Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik extern: Die Wiederentdeckung der Studioanimationen

Das ZDF hat ein neues Nachrichtenstudio bekommen, in dem alles noch moderner und multimedialer wirken soll; aber wie bei dem mehrere Schülergenerationen plagenden Problem „Powerpoint-Animationen oder lieber brauchbare Inhalte?“ wird auch hier wieder sinnlos irgendwas animiert, ohne dadurch einen echten Mehrwert zu erhalten; Nachrichten sollen nicht auf Kosten der Gebührenzahler spannend sein und unterhalten, sie sollen informieren. Wann lernen die Verantwortlichen das endlich?

Peinlich vor allem, wenn man’s mit der Mediennutzung übertreibt:

Man braucht kein virtuelles Studio, um zu zeigen, wo es bei einem Atomkraftwerk gebrannt hat. Im Gegenteil: Man würde es besser verstehen, wenn nicht ein Moderator ungelenk neben den Animationen herumstünde und mit der Hand vage in einen leeren Raum zeigte.

Ich weiß schon, warum ich nur noch selten fernsehe. Es ist einfach zu albern.


Auch nicht schlecht übrigens:

Blake Fielder-Civil beansprucht einen Teil des Vermögens seiner geschiedenen Frau Amy Winehouse, weil er sie erst durch sein Verhalten zu ihrem Album inspiriert habe – indem er fremdging.

Selbst, wenn dies erfolglos bleibt: Grandios!

In den NachrichtenPolitik
SPON: „Kader Loth wird Frauenbeauftragte in Pauli-Partei“

Danke wieder einmal, Weltgeist:

Die ehemalige „Miss Penthouse“ Kader Loth ist ab sofort die Frauenbeauftragte der Freien Union.

Welch weitsichtige Entscheidung, das ehemals im Fernsehboulevard beheimatete Lästermaul Kader Loth, die so manche Frauenklischees erfüllt, zur Frauenbeauftragten zu machen. Ich spreche ihr nun mangels Informationen nicht unbedingt die Kompetenz für dieses Amt ab; aber die Schlagzeile las sich doch recht amüsant.

Zumal der Artikel dazu:

Es dauerte nicht lange, bis auch das Magazin „Penthouse“ an Kaders Tür klopfte. Kader, die sich ihrer Ausstrahlung und Charisma bewusst war, willigte zu einer Zusammenarbeit ein.

Schließlich sind Ausstrahlung und Charisma ja auch die beiden wichtigsten Eigenschaften einer Frau, die als Kandidatin für jenes Magazin in Frage kommt, und nicht etwa andere, eher weniger subtile Eigenschaften; mithin prädestiniert ein Erfolg hierbei für eine Karriere in der Politik. Laut sein, schrill sein ist gefragt. Wer braucht schon Inhalte?

Wie erwähnt: Danke, Weltgeist!

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Medienkritik extern: Nicht noch eine „Casting“-Sendung!

Das wird ein Spaß, wenn Pro Sieben am 27. September über die Bundestagswahl 2009 berichtet. Wahrscheinlich sitzt da dann eine Jury in einem Studio, die virtuell die Spitzenkandidaten der Parteien anfeuert: “Gib Power! Gib Gas! Gib alles!” Aus dem Off dröhnt der Sprecher: “Wer schafft es in die nächste Runde?” Die Statements von Guido Westerwelle werden mit lustigen Comicgeräuschen unterlegt. Koaltionsverhandlungen heißen nicht mehr Koaltionsverhandlungen, sondern Recall. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, läuft zu den Slowmotion-Bildern der strahlenden Sieger “Sinfonie” von Silbermond. Am Ende ziehen die Auserwählten in eine “Villa” ein (weil “Kanzleramt” so schwer auszusprechen ist), und der Off-Sprecher kündigt an: “Das wird das größte Abenteuer Ihres Lebens!”

