In den Nachrichten
Drecki­ge Lie­be zum Früh­stück

Neu­es aus dem Land des Ver­kla­gens wegen zu hei­ßen Kaf­fees:

Was gehört zu einem guten Müs­li? Hafer­flocken, Nüs­se, viel­leicht Rosi­nen – aber kei­ne Gefüh­le. (…) „Ihre Mar­ke Nas­ho­ba Gra­nola führt die Zutat ‚Lie­be‘ “, heißt es in einem „War­ning Let­ter“ der FDA an das Unter­neh­men. Lie­be sei aber „kein gewöhn­li­cher oder übli­cher Name für eine Zutat“. (…) Die FDA bemän­gelt auch „unhy­gie­ni­sche Umstän­de“ bei Her­stel­lung, Ver­packung und Lage­rung. So hat­te eine Über­prü­fung erge­ben, dass Back­for­men und Back­ofen nicht gerei­nigt wor­den waren.

Die geschol­te­ne Bäcke­rei hat aller­dings Grund, sich über die Vor­ga­ben zu freu­en, denn so kann sicher­lich eine Sam­mel­kla­ge wüten­der (denn in den USA ist man als Kun­de laut Medi­en­be­rich­ten sel­ten ent­täuscht, oft hin­ge­gen wütend) Müs­li­käu­fer wegen nicht nach­ge­wie­se­ner Lie­be im Früh­stück abge­wandt wer­den.

Nerdkrams
Bescheu­er­tes aus der Welt der Alu­hü­te: Key­board Pri­va­cy

Wir müs­sen, fürch­te ich, ein­mal kri­tisch über Daten­schutz spre­chen.

In einer Dis­kus­si­ons­grup­pe für den ganz guten Web­brow­ser Vival­di stell­te heu­te einer der „Sopra­nos“, wie die Beta­te­ster dort offi­zi­ell hei­ßen (Oper, nicht Mafia), fol­gen­de Fra­ge:

Hat noch irgend­je­mand bemerkt, dass die aktu­el­le Test­ver­si­on beim Tip­pen äußerst lang­sam reagiert?

(Wie auch im Fol­gen­den schlecht über­setzt von mir.)

Ange­hängt ist ein Video, in dem zu sehen ist, dass das Ein­ga­be­feld auf einer Web­site ein­ge­ge­be­nen Text tat­säch­lich nur mit merk­li­cher Ver­zö­ge­rung anzeigt, was sich in „Sprün­gen“ bemerk­bar macht.

Nur drei Minu­ten spä­ter zog der „Sopra­no“ die Fra­ge zurück:

Ent­schul­digt die Auf­re­gung, ich glau­be, ich weiß es. Sehr klug von mir, zu ver­ges­sen, dass ich Key­board Pri­va­cy instal­liert habe.

Key­board Pri­va­cy – gibt es natür­lich auch für Fire­fox – ist eine Erwei­te­rung (Vor­sicht: Ver­weis auf google.com) für Chro­me-kom­pa­ti­ble Brow­ser, die laut Eigen­be­schrei­bung der Erstel­lung von Ver­hal­tens­pro­fi­len vor­beugt, indem sie die Geschwin­dig­keit, in der ein­ge­ge­be­ne Zei­chen eine Web­site errei­chen, zufäl­lig ver­zö­gert. Dadurch soll anschei­nend die zumin­dest beleg­te ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung von Benut­zern anhand ihrer Tipp­ge­schwin­dig­keit erschwert wer­den.

