In den NachrichtenMontagsmusik
Col­lap­se Under The Empire – Dark Water

Huiiiiiiiiiiiii!Es ist Mon­tag. Über­ra­schen­der­wei­se fällt im Dezem­ber Schnee; damit hat nie­mand gerech­net, auch die Deut­sche Bahn zeig­te sich über­rascht, indem sie erst mal ein paar Züge anhielt. Auf unge­wöhn­lich nor­ma­les Wet­ter vor­be­rei­tet zu sein ist im tem­pe­ra­tur­be­zo­gen wan­kel­mü­ti­gen Deutsch­land eine völ­lig über­zo­ge­ne Erwar­tung. Ein gepol­ster­ter Po wür­de vie­les erleich­tern, aber man ist nun mal als Mensch gebo­ren. Das ist nicht immer schön.

Man hat ja auch nur völ­lig absur­de Vor­bil­der zur Ver­fü­gung: Ein „Influen­cer“ muss­te vor kur­zem von der Feu­er­wehr geret­tet wer­den, weil er zugun­sten von irgend­wel­chen Wer­be­ein­nah­men sei­nen Kopf in ein zement­ge­füll­tes Mikro­wel­len­ge­rät gesteckt hat­te und sich nicht mehr befrei­en konn­te. Zu mei­ner Zeit haben Vor­bil­der wenig­stens noch Dro­gen genom­men und hat­ten des­we­gen eine erträg­li­che Aus­re­de für etwa­igen Schwach­sinn, aber Dro­gen nimmt man ja heu­te auch nicht mehr, weil die eige­ne Gesund­heit von fal­schen Idea­len gelenkt wird.

Die Ersatz­dro­gen sind natür­lich kei­ne bes­se­ren, was den Kill­count, wie wir zu mei­ner Zeit sag­ten, betrifft: Erst neu­lich hat der Femi­nis­mus wie­der umge­bracht, indem eine jun­ge Frau, die selbst über ihre Sexua­li­tät bestim­men woll­te, für die­ses Ver­ge­hen in den Tod getrie­ben wur­de. Sozia­le Gerech­tig­keit bedeu­tet eben auch, dass jemand, der sein Geld mit Bum­sen ver­dient, die­se Arbeit gefäl­ligst jedem Men­schen unab­hän­gig von sei­ner sexu­el­len Ori­en­tie­rung zugu­te­kom­men zu las­sen hat, sonst Nazi. Ist das „links“ oder kann das aus ande­ren Grün­den weg?

Ein CDU-Ver­tre­ter fin­det, die SPD sol­le weni­ger For­de­run­gen stel­len, wenn sie mit­re­gie­ren wol­le. Pos­sen­spie­ler am när­ri­schen Hofe zu sein will wohl ver­dient wer­den.

Was statt­des­sen viel mehr gespielt wer­den soll­te: Musik.

Col­lap­se Under The Empire – Dark Water (offi­ci­al music video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Ber­lin bleibt so bunt, dass es weh tut.

Kul­tu­rel­le Berei­che­rung des Tages:

Am Wochen­en­de hat­te es in meh­re­ren euro­päi­schen Städ­ten, unter ande­rem in Paris, Wien und Ber­lin, Pro­te­ste gegen die Ent­schei­dung von US-Prä­si­dent Donald Trump gege­ben, Jeru­sa­lem als Isra­els Haupt­stadt anzu­er­ken­nen. Bei den Demon­stra­tio­nen wur­den Isra­el­fah­nen ver­brannt und anti­se­mi­ti­sche Paro­len skan­diert. In Ber­lin und Wien sol­len pro-palä­sti­nen­si­sche Demon­stran­ten »Kin­der­mör­der Isra­el« und »Tod Isra­el« geru­fen haben.

Ganz unab­hän­gig von der lei­di­gen Dis­kus­si­on dar­über, ob der para­no­ide Ver­bre­cher­staat Isra­el nun vom Westen für gut oder eher nicht so gut gehal­ten wer­den soll­te: Das Ver­bren­nen zwei­er Fah­nen in Ber­lin scheint für grö­ße­ren Wir­bel zu sor­gen als das Mor­den von Zivi­li­sten im Gaza­strei­fen. Aber kei­ne Sor­ge, der Schul­di­ge ist gefun­den: Nicht etwa radi­ka­le Mus­li­me schü­ren den auf­bran­den­den Anti­se­mi­tis­mus, son­dern Donald Trump.

Bloß nicht reflek­tie­ren, es könn­te ja zu etwas füh­ren.

In den NachrichtenWirtschaft
Spiel­geld erreicht Rekord­wer­te, geld­kri­ti­sche Kapi­ta­li­sten sind ent­zückt.

