Archiv für die Kategorie ‘Piratenpartei’.

Arrrrrrrrrrrrrrrrr!

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Oxide & Neutrino – Up Middle Finger

Huch - KäuzchenMontag. Man sollte dieses Wort als Schimpfwort in ein Schimpfwörterlexikon aufnehmen.

Weil’s eben passt: Ein Großteil des Bremer Landesverbandes der Piratenpartei, der sich zu Unrecht (lokale Kopie) nicht mehr willkommen fühlte, hat’s der Berliner Parteiprominenz nachgemacht und ist ausgetreten, natürlich nicht immer ohne einen Blogeintrag. Viel Geschrei allerorten. Der Berliner Landesverband ist schon weiter, er hat sich gestern mehrheitlich dafür ausgesprochen, mit vorhandenen Mitteln eine neue Partei zu gründen, vorerst als Zweitpartei. Ich vermute, dort werden sich in absehbarer Zeit viele Mitglieder der „Progressiven Plattform“ sammeln, was nur konsequent wäre, immerhin will am 28. September auf der „anderen“ Seite des Piratenspektrums auch die Partei „Neue Liberale“ (es gab bereits 2010 den Versuch einer Parteigründung unter diesem Namen) einen Gründungsparteitag abhalten. Damit hätten sich nun sowohl der „neoliberale Flügel“ als auch der „Flügel“ derer, die nach 2009 die Piratenpartei bei eher mauem Wählerzuspruch von einer Nerd- zu einer erkennbar „linken“ Partei erweitern wollten, selbstständig gemacht; zurück aber bleibt womöglich keine rauchende Ruine, sondern eine Partei, die wohl zumindest nicht mehr zwischen den ständigen Flügelkämpfen zerrissen wird und deren Bundesvorstand zu weiten Teilen auch von denen gewählt wurde, die die Vorstellung von einer Partei, die sich vorrangig für direkte Demokratie, ein modernes Urheberrecht, Datenschutz und Privatsphäre einsetzt, noch immer nicht aufgegeben haben. So weit die Theorie.

In der Praxis allerdings ist immer noch Montag. Und Montage sind wirklich, wirklich nicht gut. Aber was soll’s? Die Montagsstimmung raus und es kann losgehen.

Oxide & Neutrino Up Middle Finger

Didn’t wanna back we / now they beg friend
Up middle finger / I show them

Guten Morgen. :aufsmaul:

In den NachrichtenPiratenpartei
Ausgelauert

Erinnert sich noch jemand an Christopher Lauer?

Christopher Lauer war unlängst noch, nun, charismatischer Landesvorsitzender des Landesverbandes Berlin der Piratenpartei Deutschland und fiel in den letzten Jahren meist dadurch auf, dass er politische Gegner im Berliner Abgeordnetenhaus ebenso wie in diesen scheußlichen talkshows genüsslich zerriss, wobei er sich auch in der eigenen Partei selten mit Kritik zurückhielt.

Sein jüngster großer Auftritt, die Bewerbung als politischer Geschäftsführer auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Halle, hatte auch für mich als Teil des anwesenden Publikums einen hohen Unterhaltungswert:

Christopher Lauer grandiose Kandidatur Rede beim #aBPT14

So dreist und satirisch diese Rede auch gewesen sein mag, er verdrängt nur teilweise den schwelenden Richtungsstreit (wir erinnern uns: auf diesem Parteitag hat der progressive Flügel der Piratenpartei jegliches Vorstandsamt auf Bundesebene aufgeben müssen). Christopher Lauer als Vertreter des linken Teils der Piratenpartei hat sich hier als Landesvorsitzender also mit einer Mehrheit – den Liberalen (von den Progressiven gern bekloppterweise auch die Rechten genannt) – angelegt.

Es ist in der Piratenpartei nicht verboten, einen Parteitag zu trollen, was mir sehr gelegen kommt; die Satzung gilt trotzdem. Vom neuen Bundesvorstand, der auf diesem Parteitag gewählt wurde, wurde auch erwartet, sich nicht zum Spielball machen zu lassen, wie es der vorherige Bundesvorstand war. Gerüchten zufolge hat dieser Bundesvorstand auch angemessen reagiert und satzungsgemäß nach vorheriger Anhörung möglicherweise Ordnungsmaßnahmen gegen Christopher Lauer verhängen wollen, der Anhörungstermin wäre der 25. September gewesen. Auch sonst macht der amtierende Bundesvorstand vieles anders und versagt etwa der „openmind“, der Konferenz mit dem Symbol der verkrampft geschlossenen erhobenen Faust, die Unterstützung.

