen mei­ner Kräf­te erreicht.

Das war aber auch ein har­ter Kampf, allein mit der BILD gegen die eige­ne Moral zu kämp­fen; und jetzt hat die blö­de Moral auch noch gewon­nen!
Das kann sich ein Poli­ti­ker wahr­lich nicht erlau­ben.

Inso­fern: Gute Ent­schei­dung!

FotografiePolitik
Kurz ver­linkt XXXVIII: Mobi­le Para­noia

(Soll­te ich mit dem fol­gen­den Bei­trag ver­se­hent­lich Ver­fol­gungs­wahn schü­ren, so tut mir das natür­lich ganz dol­le Leid.)

Ich eröff­ne die­sen Bei­trag mit einem wei­te­ren Schnapp­schuss, der ent­stand, weil mir irgend­et­was dar­an merk­wür­dig erschien:

Wäh­rend ich noch dar­über sin­nie­re, wor­an genau mein Unter­be­wusst­sein Anstoß nahm, als es mich zum Foto­gra­fie­ren ver­lei­te­te, bit­te ich den geneig­ten Leser, einen Blick auf zeit.de zu wer­fen, wo in ori­gi­nel­ler Schreib­wei­se und Gram­ma­tik zu lesen ist:

Der Grü­nen­po­li­ti­ker Mal­te Spitz hat sich (…) ent­schlos­sen, sei­ne Vor­rats­da­ten aus dem Zeit­raum August 2009 bis Febru­ar 2010 zu ver­öf­fent­li­chen. Um sie zu über­haupt bekom­men, muss­te er gegen die Tele­kom kla­gen.

Die Daten (…) ent­stam­men einem Excel­do­ku­ment mit 35.831 Zei­len. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobil­te­le­fon in die­sem hal­ben Jahr Infor­ma­tio­nen Preis gege­ben. Jede ein­zel­ne davon ist im Zwei­fel unbe­deu­tend und harm­los, in der Sum­me aber erge­ben sie das, was Ermitt­ler ein Pro­fil nen­nen – ein kla­res Bild über Gewohn­hei­ten und Vor­lie­ben, ja über das gesam­te Leben.

Sicher gehen vie­le die­ser Daten im Rau­schen unter, und es ist davon aus­zu­ge­hen, dass sie nur im Ein­zel­fall über­haupt irgend­je­man­den inter­es­sie­ren, zumal letzt­end­lich der Bür­ger selbst die Ent­schei­dungs­ho­heit dar­über trägt, wie viel er sei­nem Netz­be­trei­ber von sich preis­ge­ben möch­te (selbst ein iPho­ne zum Bei­spiel kann auch mal ein­fach ein paar Tage lang blö­de in der Ecke her­um­lie­gen, wäh­rend man anders­wie ter­ro­ri­sti­sche Anschlä­ge plant), aber für uns infor­ma­ti­ons­hung­ri­ge Infor­ma­ti­ker und neti­zens – schau­ri­ges Wort – ist allein die Daten­samm­lung schon inter­es­sant zu lesen. Bri­sant ist, dass hier auch der „digi­ta­le Radier­gum­mi“, sofern man sich irgend­wann ein­mal auf eine prak­ti­sche Umset­zung einigt, nicht viel Abhil­fe schaf­fen kann, denn die tat­säch­li­chen Bewe­gungs­da­ten (GPS) sind letzt­lich ana­lo­ge Daten. Nie­mand aller­dings wür­de sei­ne Fuß­spu­ren im Sand nach­träg­lich ent­fer­nen wol­len, denn die Gefahr, dass die­se sein Leben von Drit­ten nach­voll­zieh­bar wer­den las­sen, ist eher gering, sofern die­se Drit­ten es nicht direkt dar­auf abse­hen. Dann aller­dings hat man, sofern man dar­auf bedacht ist, dass die Welt­öf­fent­lich­keit sei­ne Exi­stenz nicht ein­mal zur Kennt­nis nimmt, ein gewal­ti­ges Pro­blem.

