Von Musik aus Peru berichte ich selten. Klar: Niemand mag Panflöter. Keineswegs panflötend aber gehen Parahelio aus Lima zu Werke, mit deren 2019 (und 2020 auch als physischer Tonträger) erschienenem Album Surge Evelia, Surge (Bandcamp, TIDAL; Amazon.de führt es zurzeit nur als Zubehör und hat es nicht auf Lager) sie, glaubt man dem Internet, La Rinconada, der höchstgelegenen Stadt der Welt mit angeschlossener Goldmine und entsprechender Ausbeutung, ein Denkmal setzten.
Dass dieses Denkmal, dem Gegenstand der Betrachtung entsprechend, ein melancholisches ist, tut den Einwohnern zwar nicht gut, der Musik hingegen sehr. (Darf man so etwas schreiben? Ich habe es jedenfalls gerade getan.) Instrumentaler Postrock muss nicht immer brettern, instrumentaler Postrock kann auch mal drückend schweben. Das klingt dann etwa so:
Es ist seltsam, dass traurige Anlässe oft zu schöner Musik führen. Es liegt mir fern, daraus eine Empfehlung abzuleiten, die über eine Empfehlung dieses Albums hinausgeht, das ich hiermit dann jetzt ausdrücklich empfohlen haben möchte.
Es ist ja eine durchaus witzige Idee, die da gerade durch die sozialen Medien getragen wird und besagt, dass berufstätige Eltern, die jetzt vom Staat dazu gezwungen werden, sich selbst mal mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, diese Zeit diesem Staat in Rechnung stellen sollten, wozu, wie in mindestens einem Tweet zu lesen war, neben der Aufsichts- auch die Lehrtätigkeit gehöre, denn Kinder bekämen ja trotz nicht stattfindenden Unterrichts Hausaufgaben von den Lehrern (müssten dann nicht eigentlich die Kinder statt der Eltern, deren Aufgabe deren Ausführung keineswegs ist, dafür eine Rechnung ausstellen?), aber wäre es nicht wesentlich nachhaltiger und somit sinnvoller, den Staat dazu anzuhalten, dafür Sorge zu tragen, dass nicht jeder Berufstätige, der gar keine Zeit dafür aufbringen kann, sich um seinen Nachwuchs zu kümmern, und eigentlich recht froh darüber ist, wenn es jemanden gibt, der ihm diese Belastung tagsüber vom Hals hält, ein Kind bekommen muss?
Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU und FDP haben einen Normenkontrollantrag gegen den Berliner Mietendeckel beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das Land setze sich über den Bundesgesetzgeber hinweg.
Wohnen ist ein Grundrecht, das hier offensichtlich von CDU und FDP Abgeordneten mit Füßen getreten wird. (…) Deshalb protestieren wir kommenden Freitag, den 15. Mai, vor dem Konrad-Adenauer-Haus. Wir werden deutlich machen, dass wir das der CDU und FDP nicht durchgehen lassen.
Die werden schon sehen, was sie davon haben, ein Gesetz der „Linken“ rechtsstaatlich überprüfen zu lassen. Auf sie mit Gepfeif! Es geht hier immerhin um ein Grundrecht!
Ich wiederhole mich ungern: Es gibt keinen Anlass zu der Vermutung, das häufige Auftreten von Bürgerkriegen in „linken“ Regimes sei ein bedauerlicher Zufall.
Unsere Aufgabe ist es, dass Menschen verstehen, dass diese Revolution die der Open-Source-Software ist und es überhaupt nicht um Linux geht. Linux ist allenfalls das Aushängeschild dieser Bewegung.
(Mies übersetzt von mir.)
Das ist jetzt etwas mehr als zwanzig Jahre her und die Aufgabe kann man – mit Blick auf Blogs und vermeintliche Fachzeitschriften („SPIEGEL“) – als gescheitert ansehen. Hat die Open-Source-Gemeinschaft denn bis heute noch kein zweites Programm rausgebracht?
Medial aufgeblasener EDV-Schwachsinn auch in der Hardwarewelt: Überraschend stellt sich heraus, dass, wenn man ein Notebook einer anderen Person zum Basteln überlässt, dieses Notebook anschließend möglicherweise ein unerwartetes Verhalten aufweist. Jemand sollte dieses Jemandemüberlassen dringend mal verbieten.
Andrea Nahles gibt demnächst Post und Telefonauf die Fresse. Typisch neoliberale SPD: Immer nur auf gut bezahlte Posten aus!
Lena weiß jetzt, was in der Gesellschaft schiefläuft.
Deswegen kennt sich Lena auch richtig gut mit Politik aus. „Liberale sind eigentlich Faschisten“, weiß sie etwa, „weil neulich hat doch ein FDPler das Gleiche getweetet wie ein AfDler“. (…) „Der Kapitalismus ist an allem schuld“, resümiert Lena stolz, während sie mit dem neuem MacBook den Kroatien-Urlaub auf EasyJet bucht.