Gestern trat Christopher Lauer aus und kam damit einer Amtsenthebung zuvor. Manche Mitglieder der „progressiven“ – 2009 nannte man ja noch die „Netzpolitiker“ in der Partei „progressiv“ – Parteiseite folgten seinem Beispiel, oft unter großem Gezeter (auf Twitter) und Applaus (ebd.), denn ein leiser, unkommentierter Austritt ist ja doch nicht stilecht.

Sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus möchte der „Bubi“ (Christopher Lauer über ausgetretene Parteimitglieder) übrigens behalten. Aus Gründen.

Wir haben uns das auch einfacher vorgestellt.


Nachtrag: Auch Anne Helm („THANK YOU BOMBER HARRIS“ – leider überschattete diese doch eher unüberlegte Aktion ihre bis dahin weitgehend löbliche Arbeit für die Menschenrechte) und Oliver Höfinghoff sind ausgetreten, bedauernd begleitet von den Medien, die einen Austritt, wenn er nur laut genug ertönt, grundsätzlich als Zeichen für das sichere Ende der Piratenpartei deuten wollen; andere gehen, weil der Bundesvorstand ihnen vermeintlich nicht antifaschistisch genug sei. Die Piratenpartei ist zwar keine Antifa-Veranstaltung, wohl aber ist sie – wie alle guten demokratischen Parteien – totalitären Strömungen gegenüber negativ eingestellt.

Die Piratenpartei stellt zweifelsohne gesellschaftlich radikale Forderungen; wem eine Partei, in der politischer Radikalismus grundsätzlich nicht willkommen ist, jedoch nicht weit genug geht, der war in der Piratenpartei von vornherein falsch. Es wäre verfrüht, den Austritt von Klassenclowns und ehemaligen Mitgliedern, die sich mit den Grundfesten der Partei von Anfang an nicht identifizieren konnten, als Zeichen für den Niedergang der Partei zu verstehen. Es ist vielmehr ein sicheres Zeichen dafür, dass sie wieder weiß, wo sie stehen möchte, und sich nicht noch länger mit Flügelkämpfen selbst demontieren will. Ich bin damals in eine Partei eingetreten, weil ich das Urheberrecht und aktuelle Überwachungsgesetze in der gegebenen Form nicht in Ordnung fand und finde – nicht, um potenziell Gewaltbereite zu verdreschen.

Ich finde das gut.

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Notizen zur sächsischen Landtagswahl 2014

Die AfD ist mit fast 10 Prozent drin und die NPD mit ungefähr fünf Prozent beinahe auch beziehungsweise nicht. Die SPD kommt auf etwa 12,2 Prozent.

Twitternutzer, Blogger und „Journalisten“ sind so sehr darauf konzentriert, sich über die AfD zu empören, dass ihnen die momentan 40,2 Prozent für die rechtspolitische Spitzelpartei CDU – übrigens das gleiche Ergebnis wie 2009 – ebenso wenig sauer aufstoßen wie die Rolle der anderen Spitzelpartei (momentan „Die Linke.“) als zweitstärkste Partei des Landes. Die stillschweigende mehrheitliche Duldung von 40,2 Prozent für die CDU ist insbesondere einen Tag nach der diesjährigen „Freiheit statt Angst“ erschreckend. Gestern wurde gegen Überwachung demonstriert, heute findet man irgendwelche Neoliberalen schlimmer. Apropos neoliberal: Die F.D.P. muss auch in Sachsen draußen bleiben.

Ebenfalls mit großem Abstand raus ist übrigens die Piratenpartei. Das ist erstaunlich, immerhin hat die sächsische Piratenpartei im Wahlkampf mit Anne Helm (Wahlspruch: „Thank you, Bomber Harris!“) prominente Unterstützung gehabt. Offenbar hat der Wähler die positive Botschaft, mit der Piratenpartei an der Macht würden Probleme einfach wegbombardiert, nicht so richtig verstanden. Weil das linksfeministisch geprägte Auftreten der „Piraten Saxn“ aber erfolglos blieb, will man nun endlich aus den Fehlern lernen: Jetzt erst recht!