Aber eigentlich ging es ja um den x-ten Versuch von Pro7/Sat.1, eine neue „Casting“-Sendung zu entwerfen; wobei das mit dem „neu“ dann auch nicht so genau genommen werden sollte.
Mehr darüber gibt es bei den Medienpiraten zu lesen.

Und apropos „Piraten“: Jörg Tauss kämpft für seine Ziele; hoffentlich mit wenigstens teilweisem Erfolg. Auch wenn’s im Sommerloch beinahe unterzugehen droht.

(Teufel, ist das heiß hier.)

In den NachrichtenMusik
Medienkritik XII: Respekt für die Privatsphäre der Angehörigen? Ja, steht da. Guck.

Gruselig: Man öffnet das Nachrichtenkonsumierprogramm seiner Wahl und liest seitenweise „Michael Jackson, Michael Jackson, vielleicht, ja, nein, doch, tot, Absicht, Versehen, gut, schlecht, erwartet, unerwartet“, und das in allen nur erdenklichen Facetten. Eine sachliche Berichterstattung ohne Werbeeinnahmen erzielende Klickstrecken mit den immer gleichen „exklusiven“ Bildern von Särgen und weinenden Anhängern hat, so weit ich sehe, bislang nur das Krankenhaus hinbekommen:

Jackson’s family requests that the media respect their privacy during this tragic period of time.

Schade, dass dieser Satz zwar von zahlreichen – auch deutschsprachigen – Medien erwähnt wird, allerdings zwischen all den Fotostrecken, virtuellen Kondolenzbüchern (ach du meine Güte!) und den anderen geschätzten zweiunddrölfzig Artikeln zu diesem Thema nicht weiter auffällt.

„Die Angehörigen baten die Medien öffentlich darum, ihre Privatsphäre zu respektieren. Exklusive Bilder/Videos von der weinenden Mutter/Schwester und/oder dem Abtransport des im Koma liegenden/sterbenden/toten Sängers gibt es übrigens hier: …“

Nur schwer zu schätzen, wie viel Energie für diese Meldung weltweit verbraten wurde. Dem Internet sei Dank erfahren wir heute alles sofort, schnell und exklusiv und mit vielen bunten Bildern garniert. Auf Kosten diverser Charaktereigenschaften, versteht sich.

(So herrlich dämlich die üblichen Fotostrecken auch sein mögen, sie bieten amüsante Momente. We rip Michael!)

Scream“ ist ein sehr gutes Lied. Ehrlich jetzt.

In den NachrichtenLyrikNetzfundstückePersönlichesPolitik
Unerwünschte Werbekunden (inkl. Versuch einer Assoziationskette, leider fehlgeschlagen)

Das haben sie nun davon:
Da kauft Dynamo Dresden bei einem externen Dienstleister – datenschutzrechtlich ohnehin ein recht heikles Thema – eine recht lange Liste an Adressen, unter denen sie Geschäftskunden werben können, und dann ist unter diesen Adressen ausgerechnet auch ein NPD-naher Verlag. Eine grandiose Fehlleistung für einen Verein, der seine Mitglieder vertraglich zum Linkssein verpflichtet:

[…] alle damaligen Spieler mussten eine Liste unterschreiben, in der sie sich gegen ‚rechts‘ positionieren.

Allein schon die Existenz eines solchen Vertrages lässt mich, der grundsätzlich politische Entscheidungsfreiheit gutheißt, schmunzeln; und die NPD bekam den öffentlichkeitswirksamen Skandal, den man offenbar dringend vermeiden will, diesmal frei Haus.


Aber ich rege mich schon wieder auf. Über Politik. Das ärgert mich selbst.
Brechen wir das Thema also kurzerhand ab und assoziieren angesichts des Wetters einfach mal munter drauflos:

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ (Rudi Carrell)
„The fire in our throats will beckon the thaw.“ (Pelican)

Für dich brennen – dich wärmen – du lässt mich nicht kalt.
Für dich leben – mit dir leben – du bist Leben.
Dich lieben – du bist Liebe.
Lebenswert – liebenswert.