Nicht anders ver­hält es sich mit etwa­igen Ver­bin­dungs­da­ten bei Mobil­funk­be­trei­bern. Anders als etwa bei Apple oder Goog­le trägt man die vol­le und allei­ni­ge Ent­schei­dung dar­über, wer was wor­über erfah­ren darf.

Ich gehe übri­gens davon aus, dass ich als Reak­ti­on auf die­sen Bei­trag min­de­stens einen Kom­men­tar des Inhalts, da kön­ne ich mal sehen, wie harm­los Goog­le doch ist, erhal­te. Wer mich über­ra­schen möch­te, schreibt also etwas ande­res.

Und jetzt ent­schul­digt mich, ich wer­de mir ein paar schar­fe Bil­der von ero­ti­schen Auto­mo­bi­len anse­hen.
Boah, was für ein Fahr­ge­stell!

MusikSonstigesFotografie
Zwei­sam?

We lay on the bed the­re, kis­sing just for prac­ti­ce
Could we plea­se be objec­ti­ve?
Cau­se the other boys are queu­ing up behind us
A hand over my mouth, a hand over the win­dow
Well, if I remain pas­si­ve and you just want to cudd­le
Then we should be ok, and we won’t get into trou­ble
Cau­se we’­re see­ing other peo­p­le
At least that’s what we say we are doing

How are you fee­ling?
I don’t think you could be deal­ing
With the situa­ti­on very well
You take a lover for a dir­ty weekend, that’s ok
But when it’s over
You are loo­king at the working week in the eyes of a gigo­lo

(Bel­le and Seba­sti­an: See­ing other peo­p­le)

Spaß mit Spam
Herz­li­chen Glück­wunsch, Max Muster­mann!

Und dann war da noch die Tele­fó­ni­ca O2 Ger­ma­ny GmbH & Co. OHG, die ver­mut­lich nichts davon weiß, dass unter ihrer Fir­mie­rung ein Herr „Herz­li­chen Glück­wunsch!“ – tat­säch­lich ist dies der ange­zeig­te Absen­der­na­me – mir, dem „lie­ben Max Muster­mann“, ver­sucht, o²-Pre­paid-Käse („gra­tis Frei­kar­ten, und zwar kosten­los“, das ist fast so toll wie „preis­wer­tes Frei­bier“) anzu­dre­hen:

Die Adres­se habe ich mal sicht­bar belas­sen, denn es kann ja sein, dass einer von euch, lie­be Leser, sich ein­mal den Spaß gön­nen möch­te.
Ich mei­ner­seits sehe davon ab und sage: Net­ter Ver­such!

Sonstiges
Blei­ben Sie so!

Für all die­je­ni­gen, die nur wenig Lust auf Expe­ri­men­te mit ihrer Fri­sur haben, aber den­noch hin und wie­der ein­mal Sham­poo benut­zen, gibt es natür­lich auch etwas in jeder gut sor­tier­ten Dro­ge­rie, wor­auf mich Didi hin­wies:

(Und als er an einem Schild vor­über­ging, das in einer Klein­stadt eine „inter­na­tio­na­le“ Dino­sau­ri­er-Aus­stel­lung anpries, frag­te sich der Vor­über­ge­hen­de, aus wel­chen Natio­nen sie denn kämen, die Dino­sau­ri­er vom Urkon­ti­nent Pan­gaea.)

Netzfundstücke
Kata­stro­phen­alarm

Esse­ner auf­ge­passt:
Im Ver­lauf der mor­gi­gen Nacht kann es laut Fore­cast­fox zu einer Natur­ka­ta­stro­phe qua­si bibli­schen Aus­ma­ßes kom­men.

Todes­mu­ti­ge wer­den gebe­ten, das Spek­ta­kel als War­nung für spä­te­re Gene­ra­tio­nen in Bild und Ton fest­zu­hal­ten.

(Dan­ke an T.!)

KaufbefehleMusikkritik
Jea­ve­stone – 1+1=ok

Bereits im Novem­ber 2010 erschien mit „1+1=ok“ das drit­te Stu­dio­al­bum der mir bis dato unbe­kann­ten fin­ni­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Band Jea­ve­stone und gefällt mir außer­or­dent­lich gut.