Nun ist das tech­nisch gese­hen natür­lich eine frag­wür­di­ge Lösung, denn, wäh­rend es all­zu naiv wäre, immer noch davon aus­zu­ge­hen, dass daten­schutz­feind­li­che Maß­nah­men die­ser Art nur in unrea­li­sti­schen Sze­na­ri­en eine Rol­le spie­len, ist der Gewinn ver­mut­lich über­schau­bar, weil das Ergeb­nis offen­sicht­lich erstens unge­wöhn­lich anstren­gend für den Daten­schüt­zer selbst ist und zwei­tens das grö­ße­re zwei­fa­che Pro­blem beim Daten­schutz auf Web­sites, näm­lich die Brow­ser­iden­ti­fi­ka­ti­on einer­seits und die Erken­nung von bestimm­ten sprach­li­chen Marot­ten ande­rer­seits, nicht behebt, was beson­ders dann komisch ist, wenn man die­se Erwei­te­rung benutzt, um zum Bei­spiel in irgend­wel­chen zwie­lich­ten Web­fo­ren nicht erkenn­bar zu sein. Eine ein­fa­che­re Lösung für das Pro­blem der Tipp­ge­schwin­dig­keits­er­ken­nung wäre das Abschal­ten von Java­Script, denn ohne akti­vier­tes Java­Script kön­nen Web­sites nach gegen­wär­ti­gem Stand der Tech­nik nicht unauf­fäl­lig das Benut­zer­ver­hal­ten ohne Ver­zö­ge­rung pro­to­kol­lie­ren. Aber ich ver­ste­he schon: Java­Script ist wich­tig, weil man ohne Java­Script sei­ne wich­ti­gen Web­an­wen­dun­gen, die man nur nutzt, weil man zu blö­de für die Bedie­nung von rich­ti­ger E‑Mail‑, Tabel­len- und son­sti­ger Soft­ware ist, nicht mehr benut­zen kann. Sicher­heit ist nicht wich­ti­ger als Kom­fort, näm­lich! – Wie man dann auf die bescheu­er­te Idee kom­men kann, statt­des­sen das Kom­fort behin­dern­de Key­board Pri­va­cy zu instal­lie­ren, bleibt unklar.

Wenn man aber unkom­for­ta­ble Lösun­gen und akti­vier­tes Java­Script gleich­zei­tig haben möch­te, dann möch­te ich dem sol­ches Anneh­men­den anläss­lich der Iden­ti­fi­zier­bar­keit anhand sprach­li­cher Marot­ten zusätz­lich vor­schla­gen, das, was man gern schrei­ben möch­te, vor­her von Drunk Eli­za oder einem sonst­wie zufäl­li­gen Text­würf­ler ver­schlei­ern zu las­sen oder das Inter­net – das sowie­so weit über den Umfang eines Web­brow­sers hin­aus­geht – nur noch unter ange­mes­se­nem Dro­gen­ein­fluss zu bedie­nen; oder sich ein­fach nicht in jedem zwie­lich­ti­gen Por­tal, das nicht schnell genug weg­lau­fen kann, anzu­mel­den und dort aktiv her­um­zu­tip­pen. Wenn ich einer Web­site so sehr miss­traue, dass ich bereit bin, mei­nen eige­nen Kom­fort zu opfern, nur, um mich dort sor­gen­arm schrei­bend her­vor­tun zu kön­nen, ist viel­leicht der Punkt erreicht, an dem ich mei­ne Betei­li­gung an der dor­ti­gen Gemein­schaft im All­ge­mei­nen ein­mal in Fra­ge stel­len soll­te; oder mich halt für einen Vor­zei­ge­da­ten­schüt­zer hal­ten, weil ich vor der Fahrt über eine Stra­ße vol­ler Schlag­lö­cher ein­fach ein Mes­ser in mei­nen Arm ram­me, damit es ver­gleichs­wei­se weni­ger am Hin­tern weh tut.

Natür­lich gibt es auch im kei­nes­wegs eso­te­ri­schen Feld des Daten­schut­zes, in dem jede Vor­sicht gebo­ten ist, fal­sche Lösun­gen. Key­board Pri­va­cy scheint eine davon zu sein.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Tak, tak, tak, tak, tak.

Man kann natür­lich, wie es Rie­ke Havertz im Qua­li­täts­ma­ga­zin „ZEIT ONLINE“ tat, nach blu­mi­ger Beschrei­bung des Gesche­he­nen („Tak, tak, tak, tak, tak.“, ebd.) die gewohn­te Agen­da fort­füh­ren, indem man dar­auf hin­weist, dass Donald Trump, Lieb­lings­ant­ago­nist des Föje­tongs, als Befür­wor­ter der Natio­nal Rif­le Asso­cia­ti­on nichts gegen die längst nicht mehr zu bän­di­gen­de Waf­fen­ge­walt tut, statt wie sein medi­al wert­ge­schätz­ter Vor­gän­ger beim Nichts­ver­bes­sern wenig­stens noch ein biss­chen trau­rig aus­zu­se­hen.