(Zu mehr Lyrik hat’s diesmal nicht gereicht. Vielleicht nächste Woche. Nach den Prüfungen.
Derweil kann sich der geneigte Leser beim Niggemeier über die treffende Karikatur des Journalismus‘ im Zeichen des „Web 2.0“ amüsieren.
Bis dahin gilt wieder einmal: Seufz!)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Medienkritik XI: Ruhrbarone gegen die Piraten

Mediale Aufmerksamkeit hat der wegen Besitzes von kinderpornografischem Material unter Beschuss stehende Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss durch seinen Wechsel zur Piratenpartei erhalten; eine willkommene Gelegenheit für mancherlei Personen, die Partei unter Generalverdacht zu stellen.

Und welch grober Unfug dabei entstehen kann! Das eher konservative Weblog Ruhrbarone.de macht es jedenfalls genau falsch:

Wenn er verurteilt wird, habt Ihr Euch dem erste überführten Kinderschänder im deutschen Parlament an den Hals geschmissen – nur um auch mal im Bundestag zu sein.

Zu einem „überführten Kinderschänder“ wird man mit Sicherheit nicht dadurch, dass man derartiges Material besitzt. Wer Videoaufnahmen von Kriegen, auf denen Morde zu sehen sind, besitzt, ist ja auch noch lange selbst kein Mörder.

Nebenbei bemerkt: Erst vor wenigen Wochen wurde Ursula von der Leyen aus ähnlichen Gründen angezeigt, dennoch schrieb am Folgetag meines Wissens keine Tageszeitung, die CDU habe „überführte Kinderschänder“ in ihren Reihen, und der Ruf nach Ausschluss der Politikerin aus der Partei wurde auch nicht laut.

Folgerichtig hieß es übrigens damals:

„Keine Anzeichen für ein strafbares Verhalten Frau von der Leyens“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald.

Frau von der Leyen führt kinderpornografisches Material öffentlich vor, um ihre Ziele zu verdeutlichen, und kommt straffrei davon; Herr Tauss bringt (vermutlich) ähnliches Material in seinen Privatbesitz, um sich ein eigenes Bild von der Sachlage zu machen, und wird allgemein gescholten? Was für eine Doppelmoral wird in den Medien eigentlich vertreten?

Eine sachliche Berichterstattung hat immerhin heise online hinbekommen:

Tauss hatte zu den Vorwürfen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material erklärt, es sei die Pflicht eines Volksvertreters, „sich eine eigene Meinung zu dringenden gesellschaftlichen Problemen zu bilden“.

Nur ein Gedankenspiel: Wie viele Menschen, die den Terminus „Kinderpornografie“ nur in Verbindung mit den Adjektiven „widerlich“ oder „ekelhaft“ kennen und verwenden, haben sich bislang eigentlich selbst ein Bild davon gemacht? Ich meinerseits werde mich hüten, über etwas zu urteilen, bevor ich es bewerten kann. Ich bin kein Freund davon, fremde Meinungen nachzuplappern.

Der Piratenpartei, der das Verfahren nun sicherlich nicht anzulasten ist, wurden schon ganz andere Dinge vorgeworfen; da freue ich mich schon beinahe auf die folgenden Schlagzeilen, in denen die Wähler der Piratenpartei direkt für den Missbrauch von Kindern verantwortlich gemacht werden.
Überraschend wäre solcherlei keinesfalls.

In den NachrichtenNetzfundstückePersönliches
Die Jugendkultur ist fix und foxi.

Noch immer dauert der Bildungsstreik an, bisher war in den Nachrichten von „ersten Zugeständnissen“ die Rede und davon, dass man das Bachelorsystem nochmals „überdenken“ werde.
Das reicht nicht, ist aber schon ein gutes Zeichen. Weiter so, Leute!