Das Album beginnt („Laser Flu­xus Bom­bus Inter­rup­tus“, auf so etwas muss man auch erst ein­mal kom­men!) instru­men­tal und ließ mich bereits in die­ser Pha­se inter­es­siert auf­hor­chen; als schließ­lich Sän­ger Jim Gold­worth, von dem ich nicht anneh­me, dass er wirk­lich so heißt, ein­drucks­voll die jewei­li­gen Tex­te dar­bot, wäh­rend sei­ne Mit­strei­ter im Hin­ter­grund an ihren Instru­men­ten bril­lier­ten und in guter, alter Yes-Manier als Chor fun­gier­ten, wuss­te ich, dass ich die­ses Album, wenn es schon aus selbst­ver­ständ­li­chen Grün­den nicht für die Halb­jah­res­li­ste 2011 in Fra­ge kommt, zumin­dest nach­träg­lich mit einer Wür­di­gung auf die­ser Sei­te aus­zeich­nen soll­te.

Und eigent­lich ist „1+1=ok“ ja sogar meh­re­re Alben, denn was da an Ein­flüs­sen auf den Hörer ein­pras­selt, ist berau­schend. Je nach musi­ka­li­scher Vor­kennt­nis und Prä­fe­renz hört man hier Peter Ham­mill, Yez­da Urfa oder die Boom­town Rats am Mikro­fon, wäh­rend Cheer-Acci­dent, Mr. Bungle und ein biss­chen Frank Zap­pa (oder, je nach Lau­ne, Frogg Café) Melo­dien spie­len, die die Musi­ker selbst „Prog’n’Roll“ nen­nen und damit eine eigent­lich ganz gute Beschrei­bung hin­be­kom­men. Anders­wo wit­tert man Nähe zu Sting, bricht sich aber einen am Gen­der­wahn ab („Finn/inn/en“) und ist somit aus zwei Grün­den nicht gut zu lesen. Nicht umsonst hat es das Quin­tett auch schon auf das deut­sche Freak­show-Festi­val geschafft, auf dem sich sonst jene Musi­ker zu tum­meln pfle­gen, die der typi­sche CDU-Wäh­ler ver­mut­lich nur aus ethi­schen Grün­den nicht ent­ar­tet zu nen­nen pflegt. (Die mir bei die­sem The­ma spon­tan in den Sinn kom­men­den Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um wer­den sich übri­gens nach Absol­vie­rung der drei letz­ten Kon­zer­te auf­lö­sen. Scha­de!)

Apro­pos Gesang: Der Gesang domi­niert zwar immer das Klang­bild, den­noch soll­te man es nicht ver­säu­men, in den Momen­ten, in denen er gefäl­li­ge­ren Lini­en folgt, auf die Musik selbst zu ach­ten, denn Jea­ve­stone beherr­schen den Kon­tra­punkt vor­treff­lich. Musik an sich zieht Par­al­le­len:

(…) der Über­gang in die lich­te­ren, mehr Folk ori­en­tier­ten Tei­len mit aku­sti­scher Gitar­re und Flö­te klingt schon stark nach Yes bzw. Gene­sis. (…) Die Band fräst sich mit den fol­gen­den Songs, von denen für eine so Prog­ver­haf­te­te Band unty­pi­scher­wei­se übri­gens kei­nes die 6 Minu­ten Gren­ze knackt, durch die Geschich­te des Progs von Yes über Van der Gra[a]f Gene­ra­tor, ein wenig Pink Floyd und natür­lich darf auch nie­mals ein wenig von den Beat­les feh­len. Oft­mals erin­nern die Stücke ihrer Viel­falt aber vor allem in Ihrem Sound an deut­sche Bands der Mitt­sieb­zi­ger wie Eloy, Snow­ball oder ähn­li­che.

Ein gutes Album zum Hören!
Eini­ge Kost­pro­ben aus dem reich­hal­ti­gen musi­ka­li­schen Büfett kre­den­zen die Fin­nen auf MySpace.com.