Aus den Reihen der Grünen kommt ein guter Rat für den weiteren Umgang mit sächsischen Wählern:

Bomber Harris do it again!

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 40,2 Prozent trifft es zumindest die Richtigen.

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Basisentscheid offline?

Beo (Symbolbild)Ach, Medien.

Vor beinahe genau vier Jahren schrieb ich:

LQFB jedenfalls ist bereits in seinem aktuellen Zustand nicht weniger als eine Reform der Demokratie.

Bei „LQFB“ (Liquid Feedback) handelt es sich, kurz gesagt, um eine seit Jahren im Testbetrieb laufende Plattform, auf der Mitglieder der Piratenpartei über Anträge abstimmen können. Ursprünglich hatte sich die Piratenpartei Deutschland zum Ziel gesetzt, auf diese oder eine andere Weise mal unter dem Begriff „BEO“ („Basisentscheid online“), mal unter dem Begriff „SMV“ („ständige Mitgliederversammlung“) eine einfach zugängliche Alternative zu den mehrmals jährlich an mitunter nicht für jeden Teilnehmer einfach zu erreichenden Orten stattfindenden Parteitagen einrichten zu können. Netzpartei, ihr wisst schon.

Dieses Liquid Feedback hat aber im Laufe der Zeit – abgesehen von der miserablen Beteiligung, ein ständiger Internetzugang wird für eine Mitgliedschaft in der Partei auch nicht vorausgesetzt – einige erhebliche Nachteile erhalten, seien es Delegationen, also die Konzentration vieler Stimmen auf einige wenige Mitglieder, sei es die ausbleibende Bereinigung der Benutzerdatenbank bei Austritt oder ausbleibender Beitragszahlung. Gegenwärtig ist LQFB also eigentlich nicht für verbindliche Mehrheitsabstimmungen innerhalb der Partei zu gebrauchen.

Da aber die Basisdemokratie in der Piratenpartei eine wichtige Rolle spielt, hat der Bundesvorstand sich nun vorläufig auf eine andere Methode zur Umsetzung des „Basisentscheids online“ geeinigt:

Es gebe keine Software, mit der eine verbindliche Mitgliederbefragung online abgewickelt werden könne. Außerdem seien solche IT-Systeme anfällig für Manipulationen. „Deswegen werden wir den ersten Basisentscheid jetzt wohl ganz konventionell, ganz herkömmlich auf Papier durchführen“, sagte [der Bundesvorsitzende Stefan] Körner.

Damit ist zwar noch kein „Basisentscheid online“ umgesetzt, aber zumindest ist es so jedem stimmberechtigten Mitglied möglich, ohne kosten- und zeitintensive Anreise zu einem Parteitag über Anträge abzustimmen; zudem ist die Missbrauchsgefahr gering, denn Briefpost erreicht selten nicht erwünschte Empfänger.

Aber was gab das nicht für ein tolles Bohei! Haha, diese Piraten. Post! Offline! Igitt! – Und so ist Twitter seit Stunden voller Lästereien über dieses Vorgehen. Dabei sind sich manche der Diskutanten auch für bescheuerte Vergleiche nicht zu schade:

Mit dieser „Es muss 100% sicher sein“-Attitüde der #Piraten hätten wir weder Internet noch elektrischen Strom oder gar Katzenklos.

Von hundertprozentiger Sicherheit war nie die Rede, und auch Abstimmungen per Post – Briefwahl quasi – sind nicht vor Missbrauch geschützt, aber im Vergleich zur gegenwärtigen Alternative noch immer die bessere Wahl. Mit einem Katzenklo würde ich allerdings tatsächlich gern irgendwo beinahe sicher abstimmen können. Wo genau geht das?

Derart private Dinge wie eine Wahl nur deshalb ins Internet zu verlagern, weil’s hip ist, ist, gelinde gesagt, eine Scheißidee, so lange nicht gewährleistet werden kann, dass die genannten Probleme eines solchen Wahlsystems nicht behoben werden können. Post-privacy ist in der Politik eben nicht egal.