Man kann, wie es im Jahr 2017 noch all­zu vie­le Anhän­ger der Leh­re des unsicht­ba­ren Freun­des im Him­mel tun, natür­lich für die Stadt der Spie­ler und der Pro­sti­tu­ti­on beten, denn Gebe­te machen die Welt zu einem bes­se­ren Ort, wie schon der all­seits belieb­te Frie­dens­fürst Bush d.J. wuss­te und die fro­he Kun­de in fer­nen Län­dern ver­brei­te­te, ob sie woll­ten oder nicht.

Man kann auch ein­fach all­mäh­lich dar­über nach­den­ken, ob es nicht viel­leicht eine gute Idee wäre, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka ein­fach sich selbst zu über­las­sen und zu war­ten, wie lan­ge es wohl dau­ern mag, bis das Recht auf Waf­fen­be­sitz das Pro­blem nach­hal­tig gelöst hat.

Ich für mei­nen Teil möch­te an die­ser Stel­le aus­drück­lich die drit­te Mög­lich­keit emp­foh­len haben.

In den NachrichtenMontagsmusik
Need­le­point – Aim­less Mary // Aste­rix bei den Fran­zo­sen

Sehe ich aus, als hätte ich Brückentag?Es ist Mon­tag. Der Auf­schwung ist da, Krieg wird jetzt moder­ner. Scha­de: Kei­ne Welt­raum­schlach­ten. Noch scha­der: Kein Pan­da­bär. Ist doch Käse mit Käse oben­drauf. Viel­leicht hilft ein kur­zer Win­ter­schlaf.

Was Mode ist, ver­mo­dert: Die „Washing­ton Post“ fin­det, die Mode­indu­strie soll­te wirk­lich mal was dage­gen unter­neh­men, dass poli­tisch eher rechts ste­hen­de Demon­stran­ten sich wie auch die hie­si­gen Knall­tü­ten von der „PARTEI“ um einen attrak­ti­ven Klei­dungs­stil bemü­hen. Viel­leicht wird bald die Losung aus­ge­ru­fen, dass ech­te Demo­kra­ten sich künf­tig dadurch von den Böse­wich­ten abzu­gren­zen haben, dass sie sich absicht­lich schei­ße anzie­hen. Geschmack ist Nazi!

Von ande­ren unlieb­sa­men Demon­stran­ten berich­te­te gestern das nicht seri­ös arbei­ten­de Käse­blatt „SPIEGEL ONLINE“, dem zufol­ge in Kata­lo­ni­en als Stra­fe dafür, dass die dort leben­den Men­schen über­wie­gend ungern Spa­ni­er sind, sel­bi­ge Men­schen beim Ver­such, die­ser Mei­nung per Wahl Aus­druck zu ver­lei­hen, von der spa­ni­schen Poli­zei „ange­mes­sen und pro­fes­sio­nell“ (ebd.) ver­dro­schen wur­den. Ein Land wei­ter war gestern aller­dings eben­falls wie­der Stim­mung: Ein Atten­tä­ter ver­üb­te ein Atten­tat und der „Isla­mi­sche Staat“ teil­te hin­ter­her mit, es habe sich um einen der Sei­nen gehan­delt, wie er das eben des Öfte­ren so macht. Im Jahr 1979 erschien der „Asterix“-Band „Aste­rix bei den Bel­gi­ern“, des­sen Hand­lung dar­in besteht, dass die Bel­gi­er mit den heft­üb­li­chen Gal­li­ern dar­um wett­ei­fern, wel­cher denn der Tap­fe­re­re von bei­den Stäm­men sei, indem sie Römer­la­ger ver­wü­sten und den Ver­prü­gel­ten jeweils nach erfolg­ter Ver­prü­ge­lung mit­tei­len, wel­chem der bei­den Stäm­me sie denn ange­hör­ten, damit sich das auch zuver­läs­sig her­um­spre­chen möge. Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt gera­de auf Aste­rix kom­me.

Apro­pos „kom­men“: Es gibt einen neu­en Hacker­sport namens „Screw­dri­ving“, bei dem man im Wesent­li­chen irgend­wel­ches Sex­spiel­zeug aus rela­ti­ver Fer­ne zum Vibrie­ren bringt. Die­se Digi­ta­li­sie­rung ist schon drol­lig.

Musik!

Need­le­point – Aim­less Mary

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Rich­tig gepflegt eine schal­lern und dann ist Ach­ter­bahn hier, Jun­ge!