In den NachrichtenPolitikNetzfundstücke
Zu den Ham­bur­ger Wah­len 2011

Die Umfra­gen zu den heu­ti­gen Ham­bur­ger Wah­len ent­beh­ren tra­di­tio­nell nicht einer gewis­sen Tra­gi­ko­mik. Mei­ne per­sön­li­che Rang­li­ste führt das furcht­ba­re Web.de mit der For­mu­lie­rung „nicht so schlecht“ und den mög­li­chen Alter­na­ti­ven an:

Über­haupt wird ein ziem­li­ches Brim­bo­ri­um um die „gro­ßen Par­tei­en“ ver­an­stal­tet, als hät­te man im Ham­burg nur die Wahl zwi­schen Pest, Cola Cho­le­ra und Her­pes. Die Ham­bur­ger Mor­gen­post (das war die hier) akzep­tier­te immer­hin fünf Par­tei­en als nen­nens­wert, der dazu gehö­ren­de Wahl­rat­ge­ber, der „die Wahl haben“ mit „jeman­den wäh­len müs­sen“ ver­wech­selt, ist auch nicht bes­ser.

Inter­es­sant sind allen­falls die Wahl­um­fra­gen, die zwar, eben­falls tra­di­tio­nell, nicht reprä­sen­ta­tiv sind, aber eine Ten­denz andeu­ten.

Wie vie­le Fern­seh­sen­der sich in die­sem Jahr dar­an hal­ten, kei­ne Pro­gno­sen vor Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le auf­zu­stel­len, wage ich gar nicht zu erra­ten. Inter­es­sant ist aber die Dis­kre­panz zwi­schen öffent­li­cher Wahr­neh­mung und tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten. Spre­chen die Medi­en von der nied­rig­sten Wahl­be­tei­li­gung seit Jah­ren, emp­fin­den Ham­bur­ger Wäh­ler und Wahl­hel­fer es als genau umge­kehrt.

Um 18 Uhr schlie­ßen die Wahl­lo­ka­le, und dann ist hier erst ein­mal wie­der Ruhe vor der Poli­tik.
Dar­auf gebe ich euch mein Ehren­wort, ich wie­der­ho­le: mein Ehren­wort.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLVII: Aller gut­ten Din­ge…

Apro­pos „apro­pos“; fol­gen­des Foto, von mir dezent bear­bei­tet, fand ich gera­de in mei­nem Post­fach:

Gut, dass wir unse­ren Ver­tei­di­gungsmini­ster haben!

(Pas­siert gera­de wirk­lich so wenig auf der Welt, dass das „Aber“ es noch auf die Titel­sei­te der nicht näher benann­ten Bou­le­vard­zei­tung schafft?)

Fen­ster zu!

Apro­pos digi­ta­les Pre­ka­ri­at: Was mir im IRC die­ser Tage häu­fig begeg­net, sind Wet­ter-Bots.

IRC-„Bots“ (kurz für „robots“) sind, kurz erklärt, Com­pu­ter­pro­gram­me, die im IRC bestimm­te Aktio­nen durch­füh­ren; sie ant­wor­ten etwa auto­ma­tisch auf bestimm­te Begrif­fe oder ver­wal­ten Benut­zer­li­sten. Die mei­sten mir bekann­ten Wet­ter-Bots funk­tio­nie­ren der­ge­stalt, dass sie von einer Inter­net­sei­te das aktu­el­le (!) Wet­ter für die gewünsch­te Post­leit­zahl abru­fen und aus­ge­ben.