Es besteht kein Anlass, sich von den jüng­sten Schreckens­mel­dun­gen, der Stra­ßen­preis für ein Stück Bit­co­in könn­te mög­li­cher­wei­se bald wie­der weni­ger mon­di­ge Prei­se errei­chen, davon abhal­ten zu las­sen, sein Erspar­tes in sol­che Stücke zu stecken. Es ist ja auch nicht ver­bo­ten, sein Geld in gro­ßen Schei­nen vom Bank­kon­to abzu­he­ben und anschlie­ßend anzu­zün­den.

Einer „Wäh­rung“, die nicht nur das Geld­pro­blem nicht löst, son­dern über­dies für jede Zah­lung im ech­ten Leben auf­grund immer wei­ter stei­gen­der Trans­ak­ti­ons­dau­er ganz unab­hän­gig von der Akzep­tanz die­ser Wäh­rung beim Wurst­pe­ter völ­lig untaug­lich ist, hilft jed­wel­ches neue Para­dig­ma – hier Jedi­hand­ge­ste ein­fü­gen – auch nicht mehr wei­ter. Das Geld­sy­stem ver­än­dern zu wol­len, indem man sich ihm andient, genügt euch schon als Revo­lu­ti­on? Springt!

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem ver­die­nen.
Fried­rich von Schil­ler: Kaba­le und Lie­be

NetzfundstückeWirtschaft
Medi­en­kri­tik CX: Von den Lear­nings eines Affi­lia­tes

Dass Web­sites, die teils alt­be­kann­te, teils neue, dafür aber quietsch­blö­de „Inhal­te“ mit mög­lichst vie­len Wer­be­links ver­se­hen und unter rei­ße­ri­schen Titeln anprei­sen, in einer ver­nünf­ti­gen Gesell­schaft mit­samt ihren Erschaf­fern geäch­tet wür­den, ist eine Wahr­heit, die mit der momen­ta­nen Rea­li­tät jedoch kol­li­diert statt kol­la­bo­riert. Weil die mei­sten imbe­zi­len Knall­frö­sche, die die aber­dut­zend­ste Auf­li­stung von Kat­zen­vi­de­os, Schau­spie­ler­tratsch und/oder Pfle­ge­pro­duk­ten für eine wert­vol­le Ergän­zung des Webs hal­ten, wahl­wei­se zu doof oder zu gie­rig sind, sich eine eige­ne Prä­senz auf­zu­bau­en, hän­gen sie sich wie Saug­wür­mer an einen ein­la­den­den Wirt. Der ein­la­dend­ste Wirt von allen ist 2017 die vom Unter­neh­men Face­book bereit­ge­stell­te „Platt­form“ glei­chen Namens, die bekann­ter­ma­ßen allein damit eini­ger­ma­ßen viel Geld ein­bringt, dass ihre Nut­zer kei­ne Medi­en­kom­pe­tenz mit­brin­gen und dar­um so etwas wie eine „Web­site“ gar nicht mehr ken­nen wol­len.

Einen ganz beson­ders spe­zi­el­len Fall von doof und gie­rig prä­sen­tier­te die­ser Tage das dada­istisch nütz­li­che Blog „OMR“, für das Tor­ben Lux unter der Huf­fing­ton-Post-wür­di­gen Über­schrift „Die­ser 26-Jäh­ri­ge Affi­lia­te baut seit zehn Jah­ren Face­book-Pages – das sind sei­ne Lear­nings“ (im Ori­gi­nal natür­lich in Groß­buch­sta­ben) einen Schul­ab­bre­cher dafür bewun­dert, dass die­ser in Erman­ge­lung ver­nünf­ti­ger Bil­dung lie­ber für zu viel Geld Rekla­me auf Face­book macht; denn wer braucht schon Zukunft oder wenig­stens einen Rest Anstand, wenn er auch Spam­mer wer­den kann?

Der Arti­kel beginnt vor­geb­lich sach­lich:

Eigent­lich will Mar­kus David König aus Schörf­ling am Atter­see in Ober­öster­reich sein Abitur machen. Weil erste gemein­sam mit einem Freund gestar­te­te Blog- und Face­book-Pro­jek­te aber so gut lau­fen, bricht er es 2010 ab. Seit­dem fokus­siert er sich kom­plett auf den Auf­bau und die Mone­ta­ri­sie­rung von Face­book-Sei­ten.