Schlä­ger­par­tei Deutsch­lands:

Nach­dem sie am Vor­mit­tag ein letz­tes Mal am Regie­rungs­tisch Platz genom­men habe, füh­le sie sich ein biss­chen weh­mü­tig, erzähl­te Nah­les den Jour­na­li­sten: „Aber ab mor­gen krie­gen sie in die Fres­se.“ „Sie“, das ist die neue Bun­des­re­gie­rung.

Et klatscht gleich, vasch­teh­ste? Vor dem Früh­stück erst mal schön dem Lind­ner links, rechts eine kle­ben, damit der nicht immer so schei­ße guckt, den Schäub­le aus dem Rol­li kip­pen und dem Hof­rei­ter sei­ne däm­li­chen Haa­re in den Mixer stecken, damit die Chab­os wis­sen, wer hier die Baboi­ne ist. Hate-Speech war gestern, heu­te gibt’s auf’s Maul! Ist sie zu stark, bist du zu schwach. Das kennt Andrea Nah­les noch aus ihrer Zeit als Hartz-IV-Mini­ste­rin. Schwe­ster, mei­ne Pil­len, aber die mit dem Smi­ley drauf, und zwar ein biss­chen zackig, wenn ich bit­ten darf!

Politik
Hala­li!

Franz-Josef Strauß (CSU) in der „WELT“ 1974:

Was wir hier in die­sem Land brau­chen, sind muti­ge Bür­ger, die die roten Rat­ten dort­hin jagen, wo sie hin­ge­hö­ren (…).

Lud­ger Vol­mer (Grü­ne) am Wahl­abend nach der Bun­des­tags­wahl 1994:

Wir wer­den den Kanz­ler jagen.

Hei­de Simo­nis (SPD) in der „BILD am Sonn­tag“ 1995:

Wir müs­sen den Bun­des­kanz­ler rich­tig jagen[.]

Dag­mar Enkel­mann (PDS, heu­te Die Lin­ke) 1996:

Die Oppo­si­ti­on könn­te wirk­sa­mer sein und die Regie­rung jagen (…).

Chri­sti­an Lind­ner (F.D.P.) auf dem Drei­kö­nigs­tref­fen 2014:

Wir wer­den die Bun­des­re­gie­rung jagen!

Alex­an­der Gau­land (AfD) am Wahl­abend nach der Bun­des­tags­wahl 2017:

Die Bun­des­re­gie­rung, wie immer sie aus­sieht, kann sich warm anzie­hen, wir wer­den sie jagen[.]

Was frei­lich, glaubt man diver­sen sonst nicht unver­nünf­ti­gen Twit­ter­nut­zern und son­sti­gen sozia­len Medi­en, übel­ster „Nazi­sprech“ (ebd.) und damit Schlimm­denk ist; so lan­ge das tra­di­tio­nell kur­ze Gedächt­nis der Wäh­ler eben dies­mal andau­ert.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rhys Chat­ham – Pytha­go­re­an Dream (Part Two) // Bun­des­tags­qual

„... und dann haben sie DAS gewählt!“Es ist Mon­tag, der Tag danach; ein Tag, den allen­falls ein Pan­da­bär noch ret­ten könn­te, denn das lang­wei­li­ge Deutsch­land hat gewählt.

Gewon­nen, so viel sei gesagt, haben ganz unab­hän­gig vom Wahl­er­geb­nis der Sozi­al­ab­bau, die Ren­ten­strei­chun­gen, die immer­hin (spät) sank­tio­nier­te Alters­ar­mut, die Bun­des­wehr – ver­lo­ren aber hat, Medi­en­be­rich­ten zum Trotz, kei­nes­wegs der Rechts­po­pu­lis­mus, denn der stellt auch 2017 noch hoch­ran­gi­ge Mini­ster, son­dern der Wäh­ler, den das Schreck­ge­spenst AfD aber­mals erfolg­reich davon abge­hal­ten hat, die Zukunft sinn­voll mit­zu­ge­stal­ten. Etwa 87 Pro­zent der Wäh­ler haben nicht die AfD gewählt, etwa 90 Pro­zent nicht die Grü­nen und immer noch fast 70 Pro­zent nicht die Kanz­le­rin, den­noch bestimmt das Gesche­hen eine mög­li­che Koali­ti­on, die im Medi­an von einer deut­li­chen Mehr­heit nicht gewählt wur­de. Koali­tio­nen sind aus demo­kra­ti­scher Sicht tout comp­te fait aller­dings grund­sätz­lich eine Kata­stro­phe, eine rich­ti­ge im Fal­schen ist nicht aus­zu­ma­chen. Der mora­li­sche Sie­ger bekommt beim Wett­ren­nen ja auch nur noch einen Trost­preis. – Man stel­le sich vor, das Volk trä­fe nicht nur alle vier Jah­re, son­dern pau­sen­los dum­me Ent­schei­dun­gen. Man sehe sogleich: Nur Volks­ab­stim­mun­gen könn­ten das alles noch schlim­mer machen.