Das sieht dann, um farb­li­che Her­vor­he­bun­gen gekürzt, unge­fähr so aus:

(@Bluewater) !wet­ter 24109
(@MFC) Wet­ter­da­ten für 24109 wer­den gele­sen, bit­te habe ein (sic!) Moment Geduld.
(@MFC) -=( Wet­ter für Kiel, Deutsch­land (24109) )=-=( Wet­ter­la­ge: Bewoelkt ? Sicht: 10,0 km ? Gemes­se­ne Temp.: ‑2°C ? Gefühl­te Temp.: ‑8°C ? Tau­punkt: ‑7°C ? Luft­feuch­tig­keit: 63 % ? Luft­druck: 1024,0 hPa ? UV-Index: 0 (Mini­mal) ? Wind: aus dem Osten mit 19 km/h )=-

Da sit­zen also die Leu­te mit ihrem erfüll­ten real life im IRC, berich­ten von ihren Erfol­gen in irgend­wel­chen vir­tu­el­len Wel­ten und infor­mie­ren sich über das Leben vor ihrem Fen­ster, indem sie mit Com­pu­tern reden. Mein Dank gilt der welt­wei­ten Ver­net­zung, erspart sie sol­chen Men­schen doch den lan­gen, auf­wän­di­gen Weg zum Fen­ster oder gar zur Haus­tür.

(Gesetzt den Fall, es hat auch nur irgend­ei­nen Ein­fluss auf ihr Leben, wie drau­ßen im real life das Wet­ter ist; wie die Radio­mel­dun­gen über „Flit­zer-Blit­zer“ ja auch nur die­je­ni­gen Auto­fah­rer inter­es­sie­ren, die von sich behaup­ten, die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung im Schlaf auf­sa­gen zu kön­nen.)

Ich wun­de­re mich dann spä­ter ein biss­chen.

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 4)

… Als er wie­der in sein kal­tes, lee­res Zim­mer zurück­kehr­te, sah er sich um. An der Wand hin­gen Bil­der von ihr. Ihm war, als sei­en Jah­re ver­gan­gen, seit er allein heim­ge­kehrt war. Die Bil­der an der Wand waren das Ein­zi­ge, was er von ihr mit­ge­nom­men hat­te; er hät­te, des­sen war er sich sicher, sie nicht zurück­las­sen dür­fen. Das Wis­sen dar­um, dass er nun hier, Hun­der­te von Kilo­me­tern von ihr ent­fernt, saß und in Erin­ne­run­gen schwelg­te, statt dort zu sein, wo er sich end­lich ange­kom­men wähn­te, ließ ihn schwer­mü­tig wer­den. Jedes Mal hat­te er sich vor­ge­stellt, wie es wäre, wür­de er sie ein­fach nicht mehr los­las­sen. „Lächer­lich“, dach­te er dann jedes Mal und wuss­te, dass er es gar nicht lächer­lich fand. War es nicht immer sein Traum gewe­sen, end­lich anzu­kom­men, die Rei­se, auf der er sich fort­wäh­rend befand, end­lich been­den zu kön­nen?

Nun aber, da er allein war und in den Gedan­ken an sie zu ertrin­ken, zu ersticken glaub­te, fühl­te er wie­der den ste­chen­den Schmerz der Nar­be in sei­nem Her­zen, die ihm jeder Abschied bis­lang zuge­fügt hat­te. Es war sinn­los, es abzu­strei­ten: Er war nur noch eine Sil­hou­et­te. Alles, was er zu sein glaub­te, hat­te er bei ihr gelas­sen.

Sie beherrsch­te sei­ne Träu­me und sei­ne Gedan­ken. Immer wie­der hat­te sie ihn gefragt, war­um er sie nicht ein­fach ver­ges­sen konn­te, und er hat­te belang­lo­se, nichts sagen­de Ant­wor­ten gege­ben. Er konn­te es sich ja selbst nicht erklä­ren. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun­gen hat­te: „Wenn sie vor­bei­geht, dann scheint es wie ein Feu­er­werk. Vor einem Him­mel ist es sie, die ich bemerk‘.“ Er lieb­te sie, weil sie ihn lieb­te; und weil er sich end­lich gebor­gen fühl­te.