Schade übrigens, apropos „Bildung“:
Das Fix-&-Foxi-Heft wird (vorerst) eingestellt, und mit ihm sind mehrere Jahrzehnte deutscher Jugendkultur (ebenfalls vorerst) Geschichte. Warum aber das oft gescholtene Internet nicht an der sinkenden Nachfrage für den Zeigefinger allzu häufig schwingende Jugendmagazine ist, steht unter anderem hier.

Auch Micky Maus im Papierformat kann sich hierzulande meines Erachtens nur noch deshalb behaupten, weil es außer den kurzen comics mittlerweile auch zahlreiche Zusatzinhalte bekommen hat, angefangen mit den immer gleichen Agenten- und sonstigen Spielzeugbeilagen, mit denen es die Lücke, die „Yps mit Gimmick“ hinterlassen hatte, auszufüllen versucht, bis zu den diversen Witzen und Streichen, mit denen man Freunde, Verwandte und Lehrer „ärgern“ soll; Schadenfreude ist bekanntlich oft nicht die unangenehmste Freude.

Indes – was hat die Jugend für Alternativen? Für Micky Maus ist sie irgendwann zu alt, die eher an Jugendliche gerichteten BRAVO- und ähnlichen Heftchen sind auch nach wenigen Jahren nicht mehr interessant. Umfragen der Art „Was lest ihr am liebsten?“ zeigen, dass „gar nichts“ eine recht beliebte Lektüre ist; wenngleich nicht unbedingt eine anspruchsvolle.

Woher all diese Misere? Wird man während seiner Schulzeit dermaßen mit dröger Schulliteratur übersättigt, dass jegliches potenzielles Interesse an guter, abseitigerer Lyrik und Prosa nach absolviertem Abschluss nicht mehr besteht? Es wäre reichlich schade.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePersönlichesPolitik
Opera Unite: Kinderkram für Sensationslüsterne

Zwischendrin wieder einmal ein kurzer Beitrag für unsere Computerfreunde:
Mit einem wie üblich riesigen Brimborium hat Opera Software das neue Opera Unite zum Testen freigegeben, eine Art virtuelles soziales Netz auf dem eigenen PC, das unter anderem den einfachen Austausch von Dateien ermöglicht.

Hierzu wird ein minimaler Webserver auf dem eigenen Rechner gestartet, der dann mit den gewünschten Inhalten, zum Beispiel Bildergalerien, bestückt werden kann. Außerdem kann man anderen Unite-Nutzern Notizzettel hinterlassen, falls diese abwesend sind.

Nun bietet Opera Unite trotz des Wirbels, den man um es macht, nichts, was es nicht seit Jahren schon gäbe. Das plattformunabhängige Sockso zum Beispiel dient als lokaler Musikserver, Abwesenheitsnachrichten kann man über viele Messenger-Protokolle hinterlassen, und der Austausch von beliebigen Dateien über einen Server ist mit lokal installierbaren FTP- und HTTP-Servern inzwischen auch für Einsteiger problemlos durchführbar.

Insgesamt bietet Opera Unite also nichts, was die Nutzung des Internets revolutionieren würde. Im Gegenteil, die Nutzung eines lokalen Webservers für derlei teils triviale Zwecke ist eine Verschwendung von Computerleistung, mithin elektrischer Energie und damit Geld.


Prima hingegen: In Deutschland wird für die Verbesserung von Schul- und Studienbedingungen gestreikt. Ein ehrenhaftes Ziel, wenn auch manche offenbar über die Stränge schlagen:

Und als schließlich etwa achtzig Protestler die Hörsäle stürmten und “Solidarisieren, Mitmarschieren!” skandierten, wusste ich plötzlich wieder ganz genau, warum mir das alles nicht gefällt: Ich mag einfach kein Gebrüll und kein Marschieren.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Streik zumindest Kompromisse schließen lässt; ein funktionierendes Bildungssystem ist die Grundlage für einen funktionierenden Staat. Aber die Streikenden sollten es nicht versäumen, weiterhin friedlich zu agieren. Schief gegangen ist es zuletzt vor etwas über 40 Jahren.