Obwohl es ange­mes­sen erscheint, Mar­kus David König für die­ses, wie man auf Neu­deutsch sagt, mind­set auf aller­nied­rig­stem Niveau aus­zu­la­chen, wird er statt­des­sen zum Gespräch gebe­ten. Das Kon­zept von „OMR“, das anders­wo Wör­ter wie „Prä­se“ ver­wen­det, um SEO-Eso­te­rik zu emp­feh­len, und auf dem schon wie­der Tor­ben Lux sei­ner Ent­täu­schung dar­über, dass ein gro­tes­kes You­Tube- und Instagram-„Model“ nicht mal für viel Geld sei­ne Brü­ste raus­holt, in zu vie­len Absät­zen zu viel Aus­druck geben darf, scheint es im All­ge­mei­nen nicht zu sein, lästi­ge Mit­men­schen als sol­che erkenn­bar zu machen, viel­mehr scheint das Gegen­teil der Fall zu sein.

Besag­ter Mar­kus David König hat dem Arti­kel zufol­ge schon früh nichts ver­stan­den:

„Mit einem Kol­le­gen habe ich wäh­rend der Schul­zeit ange­fan­gen, Web­sei­ten mit Goo­gles Dienst Blog­ger auf­zu­set­zen. Damals waren wir 15 oder 16 Jah­re alt“, erin­nert sich Mar­kus David König im Gespräch mit OMR.

Web­sei­ten „auf­zu­set­zen“ (wie Müt­zen oder zum Bei­spiel hei­ßes Was­ser) bedeu­te­te, als ich 15 oder 16 Jah­re alt war, ja noch nicht, sich irgend­was bei Goo­g­le­dien­sten zusam­men­zu­klicken, aber wer nichts mit­tei­len, son­dern nur etwas ver­kau­fen will, dem ist Qua­li­tät eben auch ziem­lich egal (vgl. „SPIEGEL ONLINE“). Da jenes Alter beim Objekt der Betrach­tung zeit­lich mit dem Auf­stieg Face­books zusam­men­fiel, haben wir hier immer­hin einen inter­es­san­ten Fall von der Gna­de irgend­ei­ner Geburt vor­lie­gen:

Schon damals habe es Fir­men und Agen­tu­ren gege­ben, die grö­ße­re Fan­sei­ten schlicht nach Reich­wei­te auf­ge­kauft haben. Auch König schlägt zu und über­nimmt eine klei­ne Page für 600 Euro. „Als ich die dann mit 19 Jah­ren für 20.000 Euro wei­ter­ver­kau­fen konn­te, wuss­te ich, dass ich die­sen Weg wei­ter­ver­fol­gen muss. Das hat mich nach­träg­lich auch noch ein­mal in der Ent­schei­dung bestä­tigt, das Abitur abzu­bre­chen.“

Hät­te es das nicht, dann wäre das bestimmt sehr betrüb­lich gewor­den, aber wer braucht schon Bil­dung, wenn er Geld haben und sich dafür von einer Web­site, deren Gram­ma­tik auch nicht die beste ist („OMR Updates direkt an Dich“, sic!), als Vor­zei­ge­spam­mer dar­stel­len las­sen kann? Klar: Als Spam­mer wür­de er sich ungern bezeich­nen las­sen, denn immer­hin ist er ein seriö­ser („Die (…) größ­te Sei­te im Port­fo­lio von Mar­kus David König ist „Atem­be­rau­ben­de Tat­too Ideen“. Es fol­gen (…) „DAS WILL ICH HABEN“ (25.300 Fans) und „Hun­de-Wau“ (10.300 Fans).“, T. Lux über M. D. König) Geschäfts­mann, der sein Hand­werk fast so gut beherrscht wie sei­ne Mut­ter­spra­che („Super Weih­nachts Geschenk­ideen“, zitiert aus: „DAS WILL ICH HABEN“) und mit Spam selbst­ver­ständ­lich nichts zu tun haben will:

Wenig spä­ter reinve­stiert König einen Teil sei­nes Gewinns und kauft eine Face­book-Sei­te mit rund 900.000 Fans, die aber offen­bar vor allem aus indi­schen Fake-Pro­fi­len besteht. Er erklärt: „Wir haben sehr viel aus­pro­biert und woll­ten auch sol­che recht ein­deu­ti­gen Spam-Sei­ten testen. (…)“