Er hat­te einen Gedan­ken an „spä­ter“ immer ver­drängt; zu groß war sei­ne Angst davor, dass er sich in Wunsch­träu­me ver­lie­ren wür­de, die über sei­nem Kopf zusam­men­stür­zen wür­den. Zwar hat­te er schon ein­mal dar­an gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor wei­ter rei­chen­de Ent­schei­dun­gen hat­te ihn noch kei­ne der Frau­en in sei­nem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hat­te sei­nen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefun­den; sei­ne Kam­mer war unbe­rührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewe­sen. Den­noch hat­te sich etwas ver­än­dert. Sein Leben hat­te er bis­her am Augen­blick aus­ge­rich­tet, aber er spür­te, dass er nun auf etwas gesto­ßen war, was ein­ma­lig war. War es Schick­sal, Glück oder Vor­se­hung?

Was immer in sei­nem Leben noch gesche­hen wür­de, war ihm längst egal; sein ein­zi­ger Gedan­ke galt nur mehr ihr. Er wuss­te selbst nur zu gut, dass er Träu­men all­zu oft hin­ter­her gelau­fen war, aber irgend­et­was ihm immer ein Bein gestellt hat­te. Mit die­sem Traum aber, den er nicht mehr nur träum­te, son­dern längst leb­te, soll­te es nicht so enden. In einem Som­mer, der nur mehr blas­se Erin­ne­rung war, hat­te er sich selbst geschwo­ren, er wür­de ihn ihr erfül­len. Jetzt war es an der Zeit.

Er ver­miss­te es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spü­ren.
Er ver­miss­te es, in ihre Augen – „die­se Augen!“, dach­te er – zu sehen.
Er ver­miss­te sie.

Er war nicht mehr der Herr sei­ner Gedan­ken. Es war sein Herz, das sie lenk­te.
Und sein Herz wuss­te, was er woll­te.

Er blieb noch lan­ge vor ihrem Bild ste­hen. Trä­nen ran­nen sei­ne Wan­gen hin­ab. Aus dem Fern­se­her im Wohn­zim­mer erscholl Bonos Stim­me. „It’s a beau­tiful day…“. Nie zuvor hat­te er so wenig Freu­de an die­sem Lied. …

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXVII: Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg? Kann­ste abschrei­ben.

… und dann war da noch außer der bis­lang blö­de­sten Begrün­dung, Wahl­wer­bung nicht zu drucken, die völ­lig über­ra­schen­de Mel­dung, dass Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg sei­ne Dok­tor­ar­beit pla­gi­iert hat, die er „nach bestem Wis­sen und Gewis­sen“ ange­fer­tigt hat­te; was über sein Gewis­sen schon alles Nöti­ge aus­sagt.

Heu­te wur­de ich auf eine hier­auf bezo­ge­ne Nach­richt aus Bay­reuth hin­ge­wie­sen:

Die Uni Bay­reuth hat Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) auf­ge­for­dert, bin­nen zwei Wochen zu den Pla­gi­ats­vor­wür­fen bei sei­ner Dok­tor­ar­beit Stel­lung zu neh­men. (…) Die mög­li­chen Kon­se­quen­zen rei­chen von der Auf­for­de­rung, die Dok­tor­ar­beit nach­zu­bes­sern, bis hin zur Aberken­nung des Dok­tor­ti­tels.

Schuld­be­wusst ließ der desi­gnier­te künf­ti­ge Mon­arch Wahl­kampf­ter­mi­ne absa­gen, inso­fern hat es immer­hin ein Gutes. Ich befürch­te jedoch, dass nach­hal­ti­ge Kon­se­quen­zen für sein Anse­hen auch wei­ter­hin aus­blei­ben wer­den, denn das wür­de letzt­lich wohl die Abwahl der CDU/CSU bedin­gen. Übri­gens ist jeden­falls der Vor­wurf, es gäbe kei­ne Quel­len­an­ga­ben, halt­los, denn die gibt es unter dem unnö­tig kom­pli­zier­ten Namen „Fuß­no­ten“ selbst im Inter­net zu kau­fen. Ange­sichts des Erschei­nungs­jah­res liegt aller­dings der Ver­dacht nahe, der Kri­ti­sier­te ist womög­lich völ­lig unschul­dig dar­an.