Bringt alles nichts. Ich habe jeden­falls beschlos­sen, über die Beschlüs­se der kom­men­den Bun­des­re­gie­rung in die­ser Publi­ka­ti­on bis zur näch­sten Bun­des­tags­wahl kein Wort mehr zu ver­lie­ren. Das schont die Ner­ven ins­be­son­de­re zum Wochen­be­ginn und lässt mehr Zeit für Schö­nes, näm­lich für Musik. Und danach kom­men wir noch mal auf den Pan­da­bä­ren zurück.

Guten Mor­gen und viel Glück.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 24. Sep­tem­ber 2017

Genau mein Humor: Ein hoch­ran­gi­ger Kir­chen­ver­tre­ter fin­det, man sol­le die Wirk­lich­keit nicht ver­zer­ren.


Jungs sind bes­ser in Phy­sik, weil sie häu­fi­ger einen Penis anfas­sen. Das klingt, als könn­te man das sozia­le Gefäl­le hier ziem­lich ein­fach begra­di­gen.


Eil­mel­dung des Tages: Kon­kur­renz macht den Penis län­ger. Aller­dings bei Enten.


„Corey Doc­to­row slow­ly beings to rea­li­ze that the inter­net, like ever­ything else, exists at the con­ve­ni­ence of peo­p­le with money.“


For­mel 1 zu lei­se? Hil­fe ist unter­wegs!

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Igorrr – Sava­ge Sinu­so­id

Igorrr - Savage SinusoidIgorrr!

Schon der Name – lei­der ohne Aus­ru­fe­zei­chen – ist so klang­voll, dass man es leicht ver­schmerzt, dass hier nicht auf Rus­sisch musi­ziert wird. Statt Kalin­ka wird der aku­sti­sche Angriff besun­gen, stil­echt ein­ge­lei­tet durch einen Kriegs­schrei („Vian­de“), der sogleich in don­nern­den Metal über­geht. War­um kleckern, wenn man klot­zen kann? „Sava­ge Sinu­so­id“ (Amazon.de, TIDAL), das laut Inter­net sech­ste Album der Fran­zo­sen, weckt seit Juni die­ses Jah­res ver­mut­lich so man­chen Toten auf.

Igorrr – ieuD [OFFICIAL VIDEO]

Gele­gent­li­che Elek­tro­ni­ka und Effek­te las­sen Eti­ket­tie­rung sowie­so nicht sinn­voll zu, zumal nicht ein­mal hier ein Still­stand aus­zu­ma­chen ist: Gau­tier Ser­re, die trei­ben­de Kraft hin­ter Igorrr, hat Spaß an Expe­ri­men­ten und lässt den Hörer das auch mer­ken. Wo eben noch das wil­de nor­di­sche Leben tob­te, erfolgt gleich die Umschal­tung in den musi­ka­li­schen Bal­kan, wäh­rend der Voka­list sich all­mäh­lich hei­ser zu schrei­en scheint. Plötz­li­cher The­men­wech­sel: Krau­ti­ger Art­pop wech­selt sich mit struk­tu­rell hag­gar­de­s­quem Brüll- einer- und Post­me­tal ande­rer­seits mit pri­ma Opern­ge­sang von Lau­re Le Pru­nen­ec ab, man­nig­fal­tig elek­tro­nisch mani­pu­liert – „ieuD“ bringt in fast vier Minu­ten mehr Sti­le unter als vie­le ande­re Künst­ler auf drei Stu­dio­al­ben.

Igorrr – Che­val [OFFICIAL VIDEO]

Ein Stück wie die­ses auf „Sava­ge Sinu­so­id“ dabei nicht ein­mal eine beson­de­re Aus­nah­me; „Hou­mous“ inte­griert Kirmes‑, 8‑Bit- und Welt­mu­sik in ein alles ande­re als enges Math­rock­kor­sett, ande­re Stücke wie „Apo­patho­dia­phul­a­to­pho­bia“ tra­gen ihre völ­li­ge Abge­dreht­heit schon im Namen. Ich fin­de ja mit­un­ter durch­aus Gefal­len an Abge­dreh­tem.