Toi, toi, toi!
Sozusagen.

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
An der Schwelle eines Bürgerkrieges: Die digitale Generation trifft auf Inkompetenz.

Es ist recht beunruhigend, was dieser Tage so vor sich geht. In einem medial rundumbeschallten Deutschland ist es für Politiker offenbar nicht mehr notwendig, mit unliebsamen Äußerungen bis nach der nächsten Wahl zu warten:

„Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden“, äußerte sich Wiefelspütz in Bezug auf Webseiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten und fügte hinzu „Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt“.

(heise.de)*

Dass man alles, was man nicht versteht, erst mal verbieten lassen will, ist bedrückend. Die Inkompetenz der p.d. Volksvertreter wird von einem Volk getragen, das sich mit Brot und Spielen besänftigen lässt; Hauptsache, keine Nazis, oder wie ist das zu verstehen?

Die Generation C64 ist längst keine Nischenkultur mehr, sondern hat mit ihren Ideen unsere Medienlandschaft stark verändert. Das Internet ist längst kein Tummelplatz für ein paar Akademiker mehr, sondern bestimmt viele Aspekte des täglichen Lebens. Dass nun ausgerechnet diejenigen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Unkenntnis bezüglich der Digitaltechnik der letzten paar Jahre zur Schau stellen, sich anmaßen, über derart sensible Themen Entscheidungen zu treffen, ohne auf Einwände jener Personen, die seit Jahren ihr Brot mit diesem Fachgebiet verdienen, einzugehen, sie gar als kontraproduktiv einzustufen, ist bizarr.

Mit all den geplanten Terror- und sonstigen Abwehrgesetzen („[d]ie Sicherheitsbehörden sollen das Recht eingeräumt bekommen, jeden Brief, jedes Fax, jede E-Mail, jegliche Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger verdeckt zu überwachen“, via fixmbr) fühlt man sich fast wie in den paranoiden USA; wenn nicht gar wie in der Orwellschen Dystopie, vor deren Umsetzung nun seit Jahren vergebens gewarnt wird. Um so schlimmer ist die Politikverdrossenheit der Deutschen.

Alles kommentarlos über sich ergehen zu lassen ist sicherlich auch eine Freiheit, die die demokratischen Grundsätze dieses Staates gewähren. Aber es ist die falsche. Für die anstehende Europawahl bietet sich immerhin eine vertretbare Lösung an, deren Einzug ins Europaparlament gesichert sein dürfte. Aber dann? Und was, wenn nicht?

Um ein letztes Mal fixmbr zu zitieren:

Wir kämpfen für die Freiheit, die Unabhängigkeit, die Souveränität und das Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen Bürgers. Es geht nicht um die eine oder andere Meinung, nicht um Befindlichkeiten oder um Vergangenes. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage:

Was für eine Gesellschaft wollen wir unseren Kindern hinterlassen?

Es ist schlichtweg zum Kotzen.

(War erst mal mein letzter politischer Beitrag. Versprochen.)


* Nachtrag: Inzwischen hat er dieser Darstellung widersprochen.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Medienkritik extern: Der Fall Kurras – eine Fußnote der Geschichte

Berichterstattung zum Thema „Benno Ohnesorg und die Folgen seiner Tötung“ geht auch ohne Hysterie:

Tut mir leid, aber der Fall Kurras interessiert mich nicht. Ob die Geschichte der Beh-Err-Deh anders verlaufen wäre, wenn der Ohnesorg-Erschießer beizeiten als Stasi-Hiwi enttarnt worden wäre? Womöglich schon vor dem Schuss, 1965 nämlich, als ihm der Verfassungsschutz schon mal auf der Spur gewesen sein soll? Wäre, hätte, könnte. Wer sich immer noch an derlei Hypothesen abarbeitet, darf meines herzhaften Gähnens sicher sein.