Macht doch auch mal ein bisschen Urlaub vom Internet!
Felix von Leitner

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Piratenleaks, 29. Juli 2014

Im August 2013 veröffentlichte ich an dieser Stelle Informationen über eine unter Anderem von Thomas Gaul verantwortete Mailingliste der Piratenpartei Niedersachsen, die der „Pressekoordination der Landesverbände“ dienen sollte, auf die aber nicht jeder Pressesprecher Zugriff bekam. Was bei Vorstandslisten, wo womöglich interne Daten ausgetauscht werden, noch Sinn ergibt, ist in Pressedingen allenfalls absurd.

Da beide Seiten sich im Recht sahen, wurden mit Arne Hattendorf und Stefan „Sekor“ Körner, mithin Kandidat für die Nachfolge Bernd Schlömers sowie Thorsten Wirths als Bundesvorsitzender und, wie man so liest, regelmäßiger Akteur in Thomas Gauls Bekanntenkreis, zwei eigens hierzu berufene Schlichter darum gebeten, sich das Archiv der Mailingliste einmal vorzunehmen, um zu prüfen, ob nun eigentlich irgendwelche Klüngeleien betrieben wurden oder nicht.

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In den NachrichtenPiratenpartei
Was auf dem #aBPT geschah (eine Zusammenfassung)

Am Wochenende traf sich ein Teil der Piratenpartei Deutschland in einer Halle in Halle, um dem kommissarischen Bundesvorstand einen Nachfolger zusammenzuwählen. Die beiden Flügel der Partei hatten sich längst verhärtet, zur Wahl standen Vertreter des „progressiven Flügels“ (also der Parteilinken) ebenso wie Vertreter des „konservativen“ Kernpiratentums (also der Netzpolitiker und Datenschützer).

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MontagsmusikMusikPiratenpartei
Rush – 2112

Für den kommenden Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland kandidieren auch Wolfgang Dudda, seines Zeichens bigotter Kämpfer gegen das Böse, und Mirco da Silva, der als Motto für seine etwaige Amtszeit „Sind wir zu links, bist Du zu rechts.“ angab, was nicht unbedingt dafür spricht, dass irgendetwas besser werden wird.

Das Internet freut sich derweil seit Tagen darüber, dass bei der unerträglichen Massenvernichtungssendung „Eurovision Song Contest“ eine bärtige Österreicherin gewonnen hat („Österreich hat eine neue Kaiserin!“, man hört den SPIEGEL-ONLINE-Praktikanten beinahe durch den Bildschirm ejakulieren), während zwei Siebzehnjährige von den jubelnden Verfechtern der Toleranz dafür geschmäht wurden, dass sie blöderweise Russinnen sind. Ich habe offensichtlich die Pointe nicht mitbekommen.

Insgesamt also ein Montag zum Hardrockhören, wie mir scheint.

Warum nicht mal wieder was von Rush?

I can’t believe you’re saying, these things just can’t be true
Our world could use this beauty, just think what we might do

Guten Morgen!

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Von hinten durch die Brust in’s Auge

Aus der beliebten Rubrik „Mit Satzzeichen wär’s nicht passiert!“:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Derweil der kommissarische, zum Glück also wenigstens weitgehend ungefährliche Bundesvorstand der Piratenpartei so:

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen die Erfahrung machen müssen, dass Äußerungen unsererseits, die eigentlich nur der Beantwortung Eurer Fragen dienen sollten, postwendend in neue Klagen (wie erfolgversprechend oder nicht sie auch sein mögen) eingeflossen sind. (…) Es werden keine “öffentlichen” Sitzungen zu “nicht öffentlichen” Sitzungen, sondern die Sitzungen entfallen ganz und werden durch schriftliche Berichte ersetzt.

Man verstößt also so lange gegen die Grundsätze, die für einen kommissarischen Bundesvorstand gelten, etwa, dass seine Macht auf die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags zur Neuwahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sanktionen gefordert werden; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unangemessene Ecke gedrängt zu fühlen und ihr das Mitspracherecht sukzessive abzuschneiden. Wohlgemerkt: Auch dies wegen fehlender Handlungsfähigkeit unbefugterweise.