Gro­ße Klas­se.

PolitikIn den Nachrichten
Kri­ti­sche Beglei­tung und ihre Gefah­ren

(Vor­be­mer­kung: Zynis­mus befreit den Geist, ich kann ihn inso­fern nur emp­feh­len.)

In den Tagen vor der Wahl wird die ohne­hin schon nicht gera­de wert­neu­tra­le Bericht­erstat­tung tra­di­ti­ons­be­wusst noch krei­schen­der. Auch Anna Bisel­li vom schräg-grü­nen Per­so­na­li­ty­b­log „Netzpolitik.org“ (hier wie bis­her aus ethi­schen Grün­den nicht ver­linkt) grub am ver­gan­ge­nen Mon­tag die Pira­ten­par­tei wie­der aus, nur um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man die ja gera­de nicht so wäh­len kön­ne, weil das The­ma so was von durch sei; so weit muss man sei­ne eige­nen Aus­schei­dun­gen halt auch erst ein­mal wer­fen kön­nen, dafür gibt es min­de­stens mei­nen Respekt.

Wenig­stens der Rest der Medi­en, ob sozi­al oder nicht, hält sich brav ans Nar­ra­tiv und ver­brei­tet zwecks Fein­des­ab­wehr unter ande­rem Gra­fi­ken vom Vor­jahr, die das „rech­te Netz­werk“ des Buh­manns AfD – von denen las­sen wir uns doch nicht unse­re christ­so­zia­le Poli­tik weg­neh­men, ist schließ­lich Deutsch­land hier – „auf­decken“, dabei kei­nes­wegs die per­so­nel­len Ver­bin­dun­gen mit der NPD über­se­hen, die mit der „Uni­on“ aber geflis­sent­lich igno­rie­ren. Das muss man ver­ste­hen, die „Uni­on“ war schon eta­bliert, als die Eltern der gerech­ten Demo­kra­ten noch mit der Ras­sel um den christ­lich-west­lich guten Weih­nachts­baum gestol­pert sind, und eta­blier­te Poli­tik kann nicht schlecht sein, denn sonst wäre sie ja nicht eta­bliert.

Die durch den aus­blei­ben­den Kampf gegen die CDU/CSU frei­en Res­sour­cen wer­den daher in die Schlacht für die gerech­te Sache gesteckt, wobei man das selbst­ver­ständ­lich nicht „Schlacht“ nennt, denn das wäre mili­tant und unlinks. Statt­des­sen wird das Vor­ha­ben rhe­to­risch unge­fähr so beti­telt:

Am Sonn­tag Abend rufen wir dazu auf die Wahl­par­ty der Ham­bur­ger AfD kri­tisch zu beglei­ten.

Wie beglei­tet man eine Wahl­par­ty kri­tisch? Unter „kri­ti­scher Beglei­tung“ stell­te ich mir, bis ich die­sen Quatsch­satz gele­sen habe, meist eine jour­na­li­sti­sche Tätig­keit vor, indem regel­mä­ßig irgend­wel­che seman­ti­schen oder aus­nahms­wei­se auch mal fach­li­chen Ana­ly­sen des Gesag­ten in ein­schlä­gi­gen Peri­odi­ka erschei­nen. Wie Jour­na­li­sten wir­ken die Sei­ten­ma­cher auf mich jedoch eben­so wenig wie mir klar ist, wie umfang­reich eine Bericht­erstat­tung über einen Abend des kalo­rien­rei­chen Bal­ken­guckens über­haupt sein kann. „Eil­mel­dung: Mit­glied der Ham­bur­ger AfD ver­stößt gegen sei­nen Diät­plan!“

Dass die­se „kri­ti­sche Beglei­tung“ sich ande­rer­seits auch nicht auf das Schwen­ken von Pla­ka­ten beschrän­ken, son­dern auch in enge­rem Zusam­men­hang mit destruk­ti­ver Inter­ak­ti­on ste­hen dürf­te, zeigt eine Ein­la­dung für den­sel­ben Wahl­abend in Ber­lin in der glei­chen recht­schreib­kri­ti­schen Publi­ka­ti­on, aber an ande­rer Stel­le:

Zie­hen wir der AfD den Stecker!
Licht aus für Rech­te Infra­struk­tur!