Wichtiger, finde ich, ist dies: schon lange, bevor Kurras abgedrückt hatte, musste man nicht bei einem Geheimdienst gewesen sein, um zu wissen, dass so genannte fortschrittliche Kreise des Westens im großen Stil von der illegalen KPD (die 1968 zur DKP umgetopft wurde) und ihren diversen Tarn- und Vorfeldorganisationen unterwandert waren und dass dadurch politische Stimmungen des Westens in einem ganz erstaunlichem Ausmaß beeinflusst wurden. Was sie, die fortschrittlichen Kreise, bis heute nicht wahrhaben wollen…

Weiterlesen, zustimmen und abhaken.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Schuldenverbot ins Grundgesetz? Wie das?

Kurzer Spaß für zwischendurch:

Im Grundgesetz soll eine Bestimmung aufgenommen werden, die neue Schulden des Bundes [ab 2011] zukünftig verbietet, sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Dienstag zum Auftakt der viertägigen Haushaltsberatungen des Bundestages.

(via CDUCSU.de [natürlich])

Neue Schulden sollen „verboten“ werden – so weit respektabel. Hoch genug sind sie wahrlich schon jetzt.

Dass vom Schuldenabbau keine Rede ist, sei hier einmal beiseite geschoben; allein: Wie soll das Ziel erreicht werden? Durch weniger Ausgaben wohl kaum – sonst wäre dies längst passiert. Wahrscheinlicher sind Steuererhöhungen.
Zum Wohle der Wirtschaft. Wir kennen das ja.

Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt. Die Chance, die CDU/CSU abzuwählen, ist ja nicht mehr allzu fern; wenngleich zu bezweifeln ist, dass die Wahlumfragen repräsentativ sind (demnach hätten die Linke und die Piratenpartei schon längst mehrere absolute Mehrheiten! – was sicher auch eine amüsante Koalition ergäbe).

Auf jeden Fall gilt vermutlich auch 2010 noch:
Den meisten Murks fabrizieren meist die, die gerade „die da oben“ sind.

In den NachrichtenMusik
Erheiterndes am Sonntag

Ohne Worte:

Rabiater Einsatz: Gewaltsam hat ein Mann in China die Verkehrsblockade durch einen Lebensmüden beendet – er schubste den Mann von einer Brücke. Seine Begründung: Der potentielle Selbstmörder habe egoistisch gehandelt.

SPON


Mit wenigen Worten:

warum darf kempertrautmann fremde markenrechte umdeuten, nutzen und samplen, ein student in seiner abschlussarbeit aber nicht?

wirres.net I

Es scheint in letzter Zeit recht beliebt zu sein, das WWW nach abmahnfähigen Inhalten zu durchforsten, und sei’s nur aus Profitgründen. Dass ein Student die „Du bist Deutschland“-Kampagne nicht ungefragt verwursten, ein großes profitorientiertes Unternehmen jedoch das „Johnny Walker“-Markenzeichen zu Werbezwecken in einen anderen Kontext stellen darf, ist erstaunlich.

Aber dieses eine Mal hat es dann ja doch noch funktioniert mit der Kommunikation:

alexander lehmann und michael trautmann haben sich telefonisch und gütlich geeinigt

wirres.net II


In zwei Sätzen:

Seit heute ist das aktuelle Green-Day-Album „21st Century Breakdown“ im Soundcheck. Um zahlreichen Zuspruch wird gebeten.
Nachtrag: Inzwischen ist auch Maxïmo Parks „Quicken the Heart“ fertig rezensiert.

21st Century Breakdown
Quicken the Heart

In den Nachrichten
Zum 60. Todestag von Klaus Mann

Es wird viel zu wenig beachtet über all den Meldungen von maroden Automobilkonzernen, daher nutze ich diese Plattform, um eines weitaus interessanteren Ereignisses zu gedenken:

Heute ist der 60. Todestag von Klaus Mann, der sicherlich weniger Bekanntheit vorzuweisen hat als sein Vater Thomas, allerdings Generationen von Schülern mit Werken wie Mephisto Kopfzerbrechen bereiten konnte.

