Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den Nachrichten
Angriff der Clownkrieger

Genetiker der niederländischen Universität Leiden haben nach eigenen Angaben erstmals das Erbgut einer Frau entziffert.

(Quelle, Hervorhebungen fast rein zufällig gewählt)

Ein Hoch auf die moderne Wissenschaft!

Was man nun mit dem Wissen um das Erbgut der Frau anzufangen gedenkt, ist meines Wissens noch nicht publik gemacht worden, jedoch zweifle ich nicht daran, dass es dem Ziel, einen Menschen jeglichen Geschlechts nach Maß anzufertigen, wohl dienen mag.

Wobei beiderlei Geschlechter gewisse Urtriebe mit sich herumtragen, deren Ursprung es zum Zwecke der Wissenschaft durchaus zu ergründen sich lohnte. Nur ist zu befürchten, dass es nicht bei der Ergründung bleiben wird.

Mit etwas Glück erleben wir das Ergebnis nicht mehr.

In den Nachrichten
Medienkritik IV: Die Sache mit den Menschenrechten

Ein Elternpaar aus dem bayerischen Krumbach hat in der vergangenen Woche seinen sieben Monate alten Sohn im Internet-Auktionshaus eBay zum Verkauf angeboten. Nachdem Internetnutzer das Angebot der Polizei gemeldet hatten, ermittelten Polizei-Beamte einem dpa-Bericht zufolge die Anschrift der Eltern. Das Baby, das die Eltern nach eigener Aussage nur zum Scherz für ein Mindesgebot von einem Euro angeboten hatten, befindet sich zurzeit in der Obhut des Jugendamts. Gegen die Eltern wird nun wegen des Verdachts auf Kindeshandel ermittelt.

(Quelle)

Haben die keinen Gefrierschrank?„, fragt da ein Kommentator und ist dennoch für weit weniger misanthrop als die Sittenwächter, deren Galle dieser Scherz offenbar am Siedepunkt kochen ließ, zu halten.

Natürlich bietet jemand, der Kinderhandel betreibt, seine Ware heutzutage bei eBay an. Man ist ja vernetzt und denkt global. Am besten lebenslang ins Zuchthaus mit dem Verbrecherpack.

Stellt man dagegen sein Kind aber z. B. in der Berliner Charité ab, so ist dies, laut Medienecho, durchaus akzeptabel, ja sogar wünschenswert; übrigens etwa ebenso akzeptabel wie die Entlassung von Arbeitern über 40, weil sie an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind. So ist das eben in Deutschland, nicht wahr?

Doch im Boulevard (u. a. BILD, Bunte, Spiegel und offenbar nun auch heise.de) ist’s Konsens, dass der Wert eines Menschen sich nach Alter und Geschlecht richtet.

Hierbei gilt als Formel:
wert = niedlichkeit * (1/alter)

Also wenn das nicht mindestens in die Soziologie-Enzyklopädien eingeht, dann bin ich schwer enttäuscht!

In den Nachrichten
Neue Busen braucht das Land!

Ein Hoch, liebe Leser, auf die Emanzipation.

Ein Mann filmte im Schwimmbad heimlich die nackte Brust eines Badegastes – und wurde einer Sexualstraftat für schuldig befunden. Dann wurde das Urteil revidiert: Da es sich um eine männliche Brust handelte, sei die Aktion rechtlich unbedenklich.

(Quelle)

Die männliche Brust genießt also nicht den Status eines Geschlechtsteils; so weit akzeptabel.

Warum aber genießt sie weniger gesetzlichen Schutz als die weibliche Brust?
(Bzw., da wir gerade davon reden, warum heißt es „Brüste“? Wie viel Brust muss man haben, damit man sie im Plural nennt?)

Umgekehrt bedeutet dieses Gerichtsurteil aber auch, dass homo- oder zumindest bisexuelle Schwimmbadvoyeure vom Staat geschützt werden. Ist das nun der neue Weg zur Toleranz? Brrrrrr.