Das Geld, das er mit frem­den Inhal­ten („Wir bekom­men wirk­lich sehr viel Mate­ri­al geschickt, das wir natür­lich sehr ger­ne nut­zen.“) ver­dient, ist meist kein gesetz­li­ches Zah­lungs­mit­tel, son­dern besteht der­zeit über­wie­gend aus Ama­zon-Gut­schei­nen. Es ist Mar­kus David König zu wün­schen, dass Super­markt und Ver­mie­ter Ama­zon-Gut­schei­ne als Zah­lungs­mit­tel akzep­tie­ren, sonst ist sein Erfolg, mit­tel­fri­stig gese­hen, gar kein aus­rei­chen­der. Dass er die Ama­zon­gut­schei­ne im Wesent­li­chen dafür erhält, dass er diver­se „Sei­ten“ – dar­un­ter auch „recht ein­deu­ti­ge Spam-Sei­ten“ – auf Face­book mit „Pro­dukt­emp­feh­lun­gen“ voll­klebt, macht ihn noch nicht zu einem Rekla­mehei­ni, denn dafür müss­te er, wie er sagt, erst sein Port­fo­lio um Video­re­kla­me erwei­tern:

„Klar gibt es Pro­duk­te in Vide­os, die per­fekt zu The­men wie Tat­toos oder Innen­ein­rich­tung pas­sen. Trotz­dem ist es immer ein schma­ler Grat und wirkt schnell wie Spam.“

Wäh­rend jemand, der mit „Click­bait-Sei­ten“ („OMR“), auf denen auch mal öder „IKEA“-Krempel, wie im Arti­kel zu sehen, mit „Wow, schaut mal was für tol­le Ein­rich­tungs­ideen es hier gibt!“ bewor­ben wird, natür­lich nicht wie ein lästi­ger Spam­mer, son­dern wie ein wert­vol­les Mit­glied der Gesell­schaft wirkt, zu dem es auf­zu­schau­en gilt, denn er lebt unser aller Traum: Mit mög­lichst wenig Bil­dung mög­lichst viel „Geld“ von mög­lichst ein­fäl­ti­gen Men­schen („Face­book-Fans“ von „Hun­de-Wau“ et al.) zu bekom­men.

Unter dem Arti­kel sind der­zeit die ersten Kom­men­ta­re von kon­kur­rie­ren­den Spam­mern seriö­sen Geschäfts­leu­ten zu lesen, die behaup­ten, der arti­kel­wei­se Geprie­se­ne habe „Vide­os geklaut“. Hof­fent­lich las­sen sie sich in Gut­schei­nen bezah­len.

Piratenpartei
REWE muss bren­nen, Com­pu­ter jedoch nicht.

Im Juli die­ses Jah­res – kurz, bevor im Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tel unzäh­li­ge Fahr­zeu­ge und Geschäf­te am kapi­ta­li­sti­schen System Unschul­di­ger, deren Exi­stenz dadurch mit­un­ter gefähr­det wur­de, von ein paar unge­wa­sche­nen, sau­doo­fen Tau­ge­nicht­sen in Brand gesetzt wur­den – pol­ter­te ein Depp auf der offi­zi­el­len und damit den Spie­gel der Par­tei­mei­nung dar­stel­len­den Web­site der Pira­ten­par­tei Deutsch­land:

Die Poli­zei sucht die Aus­ein­an­der­set­zung, hebelt Grund­rech­te aus und eska­liert.

Noch am Tag dar­auf fasel­te der dama­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de und Klas­sen­kas­per Patrick Schif­fer an glei­cher Stel­le:

Der G20-Gip­fel wird von eska­lie­ren­der Poli­zei­ge­walt und Ein­schrän­kun­gen in Pres­se- und Ver­samm­lungs­frei­heit über­schat­tet.

Das Eigen­tum Ein­zel­ner, dies lässt sich dar­aus fol­gern, spiel­te in der Außen­dar­stel­lung kei­ne Rol­le für die­se ehe­mals fried­lie­ben­de Par­tei, denn im Kampf gegen Poli­zei­ge­walt (ob nun in Blog­bei­trä­gen oder indem man in Ham­burg Sei­fe klaut) müs­sen Opfer nun ein­mal gebracht wer­den.

Heu­te wur­den in Deutsch­land end­lich diver­se Woh­nun­gen durch­sucht, unter ihnen nicht nur sol­che von staat­lich geför­der­ten beken­nen­den Mit­glie­dern des dama­li­gen „schwar­zen Blocks“, son­dern auch min­de­stens eine, in der ein Kom­mu­nal­po­li­ti­ker der Pira­ten­par­tei Göt­tin­gen nebst Fami­lie wohnt. Auf der Par­tei­web­site heißt es hier­zu aus Vor­stands­krei­sen:

Die Poli­zei scheint im Zusam­men­hang mit der The­ma­tik des ver­gan­ge­nen G20-Gip­fels auf unglaub­li­che Wei­se ihre Gren­zen aus­zu­te­sten.