Im November nannte ich die Wahl des Bundesvorsitzenden gut und richtig. Ich beginne an meiner Aussage zu zweifeln.

FotografiePiratenpartei
Piratenpartei (Symbolbild)

Piratenpartei

Piratenpartei
Soziallaberale Piraten

Bevorzugter Konsens im Zwist zwischen Hooligans und Nichthooligans in der Piratenpartei scheint momentan, dass „die Piraten“ sozialliberal sind; um so größer war die übliche Empörung, als der Bundesvorsitzende Thorsten Wirth sich ausdrücklich nicht „Sozial-Liberal“ nannte und das zu Recht mit der fehlenden Definition begründete. Was genau soll sozialliberal denn sein? Eine Distanzierung von Linksradikalismus zumindest, genau definiert ist’s halt nicht (und was genau also zum Beispiel die AfD oder die Tierschutzpartei in dieser Hinsicht von der Piratenpartei unterscheidet, ist mir unklar).

Der bayrische Pirat Michael Renner begegnete meinem Unverständnis mit dieser Erklärung:

@tux0r @insideX dass „sozialliberal“ keinen Wikipediaeintrag hat zeigt wie wichtig es ist de.wikipedia.org/wiki/Soziallib… auf eigene Füsse zu stellen

Die „sozialliberale Koalition“ – kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – war eine Koalition aus F.D.P. und SPD, also aus heutiger Sicht aus Hartz IV und Wirtschaftsförderung, aus Kosovokrieg und „Gesundheitskarte“. Aber nein, es sei ja nicht alles schlecht gewesen:

@tux0r @insideX die Jahre der sozialliberalen Koalition gehören mithin zu den besten. Kennst du bessere? Komm mir jetzt nicht mit der SED!

„Sozialliberal ist gut, und wer das nicht so sieht, der ist halt Sozialist“. Mutti, die Russen sind da!

Nein, wenigstens ein Teil der „sozialliberalen Koalition“ habe etwas bewerkstelligt, nämlich Phrasendreschen und Niederknien:

@tux0r Brandt: Kniefall, 2. Bildungsweg, „mehr Demokratie wagen“, Strafrechts- und Strafvollzugsreform uvm bpb.de/izpb/10109/soz…

Brandt also, der deutsche Konsenskanzler. Soll er Vorbild für die Piratenpartei sein? Aber nein:

Piraten, die sich „sozialliberal“ nennen wollen weder Brandt noch Scheel ausgraben. Sie wollen sowohl sozial als auch liberal sein. #iLike

Der noch lebende Walter Scheel freut sich wahrscheinlich darüber, dass Herr Renner ihn nicht ausgraben möchte; Willy Brandts Handeln erst als Beispiel für gelungenen „Sozialliberalismus“ anzuführen und nur wenige Stunden später darauf zu verweisen, dass er gar nichts mit der „piratigen“ Definition von „sozialliberal“ zu tun habe, ist aber zumindest rhetorisch ungeschickt. Sozialliberal? Irgendwie sozial, irgendwie liberal; wie eben auch beinahe jede andere Partei. „Sozialliberale Piraten“: Wissen nicht, wo sie stehen, finden aber wenigstens komplizierte Worte dafür.

Ich bin übrigens piratiger Pirat.

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
PISA beweist: Deutscher Nahverkehr macht Schüler blöd!

Es gibt auch noch gute Nachrichten: Nur ein Fünftel der deutschen Schüler ist zu doof für Alltagsaufgaben, was Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern seinem ehemaligen Status als Land der Dichter und Denker wieder ein wenig näher bringt.

Wie gut können Deutschlands Schüler alltägliche Probleme lösen? Neue Daten aus der Pisa-Studie zeigen: Ein Fünftel der 15-Jährigen ist schnell überfordert. (…) Deutschlands Schüler liegen leicht über dem OECD-Durchschnitt[.]

„Alltägliche Probleme“ – das klingt doch schon weniger nach Intelligenztests („sortieren Sie diese abstrakten Gebilde nach Richtigkeit“) als nach praxisnahem Bildungsvergleich. Was für Probleme waren das denn so?