In den NachrichtenNetzfundstückeSonstiges
Ein neuer Tag, ein neuer Hitler.

Nicht nur Nachbildung und Diebstahl von Pinguinen sind derzeit, gerade bei sommerlichen Temperaturen, eine willkommene Ablenkung von den täglichen Perversionen in diesem Land, auch der vielerorts ungeliebte Hitler ist wieder im Kommen.
Und damit wir all der Pinguine nicht allzu schnell überdrüssig werden, gibt es nun eine Heimseite (ttt vom 4. Mai) mit anderen possierlichen Kreaturen, unseren täglichen Hitler gib uns heute sozusagen.
Viel Spaß damit!


Nachtrag, von wegen „Spaß“:
Papst Benedikt XVI. hat die Rauschwirkung von Sexualität angeprangert.

Denn wer wüsste dies besser zu beurteilen?

In den NachrichtenPolitikSonstiges
60 Jahre Israel bzw. Medienkritik III

Aze ist Atze, Aldah!Hallo, liebe Leser,

60 Jahre Israel stehen uns bevor.
Das bedeutet voraussichtlich, aber auch bereits aktuell unter anderem Dauerberieselung mit der gräuslichen Judenverfolgung seit mindestens dem Mittelalter in allen Medien, stundenlange Solidaritätsbekundungen all derer, die den miserablen Zustand der deutschen Innenpolitik mit weltmännischen Phrasen im und zum Ausland zu verdecken versuchen, und natürlich die üblichen Interviews mit israelischen Was-zu-sagen-Habern, die jegliche Schuld an den dort allgegenwärtigen Kriegen weit von sich weisen; und die andere Seite kommt ja auch gar nicht erst zu Wort. Man möchte kann darf ja nicht kritisieren, was letztendlich nurmehr eine Folge aus der Judenverfolgung längst vergangener Epochen zu sein scheint.

Mit guter Laune und Musik verüben wir Systemkritik.
– Andreas Rebers

Oder so.

Wo wir doch sonst so rücksichtslos gegenüber allem sind, was anders ist als wir. In mancher Hinsicht bedarf der deutsche Geist, wie es scheint, tatsächlich noch weiterer Erforschung seitens kundiger Psychoanalytiker oder zumindest Soziologen.
Denn das hat zumindest die kurze Ära des Bären Bruno gezeigt: Nur Dinge, denen wir einen Namen geben, können wir aus tiefster Seele verabscheuen bzw. bin ich davon überzeugt, dass niemand JJ1 zu töten beabsichtigt hätte. Steriles tut niemandem weh.

Das kann sein.Weh tut’s schon eher, Ursula Wittwer-Backofen zu heißen, die wiederum im SPIEGEL 19/08 erwähnt wird, weil sie als Anthropologin an Schillers diversen Schädeln herumforschte oder gar noch immer herumforsche, wie dort zu lesen ist; und nur wenige Seiten zuvor ist ein Artikel zu finden, der die eigentlich grundverschiedenen Ansichten der furchtbaren Frau Klum und der wunderlichen Frau Roche auf einen Nenner zu bringen versucht:

Und war nicht auch der Bedarf an solchen Extrem-Rollenbildern immer da – vom nahbaren Doktorspiel-Nachbarsmädchen bis zur unberührbaren Beauty-Domina?

Indes, um eine allgemein akzeptable Aussage zu ergeben, sollte hier immer durch sagenwirmal seit der Einführung von Medienkrawall in Magazine wie den SPIEGEL ersetzt werden; denn immer gab’s keine Beauty-Dominas – anzunehmen, es gäbe überhaupt die Kombination aus beauty und Sadomasochismus auch für Menschen mit einigermaßen geradliniger sexueller Ausrichtung, ist fast ein Interview auf arte, zumindest aber mit Frau Roche wert -, und Extrem-Rollenbilder ebenfalls nicht.