Der Durch­such­te gibt zur Sache selbst zu Pro­to­koll:

Sie haben alles mit­ge­nom­men, mei­nen Büro­rech­ner und den mei­ner Toch­ter. Die Fir­ma ist nun hand­lungs­un­fä­hig. (…) Die Poli­zei hat unse­ren Betrieb und eben­so mei­ne poli­ti­sche Arbeit in die Knie gezwun­gen – ohne Rechts­grund­la­ge.

Wären es statt­des­sen Spin­ner mit schwar­zen Kapu­zen gewe­sen, wäre die Rechts­grund­la­ge der Kampf gegen das Kapi­tal gewe­sen, neh­me ich an.

Mir wird geschlechtIn den Nachrichten
Gegen Vagi­nal­kom­pe­tenz: Mehr Jans für Deutsch­land!

Die vor­zei­ge­fe­mi­ni­sti­sche „Par­tei“ der „Grü­nen“ hat­te, weiß „Sta­ti­sta“, mit dem letz­ten Jah­res­wech­sel einen Frau­en­an­teil von etwa 39 Pro­zent. Dar­aus könn­te man fol­gern, dass Frau­en auf Poli­tik selbst (oder auch: gera­de) dort, wo man sie für die her­aus­ra­gen­de Lei­stung, manch­mal Brü­ste anstatt eines Penis­ses zu tra­gen, bereits für eine mora­lisch will­kom­me­ne­re Grup­pe hält, weni­ger Bock haben als ande­re Men­schen; wie eben auch in Kin­der­gär­ten, Rei­ni­gun­gen oder Pfle­ge­hei­men der Anteil an Män­nern gerin­ger ist, weil die­se sich eben auch lie­ber für Din­ge mit weni­ger sozia­lem Tra­la­la bezah­len las­sen. Mit Frau­en in der Poli­tik haben wir zuletzt auch mal durch den Sozi­al­ab­bau einer Andrea Nah­les, mal durch unbe­dach­tes Getrö­te einer Bea­trix von Storch eher über­schau­bar gute Erfah­run­gen gemacht. Man könn­te fast mei­nen, das rich­ti­ge Geschlecht allein mache noch kei­nen guten Poli­ti­ker.

Nichts­de­sto­trotz wird berich­tet, dass sowohl Peter Alt­mai­er als auch die bay­ri­sche SPD eine über­ein­stim­men­de Lösung für das drin­gen­de Pro­blem, dass man momen­tan wenig­stens noch durch Schein­kom­pe­tenz über­zeu­gen muss, um irgend­wo hin­ge­wählt zu wer­den, gefun­den haben. Bei „T‑Online“ ist etwa zu lesen:

Die SPD will den Anteil von Frau­en im baye­ri­schen Land­tag auf 50 Pro­zent anhe­ben. Aktu­ell sind im Par­la­ment nur 29 Pro­zent der Abge­ord­ne­ten Frau­en. Ange­sichts ihres Bevöl­ke­rungs­an­teils sind sie damit deut­lich unter­re­prä­sen­tiert.

Wie die SPD die bay­ri­schen Wäh­ler dazu zwin­gen will, Poli­ti­ker ihres Geschlechts wegen zu wäh­len, steht lei­der nicht dran, aber span­nend ist die­se Begrün­dung schon: Soll­te, wenn es gilt, jeden poten­zi­el­len Wäh­ler antei­lig zu reprä­sen­tie­ren, es der bay­ri­schen SPD (und Peter Alt­mai­er) nicht zunächst ein­mal dar­an gele­gen sein, sich für die Abschaf­fung der Sperr­klau­sel ein­zu­set­zen, damit auch Min­der­hei­ten ange­mes­sen an der poli­ti­schen Gestal­tung ihres All­tags mit­wir­ken kön­nen? Und: War­um soll­te aus­ge­rech­net das Geschlecht eine wich­ti­ge­re Rol­le spie­len als zum Bei­spiel eine Behin­de­rung? Etwa zehn Pro­zent der hie­si­gen Bür­ger sind schwer­be­hin­dert – könn­te man nicht damit anfan­gen: Ein Zehn­tel der Par­la­men­ta­ri­er muss schwer­be­hin­dert sein?

Wenn aber die Aus­wahl­kri­te­ri­en schon der­ma­ßen selek­tiv getrof­fen wer­den, dass ein Zusam­men­hang mit wirk­li­chen Pro­ble­men des Lebens weni­ger Rol­le spielt als das, was zwi­schen den Bei­nen hängt oder eben auch nicht hängt, habe ich noch einen ver­gleich­ba­ren Vor­schlag: Sta­ti­stisch gese­hen hei­ßen der­zeit die mei­sten Men­schen Jan oder Anna. Wäre es dann nicht nur fair, man führ­te eine Jan-und-Anna-Quo­te ein?