Salut!
Auf dass bessere Zeiten folgen mögen.

In den NachrichtenWirtschaft
Terrorbirnen

Der Zoll soll in Deutschland nach einem Verkaufsverbot für Glühbirnen die Einfuhr herkömmlicher Lampen verhindern. Gestoppt werden soll vor allem der Versand durch außerhalb der Europäischen Union ansässige Onlineshops, wie ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums der „Wirtschaftswoche“ sagte. Bund und Länder wollen ihr Vorgehen demnach am Montag beraten.

Abgefangene Glühbirnen sollen laut „Wirtschaftswoche“ entweder vernichtet oder an ausländische Interessenten versteigert werden.

So zu finden auf Manager-Magazin.de. Es ist schön zu sehen, dass die Bürokratie in diesem Land noch funktioniert, allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob hier vielleicht falsche Prioritäten gesetzt werden. Die Gefahr für dieses Land, die von der Verwendung von Glühbirnen ausgeht, halte ich persönlich doch für recht gering, wenn man sie nicht gerade unliebsamen Zeitgenossen ins Auge rammt.

Ob diese „Onlineshops“ wohl auch auf der Liste potenziell gefährlicher Webseiten und somit eines Tages in den geplanten Filterlisten landen?
Oder vielleicht geht den Verantwortlichen ja vorher ein Licht auf.

Um es wie Michael Miersch zu formulieren:
Glücklich das Land, das solche Probleme hat.

In den NachrichtenMusikProjekte
Hirngrenzen 2.0

Da bald wieder die Halbjahresliste ansteht (huch, schon wieder so viel neue Musik), kommt es mir nur gelegen, dass ich nunmehr viel Gelegenheit bekomme, in Übung zu bleiben:

Zusammen mit Peter von den Schallgrenzen und einigen weiteren Probanden bin ich seit einigen Tagen Teil eines Rezensionskomitees, das unabhängig voneinander aktuelle CDs bewertet, die nicht allzu weit vom mainstream und damit dem Publikumsinteresse entfernt sind. Das Ziel ist es, möglichst unterschiedliche Meinungen über ein Album zu sammeln, da jeder der Beteiligten einen eigenen Musikgeschmack entwickelt hat und somit eine andere Klientel vertritt.

Der erste Teil dieser losen, „Soundcheck“ genannten Reihe bildet das Album „Controlling Crowds“ der Triphop-Gruppe Archive. Wer noch zögert, es zu erwerben, kann sich hier ein Bild davon machen.


Die Definition des „Amoklaufes“ ist, das wissen wir inzwischen, eine recht subjektive. Die weichesten, schwammigsten (wie steigert man das eigentlich?) Grenzen hat, wie so oft, der SPIEGEL heute gesetzt:

Amokalarm an einem Gymnasium in St. Augustin: Nach einer Messerattacke auf eine Schülerin hat die Polizei eine Fahndung nach einer 16-Jährigen ausgelöst. Sie soll nach einem Streit auf ihre Mitschülerin losgegangen sein und diese an der Hand leicht verletzt haben.

(Hervorhebungen von mir.)

Diese tatsächliche Tat, die jedenfalls für mich so weit eher wie eine Affekthandlung scheint, wird in dem Artikel ergänzt durch etliche Vermutungen und ernsthafte Zweifel daran, dass die Flüchtige tatsächlich einen Amoklauf geplant hatte. So ist das oft, wenn man über Ereignisse berichten soll, an denen man selbst nicht beteiligt ist.

Die Definition des Amoklaufs erlaubt dem Journalismus, so scheint es, noch immer zu viele Freiheiten. Ein neues Wort muss her.

Hat jemand einen Vorschlag?

Nachtrag:
Die Tagesschau weiß inzwischen mehr und nennt endlich mal konkrete Fakten. Der geplante Amoklauf bleibt noch immer ein „vager Verdacht“, jedoch wurden mittlerweile die Indizien für einen solchen klar benannt.
Warum nicht gleich so?