Wegen Roche wäscht sich sicher keine aufgeklärte Mitteleuropäerin nun untenrum weniger. Und wegen Klum wird keine zum Opfer der globalen Kosmetikmafia.

Tja, nun, Herr Thomas Tuma c/o SPIEGEL, die jeweiligen Zielgruppen wissen Fiktion (Romane) und Realität (wie so genannte „Topmodels“ so leben und so) eben doch gut zu unterscheiden.
Kaum jemand identifiziert sich mit erfundenen Figuren wie Micky Maus oder Roches Helen; Heidi Klum allerdings ist leider nur allzu real. Und das haben wir nun davon.

Aber dieser Vergleich kann natürlich auch überspitzt oder gar völlig konstruiert sein. Es ist schließlich nur schwer vorstellbar, dass sich junge Menschen in Depressionen fallen lassen und/oder ein völlig ungesundes Leben anfangen, nur um später, kurz vor ihrem frühen Tod, stolz behaupten zu können, sie hätten wenigstens etwas aus sich gemacht.

Wäre ja auch albern.

P. S. und apropos albern:
Ich bin kürzlich auf einen tollen Zweizeiler gestoßen, der in Krakelschrift ebenfalls an oben abgebildeter roter Metallwand zu lesen war:

Grün wie Gras, weiß wie Schnee,
das ist der SV Werder Bremen.

Ist natürlich auch nicht schlecht.

In den Nachrichten
Das wird ein Vorspiel haben!

Oh Graus, es ist gar furchtbares geschehen!

Nein, diesmal hat es nichts mit Eisbären oder ähnlich sinnlosem Getier zu tun:

In Mainz wurde nach SPIEGEL-Informationen 1992 ein [Pädophilie-]Verdächtiger zum Priester geweiht. Kinderschützer sind empört.

(Quelle)

Das ist doch mal eine Meldung, die ein wahrlich schauriges Bild unserer Gesellschaft zeichnet und die wahren Missstände unserer Zeit aufdeckt!

Außen- und vor allem innenpolitisch läuft bei uns doch alles bestens, und das Wort Hitler ist auch irgendwann abgenudelt und ausgelutscht, da wird es mal wieder Zeit, die Pädophilie-Keule aus ihrem verstaubten Spind zu holen und auf uralte Felle bzw. eben Fälle einzudreschen, wenn die sonst allgegenwärtige BILD dies schon derzeit nicht tut; sie hat vermutlich besseres zu tun angesichts all der ekligen Fellviecher.

Vielleicht sollte indes der verantwortliche SPIEGEL-Beauftragte einmal einen Blick in die Wikipedia werfen, die ihm erklärt, warum der Vorwurf der Pädophilie, wenn doch im Artikel lediglich von Gymnasial-, also eigentlich schon zu alten Schülern (und außerdem, wo wir gerade beim Zerpflücken sind, nur von Verdacht) die Rede ist, recht einsam im leeren Raum bzw. Redakteurskopf steht. Aber sex sells sich offenbar fantastisch. Schade um die Qualität.

Ist das Hirn zu kurz gekommen, wird sehr gern Moral genommen.
– Wiglaf Droste

Recht passabel bewiesen wird dies ständig in den Medien, und zwar nicht ausschließlich im Boulevard, sondern durchaus auch im versehentlich oft mit seriöser Unterhaltung verwechselten Fernsehkabarett.

Und eigentlich ist es schade, dass ausgerechnet heute die üblichen Verdächtigen, allen voran der inzwischen unerträgliche Scheibenwischer, nicht auf Sendung sind, denn selbst mir fallen dermaßen zotige Kalauer ein:

Wie passend, das Schulmassaker von Littleton und Ingo Appelt, haha! Hahaha!
Und dann noch, hahahaha, der Hitler! Apropos Hitler, kennen Sie den schon?