Wie – ein Name allein garan­tiert noch kei­ne Befä­hi­gung zu klu­ger Poli­tik? Das hat­te ich jetzt nicht bedacht. Das liegt bestimmt an mei­nem Geschlecht.

MontagsmusikIn den Nachrichten
Atlan­ter – Light

Hm, Bambus.Es ist Mon­tag. Die Jugend ist per­vers und lieb­los gewor­den, aber das wuss­ten schon unse­re Groß­el­tern und haben trotz­dem immer wie­der neue Jugend gemacht. Ein Gutes hat die Kawai­isie­rung der künf­ti­gen Fla­schen­samm­ler aller­dings: Im kom­men­den Jahr kom­men wie­der Pan­da­bä­ren in die Kinos. Pan­da­bä­ren sind klas­se.

Nicht ganz so klas­se ist wie gewohnt die Poli­tik. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de etwa hielt die AfD ihren Bun­des­par­tei­tag in der lang­wei­lig­sten Stadt Deutsch­lands ab. Zur Auf­locke­rung wur­den die Dele­gier­ten von irgend­wel­chen Knall­tü­ten, die nie im Leben auf die Idee kämen, zwecks Ver­bes­se­rung der Gesell­schaft statt­des­sen die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD zu bestrei­ken, angeb­lich kör­per­lich ange­grif­fen, wäh­rend auf „SPIEGEL ONLINE“ der offen­sicht­lich völ­lig scham­lo­se Seve­rin Wei­land postu­lier­te, zu den Anträ­gen vom sonst­wie gefähr­li­chen „rech­ten Flü­gel“ (ebd.) der AfD zäh­le auch einer, der die Geni­tal­ver­stüm­me­lung von Jun­gen ablehnt, denn das rich­te sich ganz klar gegen jüdi­sche und mus­li­mi­sche Jun­gen. Es ist nicht leicht, die AfD ange­mes­sen blöd zu fin­den, wenn ihre Geg­ner ein­an­der noch immer zu unter­bie­ten ver­mö­gen.

Schau­en wir zwecks Ent­span­nung mal in die Tech­nik­nach­rich­ten: Bit­co­in­bör­sen sind, für kaum jeman­den über­ra­schend, mit­un­ter betrü­ge­risch. Dass Vene­zue­la nun eine eige­ne „Kryp­to­wäh­rung“ bekom­men soll, passt bis­lang ganz gut in mein Bild von die­sem Kryp­to­kram. Aber der Fort­schritt ist nicht auf­zu­hal­ten: Dem­nächst gibt es ein Block­chain­te­le­fon. Anru­fe wer­den dort bei regel­mä­ßi­ger Nut­zung etwa eine Stun­de spä­ter ein­ge­hen als bis­her.

Emi­nem ist trau­rig, Emi­nem will auf den Arm: Donald Trump höre ihm gar nicht zu, klagt er. Rap ist aller­dings viel­leicht auch nicht Donald Trumps bevor­zug­ter Sing­stil – wer kann es ihm ver­übeln? Der musi­ka­lisch und poli­tisch etwas ande­re Alt­rocker – sagt man das noch: „Alt­rocker“? – Neil Young hat wäh­rend­des­sen, von der Öffent­lich­keit trotz anders­ar­ti­ger musi­ka­li­scher Vor­lie­ben (sie­he auch: Hit­pa­ra­den) für ganz gut befun­den, hin­ter lei­der zu viel Java­Script sein Gesamt­werk ins Web gekippt. Da hat man als Samm­ler was zu tun.

Aber es ist Mon­tag, mon­tags wird nicht gesam­melt, mon­tags wird gejagt, näm­lich Kaf­fee zum Einen, Zer­streu­ung zum Ande­ren. Es emp­fiehlt sich, hier­für zu guter Musik zu grei­fen. Dies ist mein Vor­schlag:

Atlan­ter – Light (live in stu­dio)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenComputer
#34c3: End­lich wie­der Stu­den­ten-CeBIT!

Die­ser Arti­kel ist Teil 5 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Hur­ra:

Bis zum näch­sten Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress ist es nicht mehr weit und die geplan­ten Vor­trä­ge ste­hen soweit fest. (…) Der #34C3 ist rest­los aus­ver­kauft.