Es ist Montag. Kompliziert wird die Situation mit den Mitmenschen, wenn ein erschrocken Angesehener eine beruhigende Wirkung bei Umstehenden erzielt, wenn er seinen soeben durchlebten Husten als Raucherhusten identifiziert. Das sei ja nicht so schlimm, pflichten ihm auch die Umstehenden bei. Wo genau ist die Gesellschaft falsch abgebogen und warum ersetzen wir sie nicht einfach durch Pandabären?
Eine gute Nachricht zum Wochenbeginn: Der Fußball hat sich endlich von seinen Zuschauern emanzipiert. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, die konsequent weiter verfolgt werden sollte, etwa bei der Berichterstattung über ihn. Über Minigolf spricht doch auch fast niemand.
Kommen wir zur Politik: Die neuen Umfragen sind da! CDU und CSU liegen bei 40 Prozent, diejenigen Parteien aber, deren Inhalte sich darin erschöpfen, den Großteil der eigenen Wähler fortwährend wahlweise wegen ihres Besitzes oder ihrer Ideale zu beschimpfen, wurden weiter verzwergt. Ursache. Wirkung. Es sei jetzt wichtiger denn je, irgendwem Geld wegzunehmen, faselten sie erst letzte Woche. Einfach ein Grundeinkommen auf Corona draufschmeißen, dann sind alle Probleme gelöst. 15 Prozent sind noch 14 zu viel.
Apropos: Hurra, die Monarchie im Westen bleibt zukunftsgewandt! Warum eigentlich ist das eine Nachricht und warum eigentlich ist das so? Die Zukunft keines Landes sollte der Monarchie gehören. Lieber regieren lassen tät‘ ich mich von: Musik.
Ich wünsche uns allen alles erdenklich Gute zum 75. Jahrestag der NiederlageBefreiung. Schade, dass Peter Fechter das nicht mehr erleben kann. Ihm kam bei der Befreitheit was dazwischen.
EU-Parlamentarier kommen endlich in den Genuss einer neuen Abstimmsoftware, die nicht nur Manipulation selbstverständlich ausschließt, sondern überdies den neuesten grafischen Trends formschön asketisch entsagt.
Es ist Montag. Die dadaistisch relevante „taz“ zitierte Niko Paech mit den Worten, ein Leben ohne Mango sei erträglich. Ich erwarte minütlich die Gründung der Mango Ultras in der Südfruchtkurve. Vitaminhooligan ist keine Entscheidung, Vitaminhooligan ist eine Bestimmung!
Greifen wir zu drastischen Maßnahmen, greifen wir zu den Nachrichten. Immer, wenn ich Mundschutz lese, denke ich an die Sadistenszene in Pulp Fiction. Ich kann doch auch nichts dafür. Zum Thema: In Berlin haben sich mehrere Tausend versucht anzustecken, um es den Bullen mal so richtig zu zeigen. Nimm dies, Staat! Wenigstens in Tschechien ist die Welt noch in Ordnung: Taiwan soll nicht anerkannt werden? Der Prager Bürgermeister macht’s trotzdem.
Die Deutschen, krachte Joschka Fischer neulich in ein Quatschmedium rein, müssten ihren instinktiven Pazifismus hinterfragen. Des Herrn Fischer ureigener Streich zulasten des Pazifismus ist jetzt schon drei Hundejahre her, jetzt ist’s aber auch mal gut. Kann sich Deutschland von seinen pazifistischen Instinkten lösen? Genug des Daseins als kriegsferner Haufen. Das hat noch nie funktioniert!
Was hingegen schon immer – naja, außer in den Achtzigern – gut funktioniert hat: Musik.
Es ist ja, allerwertester der Verlage namens cbj, sicherlich eine vermarktungsmäßig okaye Idee, sich bei der Gestaltung von Klappentexten von Totbaummedien („Bücher“) an aktuellen Sprachmarotten zu orientieren, etwa einem Buchtitel eine Raute voranzustellen, um einen hashtag zu simulieren (der natürlich nicht nur keine Leerzeichen mag, sondern vor allem jeden Witz im Offlinekontext verliert, ist die Funktionsweise eines hashtags doch nichts als das Kategorisieren von Dingen in Medien, die sonst keinerlei Kategorisierung ermöglichen, wozu Bücher nun wirklich nicht zählen), oder es unklar zu lassen, in welcher Sprache das auf Käufer wartende Buch verfasst ist, denn viele Menschen mögen Überraschungen; aber …
… was das „mit“ hier auf dem Titel verloren hat, verstehe ich trotzdem nicht. Da muss bei einer Neuauflage dringend ein update her!