Andererseits bin ich überzeugt, damit keinen allzu großen Erfolg im Fernsehen zu haben. Wer Jehova Hitler sagt, verliert. Schade eigentlich.

:)

In diesem Sinne:
Alles Gute, Frau Electra und Herr Portnoy!

In den Nachrichten
Kennen Sie den? Trifft ein Papst einen Präsidenten…

… und redet gar wunderliche Dinge, worin ihn allenfalls sein Gastgeber zu übertreffen weiß:

„Wir sind eine Nation, die den Glauben öffentlich lebt“, sagt er. Die Vereinigten Staaten seien „fully modern“, vollkommen modern, und zugleich geleitet von „althergebrachter und ewiger Wahrheit“.

Und das, wenn nicht sogar ausschließlich das, verbindet sie, die Amerikaner, mit ihr, der Achse des Bösen:
Öffentlich gelebter Glaube, basierend auf „althergebrachter und ewiger Wahrheit„, und alles, was man braucht, um als moderner Staat durchzugehen; und sei es nur Fernsehen, McDonald’s und ein durchgeknallter Führer Führer.

Aber immerhin:

in seiner Rede vor dem Weißen Haus hat Papst Benedikt XVI. dem US-Präsidenten trotzdem deutlich ins Gewissen gesprochen

Denn wer wüsste besser, wie man publikumswirksam Massenmorde durch das Abspulen immergleicher Phrasen unter aufbrandendem Jubel (wie immer der aussehen mag) und ohne jegliche Ironie zerreden kann, als ausgerechnet das katholische Oberhaupt?

Darauf erst mal einen kalten Kaffee.

In den NachrichtenKaufbefehleMusikPolitik
Bären, Bill und Medienkritik II

Holla, welch ereignisreiche Tage liegen hinter uns und krümmen sich vor Schmerzen.

Fangen wir mit dem an, was die Menschen wohl zurzeit am meisten bewegt, von dem ich jedoch aufgrund meines nahezu inaktiven Medienkonsums nur versehentlich in Kenntnis gesetzt wurde. Nein, nicht so irrelevanter Käse wie der systematische Massenmord in der Gegend um (T)China (dazu später mehr), sondern weit boulevardeskeres, das jedes Leid der Welt mühelos, so scheint es, in den Schatten zu stellen weiß:

BILD-Deutschland hat einen neuen Bärenskandal.

Es ist schon ein Unding, dass ein Bär, der in einem mitteleuropäischen Zoo derart umsorgt wird, dass er seine natürliche Umgebung längst verdrängt zu haben schien, sich plötzlich seiner animalischen Instinkte besinnt und die sein Gehege säubernden Tiere, mithin also seine Raumreinigungsfachkräfte f.k.a. Putzfische, verspeist.
Da es sich m. W. immerhin um inländische Fische handelt, könnte man, hätte man die notwendige Chuzpe, gar behaupten, der einstmals niedliche süße Knut sei eine Gefahr für jeden deutschen Fisch, und von dort ist’s bekanntlich nicht weit zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Indes bin ich der törichten Ansicht, der Abschuss eines weiteren Bären erzeugte in diesem Land kein allzu großes Medienecho mehr, zumal sich Bären mit albernen Namen in diesem Land ja nahezu inflationär vermehren. „Bruno, Knut und Flocke“; sollte ich einst durch eine wie auch immer geartete Fügung des Schicksals mich Romanautor nennen dürfen und die Nachfolger der Drei ??? oder auch nur TKKG kreieren wollen, so sind dies schon jetzt einprägsame und kinderbuchgerechte Namen für die Protagonisten. Fein, fein, keine Frage.