Die U-Bahn fährt ein, schnell noch ein Ticket kaufen: Tageskarte? Kurzstrecke? Ein Ring? Ermäßigt – oder doch nicht? Eine kleine Entscheidung nur, aber sie lässt täglich Tausende rätseln. Für die Pisa-Studie mussten sich weltweit 15-Jährige mit solchen Aufgaben befassen. (…) Besonders gut schnitten bei diesem Test wieder einmal asiatische Länder ab: Singapur, Korea und die chinesischen Städte Macau, Hongkong und Shanghai stehen erneut an der Spitze. Auch Japan landete weit vorn.

Selbst die Asiaten verstehen das Preissystem von blöden Verkehrsunternehmen wie der üstra also besser als „wir“; bzw. haben sie die gar nicht erst. Daran könnte man natürlich arbeiten, aber man könnte auch einfach jeden, der es nicht versteht, für nicht alltagsfähig befinden. Könnte man. Wie’s halt auch bei anderen Aufgaben so ist:

Schon frühere Studien hatten vor einem „Sockel der Abgehängten“ in Deutschland gewarnt, der Bundesbildungsbericht aus dem Jahr 2012 beispielsweise. Auch diese Pisa-Auswertung zeigt: Fast 20 Prozent der deutschen Schüler erreicht nicht das Basisniveau (Level 2 von 6), in etwa gleich viele Jungen wie Mädchen. Sie können also nur sehr einfache Aufgaben bewältigen, ohne vorauszudenken; beispielsweise schaffen sie es, das günstigste Möbelstück aus einem Katalog auszuwählen. Im Vergleich: In Japan und Korea erlangten weniger als 7 Prozent nur das Basisniveau.

Deutsche Kataloge: Viele Bilder, wenig Fakten. Japanische Kataloge kenne ich allerdings nicht.

Aber nicht nur ökonomisch relevante Aspekte waren in der Studie gefragt:

Wer im Alltag und in der Arbeitswelt bestehen will, so die Forscher, der müsse mehr können, als reines Schulwissen anzuwenden. (…) Der muss auch mal spontan ein fremdes Handy bedienen können, eine Klimaanlage oder einen MP3-Spieler.

Genau – in der Arbeitswelt findet keinen Platz, wer nicht schon in der Schule Fotos auf dem geklauten smartphone machen kann.

„Machen Sie mal die Klimaanlage an!“
„Ich kann das nicht, Chef.“
„Sie sind entlassen!“

Und wer senkt mal wieder den Schnitt? Richtig:

Spitzenwerte hingegen erzielten rund 13 Prozent der deutschen 15-Jährigen. Darunter sind deutlich mehr Jungen (60 Prozent) als Mädchen (40 Prozent), dieser Geschlechterunterschied entspricht dem OECD-Durchschnitt.

Vielleicht sollte die grundlegende Förderung von Mädchen also nicht in Einstellungsquoten bestehen, sondern darin, dass sie erst mal beigebracht bekommen, wie man lebt; also das volle Zugabteil richtig mit MP3s beschallt. Sonst wird ja nie was aus denen!


Was macht eigentlich die „Pirantifa“ grade so? Nun, Oliver Höfinghoff („Geh‘ mir aus der Sonne, sonst knallt’s hier“, hier nachzulesen), Pirat in Berlin, findet, Ali Utlu, schwuler, atheistischer, türkischer Pirat aus Köln, sei aufgrund seiner harschen Kritik an der Antifa klar ein Rassist und damit sowas von raus aus jedem politischen Diskurs. Politischer Diskurs muss heterosexuell bleiben! – Egal. Gegen das System. Fuck die Nuss! Auch, wenn’s schmerzt.

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Hooliganpiraten und Ausländergold

Gut: Es spricht sich langsam herum, dass „die Piraten“ keinen Richtungsstreit ausfechten.

Die Auseinandersetzung in der Piratenpartei findet nicht zwischen „links“ und „rechts“ statt, sondern zwischen lauten, politischen Hooligans und Leuten, die eine Politik jenseits der vorhandenen Denkschablonen machen wollen.

Schlecht: Die Karrieristen in der Partei gehen trotzdem nicht weg. Vielleicht haben sie den Text nicht gelesen.