Das Prin­zip von Mas­se statt Klas­se, das ver­an­stal­ter­seits seit Jah­ren fort­wäh­rend pene­tran­ter die hacker­üb­li­che und begrün­det bewähr­te Meri­to­kra­tie ersetzt, damit auch die­je­ni­gen, die nichts kön­nen außer sich blö­de T‑Shirts anzu­zie­hen und sich die Haa­re zu fär­ben, in inklu­si­ver Manier nicht dazu ange­hal­ten wer­den müs­sen, auch mal was Ver­nünf­ti­ges zu ler­nen, damit sie sich mal nütz­lich machen kön­nen und nicht bloß vier Tage lang in der Fum­me­lecke („Lounge“) abhän­gen, ist auch 2017 noch Antrieb und mäßig gut ver­bor­ge­nes Erfolgs­ge­heim­nis des ehe­ma­li­gen Hacker­ver­eins. Irgend­wie lin­ke Kon­gress­tou­ri­sten aus der Peri­phe­rie frag­wür­di­ger Ver­ei­ne machen den Laden voll und sor­gen für pri­ma Pres­se, da ist ein weni­ger ein­la­den­des Umfeld für den tra­di­tio­nell eher intro­ver­tier­ten Nerd mit mas­sen­frem­den Spe­zi­al­in­ter­es­sen allen­falls Kol­la­te­ral­scha­den. Wer Infor­ma­tik schon man­gels The­men­kennt­nis nur aus Sozio­lo­gen­sicht sieht, der wird schei­tern. Chri­sti­an Kah­le jam­mer­te heu­te auf „Win­Fu­ture“, dass es „nicht gera­de erfreu­lich“ (ebd.) sei, dass vie­le Frau­en – als sei das das wich­tig­ste Kri­te­ri­um – trotz all der teu­ren För­de­rung immer noch gar kei­nen Bock auf ein Infor­ma­tik­stu­di­um hät­ten. Ich fürch­te, beim „Con­gress“ wür­de die­se Wort­wahl nicht ein­mal mehr seman­tisch hin­ter­fragt.

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MusikNetzfundstücke
Man stel­le sich vor, „kein Besitz“ sei im Besitz.

Gute Nach­rich­ten: Beim Android-Cheeseburger-„Emoji“ – was auch immer das mit Gefüh­len zu tun haben mag – liegt der Käse jetzt, also in der neue­sten Android-Ver­si­on, end­lich an der rich­ti­gen Stel­le. Da die wich­ti­gen Pro­ble­me der Welt damit vor­erst gelöst sein dürf­ten, kön­nen wir uns jetzt end­lich mal wie­der dem Kapi­ta­lis­mus zuwen­den, dem musi­ka­li­schen dies­mal.

Vor etli­chen Jah­ren näm­lich sang John Len­non, Schmu­se­sän­ger und Fri­su­ren­trä­ger, in einem sei­ner lang­wei­li­ge­ren und des­halb bekann­te­ren Lie­der unge­fähr, man möge sich eine Welt vor­stel­len, in der es kei­nen Besitz gibt, in der jeder alles mit jedem teilt und wie schön die­se Welt doch sicher­lich sei. So schön wie Vene­zue­la, merk­te bereits 2016 ein fre­cher Zyni­ker an, den Geträu­me nicht beson­ders beein­druckt zu haben scheint. Die Urhe­ber­rech­te an die­sem Lied wur­den im Juni 2017 jeden­falls zur Hälf­te John Len­nons Wit­we Yoko Ono, selbst erfreu­lich erfolg­lo­se Musi­ke­rin und anson­sten vor allem dafür bekannt, frem­des Geld aus­zu­ge­ben, zuge­schla­gen, was for­mell (ich selbst ken­ne die Geschich­te des Lie­des nicht aus erster Hand) vor allem bedeu­tet, dass sie Geld bekommt. Geld kann man ja immer mal brau­chen. Stellt euch vor, es gebe kei­nen Besitz – trau­ri­ge Zei­ten wären das für man­chen Künst­ler, wie es scheint.

Wie ich aus­ge­rech­net heu­te dar­auf kom­me? Nun, ich wur­de heu­te auf einen drei Tage alten Tweet auf­merk­sam gemacht, in dem ein Autor und Pro­du­zent von so Sit­coms die Bemer­kung anbrach­te, ihm sei unlängst recht­lich unter­sagt wor­den, eine sei­ner Figu­ren sagen zu las­sen, man möge sich kei­nen Besitz vor­stel­len; anschei­nend han­delt es sich bei die­ser Phra­se auch dann um eine urhe­ber­recht­lich geschütz­te, wenn sie nicht im Lied­kon­text erscheint. Wäh­rend ich das aus Iro­nie­sicht eini­ger­ma­ßen begei­sternd fin­de, benei­de ich die zustän­di­gen „Juri­sten“ nicht, immer­hin ist es anschei­nend Teil ihres Berufs, tri­via­le Lied­tex­te aus­wen­dig zu ler­nen, um Über­ein­stim­mun­gen in aller­lei Tex­ten zu fin­den.