Eine hingegen überaus berechtigte Frage ist’s, wer oder was den Bären an sich nun derart ins Zentrum des öffentlichen Interesses zu rücken weiß. Die oft als Argument missbrauchten Knopf- bzw. leider eben nur knopfähnlichen Augen der Jungtiere sind schon seit mindestens 24 Jahren nicht mehr überraschend, und in jungen Jahren ist, mit Ausnahme des Menschen, eigentlich jedes Tier einigermaßen süß; vor allem Pinguine, deren interessantes Äußeres, den Kinofilmen vergangener Jahre zufolge, das öffentliche Bewusstsein allem Anschein nach bereits erreicht zu haben schien.


Wo Deutschland sich ja zur Ablenkung von den ständigen schlechten Nachrichten (Steuererhöhungen, Krieg et.al.) ohnehin gern mit Symbolfiguren um- bzw. eingibt, und sei es nur der so genannte Sänger der Mädchenrockträgergruppe Tokio Hotel, bei dessen Vokaldisharmonien ich persönlich mitunter den Wohlklang des durchaus umstrittenen Gesangs von Dagmar Krause erst so richtig zu schätzen beginne; über Musikgeschmack (siehe auch weiter unten) lässt sich bekanntlich mitunter trefflich streiten.

Und dieser Bill ist doch nun wirklich zum Knuddeln. Hilflos wie ein Eisbär liegt er da und lässt sich seine Stimme entfehlern, total süß umringt von seinen liebenden Ventilatoren, und damit er die sprachlose Zeit mindestens so gut zu überstehen weiß wie bspw. ich, gibt er zuvor diversen anderen Klatsch- und Tratschheinis mündliche und im Anschluss der renommierten Fachzeitschrift Vanity Fair ein schriftliches Interview, in dem er der Welt all das mitteilt, was BILD und BRAVO ihm bislang nicht zu entlocken wussten, unter anderem eben, dass er von Groupies nicht viel hält („Groupie-Sex ekelt mich an“ und vermutlich vice versa); und ich kommentiere einige Auszüge desselben nunmehr wie folgt:

Ich war nicht jemand, der sich meldet und dann leise erzählt. Ich war immer am Rumschreien.

Einige schlechte Eigenschaften aus früher Kindheit legt ein Mensch zeit seines Lebens nicht mehr ab, heißt es.

Ich wusste immer, dass ich die Schule nicht brauche, weil ich Sänger werde.

Frei übersetzt scheint dies eine wertvolle, bereits dutzendfach erfolgreich erprobte Regel für jeden angehenden Prominenten zu sein:
Hauptsache reich und berühmt, Bildung wäre dem Erfolg nur hinderlich.

Ich hatte im Singen immer schlechte Noten, weil ich irgendwelche Volkslieder singen musste.

Richtiges Eingeständnis, aber falscher Schluss. Schade!

Manchmal gucken wir uns an und müssen lachen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand ein Poster von einem von uns im Zimmer hat.

Das geht mir übrigens ähnlich.

Indes, mit 1½ Sätzen schaffte es der Befragte in meinem Ansehen wider Erwarten deutlich zu steigen, weshalb ich diesen Teil des heutigen Eintrags auch mit ihnen beende:

VF: Haben Sie schon mal zu einem Mädchen gesagt: „Ich liebe dich“?
B.K.: Ja. Habe ich aber nicht so gemeint.


Es wird also, wie man sieht, in der Tat Zeit, dass Deutschland sich nach neuen süßen Symbolfiguren umschaut; analog zu Eisbär „Flocke“ würde sich der Boulevard sicher auch für Haarreh „Krischna“* brennend interessieren, allein schon wegen des bescheuerten Namens.
Sollte sich nunmehr aber eine Forscherseele daran machen, ein ebensolches Haarreh (Nacktrehe sind vermutlich nicht allzu fotogen) tatsächlich zu züchten, so erbitte ich zumindest, dass es mehr kann als nur dämlich im Gehege kauern und Flaschenmilch saufen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Änderung der Gangart? Nicht immer dieses dröge Rehgehopse; ein etwas unbeholfener Wackellauf sieht doch viel süßer aus. So ein richtig schön hilfsbedürftiges, leicht debiles Säugetier wie auch ebenjener Bill – ein Traum.