(Bonuspointe aus aktuellem Anlass: Wisst ihr übrigens, mit wem einige Mitglieder der Piratenpartei – angetreten auch mit dem Anspruch, Lobbyismus zu bekämpfen – morgen gemeinsam „für den Bürger“ gegen Atomenergie demonstrieren wollen? Richtig: Mit der Windwärts Energie GmbH. – Manchmal glaube ich ja, die machen das mit Absicht.)


Wie schön:

Der EU-Gipfel hat Donnerstagabend das endgültige Aus für das Bankgeheimnis für Ausländer beschlossen.

Endlich ist Schluss mit der lästigen Rechtsauffassung, das Vermögen von Ausländern sei Privatsache. Die sind ja selbst schuld, wenn sie ihr Gold leichtfertig unserem Volk anvertrauen.

Das hat sich ja bewährt.

(…) man (…) nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold, und lege es beiseite zum Verwahren.
Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen

Piratenpartei
„… von MEINEN Gebühren!“

Erinnert sich noch jemand an Anke Domscheit-Berg?

Anke Domscheit-Berg (Frau von Daniel Domscheit-Berg, dessen Umtriebe normalerweise wesentlich interessanter sein sollten) ist nicht nur gelegentliche Kandidatin für alles Mögliche (momentan für die „Europaliste“) in der Piratenpartei Deutschland, sondern obendrein Feministin und Buchautorin, die nicht nur ihr Blog (Vorsicht: Verweis auf Anke Domscheit-Bergs Blog!), sondern auch von der Basis – also unter anderem von mir – bezahlten webspace der Piratenpartei für Eigenwerbung nutzt (siehe zum Beispiel hier, hier und hier).

Und wie putzig sie die Vollbeschallung auf allen Kanälen zu begründen versucht!

Das ist natürlich Werbung in eigener Sache, aber hätte ich nicht gewollt, dass Menschen mein Buch lesen, dann hätte ich auch keines geschrieben[.]

So weit die Rahmenhandlung.

Anke Domscheit-Berg ist obendrein allerdings nicht nur Mitgliedsbeitrags-, sondern auch GEZ-Zahlerin (hat sie das Memo nicht gelesen?), und als solche findet sie es natürlich total blöde, wenn andere Autoren, die sie nicht mag (zum Beispiel Thilo Sarrazin), von ihren Gebühren was sagen dürfen:

Ich zahle GEZ, um rassismus u menschenfeindlichkeit bei buchmesse eine plattform zu bieten?! WTF. @ard messestand: pic.twitter.com/2Ay3AjMhfb

Nun kann man von Thilo Sarrazin halten, was man will (strafbare Äußerungen hat er offenbar bislang nicht getan), aber mir erschließt sich der direkte Zusammenhang nicht. Darauf ist Anke Domscheit-Berg später noch einmal eingegangen: Es widerspreche dem Bildungsauftrag, „finanziert von öffentlichen Geldern“, Herrn Sarrazin eine Plattform zur Vermarktung seines Buches zu bieten; es fordere auch niemand ein Verbot, ihn reden zu lassen, nur eben nicht werbend in der ARD.

Ich stimme ihr insofern zu, als öffentlich-rechtlicher Rundfunk meines Erachtens nicht der Selbstdarstellung Einzelner dienen sollte (obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob nicht schon das Abspielen von Musik nicht mehr als bloße kommerzielle Werbung für die jeweiligen Interpreten ist).

Anke Domscheit-Bergs Buch trägt übrigens den Titel „Mauern einreißen!“. Das „Kulturgespräch“ über die Überwindung von Mauern – Ende Januar 2014 im SWR, einem Sender der ARD – hatte damit sicherlich nichts zu tun.


Nachtrag: Soeben erfahre ich, dass das, was ich oben „ihr Blog“ nannte, trotz der Adresse ankedomscheitberg.de und des Impressums gar kein Teil ihrer Website ist, denn auf ihrer Website – anders als auf besagtem Blog – stehe „nix von piratenpartei“. Da hat mich doch das Piratensignet in der Adresszeile fast in die Irre geführt!

Nachtrag (2): Anke Domscheit-Berg ist wieder eingefallen, dass sie gar nicht Landesgeschäftsstelle heißt; ein eigenes Signet hat sie sich aber immer noch nicht zugelegt. P wie Panke.