Nun ist kri­ti­sche Beglei­tung ja noch kein Ter­ror­akt, denn ein Ter­ror­akt impli­ziert im Gegen­satz zu einem Sabo­ta­ge­akt nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung Men­schen­scha­den, und Pfla­ster­stei­ne haben bekannt­lich noch nie­man­dem gescha­det; die kri­ti­sche Beglei­tung der Poli­zei­ar­beit anläss­lich des G20-Gip­fels in Ham­burg sorg­te eben­falls aus­schließ­lich für ein fried­li­che­res, soli­da­ri­sches Mit­ein­an­der und hat nie­man­dem gescha­det, der es nicht qua Beruf in prae­ci­pio ver­dient hät­te. Selbst die kri­ti­sche Beglei­tung von Tou­ri­sten durch IS-Sym­pa­thi­san­ten lie­ße sich sicher­lich auch mit einem fried­li­che­ren Wort als „Ter­ro­ris­mus“ beti­teln. Die haben halt die fal­sche Par­tei Reli­gi­on und dafür krie­gen sie jetzt ordent­lich Ärger. Selbst schuld, wer sich der neu­en Welt­ord­nung ver­wei­gert.

Nie­mand muss Tou­rist sein.

NetzfundstückeSonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Groß­maul fickt gut.

Die „Cos­mo­po­li­tan“, das fröh­li­che Maga­zin, auf des­sen Okto­ber­aus­ga­be schon wie­der Jes­si­ca Alba zu sehen ist, was über die „Cos­mo­po­li­tan“ frei­lich mehr aus­sagt als über Jes­si­ca Alba, ent­täuscht den Freund absur­der Text­kom­bi­na­tio­nen nur sel­ten.

Auch dies­mal nicht:

Denn neben der Befas­sung mit den typi­schen Pro­ble­men, die man als Frau so hat („Macht Smog Fal­ten?“) wird einer­seits für Smart­sein gewor­ben [1], denn Smart­sein mache bes­se­ren Sex, gleich­zei­tig aber davor gewarnt, dass es Leu­te gibt, die sich smar­ter­wei­se für eine Woh­nung mit Sex bezah­len las­sen möch­ten [2] (sind wohl auch „Cosmopolitan“-Leser); es wer­den Anlei­tun­gen gege­ben, „Groß­mäu­lern“ auf­grund deren Sei­ten­hie­ben „ele­gant den Mund zu stop­fen“ [3], gleich­zei­tig aber auch sol­che, selbst groß­mäu­lig Sei­ten­hie­be zu ver­tei­len [4]. Ob es einen Zusam­men­hang zwi­schen der „Kunst, Sei­ten­hie­be wort­los zu kon­tern“, und der Fra­ge, ob man als „Traum­job“ nicht viel­leicht doch lie­ber „Influen­cer“ sein (also sein Geld statt im Team statt­des­sen damit ver­die­nen, allein im hei­mi­schen Kel­ler irgend­wel­che Din­ge in so Netz­wer­ken zu ver­tei­len) soll­te, gibt, kann ich lei­der nur raten.


Spek­tral­netz­wer­ke und ihre Tücken: Auf „Golem“ wies Tobi­as Költzsch gestern einen hal­ben Arti­kel lang merk­lich unge­hal­ten dar­auf hin, dass das Mikro­blog­netz Gab.ai „Figu­ren vom rech­ten Rand“ (für „Nazi­är­sche“ war wohl doch noch zu viel Rest­jour­na­lis­mus da) ein „Spek­trum“ bie­te, wie auch immer man „ein Spek­trum bie­ten“ kann; als soll­te ein Inter­net­dienst grund­sätz­lich immer und bit­te­schön genau wie die Figur vom Golem-Rand wer­ten, statt neu­tral zu sein; es sei, ver­steht sich, denn, man (hier: Költzsch) ver­steht unter Netz­neu­tra­li­tät nur schnel­les Her­un­ter­la­den von schlech­ter Musik und nicht etwa, dass die Frei­heit des Net­zes eine links­po­li­ti­sche zu sein hat, denn dann ist sei­ne feh­len­de Hal­tung sicher­lich zwar immer noch beknackt, aber wenig­stens begrün­det.