Zumal in dem von jeder anständigen Weltpolizei globalisierten Demokratie mindestens verhassten China der diesjährige Wackel-, äh, Fackellauf große globale Kreise zu ziehen vermag.

Dabei sein ist alles, heißt es in Bezug auf die mit Olympia eigentlich nur noch namentlich verwandten modernen Olympischen Spiele auch heutzutage, in einer Zeit der Gewinner, mit Blick auf das offenbar allgegenwärtige doping in fast perverser Weise leitspruchartig. Wen kümmert da schon Tibet? Das Wenige, was uns an Tibet fasziniert, ist ohnehin in einer fast lebenslangen Wanderausstellung ständig auch hierzulande zu sehen. Oder?

Wie tönten schon einst Die Goldenen Zitronen so treffend?
„Hier wurde niemand ausgegrenzt im Wettbewerb der Leuchten.“


Übrigens und apropos „tönen“ wird es, trotz oder aber auch wegen all des obigen Wortschwalls betreffs unsäglicher popular music, tatsächlich mal wieder Zeit für eine Musikempfehlung. Doch welche?
Nun, aufmerksamen Lesern könnte meine neuerliche Affinität zu der leider weithin unbekannten deutschen bayrischen Progressive-Metal-Gruppe High Wheel bereits aufgefallen sein.

Tatsächlich lautet meine diesmonatige Empfehlung wie folgt:
Kauft das Album Back from the void dieser unglaublich faszinierenden Musikgruppe, sobald ihr es irgendwo findet!

Freunde aktueller Porcupine-Tree-Veröffentlichungen, aber auch der frühen Van-der-Graaf-Generator– und Yes-Werke, die obendrein von Gesangschören ähnlich Gentle Giant angetan sind (insbesondere das Lied Void hat selbige zu bieten), sollten einen Blindkauf wagen; diejenigen unter euch, liebe Leser, denen das mal so absolut nichts sagt und die dies auch nicht zu ändern gedenken, werden nach dem unverbindlichen Reinhören noch immer ihre vorschnelle Entscheidung gegebenenfalls zu revidieren fähig sein.

Ich meinerseits, während der vergangenen Tage stets von anspruchsvoller Musik umgeben, benötige nun erst einmal ein wenig seichten Popscheiß, um wieder aufnahmebereit zu sein. Take on me!

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz vertwittert. (Hä?)

„Ihr müsst mich alle mal!“ // (Können war gestern.)

Ach ja:
Tschüss, Herr Heston. Bitte nicht wiedergeboren werden, danke im Voraus ©.

In den NachrichtenPolitik
„Das schönste am Bloggen ist das Überschriftenausdenken“ / Populisten unter sich

In dem Video werden Bilder von Anschlägen radikaler Islamisten und des ermordeten niederländischen Regisseurs Theo van Gogh neben Koranszenen gezeigt. Die Stimmen von Opfern der Anschläge am 11. September 2001 kurz vor ihrem Tod sind zu hören, ebenso radikale Prediger, die zur Enthauptung der Juden aufrufen. Ein Mädchen ist zu sehen, das Juden als Schweine und Affen bezeichnet – ebenso Leichen von Terroropfern und Enthauptungsszenen aus dem Irak.

Verweist der zitierte Textausschnitt rein inhaltlich noch auf einen durchaus unterstützenswerten Film, der die durch radikalen Islamismus entstandenen Probleme unserer Zeit schonungslos aufdeckt, was immer das heißt, so schafft es der gerüchteweise SPD-nahe SPIEGEL doch immer wieder, aus Nachrichten durch bloße Formulierungen eine Privatfehde zu schmieden.

Denn der Film, um den es geht, stammt nicht von irgendwem und ist natürlich schon aus ethischen Gründen nicht als Zeitkritik zu verstehen, sondern:

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat seinen Koran-feindlichen Film […] ins Internet gestellt.