Piratenpartei
#lmvnds141

Die „Pirantifa“ gab vergangene Nacht ihre Auflösung bekannt.

Mehr Leute treten aus den „Jungen Piraten“, die zu einem Großteil verantwortlich für die Aktivität der „Pirantifa“ waren, als aus der Piratenpartei aus.

Die Fahne weht. Willkommen zurück, Piratenpartei. Fetzereien par excellence.

Guten Morgen.

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritikPiratenpartei
Kurzkritik: thisquietarmy – Phantom Limbs

Ich könnte mich an dieser Stelle noch etwas ausführlicher zum noch immer schwelenden #Bombergate und zum vermeintlichen Mitgliederschwund der Piratenpartei infolge einer saudämlichen Aktion einzelner Verwirrter äußern; tatsächlich haben einige langjährige engagierte Piraten, frustriert von dem frenetischen Applaus, den die beiden Protagonistinnen für ihr Loblied auf die Bombardierung Dresdens von einschlägig bekannten Berliner Piraten wie Oliver Höfinghoff („ihr habt den Krieg verloren!“, keine Pointe) bekamen, zu meinem persönlichen Bedauern vorübergehend abgemustert. Einige Landesverbände der Piratenpartei – bezeichnenderweise ist Höfinghoffs/Helms Berlin nicht darunter – haben sich inzwischen einer Erklärung angeschlossen, die eine Unvereinbarkeit politischer Gewalt mit liberalen piratischen Idealen zu verstehen gibt, wofür es prompt Kritik aus Berlin hagelte. Ja, die Berliner. Ein drolliges Land voller bornierter Schwachköpfe; an diesem Durchschnitt ändert auch der herausragende Christopher Lauer nur wenig.

Aber eigentlich wollte ich hier weniger über Politik reden und mehr über Musik, schon aus Gründen der Entspannung. Von Musik werde ich nur selten in Rage versetzt.

thisquietarmy - Phantom Limbs2012 veröffentlichte Eric Quach („thisquietarmy“) nach dem großartigen „Vessels“ mit dem bereits 2009 aufgenommenen „Phantom Limbs“ („Phantomgliedmaßen“) ein weiteres beachtliches Werk, dessen einziges Instrument wiederum die Gitarre ist. Das Unterwassermotiv wurde nicht beibehalten, auf „Phantom Limbs“ geht es stattdessen ziemlich gespenstisch zu.

Das eröffnende „Phantom Eye“ beginnt mit dissonantem Brummen. Allmählich kommen weitere Gitarrenklänge hinzu, die ruhige Anfangsstimmung wird von energischen, sich verdichtenden Riffs komplimentiert, nach sechseinhalb Minuten implodiert „Phantom Eye“ mit seiner Klimax. Das folgende „Phantom Brain“ wird von ambienten drones dominiert, zunächst klar instrumental identifizierbar, dann dunkler und bedrohlicher werdend, bis das Klanggebilde schließlich ausgeblendet wird. Ob diese Ausblendung sinnvoll ist, bleibt unklar; „Phantom Pain“, das die drones wieder in ihre Bestandteile zerlegt, lebt ebenfalls von ihren Effekten.

„Phantom Voltage“, das letzte und mit Abstand längste der vier Stücke, ist zugleich das ungewöhnlichste: Es beginnt mit Stille, langsam setzen einzelne Klänge ein. Talk Talks „Spirit of Eden“ als Vergleich zu bemühen mag etwas überzogen sein, Ähnlichkeiten sind aber durchaus gegeben. Wird da ein Rhythmus geklopft? Nein, es ebbt wieder ab. Wieder einmal wird alles dichter. Der Geist wird schwer. Zurücklehnen und genießen. Würde man von dieser Musik träumen, man träumte wohl, man säße auf einer Wolke und sähe von dort aus einen dieser anspruchsvollen Horrorfilme (zum Beispiel über das „Bombergate“) in Pastellfarben. Schön.

„Phantom Limbs“ – stream- und kaufbar hier – ist in all seiner Dunkel- und Schlichtheit großartig und die ideale Begleitung zu einem Glas Whiskey zum Feierabend; oder eben auch ganz ohne Whiskey. Ihr könntet das mal ausprobieren.