Ob Ramm­stein und Scoo­ter wohl auch sol­che Anwäl­te beschäf­ti­gen?

PolitikIn den Nachrichten
Tabak wird für wei­te­re fünf Jah­re zuge­las­sen

Was nicht in den Nach­rich­ten zu lesen ist und dar­um kei­nen über­zo­ge­nen Wir­bel aus­löst:

Tabak ist umstrit­ten, weil es nach­weis­lich ziem­lich zuver­läs­sig Krebs erregt. Doch auch Deutsch­land stimm­te der Zulas­sungs­ver­län­ge­rung zu – sehr zum Ärger des Koali­ti­ons­part­ners SPD.

Viel­leicht soll­te man auf Gly­pho­sat auch ein­fach so Text und Sam­mel­bild­chen drauf­drucken. Danach wird sich kei­ner mehr beschwe­ren.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Buffy Sain­te-Marie – Star­wal­ker // Lebens­zeit­mi­ni­ster

Was fehltEs ist Mon­tag. In anti­ken Gesell­schaf­ten wäre man für die Über­brin­gung einer der­art schlech­ten Nach­richt längst auf mehr oder weni­ger krea­ti­ve Wei­se ent­leibt wor­den, aber schier zu erfrie­ren ist ja auch eine ange­mes­se­ne Bestra­fung. Ver­damm­te Erd­er­wär­mung immer, die lässt sich echt Zeit.

Palim-palim, die Nach­rich­ten: „Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Emma­nu­el Macron will Frau­en bes­ser vor Gewalt schüt­zen. Sein Land soll außer­dem mehr Geld für Gleich­be­rech­ti­gung aus­ge­ben“ („ZEIT ONLINE“), da wächst zusam­men, was zusam­men gehört, näm­lich Femi­nis­mus und poli­ti­sche Dumm­heit. – Fran­zö­si­sche Poli­ti­ker ande­rer­seits wol­len immer­hin noch Poli­tik machen, Anke Dom­scheit-Berg – aus irgend­ei­nem Grund als Par­tei­lo­se für die „Lin­ke“, anschei­nend die ein­zi­ge Par­tei, die gar kei­ne Auf­nah­me­be­schrän­kun­gen hat, in Ber­lin mei­ne Steu­ern weg­ses­sel­fur­zend – hin­ge­gen will im Bun­des­tag etwas able­gen kön­nen. Ich habe die nicht gewählt.

Bei ande­ren will es aber auch kei­ner gewe­sen sein: Unter der Über­schrift „SPD stellt Uni­on Bedin­gun­gen“, die Poin­te also immer­hin rich­tig erkannt habend, zitiert „SPIEGEL ONLINE“ Ange­la Mer­kel, die gesagt habe, die „Poli­ti­ker hät­ten von den Wäh­lern das Man­dat zu einer Regie­rungs­bil­dung erhal­ten“ und die „geschäfts­füh­ren­de Bun­des­re­gie­rung unter ihrer Füh­rung sei hand­lungs­fä­hig.“ Wah­len sind ja auch immer blöd, die neh­men Men­schen ihre gut bezahl­ten Posten weg. War­um also über­haupt noch wäh­len? Es sind doch alle Posten besetzt und die Amts­in­ha­ber kön­nen sie auch alle­samt noch mit aus­rei­chen­dem Eifer aus­üben. Das hat in Ange­la Mer­kels Jugend ja auch schon funk­tio­niert, Genos­se Hon­ecker konn­te es ja auch noch, da spart man sich doch den Tru­bel mit der Wäh­le­rei gleich ganz.

In etwa einem Monat fin­det der schon jetzt unsäg­li­che 34. „Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress“ statt. Ich wer­de dazu bei­zei­ten mei­ne gewohnt nüch­tern for­mu­lier­te Kri­tik anbrin­gen, stel­le aber schon jetzt fest, dass die Gerüch­te bezüg­lich des Con­gres­ses nicht gera­de das Bild einer libe­ra­len Ver­an­stal­tung zeich­nen. Schwer gezeich­net sind auch Cloud-Rap­per, Ver­tre­ter eines mir bis­her unbe­kann­ten Sub­gen­res des Hip-Hops, das offen­bar eine Men­ge mit Dro­gen zu tun hat. Ich fin­de die Gen­re­bezeich­nung einer­seits tref­fend, das Tun ande­rer­seits befremd­lich. Nüch­ter­ne Ton­auf­nah­men kön­nen doch auch ganz gut sein.

Zum Bei­spiel von Buffy Sain­te-Marie.

Buffy Sain­te-Marie live per­for­mance of Star­wal­ker

Guten Mor­gen.