[…]

Seine rechtspopulistische Protestpartei PVV fordert unter anderem einen Einwanderungsstopp für Muslime und ein Verbot des Koran.

Seit mehr als vier Jahren fällt Wilders durch Hasstiraden und respektlose Bemerkungen in den Niederlanden auf […].

(Hervorhebungen von mir.)

Was aber nun, lieber Anonymus plö, c/o SPIEGEL.de, möchte diese Nachricht mitteilen?
Film gut, aber Autor Islamkritiker, also Nazi, also Film wiederum schlecht?

Da habe ich wohl etwas missverstanden.


(Das Zitat in der Überschrift stammt übrigens von einem weiteren Weblogger, um freundliche oder zumindest bemüht höfliche Beachtung wird gebeten.)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Weil Whitler.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Neues aus der Schein- und Wörterwelt (inkl. Medienkritik 1½)

Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. (…) Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.

Na, von wem mag’s sein?

Ja, auch die CDU hatte mal gute Ideen. Leider blieb es bei der Idee. Wesentlich einladender als eine starke Verfassung aufzubauen scheint es zu sein, sie zu zerstören; das wird Herr Schäuble (bekannte Verstöße u. a. gegen Art. 3, 6, 11 MRK, § 261 StPO und Art. 13, 103 (u. v. m.) GG) indes sicher nur ungern bestätigen, seine politischen Gegner (das waren noch Zeiten!) hingegen jederzeit; politische Gegner, die der „allereinzige“ (WDR Poetry Slam vom 24. Februar) SPIEGEL, der nicht unbedingt für seine neutrale Berichterstattung bekannt ist, trotz noch immer zweitgrößter Wählerschar zersetzt, gar in Trümmern wähnt.

(Ob man nun ein Nachrichtenmagazin, das sich zwischen Äquator und Ecuador nicht entscheiden kann und den nahe liegenden Kompromiss Equador letztlich mehrere Minuten lang durch die Newsticker rattern lässt, ernst nehmen sollte, sei einmal dahingestellt.)

Und während man bei heise Farben steigert, knurrtkichert (spex #313) der immerwährende Zentralrat der Juden sich einmal mehr den Untergang Deutschlands herbei; ’s ist schon ein (Eisernes) Kreuz mit all den Nazis und ihrer Schwarz-Rot-Goldenen Symbolik.

Apropos:
160 Jahre Schwarz-Rot-Gold. Nicht alles wird besser mit den Jahren.

In den NachrichtenPolitik
Onlinedurchsuchungen

Kurz nach der Entscheidung (die spaßigerweise auch irgendwas mit Big Brother zu tun hat) ließ sich die für den geistigen Unrat verantwortliche Partei nicht nehmen, eine Presseerklärung abzugeben, deren augenscheinlichen Kernsatz ich hier unkommentiert wiedergeben möchte:

Es war richtig, dass Wolfgang Schäuble die rechtsstaatlich fragwürdige Praxis Otto Schilys, die Online-Durchsuchung per Verordnung, ausgesetzt hat. Einmal mehr wird deutlich: Die CDU ist die Partei der inneren Sicherheit und des Rechtsstaates.

Nun ja.

In den NachrichtenMusikNetzfundstücke
Und abermals die immer gleiche Industrie!

Das Europäische Parlament hat die Mitglieder der Europäischen Union dazu aufgefordert, einen Plan zur Kriminalisierung von Urheberrechtsverstößen voranzutreiben.

(Quelle)

Weil nämlich:

Der aktivste Unterstützer der Gesetzesvorlage ist der Italiener Nicola Zingaretti. „Organisiertes Verbrechen findet man weltweit und nimmt keine Rücksicht auf Grenzen. Wir wollen sicherstellen, dass Fälscher innerhalb der EU bestraft werden können“, sagte Zingaretti in einer Stellungnahme.

Er betonte, dass man mit dem Gesetz organisiertes Verbrechen im Stile der Mafia bekämpfen will. Es soll nicht darum gehen, Kinder für das Herunterladen von Musik zu bestrafen.

(Alle Hervorhebungen von mir.)

Dann doch mal eins nach dem anderen:
Ein Italiener möchte EU-weit gegen organisiertes, erst noch gesetzlich definierbares Kopierverbrechen „im Stile der Mafia“ vorgehen?

So weit, so gut. Das lässt, so rein von der Formulierung her und so, zwei Interpretationen zu:

  1. Er möchte gegen massenhafte Verbreitung illegaler Kopien vorgehen und benutzt hierbei die lustigerweise ebenfalls italienische Mafia als Vergleich. Gegen die man in seinem Land, glaubt man der Wikipedia, seit sagenwirmal 150 Jahren schon vergeblich vorzugehen versucht, was aber regelmäßig an der Korruption im Land gescheitert ist.
    Ein hübscher Vergleich, ja.
     
  2. Eigentlich völlig albern, nur des schönen Wortspiels wegen:
    Er möchte, dass man im Stil der Mafia gegen Raubkopierer vorgeht. So richtig mit Bestechung, Bedrohung und allem Drum und Dran.
    Aber wofür braucht man da ein neues Gesetz?

Und aber immerhin ist’s beruhigend, dass man mit dem geplanten Gesetz nicht gegen kleine Fische resp. Kinder vorzugehen gedenkt. Für ein paar lächerliche Musikstücke würde man doch niemals das Leben des Täters für die nächsten paar Dekaden im Voraus ruinieren. Nein, hier wird es weiterhin bei angemessenen Geldstrafen bleiben. Sagen wir: 2.500 Euro pro so genanntem Lied (ihr wisst schon, Mark Matlock und wie sie alle heißen)?

Immer gesetzt den Fall, man ist ausreichend desinformiert, natürlich.

Owei, owei!


Nachtrag:
Eigentlich ist es erschütternd, aber dann habe ich doch darüber gelacht. Man muss nur den Ton weglassen, sobald der Pocher erscheint.

In den NachrichtenPolitik
Mohammed zum Zweiten

Während der SPIEGEL es sich in seiner dieswöchigen Ausgabe nicht nehmen lässt, die Sache mit Ludwigshafen mit plakativen Fotografien von „Nazis raus!“ skandierenden Menschenmengen zu dekorieren, ist wenigstens die heutige FAZ ein attraktiver Lichtblick aus dem Dunkel der sich tief bückenden Volksmedien, wenn auch bezgl. einer anderen Thematik; ich zitiere mal:

So gut wie alle nationalen dänischen Zeitungen haben am Mittwoch die Mohammed-Karikatur des Zeichners Westergaard gedruckt, gegen den Mordpläne geschmiedet worden waren. (…) [Westergaard] lebt seither unter Polizeischutz.

Und das Ganze da, wo es hingehört: Ganz oben auf der Titelseite nämlich. The West is the best, immerhin.

Ob dieser Akt der Solidarität nun tatsächlich richtig aufgefasst wird oder die sich stets stellvertretend sorgenden Boulevardblätter erneut Hass und Faschismus herauslesen, wird sich nun zeigen; aber wir (i. s. ausnahmsweise mal die europäischen Völker) müssen ja auch nicht alles mit uns machen lassen.

Ich freue mich schon auf den nächsten „Dialog der Kulturen“ auf „gleicher Augenhöhe“. Wie bei einem alten Ehepaar läuft ein solcher stets ab: Einer redet, einer nickt.
Wer ist wer?

Übrigens ist die Überschrift zum unvermeidlichen „Erdogan und Ludwigshafen“-Artikel in der FAZ auch sehr schön:

„Erdogan schürt Ängste“


Nachtrag von 23:01 Uhr:
Ging ja flink; schon werden wieder Flaggen verbrannt, Applaus!